Die Twilight- Saga, alle Personen, Handlungen und Dialoge gehören Stephenie Meyer.

Hier also Kapitel 8 für all meine treuen Leser und solche, die es werden wollen. Danke für die Reviews, vor allem sonnenblumeus, die mir die Lust am Weiterschreiben versüßt. Leider habe ich manchmal nicht so viel Zeit dafür, wie ich gern hätte. Außerdem bemühe ich mich um bestmögliche Umsetzung von Stephenies Vorgaben. Hoffe es ist mir hiermit wieder gelungen. Viel Spaß beim Lesen!

Dinner for two

Kurz nach vier Uhr gelang es mir endlich Jessica Stanleys „Stimme" einzufangen. Hätte mir jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass ich mich mal freuen würde ihre Gedanken hören zu können, hätte ich denjenigen garantiert für bekloppt erklärt. Seit ich jedoch verrückt nach Bella war, deren „Stimme" ich nicht vernehmen konnte, und diese nun einmal von Jessica zur Freundin erkoren worden war, musste ich in den sauren Apfel beißen. Ich kannte Jessicas Hintergedanken: sie wollte von Bellas Beliebtheit profitieren und vor allem von deren guten Draht zu Mike Newton. Im Moment drehten sich Jessicas Gedanken aber ausnahmsweise mal nicht um diesen, sondern um Jungen im Allgemeinen.

Sie fragte Bella gerade nach ihrem Liebesleben in Arizona aus und ihren Gedanken konnte ich entnehmen, dass diese dort genauso wenig eins gehabt hatte wie gerade in Forks. Ein Umstand, der mich zu einem froh machte, und den ich zweitens hoffte bald zu ändern. Ich nahm Jessicas Schadenfreude wahr als sie Bella davon berichtete, dass Tyler überall herumerzählte, er würde mit Bella zum Jahresabschlussball gehen. Mit Genugtuung hörte ich, wie Jessica sich über Bellas entrüstete Verneinung wunderte. Klar, eine Miss Stanley konnte nicht verstehen, wie man einem Jungen einen Korb geben konnte. Ganz anders Angela, die sich etwas in der Art schon gedacht hatte. Nachdem sich Jessica einen Vorschlag von Bella, nämlich Tyler anzufahren, um mit ihm quitt zu sein, um damit Ruhe vor ihm zu bekommen, belustigt durch den Kopf gehen lassen hatte, wendeten sich die drei dem Grund ihres Besuches in Port Angeles zu.

In den nächsten Minuten langweilten mich die Mädchen mit Kleidern, Schuhen und Accessoires, die durch ihre Köpfe rauschten. Ich konnte ihnen entnehmen, dass Bella nichts einkaufte, sondern nur als Beraterin fungierte. Jessica, die keine Antenne für die Stimmung anderer Leute hatte, bekam gar nicht mit wie halbherzig Bella dabei bei der Sache war. Angela dagegen schon. Sie fragte sich, während sie ein paar rosafarbene High Heels probierte, ob die Niedergeschlagenheit ihrer Freundin mit Tyler zusammenhing, wagte aber nicht Bella danach zu fragen. Statt dessen besprach sie mit ihr, dass sie das Paar Schuhe nehmen würde, obwohl es vermutlich nie zu einem anderen Anlass getragen werden würde, aber das vertretbar war, da sie preisreduziert waren. Dann horchte ich auf, den Bella schien eine Frage über meine Familie gestellt zu haben.

Angela antwortete ihr: „Auf jeden Fall. Wenn das Wetter gut ist, machen sie ständig Wandertouren, selbst der Doktor. Sie sind ziemliche Freiluftfanatiker."
Das nun nicht gerade, obwohl uns kein Wind und Wetter im Haus hielt. Andererseits erregte nun einmal unsere diamanten glitzernde Haut zu viel Aufmerksamkeit, um uns in aller Öffentlichkeit die Sonne aufs Haupt scheinen lassen zu können.

Am liebsten hätte Angela Bella gefragt, warum sie das wissen wollte. Andererseits wollte sie sich nicht aufdrängen, einen Wesenszug, den ich an Angela Weber schon immer geschätzt hatte. Dann drängte sich Jessica wieder zwischen die beiden mit sinnlosen, zumindest meiner Meinung nach, Fragen nach Schmuck, passend zu ihren silbernen Schuhen, deren Eleganz sie pausenlos bewunderte. Der „Stimme" Jessicas konzentriert zuhören zu müssen, war wirklich eine Qual.

Eine Qual, von der ich bald entbunden werden sollte. Und wie es nun mal so ist, war ich in dem Moment dann nicht mehr froh darüber. Die Mädchen trennten sich nämlich. Wie ich aus dem halben Gespräch, das ich mitbekam, schlussfolgern konnte, wollten Jessica und Angela zur Bucht, während Bella sich den Weg zu einem Buchladen erklären ließ. Ich erinnerte mich sie in Alice Vision in einem solchen gesehen zu haben und dank Jessicas Beschreibung wußte ich, wo er sich befand. Ich startete den Wagen und fuhr zur Adresse des Ladens. Mit dem Wagen war ich natürlich schneller als Bella zu Fuß und so parkte ich bereits in der Strasse, als Bella kam. Die Besitzerin des Buchladens wurde enttäuscht von ihr. Sie hatte sie nämlich durch das Schaufenster vor ihrem Laden entdeckt und hatte gehofft in ihr eine neue Kundin zu bekommen. Doch Bella ging weiter.

Wo willst du jetzt hin?

Ich bemerkte, dass sie in meine Richtung schaute und rutschte blitzschnell auf meinem Sitz nach unten. Auch wenn sie mich keineswegs hinter den verspiegelten Scheiben erkennen würde können, wollte ich kein Risiko eingehen. Als ich wieder auftauchte, sah ich sie in südlicher Richtung davoneilen und mir wurde klar, dass sie wohl jede Orientierung verloren haben musste. Sicherheitshalber wartete ich eine Weile, bevor ich den Wagen startete, um ihr zu folgen. Als ich jedoch um die nächste Ecke bog, war sie verschwunden.

