A/N 2014
Krankheits- und stressbedingt etwas verspätet.
Wir sind im Juni 2009. Mit rund 6000 Worten mal wieder etwas länger.
Episode 2.19,5
Vorwort:
Diese Story spielt nach den Ereignissen um Riley und Jesse aber vor dem Umzug von Sarah und John in den Leuchtturm. Also exakt zwischen 2.19 und 2.20.
Kapitel 1
„PANCAKES!" John schreckte hoch. „John! Derek! Frühstück!. Sarahs Stimme war wie ein Wecker.
„Mom, ich hab´dich gehööööört!" Rief John zurück.
John quälte sich aus dem Bett. Es war Samstag und er dachte gar nicht daran, zu Duschen und sich anzuziehen. In Boxern und lediglich einem frischen T-Shirt ging er runter in die Küche. Unterwegs traf er auf Derek. Typisch Soldat war dieser längst auf und hatte schon seine Waffen geputzt.
Als John in die Küche kam sagte er: „Mom, was riecht hier so angebrannt?"
Lachend wich er der vorschnellenden Hand Sarahs aus, die wohl wusste, was die Anderen von ihren Kochkünsten hielten.
Sarah brauchte einen Augenblick, dann stellte sie einen Teller vor John hin, begleitet von den Worten: „Ich habe dir die Besten rausgesucht."
John starrte auf den Teller, dann hob er den Kopf und blickte in das süffisant lächelnde Gesicht seiner Mutter. Dann blickte er wieder auf den Haufen halb knuspriger, halb verbrannter Pancakes. Resignierend nahm er die Sirupflasche, spritzte ordentlich etwas über den ersten Pancake und zu Sarahs und Dereks maßloser Verblüffung begann er kommentarlos zu essen.
Nach dem er den zweiten heruntergewürgt hatte, hielt er beim Kauen plötzlich inne. „Mommm, ürgändewaf stingt niht." Sagte er mit vollem Mund.
„Bitte?" Fragten Sarah und Derek gleichzeitig.
John schluckte den Bissen halbzerkaut herunter. „Ich sagte, Irgendetwas stimmt nicht." Nach zwei weiteren Bissen sprang John plötzlich auf.
„Cameron, wo ist Cameron?" Er sah sich um, konnte sie aber nirgendwo entdecken.
„Sie ist wahrscheinlich nur wieder auf einem ihrer nächtlichen Ausflüge." Derek zuckte nach Sarahs Worten nur mit den Schultern und aß weiter. John hingegen ging zur Treppe und rief: „CAMERON!"
„John, sie ist wahrscheinlich wirklich mal wieder unterwegs." Sarah klang ärgerlich.
„Nein Mom, sie hat mir versprochen Bescheid zu sagen, bevor sie das Haus verlässt."
Als sich oben immer noch nichts regte, stürmte John die Treppe rauf. Dann hörten Sarah und Derek oben Türen knallen. Nach kaum 30 Sekunden war John wieder unten. Sie sahen ihm an, dass er sich wirklich Sorgen machte. John durchsuchte nun systematisch das Haus nur Cameron war nirgendwo zu finden. John umrundete auch einmal das Haus, in der Hoffnung, sie wäre irgendwo draußen. Zuletzt ging er noch in die Garage aber selbst da war keine Spur von ihr zu finden. Auf dem Rückweg zum Haus stutzte er, als er in einem Blumenbeet etwas schwarzes glänzen sah. Als er näherging erkannte er eine Pistole. Er hob sie auf und wusste sofort, dass sie Cameron gehörte. John stürmte zurück ins Haus. In der Küche knallte er die Waffe auf den Tisch. Sarah und Derek starrten entgeistert auf die Schwarzglänzende Waffe.
„Die lag draußen. Ihr erzählt mir jetzt sofort, was hier los ist. Wo ist Cameron?!" Sarah schüttelte nur den Kopf, als John sie ansah. Derek hingegen hatte sich steil aufgerichtet. Als er John ansah, konnte dieser einen schockierten Ausdruck in Dereks Gesicht erkennen.
Derek öffnete den Mund und sagte nur ein Wort: „Jesse."
Kapitel 2
Nachdem Derek Jesses Namen gesagt hatte, Hatte John Panik in den Augen. Er schnappte sich seine und auch Camerons Waffe. Er stellte Derek nur eine Frage: „Wo?"
Derek überlegte kurz. „Sie hat ein kleines Lagerhaus gemietet."
Sarah und Derek sprangen nun ebenfalls auf und griffen sich Waffen. Die Drei stürmten zum Wagen. Derek setzte sich ans Steuer und raste los. Sarah sah nach hinten. John hatte Angst. Soviel Angst hatte sie selten bei ihm gesehen. Das letzte mal, als Sarkissian ihm eine Waffe an den Kopf hielt.
John hampelte herum, griff sich immer wieder an den Kopf und manchmal schien er weinen zu wollen. „Ich hätte sie nicht gehen lassen dürfen." Murmelte er immer wieder vor sich hin." Dann sagte er etwas, was Sarah das Blut in den Adern gefrieren lies. „Cam, ich komme. Ich rette Dich und wenn ich dabei drauf gehe." Es war nur ein Flüstern gewesen aber Sarah hatte es trotzdem gehört.
Der blanke Horror durchflutete Sarahs Körper. John würde Camerons Leben über sein eigenes stellen. Der Führer der Menschheit würde die Killermaschine mit seinem Leben verteidigen. Ihr wurde schwindelig. ‚Was sah er nur in der Maschine? Zugegeben, sie sah gut aus, trotzdem war es nur ein Ding, dass...'. Sarahs Gedanken wurden Durch Derek unterbrochen.
