Die Twilight- Saga, ihre Personen, Handlungen und Dialoge gehören allein Stephenie Meyer!

Meine lieben Leser, heute nun endlich das nächste Kapitel. Leider habe ich es einfach nicht eher geschafft. Die Arbeit ließ wenig Zeit zum Schreiben. Hoffe ihr genießt die folgende Seite und reviewt fleißig!

Abseits des Pfades

Eigentlich müsste ich mir anhören wie es bei den Swans weitergeht. Schließlich konnten die Blacks noch mehr Unheil anrichten. Immerhin hat dieser Jacob Bella auf unser Geheimnis gebracht.
Mit diesem Gedanken rechtfertigte ich meine Neugier, als ich nur ein kurzes Stück weiterfuhr. Ich parkte meinen Wagen im nächsten Waldweg und rannte zurück zum Haus des Polizeichefs. Im Schatten des Waldes versteckt, bekam ich gerade mit wie der Chief tadelnd sagte:"Ich werde mal so tun, als hätte ich dich nicht hinterm Steuer gesehen, Jake."
"Im Reservat dürfen wir eher fahren", erklärte der langhaarige Teenager, der Jacob sein musste.
"Das glaub ich dir gern", erwiderte Charlie lachend.
"Irgendwie muss ich ich ja von A nach B kommen", rechtfertigte sich der alte Black.
Bella beobachtete das Geschehen von der Veranda aus und ging nun ins Haus voran. Während sie Licht machte, sah ich Charlie und Jacob zu wie sie Black aus dem Auto in einen Rollstuhl halfen. Das überraschte mich. Ein Wolf im Rollstuhl. Damit hätte ich nie gerechnet. Carlisle würde sicher interessiert an dieser Beobachtung sein.

Als alle im Haus waren, wagte ich mich näher heran.
"Das ist eine Überraschung", erklärte Charlie.
"Ich war viel zu lange nicht hier. Ich hoffe ich komme nicht ungelegen", antwortete Black.
Ob Charlie ahnt mit welchen Kreaturen sich seine Tochter rumtreibt? Ich hoffe es ergibt sich die Gelegenheit mit ihr allein zu sprechen. Sie muss aufhören mit den Cullens zu verkehren.
"Überhaupt nicht, ich freue mich. Ich hoffe, ihr bleibt zum Spiel da."
"Ich glaub, das war der Plan - unser Fernseher ist letzte Woche kaputtgegangen."
Der Junge kann auch nix für sich behalten. Aber ich kann ihn genauso in Verlegenheit bringen.
"Und natürlich konnte es Jacob kaum erwarten , Bella wiederzusehen."
Beim Manitou, der Alte kann einen echt blamieren.

"Habt ihr Hunger?", hörte ich Bella fragen.
Hat sie Angst ich könnte vor Charlie ein Wort über die Cullens verlieren? Weiß sie über die Vampire Bescheid? Aber woher? Der junge Cullen, jung, wenn ich nicht lache, schließlich kannte er meinen Vater in jungen Jahren, wird es ihr doch nicht erzählt haben!
Der Verräter sitzt in deiner eigenen Sippe!
"Nee, wir haben vor dem Losfahren was gegessen", antwortete Jacob.
"Wie sieht's bei dir aus, Charlie", erkundigte sich Bella.
"Klar", als hätte ich schon mal Nein gesagt, hörte ich ihren Vater sagen und denken. Ob es Bella aufdringlich findet, wenn ich ihr in die Küche folge? Nachdem Dad ausgeplaudert hat das ich sie wiedersehen wollte, kann ich ihr eigentlich auch hinterher gehen. Mmh, riecht aber lecker , was sie da brutzelt. Vielleicht hätte ich vorhin nicht so schnell ablehnen sollen. Da bekommt man ja glatt Appetit.
"Und, wie geht's?", fragte Jacob.
"Prima. Und dir? Ist dein Auto fertig?"
Sie hat ein voll umwerfendes Lächeln und hat sich sogar gemerkt, dass ich an einem Wagen bastle. Ob sie sich echt für mich interessiert? Damals am Strand sah es ja fast so aus. Was macht schon der kleine Altersunterschied?!

"Nein. Ich hab immer noch nicht alle Teile. Der da ist geborgt." Wäre der Golf fertig, hätte ich dich schon längst zu einer Spritztour eingeladen.
"Tut mir leid. Ich hab keinen ... was auch immer du gesucht hast, ich hab's nicht gesehen."
Echt keinen blassen Schimmer von Autos, aber sonst ist sie echt ein Traum! "Einen Hauptbremszylinder. Ist eigentlich mit dem Transporter alles in Ordnung?"
"Ja."
"Oh. Ich dachte nur, weil du nicht mit ihm gefahren bist."

Bella schwieg einen langen Augenblick und ein Schwall Essengeruch aus dem Haus drang zu mir. Ich versuchte zu erkennen, was sie in der Pfanne bruzelte. Es roch nach Käse, Schinken und Brot. Wäre ich ein Mensch gewesen, wäre mir sicherlich das Wasser im Mund zusammen gelaufen. "Ein Freund hat mich mitgenommen."
Fährt eine ganz schön teure Karre dieser Freund. "Schönes Auto. Aber ich hab den Fahrer gar nicht erkannt. Ich dachte, ich kenne die meisten Jungs aus der Gegend." Wieder herrschte kurz Stille.
Komisch, warum sagt Bella nichts dazu? "Mein Dad schien ihn von irgendwoher zu kennen."
"Jacob, könntest du mir mal ein paar Teller rausgeben? Die sind im Schrank über der Spüle."
"Klar."
Ich rätselte, warum Bella nicht einfach meinen Namen sagte. Schließlich wusste der junge Black von uns, hatte Bella ja erst auf die Idee gebracht, was wir waren. Oder hatte ich da etwas falsch verstanden? Nein, Bella hatte mir ausdrücklich erzählt, dass Jake ihr am Strand von La Push von den Legenden über uns erzählt hatte. Oder glaubte er vielleicht selbst nicht daran? Hielt er die Legenden für solche und ahnte gar nicht, dass er ein Wolf war? Gut, einer werden würde. Sein Gestank war nicht so ausgeprägt wie der seines Vaters und der gestaltwandlerischen Vorfahren, die ich kennen gelernt hatte.

"Wer war's denn nun?", fragte Jake. Unter Begleitung klappernder Teller gestand Bella: "Edward Cullen."
Der Junge lachte. "Dann muss ich mich ja nicht wundern, dass mein Dad sich so komisch benommen hat."
"Stimmt. Er mag die Cullens ja nicht."
"Abergläubischer alter Mann", brummelte Jacob und bestätigte meine Vermutung, dass er keine Ahnung hatte, was er war und warum er es wurde.

