Broken

Kapitel 41

Die Verhandlung


Ginny Weasley öffnete langsam ihre Augen und wurde vom grellen Sonnenlicht geblendet. Sie wusste nicht mehr, wo sie war. Alles, das sie wusste, war, dass sie in einem weichen Bett in einem warmen Zimmer lag. Ginny schloss ihre Augen wieder und versuchte, sich daran zu erinnern, wo sie war. Das Letzte, an das sie sich erinnern konnte, war, dass sie ihr Diplom erhalten hatte ... nein ... da war noch mehr. Sie wurde von Ron in den Wald gezerrt, ja, der Plan. Ihr Vater und Harry wollten ihr weh tun oder sie töten. Blaise, Pansy und Draco tauchten auf und dann kamen die Zwillinge. Der Kampf. Wie konnte sie das nur vergessen? Ihr Vater hatte sie mit dem Imperius-Fluch belegt. Draco hatte ihn geschockt. Harry hatte dann den Cruciatus-Fluch angewandt und Draco hatte sie wieder gerattet. Er hatte Harry geschockt ... nein ... halt ... er ... er hat Harry getötet. Ginny setzte sich plötzlich gerade in ihrem Bett auf. Sie hatten Draco mitgenommen. Sie hatten ihn inhaftiert!

"DRACO!", rief Ginny. Sie sah sich um und merkte, dass sie im Krankenflügel der Schule lag. Sie hörte Schritte auf sich zukommen und merkte, wie ihr Herz schmerzte. Draco war okay, er würde zu ihr kommen.

"Ginny? Geht es dir gut?" Ginny sah hoch und sah Blaise und Pansy neben ihrem Bett stehen. Aber keinen Draco.

"Wo ist er?", fragte Ginny und sah sich panisch um.

Pansy und Blaise warfen einander einen nervösen Blick zu. "Sie haben ihn mitgenommen", sagte Blaise traurig.

"Wohin?", fragte Ginny.

"Nach Askaban." Pansy brach in Tränen aus.

"WAS?", rief Ginny und sprang aus dem Bett. Sobald ihre Füße den kalten Boden berührten, wünschte sie, sie wäre sitzen geblieben. In ihrem Bauch breitete sich eine Schockwelle des Schmerzes aus, der sich durch ihren ganzen Körper zog.

"Ginny, du musst dich ausruhen", sagte Blaise und legte ihr eine Hand auf die Schulter, damit sie nicht mehr wankte.

"Ich gehe zu ihm", sagte Ginny dickköpfig.

"Das werden Sie schön bleiben lassen." Ginny drehte den Kopf und sah, dass Madam Pomfrey auf sie zukam.

"Sie können mich nicht hier behalten. Ich bin keine Schülerin mehr", fauchte Ginny.

"Nein, aber Sie sind meine Patientin und ich erlaube Ihnen erst, zu gehen, wenn ich es für gerechtfertigt erachte", sagte Madam Pomfrey cool.

"Nein!", rief Ginny. "Ich gehe! Ich muss zu Draco!"

"Liebes, er ist besser hinter Gittern aufgehoben, wo er Ihnen nicht länger weh tun kann." Madam Pomfrey schob Ginny zurück ins Bett.

"Was zur Hölle meinen sie, von wegen, er hätte mir weh getan? Draco hat mir nie weh getan!" Ginny setzte sich wieder kerzengerade hin.

"Er hat bei Ihnen den Cruciatus-Fluch angewandt. Sie hätten beinah das Baby verloren. Es ist so traurig, dass es nie seinen Vater kennenlernen wird."

"Hat er verdammt nochmal nicht! Harry hat das getan, Sie Idiotin! Und unser Baby wird seinen Vater sehr wohl kennenlernen, denn Draco wird nicht in Askaban bleiben!", rief Ginny wieder wütend in Richtung der Frau.

"Sie stehen unter Schock, Liebes. Sie wissen nicht, was Sie da sagen. Mr. Malfoy hat Sie verflucht und als Harry versuchte, Sie zu retten, hat Mr. Malfoy ihn getötet."

"NEIN!", riefen Pansy, Blaise und Ginny zusammen.

"Die Auroren haben es gesehen!"

"Dann sind die Auroren verdammt blind!", rief Blaise lauthals.

"Wenn Sie nicht ihre Stimme senken, müssen Sie gehen", sagte Madam Pomfrey streng.

