A/N 2014

April 2011. Rund 3600 Wörter. Eine meiner Season 3 Versionen


Free Will

Prolog

Cameron blickte durch die Windschutzscheibe ihres Pick Up. Sie sah die ersten Häuser von Los Angeles, eine Stadt, die sie zwei Jahre zuvor annähernd fluchtartig verlassen hatte.

An diesem Tag genau vor zwei Jahren hatten sie es geschafft.

Skynet der Nemesis der Menschheit war aufgehalten worden. Alle Maschinen abgesehen von Cameron hatten aufgehört zu funktionieren.

Aus ihr damals selbst unerfindlichen Gründen hatte Cameron die Flucht ergriffen. War geflohen vor dem letzten Schritt, der noch zu tun war...

Ihre Terminierung!

Kapitel 1

Ihn zu finden war nicht schwer, seit sich Sarah und John nicht mehr verstecken mussten.

Cameron dachte zurück an die vergangenen zwei Jahre, dachte zurück an das was nun im Angesicht des letzten Schrittes keine Bedeutung mehr besaß.

Sie erreichte das Haus auf der Anhöhe. Sie hielt den Wagen an, stieg aber noch nicht aus.

Cameron überdachte, was sie wusste.

John ging zur Universität und studierte Elektrotechnik, Informatik und als Nebenfach Kybernetik.

Cameron fühlte so etwas wie Stolz.

Sarah Connor hingegen war Sicherheitschefin bei einem großen Pharmakonzern. Sie wollte anscheinend mit Technik nichts mehr zu tun haben.

Endlich stieg Cameron aus dem Wagen aus und ging auf das Haus zu. Mit ihrem überlegenen Gehör konnte sie Stimmen wahrnehmen. Sie hörte die Stimmen von John Connor, einer ihr fremden Frau und das Gelächter eines kleinen Kindes.

„Ich geh schon!" Hörte sie die Frau rufen, nachdem Cameron an der Tür geklingelt hatte.

„Ja?" Fragte eine hübsche junge Frau, nachdem diese die Tür geöffnet und Cameron erblickt hatte.

„Ich möchte zu John", sagte Cameron abweisend, nachdem sie beim Anblick der blonden Frau unbewusst in den -Riley Dawson- Modus geschaltet hatte.

Die junge Frau war sichtlich irritiert.

„John Süßer!" Rief sie in Richtung des Wohnraumes. „Hier ist ein Mädchen, das zu Dir möchte!"

Zwei Sekunden herrschte Stille, dann näherten sich Schritte. „Sicher eine Kommilitonin...", sagte John, verstummte dann aber, als er die Tür erreichte.

„Cameron?" Fragte er erstaunt.

Cameron blickte in sein um zwei Jahre gealtertes Gesicht, dann hinab auf das zappelnde, etwa zwei Jahre alte Kind auf seinen Armen.

John folgte Camerons Blick. Sprachlos sah er dann wieder zu Cameron.

„John?... John!" Rief die blonde Frau ihn mehrmals an, bis er zögerlich seinen Blick von Cameron löste und sie ansah.

„Huh?" War Alles, was er hervorbrachte.

„Willst Du sie nicht herein bitten?" Fragte die Frau mit erhobenen Augenbrauen.

„Was?...Ja...natürlich...komm doch rein...Cameron", sagte John zögerlich.

Camerons Blick wanderte zwischen der Frau und John mit dem Baby hin und her. „Ich warte lieber Draußen", sagte sie schließlich, drehte sich herum und ging steif vom Haus weg.

John blickte die Junge Frau verwirrt an.

„Gib mir die Kleine und kümmere dich um deine Freundin", sagte die Frau, die erkannte dass diese Cameron eine große Verwirrung in John ausgelöst hatte.

John reichte ihr das Mädchen und sah dann wieder zu Cameron. Wie hypnotisiert ging er hinaus.

Cameron stand auf der Wiese unweit des Hauses und starrte in den Sonnenuntergang. Ein letztes Mal.