"Meinst du, dass er Charlie was sagt?", fragte Bella leise. Es kam mir so vor, als waren ihr die Worte unbeabsichtigt herausgerutscht.
Warum fragt sie so was? Mein Alter kann sich doch nur blamieren, wenn er Charlie solche Storys erzählt. Hat sie Angst er würde ihr den Umgang mit diesem Edward verbieten? Ob sie was mit ihm hat?
"Das bezweifle ich. Ich glaub, Charlie hat ihn beim letzten Mal ziemlich abgekanzelt. Seitdem haben sie nicht besonders viel miteinander gesprochen - das heute Abend ist so eine Art Versöhnung, glaub ich. Würde mich wundern, wenn er noch mal davon anfangen würde."
"Verstehe", erwiderte Bella und es wurde ruhig in der Küche.

Ein blitzschneller Blick durchs Fenster verriet mir, dass der Raum leer war. Sie mussten nun alle im Wohnzimmer sein und ich huschte ums Haus, um einen besseren Lauschposten zu beziehen. Bella quälte sich durch das stundenlange Spiel, das sich die Männer ansahen, und das ellenlange Gequatsche des Indianerjungen. Ihre Ausdauer wunderte mich. Warum ging sie nicht einfach auf ihr Zimmer? Ich glaubte nicht, dass es das Spiel war, das sie so fesselte, geschweige den Jacobs Tiraden. Befürchtete sie noch immer der alte Black könnte Charlie von uns erzählen? Dann musste meine Familie ihre Meinung von Bella gründlich revidieren! Wenn es so wäre, würde sie unser Geheimnis nicht nur wahren, sondern versuchte fast noch uns zu beschützen. Der Gedanke ließ ein Lächeln über mein Gesicht huschen. Die kleine, zarte Bella beschützte die steinharten, unsterblichen Cullens!

Es war stockdunkel, als das Spiel endete und sich die Blacks verabschiedeten. Ich huschte um die Hausecke und sah zu, wie Jacob seinen Vater über die Schwelle bugsierte und dabei Bella fragte: "Kommt ihr bald mal wieder zum Strand?"
"Ich bin mir nicht sicher."
"Das hat Spaß gemacht, Charlie", sagte der alte Black und dieser antwortete: "Kommt doch beim nächsten Spiel wieder vorbei."
"Auf jeden Fall. Wir kommen. Gute Nacht. Und du pass auf dich auf, Bella", warnte er zum Schluss die Tochter seines besten Freundes.
"Mach ich", murmelte sie so leise, dass sogar ich Mühe hatte es zu verstehen.

Nachdem der alte Black und sein Rollstuhl im Wagen verstaut waren, setzte sich Jacob ans Steuer und die Wölfe brausten davon. Ich überlegte einen Augenblick, ob ich ihnen folgen sollte. Doch ihr Gespräch während der Fahrt zu belauschen, konnte schwierig werden. Also beschloss ich noch bei den Swans zu bleiben. Der Chief hatte seine Tochter gerade gefragt, wie ihr Tag gewesen war. "Gut. Beim Badminton haben wir alle vier Spiele gewonnen."
"Wow, ich wusste gar nicht, dass du Badminton spielen kannst."
Ich grinste bei der Erinnerung an Bellas kurzen, aber schlagkräftigen Versuch in dieser Sportart.

"Na ja, kann ich eigentlich auch nicht", gestand sie, "aber mein Spielpartner ist richtig gut."
"Wer ist es denn?"
"Ähm ... Mike Newton."
"Ach stimmt - du hast ja gesagt, dass du mit ihm befreundet bist. Nette Familie. Warum hast du ihn denn nicht gefragt, ob er mit dir am Wochenende zum Ball geht?"
Damit hatte er garantiert in ein Wespennest gestochen. Ich wusste wie sehr Bella dieses Thema verabscheute. Dementsprechend genervt stöhnte sie: "Dad! Er ist so halb mit meiner Freundin Jessica zusammen. Außerdem weißt du ganz genau, dass ich nicht tanzen kann."
"Ach ja. Dann ist es ja vielleicht ganz gut, wenn du Samstag rauskommst ... Ich hatte vor, mit den Jungs vom Revier angeln zu gehen - es soll richtig warm werden. Aber falls du vorhättest, deinen Ausflug zu verschieben, bis jemand mit dir mitkommt, könnte ich auch zu Hause bleiben. Ich weiß, dass ich dich zu oft hier allein lasse."
"Dad, du machst deine Sache prima. Ich hatte noch nie was dagegen, allein zu sein - was das angeht, komme ich eindeutig nach dir."

Damit verabschiedete sich Bella und ging nach oben. Ich lief zu meinem Wagen und fuhr nach Hause, um die Zeit, die sie brauchte um ins Bett zu kommen und einzuschlafen, zu nutzen, um mich umzuziehen und mit Carlisle zu sprechen. Wie gewöhnlich, fand ich ihn, lesend, in der Bibliothek.
"Musstest du nachsitzen?", scherzte er. "Du warst den ganzen Nachmittag nicht zu Hause."
"Ich war bei Bella", erwiderte ich und sicherte mir damit seine volle Aufmerksamkeit. "Den ganzen Nachmittag?", vergewisserte sich mein Adoptivvater.
"Ja. Wir haben uns auf dem Nachhauseweg und vor ihrem Haus unterhalten und dabei die Zeit vergessen. Und dann bekamen die Swans Besuch, den ich im Auge behalten musste."

"Das klingt interessant. Wer hat sie denn besucht?"
"Die Blacks aus dem Reservat."
"Und das hat dir Sorgen bereitet?", erkundigte sich Carlisle.

"Der Junge, Jacob, hat Bella immerhin von ihren Legenden erzählt und sie so auf unser Geheimnis gebracht. Ich bin allerdings zu der Überzeugung gelangt, dass dieser Jacob noch nicht an die Legenden glaubt. Das Gestaltwandeln liegt aber auf alle Fälle in seinen Genen. Das habe ich gerochen. Sein Vater sitzt im Rollstuhl. Wusstest du das?"
"Ja, ich habe von dem Unfall gehört, der Billy Blacks Querschnittlähmung verursacht hat."
"Wie kann ein Wolf im Rollstuhl landen? Ich denke, die haben diese übernatürlichen Heilungskräfte."
"Soweit ich weiß geschah der Unfall kurz nach dem Tod von Billys Frau. Ihm wurde nicht schnell genug geholfen und er hatte zu dem Zeitpunkt auch jeden Lebensmut verloren, um sich richtig helfen zu lassen."
"Wie ist es passiert?", fragte ich, neugierig geworden.
"Hat sich wohl vor einen Laster geworfen, um ein Kind von der Strasse zu stoßen. Die Leute waren sowieso schon erstaunt, dass er das überlebt hat. Wenn nicht wenigstens eine größere Verletzung über geblieben wäre, hätte es noch mehr Aufsehen erregt. Und als Gestaltenwandler konnte er sich nicht ins Krankenhaus bringen lassen. Wäre die Sache nicht im Reservat passiert, wäre die Angelegenheit wohl noch Aufsehen erregender gewesen."