"Gut, dann gehen wir." Ginny kletterte wieder aus dem Bett, der Schmerz in ihrem Bauch war schon erheblich abgeflaut.

"Sie werden nirgendwohin gehen." Pomfrey schob Ginny zurück ins Bett.

"Dumbledore", sagte Ginny durch zusammengebissene Zähne.

"Verzeihung?", sagte Madam Pomfrey.

"Ich will zu Dumbledore", sagte Ginny wieder. "Sofort!", schrie sie.

Madam Pomfrey ging davon und murmelte etwas über ungehobelte Kinder. Ginny erlaubte Pansy und Blaise, dass sie sie zurück in die Kissen schoben.

"Was wird mit ihm passieren?", fragte Ginny besorgt.

"Ich weiß es nicht", sagte Pansy traurig.

"Sie haben mich gerufen, Miss Weasley?" Dumbledore tauchte aus dem Nichts vor ihnen auf.

"Ja, Sir. Ich muss sofort los zu Draco. Könnten Sie bitte Madam Pomfrey sagen, dass sie mich gehen lassen soll?", fragte Ginny und versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten.

"Ich kann sie nicht zwingen, Patienten zu entlassen, wenn sie nicht der Meinung ist, dass dieser schon so weit wäre", sagte Dumbledore traurig. "Und ich glaube wirklich nicht, dass Sie Mr. Malfoy so bald nach diesen Ereignissen wiedersehen sollten."

"Er hat mir nichts getan!", rief Ginny ihrem ehemaligen Direktor entgegen.

"Miss Weasley, Sie müssen verstehen, dass Sie zu Beginn des Schuljahres, sobald Sie begonnen hatten, Zeit mit Mr. Malfoy, Mr. Zabini und Miss Parkinson zu verbringen, mit diversen Schnitten, Blutergüssen und Verbänden gesehen wurden, die nicht Madam Pomfrey angelegt hatte. Sie haben aufgrund vieler unbekannter Verletzungen viele Schulstunden versäumt, Sie wurden vergewaltigt und von Mr. Malfoy hierher gebracht, und dann auch noch die Ereignisse am Abschlusstag im Wald. Die Beweise gegen Mr. Malfoy wiegen schwer."

"Blaise, Pansy und Draco haben mir nichts davon zugefügt!" Ginny war außer sich vor Wut. Wie konnten sie nur annehmen, dass das Slytherin Trio, das ihr immer geholfen und sie gerettet hatten, ihr das alles angetan hätten?

"Wenn ich fragen darf, wer hat Sie dann das ganze Jahr über verletzt? Sie waren nur mit dieser Gruppe beisammen." Dumbledore warf Ginny einen spitzen Blick zu.

"Ich ..." Ginny konnte es nicht sagen.

"Komm schon, Gin", sagte Pansy ermutigend.

"Es ist Zeit", nickte Blaise.

"Ich wurde mein ganzes Leben lang missbraucht", seufzte Ginny. "Von meinem Vater, meinen Brüdern und Harry", sagte sie.

"Miss Weasley, das sind sehr ernste Anschuldigungen."

"Es ist die Wahrheit!" Ginny konnte nicht glauben, dass jetzt, wo sie es endlich jemandem erzählte, er ihr nicht glaubte. Es war genau so, wie sie es immer befürchtet hatte. Das war genau der Grund, weshalb sie es nie jemandem erzählt hatte.

"Pansy, Blaise und Draco bemerkten es und halfen mir. Sie hielten mich von Harry fern, so oft es möglich war! Dann erzählte uns Ron von dem Plan, den mein Vater sich ausgedacht hatte. Er wollte mich am Abschlusstag töten."

"Ihr Vater sagte aus, dass er einen Kampf hörte und Sie und Mr. Malfoy fand, wie Sie sich duellierten. Als er einschreiten wollte, schockte Mr. Malfoy ihn."

"Natürlich würde er das behaupten! Er wird doch nicht zu Ihnen und einer Horde Auroren gehen und sagen, dass er seine Tochter jahrelang schlug und er heute versuchte, sie umzubringen", blaffte Ginny. "Fragen Sie Ron."

"Ihr Bruder behauptet, nichts vom Abschlusstag zu wissen." Dumbledore schüttelte den Kopf. "Es tut mir Leid", sagte er. Er drehte sich um, um zu gehen.

