Terminator: S.C.C.

Schicksal

Vorwort:

Diese Geschichte zeigt, was passiert, nachdem es John, Sarah, Cameron, John-Henry und Catherine Weaver gelungen ist, Scynet zu besiegen.

25. November 2011 (Tag nach Thanksgiving)

Sie war traurig, zumindest sah sie so aus. Tränenspuren waren auf ihrem staubigen Gesicht zu sehen, als sie ins Sonnenlicht trat. Sie drehte sich um, um noch einen letzten Blick auf ihr Werk zu werfen. Sie schien zufrieden. Niemand würde die Höhle finden, wenn sie den Eingang ersteinmal verschlossen hatte. Noch ein letzter Blick auf die Golden Gate Bridge, dann ging sie in die Höhle. Sie verschloss den Eingang vorsichtig, indem sie einen eingepassten Felsblock von innen vor die Öffnung schob.

Dann stellte sie sich in die Felsnische, die sie vorbereitet hatte und schloss die Augen. Auf ihrem HeadUpDisplay erschienen Diagnose-Daten, Alles war 100% bis auf die Chip Integrität, die mit wechselhaften Werten angezeigt wurde. Seit der Autobombe waren sowohl der Chip als auch das Diagnoseprogramm beschädigt. Sie programmierte ihren inneren Wecker auf den Tag vor Thanksgiving 2012 und startete den Standby-Modus. Ihr letzter Gedanke galt John, bevor sie „einschlief".

Cameron würde ein Jahr schlafen aber sie würde ihre Mission weiter verfolgen.

22. November 2012 (Thanksgiving)

Mit einem Flackern erwachte ihr HUD zum Leben. Sie lies den kompletten Selbsttest durchlaufen, bevor sie die Augen öffnete. Ihre innere Uhr zeigte 00.04 Uhr an. Sie aktivierte ihre Nachtsicht und sah sich um. Alles war noch genau so, wie sie es in Erinnerung hatte. Langsam ging sie in Richtung Eingang und räumte den Felsen Beiseite.

Die einströmende Luft war feucht, Nebel lag über dem Fluss. Die Brücke war fast nicht zu sehen. Trotz der frühen Morgenstunde waren Fahrzeuge zu erkennen, die ihren Weg über die Brücke machten. Nach einem zufriedenen Blick in die Runde machte sie sich auf den Weg zu Johns Haus.

Sie ging nicht direkt zu John sondern streifte ein wenig durch die Stadt Die Schlagzeilen der Zeitungen bewiesen, dass John-Henry alles gut im Griff hatte. Alle Länder trafen Bemühungen zur Abrüstung, Die Kriminalität hatte stark nachgelassen und man schien mit der derzeitigen Situation zufrieden. Einige Krisenherde gab es noch aber Cameron war überzeugt, dass das auch noch in den Griff zu bekommen sei. Cameron erreichte Johns Haus gegen 6.30 Uhr am Morgen. Sie blieb im Schatten einiger Bäume stehen und beobachtete das Haus auf dem kleinen Hügel. Unwillkürlich musste sie lächeln, als sie Sarah sah, die auf der Veranda saß und offensichtlich ihre Pump-Gun reinigte. Dann erschien John mit einem Tablett auf dem drei Tassen und eine Kanne Kaffee standen. ‚Drei Tassen' dachte Cameron. Besuch oder war John nicht mehr allein? Sie wollte gerade den Schatten der Bäume verlassen, als sich die Türe erneut öffnete und Kate die Veranda betrat. Cameron trat schnell einen Schritt zurück. Kate war eine Junge Frau, die John kennen gelernt hatte, kurz bevor Cameron die Familie verlassen hatte. Cameron fühlte einen Stich in ihrem Inneren, als sie sah, dass Kate einen ziemlich großen Bauch hatte. „Schwanger" flüsterte Cameron leise, mit einem traurigen Unterton in der Stimme. Unwillkürlich machte sie einen weiteren Schritt zurück. Dabei trat sie auf einen Ast, der mit einem leisen Knacken zerbrach. Die Menschen auf der Veranda des Hauses hatten davon nichts mitbekommen, der Schäferhund, der seinen Kopf über das Geländer hob aber schon. Er war vorher von ein paar Büschen verdeckt gewesen, deshalb hatte Cameron ihn nicht bemerkt. Ein leises Knurren war zu hören. John und Sarah, die sofort aufgesprungen waren sahen in die selbe Richtung wie der Hund. Cameron zog sich immer weiter zurück und machte sich schließlich, nachdem sie sich davon überzeugt hatte dass weder Sarah noch John ihr folgten auf den Rückweg. Cameron dachte den ganzen Weg bis zu ihrem Versteck darüber nach, was sie gesehen hatte. John, Sarah und Kate schienen eine glückliche Familie zu sein. Ihre Entscheidung zu gehen war also richtig gewesen. Dennoch hatte sie ein Gefühl des Verlustes. Ohne weitere Umstände erreichte sie die Höhle , verschloss den Eingang und ging schnellstmöglich in Standby.

28. November 2013 (Thanksgiving)

Wieder war es für Cameron wie ein Erwachen nach einem Schlaf. Ohne weitere Umstände machte sie sich auf den Weg. Wieder informierte sie sich kurz über die Lage, die zu ihrer Zufriedenheit beitrug. Die Welt war friedlich, John Henry überwachte weiterhin den gesamten Datenverkehr. Die letzten Krisenherde auf der Welt hatten sich beruhigt und Kriminalität gab es anscheinend so gut wie Keine.

