Experimente
A/N:
Die Geschichte spielt kurz nach Episode 2.19
1. Abend:
Das Geschrei war noch vor dem Haus zu hören. John und Sarah standen vor seinem Zimmer und stritten heftig miteinander. Der Streit wurde immer lauter und drohte zu eskalieren. Sarah hatte bereits einen hochroten Kopf.
„Wie kannst Du es wagen sie anzurufen, nachdem ich Dir gesagt habe, dass ich ihr nicht traue?"
„Mom, Was hast Du nur? Sie hat Riley nicht getötet."
„Darum geht es gar nicht. Sie belügt uns, hortet Teile von Maschinen, die sie eigentlich verbrennen sollte und irgendetwas ist mit ihr nicht in Ordnung. Hast Du in letzter Zeit mal ihre linke Hand beobachtet?"
„Mom,..."
„Nein, jetzt denk Dir bloß nicht wieder eine Ausrede für sie aus. Irgendetwas stimmt mit ihr nicht und Du weißt genau, was passiert wenn sie wieder durchdreht. Sie bricht Dir das Genick, nachdem sie Dir gesagt hat, dass sie Dich liebt."
„Verdammt nochmal! Jetzt hör endlich auf damit. Du hast überhaupt keine Ahnung. Sie wird mich nicht töten, ich vertraue ihr. Und du solltest mir vertrauen aber DU BIST EIVERSÜCHTIG, WEIL ICH SIE HIER HABEN MÖCHTE!"
Sarahs Hand, die gerade in Johns Gesicht schlagen sollte verharrte in der Luft.
Beide starren sich schwer atmend an.
John mit Wut und Trotz, Sarah mit Schrecken über das was sie gerade tun wollte.
Keiner von Beiden hat die junge Frau beachtet, die kaum 2 Meter weg stand und das Ganze mit regungslosem Gesicht beobachtet hat. Hinter der Stirn der hübschen Frau hingegen war einiges los.
Während des ganzen Streitgespräches hat sie Berechnungen über die Gefahr angestellt, die John droht. Immer wieder verschiedene Szenarien wurden berechnet und verworfen. Immer wieder leuchteten auf ihrem HUD ihre Missionsparameter auf.
[ 1. Primary Mission: Protect John Connor ]
[ 2. Primary Mission: Protect Sarah Connor ]
Während der ganzen Zeit hatte sie sich keinen Millimeter bewegt. Als Sarah dann kurz davor war John zu schlagen, zuckte ihr Kopf einmal ganz kurz.
[ ERROR ]
Erschien heftig blinkend. Nachdem sie ihre Hand hatte sinken lassen machte Sarah auf dem Absatz kehrt und ging wütend davon. John sah ihr noch ein paar Sekunden nach, bevor er sich Cameron zuwandte.
„Cam... ? „
Die Worte blieben ihm im Hals stecken. Cameron stand da mit einem leerem Ausdruck im Gesicht. Ihr Kopf zuckt immer wieder und sie schwankte ein wenig. John machte zwei schnelle Schritte und rüttelte sie an der Schulter.
„Cameron was ist los? Cameron hörst Du mich."
Erst nach mehrmaliger Aufforderung begann Cameron monoton zu sprechen.
„Systemfehler! Missionsparameter korrumpiert! Systemfehler".
Dann erst sah sie John an und brachte stockend einige Worte heraus.„John …. muss...hinlegen."
John dirigierte sie schnell in sein Zimmer und lies sie vorsichtig aufs Bett sinken. Dann ging er schnell zurück zur Tür, warf noch einen Blick hinaus, ob seine Mutter etwas mitbekommen hat und schloss die Tür.
Wieder bei Cameron, beugte er sich über sie. Sah er da nicht so etwas wie Furcht in ihren Augen, schalt sich aber sogleich einen Narren.
„Cameron, hör mir zu!"
Cameron drehte leicht den zuckenden Kopf und sah ihn an.
„... höre... John."
„Cameron, mach einen Neustart. Runterfahren und neu starten. Das müsste die fehlerhaften Daten aus dem RAM löschen!"
„Verstanden...initiiere...Neustart...Sequenz...in...15...Sekunden."
