Die Twilight- Saga, ihre Handlungen, Charaktere und Dialoge gehören Stephenie Meyer.
Hier ist Kapitel 3, das hoffentlich bald jemand liest!
Frostiges Klima
Auf dem Heimweg überraschte Alice mich mit einer neuen Vision. Ich wusste nicht, ob das Absicht war, weil sie erraten hatte, dass es mich drängte Bella in der Nacht erneut aufzusuchen, und sie mich damit aufhalten wollte. Oder ob sie nicht anders konnte, weil ihre Gedanken, wie meine, in diesem Augenblick, um die Tochter des Polizeichefs kreisten.
In dieser Vorahnung lag Bella neben mir auf einer sonnenüberfluteten Wiese, inmitten blühender Wildgräser. Gebannt schaute sie auf mein Gesicht, dass wie tausend Diamanten funkelte, eine natürliche Reaktion von Vampirhaut im Sonnenlicht. Allemal angenehmer als in Staub zu zerfallen, wie es meine Gevatter in Gruselfilmen taten, aber dennoch ein Grund an den wenigen sonnigen Tagen, die Forks beschert waren, Zuhause zu bleiben.
„Gut, ich gehe nicht zu ihr", murmelte ich genervt und hörte Alice in Gedanken dafür danken. Sie machte sich Sorgen, um die Auswirkungen ihrer Vorhersagen, auch wenn diese sich jederzeit verändern könnten. Doch beide zuletzt wahrgenommenen, deuteten in die gleiche Richtung: Bella würde mehr Zeit mit mir verbringen und mehr über mich erfahren, als uns allen lieb sein konnte.
Sich mit Menschen einzulassen, war gefährlich für Vampire, oder eher für den betreffenden Menschen. Es waren zerbrechliche, kurzlebige Geschöpfe. Doch nur kurz kam mir der Gedanke, dass ich für einen Tag mit Bella jeden Schmerz auf mich nehmen würde, außer dem, den das Monster in mir verursachen dürfte, weil es seine gierigen, giftigen, spitzen Zähne nicht in ihren Hals schlagen durfte. Entschlossen wischte ich ihn so schnell beiseite, wie er gekommen war. Das durfte einfach nicht sein!
Wir erreichten unser sorgsam verborgenes Haus im dichten Wald um Forks und während meine Geschwister fröhlich aus dem Auto stiegen, quälte ich mich weiter mit dem Gedanken an Bella. Ich überschlug, wie viele Stunden ich von ihr getrennt wäre, wenn ich mich an das Versprechen hielt, das ich Alice gegeben hatte. Es erschienen mir unendlich viele, doch im Angesicht der vergangenen Jahrzehnte und der folgenden Ewigkeit, war es, wieder einmal mehr, nur ein Wimpernschlag.
Esme kam aus dem Haus um nachzusehen wo ich blieb. Ein mitfühlendes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie mich grübelnd an meinem Volvo stehen sah. Sie musste nicht in Köpfen lesen können, um heraus zu bekommen, dass ich tief schürende Gedanken wälzte. Mütterlich legte Esme einen Arm um meine Schultern und fragte: „Möchtest du darüber reden?"
Ich nickte und wir gingen schweigend zum Fluss hinunter. Sein sanftes Gurgeln würde uns nicht stören, während wir im Haus jederzeit mit Unterbrechungen durch meine Geschwister zu rechnen gehabt hätten.
„Es geht um Bella Swan?", riet sie mit dem Geschick eines Gedankenlesers. Meine Zustimmung äußerte ich kopfnickend. Esme lächelte erneut, aber ich konnte nicht feststellen, warum.
„Ich habe sie vorige Woche beim Einkaufen gesehen", erzählte meine Adoptivmutter. „Claire Spencer, die Bedienung im Steakhouse, hat mir erzählt, dass der Polizeichef die ganze letzte Woche nicht zum essen dort gewesen ist. Sie scheint sich ganz gut um ihn zu kümmern. Aber wie mir Mrs Newton berichtete, muss sie das gewöhnt sein. Ihre Mutter scheint eine tüchtige Chaotin zu sein!"
Esme gelang es irgendwie müheloser mit den Menschen in Kontakt zu kommen als uns. Uns mied man, ihre Nähe schienen die Menschen zu suchen. Keiner von ihnen empfand sie als so außergewöhnlich wie uns. Außer natürlich ihrer auffallenden Schönheit, die der wöchentlichen Behandlung im Kosmetiksalon ebenso wenig bedurft hätte, wie ihr Haar den vierzehntägigen Friseurbesuch. Aber all dies tarnte, wie ihr wöchentlicher Großeinkauf, unsere Andersartigkeit. Letzterer kam dabei den Obdachlosen in der Umgebung zu gute. Sie sah es nicht ein gute Lebensmittel wegzuwerfen, weil wir ihrer nicht bedurften.
„Sie sieht sehr nett aus. Etwas blass vielleicht für ein Mädchen aus dem sonnigen Arizona", bemerkte meine Adoptivmutter weiter und wartete, dass ich mich irgendwann dazu entschloss, auch etwas zu sagen.
„Sie ist umwerfend", erklärte ich schließlich und überlegte, wie ich treffender ausdrücken konnte, was mir über Bella durch den Kopf ging.
Esme ließ mir die Zeit dazu und setzte sich auf einen der großen Findlinge, die der Fluss vor tausenden Jahren mit Schmelzwasser aus den Bergen gebracht hatte.