Als sie gegen 6 Uhr das Haus erreichte brannte in der Küche schon Licht. Sie erkannte Sarah, die offenbar das Frühstück für die Kinder machte. ‚Pancakes', darauf würde Cameron alles verwetten. Sie lächelte bei dem Gedanken. Ihr Lächeln gefror, als Kate die Küche betrat, gefolgt von John, der ein Kind auf dem Arm hatte. Kate war anscheinend wieder Schwanger, das sah Cameron an ihren steifen Bewegungen.

Cameron dachte daran, wie sehr sie sich gewünscht hatte, bei John zu bleiben aber Sarah war dagegen und hatte ihr damit gedroht sie zu verbrennen. Tränen stiegen in ihre Augen. Ohne einen weiteren Blick drehte sie sich abrupt um und machte sich auf den Rückweg.

Zurück in ihrer Höhle Bereitete sie Alles vor. Angesichts des gesehenen war sie nur zu gerne bereit in Standby zu gehen. Unkonzentriert stellte sie ihren inneren Wecker und ging auf Standby.

25. Oktober 2016 (?)

Mit einem lauten Warnton erwachte ihr HUD zum Leben.

WARNING !

Oxygen level low!

Tissue Damage in Progress

Übergangslos war Cameron erwacht. Was hatte das zu bedeuten? Die Höhle hatte genug Reserven für ein Jahr. Erst dann bemerkte sie, dass 3 Jahre vergangen waren. Sie hatte den Wecker falsch gestellt. Statt 2014 hatte sie 2024 eingegeben. Nur der Sauerstoffmangel in der Höhle hatte sie geweckt. Schnell öffnete sie den Eingang, um ihrem Kreislaufsystem die Möglichkeit zu geben wieder genug Sauerstoff aufzunehmen.

Ca 10 Minuten stand sie ruhig mit geschlossenen Augen, bis das Sauerstoffniveau in ihrem künstlichen Blut den Normalwert erreicht hatte. Nach einem Diagnosedurchlauf zeigte sich, dass ihr Körpergewebe keinen bleibenden Schaden davongetragen hatte. Ein aufmerksamer Beobachter hätte sehen können, dass ihre Hautfarbe von sehr Blass auf Samtbraun gewechselt war während sie Sauerstoff tankte.

Cameron öffnete die Augen. Sie ging zum Ausgang und sah sich um. Sie wunderte sich, dass am späten Nachmittag kein Autolärm zu hören war. Panik ergriff sie, als sie die Golden Gate Bridge eingehend betrachtete. In der Mitte klaffte ein ca. 10 Meter breiter Spalt und auch sonst war sie in schlechtem Zustand. Einige zertrümmerte Autowracks standen wild verteilt auf der Brücke, von Menschen war nichts zu sehen. ‚Der Tag der Abrechnung' Schoss es durch ihren Prozessor. Er war doch gekommen. ‚JOHN!' Schrie es in ihrem Kopf. Bevor sich Verzweiflung ausbreiten konnte verschob sie jede weitere Überlegung auf später und machte sich schnellstens auf den weg zu seinem Haus.

Unterwegs traf sie immer wieder auf Überreste von Robotern. Im Vergleich zu ihr waren es Primitive Konstruktionen mit Waffen statt Händen. Gefertigt aus einfachem Stahl, ohne auch nur im Entferntesten so resistent zu sein, wie ihre Coltan-Legierung. Ganze Massen von diesen Maschinen lagen herum. Eine kurze Untersuchung zeigte ihr, dass sich der Prozessor im Oberkörper befand. Ein primitiver Microchip ohne Potential zu wirklicher Intelligenz. Ihre Hand zerdrückte nachdenklich den Kopf einer Maschine. Kein Gesicht, nur Sinnesorgane. Kein Mund, nur eine Art Lautsprecher. So primitiv war keine Konstruktion Scynets gewesen. Alle Maschinen waren nackt, kein Anzeichen auf tarnendes Gewebe.

Einmal traf Cameron unterwegs auf eine Gruppe von Maschinen, die offenbar nach Lebenszeichen suchten. Einer Konfrontation wich sie aus, obwohl sie sicher war, dass sie mit den 15 Maschinen fertig geworden wäre. Allerdings wollte sie kein Risiko eingehen, bis sie wusste was los war.

Überall waren Explosionsspuren zu sehen, es waren Raketenwerfer eingesetzt worden und das auf beiden Seiten. Es war also nicht ungefährlich sich den primitiven Maschinen zu nähern. Nach einer stundenlangen Odyssee gelangte sie schließlich zu dem einsam gelegenen Haus.

Nur verbrannte Trümmer waren von dem schönen Haus übrig. Etwas erregte Camerons Aufmerksamkeit. Ein paar Meter abseits des Hauses stand ein einsamer Baum. Unter dem Baum eine kleine Umzäunung, in dem Zwei Holzkreuze standen. ‚Gräber', dachte Cameron. ‚Bitte nicht John!' Schnell näherte sie sich dem Zaun. Es waren tatsächlich Gräber. Auf dem ersten Holzkreuz stand:

Kate Connor

Der beste Freund, den ein Mann haben kann.

1986 – 2016

Dann warf Cameron einen scheuen Blick auf das zweite Kreuz. Sie schämte sich der Freude, die sie ergriff als sie die Inschrift las.

