A/N
Geschrieben März 2009
Kapitel 1
Die Tür wurde aufgerissen. Sarah gefolgt von John und Derek betrat das Haus. Sarah blieb an der Couch stehen.
„Wir müssen das Ding verbrennen!" Klang Dereks stimme auf.
John fuhr herum. „Kannst Du auch mal was Anderes von Dir geben?"
„John, Derek hat recht. Sie hat uns alle in Gefahr gebracht." Sagte Sarah ohne sich um zudrehen.
„Mom, es war nicht ihre Schuld. Sie ist in einer Kneipe blöd angemacht worden. Jede andere Frau hätte genauso reagiert."
„John, sie ist aber keine Frau, sie ist eine Maschine. Genug Kraft, um den ganzen Laden in Trümmern zu legen. Wenn die Cops rechtzeitig da gewesen wären, hätten die Cameron sicherlich fest genommen. Dann wäre unsere Tarnung geplatzt. Ich hoffe nur, es hat keine Toten gegeben."
Derek machte einen Schritt näher zu John. „John, irgendwann wird das Ding dich tö..."
John war weiß geworden und unterbrach Derek. „Ja ja, die alte Leier. Ich kläre das mit ihr."
Derek sah weiterhin auf John. Da war er wieder, der Befehlshaber aus der Zukunft, der keinen Widerspruch duldete. Nicht oft kam dieser Teil Johns zum Vorschein aber wenn, dann nützt alles diskutieren nichts.
„Cameron, in mein Zimmer!"
Unbemerkt von Derek war Cameron eingetreten.
„Der Perimeter ist gesichert."
Ohne ein weiteres Wort ging sie an den Anderen vorbei und betrat Johns Zimmer.
John ging ebenfalls, nicht aber ohne Sarah einen wütenden Blick zu zuwerfen.
John betrat sein Zimmer und schloss die Tür. Cameron stand am Fenster und beobachtete wie gewohnt die Umgebung. John setzte sich auf sein Bett, um die Schuhe auszuziehen.
„Du solltest mich terminieren."
Johns Kopf fuhr herum. Er sprang vom Bett auf und ging schnell zu Cameron ans Fenster.
„WAS? Warum sollte ich das tun?"
Cameron deutete auf die sichtbare Erhebung unter seinem Shirt, wo sich die Taschenuhr mit dem Zünder befand.
„Drücke den Knopf. Ich habe die Mission gefährdet. Durch meine Schuld ist fast unsere Tarnung aufgeflogen."
John war blass geworden. Er zog die Taschenuhr unter seinem Shirt hervor und klappte den Deckel auf. Nachdenklich blickte er er auf den kleinen roten Taster, der Camerons Leben für immer beenden würde. Nein, das war für ihn keine Option. Das konnte er einfach nicht.
„Kommt nicht in Frage. Ich werde Dich nicht töten."
„Das musst Du, ich bin zu einem Risiko für Dein Leben geworden.
Sie griff nach der Hand, die den Zünder hielt und nach der Anderen, um seine Finger in die Nähe des Tasters zu bringen. John wehrte sich verbissen aber sie war einfach zu stark.
Die beiden rangen einen Augenblick, bis es John doch noch gelang sich loszureißen. Er versetzte Cameron einen Stoß, der sie rückwärts aufs Bett fallen lies.
„TU DAS NIE WIEDER! ICH WERDE DICH NICHT TÖTEN, NIEMALS!"
So wütend war John noch nie gewesen. Wegen des Geschreis waren Sarah und Derek aufmerksam geworden. Sie stürmten in den Raum, Derek natürlich mit gezogener Waffe.
Sarah blieb wie angewurzelt in der Mitte des Raumes stehen. Sie sah ihren 16 jährigen Sohn, der wie ein Rache-Engel zu Camerons Füßen stand und wild auf sie herunter blickte.
„Terminiere mich, es ist das Beste für alle."
„NIEMALS!"
Erst jetzt bemerkte John seine Mutter. Er holte tief Luft und stürmte an ihr und dem verwirrt drein blickenden Derek vorbei nach draußen. Wenig später hörte man die Veranda-Tür zuknallen. Cameron erhob sich ging wortlos an Sarah vorbei und nahm ihre üblichen Runden wieder auf.
Wenig später trat Sarah auf die Veranda. In einer dunklen Ecke stand John und spielte mit der Taschenuhr.
„John, Du solltest es tun. Sie hat es doch selbst gefordert."
„Mom ich werde das nicht tun, ICH KANN ES NICHT!"
Die letzten Worte hatte er mit einem Unterton der Verzweiflung hervor gestoßen.
„John, sie ist zu einem Risiko geworden. Sie wird immer unberechenbarer. S..."
John fuhr herum. „DU HAST JA KEINE AHNUNG!"
Er streckte Sarah die Taschenuhr entgegen, in der man deutlich den roten Knopf sehen konnte. Leiser fuhr er fort.
„Das hat sie mir geschenkt. Das ist der Zünder für eine Sprengladung in ihrem Schädel, die ihren Chip zerstören würde."
„Umso besser, dann ist es einfach. Du drückst den Knopf und Derek und ich...". Den Rest lies sie unausgesprochen.
„Mom, ich kann das einfach nicht tun." Flehentlich hatte er die Worte hervorgebracht. Tränen bildeten sich in seinen Augen.