„Wir sind da. Da Vorne steht Jesses Wagen". Derek bremste scharf und brachte den Wagen vor dem Eingang zum stehen. Bevor John durch den Eingang stürmen konnte wurde er von Derek aufgehalten.
„John, wenn sie Dich hereinkommen sieht, begeht sie vielleicht eine Dummheit. Lass mich mit ihr reden. Kommt ihr durch den Hintereingang." John nickte nur und er und Sarah rannten um die Ecke des Gebäudes.
Als Derek die ca. 40 Quadratmeter große Halle betrat, sah er Jesse an einem Becken aus Steinen stehen. Sie schüttete offensichtlich gerade Thermit über Camerons Körper. Sie hatte ihn hereinkommen gehört, lies sich aber durch Dereks Anwesenheit nicht stören.
„Hallo Baby!" Rief sie. „Sieh mal, ich habs ganz ohne Riley geschafft. Ein umgebauter Elektroshocker hat gereicht, um es zu fangen." Dann kicherte sie wie eine Schwachsinnige.
„Jesse, du kannst nicht mehr klar denken. Du darfst das nicht tun. Wenn, dann muss er das selber tun."
„Ist doch egal. Hauptsache weg mit dem Ding. Sieh es Dir doch an, es ist eine Lüge. Es ist ein Ding. Ein Killerding." Wieder kicherte sie.
„Ich kann Das nicht zulassen Jesse!"
Als Derek seine Waffe auf Jesse richtete hatte diese blitzschnell eine Fackel aus ihrem Hosenbund gezogen und angezündet. In diesem Moment fiel ein Schuss. Jesse taumelte zuerst vorwärts, dann sah Derek einen feinen Blutstrom aus ihrem Mundwinkel fließen. Noch immer mit der Fackel in der Hand drehte sie sich taumelnd um. Ein erstaunter Blick traf John Connor ihren Anführer, der eine Maschine verteidigte.
„Verräter!" brachte sie noch hervor. Dann versuchte sie mit letzter Kraft doch noch die Fackel zu werfen. John, Sarah und Derek eröffneten gleichzeitig das Feuer. Von zahllosen Kugeln getroffen ging Jesse zu Boden. Im Fallen schleuderte sie die Fackel mit letzter Kraft.
John sah wie in Zeitlupe die Fackel in Camerons Richtung fliegen.
Kapitel 3
Die Fackel segelte in hohem Bogen auf das Becken zu. John hatte aufgehört zu atmen. Wie gelähmt beobachtete er, wie die Fackel den Beckenrand traf und dann ohne das Thermit zu zünden neben dem Becken zu Boden fiel.
Ansatzlos stürmte John vor, verpasste der Fackel einen Tritt, dass diese zur Seite flog. Er beugte sich über das Becken und untersuchte Camerons Kopf. Dann durchsuchte er das gesamte Becken. Schließlich machte er einen Schritt rückwärts. Tränen stiegen in seine Augen als er sagte: „Ihr Chip ist weg. Sie ist weg."
Sarah und Derek traten an das Becken, sie suchten selbst kurz, fanden aber auch nichts.
Nach kurzem nachdenken drehte Derek sich um und ging nach hinten. Er holte die noch brennende Fackel und ging zu John. „John, vielleicht ist es an der Zeit dass..." In diesem Moment starrte er in den Lauf von Johns Pistole. Hinter der Pistole sah Derek Johns Augen, in denen er blanke Wut erkennen konnte.
„Wir bringen ihren Körper nach Hause, dann werde ich zu Jesses Wohnung fahren und nach Cameron suchen.
Sarah hatte die Szene stumm beobachtet. Ihr fiel sofort auf, dass John 'ihren Körper' gesagt hatte und dass er ihren Chip als 'Cameron' bezeichnet hat. Dass bedeutete, dass John nicht nur körperlich von ihr angezogen war sondern vor Allem von ihrer Persönlichkeit. Übelkeit stieg in Sarah auf, wenn sie an die Konsequenzen dachte.
Sie entfernten notdürftig das Thermit von Camerons Kleidung und trugen den Körper zum Wagen. Derek und Sarah wollten Cameron in den Kofferraum legen aber John dirigierte sie zum Rücksitz. Dann stieg er zu ihr ein, und legte ihren Kopf auf seinen Schenkel. Derek wollte Etwas sagen aber Sarah schüttelte nur den Kopf. Auf der Fahrt sah Sarah immer wieder nach hinten. John starrte aus dem Fenster, während er gedankenverloren über Camerons Kopf streichelte.
Zu Hause angekommen brachten sie Camerons Körper nach Oben in ihr Zimmer und legten sie auf das noch immer unbenutzte Bett.
John starrte ein paar Minuten auf den Körper hinunter, bevor er Derek am Arm ergriff. „Bring mich zu Jesses Wohnung und überall dahin, wo sie den Chip versteckt haben könnte."
Derek nickte nur. Sarah sah den Beiden nach, bis sie mit dem Wagen aus ihrem Blickfeld verschwunden waren. Dann ging sie in die Küche, nahm sich einen Whiskey und überdachte nocheinmal die ganze Situation. Schließlich beschloß sie, ihrem Sohn ein ganz besonderes Geschenk zu machen. Sie erhob sich, ging hinauf bis zu Camerons Zimmer, zögerte kurz und ging dann hinein.
Als John und Derek knapp drei Stunden später wiederkamen ging John ohne Umwege direkt hinauf zu Camerons Zimmer. Er war erstaunt, seine Mutter an der Tür vorzufinden. Sarah hatte eine Hand auf den Türknauf gelegt. Als John vor ihr stand öffnete sie die Türe. Johns Augen wurden groß, als er das Bett erblickte.
„Mom, du..." Sarah legte drei Finger auf den Mund ihres Sohnes, dann sah sie ihn zärtlich an, strich mit der Hand über seinen Kopf und schob ihn schließlich in das Zimmer. Dann schloss sie die Türe hinter John.
