Wie ihr wißt: die Twilight- Saga, die Personen, Handlung und Dialoge gehören Stephenie Meyer.

Und nun viel Spaß beim Lesen von Kapitel 9. Vergesst nicht zu reviewen! Freu mich drauf. Und da ich nicht weiß, ob ich es diese Woche schaffe ein neues Kapitel zu posten, wünsche ich schon mal: FROHE OSTERN!

Für immer siebzehn

„Darf ich dich noch eine Sache fragen?", bat Bella, während ich schnell beschleunigte und die ruhige Strasse entlang raste. Seufzend gestand ich ihr eine weiter Frage zu und kniff die Lippen zu einer strengen Linie zusammen, bei dem Gedanken, was nun kommen würde.

„Also... du hast doch gesagt, dass du wusstest, dass ich den Buchladen nicht betreten habe und stattdessen weiter in südlicher Richtung gegangen bin. Kannst du mir sagen, woher?"
Ich wich ihrem Blick aus und überlegte. Ich wollte ihr nicht sagen, dass es mein Volvo gewesen war, den sie in der Strasse mit dem Buchladen gesehen hatte.
„Ich dachte, mit den Ausweichmanövern sei Schluss", maulte sie in einem Tonfall, der mich zum lächeln brachte.

„Na schön, wie du willst. Ich bin deinem Geruch gefolgt. Aber dann hab ich die Spur wieder verloren." Es war nicht ganz die Wahrheit, aber ich hätte diese Möglichkeit gehabt, wenn sie mir in meiner Panik vor einigen Stunden durch den Kopf geschossen wäre. Erschrocken stellte ich fest, dass Bella meiner Rationalität ganz schön zu schaffen machte!
Ich gab mir den Anschein mich auf die Strasse zu konzentrieren, in Wirklichkeit wartete ich gespannt auf Bellas Erwiderung. Sie überraschte mich mit der Feststellung: „Und dann hast du mir meine erste Frage noch nicht beantwortet."

„Welche?", fragte ich missbilligend, da ich mich im Augenblick nicht an diese erinnern konnte.
„Wie das geht, das Gedankenlesen. Kannst du die Gedanken von jedem lesen, egal wo? Wie machst du das? Und kannst nur du das oder auch die anderen aus deiner Familie?"
Die Flut ihrer Fragen überrollte mich schier und so stellte ich fest: „Das ist mehr als eine."

Bella ging jedoch nicht darauf ein, sondern verschränkte mit erwartungsvollem Blick die Hände. Ich erkannte, dass mir keine Wahl blieb, als ihr zu antworten: „Nein, nur ich. Und ich kann auch nicht jeden hören, und überall. Ich muss halbwegs in der Nähe sein. Je vertrauter die... „Stimme" ist, desto weiter kann ich sie hören. Trotzdem nicht mehr als ein paar Meilen weit."

Ich überlegte kurz, wie ich ihr meine Gabe verständlich ausdrücken konnte.
„Es ist ein bisschen so, als wäre man in einem riesigen Saal voller Menschen, die alle auf einmal reden. Alles ist ein einziges Summen – ein Hintergrundrauschen aus Stimmen. Bis man sich auf eine konzentriert, dann tritt sie klar hervor und man hört die Gedanken der Person. Die meiste Zeit blende ich das alles aus. Es lenkt ziemlich ab. Und es ist einfacher, normal zu erscheinen, wenn man nicht versehentlich auf die Gedanken von jemandem antwortet anstatt auf seine Worte."

Beim letzten Satz runzelte ich die Stirn in Erinnerung an meine Anfangszeit als Vampir, als ich mit der Gabe noch nicht vertraut gewesen und dieser Faux- pas einige Mal passiert war.

„Was meinst du, warum du mich nicht hören kannst?", wollte Bella wissen, die Neugier sprang fast aus ihrer Frage.
Mir fiel ein, dass ich darüber mit Carlisle hatte reden wollen. Doch irgendwie hatte ich auch das vergessen, so wie das Gespräch mit Esme. Konnten Vampire Alzheimer haben? Oder hatte ich die letzten Tage gar keine Gespräche mit meinen Adoptiveltern geführt, so dass ich nicht auf die Themen zu sprechen hätte kommen können?