Sarah Connor

Nur sich selbst konnte sie nicht besiegen

1965 – 2014

Gottseidank war es nicht John, der hier begraben lag.

Beide Gräber wirkten gepflegt, die Blumen waren zwar verwelkt aber es schien Jemanden zu geben, der regelmäßig kam, um sich darum zu kümmern. Cameron entfernte die welken Blumen von den Gräbern und holte aus der Umgebung frische. Eine einzige Blume legte sie auf das Grab von Kate, einen ganzen Strauß auf das von Sarah. Mit sich selbst zufrieden verließ sie die Gräber und machte sich daran John zu finden. Die folgenden Tage und Nächte verbrachte sie damit, nach Menschen zu suchen, die John Connor kennen konnten. Gelegentlich traf sie auf uniformierte Widerstandskämpfer und verwickelte diese in Gespräche. Unauffällig stellte sie Körperkontakt her, bevor sie nach John fragte.

In der Nacht des 4. Tages beobachtete sie ein Gefecht zwischen einer Gruppe Widerstandskämpfer und einer großen Gruppe von Robotern. Die Maschinen wurden zwar eine nach der Anderen zerstört, erreichten selbst aber auch Abschüsse. Ein Soldat nach dem Anderen fiel den Maschinen zum Opfer. Noch bevor Cameron nahe genug herangekommen war, um einzugreifen war die kleine Kampfgruppe bis auf einen Mann aufgerieben. Dieser letzte Mann verteidigte sich tapfer gegen 5 Maschinen, konnte aber nicht viel mehr als blind aus seiner Deckung heraus schießen.

Michael Kempton hatte sich in eine ausweglose Lage gebracht. Er hatte zwar eine gute Deckung, war aber ansonsten von freier Strecke umgeben, konnte also auch nicht weg. Sobald er den Kopf herausstreckte flogen ihm Kugeln um die Ohren. Er beschränkte sich darauf, gelegentlich blind in Richtung der anrückenden Maschinen zu schießen. Plötzlich nahm er Gewehrfeuer aus einer anderen Richtung wahr. Irgendjemand schien das Feuer der Maschinen auf sich zu ziehen. Ein anderes Mitglied seiner Einheit musste überlebt haben. Vorsichtig spähte er um die Ecke seiner Deckung und sah nicht weit entfernt das Mündungsfeuer einer Waffe. Hatte er Halluzinationen oder sah er ein Mädchen, dass hinter einem Autowrack stand und ihm Feuerschutz gab. Instinktiv wandte er sich in eine andere Richtung und versuchte eine bessere Deckung zu finden, um die Maschinen ins Kreuzfeuer zu nehmen. Als er ebenfalls das Feuer eröffnete bemerkte er, dass mittlerweile nur noch 4 der Maschinen standen. Er selbst konnte noch einen Abschuss verbuchen bevor ihm die Munition ausging. Auch das Mädchen schaffte noch einen Abschuss, bevor die letzten 2 Maschinen sie mehrmals treffen konnten. 'Oh nein', dachte er als er das Mädchen fallen sah.

Resignierend wusste er, das die beiden verbliebenen Maschinen nun kommen würden, um ihr letztes Opfer zu holen. Er konnte ihre stampfenden Schritte bereits ganz nah hören, als er plötzlich ein metallisches knirschen und dann einen heftigen Schlag hören, gefolgt von einer Maschine, die dicht an seiner Deckung vorbei flog und als Schrotthaufen liegen blieb.

Geschockt von den Geschehnissen blieb Michael wie festgenagelt sitzen. Er schreckte sichtlich zusammen, als sich ihm plötzlich eine Hand entgegenstreckte. „Komm mit mir, wenn Du leben willst", sagte das Braunhaarige Mädchen. Völlig perplex ergriff er die Hand die ihm gereicht wurde. „D..d danke", brachte er stotternd hervor. „Gern geschehen", sagte sie. Dann sah er etwas, was sein Blut in den Adern gefrieren lies. Ihr Körper hatte mehrere Treffer abbekommen. Zunächst dachte er an eine kugelsichere Weste, sah aber im Schein eines Feuers das Blut auf ihrem Top. Als er ihr dann wieder ins Gesicht sah, erkannte er das silbrige Schimmern in einer Verletzung in ihrem Gesicht. Geschockt wich er rückwärts stolpernd zurück. „Du bist eine Maschine", brachte er die Arme abwehrend ausgestreckt hervor.

Cameron lies dem Geschockten Mann keine Möglichkeit zu entfliehen, sie hatte einfach keine Zeit für Erklärungen. Sie ergriff sein Handgelenk und hielt es wie in einem Schraubstock fest. „Kennst Du John Connor?" Fragte sie ihn. „Nein!" antwortete er ein wenig zu schnell. „Du lügst mich an", sagte sie zu ihm. Seine Körperreaktionen hatten ihr Alles verraten. Er kannte John. Seit Tagen hatte sie sich die Worte zurechtgelegt, die sie John übermitteln wollte. „Sag John, der Zinnmann möchte den Zauberer von Oz sprechen. Ich warte bei seiner Mutter. Kannst Du Dir das merken?" Ich kenne keinen John Connor", wiederholte er." „Überbring einfach nur die Botschaft", sprach sie und drehte sich dann um, um zu gehen. „Hast Du einen Namen? Ich bin Michael." Die Worte kamen aus seinem Mund, bevor er es verhindern konnte. Sie zögerte kurz. „Cameron", sagte sie ohne sich umzudrehen. Dann setzte sie ihren Weg fort und verschwand aus Michaels Blickfeld.