John blieb einen Meter hinter ihr stehen. „Zwei Jahre", war Alles was er sagte.

„Siehst Du diesen Sonnenuntergang?" Fragte Cameron statt einer Antwort.

John trat neben sie und sah nun ebenfalls in die untergehende Sonne.

„Ich habe in den vergangenen Monaten jeden Ort aufgesucht, den ich erreichen konnte. Jeden Ort, den die Menschen für etwas Besonderes halten", sagte sie ohne ihn anzusehen.

„Warum?" Fragte er hilflos.

Nur eine Sekunde sah sie ihn an. „Ich wollte wissen, ob irgendwo da draußen ein Leben für mich ist. Ich wollte wissen ob es irgendetwas gibt, dass eine Bedeutung für mich besitzt. Ich war beim Karneval in Rio, In New York, Grand Canyon, dem Alamo, Niagara-Fälle und an jedem anderen Ort, den die Menschen als schön bezeichnen".

„Und?"

Sie senkte den Blick. „Nichts, da ist Nichts was eine Bedeutung für mich besitzt".

Dann sah sie ihn voll an. „Erst jetzt, wo ich wieder bei Dir bin finde ich diesen letzten Sonnenuntergang..." Sie verstummte und blickte zurück in die Sonne.

„Warum bist du hier?" Fragte er mit erwachtem Misstrauen.

„Damit Du mich terminieren kannst, John", entgegnete sie ungerührt.

Kapitel 2

„Was?" Fragte er entsetzt.

„Du musst...".

„NIEMALS!" Er atmete heftig ein paar Mal tief durch. „Wenn Du deshalb hergekommen bist musst Du schon auf Mom warten, sie... wird gegen zehn zu Hause sein", fügte er ruhiger hinzu, fuhr dann auf dem Absatz herum und ging zum Haus.

Cameron sah ihm verwirrt nach. Sie sah auch, wie die Frau mit dem Kind auf dem Arm aus dem Haus kam. Sie sah mit schräg gelegtem Kopf zu, wie sich John und die Blonde mit einer Umarmung voneinander verabschiedeten. Dann kam das Kind an der Reihe.

Er warf die Kleine in die Luft, fing sie geschickt auf, setzte sie dann auf seine Schultern und lief hopsend mit ihr bis zum Wagen der Frau.

Die Frau dankte ihm während sie das Kind im Kindersitz befestigte. Dann sah sie hinüber zu Cameron, winkte kurz und stieg ein.

Cameron und John sahen dem wegfahrenden Wagen hinterher, dann trafen sich kurz ihre Blicke.

John drehte sich schließlich nach zwei Sekunden herum und ging endgültig ins Haus. Mit einem Knall schloss er die Türe.

73 Minuten später fuhr ein weiterer Wagen vor. Cameron stand noch immer am gleichen Platz und sah, wie Sarah in einem Hosenanzug aus dem Wagen stieg.

Sarah hatte den fremden Wagen sofort gesehen, bemerkte die Person auf der Wiese aber erst beim Aussteigen.

Ihre Blicke trafen sich.

Cameron dachte, Sarah Connor würde zu ihr kommen, sie mit einer Waffe bedrohen, anschreien aber nichts dergleichen. Sarah hielt ihrem Blick stand. Schüttelte dann den Kopf und ging mit einem Beutel an der Hand ins Haus.

Drei Minuten später öffnete sich die Tür erneut. Cameron sah Sarah in der Tür stehen. Diese blickte nur zu ihr herüber, ging dann, lies aber die Tür offen.

Cameron kalkulierte die Möglichkeiten, folgte dann der wortlosen Einladung und ging zum Haus.

Als Cameron nach einem kurzen Rundblick das Esszimmer betrat sahen ihr John und Sarah entgegen. Sarah blickte demonstrativ auf einen dritten Teller am anderen Ende des langen Tisches.

