Die Twilight- Saga, ihre Personen, Handlungen etc. gehören Stephenie Meyer.
Es hat leider etwas länger gedauert mit diesem Kapitel. Wer das Buch kennt, weiß das das Original ausschließlich von Bella handelt, die herausfindet, dank Jacob, das die Cullens Vampire sind. Daraufhin die Albträume! Für mich war es also etwas schwierig, weil ich mir Edwards Verhalten in dem Zeitraum vorstellen musste. Hoffe es ist mir gelungen und ich werde fleißig mit Reviews belohnt!
Albtraum und Sonnenschein
Das Haus der Swans lag in Dunkelheit. Wie immer schlief Bella mit offenem Fenster, so dass es leicht war in ihr Zimmer zu gelangen. Zum ersten Mal seit ich sie besuchte, leuchtete die Lichterkette über ihrem Bett. Die kleinen Sonnen warfen ein warmes Licht auf ihr bleiches Gesicht. Ich fragte mich, was sie dazu bewogen hatte, sie in dieser Nacht anzuschalten. Warum wollte sie nicht im Dunkeln schlafen? Ich hätte zu gern gewusst was in den letzten Tagen in ihrem Leben passiert war. Doch ich musste mich momentan darauf beschränken sie anzuschauen und morgen in der Schule das Gespräch mit ihr suchen, um meine Neugier zu befriedigen. Viel zu schnell dämmerte der Morgen herauf und ich musste gehen. Als ich aus dem Fenster sprang, bemerkte ich, dass die Sonne bereits aufging. Länger als gewöhnlich hatte ich an Bellas Nachtlager verweilt. Und zu meinem Ärger stellte ich fest, dass die Sonne wirklich aufging. Ausgerechnet diesen Tag hatte sich die Sonne ausgesucht in voller Pracht über Forks zu erstrahlen. Das bedeutete die Cullens würden an diesem Tag Zuhause bleiben müssen. Wütend rannte ich nach Hause.
Carlisle hing bereits am Telefon, um seinen Dienst im Krankenhaus zu tauschen. Anschliessend würde er in der Schule anrufen, um uns zu entschuldigen. Die wenigen sonnigen Tage über Forks riefen jedesmal diesen Notplan nach sich und fesselten uns an unser Haus und den umliegenden Wald. Es war echt zum verzweifeln. Was sollte ich den lieben langen Tag nur mit mir anstellen? Wütend blickte ich aus dem Fenster als könnte ein scharfer Blick die Sonne verdunkeln! Doch nicht einmal mit Vampirkräften war das Wetter zu beeinflussen. Ich verzog mich also missmutig auf mein Zimmer, wo ich mich aufs Sofa fallen lies und missmutig ein Buch zur Hand nahm. Würde ich eben Macbeth nochmal lesen und darüber einen Aufsatz verfassen, statt einen alten hervor zu kramen und abzugeben.
Ich zwang mich das Buch in annähernd menschlicher Geschwindigkeit zu lesen und verschwendete eine geschlagene Stunde an den Aufsatz. Leider war es gerade erst Mittag, als ich damit fertig war. Ich fragte mich, ob Bella wohl in der Cafeteria nach mir Ausschau hielt, so wie sie es laut Alice am Freitag getan hatte. Ich verbrachte ein paar weitere Stunden mit Musik hören, dann klopfte es an der Zimmertür.
"Willst du dich den restlichen Tag hier verkriechen?", fragte Alice, nachdem ich sie ins Zimmer gebeten hatte.
"Ich kann mich nicht erinnern wann es den letzten Sonnentag in Forks gab", stellte ich missmutig fest. Lächelnd setzte sich Alice zu mir aufs Sofa.
"Es ist schon etwas her", gab sie zu. "Aber es ist doch nur ein Tag", versuchte sie mich zu besänftigen.
"Ich habe Bella jetzt vier Tage nicht gesehen!"
"Und was war heute Nacht? Glaub bloß nicht, dass wir nicht mitbekommen haben, dass du dich gestern davongeschliechen hast und erst heute morgen wieder gekommen bist."