Es beunruhigte mich den Kontakt zu ihr verloren zu haben. In fiebriger Hast durchsuchte ich die Gedanken aller möglichen Menschen, die in der Gegend unterwegs waren, doch niemand beschäftigte sich mit Bella. Es ging nur um Einkäufe, Mahlzeiten, Liebesdinge und Schulden in den Köpfen der Leute. Und dann wäre mir beinah das Herz stehen geblieben, wenn es den möglich gewesen wäre – ihr wisst ja, Vampire haben keinen Herzschlag -, denn einige Zeit später tauchte Bellas Bild in den Gedanken vier junger Burschen auf. Und es waren Gedanken, die mir gar nicht gefielen.

Na das ist ja mal ein Püppchen!
Die sieht aus, als wäre sie noch Jungfrau!
Ganz allein in so einer einsamen Gegend!
Mit der kann man bestimmt eine Menge Spaß haben!

Sie quatschten Bella an und verfolgten sie, als sie, scheinbar wortlos, weiterging. Ich bekam mit, wie sie verabredeten das Mädchen in die Enge zu treiben. Als ich erkannte, was sie mit Bella vorhatten, entwich meiner Kehle ein wütendes Knurren. Mühsam beherrscht fuhr ich in die Richtung, wo ich die Gang vermutete. Dadurch, dass sie sich getrennt hatten, fiel es mir schwer, ihnen zu folgen. Doch dann fand ich in den Gedanken des einen Kerls einen Anhaltspunkt auf den verabredeten Ort und erreichte bald darauf die Gasse, in der sie Bella gestellt hatten.

Den „Stimmen" der Burschen entnahm ich, dass sie sich über Bella amüsierten, da sie scheinbar nicht kampflos aufgab.
Ich mag es, wenn die Mädchen sich zieren. Das lässt mein Blut kochen und steigert meine Lust!
Als könnte sie gegen uns vier etwas ausrichten!
Sieht aus, als würde sie versuchen uns fertig machen zu wollen.

Ich gab Gas und schoss um die Ecke, hinter der ich die fünf wusste. Das Blut rauschte in meinen Ohren, als ich das Bild, das bisher nur in meinem Kopf gewesen war, plötzlich vor mir auftauchte. Meine erste Sorge galt Bella, die unverletzt schien und entschlossen auf die Strasse sprang, um mich zu stoppen. Dann sah ich die Kerle und es fehlte nicht viel und ich wäre aus dem Wagen gesprungen, um unsagbare Dinge mit ihnen anzustellen. Ich klammerte mich ans Lenkrad und stieß nur die Beifahrertür auf.

„Steig ein", kommandierte ich und bemerkte, wie zornig meine Stimme klang. Anstandslos folgte Bella und ich war erleichtert darüber. Ich musste mich zu sehr auf meine Selbstbeherrschung konzentrieren, als dass ich mich in diesem Augenblick auf eine Diskussion mit ihr hätte einlassen können.

Ich trat aufs Gaspedal und riss den Wagen herum. Bellas Angreifer mussten aus dem Weg springen. Sie über den Haufen zu fahren, wäre das einfachste und für sie schmerzloseste gewesen. Doch ich kämpfte den Drang sie zu bestrafen mühsam herunter und beschleunigte statt dessen den Wagen, um schnell einen großen Abstand zu ihnen zu gewinnen.

„Schnall dich an", befahl ich Bella. Wieder gehorchte sie widerspruchslos, eine Tatsache, an die ich mich sicher gewöhnen könnte. Wie ein Irrer rast ich durch Port Angeles, überfuhr Stoppschilder und missachtete jedwede Geschwindigkeitsbegrenzung. Ich bemerkte Bellas Blick, war aber noch immer zu sehr mit der Bekämpfung der mörderischen Wut auf die Männer beschäftigt, als das ich hätte etwas sagen können.

Schließlich brach Bella die Stille und fragte: „Ist alles okay mit dir?"
„Nein", antwortete ich. Ich wusste, dass es schroff klang. Aber die Worte, die mir auf der Seele brannten, hätten sie nur verletzt. Wie kann man sich nur pausenlos so in Gefahr bringen? Es reißt mir das Herz heraus, wenn ich daran denke, was dir hätte zustoßen können. Kannst du nicht besser auf dich aufpassen?

Erst als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten und ich mir sicher war, dass ich die Kerle höchstwahrscheinlich nicht wieder aufspüren würde können, hielt ich an, um sie anzusprechen.
„Bella?"
„Ja?", fragte sie mit kratziger Stimme.
"Ist alles okay mit dir?" Ich mied ihren Blick, um sie die Wut in meinem Gesicht nicht sehen zu lassen.
„Ja", krächzte sie leise.
„Lenk mich bitte ab", forderte ich. Ich war mir noch immer nicht sicher, ob ich mich so weit im Griff hatte den Kerlen nicht das Genick zu brechen.
"Wie bitte – was?"

„Du sollst irgendwas Unwichtiges plappern, bis ich mich wieder beruhigt habe", erklärte ich mit geschlossenen Augen. Mit Daumen und Zeigefinger drückte ich meinen Nasenrücken, um den Adrenalinabbau zu beschleunigen.
„Äh", stammelte Bella. „Ich werd wohl morgen früh vor der Schule Tyler Crowley überfahren müssen."
Mein Mundwinkel zuckte belustigt, da ich an ihre Theorie dachte nur so ausgleichende Gerechtigkeit herstellen zu können, um Ruhe vor ihm zu bekommen, als ich fragte: „Warum?"

„Er rennt rum und erzählt allen, dass er mit mir zum Jahresabschlussball geht – entweder er ist wahnsinnig, oder er versucht immer noch, Wiedergutmachung zu leisten, weil er mich fast totgefahren hätte letzten... na ja, du weißt ja, wann, jedenfalls scheint er zu denken, dass der Abschlussball irgendwie die korrekte Art ist, das zu tun. Deshalb dachte ich mir, wenn ich ihn auch fast totfahre, sind wir quitt, und er kann aufhören damit, Buße zu tun. Ich habe wirklich keine Lust auf irgendwelche Rivalitäten, und wenn er mich in Ruhe lässt, hört Lauren vielleicht auch auf, Gift zu sprühen. Kann allerdings sein, dass ich Schrott aus seinem Sentra machen muss. Ohne Auto kann er schließlich auch niemanden zum Ball ausführen, richtig?"

Ihr Geplapper beruhigte mich wirklich und das konnte man mir auch anhören, als ich erwiderte: „Stimmt, ich hab auch schon davon gehört."
„Du?", erkundigte sie sich ungläubig. „Wenn er vom Hals abwärts gelähmt ist, kann er auch nicht zum Ball gehen", präzisierte sie ihren Plan.
Diese Vorstellung brachte mich wieder auf die Bestrafung für die Gang und seufzend schlug ich die Augen auf, in der Hoffnung ihr unversehrter Anblick würde mich milder stimmen.