Wir schwiegen eine Weile nach dieser Enthüllung, dann wollte Carlisle wissen: "Aber wie bist du auf die Idee gekommen, du müsstest die Blacks im Auge behalten?"
"Ich befürchtete, dass Black dem Chief von uns erzählen würde. Wegen Bella und dem was wir sind."
"Und? Hat er?"
"Nein. Er hat nur Bella gewarnt."
"Das war nicht anders zu erwarten. Black ist verpflichtet die Legenden zu bewahren und unser Geheimnis, so wie wir das Ihre. Dass Jacob sie Bella erzählt hat, beweist, wie unwissend der Junge ist."
"Du meinst also, wir müssten uns keine Gedanken machen, dass ganz Forks bald über uns Bescheid weiß?"
"Richtig. Mehr als Warnungen an Bella zu richten, kann Billy Black nicht tun."
"Gut, wenn du das so siehst, bin ich beruhigt. Gute Nacht, Carlisle."
"Gehst du wieder zu Bella", stellte mein Vater mehr fest, als das er fragte. Ich nickte und verschwand in meinem Zimmer, um mich umzuziehen.

Als ich wieder heraustrat, begegnete mir Alice.
"Falls du wirklich vor hast den ganzen Samstag mit Bella allein zu verbringen, solltest du morgen jagen gehen", sagte sie. "Und du solltest mit den Jungs über deinen speziellen Appetit auf sie sprechen. Sie haben da bereits Erfahrungen gesammelt."

"Das ist lieb gemeint, aber ich weiß nicht, ob das wirklich was bringt."
"Sprich mit ihnen", forderte meine Lieblingsschwester unnachgiebig. "Sie warten im Wohnzimmer auf dich. Und morgen mittag gehen wir beide auf die Jagd."
Alice Ton verriet, dass Widerspruch zwecklos war. Wortlos kapitulierte ich und ging zu Emmett und Jasper, die sich ein Rugby- Spiel ansahen.

"Oh ho, der verlorene Sohn ist heimgekehrt", spottete mein großer Bruder, der in Vampirjahren gesehen eigentlich jünger war als ich.
"Sehr witzig! Ich wäre schon längst wieder weg, wenn Alice nicht wäre", erklärte ich und ließ mich in einen Sessel fallen.
"Aber sie hat Recht. Du solltest mit uns reden", sagte Jasper in seinem gewohnt ausgeglichenen Ton.
"Das musst du ja sagen", posaunte Emmett und erntete dafür einen mitleidigen Blick. Jasper stand über solchen Äußerungen. Leider fiel es ihm nicht ebenso leicht auf menschliches Blut zu verzichten. Dafür hatte er allerdings auch zu lange davon gelebt. Vielleicht machte ihn das ja wirklich zum idealen Gesprächspartner.

"Du weißt, warum ich mit euch reden soll?", erkundigte ich mich bei Jasper.
"Ja, Alice hat uns noch mal beschrieben wie problematisch dein Verhältnis mit Bella ist. In diesem Ausmaß hat mich das Blut eines Menschen aber noch nie gereizt. Für mich riecht alles gleich verlockend. Wenn du mich fragst, ist es also keine gute Idee ganz allein mit ihr irgendwohin zu fahren. Ich weiß nicht, ob ich an deiner Stelle da widerstehen könnte."
"Ich konnte es jedenfalls nicht", warf Emmett mit schockierender Gleichgültigkeit ein.
Ich brauchte einen Augenblick seine Worte zu verdauen, bevor ich fragen konnte: "Dir ist es also auch schon mal so gegangen?"

"Sicher. Das war in dem ersten Jahrzehnt, als ich meistens allein mit Rosalie irgendwo umherzog. Zwei Mal sind mir Menschen über den Weg gelaufen, denn ich einfach nicht widerstehen konnte."
"Das ist nicht gerade hilfreich", stellte ich fest. "Ich weiß nicht, wie Alice darauf kommt, dass dieses Gespräch in irgend einer Art und Weise helfen könnte den Tag mit Bella unbeschadet zu überstehen."
"Vielleicht hat sie es ja auch dahin gehend gemeint. Vielleicht sollten wir dir die Augen öffnen, dass du es lieber bleiben lässt", sinnierte Jasper.

Ich sprang auf und lief aus dem Zimmer. "Alice", rief ich. Die Sache ließ mir jetzt keine Ruhe. Ich musste wissen, was Alice mit der Unterhaltung bezwecken wollte. Hatte sie eine Vision gehabt in der ich Bella etwas antat und wollte mich auf diesem Weg davon zurückhalten.
"Was ist, Edward?", fragte sie, plötzlich neben mir stehend.
"Warum sollte ich mit Emmett und Jasper sprechen? Die haben keinerlei positive Erfahrung mit solchen Dingen. Im Gegenteil. Emmett hat erschreckende Neuigkeiten für mich gehabt. Was sollte das, Alice? Verschweigst du mir eine Vision?", konfrontierte ich sie mit meiner Vermutung.

"Nein, Edward", sagte sie ruhig. "Ich wollte dir viel mehr vor Augen führen, dass du anders bist als Jasper und Emmett. Obwohl du zugeben musst, dass mein Liebster der Versuchung nun schon eine Weile tapfer widerstanden hat. Für ihn ist jedes menschliche Blut immerhin so verlockend wie Bellas für dich. Und Emmett konnte sich irgendwann auch beherrschen."
"Ich glaube jedenfalls es wäre sinnvoller gewesen mit Esme oder dir darüber zu sprechen, als mit den beiden. Selbst Rosalie wäre eine aufbauendere Gesprächspartnerin gewesen", konterte ich. "Wir drei haben nie menschliches Blut gekostet. Wir kennen zwar den brennenden Durst, haben aber der Versuchung ihn zu stillen nie nachgegeben. Esme war vom ersten Tag an Carlisle viel zu sehr ergeben, um es zu probieren. Und Rosalie hat zwar die Männer getötet, die letztendlich für das verantwortlich sind, was sie heute ist. Aber sie war von ihnen viel zu angewidert, um sie trinken zu wollen. Verständlich, wenn du mich fragst. Und ich habe mich immer davor gescheut den Menschen weh zu tun."
"Die liebe, sanfte Alice. Wenn ich nicht wüsste, dass du problemlos Bären zur Strecke bringst, würde ich sagen du bist gar kein Vampir", spottete Emmett aus dem Wohnzimmer, von wo er unser Gespräch belauscht hatte.

"Geh zu Bella und mach dir keine Sorgen. Alles wird gut", versprach Alice und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich verließ das Haus und fuhr mit meinem Volvo in das Waldstück nahe des Swan- Hauses. So musste ich morgens nicht noch einmal nach Hause und Charlie würde mich auch nicht entdecken.
In dieser Nacht schlief Bella tief und ruhig.