Mein Blick drückte sicherlich aus, dass mir dieser Umstand so rätselhaft erscheinen musste wie ihr meine gesamte Gabe. Leise gab ich meinen eben gefassten Gedanken Ausdruck:"Ich weiß es nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass dein Gehirn irgendwie anders arbeitet als die der anderen. Als würden deine Gedanken auf Kurzwelle gesendet, aber ich kann nur UKW empfangen." Diese Idee brachte mich selbst zum grinsen. Es war eine laienhaft lächerliche Erklärung für eine so komplexe Angelegenheit.

"Mein Gehirn funktioniert also nicht richtig, ist es das? Ich bin ein Freak?"
Typisch Bella, dachte ich und lachte. "Ich höre Stimmen, und du machst dir Sorgen, ein Freak zu sein! Keine Angst, es ist nur eine Theorie..." Das war das Stichwort. Eigentlich brannte ich noch immer darauf Bellas zu hören und erinnerte sie jetzt daran: "Womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären."

Sie seufzte und ich nutzte die Gelegenheit für eine Retourkutsche: "Wie war das- Schluss mit den Ausweichmanövern?" drängte ich sanft. Sie wendete den Blick ab und musste auf den Tacho geschaut haben, den sie rief plötzlich: "Meine Güte! Nicht so schnell!"
Erschrocken fragte ich: "Was ist denn?"
"Du fährst hundert Meilen pro Stunde", schrie sie panisch, während ihr Blick aus dem Fenster auf die vorbeirasenden Bäume eines Waldstückes fiel.
Bei dieser Geschwindigkeit begann mir das Autofahren gerade erst Spaß zu machen, also verdrehte ich nur die Augen und beruhigte meine Beifahrerin: "Entspann dich, Bella."

"Willst du uns umbringen?", fragte sie eindringlich.
"Es wird uns nichts passieren."
"Warum hast du's dann so eilig?", erkundigte sich Bella mit gedämpfter Stimme.
"Das ist meine normale Geschwindigkeit", erklärte ich ihr mit einem schiefen Lächeln.
"Guck nach vorn", rief sie, fast schon panisch.

Grinsend informierte ich Bella, dass ich noch nie einen Unfall gehabt hatte.
"Ich hab noch nicht einmal einen Strafzettel bekommen. Eingebauter Radardetektor", behauptete ich mit einem Tippen auf die Stirn.
"Sehr witzig", giftete das Mädchen humorlos. "Charlie ist Polizist, falls du das vergessen hast." Als ob ich das könnte! "Man hat mir beigebracht, die Verkehrsregeln zu beachten. Und außerdem, wenn du den Volvo um einen Baum wickelst, kannst du wahrscheinlich einfach aussteigen und fortgehen."

"Wahrscheinlich", stimmte ich mit einem harten, kurzen Lachen zu. Sie war meinem Geheimnis gefährlich nah gekommen. "Aber du nicht", stellte ich seufzend fest und ging etwa vom Gas. Die Geschwindigkeit verringerte sich auf achtzig Meilen in der Stunde und auf meine Frage: "Zufrieden?", bekam ich ein erleichtertes "Fast.", zu hören.
"Ich hasse es langsam zu fahren", quengelte ich."Das soll langsam sein?"

"Das waren jetzt genug Bemerkungen zu meinem Fahrstil. Ich warte immer noch auf deine neueste Theorie", wechselte ich das Thema.
Ich sah, dass Bella sich auf die Lippen biss und versprach mit sanftem Blick: "Ich lache nicht."
"Ich hab eher Angst, dass du sauer wirst", gestand sie.
"So schlimm?"
"Ziemlich."

Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst und forderte dann so ruhig wie möglich: "Na los."
"Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll", gab Bella zu.
"Am besten am Anfang ... Du hast gesagt, dass du nicht von allein darauf gekommen bist", schlug ich vor.
"Nein."
"Wie dann? Durch ein Buch? Einen Film?""Weder noch. Ich war doch Samstag am Strand."

Wie sollte ein Strandbesuch Bella drauf bringen, dass ich ein Vampir bin? Das ergab für mich keinen Zusammenhang und sie schien mir meine Verwunderung anzusehen, deshalb erklärte sie: "Da habe ich einen alten Freund getroffen - Jacob Black. Sein Dad und Charlie waren schon befreundet, da war ich noch ein Baby."
Noch immer begriff ich nicht, worauf Bella hinauswollte.
"Sein Dad ist ein Stammesältester der Quileute", offenbarte sie den entscheidenden Hinweis.
Verdammte Werwölfe, geschwätzig wie die Elstern, schoss es mir durch den Kopf. Meine Miene erstarrte, versteinert vor Furcht vor dem, was Bella herausgefunden hatte.