15 Sekunden später hörten all ihre Bewegungen auf. 120 Sekunden würde ein Neustart nach einem Fehler brauchen. Er hoffte nur inständig, dass seine Mutter jetzt nicht hereinkam. Würde sie Cameron in dem Zustand sehen, wäre das Öl auf das Feuer ihrer Argumente.
John konnte nicht umhin, wieder einmal Camerons Schönheit zu bewundern. Er fragte sich nicht zum ersten Mal, warum zur Hölle er sie aus der Zukunft geschickt hatte.
Ohne darüber nachzudenken strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann begann er vorsichtig über ihr Haar zu streicheln. Auch ihre vollen Lippen musste er berühren. Das hatte er zuvor noch nie getan. Er spürte die weichen Rundungen und konnte nicht vermeiden, kurz vor Ablauf der Zeit, ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
Dann waren die 120 Sekunden vorbei und das Anlaufen ihrer Systeme war zu hören.
Schließlich setzte ihr Bewegungsapparat wieder ein und sie begann sich zu bewegen.
Übergangslos richtete sie sich auf.
„ Alles wieder OK mit Dir?"
John blickt ein wenig verlegen zur Seite.
„Alles wieder in Ordnung. Fehlerhafte Daten wurden gelöscht, Szenario als nicht gefährlich klassifiziert"
„Was war denn überhaupt los?"
„Ich stellte gleichzeitig eine Gefahr für dich und Sarah fest. Das führte zu einem Fehler."
Das waren ihre typisch maschinellen Antworten. Gleichzeitig brannte seit dem Kuss ein merkwürdiges Gefühl in seiner Magengrube.
„Warum habe ich Spuren von Körperflüssigkeit auf meinen Lippen?"
John schalt sich einen Narren. Natürlich würde sie das feststellen.
„Die Flüssigkeit enthält Deine DNS John?"
John überlegte schnell, was er sagen soll.
„Ich habe dir schnell einen Kuss gegeben. Sollte so ne Art Glücksbringer sein. Ist ne alte menschliche Tradition"
Cameron legte den Kopf schräg. „Danke für die Erklärung."
Sie stand auf und ging Richtung Tür. Blieb aber kurz vorher stehen und kehrte nocheinmal zu John zurück.
„Ich würde Dir auch gerne einen Kuss geben, als Glücksbringer, wenn du Sarah wiedersiehst."
Damit sein Lügengebäude nicht zusammenbrach musste er wohl oder übel zustimmen. Also erhob er sich und küsste Cameron nocheinmal auf die Lippen. Danach erwiderte Cameron den Kuss, nachdem sie erkannt hatte, wie Küssen funktioniert.
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Ein Gott sei dank ereignisloser Tag, bei dem Cameron wieder die Sicherung des Hauses übernommen hatte und Sarah und John versuchten sich aus dem Weg zu gehen, indem John den Tag hauptsächlich in seinem Zimmer verbrachte.
Nach dem Abendessen, das nicht harmonisch aber zumindest ohne Streit eingenommen wurde, zog sich John nun wieder in sein Zimmer zurück. Er saß auf seinem Bett, als es klopfte und nach ein paar Sekunden Cameron hereinkam.
„Bist Du beschäftigt?"
John, der sich eh gelangweilt hatte freute sich fast über die Abwechslung.
„Nein."
Cameron schloss die Tür und ging zu John und setzte sich auf sein Bett. John hatte einen Moment geglaubt, sie wolle sich zu ihm legen, wie sie es schon einmal getan hatte.
„Ich habe nachgeforscht. Küssen ist ein probates Mittel, hauptsächlich um Zuneigung zu zeigen. „
Nach diesen Worten lehnte sie sich vor, legte eine Hand auf seine Brust und küsste ihn erneut. Diesmal länger und -wie er meinte- intensiver.
Zuerst widerstrebend und dann doch seltsam berührt, erwiderte John den Kuss. Nach ein paar Sekunden zuckte er dann doch zurück.
„WAS TUST DU?"
„Ich untersuche, welchen Grund Du hattest mich zu küssen."