„Anfangs habe ich sie einfach nicht bemerkenswert empfunden. Aber das kam vielleicht nur deshalb, weil ich genervt und gelangweilt war von den Gedanken der anderen, die nur um sie kreisten. Und dann saß ich das erste Mal neben ihr und mich überkam diese Gier nach ihrem Blut. Da habe ich sie gehasst! Sie hat etwas in mir geweckt, was ich so lange bekämpft hatte. Und trotzdem konnte ich sie in der letzten Woche nicht aus meinen Gedanken vertreiben. Jedes Mal wenn ihr Bild vor mir auftauchte, und manchmal erschien es mir, als hätte es sich in die Netzhaut meiner Augen gebrannt, erkannte ich ein neues, liebenswertes Detail an ihr. Diese blasse Haut steht ihr einfach. Ich könnte mir Bella einfach nicht gebräunt vorstellen! Ihre erstaunlichen braunen Augen, die so zurückhaltend in die Welt blicken. Das glänzende Haar, das immer nach Erdbeeren duftet. Manchmal bewegt sie sich so ungeschickt, dass es einem das Herz rührt."
Lächelnd hörte Esme meinem Monolog zu. Ich begann mich für das Thema gerade zu erwärmen, als ich mit Erschrecken feststellte, dass ich ins Schwärmen geraten war. Augenblicklich verstummte ich. „Du erlebst das zum ersten Mal?", fragte Esme, die mich zwar schon lange kannte, aber meine Teenager- und Neugeborenenjahre nicht miterlebt hatte, da Carlisle sie später verwandelt hatte als mich.
Als Antwort konnte ich nur nicken, so fassungslos war ich von der Erkenntnis welch tiefen Eindruck Bella bereits bei mir hinterlassen hatte.
„Es scheint mir so, als hättest du dich das erste Mal verliebt, wenn ich das ganz offen zugeben darf. Du willst das vielleicht nicht hören und verdrängen, aber das wäre falsch. Es entspringt daraus eine große Verantwortung. Sie ist eine Sterbliche und du musst alle Konsequenzen bedenken, wenn du daran denkst deinen Gefühlen zu folgen und die ihren zu wecken."
„Das kann ich nicht! Ich bin eine viel zu große Gefahr für sie", schoss es aus mir heraus, und wenn ich ehrlich war, war darüber nicht nur ein wenig Bedauern in mir vorhanden. „Dann musst du dich so gut es geht von ihr fern halten", betonte Esme noch einmal das Offensichtliche. „Das versuche ich, aber es fällt mir schwer", gestand ich ihr ein. „Nun, ich werde dich erst einmal den restlichen Nachmittag beschäftigen", schmunzelte sie und nahm mich bei der Hand.
Der nächste Tag war klarer, kälter und für Tollpatsche ein bedeutend gefährlicherer wie der vorher gehende. Die nächtliche Kälte hatte die nassen Straßen in Eisbahnen verwandelt und so fuhr ich den Volvo mit größerer Vorsicht und geboten zurückhaltender Geschwindigkeit zur Forks High School. Wir waren trotzdem eine der ersten Gruppen, die an der Schule eintrafen. Meine Geschwister wollten sich gleich zu ihren Klassenräumen begeben, obwohl ihnen die Kälte nichts ausmachte. Ich wollte auf Bella warten, denn ich musste sehen, dass sie bei diesem Wetter unbeschadet eintraf. Alice überredete die anderen mir Gesellschaft zu leisten und verwickelte sie in ihre Pläne für den Abend.
Endlich bog Bellas Chevy vorsichtig um die Ecke und sie steuerte einen Stellplatz nur vier Autos weiter an. Ich beobachtete, wie sie einparkte, ausstieg und ihre Reifen musterte. Anscheinend wunderte sie sich über die Schneeketten, die mir fast sofort aufgefallen waren, als ihr Wagen um die Ecke gebogen kam. In Gedanken lobte ich ihren Vater für seine Umsicht, gleichzeitig fragte ich mich, was es mich eigentlich anging. Schließlich hatte ich mir vorgenommen der Tochter des Polizeichefs fern zu bleiben. Das mir dies nicht gerade leicht fiel, bewies allerdings der Umstand, dass ich noch immer auf dem Parkplatz stand, anstatt mein Klassenzimmer aufzusuchen.
Plötzlich unterbrach ein merkwürdiges Geräusch meine Überlegungen. Es war hoch und kreischend und erschreckend laut. Im gleichen Moment erfasste ich eine neue Vision, die Alice soeben überkam: Bella, blutüberströmt, eingequetscht zwischen ihrem Chevy und einem dunkelblauen Van. Mein Entsetzen spiegelte sich in den ausdruckslosen Augen meiner Schwester. Die Menge um mich herum erstarrte angesichts des Schauspiels: der Van rutschte mit blockierten Bremsen wild schlingernd über den vereisten Parkplatz, genau auf Bellas Chevy zu, vor dem sie bewegungslos verharrte.
Ich konnte gar nicht so schnell denken, wie ich zu ihr hinüberrannte. Du musst sie retten, hämmerte es in meinem Kopf. Ein Eintreten der Vision würde mir das Herz zerreißen, also pfiff ich darauf meine Tarnung aufrecht zu erhalten und legte den Sprint meines Lebens hin. Und ich war schnell, schneller als jeder andere Vampir mit dem ich mich je gemessen hatte.
Ein kleiner rationaler Teil meines Gehirns beschloss die Art und Weise, wie ihre Rettung geschehen sollte. Ich würde sie aus dem Weg stoßen und neben den Volvo zurückkehren. Mit etwas Glück schaffte ich das in solcher Geschwindigkeit, dass es keinem auffiel und man würde glauben, der Van hätte Bella fortgestoßen, wodurch sie hoffentlich nur unwesentlich verletzt wurde.
