Es war so Still...

So unglaublich, nervtötend Still...

Wer hätte gedacht, dass es so schwer sei, Starscreams Abwesenheit zu ignorieren, wenn es nichts gab, dass diese Stille füllen konnte.

Ein dunkles Grummeln kam aus Megatrons Kehle. Er sah in die Wolkendecke und versuchte an etwas anderes zu denken.

Irgendwie geriet alles durcheinander. So sollte es eigentlich nicht sein.

Und dann war da noch dieses Gefühl...

Dieses eine Gefühl, dass sich seid ein paar Tagen in seinem Innern breit machte. So als hätte er etwas vergessen. Er spürte es ganz deutlich.

Was hätte er nicht alles für ein bisschen Zerstreuung getan. Aber sie konnten es sich nicht einmal leisten, in ihrer jetzigen Situation die Autobots anzugreifen. Wie gerne hätte er etwas Energon fließen sehen und die Explosionen einer Schlacht gehört. Er hatte das große Bedürfnis eine Kehle zu umfassen und einfach zuzuschlagen. Aber das konnte er jetzt nicht mehr machen. Und ein paar Vehicons zu zerstören war nicht das gleiche.

Jetzt wanderte sogar das merkwürdige Gefühl aus seiner Brust in seinen Kopf. Aber Gefühle konnten doch nicht wandern, oder doch? Nein! Nicht Gefühle. Er fühlte nichts. Gar nichts. Es war mehr eine Vorahnung. Ein viel besseres Wort, wie er fand.

"Ihr beiden."

Er richtete sich an zwei Vehicons, die sich augenblicklich ihm zuwandten.

"Geht zum Lagerraum und passt auf diesen verfluchten Brocken auf."

Sie verbeugten sich und gingen wortlos.

War das wirklich nötig gewesen? Auf jeden Fall hatte seine Vorahnung etwas nachgelassen und er entspannte sich etwas. Und trotzdem blieb es in seinem Hinterkopf vorhanden und ließ ihn nicht mehr los.

Primus, wie er sich langweilte!

Die zwei Vehicons standen wortlos vor dem Brocken.

Sie sahen nicht nach, als die schwarze Gesteinsschicht sich langsam von dem löste, was sie verborgen hielt. Sie drehten sich auch nicht um, als ein leises Summen das starten von Schaltkreisen verriet.

Keiner von ihnen hatte eine Chance.

Der erste musste verwundert sehen, wie sich eine lange, spitze Hand durch seinen Rumpf bohrte, und während er zu Boden viel, verriet ihm ein knackendes Geräusch, dass dem anderen soeben das Genick gebrochen wurde. Er sah noch, wie der verdrehte Kopf ihn aus dunklen Schlitzen her ansah.

Bevor er über Funk jemanden kontaktieren konnte, trat jemand mit solcher Wucht auf seinen Hals, dass dieser unter dem Druck knirschend nachgab. Ein paar Funken sprühten, dann war Ruhe.

Wenn ein dritter noch im Raum dabei gewesen wäre, der klug genug war um sich zu verstecken, dann hätte er gesehen, wie sich eine Gestalt lang streckte, so als hätte sie lange geschlafen. Bei der Bewegung fiel feiner Staub von seinen Schultern auf den Boden. Dann hätte man noch gesehen, wie die Gestalt achtlos über die Überreste der Vehicons hinwegstieg und auf die Tür zuging. Vielleicht hätte dieser jemand dann auch das Lächeln auf den Lippen dieses jemand gesehen, bevor es von einer Schutzmaske aus Metall verdeckt wurde.

Leise summend verließ sie den Raum ohne sich noch einmal umzudrehen.

Bumblebee musste einfach mal raus. Raus aus der neuen Basis und vor allem raus aus dieser Atmosphäre, die angefüllt war mit ekelhafter Zufriedenheit, aber auch Schuldgefühlen. Genauso wie Bulkhead hatte er nie den Flieger wirklich gehasst, zumindest nicht mit solcher Inbrunst wie Arcee.

Er sah, dass Optimus sich quälte, er wusste aber auch, dass er ihm nicht helfen konnte. Und das zerriss ihn förmlich.

Smokescreen tönte immer wieder rum ,dass es so am besten sei.

Ein Decepticon weniger. Das war doch immerhin etwas.

Er erhöhte die Geschwindigkeit.

"Reg dich nicht so auf Bee'."

Raffael saß diesmal am Steuer, er hatte ihn darum gebeten und ausnahmsweise hatte er ihm das erlaubt. June würde ihm den Kopf abreißen, wenn sie das erfahren würde.

Der kleine Junge hatte als einziger gemerkt, dass es Bumblebee nicht gut ging. Ihm selber ging die ganze Sache mehr zu Herzen als den anderen. Das bereitete ihm Sorgen und, wenn er ehrlich zu sich selbst war, war es ihm auch etwas peinlich.

Manchmal fühlte er sich so schwach.

Und nutzlos.

Und ängstlich. Vor allem ängstlich.

Warum tat ihm Starscream nur so Leid? Den anderen hatte er davon nichts gesagt. Er wusste nicht, wie sie reagieren würden. Vermutlich würden sie darüber lachen. Ihn auslachen. Es war nur Starscream.

Also tat der Ausflug auch ihm gut.

"Du weißt genau, wie Smocescreen ist. Er ist einfach etwas...schwierig."

Keine Entschuldigung.

Das war alles andere als eine Entschuldigung.

Manchmal konnte Bumblebee diesen aufmüpfigen Kerl echt nicht leiden. Er kam sich so ungeheuer wichtig vor. Und das "sagte" er auch Raff.

Dieser nickte langsam. "Ich verstehe, was du meinst. Er erinnert mich manchmal, an einen meiner Geschwister. Oder an alle. Du musst entweder lernen, ihn zu ignorieren, oder du musst ihn besser kennen lernen. Ich denke, dann würde sein Verhalten dich auch nicht mehr so aufregen."

DEN ignoriere? Unmöglich.

Und ausserdem, es war ja nicht so als hätte er nicht versucht, mit ihm auszukommen. Er hatte wirklich vieles toleriert und eine Menge ausgehalten. Aber manchmal brannte eben auch ihm eine Sicherung durch.

Seine Gedanken wurde von einem Geräusch unterbrochen, dass er nur zu gut kannte.

Er hielt schlitternd an.

Als er sich transformierte, hielt er einen verdutzt dreinblickenden Jungen in der Hand.

Er sah nach oben. Sofort sah er den Flieger, der über seinen Kopf hinwegsauste.

Ein Decepticon!

Aber hier?

Und jetzt?

Hatten sie vielleicht irgendetwas verpasst oder warum war nur einer unterwegs? Normalerweise waren es doch immer mehr als zwei.

"Ein Decepeticon? Aber ich dachte, zur Zeit wäre alles Ruhig. Anscheinend haben wir uns geirrt."

Anscheinend.

Der Flieger hielt sich nicht mit ihnen auf. Und schon bald verschwand er in einer Wolkendecke.

"Sollten wir die anderen informieren?"

Bumblebee nickte. Ja, das sollten sie wirklich tun. Wer wusste schon, was die schon wieder angerichtet hatten. Ein paar Sekunden später schoss ein zweiter Flieger über sie hinweg. Und dann noch einer.

"Ich glaube die suchen etwas...oder jemanden."

Ja, dass glaubte Bumblebee auch. Und es schien wichtig zu sein.

Das verriet nichts gutes. Ganz und gar nichts gutes.