'Wow, dass glaubt mir kein Mensch', dachte er noch, bevor er sich seiner Lage bewusst wurde. Schnell drehte er sich um und machte sich auf den Rückweg zum Bunker. Er würde John Connor diese Nachricht persönlich überbringen.

26. Oktober 2016 (Zentralbunker des Widerstandes L.A.)

John saß gerade beim Frühstück, als ihm berichtet wurde, dass ein Überlebender einer Späher-Einheit eine Botschaft für ihn habe. „Soll herkommen", schnarrte John.

Johns Adjutant winkte Michael Kempton heran. Michael näherte sich schüchtern seinem Befehlshaber. Alle Augen in dem großen Raum waren auf den verdreckten Mann gerichtet, der sich zu John herunter beugte und leise etwas zu ihm sagte. John, der gerade einen Schluck Wasser getrunken hatte verschluckte sich und spuckte und hustete das Wasser wieder aus. Mit hervorquellenden Augen fragte er heiser: „Hat sie sonst noch etwas gesagt?" „Ich habe sie gefragt, wie sie heißt." „Und?" „Sie sagte ihr Name wäre Cameron."John sprang so schnell von seinem Stuhl auf, dass dieser polternd nach Hinten umkippte. Eine Minute lang starrte er den Soldaten sprachlos an. Johns Gedanken wirbelten in seinem Kopf durcheinander und er spürte, dass das eben erst gegessene wieder seinen Hals herauf wollte. 'Konnte das ein Trick des Gegners sein?', Fragte er sich. 'Nein", dachte er. Den Hinweis auf den Zauberer von Oz konnte nur von Cameron kommen. Seine Cameron, die ihn einfach so verlassen hatte. Fast 5 Jahre hatte er nichts von ihr gehört und jetzt tauchte sie einfach so auf? Wut und Schmerz wallte in ihm auf. Sein versonnener Blick klärte sich. „Sie!" Er tippte mit Wut im Blick gegen Michael Kemptons Brust, „erscheinen heute Abend 18 Hundert im Konferenzraum zur Lagebesprechung. Jetzt gehen sie Duschen, lassen ihre Verletzungen versorgen und legen sich dann schlafen." „Jawohl Sir," Sagte Michael, der mittlerweile Haltung angenommen hatte. Er machte auf dem Absatz kehrt und ging mit schreckgeweiteten Augen in Richtung Ausgang. „Und Kempton!?" „Ja Sir?" Michael drehte sich noch einmal um. „Danke," sagte John. „Jawohl Sir." Mit diesen Worten verließ Michael den Speisesaal. Als er um die Ecke bog, wagte er endlich wieder zu atmen. „Das kann ja heiter werden", murmelte er vor sich hin als er in Richtung der Duschräume ging.

26. Oktober 2016 18.00 Uhr (Konferenzraum)

Michael Kempton saß wie ein Häufchen Elend am Ende des Konferenztisches. Als John Connor den Raum betrat standen die Anwesenden auf und nahmen Haltung an. „Setzen!" Sagte John. Noch bevor er saß fuhr er fort. „Dieser junge Mann dort," er zeigte auf Michael, „hat mir von einer Begegnung berichtet. Er traf eine alte Freundin, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Sie wartet da draußen auf mich und ich habe die Absicht mich mit ihr zu treffen." „Halten sie das für klug, Sir?" fragte Martin Bedell. „Sie wird nur mit mir reden. Es hätte keinen Sinn, zu versuchen sie zu einem Treffen an einem anderen Ort zu überreden, sie würde nicht darauf eingehen." „Und wenn wir sie einfach mitnehmen?" John lachte leise, „das würde ich ihnen nicht raten. Sie wird mit einer ganzen Kompanie der Blechköpfe fertig, da ist eine kleine Einheit Soldaten kein Probl.. „Sie ist eine Maschine!" Rief Michael Kempton dazwischen, nur um gleich in seinem Stuhl zusammenzusinken, als er den finsteren Blick seines Befehlshabers bemerkte. Die Augen, die sich auf ihn gerichtet hatten, richteten sich wieder auf John. „Tja, da hat er wohl recht, das ist sie wohl. Sie ist ein Cyborg, sieht aus wie wir, ist aber eine ein-Mann Armee. Dagegen sind die Blechköpfe der Asiaten ein Dreck. Ein Ausdruck von Frustration hatte sich auf Johns Gesicht breit gemacht angesichts der Tatsache, dass er immer noch nicht wusste, warum Cameron damals so plötzlich verschwunden war. „Also Gut Bedell, Sie und Kempton sowie zwei weitere Männer werden mich begleiten. Abmarsch ist 22 Hundert." „Und wohin fragte Martin Bedell verwundert?" „Nach Hause,".sagte John mit finsterer Mine.

27. Oktober 2016 3.21 Uhr (In der Nähe des Connor Hauses)

Es war ihnen gelungen ungesehen bis in die Nähe des Hauses zu kommen. Mittlerweile waren nur noch wenige Maschinen des Gegners unterwegs und wenn, dann nur in großen Gruppen. Das war die einzige Möglichkeit, wie sie Schaden anrichten konnten. Die Maschinen hatten eine ganz einfache Programmstruktur. Komplexere Aufgaben waren einfach nicht möglich.