"Das zählt nicht! Ich konnte schließlich nicht mit ihr reden!"
"Du bist wirklich von der Rolle", stellte Alice fest.
" Stell dir mal vor du wärst vier Tage von Jasper getrennt." Nachdem Alice die Tiefe meiner Gefühle für Bella kannte, brauchte ich kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.
"Ein Albtraum", gestand Alice. "Nun ja, der werden meine Neuigkeiten dich deprimieren. Das Wetter soll morgen nochmal so werden."
Ich stöhnte entsetzt auf, was Alice zu einem mitfühlenden Lächeln veranlasste.
"Ich versuche mal eine Vision von Bella zu bekommen, damit du sie wenigstens in meinen Gedanken sehen kannst", versuchte sie mich zu trösten. Ihr Gesicht nahm einen konzentrierten Ausdruck an und ich suchte ihre "Stimme".
Ich sah Bella ihren Transporter vor dem Haus der Swans parken. Sie stieg aus und zum ersten Mal sah ich sie in einem T-Shirt. Die Sonne strahlte auf sie herab und brachte einen leichten Rotton in ihrem Haar zum leuchten. Sie ging kurz ins Haus und stieg dann in einen weißen Mercury. An dessen Steuer erkannte ich Jessica Stanley, hinter ihr saß Angela Weber. Die Mädchen fuhren davon und das Bild erlosch.
"Was ist los?", fragte ich erschrocken. Das abrupte Ende der Vision erschreckte mich.
"Keine Ahnung. Ich probier es nochmal", versuchte Alice mich zu beruhigen. Ich konnte ihrer Miene die Anstrengung ansehen, als sie sich erneut auf Bella fokusierte. Und es gelang ihr Bellas Bild in Jessica Auto wieder hervor zu rufen. Die Mädchen fuhren nach Port Angeles, wie ich an einigen Häusern erkennen konnte. Am einzigen großen Kaufhaus der Stadt endete die Fahrt und die Vision verschwamm erneut. Ich konnte nur noch Bruchstücke wahrnehmen: die Mädchen in der Modeabteilung, Bella, umgeben von Büchern und dann plötzlich allein in einer dunklen Gasse. Als letztes sah ich Jessica und Angela allein im Wagen. Dann endete die Vision entgültig.
Wenn es möglich gewesen wäre, hätte Alice nach Abbruch ihrer Verhersehung noch blasser ausgesehehen. Der Blick in die Zukunft, oder besser in das was passieren könnte, hatte sie mental stark geschafft.
"Danke", sagte ich und nahm sie in den Arm. Sie lehnte sich einen Augenblick an mich, als könne sie daraus neue Kraft schöpfen.
"Warum ist Bella nicht mehr bei den anderen?", sprach sie die Frage aus, die mich seit dem Ende der Vision beschäftigte. Ich war beunruhigt und das merkte mir Alice an.
"Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Denk nicht immer gleich an das Schlimmste", versuchte sie mich zu beruhigen.
"Wann glaubst du wird das eintreffen, was du gesehen hast?", fragte ich, ohne auf ihre Worte einzugehen.
"Wenn morgen nochmal so ein schöner Tag wird wie heute und angesichts dessen, dass die Mädchen wahrscheinlich Kleider für den Frühjahrsball gekauft haben, schätze ich mal morgen."
"Dann muss ich nach Port Angeles", verkündete ich entschieden.
"Das ist viel zu gefährlich!", stieß Alice erschrocken hervor.
"Ich kann nicht anders. Wenn Bella was zustößt!"
"Das ist doch gar nicht gesagt! Vielleicht trifft sie sich noch mit jemand anderem und fährt mit dem zurück nach Forks", bemühte sich Alice mich von meinem Vorhaben abzubringen.
"Vergiß es, Alice. Bei Bella geh ich kein Risiko ein. Ich fahr morgen nach Port Angeles, park in irgend einer düsteren Gasse und versuche herauszufinden was passiert."