"Sir?", rief Ginny.

"Ja, Miss Weasley?"

"Gibt es irgendwelche Gesetze, die mir verbieten könnten, Draco zu sehen, jetzt da ich volljährig bin?", fragte Ginny.

"Nein."

"Und gibt es irgendwelche Regeln, die besagen, ich muss in der Schule bleiben, wenn das Schuljahr vorbei ist?"

"Nein", wiederholte Dumbledore, diesmal mit einem vertrauten Funkeln in den Augen.

"Schön, danke."

Ginny legte sich ein paar Minuten lang zurück. Sie musste hier raus. Sie musste mit Ron sprechen und ihn entweder überzeugen, die Wahrheit zu sagen, oder ihn umbringen, weil er so ein Feigling war. In den Kampf waren so viele Leute involviert, die die Wahrheit sagen, und doch weigerten sich alle, ihnen zu glauben. Ginny setzte sich plötzlich wieder auf.

"Wie lang war ich schon hier?", fragte sie Pansy und Blaise.

"Drei Tage", sagte Blaise.

"Und Draco, es gab noch keine Verhandlung, richtig?", fragte Ginny in dem Wissen, dass niemand ohne Verhandlung wegen Mordes verurteilt werden konnte.

"Nein, sie ist in zwei Wochen", sagte Pansy.

"Gut. Ich muss mit den Zwillingen und Ron sprechen", sagte Ginny und kletterte aus dem Bett.

"Wohin gehst du?", fragte Pansy, als Ginny begann, in Richtung des Ausgangs des Krankenflügels zu gehen.

"Ihr habt Dumbledore doch gehört. Kein Gesetz der Welt kann mich hier behalten, ob ich nun Patientin bin oder nicht", grinste Ginny.

"Sag mir nochmal, warum du nicht nach Slytherin gekommen bist", grinste Blaise und folgte Ginny.


Ginny, Pansy und Blaise saßen in Pansys Zimmer. Pansys Sachen waren noch da, da sie beschlossen hatte, bei Ginny zu bleiben, solang diese noch im Krankenflügel lag. Die drei warteten in unangenehmer Stille, bis plötzlich die Flammen im Kamin smaragdgrün wurden und Fred und George heraustraten.

"Also, wie sieht der Plan aus?", sagte Fred. Er und George setzten sich.

"Wir müssen zu Ron, damit er allen sagt, was passiert ist. Ihr zwei müsst es ebenfalls allen sagen", meinte Ginny.

"Und wie hast du vor, Ron zu überzeugen?", sagte George durch zusammengebissene Zähne. Offenbar mochte er Ron immer noch nicht sehr.

"Ich weiß es nicht. Aber ich kann Draco nicht in Askaban verrotten lassen", seufzte Ginny.

"Wo ist Ron überhaupt?", fragte Blaise die Zwillinge.

"Zu Hause", sagten Fred und George gemeinsam.

Deshalb sagt er nichts", sagte Ginny zu niemand Speziellem.

"Ginny, wenn wir das tun, dann weißt du hoffentlich, dass du mit Dad in unmittelbarer Nähe in einem Gerichtssaal sitzen und alles erzählen wirst, ja?", fragte Fred.

"Ist mir egal."

"Also gut", sagte George. Er wusste, dass sie Ginny nicht davon abbringen konnten und keine andere Wahl hatten.

"Tun wir's", grinste Pansy.

"Könnt ihr zwei Ron in euren Laden bringen?", fragte Ginny die Zwillinge.

Die Zwillinge warfen einander ein böses Grinsen zu. "Definitiv."


Ginny saß mit Pansy und Blaise in der Wohnung der Zwillinge, die sich überhalb ihres Ladens befand. Drei Tage waren vergangen, seit sie den Krankenflügel verlassen hatte, und Ginny fühlte sich, als liefe ihr die Zeit davon. Ginny hatte Draco noch nicht gesehen, aber sie ging sicher und ließ durch Blaise ausrichten, dass sie kommen würde. Ginny wollte sicher gehen, dass alles vorbereitet war, bevor sie zu ihm ging und ihm sagte, dass sie dafür sorgen würde, dass er nicht verurteilt wird. Draco hatte Blaise natürlich gesagt, er solle Ginny ausrichten, dass sie sich um ihn keine Sorgen machen muss und sie sich lieber um sich selbst und ihr gemeinsames Baby kümmern sollte. Ginny wollte davon nichts hören.

