Ludicrous Smile

Kapitel 8

Während Snape Hermine anwies, anhand eines Abbilds in einem alten Leerbuch verschiedene Glasrohre und Kolben mit Hilfe einiger Gewinde zu einer komplizierten Apparatur zusammenzustecken, war er mit den Substanzen beschäftigt, die sie aus der Vorratskammer mitgebracht hatten. Es machte sie wahnsinnig, dass er ihr nicht sagen wollte, was er vorhatte, denn jedes Mal, wenn sie den Versuch wagte, ihn darauf anzusprechen, würgte er sie mürrisch ab. Hinzu kam noch, dass sie im Unterricht bisher hauptsächlich an Kesseln gearbeitet hatte und keine Ahnung hatte, ob das, was sie tat, auch richtig war.

Immer wieder warf sie einen verstohlenen Blick auf seine flinken Finger, mit denen er die einzelnen Arbeitsschritte absolvierte: wiegen, zerreiben, abmessen, verdünnen. Dabei machte sie plötzlich eine Entdeckung. Es war nur eine knappe Sekunde, in der ihr auffiel, dass etwas mit seinen Händen nicht stimmte, dann war es wieder vorbei. War es ein Zittern oder ein Krampf gewesen, sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen, dennoch war Hermine sich sicher, dass Snape mit irgendetwas zu kämpfen gehabt hatte, das er nur schwer kontrollieren konnte.

Irritiert nahm sie den Blick von ihm und machte sich wieder an die Arbeit. Doch es ließ sie nicht los und je länger sie darüber nachdachte, was sie gesehen hatte, desto mehr fragte sie sich, ob er tatsächlich nur vorhatte, sie zu bestrafen oder ob er nicht vielleicht einfach ihre Hilfe brauchte. Aber warum sollte er das wollen? Außerdem war es ja nicht gerade so, dass sie ihm ihre Hilfe gerne gab. Snape verdiente nicht, dass sie ihm half. Vielleicht sollte sie ja versuchen, ihn zu sabotieren, dachte sie bitter. Die Frage war nur, wie sie das anstellen sollte, wenn er ständig in ihrer Nähe war. Er hatte die unangenehme Angewohnheit, ausgerechnet immer dann hinter ihr zu stehen, wenn es gerade ungünstig war.

Die gemeinsame Arbeit mit Snape im Labor erwies sich als anstrengend und langwierig. Er schien ein wahres Arbeitstier zu sein und konnte sich nur schwer von einer Aufgabe loslösen, die er angefangen hatte. Nichtsdestotrotz schaffte er es, auch Hermine in Atem zu halten. Er scheuchte sie energisch zwischen dem Labor und der Vorratskammer hin und her und trug ihr unermüdlich auf, was sie zu tun hatte. Zumeist waren es Botengänge, die darin bestanden, irgendwelche Substanzen auszutauschen oder neue Glasgefäße und Kolben aus den Schränken herbeizuschleppen, die er benutzte, um Lösungen und Reagenzien herzustellen.

Der Abend ging in die Nacht über und Hermine war immer noch schleierhaft, was Snape mit seinem Vorhaben beabsichtigte, schließlich hatte er noch nie den Eindruck erweckt, als würde er mit etwas nicht fertig werden. Mindestens genauso verwirrend war die Frage, warum er ausgerechnet sie dafür in Erwägung zog, ihm zu assistieren, wo er ihr erst kurz zuvor zu verstehen gegeben hatte, dass er ihre Aufmüpfigkeit nicht leiden konnte. Sie war überzeugt davon, dass jeder andere Schüler, der halbwegs bei Verstand war, dieselbe Aufgabe erfüllen könnte, dennoch musste Snape einen Grund gehabt haben, sie dafür auszuwählen.

Einige Zeit später, es war bereits nach zwei Uhr morgens, konnte sie sich ein ziemlich genaues Bild von seiner Arbeitsweise machen. Obendrein hatte sie den Beweis dafür, dass sie sich mit ihren Hirngespinsten über die verwendeten Substanzen nicht getäuscht hatte. Wann immer ihr die Gelegenheit passend erschien, versuchte sie, ihn dazu zu bringen, mit ihr zu reden, Snape jedoch blockte von vornherein jede noch so unbedeutende verbale Äußerung bezüglich seines Vorhabens ab. Irgendwann gab sie es auf und hoffte einfach nur, dass er sie bald entlassen würde, da sie bereits in wenigen Stunden beim Frühstück sitzen sollte.