Kurz bevor Bellas Wecker klingelte, huschte ich aus ihrem Zimmer. Ich lief zu meinem Volvo und wartete bis Charlie fortgefahren war. Dann düste ich zum Haus der Swans. Bella kam aus der Tür gestürzt, kaum das ich geparkt hatte. Sie musste sich echt beeilt haben. Ihr Eifer brachte mich zum Lächeln. Es hielt noch an, als sie ohne Zögern auf dem Beifahrersitz Platz nahm.
"Hast du gut geschlafen?", fragte ich, den Ahnungslosen mimend.
"Hab ich. Wie war deine Nacht?"
"Wohltuend", grinste ich in Erinnerung an ihren ruhigen Schlaf und das Rein und Raus der vorangegangenen Nacht.
"Darf ich fragen, was du gemacht hast?"
Das gleiche wie in fast allen Nächten seit ich dich kenne: deinen Schlaf bewacht. Da ich dies nicht zugeben durfte, antwortete ich: "Darfst du nicht. Der Tag heute gehört immer noch mir."

Ich grinste erneut, weil ich so eine gute Ausrede parat hatte und begann sie auszufragen. Als erstes über ihre Mutter Renee und was sie mit ihr erlebt hatte, ihre Großmutter und schließlich über die Jungen in ihrem Leben. Ich spürte ihre Verlegenheit, als sie gestand, dass es da nicht viel zu erzählen gab. Es erstaunte mich, schließlich war Bella ein attraktives und intelligentes Mädchen. Die Jungen in Phoenix mussten keine Augen im Kopf gehabt haben!
Inzwischen war es Mittag geworden und wir saßen an unserem Stammplatz. Ungestört, denn keiner wagte sich zu uns zu setzen.
"Du hast also nie jemanden kennengelernt, bei dem es dir ernst war?", fragte ich, unser letztes Gesprächsthema aufgreifend. In meinen Worten schwang hintergründig die mit, ob es das mit uns war.
"Nicht in Phoenix", gestand sie widerstrebend. Die Bedeutung, die in ihrer Antwort mitschwang brachte mich in Zwiespalt. Zum einen freute ich mich, angesichts meiner Gefühle für Bella darüber, andererseits machte es mir bewusst, dass es für uns keinen Ausweg mehr gab.
Ich wurde ernst in Anbetracht dessen, dass mir wohl nur der folgende Tag blieb, um letztmalig zu versuchen Bella davon abzubringen sich eine Beziehung mit mir zu wünschen. Ein Tag, den ich sorgfältig vorbereiten musste, indem ich mit Alice zur Jagd ging. Mir fiel die entsprechende Verabredung mit meiner Schwester ein und ich sagte zu Bella:"Ich hätte dich heute alleine fahren lassen sollen."
"Warum?", wollte sie wissen.
"Alice und ich verschwinden nach dem Essen."
Ich konnte ihre Verständnislosigkeit und Enttäuschung sehen, als sie erwiderte:"Oh. Das ist schon okay, es ist nicht weit zu laufen."
Es nervte mich, dass Bella glaubte, ich würde sie meine Gedankenlosigkeit ausbaden lassen.
"Du musst natürlich nicht nach Hause laufen. Wir holen deinen Transporter und stellen ihn hier ab."
"Ich hab den Schlüssel nicht dabei", seufzte Bella. "Ehrlich, es macht mir nichts aus zu laufen."
Aber mir, wollte ich am liebsten sahen. Außerdem war es für mich das kleinste Problem mir diesen zu besorgen. Der Gedanke, wie oft ich schon unbemerkt in ihrem Zuhause gewesen war, brachte mich erneut zum Lachen, ebenso wie meine Erwiderung.

"Dein Transporter wird da sein und der Schlüssel wird stecken - es sei denn, du machst dir Sorgen, dass ihn dir jemand klauen könnte." Was höchst unwahrscheinlich war, angesichts der Gedanken unserer Mitschüler zu Bellas Gefährt.
"Wie du meinst", verkündete Bella mit trotzig geschürzten Lippen. Der Herausforderung in ihren Worten konnte man nicht widerstehen und ließ mich grinsen.
"Und wo wollt ihr hin?", erkundigte sie sich gespielt beiläufig.
"Jagen", erwiderte, grimmig, dass Alice dies nötig fand, um mich für den nächsten Tag zu wappnen. Lieber hätte ich den Nachmittag wieder mit Bella verbracht.
"Wenn ich morgen mit dir allein bin, will ich vorher jede denkbare Vorsorge treffen", versuchte ich ihr den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Missmutig, dass der Aufwand nötig war und doch flehend, dass sie meine folgende Ansage ignorieren möge, bot ich an: "Du kannst immer noch absagen, Bella."

Bella schlug die Augen nieder, als fürchtete sie die Überzeugungskraft meines Blick könnte ihre Meinung ändern.
"Nein, kann ich nicht", flüsterte sie aufblickend.
"Vielleicht hast du Recht", murmelte ich trübsinnig angesichts der Tatsache, dass es mir ebenso wenig gelang unseren Ausflug abzusagen.
Sie wechselte eilig das Thema, um mich davon abzubringen etwas dementsprechendes zu verlautbaren.
"Wann kommst du morgen?"
"Das kommt drauf an ... Morgen ist Samstag - willst du nicht ausschlafen?"
"Nein", antwortete sie so hastig, dass ich schon wieder beinahe lächeln musste.
"Dann um die selbe Zeit wie immer", bestimmte ich, um möglichst viel Zeit mit ihr verbringen zu können. "Ist Charlie dann da?"
"Nein, er fährt morgen angeln", erklärte Bella strahlend.

Ihr freudiger Gesichtsausdruck wie einfach sie so den Fragen ihres Vaters entging, verdross mich und so klang meine folgende Frage etwas schneidend.
"Und was wird er denken, wenn du nicht nach Hause kommst?"
"Keine Ahnung", erwiderte sie trocken. "Er weiß, dass ich Wäsche waschen wollte. Vielleicht denkt er ja, ich bin in die Waschmaschine gefallen."
Ich funkelte Bella böse an. Zum einen mochte ich keine Lügen und Witze über ihre Tollpatschigkeit erst recht nicht. Sie funkelte zornig zurück, verlor aber unser Blickduell. Da sie Meisterin im ablenken war, erkundigte sie sich: "Und, was jagt ihr heute?"
"Was wir im Nationalpark finden können. Wir werden in der Umgebung bleiben."
Ich wusste nicht wie ich auf Bellas Gleichmütigkeit bezüglich meiner gefährlichen Natur reagieren sollte. Tat sie nur so oder vertraute sie mir wirklich so vorbehaltlos?