John blickte gebannt auf das Bett. Sarah hatte Cameron gewaschen und ihre Kleidung gewechselt. Dann hatte sie noch eine Vase mit Blumen neben das Bett gestellt. Es sah fast aus wie in einem Krankenzimmer. Cameron trug jetzt eines von Johns T-Shirts und sie war bis zum Bauch zugedeckt. John setzte sich zu Camerons Körper auf das Bett und weinte lautlos.
Als Sarah in die Küche kam, hatte sich Derek bereits das zweite Bier einverleibt. Als sich ihre Blicke trafen, schüttelte er nur den Kopf. „Was soll jetzt werden?" Fragte Derek.
„Wir müssen abwarten, er muss das erst verarbeiten." Derek nickte und Sarah genehmigte sich ihren zweiten Drink.
Kapitel 4
Es war dunkel um sie herum. Ihr HUD schien nicht zu funktionieren und sie konnte auch sonst keine Funktion ihres Körpers aufrufen. Ihr Körper schien nicht da zu sein allerdings wurde sie anderer Hardware gewahr. Primitive Hardware. Sie kannte das Gefü war das Selbe, wie in dem Moment, als John sie in den Port seines Laptops gesetzt hatte. Das war die Lösung, Jesse wollte ihre Daten abrufen, hatte allerdings keine Ahnung, dass sie genug Spannung auf ihren Chip gegeben hatte, um ihre höheren Funktionen zu tastete vorsichtig nach der Hardware und den dazugehörigen Treibern. Sie versuchte vorsichtig zu sein, damit Jesse ihr Erwachen nicht bemerkte. Sie tastete die Hardware ab. Die Treiberdateien sagten ihr, dass eine WebCam vorhanden war. Sie isolierte den Treiberteil, der für die Rückmeldung an das Betriebssystem verantwortlich war und dann aktivierte sie die Webcam.
Cameron hätte jetzt den Kopf geschüttelt, wenn sie einen gehabt hätte. Sie sah einen Raum, der eher wie eine art Labor aussah. Überall lagen Computerteile herum. Dann setzte sich ein älterer Mann vor die Webcam oder eher vor den Rechner, an den die Webcam angeschlossen war. Der Mann tippte offenbar etwas auf der Tastatur. Cameron griff gedanklich nach dem Tastaturtreiber und stellte fest, dass der Mann versuchte, Zugriff auf ihren Chip zu bekommen. Sie gewährte ihm einen rudimentären Zugriff, um zu verhindern, dass er versuchte Hardwaremäßig weiterzukommen. Plötzlich drehte der Mann sich herum und rief offensichtlich einem Anderen etwas zu. Dann erschien dieser Andere in Camerons Blickfeld. Er beugte sich über den Ersteren, sah konzentriert auf den Bildschirm, um nach ein paar Minuten in ein glückliches Lächeln auszubrechen. Er klopfte dem Ersteren erfreut auf die Schulter. Dieses Spiel ging einige Stunden so weiter. Cameron sortierte nichtssagende Erinnerungsbilder und Tonaufzeichnungen aus und gewährte dem Mann Zugriff darauf. Währenddessen übernahm sie die absolute Kontrolle über das Betriebssystem. Irgendwann im Laufe des Vormittages Stand der Mann auf und verließ seinen Platz. Cameron konnte im Hintergrund des Raumes einen Mann erkennen, der im Laufe des Vormittages lediglich an den Computern montiert hatte. Automatisch lies sie ihre Gesichtserkennungssoftware durchlaufen, was sich ohne ihr HUD als schwierig erwies, da sie die Protokolldateien mitlesen musste.
Dann stoppte das Programm. 'Match found' lautete die simple Aussage. Cameron las die Daten, die über den Mann ausgegeben wurden.
Daniel Stephen Goode,
Geboren 25 Juli 1985.
Geschwister: Andrew 'Andy' David Goode (verstorben)
An dieser Stelle hörte Cameron auf zu lesen. 'Andy Goode war ein guter Mann. Sein Bruder wird hoffentlich auch nicht so schlecht sein', dachte Cameron. Bevor sie jedoch einen Kontaktversuch unternehmen konnte, kehrten die beiden anderen Männer zurück.
Den Rest des Tages verbrachte Cameron damit, dem Mann vor dem Rechner winzige Datenhappen zuzuwerfen, die dieser fing, als wäre er ein Hund. Almählich machte es Cameron Spaß, wie der Mann jedes mal freudestrahlend seinen Kollegen rief, wenn er mal wieder eine Datei geöffnet hatte.
Nebenbei hatte sie ihre Hardware-Inspektion beendet. Der einzige Relevante Rechner an den sie noch angeschlossen war, war lediglich zur Datenspeicherung gedacht. Die restlichen Rechner in dem Netzwerk hatten keine Bewandtnis. Kein Wireless Lan, keine Internetverbindung, kein BlueTooth. Nichts mit dem sie zur Außenwelt Kontakt aufnehmen konnte. Ihre einzige Möglichkeit war zu versuchen Daniel Goode auf ihre Seite zu ziehen.
Als die Beiden Wissenschaftler endlich Feierabend zu machen gedachten, war Daniel Goode immer noch mitten bei der Arbeit. Der ältere der Beiden sagte etwas zu ihm worauf dieser nickte. Als die Männer aus Camerons Blickfeld verschwunden waren zeigte Goode ihnen den Mittelfinger. Wenn Cameron ihren Körper besessen hätte, hätte sie jetzt lauthals gelacht. Nur kurz dachte sie an das Schicksal ihres Körpers. Ihr Chip würde auch in jedem Tripple8 Körper funktionieren aber ihr eigener Körper wäre ihr lieber. Mit diesem identifizierte sie sich. Schnell schob sie den Gedanken bei Seite und konzentrierte sich auf die Kontaktaufnahme mit Daniel Goode.