Sekundenbruchteile bevor der Van auf den hinteren Kotflügel des Chevy traf, erreichte ich Bella und stieß sie zur Seite. Hinter dem neben ihr parkenden hellbraunen Wagen, der Mr Banner gehörte, kam sie hart zu liegen und ich fluchte. Zum einen, weil Bellas Kopf hörbar, zumindest für mich, auf dem Asphalt aufschlug, und zweitens, weil mein Plan nicht aufging. Denn die Gefahr für das blasse Mädchen war damit leider noch nicht gebannt. Der Van rutschte weiter, genau auf Bella zu. Mit beiden Händen stoppte ich ihn, wobei ich ihm noch ein paar Dellen mehr, als der Chevy ihm schon geschlagen hatte, zufügte. Dann zog ich Bellas Beine zur Seite. Leider mit etwas mehr Kraft als beabsichtigt, so dass sie an Mr Banners Wagen stießen. Der Van schlitterte noch immer ein Stück weiter und hätte Bellas Beine mitgenommen, während er zur letzten Kollision ansetzte. Nachdem er krachend an dem hellbraunen Wagen zum Stillstand gekommen war, herrschte sekundenlang die übliche Stille, die einer Katastrophe folgte, bevor ohrenbetäubender Tumult losbrach.
Unendlich viele Stimmen riefen nach Bella, die, fest an mich gepresst, in meinem Arm lag. Und das fühlte sich besser an, als es sich an solch einer Stelle gehörte. „Bella? Ist alles in Ordnung?", erkundigte ich mich eindringlich. Ich hoffte ihr nicht allzu sehr geschadet zu haben. In der Eile hatte ich meine Kräfte nicht so wohldosiert einsetzen können, wie es angesichts eines solch zerbrechlichen Wesens geboten schien.
„Mir geht` gut", sagte Bella mit eigenartiger Stimme und versuchte sich aufzusetzen. Wohl oder übel half ich ihr sich aufzusetzen, bemerkte aber, als sie sich mühsam bewegte: „Vorsicht. Ich glaube, du bist ziemlich hart mit dem Kopf aufgeschlagen."
Ihr entfuhr ein überraschtes „Au", als sie die leichte Beule bemerkte, die sich pulsierend über ihrem linken Ohr bildete. „Hab ich` s mir doch gedacht", sagte ich, wobei ich ein glückliches Lachen, weil ihr nicht mehr passiert war, unterdrücken musste.
Bella schaute sich um und fragte dann: „Wie zum ... Wie bist du so schnell hier gewesen?" Sollte sie wirklich mitbekommen haben, dass ich so flugs bei ihr gewesen war? Ich versuchte es mit einem Täuschungsmanöver: „Ich stand direkt neben dir, Bella."
Ich merkte, dass ich sie nicht überzeugt hatte, hoffte aber sie würde es dabei bewenden lassen. Mit gespielter Unschuldsmiene löste ich bedauernd den Griff um ihre Taille und rutschte etwas von ihr weg, als könnte ich mit dem körperlichen auch gedanklichen Abstand schaffen. Scheinbar überlegte Bella, ob sie nachhaken sollte, doch in diesem Moment überrannten uns die anderen Zeugen des Dramas.
Um uns herum wirbelten Stimmen, für mich kamen die aufgeregten Gedanken der Schüler dazu, kaum unterscheidbar von den ausgesprochenen Worten. Ich konzentrierte mich auf Bella, die nun aufstehen wollte. Zwei Medizinabschlüsse riefen mir etwas von Schleudertrauma, Gehirnerschütterung, Schockzuständen und anderen Unfallnebenwirkungen zu, so dass ich mich genötigt sah, ihr eine Hand auf die Schulter zu legen und zu befehlen: „Bleib erst mal sitzen."
Ihre Betriebsamkeit machte mich etwas nervös. Was, wenn sie wieder auf ihre Beobachtung zurückkam? „Aber es ist kalt", maulte sie und ich musste lachen, weil es wie das Gejammer eines kleinen Mädchens klang. Dann spiegelte sich auf ihrem Gesicht die Erinnerung an das Geschehene, und mir krampfte es das Herz zusammen, als sie sagte: „Du warst dort drüber. Bei deinem Auto."
Das Lachen verging mir und ich zwang mich zu dem unnachgiebigsten Gesichtsausdruck, den ich aufzusetzen vermochte: „Nein, war ich nicht." Sollte ich gehofft haben, ihre Einwände damit zum Verstummen zu bringen, wurde ich enttäuscht. „Ich hab dich gesehen."
Wir waren eine ruhige Insel inmitten des Chaos, in mir tobte dagegen ein Sturm. Wie sollte ich sie überzeugen? Einmal mehr bewies sie mir ihren scharfen Blick für Details. Trotzdem versuchte ich sie erneut zu überzeugen: „Bella, ich stand neben dir, und ich hab dich zur Seite gezogen."
Dabei versuchte ich mit einem entschlossenen Blick ihr diesen Gedanken auch in den Kopf zu setzen. Doch sie war dickköpfiger, als ich je einen Menschen erlebt hatte. „Nein", widersprach sie entschlossen. Ich musste also die Taktik ändern! Mit einem einschmeichelnd funkelndem Blick meiner goldenen Augen, die jedes Opfer in die Falle lockten, bat ich: „Bella, bitte?"