So setzte sich Cameron Sarah gegenüber hin, war dabei aber so weit wie möglich von dieser und John entfernt.

Sarah erhob sich und ging mit Zweien der Schachteln zu Cameron. Mit einem Löffel entnahm sie den Schachteln etwas Curry-Reis und Sushi. Außerdem schüttelte sie dem Cyborg noch ein Glas Cola ein.

Wortlos ging Sarah zu ihrem Platz zurück, setzte sich und dann begannen John und seine Mutter zu essen.

Cameron wusste nicht, was sie von Alldem zu halten hatte, begann aber ebenfalls zu essen, wenn auch langsamer als die Connors.

Nach einigen Minuten legte Cameron die Essstäbchen zur Seite. Sie blickte auf, zuerst zu John, der sie nicht ein Mal angesehen hatte, dann zu Sarah, die sie ständig mit gesenktem Kopf beobachtet hatte.

„Ich kann mich nicht selbst terminieren", eröffnete Cameron die Unterhaltung und sprach damit die ersten Worte, seit sie das Haus betreten hatte.

Sarah sah, wie Johns Bewegungen einfroren. Dann ohne Jemanden anzusehen sprang er auf, warf gleichzeitig seine Essstäbchen auf den Tisch und verlies wortlos den Raum.

Sarah sah ihrem Sohn hinterher. Sie wusste nur zu gut, wie er fühlte und sie war entschlossen, das Notwendige zu unternehmen.

Kapitel 3

Sarah stützte die Ellbogen auf den Tisch, verschränkte die Hände und wartete.

Cameron sah auf Johns Platz. „Ich bin hier, damit ihr es zu Ende bringen könnt. Ich muss zerstört werden, damit die Technik nicht zurück entwickelt werden kann".

Sarah senkte den Kopf, dann stand sie in einer geschmeidigen Bewegung auf. Sie starrte in Camerons Augen, während sie langsam den Tisch entlang ging. Als sie Cameron erreichte kam der Schlag Ansatzlos und hart. Eine Rückhand traf Camerons Gesicht und lies ihren Kopf zur Seite rucken.

Verwirrt mit großen Augen sah Cameron zu Sarah auf.

„Du wagst es hier her zu kommen und Das zu verlangen?" Fragte Sarah knurrend.

Cameron verstand nicht was vor sich ging. „Es ist notwendig...".

„...meinem Sohn erneut das Herz zu brechen?" vollendete Sarah wütend auf ihre Art Camerons Fragesatz.

Sekundenlang war Cameron sprachlos. „Ich verstehe nicht", sagte sie verwirrt.

Sarah hielt dem Blick des Cyborgs stand. „Das kann ich mir denken", sagte sie weiterhin aggressiv. „Zwei mal hast Du ihm das Herz gebrochen, Das erste Mal, als du deinen Chip John Henry gegeben hast, war John selbst in der Lage Dich zurück zu holen, das hat es wieder gut gemacht.

Cameron sagte kein Wort, was hätte sie dazu auch sagen sollen.

„Aber als du vor zwei Jahren einfach verschwunden bist war er am Ende", führe Sarah weiter aus. „Von einem Moment auf den Anderen hatte er nichts mehr. Sechzehn Jahre lang habe ich ihn dazu erzogen einmal der Retter der Menschheit zu werden und dann... Die Behörden haben uns nur Straferlass zugebilligt unter der Voraussetzung, dass wir uns aus der ganzen Sache ab sofort heraushalten. Keine Suche mehr nach möglichen Skynets oder Maschinen. Die ganze Sache wurde unter den Tisch gekehrt".

Sarah zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. Ihre Wut verebbte langsam.

„Du hast nie die Blicke bemerkt, mit denen Er dich bedachte. Er schöpfte seine Kraft aus deinem Anblick. Wenn er einmal nicht mehr weiter gewusst hatte oder des Kampfes müde war brauchte er Dich nur anzublicken und man konnte sehen, wie ihn neue Kraft durchströmte. Und dann? Dann bist Du verschwunden und plötzlich hatte er nichts mehr. Seine Bestimmung war weg und seine Kraftquelle auch".