"Ihr hättet mich nicht hierher zerren müssen!", hörte Ginny ein Stockwerk unterhalb rufen. Augenblicke später traten Ron und die Zwillinge ins Wohnzimmer zu Pansy, Blaise und Ginny.

"Hallo, Ron", sagte Ginny lächelnd.

"Ginny." Ron schluckte.

"Habe ich dir je dafür gedankt, dass du uns von dem Plan am Abschlusstag erzählt hast?", fragte Ginny, während sie zu ihrem Bruder trat.

"Ich ... ich glaube schon", stotterte Ron nervös.

"Ich nehme es zurück", zischte Ginny und gab Ron eine Ohrfeige ins Gesicht.

"Ginny, du verstehst Dad nicht ..."

"Unser Vater ist mir scheißegal! Draco Leben steht auf dem Spiel, du rückgratloses Stück Scheiße!", blaffte Ginny.

"Und was ist mit Harrys Leben? Ja, er war ein Idiot und hätte Hilfe gebraucht, aber Malfoy hat ihn umgebracht!", rief Ron zurück.

"Harry hat bekommen, was er verdient hat", sagte Ginny durch zusammengebissene Zähne.

"Harry hat nie etwas getan, um den Tod zu verdienen", fauchte Ron.

"Oh ja? Eine Vergewaltigung ist kein Grund, um zu sterben? Ich bin sehr wohl dieser Meinung."

"Er hat dich vergewaltigt?"

"Das wusstest du nicht? Er hat seinem besten Freund nie erzählt, dass er das, womit er das ganze Schuljahr über gedroht hatte, wahr gemacht hatte? Ich bin überrascht." Ginny setzte sich zurück zu Blaise und Pansy.

"Ich kann Malfoys Taten dennoch nicht befürworten", sagte Ron dickköpfig.

"Draco hat mich gerettet. Nicht nur vor Harry, sondern auch vor dir. Er hat das ganze Jahr lang damit verbracht, mich zu beschützen. Wenn Harry den Fluch noch länger an mir angewandt hätte, hätte es mich entweder umgebracht oder mich verrückt gemacht!", rief Ginny. "Glaubst du immer noch, Malfoy hätte nichts getan?"

"Mein bester Freund wurde von deinem Freund umgebracht und du erwartest von mir, in den Gerichtssaal zu gehen und zu sagen, er hätte nichts getan?"

"Ja. Um all die Jahre der Hölle wieder gut zu machen, durch die du mich geschickt hast", sagte Ginny mit flehendem Blick.

"Das kann ich nicht." Ron ging zur Tür. Fred ging, um ihn zu ergreifen, aber Ginny hielt ihn auf.

"Lass ihn gehen. Es ist egal", seufzte Ginny.

Ron drehte sich wieder zu Ginny. "Ich werde nichts gegen ihn aussagen, damit er die Verhandlung nicht verliert", bot Ron an.

"Nein, aber du wirst ihm auch nicht helfen, sie zu gewinnen", sagte Ginny und blickte Ron in die Augen.

Ohne ein weiteres Wort verließ Ron das Wohnzimmer. Ginny hörte, wie sich die Ladentür mit einem Knall schloss, und sie seufzte. Dies würde schwieriger werden als gedacht.


"Malfoy!" Draco sah bei dem Geräusch seines Namens durch die Gitterstäbe seiner Zelle.

"Was?", fauchte er.

"Du hast einen Besucher."

"Toll", sagte Draco voll Sarkasmus.

Draco sah, dass Ginny schüchtern näher trat. Der Wächter steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür der Zelle, damit Ginny hindurchtreten konnte.

"Sie haben zehn Minuten." Der Wächter versperrte die Zelle wieder und ging davon.

"Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht hierher kommen", sagte Draco und starrte Ginny ungläubig an.

"Dir auch einen schönen guten Tag", sagte Ginny.

"Tut mir Leid." Draco sah auf seine Füße hinab. "Ich wollte nicht, dass du mich hier siehst."

"Ich wollte dich einfach sehen", sagte Ginny und trat einen Schritt näher.

"Ich habe dich vermisst." Draco schlang seine Arme um Ginnys Hüfte.