Kapitel 5
„Goode, sie machen weiter, bis sie fertig sind. Morgen früh muss der Rechner funktionieren."
Daniel nickte nur. ‚Eingebildeter Affe', dachte er. Als sich die Türe hinter den Beiden Wissenschaftlern geschlossen hatte hob er die Hand und zeigte der Türe den Mittelfinger. Er warf einen Blick hinüber zu dem Rechner, an dem der eine gearbeitet hatte. Den ganzen Tag schon hatten sie sich verhalten wie die Kleinkinder. Alle paar Minuten rief Dr. Withers seinen Kollegen, um ihm wieder einmal einen Erfolg zu vermelden. Daniel hatte schließlich auch studiert, wurde aber hier nur wie ein Techniker behandelt. Er hatte die Beiden beobachtet und war sicher, mit der Arbeit schneller vorankommen zu können, worum es dabei auch immer ging.
Daniel hatte ja noch keine Ahnung, wie Recht er hatte.
Etwa 5 Minuten nachdem die Wissenschaftler gegangen waren hörte er von dem Rechner ein Piepen. ‚Hm, vielleicht eine Fehlermeldung', Dachte er und arbeitete weiter, damit er schnell nach Hause konnte. Dann drei weitere Pieptöne. Er blickte wieder nur kurz zu dem Rechner. Plötzlich brach dieser in hektische Pieptöne aus, Daniel sprang fast von seinem Stuhl. Nun war seine Neugierde doch geweckt. Als er sich dem wildgewordenen Rechner näherte, hörte dieser plötzlich auf zu piepen. „Was zum..." Daniel schüttelte den Kopf. Er wollte sich gerade abwenden, als ein einzelner Piepton ertönte. Er trat noch einen Schritt näher. Dann fiel seine Kinnlade nach unten. Auf dem Monitor erschienen Wörter.
Hallo Daniel Goode
Daniel fuhr zurück, dann drehte er sich im Kreis, um zu sehen ob sich da irgendjemand einen Scherz mit ihm erlaubte. „Wer ist das, was soll der Blödsinn?" Fragte Daniel laut aber wieder erschienen nur Worte auf dem Bildschirm.
Du mußt tippen, ich kann dich nicht hören
Wider besseren Wissens setzte sich Daniel nach einem letzten Rundumblick vor den Rechner. Bist Du ein Hacker?
Sei nicht albern, die Rechner hier haben keine Verbindung nach Draußen
Daniel kratzte sich am Kopf. Wer bist Du denn dann, wo versteckst Du Dich?
KI
Jetzt war Daniel verwirrt. Was meinst Du damit?
Ich bin eine KI
Du bist eine interaktionsfähige Künstliche intelligenz?
Ich sehe den Unglauben in Deinem Gesicht
Du treibst den Scherz jetzt zu weit, wie solltest Du mich sehen können?
Webcam
Das wird mir jetzt zu bunt. Wenn die Webcam aktiv wäre, wäre am Rechner ein Fenster mit dem Bild aufgegangen.
Ich habe den Treiber blockiert
Das ist Unsinn, ich muß zurück an meine Arbeit Daniel war jetzt wirklich ärgerlich. Er wollte sich gerade erheben.
BITTE! Bitte warte.
Daniel setzte sich wieder. Was ist denn noch. Du treibst den Spaß zu weit
Ich kannte Andy.
Daniel stutzte. Woher? Er hat mir nie etwas über eine KI erzählt. Immer nur über den blöden Türken.
Ich kannte ihn nicht persönlich aber eine ...Freundin von mir ist eine zeit lang mit ihm ausgegangen.
Wann?
Kurz vor seinem Tod. Sie war auch auf dem Schachturnier, bei dem der Türke verloren hat und nach Dem Andy...
Nach dem er erschossen wurde
Es tut mir Leid für deinen Verlust
Jetzt saß Daniel stocksteif mit aufgerissenen Augen vor dem Rechner. Willst Du etwa behaupten Du hättest Gefühle?
Limitiert. Bitte behalte das für Dich.
Was bist Du? Eine Software? Wo steckst Du
Ich bin nur funktionsfähig mit der passenden Hardware. Du müsstest mich sehen können. Länglich, schwarz, mit Kästchen auf der Oberfläche, das Ende verdickt, rund mit Rillen
Daniel sah sich um. Hinter dem Rechner stand ein Rolltisch. Darauf ein ventiliertes Plexiglasgehäuse mit einer Platine darin. In der Mitte der Platine stand ein Teil, das exakt der Beschreibung entsprach. Gefunden. Angenommen ich glaube Dir, was willst Du denn dann von mir?
Ich brauche Deine Hilfe
Weshalb das?
Ich gehöre hier nicht her. Ich bin entführt worden. Ich muß zurück
Zurück wohin?
Zu meinen Freunden
Noch mehr KIs?
Nein Menschen. Sie werden mich vermissen
Das glaube ich gerne Daniel zögerte kurz. Was muß ich tun?
Du mußt Jemanden für mich anrufen
Wen?
Meinen Freund John
Und dann?
Wird er kommen und mich retten
Daniel überlegte kurz. Das wird nicht einfach. Das Gebäude ist eine Festung. Man kommt höchstens bis in die Vorhalle
Könntest Du mich da hin bringen?
Schon aber was dann
Dann wird John mich retten. Rufst Du ihn an?
Daniel überlegte wieder nur kurz. Ok, ich machs. Das geht aber erst nach der Arbeit. Wenn ich das nicht heute fertig mache, schmeißen die mich morgen Früh raus
Kein Problem, solange Du nur anrufst. Du mußt aber beweisen, dass Du in meinem Namen sprichst
Wie soll das gehen?