Sarah wischte sich über das Gesicht und sah zu Boden. Als sie schließlich wieder aufblickte konnte Cameron Tränen in den Augen der sonst so starken Frau sehen.

„Mehr als einmal hat er sich abends in sein Zimmer eingeschlossen. Ich konnte ihn weinen hören. Er hat sich förmlich in den Schlaf geweint und die einzige Person die ihm hätte helfen können hat es vorgezogen abzuhauen.

„Wie hätte ich ihm helfen können. Trost hat er immer nur bei Dir gesucht", fragte Cameron verwirrt.

Sarah ging ein paar Schritte hin und her. „Damals, nachdem Derek, Charlie und...Riley getötet worden waren. Der Moment als er in meinem Schoß weinte..., erinnerst Du Dich?"

„Ich erinnere mich".

„Er hatte diesen Trost, den ich ihm spendete bei Dir gesucht."

Cameron legte den Kopf schräg. Sie war verwirrt. „Ich verstehe nicht".

Sarah schüttelte langsam den Kopf. „Er hatte sich Dir zugewandt, wollte dass Du ihn in die Arme nimmst. Als Du es nicht getan hast war das der eigentliche Auslöser für seinen Zusammenbruch".

Cameron Sah kurz zur Seite, dann fragend auf Sarah.

Erneut schüttelte Sarah den Kopf. Sie wusste die Maschine hatte nicht verstanden. „Das nächste Mal... musst Du ihn trösten. Er ist zu alt um seiner Mutter noch in den Schoß zu weinen".

Cameron dachte nach, was Sarah gesagt hatte löste merkwürdige …...Dinge in ihr aus aber Das war irrelevant.

„Es tut mir Leid. Bevor ihr mich zerstört, wollte ich wissen ob es etwas gibt, was meine Existenz …... lebenswert macht", sagte Cameron entschuldigend.

Sarah sah ihr verwirrt ob des plötzlichen Themenwechsels in die Augen. „Und? Etwas gefunden?" Fragte sie schließlich nach ein paar Sekunden.

Camerons Blick irrte ins Leere. Sie lies nocheinmal verschiedene Erinnerungen ablaufen aber es war wieder keine dabei, die eine Bedeutung für sie hatte. Keine bis auf ihre Erinnerungen an John. Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Nur John zählt für mich. Er ist Alles für mich. Der Grund meiner Existenz. Er ist mein …...Leben".

Sarah seufzte. „Ich glaube nicht, dass ich das jetzt sage aber wenn er Dein ….Leben ist..." Sie hockte sich vor Cameron und legte dieser die Hände an die Schultern. „...Dann sei Du sein Leben".

Cameron schüttelte langsam den Kopf. „Ich verstehe nicht".

Erneut seufzte Sarah. „Sei wieder seine Kraftquelle, sein Freund.

Cameron legte den Kopf schräg. „Aber die Technologie...".

„Scheiß auf die Technologie!" Fuhr Sarah dazwischen. „John ist wichtiger als Das. Außerdem sind John-Henry und Weaver auch immer noch irgendwo da Draußen".

Cameron starrte die Frau vor ihr mit großen Augen an. Sie kalkulierte verschiedenen Szenarien durch. Es gab immer noch die Möglichkeit, dass ein Skynet entwickelt werden würde. Im Gegensatz zu Onkel Bob wusste sie, dass nichts feststand.

Sarah beobachtete die Maschine vor ihr, die einige Sekunden lang leblos zu sein schien.

Dann sah Cameron abrupt auf.

„Wenn ich das tue besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich seine romantischen Gefühle für mich verstärken", entgegnete sie. „Wirst Du damit klarkommen Sarah Connor?"

Sarah starrte auf Cameron hinab. Das was die Jahre seit Camerons erscheinen ihre größte Angst gewesen war traf sie mit der Wucht eines Hammers.