John war sich nicht sicher was er fühlte. Einerseits schien er sich zu freuen Cameron wiederzusehen, andererseits war er unglaublich wütend auf sie. Als das Haus in Sicht kam, konnte er sie schon von Weitem ausmachen. Wie eine Statue stand sie bei den Gräbern Kates und seiner Mutter. Wenn er an Sarah dachte, kochte die Wut auf Cameron in ihm hoch. Am Fuß des Hügels gab er die Anweisung, dass seine Männer die Umgebung im Auge behalten sollten. Er setzte seinen Weg fort, bis er noch einen Meter von Cameron entfernt war.

Cameron hatte ihn schon identifiziert, als er in Sicht kam. Sie wusste zunächst nicht was sie sagen sollte, zumal sie den Impuls verspürte ihn zu umarmen. Sie sah die Wut in seinem Gesicht „John, es tut Mir le..." Eine schallende Ohrfeige riss ihr das Wort von den Lippen. John hatte einen schnellen Schritt gemacht und dann ansatzlos mit der flachen Hand zugeschlagen. Camerons Kopf wurde ein Wenig zur Seite gerissen. Der Schlag war nicht schlimm gewesen und sie wusste, dass John das wusste. Das Gefühl dahinter war für Cameron umso schmerzhafter. Ohne ein weiteres Wort drehte John sich um und ging zu seinen Männern zurück, die die Szene mit angehaltenem Atem beobachtet hatten. Michael Kempton dachte, Cameron würde eventuell zurückschlagen, sie blieb aber zu seiner Überraschung völlig bewegungslos stehen und beobachtete John, der einfach wegging. Als er Michael erreichte, sagte John zu ihm: „Sie soll uns folgen." Nicht nur Michael zog verwundert die Brauen in die Höhe. Auch Bedell und die beiden Anderen Männer konnten ihr Erstaunen nicht verbergen. Michael brauchte ein paar Sekunden um sich zu fassen, bevor er Cameron durch Winken zu verstehen gab, dass sie mitkommen sollte.

Cameron stand wie erstarrt. Tränen stiegen in ihre Augen. Manchmal hasste sie es wirklich mit Tränendrüsen ausgestattet zu sein. Sie dachte schon, dass John nichts mehr von ihr wissen wollte als Michael Kempton ihr zuwinkte. Wenig erleichtert setzte sie sich in Bewegung, um den Männern zu folgen. Allerdings hielt sie Abstand, damit Niemand die Gefühlsregungen auf ihrem Gesicht beobachten konnte.

War der Hinweg ereignislos verlaufen, so war der Rückweg nicht ganz so ungefährlich. Zweimal mussten sie einer Gruppe Maschinen ausweichen, bevor sie zur Bunkeranlage kamen. Schüsse waren zu hören. Der Bunker wurde gegen eine Gruppe von Maschinen verteidigt. Fünf der Metallkonstruktionen hielten den Eingang unter Beschuss. Noch bevor John den Angriffsbefehl geben konnte huschte Cameron an den Männern vorbei. Ihre Bewegungen waren immer noch elegant und fließend musste John bewundernd anerkennen. Mit fast unglaublicher Geschwindigkeit erreichte sie die Gegnerischen Einheiten. Handkante, Fuß, Ellbogen, Knie und Schulter kamen zum Einsatz. In weniger als 10 Sekunden hatte sie die Maschinen in nutzlosen Schrott verwandelt. Zuletzt stand sie wie ein Racheengel mit leicht abgespreizten Armen in den Metalltrümmern. Als sie den Kopf hob, konnte man deutlich den Triumph in ihrem Gesicht erkennen.

Als John sie erreichte blieb er nur kurz stehen, schüttelte den Kopf und ging dann weiter. Sie blickte ihm irritiert nach, als er an ihr vorbeiging.

Cameron wurde in die Basis geleitet. Ohne Umwege brachte man sie zu Johns Büro. Als sie den Raum betrat sah sie auf einem Tisch Fotos stehen, Abgebildet waren Johns Mutter, Kate , zwei kleine Jungen und ein Mädchen. Irritierenderweise war das Mädchen rothaarig. Erst bei genauerer Analyse der Gesichtszüge erkannte Cameron Savannah Weaver. 'Was macht ein Bild von Savannah auf Johns Tisch?'. Fragte sich Cameron. Auf einigen Bildern waren auch Catherine Weaver und John-Henry zu sehen, die offensichtlich mit den Kindern spielten. Cameron runzelte amüsiert die Stirn, bis sie vor der offenen Tür Geräusche hörte.

Mit finsterem Blick betrat John den Raum und schloss die Tür hinter sich, den protestierenden Ausruf Martin Bedells ignorierend.

Oktober 2016 11.13 Uhr (John Connors Büro)