„Geht` s die besser?", fragte sie und ich antwortete ehrlich: „Nicht so richtig."
Mit starrer Miene blickte ich zur Decke des Autos und hörte sie flüstern: „Was ist los?"
„Gelegentlich fällt es mir sehr schwer, mich zu beherrschen, Bella", erklärte ich ebenfalls leise. Ich kniff die Augen zusammen und sah aus dem Fenster, um die Mordlust in ihnen vor ihr zu verbergen. „Aber es wäre ganz sicher keine gute Idee, jetzt umzudrehen und diese Typen zur Strecke zu bringen. Diese widerlichen..." Ich konnte den Satz nicht beenden. Zum einen packte mich erneut die Wut mit aller Macht, zum zweiten fiel mir keine passende Bemerkung für diese Bastarde ein.

„Zumindest ist es das, wovon ich mich zu überzeugen versuche", ergänzte ich und erhielt als Antwort nur ein kleines „Oh".
Leise sagte Bella: „Jessica und Angela werden sich Sorgen machen. Ich war mit ihnen verabredet." Ein Blick auf die Uhr im Armaturenbrett verriet mir, dass es halb sieben war und Bella schon dreißig Minuten über der vereinbarten Zeit war. Ich gab also Gas und fuhr zurück in die Stadt und zum „La Bella Italia", wo sich die Mädchen treffen wollten. Jessica und Angela kamen gerade heraus und eilten davon, als wir vor dem Restaurant geparkt hatten.

„Woher wusstest du denn, wo...?" setzte Bella an, doch ich war schon ausgestiegen. „Was hast du vor?", wollte sie weiter wissen.
„Ich lade dich zum Essen ein", erwiderte ich mit schwachem Lächeln und schlug die Tür zu. Obwohl ich mich nicht mit Vampirschnelligkeit bewegt hatte, schien es ewig zu dauern bis Bella sich von ihrem Gurt befreit hatte und neben mir auf dem Gehweg stand.

„Würdest du bitte Jessica und Angela aufhalten, bevor ich sie auch noch suchen muss? Ich glaub nicht, dass ich mich ein zweites Mal beherrschen könnte, wenn ich deine Freunde von vorhin wiedersehen würde."

Der drohende Ton meiner Stimme ließ sie erschauern, bewirkte aber, dass sie umgehend nach ihren Freundinnen rief. Zum Glück hörten die beiden sie und kamen zurück. Ich las das Erstaunen über meinen Anblick in ihren Gesichtern und Gedanken.
Wo kommt Cullen her? Wieso hängt er schon wieder mit Bella rum?
Edward scheint ärgerlich zu sein.

Es war nicht schwer zu erraten, von wem welcher Gedanken stammte. Jessica, wie immer über meine Aufmerksamkeit für Bella verärgert, fragte argwöhnisch: „Wo warst du?"
Sie wird sich doch nicht heimlich mit Cullen verabredet haben und mich als Mitfahrgelegenheit ausgenutzt haben?

„Ich hab mich verlaufen. Und dann habe ich Edward getroffen", erklärte Bella kleinlaut, mit einer Handbewegung in meine Richtung ergänzend. Sie verschleierte die Wahrheit wohl etwas, um ihre Freundinnen nicht zu beunruhigen.
„Wäre es in Ordnung, wenn ich euch Gesellschaft leiste?", fragte ich mit einschmeichelnder Stimme, die ihre Wirkung, wie immer, nicht verfehlte.

„Äh ... na klar", hauchte Jessica, völlig verdattert. Angela dagegen gestand: „Ehrlich gesagt, Bella, wir haben schon was gegessen, während wir gewartet haben. Sorry."
Schulterzuckend bekannte Bella: „Macht nichts, ich hab sowieso keinen Hunger."
Ich sah meine Felle davon schwimmen, beziehungsweise Bella mit ihren Freundinnen verschwinden, also sagte ich leise, aber bestimmt: „Ich finde, du solltest etwas essen."

„Hättet ihr etwas dagegen", wendete ich mich etwas lauter an Jessica: „wenn ich Bella später nach Hause fahre? Dann müsst ihr nicht warten bis sie gegessen hat."
„Äh, nö, eigentlich nicht...", rutschte es Jessica heraus und sie musterte Bella.
Hoffentlich ist ihr das Recht. Andererseits hat sie sonst ja auch nichts gegen Edwards Anwesenheit. Oh, na dieses Zwinkern sagt ja wohl alles. Wir werden hier wohl nicht mehr gebraucht!

Zum Glück bewies Angela einmal mehr, dass sie bedeutend mehr Grips hatte als ihre Freundin. Sie nahm Jessicas Hand und rief: „Okay. Bis morgen dann, Bella... Edward." Und schon hatte sie ihre Fahrerin davongezogen und Bella blieb mit mir zurück.
Da bin ich ja mal gespannt, was Bella morgen zu erzählen hat, dachte Jessica, als sie ins Auto einstieg.

Bellas Widerspruchsgeist schien aus der Pause zurückgekehrt zu sein, den sie beharrte nun: „Ehrlich, ich hab wirklich keinen Hunger." Zu gern hätte ich gewusst, ob sie das ernst meinte oder nur vorgab, um nicht mehr Zeit mit mir verbringen zu müssen. Einschmeicheln bat ich: „Tu mir den Gefallen."

Ohne sie zu Wort kommen zu lassen, ging ich zum Restaurant und öffnete die Tür. Mit unerbittlicher Miene forderte ich sie auf mitzukommen und Bella gab nach. Erleichtert, dass sie nachgab, seufzte ich innerlich auf. Sie war weniger zurückhaltend und seufzte hörbar resigniert, bevor sie an mir vorbei in das italienische Lokal ging.