„Das habe ich Dir doch gesagt. Nur als Glücksbringer nicht mehr."
„Du lügst mich an. Ich habe deine Reaktionen analysiert. Dein Blutdruck ist gestiegen, dein Herzschlag hat sich beschleunigt. Keine eindeutige Reaktion, deutet aber auf romantische Gefühle Deinerseits hin. ...Ich muss weitere Nachforschungen anstellen."
Damit lies sie den völlig perplexen John einfach sitzen.
Noch Stunden später lag er wach und erinnerte sich an die weichen warmen Lippen der Maschine, die auch noch nach Himbeeren schmeckten. Er hasste Himbeeren, aber was solls.
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3. Abend
Noch ein ereignisloser Tag zog vorüber. Je näher der Abend rückte, um so nervöser wurde John. Würde Cameron heute wieder zu ihm kommen?
Ob seiner steigenden Nervosität runzelte Sarah die Stirn, erfreute sich aber ansonsten an einigen Büchern. Solange Cameron das Haus sicherte, hatte sie wenig zu tun.
Spät, als John wieder in seinem Zimmer war, kam Cameron erneut zu ihm.
„Nun, was hast Du herausgefunden?" Fragte er statt einer Begrüßung.
„Der Kuss war eindeutig romantischer Natur. Der beschleunigte Herzschlag und auch der erhöhte Blutdruck sprechen dafür. Allerdings sind die Ergebnisse nicht schlüssig und bedürfen weiterer Nachforschungen."
Diesmal war John nicht überrascht, als sich Cameron erneut zu ihm vorbeugte, eine Hand auf seiner Brust und ihre Lippen auf seine presste.
Erst als sie leicht den Mund öffnete und ihre Zunge seine Lippen berührt erwacht kurzzeitig sein Widerstand. Nur einen Herzschlag lang, konnte er der Versuchung widerstehen, dann öffnete er seine Lippen und verlor sich in einem langen Kuss. Seine Hand griff in ihrem Nacken, um den Kuss noch intensivieren zu können.
In Camerons Kopf überschlugen sich die Berechnungen. Wie Stromstöße kamen die Empfindungen von den Sensoren in ihrem Mund beim Prozessor an. Ihr ganzer Körper schien unter Strom zu stehen.
Diesmal war es Cameron, die sich von John löste. Sie machte einen irritierten Eindruck.
„Eindeutig romantische Gefühle. Da ist aber noch mehr. Dein Blutdruck ist gefährlich hoch, dein Herz schlägt nahe der Belastungsgrenze und dein Hormonspiegel ist unnormal. Außerdem strömt ungewöhnlich viel Blut in Deine untere Körperhälfte."
Wieder erhob sie sich wortlos und verließ den wie betäubt dasitzenden John.
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4. Abend
Den ganzen Tag über hatte John sich kaum getraut Cameron anzusehen. Sie hingegen hatte ihn auch kaum beachtet. +
Sarah war zwar kurz weggefahren, es ergab sich aber irgendwie keine Möglichkeit für ein Gespräch. Cameron drehte wieder einmal eine Runde ums Haus als Sarah zurückkehrte.
„John, was ist los?"
„Nichts Mom, gar nichts"
„Ich kenne dich. Immer wenn du guckst, als wenn du einem Baby das Bonbon gestohlen hast geht irgendetwas in Dir vor."
„Mom wirklich, es ist Nichts. Ich langweile mich nur."
Mit einem skeptischen Blick lies Sarah es dann dabei bewenden, nicht ohne sich zu wundern, wie früh ihr Sohn mal wieder in sein Zimmer ging.
An diesem Abend wartete John aber vergebens auf Cameron. Bevor er einschlief dachte er noch, dass es wohl wirklich nur ein Experiment gewesen war.
Gegen 2 Uhr in der Nacht sah man dann eine junge Frau Barfuß im kurzen Rock, leicht transparentem Top und pinkfarbenem BH, vorsichtig ohne ein Geräusch zu verursachen durch das Haus schleichen. Sie öffnete leise Johns Zimmertür und als sie sie hinter sich verriegelte, hätte ein Beobachter ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen können.
Heute würde das Experiment beginnen.
(Ende)