"Ich habe dich auch vermisst", sagte Ginny und neigte den Kopf hoch, um ihn zu küssen.

Draco beugte seinen Kopf und strich leicht mit seinen Lippen über Ginnys. Sie schlang ihre Arme um Dracos Hals und zog ihn näher, für einen tieferen, leidenschaftlicheren Kuss. Draco nippte hungrig an Ginnys Unterlippe und ein tiefes Grollen entkam seiner Kehle, als Ginny ihren Mund für ihn öffnete.

"Ich habe dich vermisst", wiederholte Draco, als er den Kuss unterbrach.

"Das sagtest du schon." Ginny grinste.

"Wie geht's dem Baby?", fragte Draco besorgt.

"Ihm geht's gut."

"Gut. Was tust du hier?"

"Ich werde nicht zulassen, dass du verurteilt wirst."

"Ha. Ich habe Harry Potter getötet, den Auserwählten." Draco verdrehte die Augen. "Sie werden mich sicher nicht frei lassen."

"Oh doch, werden sie!"

"Ginevra, da ist nichts, das noch getan werden kann", sagte Draco traurig.

"Ron sagte, er wird nichts Schlechtes über dich aussagen."

"Hat er gesagt, er wird für mich aussagen?" Draco zog eine Augenbraue hoch.

"Nein."

"Die werden dafür sorgen, dass er sagt, dass er nichts von dem Plan am Abschlusstag wusste. Es spielt jetzt keine Rolle, außer er nimmt es zurück und gibt zu, was er dir angetan hat."

"Die Zwillinge ..."

"Spielen keine Rolle", wiederholte Draco.

"Ich kann dich nicht hier lassen."

Draco sagte nichts darauf. Sie wussten beide, dass ohne Ron Dracos Chancen unschuldig gesprochen zu werden, gleich Null waren, aber sie wollten es nicht zugeben. In einer Woche würden Ginny und Draco mit Sicherheit wissen, ob es für sie eine glückliche Zukunft gab oder ob Draco den Rest seines Lebens in dieser Zelle verbringen musste.

"Die Zeit ist um." Der Wächter war zurück.

"Du musst gehen", sagte Draco und blickte traurig hinab auf Ginny.

"Wir sehen uns in einer Woche … in Freiheit", sagte Ginny bestimmt.

Draco nickte und küsste sie noch einmal, bevor er ihre Hüfte los ließ und sie durch die Tür der Zelle ging.


"Draco Malfoy, bitte erheben Sie sich."

Draco stand von seinem Platz vor dem Richter auf. Es war der Tag seiner Verhandlung und Draco war nervös, aber er behielt ein ruhiges Äußeres. Draco blickte dem Richter in die Augen, denn er wusste, was als nächstes kommen würde.

"Ihnen wird der Mord an niemand geringerem als Mr. Harry James Potter vorgeworfen. Worauf plädieren Sie?"

"Unschuldig", sagte Draco. Ein Raunen ging durch die Menge und Draco musste dagegen ankämpfen, die Augen zu verdrehen.

"Bitte setzen Sie sich, Mr. Malfoy", sagte der Richter. "Die Verteidigung kann beginnen."

"Danke, Euer Ehren." Dracos Verteidiger blickte in die Menge. "Mein Klient sieht sich mit unfairen Anschuldigungen konfrontiert. Ich habe vier Zeugen, die beweisen werden, dass, obwohl Mr. Malfoy hier der Grund für den Tod von Mr. Potter war, er es aus der Notwendigkeit des Schutzes seiner Freundin getan hatte." Draco zog eine Grimasse. Mit einer Eröffnungsrede wie dieser würde er sicher nicht frei gelassen werden.

Einen Moment später stand der Ankläger auf. "Sie haben Mr. Malfoys Anwalt gehört. Er hat tatsächlich den Tod von Mr. Potter herbeigeführt. Um seine Freundin zu beschützen? Nein. Ich habe hier Augenzeugen, drei Auroren, die belegen können, dass Mr. Malfoy auf seine Freundin einen Unverzeihlichen angewandt und danach Mr. Potter mit einem weiteren Unverzeihlichen getötet hatte, als Mr. Potter versuchte, ihn aufzuhalten. Seine Freundin retten? Ich glaube nicht, dass sich das nach einer Rettung anhört." Draco seufzte schwer. Er war seinem Schicksal ausgeliefert.