„Warum?", begehrte das halsstarrige Wesen vor mir zu wissen, das ich inzwischen fast verfluchte. Konnte sie mir nicht einfach für ihre Rettung danken und die Sache auf sich beruhen lassen? Mit unwiderstehlicher, sanfter Stimme bat ich erneut: „Vertrau mir."
Sirenengeheul unterbrach unsere Unterhaltung nur kurz, denn sie fragte weiter: „Versprichst du, mir später alles zu erklären?" Langsam begann ihre Sturheit mich in Rage zu bringen und so antwortete ich gereizt: „Schön, wie du willst." „Schön", erwiderte sie ebenso gereizt, etwas, was ich an ihr noch nicht erlebt hatte. Scheinbar nahmen die Überraschungen der Bella Swan kein Ende!
Unsere Zweisamkeit endete, da es sechs Rettungshelfern und zwei Lehrern gelang, den Van wegzuschieben, so dass man uns befreien konnte. Natürlich hätte ich den Wagen mit dem Stups eines Fingers beiseite räumen können, aber ich hatte Bellas Aufmerksamkeit schon zu sehr erregt, als das ich es hätte wagen können nochmals Hand anzulegen. Mich als Tarnung auf eine Trage verfrachten zu lassen, kam dagegen nicht in Frage. Bella verhalf ich allerdings zu dieser Ehre. Zum einen ärgerte es sie maßlos, was ich genoss, nachdem sie mir so zugesetzt hatte. Zum zweiten verschaffte es mir Abstand von ihren bohrenden Fragen, so dass ich versuchen konnte eine überzeugende Begründung zu finden. Und drittens fand ich es wirklich nötig, dass man sie auf eine Gehirnerschütterung untersuchte, auch wenn ihr wacher Verstand und die ihr erhalten gebliebenen Erinnerungen an das Unfallgeschehen dagegen sprachen.
Ich wünschte schon wieder ihre Gedanken lesen zu können. Sicherlich bedachte sie mich innerlich mit Schimpfworten, weil sie mit Halskrause versehen und auf eine Trage geschnürt im Heck des Krankenwagens abtransportiert werden sollte, während ich vorn neben dem Fahrer Platz nehmen durfte. Bevor dies geschah, kam der Polizeichef, der panisch ihren Namen brüllte, angerannt.
Mein Mädchen, was machst du nur für Sachen! Du bist doch alles was ich habe! Muss ich dich wirklich in Watte packen?
Sie antwortete ihm nur matt: „Mir geht´ s gut, Char – Dad. Nichts passiert." Als sie verstummte, befürchtete ich bereits sie sei ohnmächtig geworden. Ein Blick nach hinten überzeugte mich vom Gegenteil. Sie war schon wieder in Gedanken und ich befürchtete, dass das nichts gutes für mich bedeutete.
Wahrscheinlich überlegt sie sich neue Fragen, mit denen sie mich piesacken kann. Als Ermittlerin beim FBI hätte sie bestimmt gute Chancen.
Auf dem Weg zum Krankenhaus, eskortiert von Charlie Swan, grübelte ich weiter, wie ich Bella ihre Beobachtungen plausibel machen sollte. Doch mir kam kein Geistesblitz und so beschloss ich Carlisle um Rat zu fragen, den ich in absehbarer Zeit zu Gesicht bekommen würde.
Am Hospital angekommen, amüsierte ich mich jedoch erst einmal über Bellas Gesicht. Sie machte einen zutiefst gedemütigten und unglücklichen Eindruck. Wenn Blicke töten könnten und ich sterblich gewesen wäre, hätte im Krankenhausflur vermutlich mein letztes Stündlein geschlagen. Mein provozierend eleganter Gang und die Tatsache, dass mich keiner mit Hilfsavancen bedrängte, brachte sie scheinbar in Rage.
Eins zu Null für mich, dachte ich, bevor ich mich zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen auf den Weg zu Carlisles Büro machte. Ich musste gar nicht so weit gehen, denn an der nächsten Ecke kam er mir entgegen. „Ich habe gehört, was passiert ist", erklärte er sogleich und legte mir eine Hand auf die Schulter, womit er mich zur Umkehr bewegte.
Wäre er an dieser Stelle ein menschlicher Vater gewesen, hätte seine Frage: „Bist du in Ordnung?" eine durch und durch medizinische Bedeutung gehabt. Da ich jedoch unsterblich und unverletzbar war, wusste ich, dass er meine seelische Verfassung meinte. Wobei meiner Meinung nach Vampire keine Seele besaßen, die sich in irgend einer Verfassung befinden konnte.
„Ja sicher. Hast du trotzdem kurz Zeit?" Ich musste die Situation unbedingt mit ihm besprechen. Da wir schnell, also ihn kaum von der Arbeit abhaltend, und leise, für niemand anderen hörbar, sprechen konnten, gab es nichts, was dagegen sprach dies gleich an Ort und Stelle zu tun.
Leider war Carlisle nicht wirklich in der Lage mir bei diesem Problem weiter zu helfen. Seiner Meinung nach gab es einfach keine glaubhafte Erklärung dafür, zumindest nicht in diesem Fall. Ich konnte nur weiterhin versuchen Bella davon abzubringen oder sie so sehr zu verwirren, dass sie selbst nicht mehr an das glaubte, was sie gesehen hatte.
Das schaff ich nie, dachte ich frustriert. So gut kannte ich sie inzwischen.
