Es wunderte ihn nicht wirklich, dass sie ihn in so relativ kurzer Zeit gefunden hatten. Immerhin stand er fast wie auf einem Präsentierteller. Wortwörtlich. Diese flachen Felsen, die diese Umgebung ausfüllten, waren hervorragend, um auf sich aufmerksam zu machen.

Alles lief genauso, wie er es wollte. Er hatte den Autobots einen Schrecken eingejagt, den sie nicht so schnell vergessen würden und durch das Chaos auf der Nemesis war er nun wirklich in aller Munde.

Genauso, wie er es wollte. So und nicht anders.

Kommt und holt mich.

Er breitete die Arme aus und schloss die Augen, als er sich der Sonne zu wandte.

Seine Gelenke ächzend kurz auf, als er sein Gewicht auf das andere Bein änderte. Die Schäden an seinem Körper waren wohl ernsthafter, als er gedacht hatte.

Aber es machte ihm nichts. Schmerz war ihm nicht fremd.

Er war aus Schmerz geboren. Es war sein Leben, seine Existenz.

Kommt und holt mich.

Die Sonnenstrahlen wurde von der verkohlten und schwarzen Oberfläche seines Körpers absorbiert, und weigerte sich, sie wieder fei zulassen.

Keine Wärme, keine Hitze.

Nur Kälte, und Leere.

Aber es machte ihm nichts.

Er lebte endlich.

Es war so viel einfacher.

Kommt. Ich warte schon so lange.

Und dann hörte er das schrille Surren von Scheitkreisen und das typische Zischen von Triebwerken. Seine messerscharfen Augen erfassten schnell, dass seltsame Flugobjekt, das immer näher kam.

Er musste einfach lächeln und trat einen Schritt zurück, als Megatron mit einem heftigem Aufschlag vor ihm landete.


"Täuschen mich meine Augen, oder steht da jemand mit Megatron." Arcee schirmte ihre Augen ab und blinzelte. Heute war es wirklich verdammt grell.

Das Portal hatte sie soweit gebracht, wie es nur ging ohne den Fremden in Alarmbereitschaft zu bringen. Zumindest war dies Optimus Idee gewesen, welche Arcee nicht so ganz teilen konnte. Ihre Idee war es gewesen, ihn so schnell auszuschalten, wie es nur möglich war.

Kein Risiko. Keine weiteren Verletzten (außer ihn natürlich). Keine Probleme.

Aber Optimus wollte das nicht und sie hatte nachgegeben. Immerhin war er ein Prime und ihr Anführer.

Aber jetzt wünschte sie, sie hätte ihm nicht zugestimmt.

"Wir werden nie erfahren, wer das war."

"Nur nicht so voreilig, Arcee." Auch Optimus sah nach oben. Bei dem Anblick Megtrons hatte sich seine Körperhaltung verkrampft.

"Noch hat er ihn nicht umgebracht und glaub mir, wenn er es wollte, hätte er es schon getan." "Das heißt er will auch Antworten."

"Es scheint wohl so."


Das war er also.

Die Pest, die ihm so viel Ärger bereitet hatte zu einer Zeit, wo er keinen weiteren Ärger mehr ertragen konnte. Die Nemesis war in höchster Aufregung und er war dazu gezwungen gewesen, Knockout alleine loszuschicken. Und er war so unkompetent. So unzuverlässig.

Megatron richtete sich zu seiner vollen Größe auf und sein Blick war auf den Mech vor ihm fixiert. Normale Cybertronier wären zusammengezuckt oder hätten wenigstens vor Angst gezittert. Das wäre immerhin ein Zeichen für einen normalen und gesunden Verstand gewesen. Zu seinen Glanzzeiten in der Arena hatte sogar nur sein Name für respektvolle Stille gesorgt. Sogar Optimus, der einzige, der ihm das Wasser reichen konnte, verspürte Respekt ihn gegenüber. Er fühlte es jedes mal, wenn er ihm begegnete.

Aber dieser Kerl zeigte nichts von alledem. Er zuckte nicht einmal zusammen, als er vor ihm auf dem Boden Schlug.

Er war etwas einen Kopf kleiner als er, dünner und agiler. Die langen Beine sahen so aus, als könnten sie jeden Moment auseinander brechen, ebenso wie seine langen Arme. Seine Außenrüstung war verkohlt und war nicht mehr in der Lage, das Licht zu reflektieren. Die gelben Augen (er hatte noch nie solche Augen gesehen) sahen ihn starr an. Er musste wohl ein Flieger sein, wie ihn die Überreste von Flügeln auf dem Rücken zeigten. Die Fäuste in die Hüften gestemmt stand er vor ihm.