„Warum denn nicht, sie ist eine Maschine. Sie wird nichts spüren."
Leise fast flüsternd kamen Johns Worte. „Ich kann nicht."
Sarah, mit einer Stimme, die nur eine liebende Mutter hervorbringt. „Warum denn nicht?"
„Weil ich sie liebe."
Die ganze Verzweiflung eines einsamen Teenagers sprach aus diesen Worten .
Übergangslos brach John in Tränen aus. Sarah zog ihn in ihre Arme. Seinen Kopf an ihrer Schulter, begann er hemmungslos zu weinen. Sarah strich ihm zärtlich übers Haar.
„Zumindest gibst Du es endlich zu."
John hob den Kopf und sah seine Mutter erstaunt an. „Du weißt es? Seit wann?"
„Ich schätze seit dem ich gesehen habe, welchen Blick Du ihr zugeworfen hast, als sie in Unterwäsche durchs Haus lief. Du bist auch sonst nicht besonders gut darin Deine Gefühle zu verbergen. Nur, denke immer daran, was sie ist."
John lehnte sich wieder an ihre Schulter. „Danke Mom."
Unbemerkt von John hatte Cameron dem Dialog gelauscht. Regungslos stand sie an der Verandatür. Nur Sarah hatte kurz Notiz von ihr genommen. Jetzt drehte Cameron sich um und machte weiter ihren Rundgang. Sarah machte ein verzweifeltes Gesicht und drückte ihren Sohn noch fester an sich.
Kapitel 2
John schlief unruhig in dieser Nacht.
Er träumte, er wäre wieder in der Bar. Überall lagen Tote herum und er war umringt von mehreren Camerons.
„Ich liebe Dich," sagten zuerst alle im Chor und dann wild durcheinander. Ihre Arme waren ausgestreckt, ihre Hände zu Klauen geformt.
Verzweifelt drehte er sich im Kreis. Plötzlich waren sie still und als er herumfuhr, stand nur noch eine Cameron vor ihm. Ihr Gesicht war halb zerstört, so dass man den Metallschädel und -Kiefer darunter erkennen konnte.
„Ich liebe dich," kam aus dem nur noch halb menschlichen Mund. Dann griff sie zu.
Mit einem Aufschrei richtete er sich im Bett auf. Er musste ein paar mal tief Luft holen, um seine Atmung und den Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er schob sich ans Kopfende, bemüht die Bilder aus seinen Gedanken zu verdrängen. Als er das Licht einschaltete erschrak er bis ins Mark. Cameron stand am Fußende des Bettes und beobachtete ihn. Er brauchte einige Sekunden, um zu erkennen, das es nicht die Cameron aus dem Traum war sondern seine Cameron.
„Du hattest einen Alptraum. Du hast meinen Namen gesagt. War ich böse?"
John stand noch immer leicht unter Schock. „Egal, was willst Du?"
„Warum ist es in Ordnung, wenn Du sagst, dass du mich liebst und wenn ich es sage wirst Du wütend."
Diese gleichmütig ausgesprochenen Worte brachten das Fass zum überlaufen. John sprang aus dem Bett und stürmte auf die regungslos dastehende Cameron zu. Er packte sie an den Schultern und begann sie zu schütteln.
„SAG DAS NIE WIEDER!" Schrie er sie an.
Sie versuchte ihn abzuschütteln aber er entwickelte soviel Kraft, dass er sie wie ein normales Mädchen hin und her wirbelte, bis sie nun zum zweiten Mal auf seinem Bett landete. Er sprang auf sie.
Gerade als er ausholte, um auf sie einzuschlagen sagte sie: „John, bitte...".
Seine Faust verharrte schlag bereit in der Luft. Dann senkte er den Arm, kletterte seitlich vom Bett herunter und lies sich an der Wand am Kopfende des Bettes zu Boden sinken. Wieder bildeten sich Tränen in seinen Augen. Seine Arme auf die Knie aufgestützt verbarg er sein Gesicht an den Unterarmen, damit die Frau die er liebt seine Tränen nicht sehen konnte. Augenblicke später spürte er, wie sich jemand neben ihm niederließ. Aufblickend sah er in Camerons Gesicht, in dem Tränen die Wangen herunterliefen.
„Cameron, wie..."
„Sssssscht, ich bin halt etwas besonderes."
Trotz Tränen lächelte Cameron ihn an. Dann nahm sie ihn in die Arme und hielt seinen Kopf an ihrer Schulter. Camerons Schultern zuckten hin und wieder und leises weinen war zu hören.
Derek gefolgt von Sarah stürmten herein. Derek hatte bereits seine Waffe im Anschlag und wollte gerade auf die -für ihn offensichtlich- John bedrängende Cameron feuern, als Sarah die Hand auf seinen Arm legte und den Kopf schüttelte. Sie brauchte nur einen Augenblick, um in Johns tränenreichen Augen das lächeln zu sehen. Sie bemerkte auch das Zucken in Camerons Schultern und hörte das leise Weinen. Sie drehte Derek herum und schob ihn aus dem Raum. Sie verschloss die Tür von Außen, nicht ohne nocheinmal einen Blick in Johns Gesicht zu werfen, in dem sich alles Glück der Welt widerspiegelte.
(Ende)