Was für eine Sahneschnitte, las ich die Gedanken der Wirtin, die uns begrüßte. Möchte wissen, wie so ein unscheinbares Mädchen an so ein Prachtstück kommt.
Ich versuchte mich vom Gedankengeschwätz der Blondine, die in Wirklichkeit keine wahr, nicht ablenken zu lassen und bat um einen Tisch für zwei. Sie führte uns an einen Vierertisch im Mittelpunkt des Lokals.
Da kann ich den Jungen vom Tresen aus noch etwas bewundern. Zu schade, dass ich für den Burschen zwei, drei Jährchen zu alt bin. Warum gab es solche Kerle nicht, als ich jung war?
Es gefiel mir nicht auf dem Präsentierteller zu sitzen. Auch wenn Bella sich schon setzten wollte, lehnte ich den Platz kopfschüttelnd ab.

„Vielleicht etwas, wo man ein wenig ungestörter sitzt?", konkretisierte ich meinen Wunsch und steckte der Wirtin schnell eine Zehndollar- Note zu.
Geld scheint er auch noch zu haben, wenn er hier nur wegen eines anderen Tisches damit um sich werfen kann. Innerlich seufzend, führte die Lokalinhaberin uns mit den Worten: „Ja, sicher" zu einer Trennwand, hinter der in einem kleinen Kreis ein paar Separees angeordnet waren. Diese standen allesamt leer. „Perfekt", erwiderte ich auf die Frage der Wirtin, ob es uns hier genehm wäre, und schenkte ihr als Dank mein strahlendstes Lächeln.
Ich glaube mir werden die Knie weich. „Ähm, die Kellnerin wird gleich da sein", versprach sie, sichtlich um Fassung bemüht. Bella und ich nahmen Platz, während sie mich tadelte: „Das solltest du wirklich nicht tun. Das gehört sich nicht."

„Was gehört sich nicht?", gab ich mich ahnungslos.
„Ich bitte dich", sagte sie ungläubig, „du willst mir doch nicht erzählen, dass du nicht weißt, wie du auf Leute wirkst."
Ich weiß es sogar ziemlich sicher, so zu sagen aus erster Quelle. Aber mir gefiel es Bella mit dem Thema ein wenig zu beschäftigen und so legte ich den Kopf schief und fragte neugierig: „Ich bringe Leute aus der Fassung?" Ich war gespannt, was sie mir darauf antworten würde, wo es doch offensichtlich so war und ich zu meiner Schande gestehen musste, dass ich es manchmal auch darauf anlegte.

„Ist dir das noch nie aufgefallen? Dachtest du, alle kriegen so schnell, was sie wollen?"
Dank meiner Vampirkräfte bekomme ich immer, was ich will. Wie es anderen geht, ist mir im Moment ziemlich egal. Ich wollte wissen: „Bringe ich dich auch aus der Fassung?"
„Des öfteren", gestand sie.

Bin ja mal gespannt, ob die Chefin nicht übertrieben hat mit ihrer Schwärmerei, vernahm ich die Gedanken der sich nähernden Kellnerin. Mein Anblick schien sie nicht zu enttäuschen.
Wow, der ist ja echt eine Wucht! Der könnte mit einem Supermodel hier sitzen und schleppt so ein farbloses Wesen mit sich rum.
Kokett schob sich die Bedienung eine Strähne ihres kurzen schwarzen Haares hinter das Ohr, lächelte übertrieben freundlich und stellte sich vor: „Hallo, ich heiße Amber – was kann ich euch zu trinken bringen?" Und was kann ich sonst noch für dich tun, du kleines Schnuckelchen?

Ich schaute Bella fragend an und bestellte dann zwei Cola.
„Kommt sofort", versicherte Amber. Möchte mal wissen, was der die so anschaut. Ich bin viel attraktiver wie die!
Bella entging nicht, dass meine Aufmerksamkeit allein ihr galt und so fragte sie: „Was?"
„Wie fühlst du dich?", wollte ich in eindringlichem Ton wissen. Sie kam mir relativ gelassen vor, angesichts der Gefahr in der sie vor einiger Zeit noch geschwebt hatte. War sie sich überhaupt bewusst, was die Kerle mit ihr vorgehabt hatten?

„Okay", antwortete sie erstaunt. Scheinbar unterschätzte sie mein Interesse an ihr, da sie es anscheinend immer noch verwunderte, dass ich mich so um sie sorgte.
„Dir ist also nicht schwindlig, schlecht, kalt...?", hackte ich nach.
„Wieso?", erkundigte sie sich verdutzt. Ich musste schmunzeln, da sie die von mir aufgeführten Hinweise auf einen Schock nicht erkannte. Andererseits hatte sie kein Medizindiplom in der Tasche. Lächeln erklärte ich ihr deshalb: „Na ja, ehrlich gesagt warte ich darauf, dass du einen Schock bekommst.

Ihr Atem stockte kurz, bevor sie erwiderte: „Ich glaub, das wird nicht passieren. Ich war schon immer gut darin, Unerfreuliches zu verdrängen."
„Trotzdem habe ich ein besseres Gefühl, wenn du was im Magen hast." Sollte sie wirklich so abgeklärt sein, dass der Überfall der Gang sie so kalt ließ? Oder war sie Katastrophen inzwischen schon so sehr gewöhnt? Letzteres hätte mich nicht verwundert, angesichts der Tatsache, dass ich ihr zum zweiten Mal, innerhalb der kurzen Zeit seit sie in Forks lebte, aus der Patsche geholfen hatte.

In diesem Moment erschien die Kellnerin mit unseren Getränken und einem Korb mit Grissini. Sie servierte mit einem fast schon glasigen Blick und ignorierte Bella total. Langsam begann mich das Verhalten der Bedienung wütend zu machen. Ich musste mich beherrschen, als sie fragte: „Habt ihr schon gewählt?"
„Bella?", zwang ich Amber von meiner Begleiterin Kenntnis zu nehmen.
Ich möchte mal wissen, wie es der farblosen Kuh gelungen ist so einen Prachtkerl auszugraben.

Unter dem Tisch ballte ich die Hände zu Fäusten. Mit den Fingernägeln grub ich Kerben in die Handflächen, um die lästerlichen Gedanken auszublenden. Ich war so sehr auf meine Selbstbeherrschung konzentriert, dass ich kaum mitbekam was Bella bestellte. Lächelnd fragte mich Amber nach meinem Essenswunsch und ich sagte: „Für mich bitte nichts."

Über Bellas Gesicht huschte ein seltsamer Ausdruck, doch ich konnte nicht genau darüber nachdenken, weil Amber mich ablenkte: „Sag Bescheid, wenn du` s dir anders überlegst."
Ich stelle mich auch gern als Nachtisch zur Verfügung.
Wenn das Mädchen gewusst hätte wie nah es dran war auf meiner Speisekarte zu stehen, egal als welcher Gang, hätte sie sicher anders darüber gedacht. Ich ignorierte sie jedoch absichtlich und wendete mich meiner Begleiterin zu.