Sie senkte den Blick. „Ich weiß aber auch das ist egal. Bring ihn mir nur wieder".

Cameron verstand nicht, was Sarah ihr eigentlich sagen wollte aber zumindest begriff sie, dass Sarah John verloren glaubte. Sarah schien Angst vor einer Selbstterminierung ihres Sohnes zu haben und dass musste Cameron unter allen Umständen verhindern.

Trotz Allem war das schließlich ihre Mission.

„Als ich am Nachmittag hier eintraf war eine blonde Frau mit ihrem Kind hier". Sagte Cameron nach einer Weile.

Sarah nickte. „Das war das einzige Mal dass er mit Jemandem warm wurde".

Sarah setzte sich und sah Cameron an.

„Es war vor etwa einem Jahr, als im Fernsehen ein Aufruf kam. Die Blonde Frau...Jenny hatte einen Aufruf gestartet um einen Knochenmarkspender für ihre Tochter Maddie zu finden". Sarah wies auf Cameron. „Du weißt, wie selten seine Blutgruppe ist. Er hat sich noch am nächsten Tag Typisieren lassen und..."

Cameron beobachtete wie Sarah die Tränen kamen.

„Das war das einzige Mal, dass sich mein Sohn als Held beweisen konnte. Er war so stolz darauf", sagte Sarah krächzend, sprang auf, wandte sich ab und wischte sich mit der Hand die Tränen aus dem Gesicht.

Cameron sah eine Sekunde auf den Boden und erhob sich dann. Sie trat hinter Sarah und legte dieser die Hand auf die Schulter.

„Wenn es Etwas gibt, was ich für John tun kann werde ich es tun. Das schwöre ich" Sagte sie ungewöhnlich sanft.

Kapitel 4

Cameron klopfte, zögerte exakt drei Sekunden und öffnete dann die Tür.

„Bist Du beschäftigt?" Fragte sie noch in der Tür stehend.

John lag auf seinem Bett und las in einem seiner Bücher. „Nicht wirklich", sagte er nachdem er kurz aufgeblickt hatte.

Cameron schloss die Tür und trat zum Bett.

„Was willst Du?" fragte John mit deutlichem Unwillen. „Wenn Du das Thema noch ein einziges Mal anschneidest..."

„Nein", unterbrach sie ihn. „Sarah hat mich davon überzeugt, dass das keine Option ist".

Jetzt blickte John sie richtig an. „Das hat sie?"

Cameron nickte nur.

„Das ist gut. Das ist wirklich gut", versicherte er und sah wieder auf sein Buch.

„Warum?" Fragte Cameron und sah ihn mit ihrem unschuldigsten Blick an. „Sarah sagte Dir...geht es nicht gut, seit ich Euch verlassen habe".

John sah sie lange Sekunden stumm an. Er legte er sein Buch zur Seite auf das kleine Tischchen neben dem Bett. Dann schwang er seine Beine vom Bett, so dass er mit dem Rücken zu ihr saß.

„Erinnerst Du Dich an meinen 16. Geburtstag?" Fragte er nach einigen Sekunden Pause ohne sie anzusehen.

„Natürlich", entgegnete sie leise.

„Was Du gesagt hast, als Du zwischen den Trucks eingeklemmt warst? Dass Du mich liebst und dass...ich Dich liebe?"

„Ich erinnere mich. Es tut mir leid..."

„Lass Das!" Rief er aufgebracht. „Versuch nicht Gefühle vorzuspiegeln wo keine sind! Wir wissen Beide, dass Du keine Emotionen hast!". Er war aufgesprungen, herumgefahren und starrte sie nun wütend vorgebeugt an. Dann entspannte sich sein Gesichtsausdruck langsam wieder.

John drehte sich herum zum Fenster und starrte hinaus in die Nacht. „Aber das ist ja nicht das Problem", sagte er ohne sie anzusehen. „Du kannst ja nichts dafür, dass Du so programmiert bist".