Und diese langen Krallen, die... Nein...Das konnte nicht sein...

"Zehn Sekunden. Ich gebe dir zehn Sekunden um dich zu erklären, bevor ich dich in Stücke reiße."

Der Mech lächelte ihn nur an. Oder zumindest glaubte Megatron, dass er lächelte. Sein Gesicht war durch eine Kampfmaske verdeckt. Seine Augen funkelten und er ging langsam ein paar Schritte auf ihn zu. Einfach so. Nicht jeder hatte so viel Mut, oder war so dumm.

Und noch ein Paar mehr.

Und noch ein Paar.

Schließlich stand er direkt neben ihn. Und Megatron rührte sich nicht. Nicht das er Angst gehabt hätte, es war so lange her, seid er das letzte mal wirkliche Angst hatte. Aber diese verdammte Neugier.

"Hmmm, was glaubst du denn, was ich erreichen wollte?"

Sein Körper verkrampfte sich ob der kühlen Art. Die Worte kamen langsam und wohl bedacht. Aber diese Stimme. Noch nie hatte er so eine Stimme gehört.

"Ich bezweifle, dass du einer von Optimus Truppe bist. Sie schlachten nicht auf diese Art und Weise ihre Gegner ab."

Der Mech lachte leise und ging weiter bis zum Klippenrand. "Jaaa, das hat Spaß gemacht. Ich muss sagen, nach einem langem Schlaf gibt es nichts besseres, als ein bisschen Energon zu verspritzen."

"Hast du denn lange geschlafen?"

"Im Grunde genommen hab ich bis vor kurzem nichts anderes gemacht, Megatron."

Megatron beäugte ihn scharf. Für kurze Zeit fragte er sich, woher dieser Typ seinen Namen kannte, wurde sich dann aber bewusst, dass er in der Nemesis gewesen war und sich Informationen einfach besorgen konnte. Darüber sollte er noch einmal mit Soundwave reden. Wenn das hier vorüber war. Zuerst wollte er Antworten, und zwar so viele wie möglich.

Die Vergangenheit hatte ihm gezeigt, dass man solche Möglichkeiten nicht vergeuden durfte. Eventuell wusste dieser Kerl Dinge, von denen er keine Ahnung hatte. Auch wenn es davon seiner Meinung nach, nicht viel gab.

Er bemerkte, dass der andere ihn über die Schulter hinweg ansah und raffte sich zusammen.

"Dann bist du dir also der Situation bewusst, in welcher du dich befindest."

"Absolut."

"Und auch, dass du den nächsten Tag nicht mehr erleben wirst."

Der Mech hob einen seiner langen Finger und schüttelte leicht lachend den Kopf. "Und genau darin liegst du falsch."

"Was macht dich da so sicher. Ich könnte dich einfach erschießen und niemand würde es bemerken. Deine Überreste würde man erst Jahre später finden und selbst dann wüssten sie nichts mit dir anzufangen."

"Und doch hast du bis jetzt kein einziges mal auf mich geschossen. Megs, du bist so leicht zu durchschauen."

Langsam verlor er die Geduld. Im Grunde genommen, konnte er sich die Antworten auch auf eine einfachere Weise besorgen. Die letzten Tage waren deprimierend gewesen, und jetzt bot sich ihm eine Gelegenheit, all diese ekelhaften und störenden Gefühle loszuwerden.

So lästig.

Megatron ging schnell auf den Mech zu und wollte zuschlagen. Doch sein massiger Arm traf auf Widerstand. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah der Mech erst Megatron in die Augen und dann auf die große Delle, die der Ex-Gladiator ihm in den Unterarm geschlagen hatte. "Wenn du deine Wut loswerden willst, dann bitte, nicht an mich. Da unten stehen ein paar Autobots, die mit größtem Interesse unserem Gespräch zuschauen. Vielleicht solltest du deine Aufmerksamkeit eher ihnen zuwenden, anstatt mir."

"Ich will verdammt noch mal wissen, was hier los ist."

"Du hättest auch einfach Fragen können, weißt du?"

"Treib es nicht zu weit."

"Na weiter als zu Klippenrand kanns auch gar nicht gehn."