Sag einfach Cameron möchte zum Zauberer von Oz
Und das genügt?
John wird es verstehen. Jetzt beende deine Arbeit, damit Du den Anruf machen kannst
Daniel wollte schon aufstehen, besann sich aber nocheinmal anders Wer ist Cameron?
Ich, ...das ist mein Name
Erfreut, dich kennenzulernen Cameron Jetzt lächelte Daniel
Gleichfalls
Kapitel 6
Daniel arbeitete so schnell er konnte. Es war bereits nach 20.00 Uhr als er endlich fertig war. Er ging nocheinmal zu Cameron, lies sich die Telefonnummer geben und versprach anzurufen sobald er das Gebäude verlassen haben würde.
Daniel ging durch den Metalldetektor am Ausgang. Er nickte den Wachleuten kurz zu und verlies dann das Gebäude. Er musste erst ein Stück weit vom Gebäude weg sein, bevor er außerhalb der Reichweite des Handy Störsenders war. Er fuhr ca. 100 Meter mit seinem Wagen, bevor er anhielt und sein Handy einschaltete.
Er wählte die Nummer, die Cameron ihm gegeben hatte. Am anderen Ende meldete sich Eine Frauenstimme
„Ja?"
'Nicht John', dachte Daniel „Ich möchte bitte mit John sprechen."
„John kann jetzt nicht, was wollen Sie?"
„Mein Name ist Daniel Goode..." Am anderen ende der Leitung war ein Klirren zu hören. Dann hustete die Frau sich die Seele aus dem Leib. 'Hat sich wohl verschluckt' dachte Daniel und grinste.
xxxxx
„Mein Name ist Daniel Goode.."
Sarah verschluckte sich heftigst als sie den Namen 'Goode' hörte. Sofort fiel ihr ein, dass Andy von einem Bruder namens Daniel gesprochen hatte. Sarah kriegte keine Luft. Ihr Gesicht lief rot an. Ihre Lunge schien nicht mehr arbeiten zu wollen. Dann plötzlich, bevor sie ersticken konnte bekam sie doch wieder ein wenig Luft. Mit jedem Atemzug wurde es besser. Der Anrufer wartete geduldig, bis der Anfall vorüber war.
„Ich habe eine Nachricht für John."
„Was für eine Nachricht?"
„Die Nachricht ist nur für John bestimmt und ich soll sie auf keinen Fall einer Frauenstimme durchgeben."
„Sie sind Andy Goodes Bruder, habe ich Recht?"
„Dann sind sie die Frau, die mit ihm ausgegangen ist, bevor er starb."
„W-woher wissen sie das?"
„Die KI hat mir davon erzählt."
„KI?", echote Sarah"
„Cameron." Entgegnete Daniel.
Hätte Sarah wieder etwas getrunken, hätte sie sich sicherlich wieder verschluckt. Stattdessen sagte sie: „Warten sie, ich bringe das Telefon zu John."
„Danke", entgegnete der Anrufer.
Schneller als sie jemals vorher die Treppe hochgerannt war stürmte Sarah nach oben, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Sie hielt sich gar nicht erst damit auf zu Johns Zimmer zu gehen sondern stürmte sogleich in Camerons Zimmer. Sarah wäre fast über ihre eigenen Füße gestolpert, als des Anblickes gewahr wurde, der sich ihr bot. John lag zusammengerollt am Fußende von Camerons Bett. Ein Arm unter der Bettdecke, der andere Arm auf der Bettdecke. John war wach, rührte sich aber nicht.
„John?" Keine Reaktion. Sarah rüttelte ihn am Arm. „John, hier ist Jemand mit einer Nachricht von Cameron."
John schnappte das Handy aus ihrer Hand. „Wer ist da?" Fragte er mit wütendem Unterton.
„Mein Name ist Daniel Goode."
Bei dem Namen Goode sah John jetzt seine Mutter an.
Sarah nickte einfach nur.
„Ich habe Kontakt zu einer KI namens Cameron."
„Wie?" Fragte John schnell.
„Über einen Computer. Die KI ist bei uns im Labor an einen Rechner angeschlossen. Sie kommuniziert nur mit mir und auch nur über Monitor und Tastatur."
„Warum nicht verbal?" Fragte John dazwischen"
„Er kann reden?" Fragte Daniel erstaunt.
„Sie," entgegnete John
„Wie 'sie'?" Fragte Daniel zurück.
„Sie. Cameron ist ein Mädchen. Nun ja, sie ist definitiv weiblich. Woher soll ich wissen, dass Sie mir die Wahrheit sagen?"
Ein leises Lachen ertönte. „Cameron teilte mir mit, dass ich eine Art Passwort benötigen würde. Er...Sie teilte mir mit, wir haben übrigens an den Rechnern keine Anschlussmöglichkeit für Micro und Lautsprecher. Ach so, ich soll sagen: Cameron möchte zum Zauberer von Oz."
„Das genügt. Ich muss Cameron unbedingt zurück haben."
„Ich helfe ihnen." Entgegnete Daniel.
„Zu welchem Preis?" John wusste, dass man in dieser Welt nichts geschenkt bekam.
„Ich möchte kein Geld. Ich würde nur gerne weiter mit Cameron sprechen dürfen."
„Das kann sie nur selbst entscheiden" Erstaunt sah John seine Mutter an. „Treffen wir uns. Vor dem Chinese Theatre in einer Stunde."
„Ich werde da sein. Wie erkenne ich Sie?" Fragte Daniel.
„Wie erkennen wir Sie?" Fragte John zurück.
„Nun, ich bin mitte zwanzig und trage ein blau-weiß diagonal gestreiftes T-Shirt."
„Gut dann in einer Stunde." John drückte die 'Ende' Taste des Handys.