"Wir sind ein bisschen spazieren gegangen und er hat mir ein paar alte Legenden erzählt; ich glaube, er wollte mir Angst einjagen. Jedenfalls, eine davon...", zögerte sie noch.
Verdammt, sprich es schon aus!
"Ja?", stocherte ich weiter, um Beherrschung ringend.
"Eine handelte von Vampiren", flüsterte sie.
Starr blickte ich gerade aus, um nicht in Bellas Gesicht schauen zu müssen. Ich fürchtete Abscheu darin zu erblicken, und das hätte ich nicht ertragen. Meine Finger krampften sich vor Anspannung um das Lenkrad bis die Knöchel weiß hervortraten.

Gezwungen ruhig erkundigte ich mich: "Und du hast sofort an mich gedacht?""Nein. Er ... hat deine Familie erwähnt."
Ich war sprachlos darüber, dass die Quileute unser Abkommen gebrochen hatten. Niemals hätten wir ihr Geheimnis ausgeplaudert und den jahrzehntealten Pakt gebrochen!
"Für ihn war das alles nur dummer Aberglaube", ergänzte Bella schnell, so dass in mir der Verdacht aufstieg sie wolle diesen Jacob in Schutz nehmen.
Sollte der Junge wirklich glauben dies wäre eine Legende? Sollte er noch nicht in das Geheimnis des Indianerstammes eingeweiht sein?
"Er wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich mir irgendwas dabei denken könnte. Und ehrlich gesagt, war es meine Schuld. Ich hab ihn dazu gebracht, mir die Geschichte zu erzählen."

Warum nur Bella? Warum konntest du die Sache nicht auf sich beruhen lassen? Warum musst du so ein kleines, neugieriges Wesen sein? Aber wie sollte sie um die Gefahr wissen, die aus ihrer Erkenntnis entstand."Warum?", fragte ich schlicht.
"Zuerst fragte Lauren, warum du nicht dabei bist, um mich zu provozieren. Daraufhin sagte ein älterer Junge vom Stamm, dass deine Familie nicht ins Reservat kommt, nur das es klang, als meinte er noch etwas anderes. Und dann hab ich mir Jacob zur Seite genommen und ihn bearbeitet, bis er es mir verriet."

Bella senkte beschämt den Kopf, was mich erheiterte und gegen meinen Willen friedlicher stimmte. Trotzdem nahm ich den Quileute ihren Wortbruch übel und dachte grimmig daran, wie man ihnen dies heimzahlen könnte.
"Wie hast du das den angestellt?", wollte ich Bellas Ausfragemethoden erforschen."Ich hab versucht zu flirten. Es hat besser funktioniert, als ich dachte."
"Das hätte ich gern gesehen. Aber mir vorwerfen, Leute aus der Fassung zu bringen! Armer Jacob Black", zog ich sie finster vor mich hin schmunzelnd auf.

Wieder einmal war es mir gelungen Bella zum Erröten zu bringen und ich ließ ihr kurz Zeit sich zu fassen, bevor ich fragte: "Was hast du dann gemacht?"
"Ich hab ein bisschen im Internet recherchiert."
Der Fluch der neumodischen Technik! Früher hätte sie sich wenigstens zu einer Bibliothek begeben müssen und Bücher wälzen. Heute knipst man den PC an, ruft Google auf und erhält Millionen Links zu Seiten, wo meine Spezies beschrieben wird.
"Und - hat dich das überzeugt?", forschte ich mit gespieltem Desinteresse, doch meinen Händen, die mit aller Gewalt noch immer das Lenkrad umklammerten, war meine Unruhe anzusehen.

"Nein. Nichts passte. Und das meiste war ziemlich albern. Und dann...", sie stockte.
"Und dann was?"
"Dann hab ich mir gesagt, dass es egal ist", flüsterte sie."Egal?" Ich war so schockiert, wie noch nie in meinem Leben. In meinen kühnsten Träumen wäre mit so einer Antwort nicht zu rechnen gewesen. Meine sorgsam gepflegte Maske der Gelassenheit entglitt mir und Bella musste mir meine Ungläubigkeit ansehen, denn sie sagte leise: "Ja. Es ist mir egal, was du bist."