"Miss Parkinson, in welcher Beziehung stehen Sie zu Mr. Malfoy?", fragte Dracos Anwalt.

"Ich bin schon jahrelang mit ihm befreundet", sagte Pansy.

"Also waren Sie auch mit ihm befreundet, als er mit Miss Weasley zusammen kam?"

"Ja."

"Wie hat er sie behandelt?"

"Unglaublich."

"Hat er sie je auf irgendeine Art und Weise verletzt?"

"Tja … er hat für eine kurze Zeit mal mit ihr Schluss gemacht."

"Das passiert den meisten Pärchen. Miss Parkinson, waren Sie bei dem Kampf anwesend, der sich an Ihrem Abschlusstag im Wald ereignet hatte?"

"Ja."

"Was war passiert?"

"Ginny wurde von Ron in den Wald geschleppt, wo Harry und ihr Vater auf sie warteten. Mr. Malfoy, Mr. Zabini und ich sind ihnen gefolgt."

"Was passierte dann?"

Pansy erzählte die Geschichte, inklusive der Szene, wo Ginnys Vater sie mit dem Imperius-Fluch und Harry sie mit dem Cruciatus-Fluch belegt hatte.

"Nur noch eine Frage. Hat Mr. Malfoy Mr. Potter aus Gründen der Sicherheit seiner Freundin getötet?"

"Ja."

Danke."

"Noch eine Frage, Miss Parkinson." Der Ankläger stand auf. "Hat Mr. Malfoy Mr. Potter getötet oder nicht?"

Pansy zögerte, denn sie wusste, dass sie in der Falle saß. "Er hat ihn getötet", sagte sie, da sie keinen Weg drum herum wusste. Sie sah Draco mit entschuldigendem Gesichtsausdruck an.

"Danke."

Die Zwillinge und Blaise wurden als nächstes befragt. Sie sagten alle das selbe aus wie Pansy, inklusive der beiden unverzeihlichen Flüche, unter denen Ginny gestanden hatte, und erwähnten, dass die Auroren erst aufgetaucht waren, als Harry schon tot war. Daher konnten sie auch nicht wissen, dass Ginny unter dem Cruciatus-Fluch gestanden hatte. Der Ankläger stellte immer die selben Fragen. "Hat Mr. Malfoy Mr. Potter getötet oder nicht?" Und sie alle antworteten das selbe.

Ginny wurde als nächstes aufgerufen. Draco sah sie an, als sie zu dem Pult ging. Er wollte sie nicht hier haben. Er wollte nicht, dass sie sich aufregte.

"Miss Weasley, wie lange kennen Sie Mr. Malfoy schon?", fragte Dracos Anwalt.

"Seit meinem ersten Jahr auf Hogwarts."

"Und seit wann sind Sie ein Paar?"

"Seit kurz vor Weihnachten."

"Hat Mr. Malfoy Ihnen je körperlich weh getan?"

"Nein. Draco würde mir nie weh tun." Ginny lächelte Draco an und Draco musste einfach zurücklächeln.

"Können Sie uns genau erzählen, was am Abschlusstag im Wald geschehen war?"

Ginny erzählte mehr Details über den Angriff als Blaise, Pansy und die Zwillinge zuvor. Sie erwähnte beinah Wort für Wort, was ihr Vater gesagt hatte. Sie erklärte, wie es sich anfühlte, als ihr Vater ihre Gedanken kontrollierte. Und sie zitierte die Worte, die Harry gesagt hatte, bevor er sie mit dem Cruciatus verflucht hatte.

"Was passierte, nachdem Mr. Potter Sie mit dem Fluch belegt hatte?"

"Ich war immer noch unter Einfluss des Fluches, als konnte ich Draco weder hören, noch sehen. Aber ich hörte, wie er Harry verfluchte, und in diesem Moment ließ der Schmerz nach. Wenige Momente später kamen die Auroren und verhafteten Draco", erklärte Ginny.

"Die Auroren tauchten erst auf, nachdem Mr. Malfoy Mr. Potter mit dem Todesfluch belegt hatte?"

"Das stimmt."

"Dann konnten sie tatsächlich nicht gesehen haben, wer Sie gefoltert hatte."

"Genau."

"Danke."