Wo warst Du?! Als Cameron den Mund öffnete, um zu antworten fuhr John fort: „WO WARST DU, ALS DIE WELT ZUM TEUFEL GING? WO WARST DU; ALS MOM KRANK WURDE? WO WARST DU ALS KATE GETÖTET WURDE ?" Leiser fuhr er fort, „wo warst Du als Mom starb? Tränen wallten in seinen Augen. Cameron hatte sich geduckt, als John sie anschrie. Ebenfalls Tränen in den Augen hob sie den Blick und sah in seine tränenerfüllten Augen. Noch nie hatte sie ihn so voller Schmerz gesehen. „Du hast versprochen mich zu beschützen...uns zu beschützen." Die letzten Worte waren nur noch ein Flüstern gewesen und Tränen liefen Johns Wangen herunter, als er mit nun hängendem Kopf vor Cameron stand. „Ich wollte ja zurückkommen, nur..." „Nur?" hakte John nach. Vorsichtig legte Cameron eine Hand an Johns Wange. „Als ich zu Thanksgiving wiederkam, nachdem ich ein Jahr lang geschlafen habe war Kate …." Cameron schniefte und diesmal liefen ihr Tränen herunter. „Sie war schwanger und ihr saht so glücklich aus. Ich konnte einfach nicht... Ich... Ein Jahr später... Ich habe dich gesehen, wie Du gestrahlt hast, als du das Kind auf dem Arm hattest und sie war wieder schwanger." Jetzt weinte Cameron. „Dann stellte ich irgendwie den Timer falsch und bin erst dieses Jahr wieder aufgewacht." Kaum verständlich waren diese Worte, da Cameron deutliches Schluchzen nicht mehr zurückhalten konnte.

„Mom hat Dich gesucht", sagte John leise. „Was?" fragte Cameron. „Sie wollte mich töten, sie sagte, dass nachdem Alles vorbei sei, würde ich nicht mehr gebraucht." „Das war ein Scherz." Gequält klangen Johns Worte. Als Cameron ihn tränenerfüllt ansah. „Sie hat dich gesucht, bis sie vor Schmerzen nur noch kriechen konnte. Sie wollte sich entschuldigen. Ihre letzten Worte waren:'Sag´Cam, dass es mir Leid tut'. Danach schloss sie für Immer die Augen." Haltlos weinend sackte Cameron auf dem Boden zusammen. John kniete sich ebenfalls hin und nahm Cameron ganz fest in die Arme. Er hatte begriffen, dass es nicht ihre Schuld war.

Oktober 2016 11.18 Uhr (VOR John Connors Büro)

Ein etwa 16 Jahre altes roothaariges Mädchen erreichte die Tür und wurde von den Soldaten aufgehalten. „Was ist los, ist Dad da drin?" „Er hat eine Besprechung mit dieser ...Cameron." Nur zögerlich war der Name über Martin Bedells Lippen gekommen. „Cameron! Sie ist hier?" Ohne auf eine Antwort zu warten schob sie Martin Bedell einfach aus dem Weg, während Michael Kempton schon freiwillig Platz machte. Die beiden begleitenden Soldaten mischten sich schon deshalb nicht ein, weil Savannah Connor dafür bekannt war, schoneinmal ihre Krallen auszufahren, wenn man sich ihr in den Weg stellte. Leise öffnete sie die Tür, nur um sie sofort wieder zu schließen, nachdem sie die Beiden Menschen erblickt hatte, die sich in der Mitte des Zimmers weinend auf dem Boden in den Armen hielten. Savannah war, falls möglich, noch blasser geworden. Ihr war klar, dass dies Niemand sehen durfte, um John Connors Autorität nicht zu untergraben. „Niemand, absolut Niemand öffnet diese Türe, es sei den von Innen." Martin Bedell, selbst Befehlsgeber, schrumpfte unter dem Blick des Mädchens sichtbar zusammen. „Verstanden", war Alles, was Bedell hervorbrachte. Schnell ging Savannah zurück in Richtung ihres Quartieres.

Oktober 2016 11.27 Uhr (IN John Connors Büro)

Noch immer hockten Cameron und John eng umschlungen auf dem Boden. Schon vor Minuten waren die Tränen versiegt und Beide genossen nun diese Umarmung.

Dann schließlich lösten sie sich langsam voneinander, hielten sich aber weiter an den Armen. Zögerlich Hoben beide den Kopf und sahen sich an. Wortlos hob John Eine Hand und legte sie vorsichtig und zärtlich an Camerons Wange. Fast ängstlich sah Cameron dabei zu und schloss schließlich bei der Berührung die Augen. Nach ein paar Sekunden tat John etwas, was er schon seit vielen Jahren tun wollte. Er beugte sich vor und küsste sie vorsichtig auf den Mund. Cameron riss erstaunt die Augen auf, nur um sie wieder bis zur Hälfte zu schließen und schließlich den Kuss zu erwiedern. Nachdem sich die Beiden getrennt hatten, erhob sich John und zog Cameron in die Höhe. „Das wollte ich schon 1999 tun." Erstaunt sah Cameron ihn an. „Aber... Riley und Kate?" „Als Riley auftauchte, war ich zu tiefst einsam und Kate,... Kate hat mich getröstet nachdem Du mich verlassen hattest. Was glaubst Du, warum ich Dir eine Waffe in die Hand gedrückt habe, nachdem Du mich töten wolltest?" Cameron brachte kein Wort hervor. Ihr Gesicht war ein einziges Fragezeichen. „Ich hatte immer nur den Moment im Kopf, als Du zwischen den Trucks eingeklemmt warst, um Dein Leben flehtest und mir sagtest, dass Du mich liebst. Der Satz war wie ein Echo in meinem Kopf. Als ich Dir die Waffe gab, war ich bereit zu sterben. Ich konnte Dich einfach nicht verbrennen. Wie Du so dagelegen hast... Ich habe mich in Dich verliebt, in dem Moment, als Du mich nach meinem Namen fragtest. Das hat sich niemals geändert." „W..w..warum hast Du nie etwas gesagt?" Du warst so kalt, hast mich belogen, immer dieses regungslose Gesicht. Du warst nie für mich da. Außerdem dachte ich das wäre klar, nachdem ich Dir in die Zukunft gefolgt war." Cameron dachte einen Moment lang nach. „Ich habe Dich oft belogen, Das ist richtig, aber nur wenn es nötig war und nie wenn ich Dir gesagt habe, dass ich Dich liebe." Betroffen blickte John sie an. Wieder nahmen sie sich in die Arme, diesmal in der Gewissheit, dass sie sich liebten.