Ich wünschte das Internet hätte ihr den Sinn für die Realität mit seinen lächerlichen Vampirdarstellungen nicht geschwächt. Der Spott in meiner Stimme war nicht zu überhören, als ich mich vergewisserte: "Es ist dir egal, ob ich ein Monster bin? Ob ich ein Mensch bin oder nicht?"
"Ja."
Es war das starrköpfigste "Ja", das ich bisher von Bella zu hören bekommen hatte. Wußte sie überhaupt, was sie da redete. Wie konnte man den mit einem Monster zusammen sein wollen, vor allem als ein so herzensguter Mensch, wie sie es nun einmal war. Sie war so sanft, gefühlvoll und sorgsam um ihre Mitmenschen bedacht und wollte mit einem blutgierigen Monster zusammen sein? Es war ihr egal! Ich wußte nichts darauf zu sagen. Ein sprachloser Edward Cullen! Das konnte in die Geschichte eingehen.

"Jetzt bist du wütend", stellte Bella seufzend fest. "Hätte ich lieber nichts gesagt."
"Nein", widersprach ich mit harter Stimme. "Mir ist es lieber, wenn ich weiß, was du denkst - selbst wenn es völlig verrückt ist."
"Soll das heißen, ich lieg wieder falsch?", wollte sie schnippisch wissen.
"Das meine ich nicht. "Es ist mir egal"!", zitierte ich Bella durch zusammengebissene Zähne.
"Ich hab also Recht?", vergewisserte sie sich und hielt den Atem an.
"Ich denke, es ist egal?"

Tief Luft holend bestätigte meine Beifahrerin: "Ist es auch. Aber neugierig bin ich trotzdem."
Sie klang gelassen dabei und ich fragte mich, ob das nur gespielt war, oder ob sie mit der Tatsache, dass ich ein Vampir war wirklich so cool umgehen konnte.
"Worauf bist du denn neugierig?", fragte ich resignierte. Nun war der Kuchen sowieso gegessen, wie man so schön sagte. Bella hatte mein Geheimnis entdeckt, nun konnte sie auch den Rest erfahren und vielleicht schreckte sie das ja ab.

"Zum Beispiel darauf, wie alt du bist."
"Siebzehn." Meine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, schließlich sagte ich die Zahl schon seit achtzig Jahren.
"Und wie lange bist du schon siebzehn?"
"Eine Weile", gestand ich und meine Lippen zuckten vor unterdrückter Schadenfreude über meine nichtssagende Auskunft.
Unerwartet nachgiebig bekam ich von Bella ein: "Okay" zu hören.

Ich musterte Bella wachsam, denn ich fragte mich welche Frage sie als nächstes ausheckte. Sie lächelte mich strahlend an, und ich hätte zu gern gewusst, womit ich mir dies verdient hatte.
"Bitte nicht lachen", ergriff sie den Gesprächsfaden: "Aber wie kommt es, dass du tagsüber rausgehen kannst?"Leider konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen, als ich antwortete: "Alles Mythos."
"Ihr werdet nicht von der Sonne verbrannt?"
"Mythos."
"Ihr schlaft auch nicht in Särgen?"
"Mythos." Ich zögerte einen Moment, bevor ich erklärte: "Ich kann nicht schlafen." Dabei musste ich an meine unzähligen, nächtlichen Besuche bei ihr denken, von denen sie nichts ahnte.

"Gar nicht?", erkundigte sie sich ungläubig.
"Nie", bestätigte ich mit tonloser Stimme und blickte sie wehmütig an. Wie oft ich schon gewünscht hatte schlafen zu können, um damit manch trostlose Stunde herumbringen zu können! Aber waren das wirklich die entscheidenden Fragen, die man einem Vampir stellte? Warum kam sie nicht auf den Grund zu sprechen, der mich zum Monster abstempelte? Wollte sie es nicht wahrhaben, frei nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Konnte sie meine grauenhafte Raubtiernatur verleugnen?

Aus diesem Grund klang meine Stimme auch abweisend und mein Blick war kalt, als ich feststellte: "Das Wichtigste hast du mich noch gar nicht gefragt."
"Das wäre?", erkundigte sie sich blinzelnd und ich fragte mich, ob Bella nur so tat, als wüsste sie nicht, was ich meine oder sie wusste es bereits und es schreckte sie wirklich nicht ab, was ich wiederrum nicht verstehen könnte.
"Machst du dir keine Gedanken über meine Ernährung?", wollte ich deshalb sarkastisch von ihr wissen.
Bella murmelte: "Ach so. Das meinst du."