"Warum fährst du mit Alice?", fragte sie interessiert.
Stirnrunzelnd, da ich an das Verhalten meiner anderen Geschwister am Vorabend dachte, erklärte ich: "Alice ist am... verständnisvollsten."
"Und die anderen?", bohrte Bella zaghaft.
Erneut hörte ich in meinen Erinnerungen die Vorbehalte gegen eine Beziehung mit Bella. Darüber zogen sich unwillkürlich meine Augenbrauen zusammen. Wahrheitsgemäß erklärte ich: "Die sind vor allem skeptisch."
Bella schaute zum Tisch, der uns Cullens vorbehalten war. Niemand nahm dort jemals Platz, auch wenn wir einmal nicht die Ersten in der Cafeteria waren. Sie schauten alle in verschiedene Richtungen, doch ich wusste, dass sie insgeheim mein gemeinsames Lunch mit Bella verfolgten.
"Sie mögen mich nicht", vermutete Bella.
Ich versuchte unschuldig auszusehen, um ihre wahre Meinung nicht preis zu geben, als ich entkräftete: "Das ist es nicht. Sie begreifen nicht, dass ich dich nicht in Ruhe lassen kann."
Dabei war es ihnen eigentlich nie anders ergangen, als sie ihre Gefährten gefunden hatten. Meine Äußerung war natürlich Wasser auf Bellas Mühle, denn sie stimmte augenblicklich zu: "Da geht's ihnen wie mir."

Ich verdrehte die Augen über Bellas verpeilte Selbsteinschätzung. "Ich hab's dir doch gesagt - du kannst dich offensichtlich selber überhaupt nicht richtig einschätzen. Du bist anders als alle Menschen, die ich je kennengelernt habe. Du faszinierst mich." Mehr als für uns beide gut war. Grimmig schaute sie mich an und ich fragte mich, womit ich sie erzürnt haben könnte. Lächelnd erklärte ich: "Dank meiner speziellen Talente", ich tippte bedeutungsvoll gegen meine Stirn, "habe ich ein überdurchschnittliches Verständnis der menschlichen Natur. Menschen sind leicht zu durchschauen. Du dagegen... Du tust nie das, was ich von dir erwarte. Du überraschst mich immer aufs Neue."
Wieder bekam ich keine Antwort von Bella. Statt dessen schaute sie hinüber zu meinen Geschwistern. Mit einem verlegenen und unbefriedigten Gesichtsausdruck verharrte sie schweigend.

"So weit ist es einfach zu erklären. Aber da ist mehr... und das ist nicht so einfach in Worte zu fassen-" Leise fauchend unterbrach ich mich. Rosalie hatte Bella mit einem hasserfüllten Blick bedacht und musste damit zur Räson gebracht werden. Ich dachte ich hätte mich meinen Geschwistern gegenüber deutlich über ihre Einmischung geäußert zu haben. Rosalie blickte weg und Bella sah erleichtert darüber aus. Mit angespannter Miene erklärte ich: "Es tut mir leid. Sie ist nur besorgt. Verstehst du... es ist nicht nur für mich gefährlich, wenn die Sache mit uns, nachdem wir so viel Zeit in der Öffentlichkeit miteinander verbracht haben..." Betreten schaute ich nach unten.
"Wenn was?", wollte Bella wissen.
"Wenn die Sache ein schlechtes Ende nimmt." Mein Gesicht sank in meine Hände. Meine Worte hatten mir ein beängstigendes Bild dieser Situation vor Augen geführt. Es quälte mich, dass ich keine Sicherheit darüber hatte, ob ich ihrem verlockenden Blut widerstehen konnte. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich wie unentschlossen Bella auf mein Verhalten reagierte. Es sah aus, als wollte sie mich tröstend streicheln, überlegte es sich dann aber anders. Schließlich ergriff sie das Wort: "Und du musst jetzt gleich gehen?"
"Ja", bestätigte ich ernst. Dann fielen mir jedoch die zurückliegenden Biologiestunden und unser angespanntes Verhältnis in ihnen ein und brachte mich zum lächeln.
"Es ist wahrscheinlich das Beste. Wir haben noch immer fünfzehn Minuten dieses entsetzlichen Films in Bio vor uns - ich glaub nicht, dass ich das noch länger aushalten würde."

Ich bemerkte, dass sich Alice näherte, um mich an unsere Verabredung zu erinnern. Sie kam so leise heran, dass Bella erschrak, als sie uns erreichte.
„Alice", grüßte ich.
„Edward", antwortete sie und ich machte meine Schwester und Bella miteinander bekannt.
„Hallo Bella. Endlich lernen wir uns kennen", sagte meine Lieblingsschwester, erntete dafür aber einen finsteren Blick von mir. Ihre überschwängliche Begeisterung für diesen Umstand nervte mich etwas.
„Hi, Alice", murmelte Bella schüchtern.
Diese fragte mich nun: „Bist du so weit?" Es wird höchste Zeit auf die Jagd zu gehen, wenn wir dich für morgen ausreichend präparieren wollen.

„Gleich. Wir treffen uns am Auto." Meine Stimme klang dabei distanzierter, als ich eigentlich beabsichtigte. Alice nahm mir dies nicht übel. Sie wußte meine Stimmungen einzuschätzen und konnte niemanden etwas übel nehmen. Eigenschaften, die von uns allen sehr geschätzt wurden. Bella beobachtete, wie sich Alice wortlos entfernte und wandte sich dann wieder an mich. „Soll ich dir viel Spaß wünschen oder trifft es das nicht?"
„Doch, doch – viel Spaß kann nicht schaden", antwortete ich grinsend über ihren Versuch eine lässige Verabschiedung zustande zu bringen.
„Viel Spaß dann", wünschte sie, und ich grinste erneut. Es klang keineswegs überzeugend. Gentleman wie ich war, ignorierte ich es und erwiderte: „Ich versuch' s." Dann konnte ich nicht widerstehen und bat: „Und du gib bitte darauf Acht, dass dir nichts zustößt, ja?"
„In Forks – was für eine Herausforderung."
„Für dich ist es eine Herausforderung." Ich dachte an ihren Unfall auf dem Schulparkplatz, der eindeutig ins Stadtgebiet von Forks gehörte, und mein Kiefer verhärtete sich vor Anspannung bei dieser Erinnerung. „Versprich es mir."
„Ich verspreche, darauf Acht zu geben, dass mir nichts zustößt. Ich hab allerdings vor, heute Abend Wäsche zu waschen – dazu muss ich mich wohl oder übel in Gefahr begeben."
Ich tat so als hätte ich die Provokation in ihren Worten nicht bemerkt und spottete: „Fall nicht in die Maschine."
„Ich tu mein Bestes."

Wir erhoben uns und seufzend verabschiedete sich Bella: „Bis morgen."
„Es kommt dir vor wie eine lange Zeit, oder?", fragte ich. Mir schon. Du kannst eine ganze Nacht lang die Zeit verschlafen, für mich dehnen sich die dunklen Stunden garantiert zur Ewigkeit!
„Bis morgen – ich werde da sein", versprach ich mit einem Lächeln. Ich gab der Versuchung nach und strich ihr zum Abschied sacht über die Wange. Dann ging ich, mir ihres Blickes im Rücken bewusst. Es fiel mir schwer, sie jetzt allein zu lassen. Andererseits war mir die Dringlichkeit des nachmittäglichen Anliegens nach den letzten Minuten mit ihr nun um so klarer. So ratsam es schien ein Alleinsein mit Bella zu vermeiden, so unmöglich war es mir inzwischen geworden. Schon auf dem Weg zum Parkplatz fehlte sie mir. Ich fragte mich, wohin das noch führen sollte!