Minuten später sagte John: „Ich lass Dir ein Quartier zuweisen und ich werde jemanden vorbeischicken, der Dir Kleidung bringt und deine Wunden versorgt. Cameron konnte nur nicken. Dann ging John zur Tür, um diese zu öffnen. Er schickte Martin Bedell weg, nachdem er ihm zugesichert hatte, dass Cameron keine Gefahr darstellte. Michael Kempton dagegen flüsterte er einige Dinge zu, bevor er Cameron zuwinkte. Michael Kempton lächelte Cameron schüchtern an. „Folgen sie mir bitte." Sagte er schüchtern zu der Person, von der er wusste, was sie war.

Oktober 2016 12.05 Uhr (Quartier der Connors)

Cameron war noch immer erstaunt, dass Michael Kempton sie in einen Raum INNERHALB von Johns Familienquartier gebracht hatte. Als er gegangen war, sah sie sich in den Räumlichkeiten um. Ein kleines Bad, vier Schlafzimmer und ein Gemeinschaftsraum. Da alle Türen offen standen, hatte sie keine Scheu einen Blick hinein zu werfen. In dem Zimmer der Jungen lag überall Spielzeug herum. Dann ein Zimer, dass offenbar einer Frau gehörte und schließlich Johns Zimmer, dass sie vorsichtig betrat. Sie lies ihre Hände über die Einrichtungsgegenstände gleiten und berührte seine Sachen. Sie setzte sich auf das Bett und nahm sein Kopfkissen in die Arme. Dann erst nahm sie die Person wahr, die lächelnd im Türrahmen stand. „Savannah." „Hallo Cameron. Ich bin hier, um Dich zu verarzten. Dann suchen wir in meinem Kleiderschrank nach etwas passendem für Dich. Du dürftest etwa meine Größe haben." Ohne ein weiteres Wort ergriff Savannah Camerons Hand und zog sie hinter sich her in ihren Raum. Dann fing sie resolut an, Cameron auszuziehen. „Uah, Du stinkst!" Savannah hielt sich die Nase zu und schob die erstaunte Cameron in Richtung Bad, legte ihr ein Badetuch hin und verschloss die Tür von Außen. Sie lehnte sich einen Augenblick gegen die Tür, riss die Augen auf, schüttelte sich kurz und ging dann grinsend zurück in ihr Zimmer. Zehn Minuten später kam Cameron nur in das Badetuch gewickelt zurück. Savannah deutete ihr an, sich zu setzen und begann dann ihre Verletzungen zu versorgen. „Was ist eigentlich mit der Welt passiert?" Savanna verharrte kurz, bevor sie anfing zu erzählen.:

„Einigen asiatischen Staaten ist es gelungen, heimlich ohne John-Henrys Wissen eine Roboterarmee zu bauen. Diese wurden dann überall auf der Welt in Lagerhäusern untergebracht. Wenn gefragt wurde, wurde gesagt, das seien neuartige Arbeitsroboter, die demnächst ausgeliefert werden sollte. Deshalb waren die USA, Russland und Europa völlig unvorbereitet, als am Stichtag Millionen von Robotern aus den Lagerhäusern strömten und Alles niedermachten, was ihnen vor die Waffen kam. Was diesen Maschinen an Intelligenz und Widerstandskraft fehlte machten sie durch ihre unglaubliche Anzahl einfach wett. Die Armeen wurden einfach überrannt. Die Maschinen erhielten kurze Zeit später auch noch Luftunterstützung. Zentrale Einrichtungen einschließlich Zeira wurden durch Selbstmordattentäter vernichtet. Nichteinmal meine Mutter konnte der riesen Explosion entkommen."

Cameron war still geblieben und lauschte der kurzen Erklärung. Nachdem Savannah geendet hatte klapste sie Cameron auf die nackte Schulter und erhob sich dann, um einige Kleidungsstücke aus ihrem Schrank herauszusuchen. Mit sicherem Griff nahm sie Unterwäsche, eine Jeans und ein langärmeliges Top und reichte sie Cameron, die sofort begann sich anzuziehen. „Wenn Du fertig bist, gehen wir zum Speisesaal, dann lernst Du die Jungs kennen." „Ja gerne. ...Und Savannah?" „Ja?" „Danke." „Gern geschehen." Beide Frauen lächelten sich an.