Mein Mut sank, denn ich hatte den leisesten Hauch einer Hoffnung gespürt, dass es ihr egal war, wovon ich lebte. Scheinbar hatte sie sich mit dem Gedanken also doch nicht befasst und so erwiderte ich: "Ja, das. Willst du nicht wissen, ob ich Blut trinke?"
Sie erschrak und ich fühlte mich in meiner Annahme, dass sie darüber noch nicht nachgedacht haben würde, bestätigt. Überraschender Weise erklärte Bella jedoch: "Na ja, Jacob hat etwas dazu gesagt."
"Und was hat Jacob gesagt?"
"Er hat gesagt, dass ihr keine ... Menschen jagt. Und dass deine Familie als ungefährlich galt, weil ihr nur Tiere gejagt habt."

Deswegen beunruhigte Bella die ganze Vampirgeschichte nicht? Wegen einer so unbedeutsamen Tatsache, dass wir von Tierblut lebten? Dieser Jacob hatte absolut keine Ahnung von was er sprach! Ich musste Bella darüber aufklären, dass sie sich im Irrtum befand.
"Er hat gesagt, wir sind ungefährlich?"
"Nicht ganz", berichtigte sie. "Er hat gesagt, dass ihr als ungefährlich galtet, aber dass die Quileute euch trotzdem nicht auf ihrem Land haben wollten, um sicherzugehen."

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser! Das hätte das Motto des Indianerstammes sein können und ich konnte es verstehen. Ich erinnerte mich nur zu gut an die Geschichte, die Carlisle uns über die Verbindung zwischen ihnen und uns erzählt hatte. Der Stamm hatte allen Grund die Blutsauer zu fürchten.
Bella holte mich aus meinen Gedanken, indem sie nachforschte: "Und, hat er Recht? Das ihr keine Menschen jagt?" Ich hörte ihrer Stimme an, dass sie unsicher war. Scheinbar ließ es sie doch nicht so kalt, wie gefährlich die Cullens sein konnten, zumindest für ihre Spezies.

Flüsternd bemerkte ich: "Die Quileute haben ein langes Gedächtnis." Bella mochte daraus interpretieren, was sie wollte. Ich musste sie trotz allem warnen: "Sie tun recht daran, uns fernzubleiben. Wir sind immer noch gefährlich."
"Das verstehe ich jetzt nicht", gestand meine Beifahrerin und ich zwang mich ruhig zu bleiben, als ich ihr erklärte: "Wir tun unser Bestes. Und normalerweise sind wir sehr gut in dem, was wir tun. Aber manchmal unterlaufen uns Fehler. Mir zum Beispiel, wenn ich mir gestatte, mit dir allein zu sein."

"Das ist ein Fehler?", wollte sie wissen und ich fragte mich, ob ich mir die Traurigkeit in ihrer Stimme nur einbildete oder sie wirklich vorhanden gewesen war.
"Ein extrem gefährlich", kam ich nicht ohnehin ihr zu gestehen.
Schweigend fuhren wir weiter und ich überlegte, was meiner Beifahrerin in diesem Moment durch den Kopf gehen könnte.

Es klang beinah verzweifelt, als Bella nach einiger Zeit bat: "Erzähl mir mehr!"
"Was willst du denn noch wissen?", fragte ich, erschrocken vom veränderten Klang ihrer Stimme.
"Verrat mir, warum du Tiere jagst und keine Menschen."
Leise antwortete ich: "Ich möchte kein Monster sein." Aber ich war es. Ich hatte der Gier einmal nachgegeben und hätte es beinah wieder getan, als mir Bellas verführerischer Duft in die Nase gestiegen war. Es hatte nicht viel gefehlt und ich hätte neunzehn Menschenleben ausgelöscht.

"Aber Tiere genügen nicht?" Bellas Wissensdurst überraschte mich nicht und ich dachte kurz darüber nach, wie ich ihr die Sache plausibel machen konnte.
"Ich bin mir natürlich nicht sicher, aber vielleicht kann man es mit einer Ernährung auf Tofu- und Sojamilchbasis vergleichen. Wir nennen uns Vegetarier - unser kleiner Insiderwitz. Es stillt nicht vollständig den Hunger, oder vielmehr den Durst. Aber es gibt uns genügend Kraft, um widerstehen zu können. Meistens zumindest."
Erneut dachte ich an das brennende Verlangen, das mich an Bellas erstem Schultag überkommen hatte, und so klang meine Stimme unheilvoll, als ich fortsetzte: "Zu manchen Zeiten ist es schwerer als zu anderen."