Carlisle musste weiter. Er war neugierig auf das Mädchen, das in nicht einmal zehn Tagen, die es jetzt in Forks weilte, so viel Chaos in meinem Leben anrichtete. Das konnte ich seinen Gedanken entnehmen.
Ich entschloss mich eine Runde frische Luft zu schnappen, um den Kopf frei zu bekommen und vielleicht noch eine Inspiration für eine Ausrede zu erhaschen. Doch überall wimmelte es von Schülern, die mich mit Fragen zu bestürmen versuchten. Mieden sie mich sonst, wirkte ihr Sensationsdurst jetzt gesprächssuchend. Um ihnen zu entkommen, kehrte ich in die Notaufnahme zurück. Dorthin war ihnen der Zutritt untersagt. Ich folgte der Stimme von Tyler Crowley, der den Van gefahren hatte. Seinen pausenlosen Entschuldigungen entnahm ich, dass er in Bellas Nähe sein musste.
Und so war es. Die Betten der beiden standen im gleichen Raum. Bella lag mit geschlossenen Augen und fast genauso kalkweiß wie die Laken auf ihrem. Ich trat ein und fragte: „Schläft sie?" Schlagartig öffnete sie die Augen und blitzte mich wütend an. Ich musste grinsen, denn ihre Wut wirkte irgendwie nur halbherzig.
„Hey, Edward, tut mir wirklich leid -", setzte Tyler an, dessen tausendfache Entschuldigungen an Bella mir noch durch den Kopf schwirrten. Mit einer Handbewegung und einem „Nichts passiert", unterbrach ich ihn, bevor ich mir die Freiheit nahm mich, in Ermangelung einer anderen Sitzgelegenheit, auf seiner Bettkante niederließ. Nicht das ich das Bedürfnis verspürt hätte, aber es wirkte einfach menschlicher. Und ich wollte Bella nicht noch mehr gegen mich aufbringen, indem ich mich nicht wenigstens ein bisschen angeschlagen zeigte.
In der Hoffnung ein unverfängliches Thema zu erwischen, fragte ich: „Also, wie lautet der Richterspruch?" „Mir fehlt nicht das Geringste, aber sie lassen mich nicht gehen", klagte sie. „Wieso bist du nicht an eine Bahre geschnallt wie alle anderen Beteiligten?" „Alles eine Frage der Beziehungen. Aber keine Sorge, ich bin gekommen, um dich hier herauszuholen."
In diesem Moment weiteten sich ihre Augen und ich musste nicht zur Tür schauen, um zu wissen, wer jetzt eintrat. Einen solchen Eindruck hinterließ im Krankenhaus von Forks nur einer: mein Stiefvater, Dr. Carlisle Cullen. Es bereitete mir ein unangenehmes Gefühl, dass selbst Bella so auf ihn reagierte. Schließlich konnte sie seine Tochter sein! Na gut, eher ein Urgroßvater in der x-ten Generation. Andererseits konnte ich auch nichts dafür, dass die Damen jeden Alters für mich schwärmten. Es hätte also in den Genen liegen können, wäre Carlisle mein biologischer Vater gewesen. So lag es jedoch eher an den uns unwiderstehlich machenden Vampirgenen.
„Also, Miss Swan, wie fühlen sie sich?", erkundigte er sich. In der Art, wie Bella antwortete, erkannte ich, dass diese Frage ihr langsam zum Hals heraushing. Gemäß ihrer guten Kinderstube antwortete sie jedoch mit: „Mir geht´ gut."
Sie hat was, hörte ich Carlisle denken, als er zum Kopfende ging, wo er auf einem Röntgenschirm ihre Aufnahmen sehen konnte. „Die Aufnahmen sehen gut aus. Tut ihr Kopf weh? Edward sagt, Sie seien ziemlich hart aufgeschlagen." „Meinem Kopf geht` s auch gut", wiederholte sie seufzend, wobei sie mich mit einem bösen Blick bedachte.
Petze, dachte sie vielleicht gerade. Hören konnte ich es nicht!
Hinter ihren stillen Fassade scheint sie Feuer zu haben, genau wie ihr Vater. Ist ein ruhiger Kerl, aber wenn es irgendwo ungerecht zugeht, wird er zum Stier, wandte Carlisle sich in Gedanken an mich. Er strich Bella über den Kopf und als sie zusammenzuckte, fragte er : „Empfindlich?" Unverwundbar, wie sie sich scheinbar gern gab, widersprach sie: „Nicht sehr."
Ich konnte ein Lachen darüber kaum unterdrücken. Wahrscheinlich würde sie noch mit einem Loch im Kopf behaupten, es wäre alles OK Mit sich wütend verengenden Augen blickte sie mich an und ich verstummte. Sie hat dich schon ganz schön im Griff, hörte ich Carlisle belustigt finden.
„Gut", wandte er sich an seine Patientin, „Ihr Vater wartet draußen, Sie können jetzt mit ihm nach Hause fahren. Aber kommen Sie wieder her, wenn Ihnen schwindlig wird oder wenn sie irgendwelche Probleme beim Sehen bekommen."
„Kann ich nicht wieder in die Schule?" „Vielleicht sollten Sie es für heute ruhig angehen lassen."
Ihr Blick streifte mich, während sie sich bei meinem Vater erkundigte, ob ich wieder zur Schule gehen würde. „Irgendjemand muss schließlich die Nachricht überbringen, dass wir überlebt haben", antwortete ich an seiner Stelle.