„Trink was", forderte ich Bella auf. Erst nippte sie an ihrem Glas, dann trank sie es in langen Zügen leer. Ich ersetzte es durch mein volles und nahm ihr leises „Danke" dafür entgegen. Sie fröstelte, ich sah es an dem Schauder, der ihren Körper entlang lief, und besorgt erkundigte ich mich: „Ist dir kalt?"
„Liegt nur an der der Cola", erklärte sie mir und zitterte wieder.
Tadeln fragte ich: „Hast du keine Jacke dabei?"
„Doch." Sie schaute sich um und bemerkte dann: „Mist – die liegt in Jessicas Auto."

Ich zog meine Jacke aus, die ich sowieso nicht nötig hatte. Vampire kannten weder Hitze noch Kälte. Nur um nicht aufzufallen, kleideten wir uns wetterentsprechend. Ich reichte sie Bella, die mir heute erstaunlich wortkarg vorkam. Mit einem schüchternen „Danke" zog sie sie über. Wenigstens das Bedanken klappte inzwischen ganz gut bei ihr, stellte ich in Erinnerung an unsere Zwistigkeit nach dem Unfall mit Tyler fest, wo dies nicht so richtig funktioniert hatte.

Trotzdem erzitterte sie, und ich glaubte zu wissen warum. Obwohl ich die Jacke die ganze Zeit getragen hatte, konnte sie keine Wärme gespeichert haben. Sie war durch meine eisige Körpertemperatur eher kühler als unsere Umgebung. Doch an Bella würde sie schnell warm werden, außerdem stand sie ihr ausgezeichnet.

„Dieses Blau sieht hübsch an dir aus – es passt so gut zu deinem Teint." Ich beobachtete ihre Reaktion auf mein Kompliment und, wie ich es erwartete hatte, errötete sie überrascht. Als ich ihr den Brotkorb zuschob, protestierte sie: „Ehrlich, ich krieg keinen Schock."
„Das solltest du aber – jeder normale Mensch würde einen kriegen. Du siehst völlig unbeeindruckt aus."
„Ich fühle mich eben sehr sicher mit dir", verriet sie.

Wäre es nicht zu auffällig gewesen, hätte ich bei diesem Geständnis entsetzt die Hand vors Gesicht geschlagen. Ich war das Gefährlichste, was in ihrer Umgebung lauerte, und sie fühlte sich sicher mit mir! Hatte dieses Mädchen dend gar keinen Selbsterhaltungstrieb? Mochte mein Äußeres auch auf die Menschen sehr anziehend wirken, wie Wirtin und Kellnerin des „Bella Italia" eindrucksvoll bewiesen, so schreckten die meisten doch instinktiv vor allzu großer Nähe mit mir zurück. Bellas Warnsystem schien mir in dieser Beziehung dringend wartungsbedürftig!

Mit düster zusammen geschobenen Augenbrauen murmelte ich kopfschüttelnd: „Das wird immer komplizierter!" Wie sollte ich Bella auf Distanz halten, wenn sie vor mir keine Furcht kannte, sondern genau das Gegenteil der Fall war? Ich überlegte, was ich noch tun könnte, oder sogar musste, um sie davon zu überzeugen, dass sie ohne mich besser dran war. Bella beobachtete mich, das konnte ich spüren. Doch sie lenkte mich nicht ab, sondern griff nach einer Brotstange und begann daran herumzuknabbern. Ich fragte mich, was in ihrem Kopf gerade vorgehen würde, als sie feststellte: „Normalerweise hast du bessere Laune, wenn deine Augen so hell sind."

„Wie bitte?", fragte ich verblüfft. Ihre Beobachtung traf mich unvorbereitet. Doch ich hätte wissen müssen, dass Bella so etwas nicht entging. Sie schien mich genau zu studieren, also ein Grund mehr Abstand zu wahren. Nicht auszudenken, zu welchen Schlussfolgerungen sie noch kommen konnte!

„Wenn deine Augen schwarz sind, bist du unausstehlich – daran habe ich mich schon gewöhnt. Ich habe eine Theorie dazu."
Ich war schockiert. Sollte sie mir auf die Schliche gekommen sein? Mit verengten Augen erkundigte ich mich: „Noch eine Theorie?"
Bella bemühte sich um ein cooles Aussehen, als sie kauend bejahte: „Hm – mmh."
„Ich hoffe, du warst ein bisschen einfallsreicher als beim letzten Mal ... oder klaust du deine Ideen immer noch aus Comics?" Mein spöttischer Tonfall, begleitet von einem eben solchen Lächeln, täuschte sie hoffentlich über meine Besorgnis hinweg.

„Na ja, nein, aus einem Comic ist sie nicht, aber alleine bin ich auch nicht drauf gekommen", gestand Bella.
„Und?", forderte ich sie zum Weiterreden auf.
Es drängte mich ihre Antwort zu hören, doch in diesem Augenblick servierte Amber Bellas Essen.
Die beiden hängen ganz schön aufeinander. Da werde ich, unglaublich aber wahr, wohl keine Chance gegen diese unscheinbare Göre haben.

Ich bemerkte, dass wir uns im Laufe des Gesprächs näher gekommen waren und richtete mich jetzt auf. Die Kellnerin stellt die Pilzravioli ab und wendete sich mir zu. Ich brannte darauf wieder ungestört mit Bella zu sein, doch die Kellnerin mochte mein Umfeld ungern so schnell verlassen. „Hast du` s dir überlegt?", wollte sie wissen. „Möchtest du wirklich nichts?" Ich stehe jedem deiner Wünsche ganz und gar zur Verfügung!

„Vielen Dank, aber wir hätten gern noch etwas Cola", bestellte ich Nachschub für Bella, die auch mein Glas bereits geleert hatte, und deutete auf den Tisch.
„Okay." Amber verschwand mit den leeren Gläsern und ich erinnerte Bella: „Du wolltest mir gerade etwas erzählen."
„Später, im Auto. Aber nur, wenn...", sie stockte und ich fragte mit hochgezogener Augenbraue und bedrohlicher Stimme: „Ach, du hast Bedingungen?"
„Sagen wir mal so -ich hab natürlich ein paar Fragen."
„Natürlich."