"Ist es jetzt gerade sehr schwer?", wollte Bella wissen und seufzend erklärte ich: "Ja."
"Aber du bist im Augenblick nicht hungrig." Es war eine Feststellung, keine Frage und deshalb erkundigte ich mich erstaunt: "Wie kommst du darauf?"
"Deine Augen. Ich hab dir doch gesagt, ich hab eine Theorie dazu. Mir ist aufgefallen, dass Leute - speziell Männer - schlechter gelaunt sind, wenn sie Hunger haben."
Ich lachte in mich hinein. "Dir entgeht aber auch gar nichts, oder?"

Bella blieb eine kurze Zeit lang still, bevor sie fragte: "Warst du am Wochenende mit Emmett jagen?"Ich bejahte und überlegte, wie viel ich preisgeben sollte oder durfte. "Ich wollte nicht weg, aber es war notwendig. Es fällt mir etwas leichter, in deiner Nähe zu sein, wenn ich nicht durstig bin", gestand ich.
"Warum wolltest du nicht weg?"
"Es macht mich ... nervös ... nicht in deiner Nähe zu sein." Ich begleitete meine Offenbarung mit einem eindringlichen Blick. "Es war kein Witz, als ich dir am vergangenen Donnerstag sagte, du sollst aufpassen, dass du nicht in den Ozean fällst oder überfahren wirst. Das ganze Wochenende über konnte ich mich auf nichts konzentrieren, so besorgt war ich um dich. Und nach dem, was heute passiert ist, bin ich tatsächlich überrascht, dass du mehrere Tage am Stück unversehrt überstanden hast."
Ich schaute auf ihre Hände und stellte fest: "Na ja, nicht ganz unversehrt."

"Wie bitte?"
"Deine Hände", half ich ihr auf die Sprünge und seufzend gestand Bella: "Ich bin hingefallen."
Dabei betrachtete sie die fast verheilten Abschürfungen an ihren Handballen und ich wunderte mich, dass sie nicht entrüsteter auf meine Feststellung reagiert hatte. Sonst war sie immer in die Luft gegangen, wenn ich eine Bemerkung über ihre Ungeschicklichkeit fallen lassen hatte.

"Das dachte ich mir", erklärte ich grinsend. "In deinem Fall würde ich das als glücklichen Umstand bezeichnen - es hätte weit schlimmer kommen können, und genau dieser Gedanke hat mir die ganze Zeit keine Ruhe gelassen. Es waren sehr lange drei Tage. Ich bin Emmett fürchterlich auf die Nerven gegangen."

Ich lächelte zerknirscht in Erwartung ihrer Reaktion auf meine versteckte Provokation. Doch sie fragte, ohne darauf einzugehen: "Drei Tage? Seid ihr nicht erst heute zurückgekommen?"
"Wir sind am Sonntag zurückgekommen."Es klang irritiert, wenn nicht gar wütend, als sie wissen wollte: "Warum war dann keiner von euch in der Schule?"
"Na ja, du wolltest doch wissen, ob die Sonne mich verletzt - das tut sie nicht, aber ich kann trotzdem bei Sonnenschein nicht rausgehen, zumindest nicht, wenn mich jemand sehen kann."

Wie erwartet, hatte ich Bellas Neugier geweckt. "Warum nicht?""Ich zeig`s dir bei Gelegenheit", verspach ich.
Nach kurzem Zögern erklärte sie: "Du hättest mich anrufen können."
Verwundert stellte ich fest: "Wieso - ich wusste doch, dass du in Sicherheit bist."
"Aber ich wusste nicht, wo du bist. Ich...", verstummend senkte sie den Blick und weckte meine Neugier.

Mit entwaffnend sanfter Stimme, die ich bei Bella zum ersten Mal bewusst einsetzte, bohrte ich: "Was?"
"Es war nicht gut. Dich nicht zu sehen. Mich macht das auch nervös."
Sie errötete bei ihrem Geständnis, das mich wie ein Blitz traf. Es war zu spät für jede Warnung! Bellas Gefühle für mich waren tiefer, als ich bisher angenommen hatte. Es schmerzte mich, dass sie noch tiefer in der Gefahr schwebte, von mir verletzt zu werden.

