Ludicrous Smile

Kapitel 2

Snapes ausladende schwarze Robe bauschte sich mit jedem seiner Schritte hinter ihm, als er Hermine zu seinem Büro geleitete. Warum er diesen abscheulichen Raum in den Kerkern behalten hatte, wo er doch jetzt Dumbledores Reich an sich gerissen hatte, war ihr ein ebenso großes Rätsel wie alles andere auch, das mit ihm im Zusammenhang stand.

An der Tür angelangt kräuselte er seine dünnen Lippen zu einem hämischen Grinsen und Hermine fühlte nichts als Hass in sich aufflackern, während sie ihn aus den Augenwinkeln betrachtete. Seine harschen Gesichtszüge und die dunkle Aura, die ihn beständig umhüllte, hatten längst das erfüllt, was er offenbar mit seiner Erscheinung zu beabsichtigen pflegte. Trotzdem konnte Hermine immer noch nicht begreifen, wie er das nur hatte tun können. Dumbledore schien all die Jahre über an ihn geglaubt und ihm vertraut zu haben und dann das!

Auf dem ganzen Weg vom Astronomieturm bis hier her hatte er nicht mehr ein Wort zu ihr gesagt. Erst jetzt ließ er sich dazu herab, sie wieder zu beachten. Mit einem Funkeln in den schwarzen Augen drückte er die Tür auf und streckte den Arm aus.

„Nach Ihnen, Granger."

Schaudernd wandte sie den Blick von ihm und betrat sein Büro. Es war fast ebenso kalt hier unten wie zuvor auf dem Turm. Sie wollte nicht hier sein. Sie wollte davonlaufen, wollte schreien, sich auf ihn stürzen … Sie hatte genug davon, herumgeschubst und gedemütigt zu werden. Aber sie wusste auch, dass ihr keine andere Wahl blieb, als es zuzulassen. Es war ihr nicht leicht gefallen, die Entscheidung zu treffen, Harry und Ron gehen zu lassen und selbst in Hogwarts zu bleiben, um eine Verbindung zu Hogwarts aufrechterhalten zu können. Hätte sie gewusst, was auf sie zukommen würde, hätte sie es vielleicht anders gemacht und ihre Freunde auf der Flucht begleitet. Doch nun war es zu spät, noch etwas daran zu ändern. Was blieb, war einzig und allein die Hoffnung, dass Harry irgendwann die Suche nach den Horkruxen vollenden und Voldemort ein für alle Mal zerstören würde. Bis dahin musste sie hier ausharren und ihren Freunden mit den Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung standen, zur Seite stehen. Dank einer speziellen Abwandlung der geheimnisvollen Münzen, die sie damals für Dumbledores Armee genutzt hatten, gab es wenigstens einen Weg für die drei, in Kontakt zu bleiben. Es war nicht viel, aber es war besser als nichts.

Nachdem Snape die Tür geschlossen hatte, wies er sie an, sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch zu setzen, während er gegenüber von ihr Platz nahm. Dort verschränkte er auf der Tischplatte seine langen Finger ineinander und sah sie eindringlich an.

„Sie tun sich keinen Gefallen mit Ihrem Verhalten", sagte er schlicht.

Hermine runzelte die Stirn. Ob das der richtige Zeitpunkt war, ihm zu sagen, dass er sich verpissen sollte?

Sie unterdrückte den Drang und schwieg. Snapes Augen wurden zu engen Schlitzen. Kurz darauf ließ er jedoch von ihr ab und richtete seine Aufmerksamkeit auf einen Stapel Aufsätze, ohne sie weiter zu beachten. Sie tat dasselbe, senkte den Blick und legte ihre Hände in den Schoß.

Für die zwei darauffolgenden Stunden begnügte sie sich damit, ihm die kalte Schulter zu zeigen und ihre klammen Finger zu studieren, bis Snape irgendwann seinen Stapel durchgeackert hatte und ihn fein säuberlich zusammenräumte. Dann stand er plötzlich auf und sah von oben auf sie hinab.

„Sie werden die nächsten Abende ebenfalls hier verbringen, Miss Granger", sagte er ruhig, „so lange, bis Sie aufhören, mich zu ignorieren. Morgen um zwanzig Uhr sind Sie wieder hier, verstanden? Und jetzt gehen Sie."

Hermine hatte Mühe, die in ihrem Inneren angestaute Wut unter Kontrolle zu halten und warf einen abschätzigen Blick auf sein von dem ungepflegten Vorhang aus schwarzem Haar umranktes Gesicht. Wenn es jemals einen Menschen gegeben hatte, dem sie am liebsten Schmerzen zugefügt hätte, wäre es Snape gewesen; beinahe war ihr gleich, wie sehr sie dafür bezahlen würde. Tief in ihrem Inneren aber wusste sie, dass es sinnlos war, es zu versuchen. Jemand, der einen alten wehrlosen Mann getötet hatte, würde nicht zögern, dasselbe mit ihr zu tun. Doch das war nicht das, was sie wollte. Jedenfalls nicht, bevor sie sichergehen konnte, dass Harry und Ron ihre Mission beendet hatten.

Ein knappes Nicken später stand sie auf und ging. Wenn er vorhatte, sie zu zermürben, würde sie ihm keinesfalls den Gefallen tun, so schnell vor ihm in die Knie zu gehen. Das hatten auch die Carrows feststellen müssen.