Einen Moment lang dachte Draco, dass es vielleicht wirklich klappen könnte. Er könnte vielleicht binnen einer Stunde ein freier Mann sein. Draco lächelte Ginny zu.

"Miss Weasley, Sie behaupten, Mr. Malfoy wäre das ganze Jahr über nett zu Ihnen gewesen", begann der Ankläger.

"Ja."

"Was war vor diesem Jahr?"

"Wie bitte?"

"Sie sagten, Sie kennen ihn seit Ihrem ersten Jahr auf Hogwarts, korrekt?"

"Ja ..."

"Wie hat er sich Ihnen gegenüber vor diesem Schuljahr benommen?"

"Er beschimpfte mich und meine Familie. Wir kamen nicht wirklich gut miteinander aus."

"Also waren Sie nicht befreundet?"

"Nein."

"Könnte man sagen, Sie wären Feinde gewesen?"

"Ich nehme es an."

"Was hatte sich verändert?"

"Ich weiß nicht. Nachdem ich Draco, Pansy und Blaise besser kennen gelernt hatte, sah ich eine neue Seite an Draco, von der ich glaube, dass nicht viele sie schon gesehen haben könnten."

"Miss Weasley, Sie sagten, als sie unter dem Einfluss des Fluches standen, sahen Sie nicht, dass Mr. Malfoy näher kam, ist das korrekt?"

"Ja."

"Dann wäre es auch fair zu sagen, dass Sie die Auroren nicht sahen, wie sie näher kamen."

"Sie tauchten erst auf, nachdem Draco Harry und seinem Fluch Einhalt geboten hatte."

"Aber Sie haben sie nicht gesehen. Wie konnten Sie sagen, sie tauchten nachher auf, wenn Sie niemanden wegen der Schmerzen gesehen hatten?" Der Ankläger grinste böse.

Ginny überlegte einen Moment.

"Ist es wahr, dass Sie mit Mr. Malfoys Kind schwanger sind?"

"Ja."

"Also wollen Sie ihn bei sich haben, damit er Ihnen hilft, das Baby großzuziehen?"

"Natürlich."

Draco wusste, wohin das führte, und er wusste, dass dies nicht gut ausgehen würde.

"Was würden Sie tun, damit Draco Malfoy hier als freier Mann hinausgehen kann?"

"Alles."

Draco legte seinen Kopf in seine Hände. Das war die falsche Antwort.

"Also würden Sie auch vor Gericht lügen."

"Das habe ich nie behauptet."

"Sie sagten, Sie würden alles tun."

"Ja, aber ..."

"Das wäre alles, Miss Weasley."

Draco schenkte Ginny ein ermutigendes Lächeln, als er herunter trat, aber als er die Tränen in ihren Augen sah, verwandelte es sich in einen bösen Blick in Richtung des Anklägers.

Die Auroren wurden als nächstes befragt. Sie sagten alle, dass sie gesehen hatten, dass Draco Ginny bei ihrer Ankunft gefoltert hatte. Es war klar, dass die Auroren eher an die Abläufe in einem Gerichtssaal gewöhnt waren. Sie konnten jede Frage mit Leichtigkeit beantworten und fielen auf keinen der Tricks herein, die Dracos Anwalt an ihnen versuchte. Draco wusste bereits, welche Seite gewinnen würde.

"Möchte die Verteidigung noch etwas hinzufügen?", fragte der Richter, nachdem der letzte Auror befragt worden war.

"Nein", antwortete Dracos Anwalt.

"Würden Sie sich bitte erheben, Mr. Malfoy?"

Draco stand ohne ein weiteres Wort auf.

"Auf Grund der Zeugenaussagen der heute anwesenden Auroren habe ich keine andere Wahl, als Sie für schuldig zu ..."

"Warten Sie!"

Die Augen richteten sich auf die Tür, um nachzusehen, wer hier gesprochen hatte. Durch ihre tränennassen Augen sah Ginny, dass Ron nervös in der Tür stand. Er trat langsam vorwärts. Ginny konnte nicht glauben, dass Ron da war. Sie sah hoch zu Draco und merkte, dass er den selben Gesichtsaustrug zeigte. Nur Ginny konnte sehen, dass Draco annahm, Ron würde gegen ihn aussagen.

"Kann ich Ihnen helfen?" Der Richter beäugte Ron neugierig.