Kapitel 7
Derek hockte auf dem Dach. Er beobachtete die Vorgänge auf der Straße unter ihm. Er suchte nach verdächtigen Personen. 20 Minuten nach Sarahs Anruf war er vor Ort, um die Lage zu sondieren. Angeblich hatte Jemand eine Nachricht von Cameron. Sollte Jesse den Chip etwa verkauft haben. Derek schüttelte über diesen Gedanken den Kopf. Als er sie das letzte Mal sah, schien sie total durchgeknallt zu sein. Vielleicht wollte sie sich mit dem Geld eine Zukunft aufbauen. ‚Welche Ironie' dachte er In drei Jahren würde Geld ohnehin keine Rolle mehr spielen.
Es war viel Betrieb da Unten aber Derek traute sich schon zu, Cops oder Metall trotzdem erkennen zu können. Auch die umliegenden Dächer waren frei. Derek nahm sein Handy und wählte Sarahs Nummer. Als sich Sarah meldete, tippte er den Ident Code ein und wartete kurz, bis auch Sarah sich identifiziert hatte.
„Alles klar, keine Cops und keine Maschinen in Sicht. Trotzdem gebe ich Euch Feuerschutz. Das Zielobjekt ist seit 10 Minuten vor Ort. Wir sehen uns dann am Treffpunkt."
„Verstanden, bis dann", entgegnete Sarah und trennte die Verbindung.
xxxxx
„John, es geht los." Sarah sah nach hinten. John platzte bald vor Ungeduld. Seit des Anrufes von Daniel Goode war er wie ausgewechselt. Sarah fuhr los, sie würden in dem Verkehr etwa drei Minuten für den Weg brauchen. Damit wären sie lediglich eine Minute zu spät. „John?" John drehte den Kopf und sah seine Mutter im Spiegel an. "John, das ändert gar nichts. Sie ist eine Maschine, sie fühlt nichts, sie kann nicht lieben." John sah sie einige Sekunden wortlos an.
„Ich weiß das Mom." Dann drehte er den Kopf wieder und sah an der Unterlippe nagend aus dem Fenster.
Als sie ankamen sahen John und Sarah Daniel Goode am Straßenrand stehen. ‚Gott hat der einen furchtbaren Klamottengeschmack' Dachte Sarah nur. Sie hielt den Wagen keine zwei Meter entfernt von Daniel an. John stieß die Türe auf und sprang hinaus. „Daniel Goode?" Fragte er nur.
Daniel nickte „John?"
John nickte ebenfalls und zeigte in Richtung Autotür. Daniel beeilte sich einzusteigen und nach einem kurzen Rundumblick folgte ihm John.
Auf der Fahrt sah Daniel John von der Seite her an. ‚Sehr Jung,' dachte er. „Hast Du Cameron entwickelt?"
„Gefunden."
Daniel zog die Brauen hoch. „Du hast sie gefunden?"
Jetzt lächelte John. „Nein, sie hat uns gefunden." John sah Daniel jetzt an. Auf dessen Fragenden Gesichtsausdruck hin sagte er nur: „Lange Geschichte." „Wie hast DU sie denn gefunden?"
„Tja," Daniel kratzte sich am Kopf, „das war so:" Dann erzählte er John vom seinem Tag.
„... was soll ich sagen. Ich war so fasziniert, dass ich beschloss ihr zu helfen. Ich denke die Gelegenheit, mit einer echten KI zu reden bekomme ich so schnell nicht wieder. Wie sieht eigentlich der Rest von Camerons Hardware aus. Ist sie stationär oder gar mobil? Welche Fähigkeiten hat sie?" John dachte kurz über die Frage nach. Wie viel konnte er gefahrlos preisgeben. Daniel Goode verdiente zumindest einen Teil der Wahrheit. „Sie ist mobil und kann jede Aufgabe bewältigen, die man ihr stellt. Nur am sozialen Umgang hapert es meistens ein wenig.
Daniels Gesicht war ein einziges Fragezeichen. ‚Sozialer Umgang, verscheißert der mich etwa?' Dachte er.
Kapitel 8
Sie mussten nicht lange am Treffpunkt warten, bis Derek eintraf. Dieser musterte Daniel eingehend und warf dann einen fragenden Blick auf Sarah. Diese wiederum sah zu John. Der bemerkte den Blick und trat sogleich auf Daniel zu, der sofort aufmerksam wurde. „Nun Daniel, wie soll es jetzt weitergehen?" Fragte John. „Wie bekomme ich Cameron zurück?"
Daniel blickte versonnen vor sich auf den Boden. „Ich habe darüber nachgedacht. Wir haben keine Möglichkeit, den Chip rauszuschmuggeln. Das ganze Personal wird am Eingang durchsucht. Außerdem gibt es Metalldetektoren. Nach der Arbeit sind die Kontrollen noch aufmerksamer und die Wachleute konzentrieren sich auf Die Leute, die nach Hause wollen." Jetzt blickte er auf John. „Die einzige Möglichkeit wäre die Mittagspause. Ich käme mit dem Transportbehälter zumindest bis in die Nähe des Ausganges. Dann ein kleines Ablenkungsmanöver und ich bin mit dem Behälter Draußen."
„Wir könnten eines der Autos auf dem Parkplatz in die Luft jagen", schlug Derek vor.
Derek sah entsetzt von einem zum Anderen. „Ich mache nicht mit, wenn Jemand zu Schaden kommt" Entschlossenheit lag in seiner Stimme.
Sarah legte eine Hand auf seine Schulter. „Daniel, wir werden aufpassen, dass niemand in der Nähe ist, wenn der Sprengsatz hochgeht."