John senkte den Kopf und sah auf seine Finger. Vor Aufregung hatte er angefangen an den Nägeln zu knibbeln. Jetzt lies er die Arme ruckartig sinken.

„Das eigentliche Problem ist, dass Du recht hattest. Ich …..liebe Dich, das hab ich wohl vom ersten Moment an", bekannte er. Jetzt erst drehte er sich zu ihr, die immer noch mit emotionslosem Gesicht auf seinem Bett saß.

„Das machte es für mich um so schwerer. Immer wenn ich Dich etwas menschliches, etwas emotionales tun sah keimte in mir Hoffnung auf. Hoffnung, dass Du eines Tages...", sein leises Schluchzen unterbrach ihn. Tränen rollten seine Wangen hinab.

Cameron erhob sich. Ohne ein Wort zu sagen ging sie zu John und zog ihn wortlos in ihre Arme.

Einige Minuten standen beide in aller Stille. Nur unterbrochen von Johns gelegentlichem leisen Schluchzen.

Schließlich lies Cameron wieder los als John aufgehört hatte Tränen zu vergießen.

„Ich danke Dir", sagte er während er die Tränen wegwischte.

„Gern geschehen", sagte sie.

„Erinnerst Du dich an den Telefonanruf nach Rileys Tod, als ich mit Rileys Stimme sagte dass ich Dich liebe?" Fragte Cameron nach weiteren Momenten der Stille.

John atmete tief durch. „Ich erinnere mich. Ich weiß bis Heute nicht, warum Du das getan hast". Ein wenig Ärger hatte sich in seine Stimme geschlichen. „Das hat mich sehr verletzt".

„Ich verstehe, danke für die Erklärung", entgegnete Cameron spontan. „Ich wusste lange Zeit selbst nicht, warum ich das gesagt hatte. Es war einfach etwas was ich tun musste.

John merkte, dass Cameron mit ihrer Erklärung noch nicht fertig war also schwieg er.

„Ich habe Monate gebraucht zu verstehen, was es war was mich zu diesen irrationalen Handlungen getrieben hat. Es war ein Konzept, dass ich nicht kannte, ein Konzept dass ich erst viel später verstanden habe.

„Was für ein Konzept?" Fragte John verwirrt.

Cameron hatte aus dem Fenster gesehen, kurz die Umgebung gescannt und drehte sich jetzt wieder herum.

„Das Konzept etwas zu wollen ohne dass es Bestandteil meiner Mission ist", sagte Cameron und verstummte damit ihr Gegenüber das gesagte verarbeiten konnte.

„Heißt das, Du hast einen freien Willen entwickelt?" Fragte er verwundert.

„Exakt", entgegnete sie. „An deinem 16. Geburtstag, als Du mir die Waffen gegeben hast, sollte ich Dich töten aber ich WOLLTE es ganz einfach nicht".

„Später bei dem Anruf WOLLTE ich Dir sagen dass ich Dich liebe auch wenn ich nicht weiß warum".

John war sprachlos. Die möglichen Konsequenzen aus dem was Cameron sagte waren abenteuerlich.

„In den letzten Beiden Jahren habe ich versucht zu ergründen, warum ich einen eigenen Willen habe, ob es da Draußen eine Antwort gibt", sagte sie mit schräg gelegtem Kopf.

Cameron schüttelte langsam ihren Kopf. „Ich habe keine Antwort gefunden".

„Noch Etwas?" Fragte John. Er hoffte die richtigen Schlüsse zu ziehen.

„Bevor wir Sarah aus dem Gefängnis befreit haben, im Hotelzimmer. Der Zustand meiner Energiezelle war irrelevant. Hätte ich nur den kleinsten Verdacht gehabt, dass Etwas nicht in Ordnung ist hätte ich Dich niemals in ihre Nähe gelassen". Cameron machte einen Schritt näher zu John.