Alice erwartete mich am Volvo und da sie sah, dass ich in Gedanken war, stieg sie wortlos ein. Erst als sie bemerkte, dass wir nicht nach Hause fuhren, fragte sie: „Wo willst du hin?"
„Wir holen Bellas Transporter und stellen ihn vor der Schule ab, damit sie nicht nach Hause laufen muss."
„Sehr aufmerksam", sprach sie ihren Gedanken dazu aus. Die restliche Fahrt schwiegen wir, aber da ich gewohnt rasant fuhr, war das nicht lange. Am Haus der Swans angekommen, erkundigte sich Alice: „Hast du den Schlüssel?"
„Nein, der ist noch im Haus. Ich suche ihn schnell."
Und wenn ich schnell sagte, meinte ich schnell. In Vampirtempo flitzte ich durchs Haus und suchte an allen mir für Autoschlüssel möglich erscheinenden Orten nach diesem, da Bella mir ja nicht verraten hatte, wo sie ihn zuletzt gehabt hatte. Ihr Geruch führte mich schließlich zu einem Berg Wäsche und einer Jeans, die ich in dieser Woche an ihr gesehen hatte. In deren Tasche fand ich den Schlüssel und triumphierend grinsend stellte ich fest, dass die Suche keine zwei Minuten gedauert hatte. Ich überlegte, ob ich das Bella am nächsten Tag unter die Nase reiben sollte oder gentemanlike lieber verschwieg.

Alice lehnte am Chevy und ich warf ihr den Schlüssel zu. „Wußte ich doch, dass ich die Klapperkiste fahren muss", maulte sie. Doch sie stieg ein und ich ließ sie den Weg zur Schule voran fahren, um mich dem Tempo anzupassen, das der Transporter hergab. An der High School parkte Alice den Wagen auf meinem Stammplatz und ich huschte hinüber um Bella einen Zettel auf den Sitz zu legen. Auf ihm stand die Botschaft, die mir am wichtigsten war: Sei vorsichtig.
Alice und ich stiegen wieder in den Volvo und sie stellte fest: „Du hast recht. Bella riecht wirklich lecker."

Ein strafender Blick war alles, was ich darauf entgegnete, bevor ich aufs Gas trat. Wir fuhren kurz Zuhause vorbei, um uns umzuziehen. Für die Jagd war etwas robustere Kleidung angesagt. Man konnte ja nie wissen, wie sich das Opfer verhielt. Da wir beschlossen hatten gleich im Olympic Nationalpark zu jagen, der Forks umgab, ließen wir den Wagen stehen und starteten zu Fuß. Alice forderte mich zum einem Wettrennen heraus, obwohl sie wußte, dass sie gegen mich keine Chance hatte. Dann wettete sie mit mir, wer das erste Wild erschnüffeln würde. Diesmal gewann sie. Es gelang ihr mich den größten Teil des Nachmittags von Gedanken an Bella abzuhalten. Doch als die Dämmerung einbrach, bemerkte sie, dass ich nicht mehr bei der Sache war. Wir hatten das knapp 3700 km² große Gebiet von Ost nach West und von Nord nach Süd durchquert und an verschiedenen Stellen Beute erlegt. Wobei Alice sich zurückgehalten hatte, da sie mir nur Gesellschaft leisten hatte wollen und es nicht nötig gehabt hatte jagen zu gehen.

Bei Einbruch der Nacht erlegte ich einen Puma, so zu sagen als Nachtisch, dann erklärte ich: „Mehr kann ich echt nicht trinken!" Mir war als könne ich die getrunkene Flüssigkeit in meinem Magen herum schwappen hören. Das war natürlich nur Einbildung, aber so satt war ich seit dem Jagdausflug nach Bellas Eintreffen in Forks nicht mehr gewesen, als ich eine Woche Auszeit von der Schule genommen hatte.
„Du willst nur zurück zu Bella", neckte Alice, traf dabei aber natürlich ins Schwarze. „Aber da ich glaube, dass Jasper nichts dagegen hat, wenn ich ihm heute Nacht noch ein oder zwei Stündchen Gesellschaft leiste, können wir uns gern auf den Heimweg machen."

Wie der Wind fegte sie los, aber bald hatte ich sie eingeholt und wir sprinteten nach Hause. Jasper freute sich wirklich, dass Alice so früh zurück war. Ich ging in mein Zimmer, um mich umzuziehen und sprang dann aus dem Fenster. Nichts und niemand sollte mich jetzt noch aufhalten! Ich lief zum Haus der Swans, das in tiefe Dunkelheit gehüllt war. Aus Bellas Zimmer drang Musik, Chopins Nocturnes, wie ich erkannte, doch ihre Atemzüge, tief und ruhig, verrieten mir, dass sie schlief. Ich wagte also den Sprung durch das offene Zimmer hinein und fand sie ruhig schlafend. Ein frischer Erdbeerduft wehte von ihr herüber, ein sicheres Zeichen, dass sie vor dem schlafen gehen, duschen gewesen war. Auf dem Stuhl lag Kleidung, als hätte sie diese für den nächsten Tag bereit gelegt. Vor dem halb offenen Kleiderschrank lagen ebenfalls Kleidungsstücke, als hätte sie am Abend noch darin herumgewühlt. Der Gedanke, dass sie sich Gedanken gemacht hatte, was sie zu unserer Verabredung anziehen sollte, brachte mich zum lächeln. Ich wagte mich näher als je zuvor an ihr Bett heran und strich ihr sacht über die vom Schlaf gerötete Wange. Dann beugte ich mich über sie und hauchte einen zarten Kuss auf ihre Stirn. Die restliche Nacht bewachte ich ihre Ruhe, so wie immer, aus dem Sessel in der Zimmerecke.

Früher als gewöhnlich musste ich meinen Posten verlassen. Charlie, der zum Angeln verabredet war, stand gegen vier auf und lugte in Bellas Zimmer, bevor er aufbrach. Kurze Zeit später wurde auch sie wach und ich wartete im Wald eine halbe Stunde, was mir wie eine Ewigkeit vorkam, damit sie Zeit hatte sich anzuziehen und zu frühstücken.
Wie verabredet, klopfte ich zur gewohnten Zeit an die Tür der Swans. Eine Premiere, denn sonst hatte ich ja immer in meinem Wagen auf sie gewartet. Es ruckelte kurz an der Tür, dann riss Bella sie auf. Ich fragte mich, ob sie nervös war, da sie solche Probleme mit dem Riegel gehabt zu haben schien. Sie seufzte erleichtert, als sie mich sah. Kurz grübelte ich über ihre Reaktion, doch dann hakte ich sie ab. Bella würde ich wahrscheinlich nie verstehen, da ich ihre Gedanken nicht lesen konnte. Stattdessen konzentrierte ich mich ganz auf sie und nachdem ich sie gemustert hatte, begrüßte ich sie kichernd: „Guten Morgen."