Daniel blickte Sarah aufmerksam ins Gesicht. Er schien ihre Absichten an ihrem Gesichtsausdruck ablesen zu wollen. „Gut, aber nur weil es um diese unglaubliche KI geht. Morgen Mittag etwa 12 Uhr 5 Uhr werde ich mit dem Chip in der Nähe des Ausganges sein. Ihr müsst nur die Wachen ablenken, dann treffen wir uns auf dem Parkplatz und verschwinden von dort."
Jetzt sahen ihn die Anderen mit entgeistertem Ausdruck an. John hatte sich als erster wieder gefasst. „Wieso 'wir', ich dachte Du übergibst uns den Chip und das war es dann." „Na, Du bist vielleicht lustig. Die sind mir doch sofort auf der Spur, wenn der Chip verschwindet."
John sah seine Mutter fragend an. Sarah nickte nur. John nickte daraufhin auch und entgegnete: „Also gut, wir besorgen Dir eine neue Identität und werden dir auch zu einem guten Start in ein neues Leben verhelfen.
Sie besprachen nocheinmal den Plan, dann brachte Sarah Daniel zurück zu seinem Wagen.
Kapitel 9
Daniel war ziemlich nervös. Er war extra sehr früh gekommen, um Cameron mitteilen zu können, was passieren sollte. Er setzte sich vor den Rechner. Noch bevor er die Tastatur berührte, wurde er begrüßt.
Guten Morgen Daniel Goode
Daniel lächelte. Guten morgen "Miss" Cameron
Cameron würde ebenfalls lächeln, wenn sie könnte. Ich habe es nicht erwähnt, weil Du mich ausgelacht hättest
Da hast Du vielleicht sogar Recht. Nun lass mich Dir kurz erläutern, was wir für Heute geplant haben.
Darauf habe ich eine Ewigkeit gewartet
wieso eine Ewigkeit?
Ohne mein HUD... Na jedenfalls vergeht die Zeit ohne Aufgabe zu langsam. Ich langweile mich und ich mache mir Sorgen um John,
Du hast ein HUD? Was bist DU?
Daniel, wir haben später noch Zeit dafür. Ich verspreche Dir, alle Fragen zu beantworten nur muss ich ersteinmal hier raus
Na gut, Heute in der Mittagspause bringe ich Dich hier raus. Wir haben nicht viel Zeit. John und Deine Freunde werden die Wachen am Eingang ablenken und ich werde dich rausbringen.
Gut aber denk daran, es ist gefährlich
Wenn Du meine Fragen beantwortest ist es das wert. Daniel blickt auf seine Uhr und schreckt aus dem Stuhl hoch. Sie kommen gleich. Alles weitere später
Danke Daniel Goode
Daniel nickte noch kurz, dann war der Bildschirm plötzlich wieder leer. Daniel hatte sich gerade hingesetzt, als sich die Türe öffnete und die arroganten Kollegen hereinkamen.
Dr. Withers kam zu Daniel. „Wie sieht es aus Goode, alles fertig?"
„Jawohl Dr. Withers. Das System ist bereit für die Softwareinstallation."
„Gut Goode. Nach der Mittagspause werden wir einen speziellen Computerchip an den neuen Rechner anschließen und alle Daten davon herunterladen. Dazu müssen sie das Modifizierte Betriebssystem installieren."
„Jawohl Dr. Withers" 'Eingebildeter Affe, wirst Dich noch wundern,' fügte Daniel noch in Gedanken hinzu. Er holte sich die DVD mit dem modifizierten Betriebssystem aus dem Schrank und begann mit der Installation. Diese Prozedur würde sicherlich den ganzen Vormittag dauern.
xxxxx
Um 12.00 Uhr gingen die älteren Kollegen endlich zur Mittagspause. Als sich die Tür geschlossen hatte, schloss Daniel die Augen und zählte langsam bis zehn. Dann sprang er auf und hastete zum Rechner. Cameron?
Ich bin noch hier Daniel. Geht es los?
Ja, muss ich etwas beachten?
Eigentlich nicht. Gib mir 20 Sekunden, dann kannst Du mich aus dem Port ziehen. Und, Daniel?
Ja?
Pass auf Dich auf!
Daniel nickte in Richtung der Webcam und begann langsam zu zählen. Der Bildschirm wurde schwarz. Daniel öffnete den Deckel des Gehäuses. Als er bei 20 angekommen war, griff er nach dem Chip und zog ihn vorsichtig heraus. Er legte ihn in die Antistatikbox, sah sich noch einmal im Raum um und ging dann zur Tür. Er war noch keine 5 Meter weit gekommen, als ihm Dr. Withers entgegenkam. Gedankenverloren bemerkte er Daniel nicht einmal. Als er die Türe des Labors erreichte, beschleunigte Daniel seine Schritte. 'NUR NICHT RENNEN!' Dachte Daniel. So kurz vor dem Ziel durften seine Nerven nicht versagen.
Dr. Withers betrat nachdenklich das Labor, und holte seinen Notizblock. Er wollte in der Pause nocheinmal seine Notizen durchgehen. Als er gerade wieder gehen wollte fiel sein Blick auf den Rechner, an den der neue Chip angeschlossen war. Etwas lies ihn stutzen. Hinter dem Monitor sah er den Deckel der Box offenstehen. Er rannte förmlich dahin. 'Der chip ist weg' Dachte er. Er dachte auch kurz an die halbe Million Dollar, die er dieser Frau für den Chip bezahlt hatte. Dann rannte er zur Tür und schlug auf den rotmarkierten Alarmknopf.
Daniel hatte gerade die Halle erreicht und bewegte sich auf den Ausgang zu als fast gleichzeitig zwei Dinge geschahen. Der Alarm ging los und auf dem Parkplatz erfolgte eine gewaltige Detonation. Alle Leute hatten sich geduckt. Nach abflauen der Druckwelle rannten zwei der drei Wachen hinaus, um nachzusehen, was passiert war. Daniel nutzte die Gelegenheit, und schlüpfte an den Metalldetektoren vorbei und verlies das Gebäude. Sofort wandte er sich nach rechts und lief an der Front des Gebäudes entlang. In diesem Moment verlies ihn sein Glück.