"Willst du mich für dumm verkaufen?"

"Warum sollte ich dir etwas verkaufen wollen, wovon du schon mehr als genug hast?"

"GENUG! Ich hör mir diesen Unsinn schon länger an, als ich eigentlich sollte. Wie hast du überlebt? Wieso bist du nicht verbrannt? Glaubst du etwa ich erkenne dich nicht?" zischte er ihn an und lehnte sich über ihn. "Starscream..."

Sein Gegenüber sah ihn nur an, als Megatron den Namen sagte. Der Ex-Gladiator fühlte sich merkwürdig, dieses Wort überhaupt auszusprechen. Es wäre gelogen gewesen, wenn er gesagt hätte, dass er die letzten Tage nicht an seinen ersten Leutnant gedacht hätte. Dafür hatte er zu lange Zeit für ihn "gearbeitet". Und jetzt hang es zwischen ihnen und er wusste nicht, was er weiter tun sollte. Dann antwortete der andere mit fester Stimme und sprach so leise, dass es fast wie ein Flüstern war.

"Ich bin nicht Starscream. Und es wäre freundlich, wenn du mich nicht mehr so nennen würdest. Du beleidigst mich, ohne mich überhaupt zu kennen." Der Mech trat zur Seite und wand sich wieder dem Klippenrand zu.

"Ich bin Hellscream."

"Hat dir die Lava den letzten Rest deines Verstandes geraubt? Du bist Starscream. Ein Descepticon. Mein Leutnant. Und ein Feigling. Und eigentlich Tot."

"Megatron...Megs. Wenn ich wirklich Starscream wäre, würde ich dann jetzt so mit dir reden? Ich glaube nicht. Und sehen ich vielleicht tot für dich aus?"

Megatron überlegte und stieß dabei ein leises und tiefes Summen aus.

Dieser Kerl schien wirklich fest davon überzeugt zu sein, nicht Starscream zu sein, auch wenn sein Aussehen ihn Lüge strafte. Andererseits war es auch möglich, dass seine Verletzungen sein Erinnerungsvermögen zerstört hatten. Knockout würde dies herausfinden müssen. Es war allerdings auch möglich, dass er wirklich nicht sein toter Leutnant war und jemand vollkommen anders.

Oder es war ein Trick. Wie so viele andere, die Starscream schon versucht hatte.

So viele Möglichkeiten.

"Was genau willst du?"

"Im Moment, nichts. Ich hab schon das bekommen, was ich wollte. Ich werde dir jetzt aber etwas sagen, was dich, wie ich weiß, interessieren wird. Ich bin käuflich. Und ich biete dir meine Unterstützung an."

"Was lässt dich glauben, dass ich deine Hilfe brauche?"

Hellscream lachte. "Als ob du eine andere Wahl hättest. Du brauchst mich, eben weil Star Tot ist. Und ich brauche etwas, wohin ich zurück kommen kann. Einen Aufenthaltsort. Sieh es ein, Megs, dir fehlt ein kompetenter Kämpfer. Auf den Rest kannst du dich nicht verlassen, vor allem nicht auf deine Drohnen, wie ich bewiesen habe. Ich werde alles tun, was du mir sagst. Ich werde alles genauso ausführen, wie du es veranlasst. Ich werde dein Zeichen tragen. Und ich werde jeden Autobot töten, der mir über den Weg läuft. Also was sagst du? Alles weitere können wir auch später besprechen."

"Wenn dies ein billiger Versuch ist, mir etwas vorzutäuschen und ich dies herausfinde, dann werde ich dich ohne zu zögern töten, verstanden?"

"Klingt fair." Und er hielt ihm eine lange Hand hin.


Kleine Nebeninfo: Hellscream ist eine wirkliche Figur aus dem Transformer Universum. Leider kam diese in einer Serie vor, die nur in Japan erschien (Beast Wars 2 oder auch Beast Wars Neo) und wurde daher nicht sehr populär. In dieser Serie verwandelte sich Starscream quasi in Hellscream. Aber mehr als den Namen wird diese Figur meiner Geschichte nicht haben. ^^

Und ja, dass mit dem zusammenarbeiten von Megs mit einem total Fremden scheint etwas zu hastig zu gehen. Tut mir Leid. :P Nur ich glaube, dass so jemand wie Hellscream durch seine Aktion auf der Nemesis doch etwas Respekt in Megatron auslösen würde.

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