27. Oktober 2016 12.55 Uhr (In der Nähe des Speisesaales)

Cameron und Savannah hörten Geschrei und Hundegebell aus Richtung des Speisesaales. Während Savannah die Stirn runzelte, versuchte Cameron mit ihrem elektronischen Gehör genaueres zu verstehen. Als sie einen spitzen Kinderschrei hörten rannten sie gleichzeitig los. Cameron erreichte den Ort des Geschehens schneller als Savannah. Was sie sah lies sie abrupt stoppen. Ein großer Rottweiler stand in der Mitte des Speisesaales über dem blutigen Körper eines Mannes. Die Augen des Tieres waren auf ein kleines Mädchen fixiert, dass dem Tier am nächsten stand. „Der Hund ist durchgedreht!" Rief Jemand in dem Durcheinander. Cameron schob sich durch die zurückgewichene Menge. Auf der anderen Seite des Saales sah sie John, der Anweisungen zu erteilen schien. Als er Cameron erblickte hielt er seinen Adjutanten am Arm zurück. Cameron schob sich langsam an der Front der Menschenmenge vorbei, bis sie in die Nähe des Mädchens kam. Ein letzter schneller Schritt und sie griff sich das Mädchen mit dem linken Arm, ohne den Hund aus den Augen zu lassen. Als dieser Cameron witterte wurde er noch aggressiver und duckte sich zum Sprung. Das Mädchen in der entgegengesetzten Richtung auf dem Arm haltend erwartete Cameron das Tier. Als der Hund sprang, machte Cameron einen schnellen Schritt zur Seite. Wie eine Schlange schnellte ihr rechter Arm vor und ergriff das Tier im Genick. In einer fließenden Bewegung schmetterte sie das Tier zu Boden. Eine kurze Bewegung der Hand und nach einem hässlichen Geräusch blieb das Tier regungslos liegen.

Die Menschen in dem Speisesaal waren verstummt. Alle starrten entsetzt auf die junge Frau, die ein so starkes Tier mit einer Hand getötet hatte.

Während Savannah zu dem Verletzten eilte, näherte sich eine Frau Cameron. Als das Mädchen auf Camerons Arm, weinend die Arme nach der Frau ausstreckte, übergab Cameron ihr das Mädchen. Ein eingeschüchtertes „Danke" veranlasste Cameron zu der Bemerkung: „Gern geschehen." Das Lächeln auf Camerons Gesicht lies auch ein Lächeln auf den Gesichtern vieler der Anwesenden erscheinen.

Als die Sanitäter erschienen, lies die Spannung im Saal deutlich nach und die Ersten begannen sich wieder für ihre Mahlzeit zu interessieren. „Er wird es überleben," sagte Savannah zu Cameron, die mittlerweile wieder Augenkontakt mit John hergestellt hatte.

An Johns Tisch saßen seine Beiden Söhne. Zwei weitere Gedecke waren vorbereitet. Als sich Cameron dem Tisch näherte ging John ihr entgegen. Zu ihrer maßlosen Überraschung begrüßte er sie mit einem kurzen Kuss. Sein jüngerer Sohn kam auf sie zugerannt und blieb vor ihr stehen. Mit in den Nacken gelegten Kopf starrte er zu ihr hoch. Cameron ging in die Knie. Als sie sich auf gleicher Höhe mit ihm befand, legte er den Kopf zur Seite und fragte ganz unschuldig: „Bist Du meine neue Mami?" Camerons Augen wurden groß. Fragend starrte sie zuerst den Jungen an und dann John. Der zuckte nur grinsend mit den Schultern. Savannah stöhnte kurz auf und nahm dann den Jungen auf den Arm. „Komm J J , lass Cameron ersteinmal in Ruhe." „J J ?" Fragend blickte Cameron John an. "John Junior, kurz JJ." Erwiderte dieser. „Der arme Junge," Sagte Cameron nur, woraufhin Alle im Saal, die die Unterhaltung mitbekommen hatten in schallendes Gelächter ausbrachen. Die Lacher ignorierend stellte John seinen anderen Sohn vor: „Und das hier ist Kyle-Henry." Der Junge gab Cameron schüchtern die Hand. „Savannah habe ich adoptiert, als ihre Mutter starb. Alle setzten sich jetzt hin. Cameron hatte viele Fragen. Alle saßen noch stundenlang am Tisch und redeten über die Vergangenheit. Schließlich, als Savannah mit den Jungs ins Quartier zurückgegangen war sagte Cameron: „John ich habe eine Idee". Aufmerksam lauschte John Camerons Vorschlag. Danach wurde noch über die Details diskutiert und Johns Stab wurde hinzugezogen, nachdem man sich in den Konferenzraum zurückgezogen hatte. Gegen zehn Uhr abends gingen John und Cameron zurück in ihr Quartier.

Cameron hatte zwar ihren eigenen Raum, dieser wurde aber nie benutzt.

Epilog

In den folgenden zwei Jahren verbreitete ein misteriöser Attentäter Angst und Schrecken im Asiatischen Raum. Diktatoren und Militärbefehlshaber wurden getötet oder verschwanden und Demokratisch gewählte Führer traten anschließend an deren Stelle.

Der Attentäter blieb unerkannt aber die Legende eines schwarzen Racheengels machte die Runde. Nach dem Sturz aller feindlichen Diktatoren kehrte wieder Ruhe auf der Welt ein und die Menschen begannen mit den Aufräumungsarbeiten. Alle zerstörten Länder erhielten großzügige Unterstützung von den ehemaligen Feinden.

An zwei Gräbern neben einem Haus auf einem Hügel standen Arm in Arm zwei Menschen und betrachteten still die Gräber während zwei Jungs auf der Veranda spielten, streng beobachtet von einer rothaarigen jungen Frau, die im Buch „Der Zauberer von Oz" las.

„Wirst Du den Posten annehmen?" Fragte Cameron leise. „Nein, den Rest meines Lebens werde ich nur mit Dir und den Kindern verbringen." Sagte John nach kurzem Nachdenken. „Die sollen sich ihre Regierung sonst wo hin stecken." Sagte John, bevor er Camerons Mund mit einem Kuss bedeckte, der den Sonnenuntergang verblassen lies.

ENDE