Das Gespräch wurde durch das Eintreffen des Getränkenachschubes unterbrochen, allerdings nur kurz, da Amber sich darauf beschränkte wortlos ihrer Arbeit nachzugehen und es aufgegeben hatte mich in ihren Bann zu schlagen.
„Na dann los", drängelte ich. Meine Stimme klang hart dabei, eine Auswirkung der Anspannung, die ich empfand, weil ich nicht wusste, was Bella herausgefunden hatte.
„Wie kommt es, dass du in Port Angeles bist?"
Ich senkte den Blick, damit Bella nicht sehen konnte, wie ich kurz verzweifelte. Was sollte ich darauf antworten? Vielleicht konnte ich ablenken, indem ich mit einem fast unmerklichen Grinsen um die nächste Frage bat.
„Aber das ist noch die einfachste", informierte mich Bella.
„Die nächste, bitte", beharrte ich.

Mit frustriertem Gesichtsausdruck nahm meine Begleiterin ihr Besteck zur Hand, wickelte es aus der Serviette und spießte mit der Gabel die erste kleine Teigtasche auf. Es roch verführerisch, selbst für einen Vampir, der keine menschliche Nahrung brauchte. Ihrem Gesichtsausdruck entnahm ich, dass es Bella schmeckte. Sie trank noch einen Schluck Cola, dann blickte sie mich an.

Ihre Augen funkelten verärgert, was sie nahezu unwiderstehlich machte. Hätte ich mein Herz nicht schon längst an sie verloren gehabt, ich glaube in diesem Moment wäre es unwiderruflich geschehen.
„Na gut, prima. Sagen wir mal, rein hypothetisch, versteht sich, jemand ... ist in der Lage ... Gedanken zu lesen – er weiß also, was die anderen Leute denken, mit ein paar Ausnahmen."
Mir blieb die Spucke weg und nur meinen besonderen Fähigkeiten verdankte ich es überhaupt in aller kürzester Zeit eine Erwiderung zu finden.
„Mit einer Ausnahme", korrigierte ich - „hypothetisch."

„Okay, also mit einer Ausnahme", wiederholte sie und mir kam es so vor als freue sie sich über etwas. Nicht zu Unrecht, denn sie lockte mich scheinbar in eine Falle. Ich hatte es ja schon fast zugegeben!
„Wie funktioniert das? Wo sind die Grenzen? Wie würde dieser Jemand ... jemand anderen ... genau im richtigen Augenblick finden? Woher wüsste er, dass sie in Gefahr ist?"

Sie wußte Bescheid! Das war mir plötzlich sonnenklar. Und egal, was ich sagen oder tun würde, sie wäre nicht davon abzubringen. Dafür kannte ich sie inzwischen zu genau. Ich konnte also genau so gut auf ihr Spiel eingehen und vergewisserte mich deshalb scheinheilig: „Rein hypothetisch?"
„Genau."
„Also, wenn ... dieser Jemand...", begann ich nachdenklich eine Erklärung zu stammeln.
„Sagen wir mal, er heißt Joe", schlug Bella vor.

Ein gequältes Grinsen über ihre Worte begleiteten meinen Vortrag: „Also gut, Joe. Wenn Joe gut aufpasst, muss das Timing gar nicht so genau stimmen."
Ich schüttelte den Kopf über meine Bemühung etwas sinnvolles hervor zu bringen und beschloss das Spiel zu beenden. Wenn sie mir schon auf die Schliche gekommen war, konnte ich mit offenen Karten spielen. Ich verdrehte die Augen angesichts der Tatsache, dass ich klein beigeben musste und sagte: „Nur du könntest in einer so kleinen Stadt in Gefahr geraten. Wahrscheinlich hättest du ihre Verbrechensstatistik für die nächsten zehn Jahre verdorben."

„Moment mal, haben wir nicht von einem hypothetischen Fall gesprochen?", erkundigte sich Bella trocken.
Ich lachte über ihren Versuch das Spiel am Leben zu erhalten. „Ja, du hast Recht. Sollen wir dich Jane nennen?"
„So wollte ich immer schon mal heißen – woher wusstest du das?"
Sie beugte sich zu mir herüber und ihr verführerischer Duft stieg mir in die Nase. Unsere Blicke trafen sich und ich wusste, dass ich ihr die Wahrheit sagen musste. Es gab kein Zurück mehr für mich.

„Du kannst mir vertrauen, Edward", sagte sie leise und ihr Tonfall rieselte mir schauerartig den Rücken hinunter. Jetzt wusste ich wie sich weibliche Wesen fühlten, wenn ich meine gewinnende Art einsetzte. Bella hatte sie drauf ohne ein Vampir zu sein! Sie wollte ihre Hand auf die meine legen, doch dafür war ich im Moment nicht stark genug. Bella hatte meine Abwehr geschwächt und so erklärte ich flüsternd: „Ich weiß gar nicht, ob ich noch eine Wahl hab. Ich habe mich geirrt – du bist sehr viel aufmerksamer, als ich es wahrhaben wollte."

„Ich dachte, du hättest immer Recht", versuchte sie meinem Ego zu schmeicheln.
„Das dachte ich auch." Kopfschüttelnd gab ich zu: „Aber was dich betrifft, hab ich mich in noch einer anderen Sache geirrt. Du ziehst nicht nur Unfälle an – das trifft es nicht ganz. Du ziehst jede Art von Ärger an. Wenn es irgendeine Gefahr im Umkreis von zehn Meilen gibt, begegnest du ihr mit hundertprozentiger Sicherheit."
„Und du rechnest dich selbst zu den Gefahren?"

Das sie das noch immer fragen musste, erstaunte mich. Hatte ich wirklich bei allen Versuchen ihr das klar zu machen versagt? Ich war ein verdammter Vampir, das gefährlichste Raubtier der Welt, und sie schien es einfach nicht wahrnehmen zu wollen. Mein Gesicht spiegelte meine innere Zerrissenheit, wie ich in ihren Augen sah. Deswegen bemühte ich mich um eine abweisende und ausdruckslose Miene als ich nochmals bekräftigte: „Ohne jeden Zweifel."