Die Entschlossenheit meiner Worte brachte Alice zum Verstummen. Sie wußte, wenn ich so hartnäckig an etwas festhielt, konnte nichts und niemand mich umstimmen.
"Denk noch mal drüber nach", sagte sie trotzdem als sie mein Zimmer verließ.
Doch das musste ich nicht. Ich fühlte, dass Bella mich brauchen würde und dankte der Vorsehung für Alice. Keine zehn Pferde hätten mich am nächsten Tag in Forks gehalten wo ich wußte, dass Bella in Gefahr schwebte. Ich hoffte Alice würde den anderen nichts von ihrer Vision und meinem Plan erzählen. Mich gegen ein halbes Dutzend Vampire durchsetzen zu müssen, um Bella helfen zu können, konnte mich unnötig aufhalten.
Inzwischen war Nacht geworden und es trieb mich zum Haus der Swans. Meine Sehnsucht nach ihr war kaum noch auszuhalten. Wie in der letzten Nacht schliech ich aus dem Fenster und raste zum Haus des Polizeichefs. Es lag ruhig und dunkel da und so wagte ich mich erneut in Bellas Zimmer. Auch in dieser Nacht leuchtete die Sonnen- Lichterkette über ihrem Bett. Woher stammte ihre plötzliche Abneigung gegen die Dunkelheit? Oder war sie nur eingeschlafen, bevor sie die Lampen hatte ausschalten können? Auf dem Nachttisch lag "Jane Austen". Ich fand ihren klassischen Geschmack was Lektüre anging bewunderswert, wenn Jane Austen vielleicht auch nicht mein Lieblingsautor jener Zeit war. Ich war mir aber sicher, ich würde mich dazu herablassen können wieder einmal ein Buch von ihr zur Hand nehmen, wenn darüber eine leidenschaftliche Diskussion mit Bella als Belohnung winkte.
Ich versank in Bellas Anblick und erst als ein Poltern im Haus mich in die Gegenwart zurückriss, bemerkte ich, dass es schon wieder Morgen wurde. In Kürze würde Bellas Wecker klingeln, also musste ich gehen. Einen letzten sehnsuchtsvollen Blick später war ich verschwunden und auf dem Heimweg.
Der Tag zog sich in qualvolle Länge. Wie von Alice vorher gesagt, schien die Sonne. Meine Geschwister und Eltern amüsierten sich trotzdem, für mich war es die Hölle. Ich sehnte mich nach der Nachmittagsstunde, in der ich nach Port Angeles aufbrechen konnte. Ich würde für die Fahrt kaum die Hälfte der Zeit benötigen wie Jessica in ihrem Mercury. Trotzdem brach ich, glücklicherweise ungehindert von meiner Familie, zur gleichen Zeit auf wie die Mädchen und suchte eine dunkle Gasse in der Stadt, wo ich unbemerkt parken konnte. In der Nähe des großen Kaufhauses, das die Mädchen laut Alice Vorhersage besuchen würden, gab es ein kleines Industrieviertel. Zwischen den Werkhallen gab es düstere Strassen, in denen mein Volvo nicht weiter auffallen würde. Hier war ich vor der Sonne geschützt und es gab kaum Nebengeräusche, die meine Konzentration stören konnten.
Zur Tarnung las ich ein Buch, während ich hinter dem Steuer wartete und mich auf die "Stimmen" in der Umgebung einstellte. Natürlich war ich viel zu früh dran, aber eigentlich war es egal, ob ich Zuhause oder in Port Angeles saß. Ich konnte es kaum erwarten Bella wiederzusehen. Ein wenig bangte mir davor, dass ich die Gefahr, in die sie sich begeben würde, zu spät erkennen könnte. Oder das sie gar nicht eintrat und ich Bella vielleicht an diesem Tag gar nicht sehen würde. Ich konnte nur hoffen und wenn ich noch ein gottesfürchtiger Mensch und kein Vampir gewesen wäre, hätte ich vielleicht sogar gebetet.