Snape arbeitete weiter. Er wirkte wieder einmal so konzentriert, als würde er ihre Anwesenheit nicht weiter bemerken. Hermine hingegen wurde immer ungeduldiger. Sie wollte einfach nur ins Bett. Nachdem sie zum wiederholten Male lautstark gegähnt hatte, hatte sie endlich genug.

„Sir, es ist spät und morgen ist wieder Unterricht. Sollten wir nicht langsam aufhören? Sie sehen selbst aus, als könnten Sie eine Pause gebrauchen."

Snape hielt inne und presste seine Arme an die Seiten. Langsam drehte er sich zu ihr um.

„Machen Sie sich wieder an die Arbeit, Granger. Wie ich aussehe, geht Sie nichts an", sagte er in einem Knurren.

Sein Verhalten und die Sturheit sorgten bei Hermine jedoch nur dafür, dass sich die Ungeduld in ihr zu blankem Unverständnis steigerte. Ohne weiter auf seine Gebaren und die abweisende Haltung Snapes zu achten, ging sie in die Defensive.

„Tut es sehr wohl", entgegnete sie steif. „Seit Tagen halten Sie mich nun dazu an, irgendwelche Aufgaben für Sie auszuführen. Ich bin erschöpft. Bitte lassen Sie mich gehen."

Snape verzog von einem unschönen Zischen begleitet die Mundwinkel.

„Erschöpft?", fragte er süßlich. „Das hätten Sie sich eher überlegen müssen. Dachten Sie vielleicht, dass es so einfach werden würde, Granger? Dachten Sie, Sie können dort draußen auf dem Turm umherwandern und ungesehen in den Tod springen, um sich aller Verantwortung zu entziehen?"

Hermine war baff. Vollkommen überrumpelt blinzelte sie ihn mit ihren braunen Augen an.

„Was? Wovon reden Sie da überhaupt?"

Er schnaubte nur.

„Ich habe Sie beobachtet. Ihr Vorhaben war ebenso töricht wie offensichtlich."

Während er sie so abwertend ansah wie etwas Ekliges, das auf seinem Schuh herumkroch, spürte sie plötzlich eine ungeahnte Wut in sich hochkommen.

„Sagen Sie das nochmal! Sie glauben doch nicht wirklich, dass ich ..."

„Lügen Sie mich nicht an, Granger", unterbrach er sie scharf. „Ich habe gesehen, wie Sie in die Tiefe geblickt haben. Sie haben überlegt, ob Sie springen sollen. Und erzählen Sie mir nicht, dass ich mich irre. Ich weiß genau, was in Ihnen vorging."

Wie vor den Kopf gestoßen suchte Hermine nach Worten. Sie hätte niemals damit gerechnet, dass er sie darauf ansprechen würde. Es war auch nicht so, dass sie vorgehabt hätte, das tatsächlich zu tun. Sie war durcheinander gewesen, verzweifelt und verloren. Einsam. Doch trotz ihres Verstandes, der versuchte, ihre Absichten zu rechtfertigen, versetzte es ihr einen Schock, als sie darüber nachdachte. Es ging eindeutig zu weit. Wieso aber sollte Snape das kümmern? Hatte er sie etwa deshalb in seine Obhut genommen, weil er verhindern wollte, dass sie sich etwas antun konnte?

„Sie wissen nichts von dem, was in mir vorgeht", sagte sie entschieden. „Sie und Ihre Freunde genießen es regelrecht, uns Schülern das Leben schwerzumachen. Sie sind der Grund für all das Übel, das über Hogwarts gekommen ist. Versuchen Sie also nicht, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, Schulleiter."

Die Betonung auf dem letzten Wort war so gehässig gewesen, dass Snape unvermittelt die kalten Augen aufriss. Für einen Moment lang sah er aus, als würde er am ganzen Leib beben, so wütend war er. Dann kam er endlich zur Besinnung.

„Sie können gehen, Granger", sagte er mit eng aneinanderliegenden Lippen. „Morgen Abend sind Sie wieder hier, verstanden? Acht Uhr."

Er wandte sich ab und legte mit dem Zauberstab einen Zauber über die Apparatur, um alle weiteren Vorgänge zum Stillstand zu bringen, während Hermine ihn geschockt beobachtete. Erneut hob er den Kopf und blickte in ihre Richtung.

Hermine biss sich auf die Lippe, als sie ihn beobachtete. Snape schien jetzt, da er von ihr aus seiner Routine gerissen worden war, noch weitaus müder zu sein als sie. Seine Augen hatten tiefe Schatten bekommen, die langen Strähnen hingen ihm noch wüster als sonst zu beiden Seiten des Gesichts herab.

Ohne ein Wort zu erwidern zwang sie sich dazu, sich von ihm abzuwenden und verließ das Labor.