Leise stöhnend erklärte ich: "Das darf nicht sein."
"Was habe ich denn gesagt?"
"Begreifst du nicht, Bella? Es ist eine Sache, wenn ich mich ins Unglück stürze, aber etwas völlig anderes, wenn du so tief drinsteckst. Ich will nicht hören, dass du dich so fühlst."
Ich konnte die Qual in meiner Stimme nicht unterdrücken, ebenso wenig die Eindringlichkeit, als könnte ich ihre Gefühle damit noch beeinflussen.
"Es ist falsch. Es ist nicht sicher. Ich bin gefährlich, Bella - kapier das bitte."

"Nein", widersprach sie entschieden und knurrend äußerte ich: "Ich meine es ernst."
"Ich meine es auch ernst. Ich hab dir gesagt, es ist mir egal, was du bist. Es ist zu spät."
Diese starrsinnige Behauptung gab mir fast den Rest.
"Sag das niemals", forderte ich, die Worte kamen abrupt wie Schüsse, leise und schroff, über meine Lippen.

Bella blieb daraufhin stumm. Sie blickte mit zusammengekniffenen Lippen auf die Strasse und unbeabsichtigt grob wollte ich wissen: "Was denkst du?"Kopfschüttelnd verweigerte sie mir die Antwort und bei genauerem Hinsehen glaubte ich Tränen in ihren Augen glitzern zu sehen.
Entsetzt, dass ich ihre Gefühle so sehr verletzt haben sollte, vergewisserte ich mich: "Weinst du?"
Das war das Letzte, was ich wollte: sie zum weinen zu bringen. Andererseits konnten ein paar Tränen noch das wenigste sein, was ihr geschah, wenn sie sich emotional so sehr an mich band.

Über ihr Gesicht wischend, leugnete Bella mit brechender Stimme: "Nein."
Tröstend wollte ich ihr mit der Hand über das schimmernde Haar streichen, doch ich verbat mir diesen Impuls und sagte statt dessen bedauernd: "Es tut mir leid."
In der willkommen Stille überlegte ich, welches Thema ich aufgreifen könnte, um unser Gespräch in ruhigere Bahnen zu lenken. Denn sprechen wollte ich mit Bella, so lang es ging. Ihre Stimme zu hören, war Balsam für meine aufgewühlte Seele.

Endlich kam mir eine Idee und um einen unbeschwerten Ton bemüht, sagte ich: "Ich wollte dich was fragen."
"Ja?"
"Was hast du gedacht vorhin, unmittelbar bevor ich um die Ecke kam? Ich konnte mir keinen Reim auf deinen Gesichtsausdruck machen - du hast nicht ängstlich ausgesehen, eher hochkonzentriert."
"Ich hab versucht mich daran zu erinnern, wie man einen Angreifer unschädlich macht - du weißt schon, Selbstverteidigung. Ich hatte vor, ihm die Nase ins Gehirn zu quetschen."

Ungläubig fragte ich nach: "Du hattest vor mit ihnen zu kämpfen? Und du bist nicht auf die Idee gekommen wegzulaufen?" Es war mir unbegreiflich, wie dieses zerbrechliche Mädchen auf den Gedanken kommen konnte gegen vier Männer bestehen zu wollen."Ich fall ziemlich schnell hin, wenn ich renne", erwiderte sie.
"Und was ist mit Schreien?"
"Dazu wollte ich gerade kommen."
Kopfschütteln bemerkte ich: "Du hattest Recht - wenn ich versuche dich zu beschützen, greife ich definitiv ins Schicksal ein." Andererseits, wie würde ihr Schicksal ohne mich aussehen? Sie läge auf Forks winzigem Friedhof und unser Polizeichef wäre am Boden zerstört.

Bella seufzte, als wir nach zwanzig minütiger Fahrt in Forks einrollten. Ob sie es genau so sehr wie ich bedauerte, dass wir uns in Kürze trennen mussten? Ich schalt mich einen Dummkopf. Zum einen, weil ich mir darüber Gedanken machte, obwohl ich noch vor wenigen Minuten darauf bestanden hatte, dass Bella sich emotional nicht zu sehr an mich band. Zum zweiten, weil ich meiner Vorliebe für Geschwindigkeit nachgegeben hatte und unser Zusammensein so drastisch verkürzt hatte.