Mein Lachen irritierte sie und an sich herab sehend fragte sie: „Stimmt was nicht?"
„Wir passen genau zusammen", erklärte ich lachend, da es wirklich ein seltsamer Zufall war, dass wir nahezu identisch angezogen waren. Sie nahm sich Zeit meine Kleidung zu betrachten: Blue- Jeans, einen langen, hellbraunen Pullover aus dem der weiße Kragen eines Hemdes herausschaute. Bella lachte ebenfalls und trat aus dem Haus. Während sie abschloss, ging ich zu ihrem Transporter und lehnte mich wartend gegen die Beifahrertür.
„Du warst einverstanden", erinnerte sie mich süffisant, als sie meine märtyrergleiche Miene betrachtete mit der ich darauf lauerte, dass sie mir die Tür öffnete.
„Wohin?", fragte sie, als wir beide Platz genommen hatten.
„Schnall dich an – ich bin jetzt schon ganz nervös."

Ich erntete einen giftigen Blick von Bella, doch sie folgte meiner Bitte. Dann wiederholte sie seufzend ihre Frage und ich antwortete: „Auf der 101 nach Norden."
Schweigend fuhr sie Richtung Stadt und ich beobachtete, wie sie sich angestrengt aufs Fahren konzentrierte. Ich grübelte, ob das ihre übliche Fahrweise war oder ob meine Anwesenheit sich auf diese auswirkte. Da Bella unter dem Tempolimit blieb, konnte ich nicht umhin sie neckend zu fragen: „Hattest du die Absicht, Forks vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen?"
„Dieser Transporter ist alt genug, um der Großvater deines Autos zu sein – ein wenig mehr Respekt, bitte." Ihre Schlagfertigkeit ließ mich innerlich lächeln. Sie war so umwerfend und sich dessen so gar nicht bewusst. Ich konnte die Jungs aus Forks echt verstehen, dass sie hinter ihr her waren. Wenn es für sie nicht so gefährlich wäre mit mir zusammen zu sein, wenn ich ein normaler Teenager gewesen wäre, hätte es keine größere Freude geben können, als von ihr erwählt zu werden.

Schneller als zu erwarten gewesen war, hatten wir Forks durchquert und bald gab ich ihr die Anweisung: „Da vorne rechts auf die 110." Schweigend gehorchte Bella und ich ergänzte: „Und jetzt immer geradeaus, bis die Straße endet."
„Und was ist da, wo die Straße endet?", wollte Bella wissen, die noch immer verbissen auf die Straße Acht gab.
„Ein Pfad."
„Wir wandern?" Das Entsetzen in ihrer Stimme war kaum zu überhören.
„Ist das ein Problem?"
„Nö." Ihre Lüge war nicht sehr überzeugend.

„Keine Sorge, es sind nur fünf Meilen oder so, und wir haben es nicht eilig", versuchte ich sie zu beruhigen. Die Strecke war für geübte Wanderer in knapp zwei Stunden zu schaffen. Ich bräuchte vielleicht drei Minuten dafür, mit Bella und ihrer Tollpatschigkeit rechnend, veranschlagte ich für die einfache Strecke etwa drei Stunden. Eine Weile fuhren wir schweigend weiter. Erneut überlegte ich, was Bella durch den Kopf gehen mochte. Ungeduldig fragte ich: "Woran denkst du?"
"Ich frage mich nur, wo wir hingehen."
Erneut zweifelte ich an der Aufrichtigkeit ihrer Worte, ging aber darüber hinweg. Ich antwortete: "Es ist ein Ort, an dem ich gern bin, wenn das Wetter schön ist."
Wir schauten aus dem Fenster, hoch zur dünner werdenden Wolkendecke.
"Charlie hat gesagt, es wird warm heute."
"Und hast du Charlie gesagt, was du vorhast?", erkundigte ich mich.
"Nein."
"Aber Jessica denkt, dass wir zusammen nach Seattle fahren?" Ich musste gestehen, dass meine Frage amüsiert klang, denn ich dachte dabei an die Inquisition, die Bella daraus resultierend, bevorstand.
"Nein, ich hab ihr gesagt, dass wir die Fahrt abgeblasen haben - was ja auch stimmt."

"Niemand weiß, dass du mit mir unterwegs bist?", vergewisserte ich mich ärgerlich. Es verunsicherte mich zu hören, dass niemand davon wußte, dass wir beide gemeinsam den Tag verbrachten. Trotz meines gesättigten Appetits war das meine innere Rückversicherung gewesen, mein zusätzlicher Anreiz Bella heil nach Hause zurück zu bringen.
"Kommt drauf an... Ich gehe mal davon aus, dass du es Alice gesagt hast?"
Ihre Art sich darüber auch noch lächerlich zu machen, erzürnte mich. Wütend sagte ich: "Das ist wahnsinnig hilfreich, Bella."
Sie zog es vor meine Worte zu ignorieren, also bohrte ich: "Deprimiert dich Forks jetzt schon so sehr, dass du lebensmüde bist?"
Bella erinnerte mich: "Du hast gesagt, dass es dich in Schwierigkeiten bringen kann ... wenn wir in der Öffentlichkeit zusammen sind."
"Heißt das, du machst dir Sorgen, dass ich in Schwierigkeiten geraten könnte, wenn du nicht zurück nach Hause kommst?" Ich konnte den Sarkasmus in meinen Worten ebenso wenig unterdrücken, wie meine Wut über den zerstörten Rückhalt.
Bella nickte nur. Ich vermutete, dass ich sie verstört hatte, also beschränkte ich mich darauf meine Meinung dazu nur vor mich hin zu murmeln: "So ein dummes Mädchen! Hat nur das eine Leben und setzt sich tagtäglich der Gefahr mit mir aus. Jetzt folgt sie mir blauäugig in die Wildnis ohne jemand davon zu erzählen! Und warum? Um mich zu schützen! Ich fass das einfach nicht!"

Bella überließ mich meinem Selbstgespräch bis wir das Ende der Straße erreichten. Sie parkte auf dem schmalen Seitenstreifen und stieg aus. Ich spürte, dass ich sie mit meiner Wut ängstigte und überlegte, ob ich mich entschuldigen oder es dabei belassen sollte. Während ich noch grübelte, was länger dauerte als gewöhnlich, zog Bella ihren Pullover aus und schlang ihn um ihre Hüfte. Nun erst bemerkte ich, dass es spürbar wärmer geworden war. Ich stieg aus und zog ebenfalls meinen Pullover aus. In dem Moment kam ich zu dem Entschluss die Diskussion auf sich beruhen zu lassen und über meine Wut zu schweigen.
"Hier entlang", erklärte ich und warf ihr über die Schulter einen Blick zu. Ich wußte, dass der Ärger noch nicht ganz aus meinen Augen verschwunden war. Doch ein guter Marsch würde mich abkühlen, also schlug ich mich "in die Büsche".