„Um ehrlich zu sein, sieht es so aus, als säße der größte Teil der Schule im Wartezimmer", korrigierte mich der Mann, der mich erschaffen hatte. „Auch das noch", stöhnte Bella und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Die zweite Woche in Folge hatte sie geschafft zum Mittelpunkt aller Gespräche zu werden. Ich ahnte wie unbehaglich sie sich deswegen fühlen würde.
Hätte Carlisle meine Gedanken lesen können, hätte er in diesem Moment nicht fragend die Augenbraue nach oben gezogen und angeboten sie noch länger da zu behalten. Und wenn er sie so gut gekannt hätte, wie ich sie inzwischen zu kennen glaubte, hätte er auch gewusst, dass sie das Angebot ablehnen würde. Bella war nicht das Mädchen, das eine Herausforderung scheute.
Verneinend und übertrieben schwungvoll erhob sie sich, so dass sie, kaum auf den eigenen Beinen stehend, schwankte. Carlisle hielt sie, bevor ich aufspringen und ein weiteres Mal unachtsam meine besondere Schnelligkeit preisgeben konnte. Bella versicherte ihm erneut, dass es ihr gut gehe und das alles nicht so schlimm sei, als er ihr zur Einnahme eines Schmerzmittels riet.
Ein toughes Mädchen, eben doch ganz ihr Vater, stellte Carlisle fest und setzte seine Unterschrift unter Bellas Krankenakte. Nebenbei bemerkte er: „Es scheint, als hätten sie großes Glück gehabt." Diese Bemerkung war wohl mehr als unnötig, fand ich, weil ich damit rechnete, dass sie Bella erneut auf meine Fährte locken würde. Ich hätte mir beinah selbst auf die Schulter geklopft, als das Mädchen genau so reagierte, wie ich es geahnt hatte.
„Ich hatte Glück, dass er zufällig neben mir stand." Bella betonte das „er" mit einem scharfen Blick auf mich. „Oh – ja, stimmt", erwiderte mein Vater und wandte sich schnell und sehr beschäftigt gebend unserem Mitschüler Tyler zu.
Tut mir leid, Edward. Ich hätte nicht gedacht, dass sie sie darauf anspringt! Und wie sie ansprang! Bella kam auf mich zu und zischte leise: „Kann ich kurz mit dir sprechen?" Nicht über dieses Thema, dachte ich gereizt, biss fest die Zähne zusammen und presste die Lippen aufeinander, damit mir diese Antwort nicht herausrutschte. Statt dessen entgegnete ich: „Dein Vater wartet auf dich."
Falls ich wirklich erwartet hatte dies würde sie zum Aufgeben bewegen, so hatte ich mich in Bellas Hartnäckigkeit getäuscht. Nach einem kurzen Blick auf Tyler und meinen Vater verlangte sie entschieden: „Ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen, wenn du nichts dagegen hast."
Gegen ein Gespräch mit Bella hatte ich sicher nichts, nur das Thema lag mir einfach nicht. Ihre Sturheit machte mich zunehmend wütend. Ein Umstand, der es mir schwer machte meinem Monster seinen Blutdurst vergessen zu lassen, vor allem, wenn man meinen gegenwärtigen Aufenthaltsort bedachte. Der Geruch des menschlichen Lebenssaftes hing permanent in der Luft, doch Bellas Aroma überdeckte es noch immer. Gereizt stellte ich eine potentiell größere Gefahr für sie da, als es der schlitternde Van auf dem High School Parkplatz gewesen war!
Ich musste also kurz Abstand gewinnen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. So schnell ich es wagen konnte, lief ich aus dem Zimmer und den Flur entlang. Natürlich folgte sie mir und so stellte ich mich ihr hinter der nächsten Ecke auf einem kleinen, menschenleeren Stück des Ganges. Mich zu ihr umdrehend, fragte ich betont genervt: „Was willst du?"
„Du bist mir eine Erklärung schuldig", stellte sie fest, scheinbar unbeeindruckt, dass ich mich so hart und unfreundlich gab wie bei unserem allerersten Treffen. „Ich hab dir das Leben gerettet – ich bin dir gar nichts schuldig." Du wärest mir vielleicht langsam mal den Dank dafür schuldig.
„Du hast es versprochen", beharrte sie, nachdem mein gereizter Tonfall sie wenigstens ein bisschen zurückzucken lassen hatte. „Bella, du hast dir den Kopf gestoßen, du weißt nicht, was du redest", erwiderte ich mit schneidender Stimme.
Lass es doch endlich gut sein, flehte ich innerlich. Ich wusste einfach nicht, was ich noch sagen sollte! Dabei hatte mich jahrzehntelange Übung für das Erfinden von Ausreden trainiert. Doch bei dem halsstarrigen Wesen vor mir fruchtete keine einzige. Im Gegenteil, sie verbiss sich immer weiter in dieses Thema.
„Mit meinem Kopf ist alles okay", stellte sie zornig fest und blickte mich trotzig an.
In diesem Moment fand ich sie ganz reizend, aber diesmal in einer ganz anderen Art und Weise. Natürlich durfte ich es mir nicht anmerken lassen. Das hätte ihr Oberwasser gegeben und ich wäre gekentert. Wenn sie so weitermachte, bestand die Gefahr, dass ich entweder mein Geheimnis ausplauderte oder sie wütend ansprang. Keines von beidem war eine gute Option.
„Was willst du von mir, Bella?" „Ich will die Wahrheit wissen. Ich will wissen, warum ich für dich lüge." Sie log für mich? Was hatte ich denn da verpasst? „Was ist denn deiner Meinung nach passiert?", fauchte ich.