"Ich habe etwas über die Ereignisse dieser Nacht zu sagen", meinte Ron.

"Dann nehmen Sie Platz", stimmte der Richter nach kurzer Überlegung zu.

"Bitte nennen Sie Ihren Namen."

"Ronald Billius Weasley." Rons Ohren nahmen einen leichten Rosaton an. Draco musste sein Gelächter zurückhalten.

"Und was genau haben Sie zu sagen?" Dracos Anwalt war anscheinend froh.

"Am Abschlusstag war alles geplant. Ich sollte Ginny in den Wald bringen und meinem Vater und Harry Potter helfen, ihr weh zu tun oder sie gar zu töten", sagte Ron und mied nicht nur Ginnys Blick, sondern auch die Blicke aller Anderen.

"Aber sie ist Ihre Schwester." Dracos Anwalt war schockiert.

"Ich weiß." Ron sah peinlich berührt auf seine Hände.

"Fahren Sie fort."

"Ich wollte es nicht tun. Also beschloss ich, Ginny und ihre Freunde zu warnen, damit sie fliehen konnten. Aber Ginny wollte nicht weglaufen, sie hatte es satt, sich immer zu verstecken. Also haben wir uns einen Gegenplan ausgedacht. Alles lief so glatt ab wie geplant. Ich brachte Ginny in den Wald, Mr. Malfoy und die Anderen tauchten auf und natürlich begannen wir zu kämpfen. Unser Vater belegte Ginny mit dem Imperius-Fluch und versuchte, sie in eine Falle zu führen, bis Mr. Malfoy ihn schockte. Die Anderen waren verletzt, also ging Mr. Malfoy zu ihnen und ließ Ginny allein in dem Wissen, dass sie in Sicherheit war, da Harry gefesselt war. Aber Harry konnte sich befreien. Er ging hinüber zu Ginny und wandte den Cruciatus-Fluch an ihr an, bis sie schrie. Dann kam Mr. Malfoy und tötete Harry, um ihn aufzuhalten." Ron liefen die Tränen über die Wangen, während er sprach.

"Warum haben Sie sich nicht früher gemeldet?"

"Er hat meinen besten Freund umgebracht. Ich dachte, er hätte es verdient, hier zu sein. Harry mag vielleicht falsch gelegen sein, genauso wie unser Vater, und ja, er hätte Hilfe gebraucht, aber ich glaube nicht, dass er es verdient hätte, zu sterben. Erst vor kurzem ist mir klar geworden, wenn Mr. Malfoy Harry nicht getötet hätte, hätte Harry meine Schwester umgebracht." Ron hielt inne und holte tief Luft. "So sehr ich es auch hasse, dies zu sagen, ich weiß, dass Mr. Malfoy Ginny liebt. Er würde nie etwas tun, das ihr schaden könnte. Ginny hatte so viel in ihrem Leben durchgemacht, und ich schäme mich dafür, zu sagen, dass ich ebenfalls Teil des Ganzen gewesen war. Aber eine Person kam hinzu und half ihr mehr, als ich es je getan hatte oder es hätte tun können. Er ist das Beste, das Ginny passieren konnte. Draco ist das Beste, das Ginny passieren konnte." Ron sah Draco an und zum ersten Mal empfanden Ron und Draco Respekt für einander. "Wenn Draco sich nicht eingemischt hätte, hätte Harry Ginny getötet, und Harry würde jetzt hier sitzen, wo Draco sich befindet. Draco Malfoy ist kein Mörder, er ist nicht schuldig", endete Ron.

"Keine weiteren Fragen", sagte Dracos Anwalt einen Moment später. Offenbar war er von dem Gehörten genauso schockiert wie alle Anderen.

"Haben Sie irgendwelche weiteren Fragen an Mr. Weasley?", fragte der Richter den Ankläger.

"Keine Fragen." Der Ankläger hielt seinen Kopf gesenkt.

"Würde der Verteidigte sich bitte erheben." Draco stand auf und merkte, dass sein Magen schmerzhaft verkrampft war.

"Auf Grund dieser neuen Zeugenaussage befinde ich hiermit Mr. Draconis Abraxas Malfoy für nicht schuldig und frei von allen Anklagen gegen ihn. Wir bitten um Entschuldigung, Mr. Malfoy", sagte der Richter und ließ seinen Hammer aufknallen.