"Was ist mit dem Pfad?", rief Bella hinter mir. Ihre Stimme klang panisch, was mich besänftigte.
"Ich hab gesagt, dass am Ende der Straße ein Pfad ist - nicht, dass wir ihm folgen werden."
"Kein Pfad?", vergewisserte sie sich verzweifelt und beeilte sich mir zu folgen.
"Ich sorg schon dafür, dass du nicht verloren gehst", spöttelte ich und drehte mich zu ihr um. Bella wirkte bereits leicht außer Atem. Sie musterte mich und ein gequälter Ausdruck trat in ihre Augen. Warum?, fragte ich mich.
"Möchtest du nach Hause?", erkundigte ich mich leise, von dem Schmerz durchdrungen sie könnte bejahen und unseren gemeinsamen Ausflug damit beenden.
"Nein", erklärte sie und ging entschlossen ein paar Schritte weiter.
"Was ist es dann?", wollte ich sanft wissen.
"Ich bin keine gute Wanderin", gestand Bella schwach.
"Ich kann geduldig sein - wenn ich mir große Mühe gebe."
Ich versuchte mit einem strahlenden Lächeln ihre plötzliche, unerklärliche Niedergeschlagenheit zu zerstreuen. Wenig überzeugend bemühte sich meine Begleiterin dieses zu erwidern. Ihr Gesicht musternd, versprach ich: "Ich bring dich zurück nach Hause."

Es war ihr anzusehen, dass sie über die Möglichkeiten zur Deutung meiner Worte sinnierte. Dann sagte sie beißend: "Wenn du willst, dass ich mich noch vor Sonnenuntergang fünf Meilen durch diesen Dschungel schlage, dann solltest du langsam mal vorangehen." Vergeblich versuchte ich aus ihrem Tonfall und ihrer Miene schlau zu werden. Meine stirnrunzelnde Betrachtung blieb ergebnislos, also wendete ich mich dem Wald zu und ging los.
Bella gab sich alle Mühe mir zu folgen, ich bemühte mich um ein moderates Tempo. Der Weg, den ich gewählt hatte, war größtenteils eben. Die nassen Farne und vorhangartigen Moosgeflechte, die für diesen besonders geschützten Teil des Olympic - Nationalparks typisch waren, hielt ich für sie beiseite. Mein schnurgerader, weil so der kürzeste, Kurs führte teilweise über Felsbrocken und umgestürzte Bäume. Wenn ich Bella über diese Hindernisse half, bemühte ich mich ihre Hand schnellstmöglich wieder los zu lassen. In solchen Augenblicken hörte ich deutlich ihren Herzschlag, konnte aber nie exakt feststellen, ob es an der Anstrengung oder der Berührung lag. Leider gab sie auf meinen fragenden Blick in solch einer Situation nie eine Antwort.

Größtenteils schweigend durchquerten wir den als Regenwald bezeichneten Grünstreifen. Zum einen wollte ich nicht, dass Bella zum antworten zu viel kostbaren Atem verschwendete, zum anderen fielen mir nur gelegentlich Fragen ein, die ich ihr noch nicht gestellt hatte. Einmal brachten mich Bellas Erinnerungen zum lachen. Sie hatte mir von ihren Versuchen erzählt ein Haustier zu halten. Irgendwie fand ich ihr Geständnis, dass ihr drei Fische gestorben waren, erheiternd. Es war eine komische Vorstellung, dass die sanfte Bella kein Händchen für Tiere haben sollte.

Die Wanderung dauerte fast den ganzen Vormittag, so wie ich es mir gedacht hatte. Eigentümlicher Weise bereitete es mir keine Schwierigkeiten mich dem Tempo meiner Begleiterin anzugleichen. Auch wenn es ein seltsames Gefühl für mich war so schneckengleich durch das grüne Labyrinth des „Regenwaldes" zu schleichen, so empfand ich doch Freude dabei. Ich spürte wie die Sonne über dem grünen Blätterdach an Stärke gewann und je näher wir unserem Ziel kamen, um so mehr Licht schickte sie zu uns herunter.

„Sind wir bald da?", fragte Bella quengelnd nach einer gefühlten Ewigkeit. Sie klang, als würde sie schmollen und ich rätselte, ob dies nur geschauspielert war oder sie ehrlich die Lust an unserem Ausflug verlor.
„Fast." Lächelnd über ihren Stimmungswandel erkundigte ich mich: „Siehst du das helle Licht da vorn?"
„Ähm, sollte ich da was sehen?", wollte sie wissen, nachdem sie angestrengt in den Wald gestarrt hatte.
Grinsend antwortete ich: „Na ja, vielleicht ist es für deine Augen noch ein bisschen zu weit." „Zeit für einen Besuch beim Optiker", grummelte Bella zurück und erheiterte mich damit noch mehr.

Doch es war nun wirklich nicht mehr weit bis zu der Lichtung, die ich meiner Begleiterin zeigen wollte. Nach weiteren hundert Metern nahm auch sie die veränderten Lichtverhältnisse wahr und beschleunigte ihre Schritte. Ich ließ Bella vorangehen und beobachtete ihre Reaktion, als sie die Lichtung betrat. Es war eine kleine Wiese, die einen perfekten Kreis beschrieb und voller Feldblumen, die in violett, gelb und weiß erblühten, stand. In der Nähe hörte man die plätschernde Melodie eines Baches. Jetzt, zur Mittagszeit, stand die Sonne genau über diesem herrlichen Fleckchen Erde und füllte den Kreis mit einem Dunst buttrigen Lichtes.

Langsam schritt Bella über die Wiese und hatte fast deren Zentrum erreicht, als sie sich zu mir umwandte. Trotz der Entfernung, die uns nun trennte, konnte ich die Begeisterung auf ihrem Gesicht erkennen. Bella erschrak, als sie feststellte, dass ich nicht mehr hinter ihr war und ihr suchender Blick glitt über den Waldrand, von wo ich sie mit wachsamem Blick beobachtete. Nachdem sie kurz über etwas nachgedacht hatte, näherte sich Bella mir wieder einen Schritt weit. Ihre Augen glühten vor Neugier und mir wurde das Versprechen bewusst wegen dem ich sie zu diesem Ort geführt hatte. Ein wenig fürchtete ich mir vor der Reaktion, die mein Anblick im Sonnenlicht bei ihr auslösen würde. Andererseits hatte sie bisher vor keiner meiner Vampirfacetten Angst gezeigt, warum sollte das nun anders sein. Ermutigend kam Bella näher, doch ich bremste sie mit einer Handbewegung. Es war besser vorerst Abstand zu wahren. Ich atmete tief durch und trat in die helle Glut der Mittagssonne.