Meine Worte schreckten sie jedoch nicht ab. Erneut versuchte sie meine Hand zu berühren und diesmal ließ ich es zu. Ich sehnte mich geradezu danach ihre weiche, warme Haut auf meiner harten, eiskalten zu spüren. Trotzdem konnte ich ein kurzer Zusammenzucken nicht unterdrücken, als sich ihre Finger näherten. Konnte sie mit der Berührung nicht einen weiteren Beweis für das sammeln, was ich in Wirklichkeit war?

Ihre Stimme bebte, als sie sagte: „Danke. Das war schon das zweite Mal." Tiefe Dankbarkeit klang darin und ich dachte, dass Bella langsam eine Meisterin darin wurde. Meine Kehle verengte sich vor Rührung bei ihren Worten und unweigerlich wurde mein Gesichtsausdruck weich.
„Wir lassen es besser nicht auf ein drittes Mal ankommen, okay?"

Bella bedachte mich mit einem finsteren Blick. Scheinbar erwischte ich damit immer einen wunden Punkt und mir fiel ein, dass ich vergessen hatte Esme wegen Bellas dahingehender Reaktion am letzten Donnerstag zu befragen. Trotzdem nickte sie zustimmend und ich musste mich zwingen meine Hände fortzuziehen, um die ihren nicht dankbar dafür zu drücken, oder gar zu zerquetschen. In ihrer Nähe fiel es mir oft schwer mich zu beherrschen und da ich gerade total gefühlsdusselig wurde, konnte ich mich keineswegs auch noch auf die Kontrolle meiner Kraft konzentrieren. Ich überlegte, wie ich das Gespräch fortsetzen könnte und mir fiel Bellas erste Frage ein. Sie hatte wissen wollen, wieso ich in Port Angeles war. Natürlich konnte ich ihr nicht von Alice Vision erzählen, aber ein wenig Ehrlichkeit schuldete ich meiner Begleiterin, also gab ich hastig zu: „Ich bin dir nach Port Angeles gefolgt. Ich hab vorher noch nie probiert, jemanden zu beschützen, und es ist mühsamer, als ich gedacht hätte. Aber das liegt vermutlich daran, dass du es bist. Die meisten Menschen scheinen ohne größere Katastrophen durchs Leben zu kommen."

Ihre Lippen formten ein Lächeln und ich wünschte ihre Gedanken lesen zu können, um heraus zu finden, warum sie dies taten. Gefiel ihr mein Geständnis, dass ich sie hatte beschützen wollen, obwohl sie sonst sauer wurde, wenn ich ihre Unfallneigung erwähnte? Erneut wurde ich nicht schlau aus meiner zauberhaften Tischnachbarin.

„Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, ob vielleicht beim ersten Mal, bei der Sache mit dem Van, meine Tage schon gezählt waren und du ins Schicksal eingegriffen hast?", bemühte sie sich von diesem Thema abzulenken. Nicht sehr geschickt, wie ich feststellte, da mir augenblicklich unsere erste Begegnung einfiel: die Biologiestunde, in der es beinah zu einem Massaker an der Forks High School gekommen wäre.

„Das war nicht das erste Mal. Deine Tage waren gezählt, als ich dich das erste Mal gesehen haben", gestand ich mit tonloser Stimme und gesenktem Blick. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich ihr Erstaunen über meine Worte und wie sie ebenfalls an diesen Tag, ihren ersten an unserer Schule, zurückdachte. Auf ihrer Miene spiegelte sich kurz Furcht, die aber in Sekundenbruchteilen wieder verschwand. Sollte sie wirklich nicht mehr den Hauch von Angst vor mir empfinden?

„Erinnerst du dich?", erkundigte ich mich, eigentlich unnötigerweise, da ich die Antwort bereits in ihren Zügen gelesen hatte. Sie bejahte und ungläubig stellte ich fest: „Und trotzdem sitzt du jetzt hier."
Ich zog eine Augenbraue hoch, als sie stockend erklärte: „Ja, jetzt sitz ich hier ... wegen dir. Weil du heute irgendwie wusstest, wo du mich finden würdest."

Ihr Mut beeindruckte mich mehr als alles, was ich in meinem Leben je erfahren hatte. Ich presste die Lippen zusammen, um dies nicht unbedacht auszusprechen. Was sollte ich Bella sagen? Was konnte ich ihr sagen? Was musste ich ihr sagen? Alles in mir war in Widersprüchen verfangen: ich wollte sie beschützen, andererseits konnte es gefährlich werden ihr nicht mehr zu sagen und sie es selbst herausfinden zu lassen. Ich musste die Karten auf den Tisch legen!
Ich warf einen Blick auf Bellas vollen Teller und schlug dann vor: „Du isst, ich rede."

Als Antwort schob sie sich eine Ravioli in den Mund und ich genoss den Anblick. Es hatte etwas sinnliches, wie ihre Lippen die Teigtasche von der Gabel streiften. Es war vielleicht eine reine Vampirempfindung, schließlich war Essen das Menschlichste was es für die Normalsterblichen gab. „Es ist schwieriger, als es sein sollte – dir auf der Spur zu bleiben. Normalerweise kann ich jemanden sehr leicht finden, vorausgesetzt, ich hab schon mal seine Gedanken gehört."

Besorgt musterte ich ihre Reaktion. Wie nicht anders zu erwarten, erstarrte sie kurz. Doch Bella fing sich auch erstaunlich schnell wieder und aß weiter, als wolle sie mir signalisieren, dass ich mit meiner Erklärung fortfahren sollte. Was ich auch tat, schließlich hatte ich es versprochen, ein Versprechen, an das ich mich diesmal erinnern konnte.

„Ich hatte Jessica sozusagen auf dem Schirm, ohne allzu genau aufzupassen – wie gesagt, nur du könntest in Port Angeles in Gefahr geraten. Zuerst fiel mir gar nicht auf, dass ihr euch getrennt hattet. Als ich dann mitbekam, dass du nicht mehr bei ihr warst, bin ich zu dem Buchladen gefahren, den ich in ihren Gedanken sah. Mir war klar, dass du ihn nicht betreten hattest und weiter in südlicher Richtung unterwegs warst. Und ich wusste, dass du bald umkehren musstest. Also hab ich einfach auf dich gewartet und wahllos die Gedanken der Leute, die unterwegs waren, durchsucht – um zu sehen, ob du jemandem aufgefallen bist, der mich dann hätte zu dir führen können. Es gab eigentlich keinen Grund zur Besorgnis ... aber irgendwas machte mich nervös..."