„Ich weiß nur, dass du nicht in meiner Nähe warst – und Tyler hat dich auch nicht gesehen, also erzähl mir gefälligst nicht, dass mein Kopf was abbekommen hat. Der Van hätte uns beide getötet – hat er aber nicht, und dann hatte er plötzlich Dellen, wo deine Hände waren – und das andere Auto auch, aber du bist überhaupt nicht verletzt – und der Van hätte eigentlich meine Beine zerquetschen müssen, aber du hast ihn hochgehalten ..."
Mist, Mist, Mist. Abgesehen von der Tatsache, dass ich von dem Van nicht getötet worden wäre, da ich nun einmal unsterblich und aus diesem Grund auch nicht verletzbar war, hatte sie alles exakt beobachtet. Ihr Blick fürs Detail und ihre schnelle Auffassungsgabe brachten nicht nur mich, sondern den gesamten Cullen- Clan in Gefahr. Ich musste mich von ihr fern halten. Das wurde mir in diesem Augenblick deutlicher als je zuvor bewusst. Mein ganzes Verhalten musste wieder darauf abzielen Distanz zu bewahren.
Ich legte einen abwehrenden, ungläubigen Gesichtsausdruck auf und fragte: „Du bist also der Meinung, ich hätte einen Van angehoben?" Dabei bemühte ich meinen Tonfall so zu gestalten, als zweifle ich an ihrer geistigen Gesundheit. Doch der Schuss ging nach hinten los.
Bella blickte mich argwöhnig an, als würde sie ahnen, dass ich nur schauspielerte. Sie biss die Zähne zusammen, als würde sie eine heftige Entgegnung unterdrücken und ich verlegte mich auf einen spöttischen Tonfall für die nächste Frage.
„Das wird dir niemand glauben, das ist dir klar, oder?" Sie überraschte mich, als sie erwiderte: „Ich hab nicht vor, es irgendjemandem zu sagen." Ihre Worte bebten vor mühsam im Zaum gehaltener Wut.
„Warum ist es dann so wichtig?" „Es ist mir wichtig", beharrte Bella. „Ich lüge nicht gerne, und wenn ich es tue, will ich einen guten Grund dafür haben."
Ich hätte zu gern gewusst, wen sie angelogen hatte und warum. Irgendetwas musste mir entgangen sein, als ich mit Carlisle die vertrackte Situation besprochen hatte. Doch ich beschloss, nicht noch tiefer in dieses Wespennest zu stechen, sondern erkundigte mich: „Kannst du mir nicht einfach danken und die Sache vergessen?"
„Danke", sagte sie wütend und es begann erneut in mir zu brodeln. Das sollte die ganze Belohnung für mein „heldenhaftes Einschreiten" gewesen sein?! „Du lässt nicht locker, oder?", forschte ich weiter. „Nein." „Dann hoffe ich, dass du mit Enttäuschungen umgehen kannst."
In unserer Wut waren wir einander ebenbürtig und so funkelten unsere Augen sich böse an. Ich konnte nicht anders, ich musste sie in diesem Moment einfach bezaubernd finden und den Blickkontakt aufrecht erhalten. Letzteres diente nebenbei auch, um Stärke zu demonstrieren. Eine Stärke, die dieses menschliche Wesen in ungeahnter Weise ins Wanken brachte.
Bella war es schließlich, die als erstes wegschaute. Mit kalter Stimme wollte sie wissen: „Warum hast du dir überhaupt die Mühe gemacht?"
Diese Frage haute mich glatt aus den Socken. Hätte ich sie sterben lassen sollen? Was dachte sich Bella nur? Zu gern hätte ich ihre Gedanken lesen wollen. Sicher, es wäre ein leichtes gewesen den Unfall geschehen zu lassen. Kein anderer hätte ihn verhindern können! Kein anderer hätte es versucht! Auf einen selbstmörderischen Versuch wäre es für jeden Normalsterblichen auch hinausgelaufen. Aber ich musste an Alice` Vision denken und an den herzzerreißenden Schmerz, der mich bei dem Bild durchzuckt hatte.
„Ich weiß es nicht", flüsterte ich und ließ sie stehen. Die Worte „Es hätte mir sonst das Herz gebrochen", brannten mir auf den Lippen. Doch ich durfte sie ihr nicht sagen! Zu sehr brachte sie meine Tarnung und meine Entschlüsse ins Wanken.
Ich verließ das Hospital, die Fragen meiner Mitschüler, die ich unterwegs traf, ignorierend. Bedächtig wandte ich mich dem Park hinter dem Krankenhaus zu, durchmaß ihn mit langsamen, aber großen Schritten und erst als ich den schützenden Wald, der sich daran anschloss, erreichte, begann ich zu rennen. Die Bäume flogen an mir vorbei, als ich an ihnen vorbeiraste. Als hätte die Geschwindigkeit helfen können die angestauten Emotionen abzubauen!
Bellas Bild ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich konnte sie nicht vergessen, zu tief ging sie mir unter die Haut. Langsam sah ich ein, dass Esme recht gehabt hatte. Ich war verliebt in Bella! Das erste Mal in meinem Leben hatte ich mich verliebt, und ich wusste, es würde das einzige Mal sein. Die Erkenntnis darüber trieb mich fast in den Wahnsinn! Ich kannte die liebevollen Beziehungen meiner Stiefeltern und Geschwister. Tagtäglich hatte ich drei perfekte Partnerschaften vor Augen, die für Vampire nicht ungewöhnlich waren. Diese tiefe emotionale Bindung verhieß Harmonie und Wohlbefinden, mich stürzte sie in den Abgrund. Mit Bella konnte, nein durfte ich es nicht haben!