"Sehen wir uns morgen?", erkundigte sich Bella.Lächelnd erklärte ich: "Ja - ich muss auch einen Aufsatz abgeben. Ich halte dir beim Mittagessen einen Platz frei."
Wir erreichten das Haus der Swans, in dem noch die Lichter brannten. Ich hielt an, doch Bella rührte sich nicht. Schließlich fragte sie: "Versprichst du, morgen zu kommen?"
"Ich verspreche es." Diese Zusage konnte ich ihr guten Gewissens machen. Der Wetterbericht hatte drei trübe Tage vorausgesagt, erst am Samstag sollte die Sonne wieder auf Forks herabscheinen. Was an sich ein Wunder war - drei sonnige Tage innerhalb einer Woche waren nahezu eine Sensation!

Einen Moment schien sie meine Antwort zu überdenken, dann schälte sie sich aus meiner Jacke. Dabei glaubte ich zu hören, wie sie noch einmal tief ihren Geruch einatmete.
"Behalt sie", bot ich an, in dem irrsinnigen, teenagergleichen Wunsch befangen sie möchte mich dabei des nachts bei sich behalten wollten. "Du hast doch keine für morgen", erinnerte ich sie zugleich in dem Wunsch, dass ihr dieser Gedanke nicht kommen möge.

"Aber ich hab auch keine Lust, das Charlie zu erklären", bemerkte sie, mir die Jacke erwiderte ich: "Oh, verstehe." War es ihr peinlich mit mir in Zusammenhang gebracht zu werden oder wollte sie unser Treffen, beziehungsweise den Anlass dafür, vor ihrem Vater verheimlichen? Scheinbar wollte sie mich mit einer Reihe ungeklärter Rätsel zurücklassen und so nutze ich die kurze Frist, in der ihre Hand bewegungslos auf dem Türgriff verharrte, um ernsthaft, aber zögerlich ihren Namen zu rufen.

"Ja?", fragte sie, sich mir abermals zuwendend."Versprichst du mir auch etwas?"
"Ja", sagte Bella, doch es schien als bereue sie ihre bedingungslose Zusage im gleichen Moment.
"Geh nicht allein in den Wald."
"Warum denn nicht?", forschte sie völlig verdutzt.

Ich runzelte die Stirn angesichts ihrer Frage. Es war manchmal nicht leicht mit ihrer neugierigen Art zurecht zu kommen. Mit angespanntem Blick stellte ich fest: "Sagen wir einfach, ich bin nicht immer die größte Gefahr da draußen, okay?"
Dabei dachte ich an die Quileute und ihr Geheimnis, das Jacob anscheinend nicht ausgeplaudert hatte, und die Nomaden meiner eigenen Spezies, die gelegentlich auf ihrer Wanderschaft durch unser Revier zogen.
Erschauernd, aber hörbar ehrlich, sagte sie: "Wie du willst."

Seufzend verabschiedete ich mich: "Bis morgen dann." Widerwillig ließ ich Bella gehen, und scheinbar erging es ihr genauso, denn nur langsam öffnete sie bei ihrem "Bis morgen" die Tür konnte ich mir nicht verkneifen sie nochmals zu rufen. Ich beugte mich zu ihr hinüber und wünschte ihr: "Schlaf gut."
Dann kehrte ich in meine Ausgangsposition zurück und Bella stieg umständlich aus. Ich schien sie aus der Fassung gebracht zu haben und konnte ein kindisches Kichern deswegen nicht unterdrücken.

Nachdem sie zum Haus gestolpert war, startete ich den Motor und fuhr los. Ich suchte die Gedanken von Charlie, um zu sehen, was bei Bella weiter passierte.
Der Polizeichef stellte erstaunt fest, dass sie zeitig zurück war, aber verwirrt wirkte. Angesichts unserer Unterhaltung erstaunte mich das nicht. Er war besorgt, dass Bella so müde war und schickte sie zu Bett. Als nächstes wunderte er sich, dass Bella Jessica anrufen wollte. Hatte sie ausgeplaudert, dass sie mit mir zurück gekommen war? Nein, hatte sie nicht. Charlie überlegte im nächsten Augenblick, ob seine Tochter nur die eine Jacke hatte, die in Jessicas Wagen liegen geblieben war. Dann war die Entfernung zu groß und ich verlor seine "Stimme".