Ich beglückwünschte mich für die Umschiffung mancher gefahrvoller Klippe in meiner Erzählung, zum Beispiel, dass ich sie am Buchladen bereits gesehen hatte, aber mich ihr wegen der Sonne in diesem Moment hatte noch nicht zeigen können. Oder das ich Alice Vision nicht hatte erwähnen müssen.
„Ich begann im Kreis zu fahren ... und weiter nach Stimmen zu hören. Dann ging endlich die Sonne unter, und ich wollte gerade aussteigen, um dir zu Fuß zu folgen. Und dann..."

Die Wut auf die vier Männer begann wieder in mir hoch zu kochen, als ich an ihre Pläne mit Bella dachte. Ich biss die Zähne zusammen, um mich wieder zu beruhigen. Nur mit klarem Kopf konnte ich Bella berichten ohne zu viel zu verraten, schließlich war mir im letzten Satz schon meine Abneigung vor der Sonne herausgerutscht. Ich konnte nur hoffen, dass Bella dem keine Bedeutung zumaß, andererseits hatte sie mir schon mehrfach bewiesen, dass ihr so leicht nichts entging.

„Dann was?", hackte sie nach und ich knurrte: „Dann hörte ich, was ihnen durch den Kopf ging. Ich sah dein Gesicht in seinen Gedanken." Ich merkte wie sich unwillkürlich meine Oberlippe nach oben zog und meine Zähne freigab. Eine normale Vampirreaktion im Angesicht von Wut, Gefahr oder Durst. Schnell beugte ich mich nach vorn, stützte den Ellenbogen auf den Tisch und schlug eine Hand vor meine Augen. Ich befürchtete, sie könnten in diesem Moment blutrot werden, als ich daran zurückdachte, was ich mit den Kerlen am liebsten angestellt hätte. Das durfte Bella keineswegs sehen!

„Es war so ... schwer, du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer, dich nur ins Auto zu laden und sie ... am Leben zu lassen. Ich hätte dich mit Jessica und Angela fahren lassen können, aber ich hatte Angst, dass ich nach ihnen suchen würde, wenn du nicht mehr bei mir wärst", verriet ich flüstern. Außerdem habe ich mich nach deiner Nähe gesehnt. Die letzten Tage ohne dich waren die Hölle!

Wortlos, regungslos, nahm Bella mein Geständnis auf. Was dachte sie nun? Wie sehr ich wünschte ihre „Stimme" hören zu können! Natürlich hätte ich sie fragen könne, was ihr durch den Kopf ging, aber ich fürchtete mich ein wenig vor ihrer Antwort. Ja, ich, Edward Cullen, ein verdammter Vampir, fürchtete etwas! Es stand in Bellas Macht mich zu verletzen, allein mit Worten. Bewegungslos, wie ich stundenlang mühelos verharren konnte, wartete ich darauf, dass sie etwas sagen würde. Doch sie blieb stumm, ein erstaunlicher Umstand, den ich noch nicht sehr oft an ihr erlebt hatte. Also ergriff ich die Initiative und fragte: „Bist du so weit? Wollen wir nach Hause fahren?"

Dabei suchte ich ihren Blick, um darin lesen zu können, ob ich sie nun verängstigt hatte. Doch sie verriet weder durch ihr Gesicht noch ihre Worte etwas: „Ich bin soweit."

Als hätte Amber unsere Gedanken gelesen, stand sie plötzlich da. Hatte ich ihre „Stimme"beim Näherkommen überhört oder ausgeblendet? „Alles in Ordnung? Habt ihr noch einen Wunsch?", fragte sie, deutlich mir zugewandt.
„Danke, wir würden gern zahlen", erwiderte ich mit angestrengter Stimme.
Huch, was ist denn in den gefahren?

„Äh ... j-ja klar", stotterte die Kellnerin, von meinem Ton etwas aus der Bahn geworfen, und zog eine kleine schwarze Ledermappe aus der Vordertasche ihrer gleichfarbigen Schürze. Sie reichte sie mir mit einem „Bitte schön" und ich legte den Schein, den ich bereithielt, seit ich die Rechnungssumme in ihren Gedanken gelesen hatte, hinein.
„Stimmt so", sagte ich, und reichte ihr lächelnd die Mappe zurück. Das versöhnte sie, den während sie mir mit verführerischem Lächeln noch einen schönen Abend wünschte, dachte sie: Mit dir würde ich jetzt auch gern nach Hause gehen.

Ich bedankte mich, doch meine Aufmerksamkeit galt allein Bella, die sich umständlich aufrappelte, nachdem ich mich erhoben hatte. Dicht neben ihr ging ich zur Tür, darauf bedacht nicht zu schnell zu laufen, und sie möglichst nicht zu berühren. Zu groß war der Wunsch sie zärtlich in die Arme zu schließen, nachdem mir klar geworden war, dass sie für mich etwas empfinden musste, sonst hätte die Angst vor mir triumphieren müssen.

Auf dem Weg zum Wagen hörte ich Bella seufzen und ich sah sie neugierig an. Doch sie gab mir keine Auskunft, sondern blickte auf den gepflasterten Weg bis wir meinen Volvo erreichten. Ich öffnete Bella die Beifahrertür und schloss sie, nachdem sie eingestiegen war. Ich ging vorn um das Auto herum, wobei ich mir Bellas Blick bewusst war. Was sie wohl dachte, wenn sie mich so beobachtete? Sammelte sie weitere Beweise für ihre Theorie, die ich hoffentlich gleich zu hören bekommen würde? Eine Theorie, über die ich hoffentlich lachen würde können. Doch in mir stieg die Befürchtung auf, dass Bella mich durchschaut hatte. All ihre Anspielungen deuteten darauf hin. Als ich Platz genommen hatte, startete ich den Motor und drehte die Heizung an. Das Wetter hatte sich, glücklicherweise, verschlechtert und Bella musste kalt sein, obwohl sie sich in meine Jacke kuschelte. Ein herzerwärmender Anblick. Zu gern hätte ich mit der Jacke getauscht und mich um Bellas anmutigen Körper geschmiegt, um sie zu wärmen. Leider würde sie sich an mir höchstens Frostbeulen holen!

Ich parkte aus, manövrierte den Volvo zwischen den vorbeifahrenden Autos hindurch auf die Gegenfahrbahn und brauste Richtung Freeway.
„Und jetzt bist du dran", verkündete ich bedeutungsvoll, gewappnet für ihre Theorie.