Um mich von diesem Bewusstsein abzulenken, rannte ich zur Forks High School. Es war kurz vor der Mittagspause und so suchte ich die Cafeteria auf, um dort auf meine Geschwister zu warten. Wie gewohnt, waren sie die ersten, die das kleine Nebengebäude betraten und, natürlich nur als Alibi, ein Mittagessen holten.
Coole Show, lobte Emmett. Ist mit Bella alles okay?, erkundigte sich Alice besorgt. Was sollte das! Du bringst uns alle in Gefahr, tobte Rosalie. Nur Jasper schien zu diesem Thema nichts zu sagen zu haben.
„Bella ist okay. Und ich konnte sie doch nicht sterben lassen", murmelte ich meinen Schwestern zu, als sie sich am Tisch niederließen. Das war unverantwortlich, beharrte Rosalie.
„Kein Mensch hat was bemerkt", log ich. Mit etwas Glück würde „meine große" Schwester nie erfahren, welche scharfsinnigen Beobachtungen die Gerettete angestellt hatte. „Lass es gut sein, Rosalie", besänftigte Emmett seine Partnerin und nur ihm konnte es auch gelingen.
Das Gespräch meiner Geschwister wendete sich alltäglicheren Dingen zu, während die unserer Mitschüler, einschließlich ihrer Gedanken, nur um das morgendliche Ereignis auf dem Parkplatz kreisten. „Hätte nicht gedacht, dass Cullen sich für einen von uns mal vor ein Auto schmeißen würde", flüsterte Jonathan Blake am Nachbartisch. „Er ist ein echter Held", schwärmte Hannah Ernest. „Aber das ihm dabei nichts passiert hat. Der hat doch mehr Glück als Verstand gehabt", fand Marcus Welby.
„Sitzt dort drüben, als wäre nichts geschehen", stellte Mariah Kenny fest. So oder so ähnlich klang es im gesamten Raum. An dem Tisch, an dem gewöhnlich Bella mit ihren Freunden saß, herrschte dagegen nahezu gähnende Leere. Eric, Mike und einige andere, die sonst dort Mittag aßen, hatte ich im Warteraum des Krankenhauses gesehen. Aus diesem Grund saßen heute nur Angela und Jessica auf ihren Stammplätzen.
Ich hoffe Bella geht es gut. Bin gespannt, ob Mrs Gonzales die Spanischtests schon ausgewertet hat. Ich habe zwar ein gutes Gefühl, aber ob es für ein A gereicht hat, würde mich schon interessieren, waren Angelas Gedanken. Diese Bella schafft es doch immer wieder sich in den Mittelpunkt zu rücken. Jetzt sitz ich allein mit der Streberin hier. Wäre ich nur mit Mike ins Hospital gefahren, wünschte sich Jessica.
Ich blendete ihr weiteres Gedankengequassel aus, zu groß war die Gefahr, dass mein Beschützerinstinkt nach der großen Gefahr in der Bella geschwebt hatte, mit mir durchging und ich ihr ein paar harsche Worte verpassen könnte.
Die Mittagspause ging vorbei, ebenso wie die letzten beiden Unterrichtsstunden. Es war seltsam ohne Bella im Biologiekurs zu sitzen. Ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, obwohl es am vorherigen Tag erst das zweite Mal und beim ersten Mal eine Höllenqual gewesen war.
Nach der Schule schloss ich mich einem Jagdausflug an, den meine Geschwister verabredet hatten. Ich war nicht durstig, aber es war eine willkommene Ablenkung, damit ich nicht pausenlos an Bella dachte.
Bei Einbruch der Nacht konnte ich dann meine Ungeduld zu erfahren, wie es ihr ging, endgültig nicht mehr zügeln. Ich musste sehen, ob sie in Ordnung war. Das konnte nicht bis zum nächsten Tag warten, auch wenn ich nicht glaubte, dass sie wegen des Unfalls krank machen würde.
Wie zwei Nächte zuvor lief ich also zum Haus der Swans. Da es allerdings zeitiger als bei meinem ersten Besuch war, brannte im Wohnzimmer noch Licht. Charlie saß vor dem Fernseher und schaute Baseball.
Da scheinen wir ja ein gemeinsames Interesse zu haben, stellte ich fest und warf einen Blick in seine Gedanken. Diese verrieten mir, dass Bella, nach Einnahme des empfohlenen Schmerzmittels, schon vor Stunden zu Bett gegangen war. Ohne Probleme gelangte ich in ihr Zimmer und lehnte mich in die nächstgelegene Ecke, um ihren Schlaf zu bewachen.
Schwere Träume schienen sie zu plagen. Unruhig wälzte sie sich hin und her und – plötzlich- schlug sie die Augen auf! Ich sprang aus dem Fenster und bildete mir fast ein, mein Herz rasen zu hören. Panisch überlegte ich, ob die Möglichkeit bestand, dass sie mich gesehen hatte. Für jeden anderen wäre ich zu schnell gewiesen, aber Bella hatte zu oft bewiesen, wie rasch sie Details bemerkte. Noch einmal nach oben zu gehen, wagte ich nicht. Ich lief nach Hause, wo ich die quälend langen Stunde bis zum Morgengrauen mit Musik hören verbrachte. Dabei konnten meine Gedanken ungestört um Bella kreisen. Wenn ich mich ihr auch fern halten musste, in meiner Fantasie konnte ich sie als Partnerin haben! Das schadete niemanden, außer mir, dem es das Herz brechen konnte!