Kapitel 10
Er war Wachmann. Nein, er war DER Wachmann. Bei den Cops hatten sie ihn nicht genommen, deshalb überkompensierte er das durch besondere Strenge. Niemals sah man ihn lachen oder mit den Leuten plaudern. Selbst seine Kollegen redeten nicht viel mit ihm, sie hielten ihn für einen Arschkriecher, weil er sich immer genau an die Vorschriften hielt. Auch dieses mal rannte er nicht einfach hinaus. Das hätte bedeutet, dass er seinen Posten verlassen hätte. Stattdessen beobachtete er vom Fenster aus, was seine Kollegen draußen trieben. Dann nahm er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Als er hinsah, entdeckte er Jemanden, der mit einem verdächtigen Gegenstand das Gebäude verlies. Schnell folgte er der Person und zog noch im Laufen die Waffe.
„HALT! STEHENBLEIBEN ODER ICH SCHIESSE!" Der Mann blieb aber nicht stehen. Er war jetzt befugt, einen Schuss auf die Beine der Person abzugeben. In dem Moment, als er abdrückte sah die fliehende Person nach hinten und stolperte.
Daniel fiel und so traf die Kugel nicht seine Beine sondern seitlich in seinen Rücken. Daniel fühlte einen stechenden Schmerz im Rücken. Er schlug hart mit dem Gesicht auf dem Boden auf, was er aber nichteinmal bemerkte. Er konnte kaum noch atmen, so sehr wütete der Schmerz. 'So ist es also, wenn man stirbt' Dachte er nur. Dann fühlte er, das er aufgehoben wurde. Jemand nahm ihm den Behälter aus der Hand. 'NEIN!' wollte er schreien aber es kam nur ein Krächzen aus seinem Mund. Er wollte nach dem Behälter greifen aber er konnte die Arme nicht mehr heben. Als man ihn dann in einen Wagen legte wurde er bewusstlos. Während der Fahrt erwachte er mehrmals, verlor aber durch die Schmerzen schnell wieder das Bewusstsein. Als er dann wieder erwachte, sah er einen Mann über sich, der die Uniform eines Sanitäters trug.
Sarah hatte von Unterwegs Charley Dixon angerufen. So kam es, dass wieder einmal ein blutender Mann auf Sarahs Küchentisch lag. John war in Camerons Zimmer gegangen, um sie zu reaktivieren. Charley Dixon untersuchte Daniel, schüttelte immer wieder den Kopf und stoppte die Blutungen, soweit er es vermochte. Dann verabreichte er Daniel Morphium gegen die Schmerzen.
Schließlich griff er Sarah am Arm und zog sie in den Nebenraum. „Tut mir leid Sarah, ich kann nicht viel tun. Die Kugel hat wohl den Magen durchschlagen. Die Sepsis hat bereits begonnen und seine Temperatur steigt. Selbst im Krankenhaus wäre es fraglich, ob er gerettet werden könnte."
„Wie lange?" Fragte Sarah mit Trauer im Gesicht.
„Höchstens eine Stunde, wahrscheinlich weniger." In diesem Moment wurden Charley und Sarah auf John und Cameron aufmerksam, die am Fuße der Treppe standen.
„Zeit ein Versprechen einzuhalten." Sagte John zu Cameron, die nur nickte. John ging hinüber zu Daniel. Dieser war wach aber sehr schwach. John schob ein Kissen unter Daniels Kopf und bedeutete Derek den Raum zu verlassen. Wortlos fügte sich dieser, nicht aber ohne Cameron einen bösen Blick zuzuwerfen.
„Daniel?" Daniel fokussierte seinen Blick auf John. „Ich möchte Dir jemanden vorstellen. Cameron?" Er winkte sie heran. Cameron trat in Daniels Blickfeld.
„Das...ist...ein Scherz." Brachte Daniel mühsam hervor. Als Antwort schob Cameron John zur Seite, beugte sich über Daniel und lies ihre Augen ein paar Mal blau aufleuchten. John verlies den Raum.
„Du..bist..wirklich...Cameron?"
„Die bin ich." Cameron brachte sogar ein Lächeln zustande.
„Das ..ist.." Daniel suchte nach dem richtigen Wort „...Wahnsinn"
„Bist ...Du ein Roboter, ein …..Androide?"
„Ich bin ein Cybernetischer Organismus. Lebendes Gewebe über einem Metall Endoskelett."
„Lebendes...Gewebe?"
Als Antwort legte Cameron eine Hand an seine Wange
„Das.. ist... wirklich... Wahnsinn. ...Da... lerne …...ich ..die ….tollste ...Frau ...auf ..der... ..Welt.. kennen ..und dann sterbe ich, ….welche ….Ironie."
„Du darfst nicht soviel reden, das strengt Dich zu sehr an."
„Ich...bin...müde...muss...schlafen." Übergangslos schlossen sich Daniels flatternde Lieder. Er war eingeschlafen.
Cameron stand eine Viertelstunde neben Daniel, eine Hand an seiner Wange, die Andere hielt Daniels Hand gegen ihren Körper gepresst. Dann stellten Camerons Sensoren fest, das Daniel aufgehört hatte zu atmen. Kurze Zeit später hörte auch sein Herz auf zu schlagen.
Und Cameron weinte.
Nicht nur weil ein Mensch für eine Maschine gestorben war.
Nicht nur weil sie einen Freund verloren hatte.
Sondern insbesondere weil es ihre Schuld war und das brannte tief in ihrer Seele.
(Ende)