„Zu diesem Zeitpunkt WOLLTE ich Dich in mir haben und ich WOLLTE Deine Lippen auf meinen spüren", sagte sie und machte erneut einen Schritt auf ihn zu.

John starrte in ihr emotionsloses Gesicht. Er begriff langsam die Tragweite von dem was Cameron sagte aber er war sich sicher, dass sie es nicht begriff.

„Und...", sie überbrückte die letzte Distanz. „... ich WILL Deine Lippen immer noch auf meinen spüren", waren die letzten Worte bevor sie ihren Willen in die Tat umsetzte.

Die Zeit schien eingefroren.

Regungslos stand Cameron da, regungslos waren ihre Lippen auf seinen. Erst als John begann seine Lippen zu bewegen und ihre damit zu liebkosen kam Bewegung in sie. Ihre Arme legten sich auf seinen Rücken und sie begann den Kuss zu erwidern.

Als John nun anfing ihre weichen Lippen mit seiner Zunge zu streicheln erwiderte sie auch dies. Cameron begann ihn zum Bett zu sie schließlich rücklings, ihn mitziehend darauf fiel passierte etwas auf das John insgeheim gehofft hatte.

Während ihr Gesicht nahezu ausdruckslos blieb riss sie kurz die Augen auf, als sein Unterleib kontakt mit einer bestimmten Stelle ihres Unterleibes hatte.

Nun WOLLTE Cameron ihren John mit den Beinen umklammern, was sie dann auch tat.

Sie WOLLTE sein Shirt zerfetzen, sie WOLLTE ihre Hand in seine Boxershorts schieben und seinen Po ergreifen und vor allen Dingen WOLLTE sie seinen Unterleib immer wieder gegen ihren pressen.

Sie WOLLTE all das und tat es auch, sie konnte nur nicht verstehen warum sie es WOLLTE.

Vor der Tür Stand eine einsame Gestalt und wandte sich schnell ab, als die Geräusche... persönlicher wurden.

Epilog:

Sarah musste unwillkürlich lächeln, als ihr sonst so stiller fast trübsinniger Sohn am nächsten Morgen förmlich in die Küche getanzt kam.

Er machte Späße, während er neben Cameron saß und seine Pancakes aß. Immer wieder stieß er der schlicht lächelnden mit dem Ellenbogen lachend in die Rippen.

Sarah sah dem Ganzen zu, konnte ein Grinsen die ganze Zeit nur schwer unterdrücken.

Schließlich sah John auf seine Uhr. „Upps, ich muss los", sagte er, sprang auf einen Schluck Kaffee nehmend. Drückte Cameron einen Schmatzer auf die Lippen und hastete zur Tür.

Cameron sah ihm nach. Sie betastete ihre Lippen mit den Fingern.

„Das war Etwas, was Er wollte", sagte Sarah auf die Geste hin.

Cameron sah Sarah an. Ihre Finger lagen noch immer auf ihren Lippen. „Ich verstehe, danke für die Erklärung".

Jetzt schüttelte Sarah mitleidig den Kopf. „Nein..., das verstehst Du nicht. All dieses Wollen von dem Du gestern erzählt hast. All das verstehst Du ebenfalls nicht", widersprach Sarah.

„Verstehst Du es? Kannst Du es mir erklären?" Fragte Cameron fast wie ein kleines Mädchen.

Jetzt nickte Sarah. „Ich habe das genau so verstanden, wie es offensichtlich auch John verstanden hat".

Während Cameron sie wortlos ansah stand Sarah auf, setzte sich neben die Maschine und legte zu Camerons Überraschung einen Arm um ihre Schultern.

„Du kannst es vielleicht nach Außen hin nicht zeigen aber all dieses Wollen, von dem Du berichtet hast kann nur eines bedeuten", sagte Sarah und legte die Hand zwischen Camerons Brüste.

Cameron sah hinunter auf die intime Geste. Dann auf in Sarahs Gesicht.

„Der Zinnmann hat doch ein Herz".

(Ende)