Ludicrous Smile
Kapitel 14
Hermine hatte natürlich nicht die Absicht, in ihren Turm zurückzukehren. Nach allem, was gesagt worden und geschehen war, stand für sie fest, dass sie die Nacht auf jeden Fall in den Kerkern verbringen würde. Schnurstracks rannte sie hinüber in sein Schlafzimmer. Dass das nach dem ganzen Debakel in den letzten Tagen nicht weiter schwer zu finden war, verstand sich von selbst, denn schließlich wusste sie ja, wo sie hin musste.
Die Tür ließ sich für jemanden wie Hermine, die genug Erfahrung im Einbrechen und Herumschnüffeln gesammelt hatte, ohne größere Probleme öffnen. Gebannt betrat sie den Raum und erkannte, dass er beinahe genauso war, wie sie ihn zuletzt verlassen hatte. Nur das Bett war noch unberührt.
Wie beim letzten Mal auch war es verhältnismäßig dunkel in Snapes Schlafzimmer. Es konnte also nicht schaden, ein oder zwei Kerzen mehr anzuzünden. Nachdem sie das getan hatte, steckte sie ihren Zauberstab weg und ließ den Blick umherschweifen. Alles hier, von der kargen Einrichtung bis hin zu den überfüllten Bücherregalen, erinnerte an ihn. Es gab das nicht besonders erwähnenswerte Bett, das sie inzwischen kennengelernt hatte, einen abgewetzten Sessel, einen offenbar nur selten benutzten Kamin und einen dunklen Kleiderschrank. Der Raum selbst roch charakteristisch nach ihm, genauso wie sie es am eigenen Leib erfahren hatte, männlich und herb, nur der eigentümliche Geruch seines Ejakulats war verschwunden.
Ein Schauder streifte Hermine. Beim bloßen Gedanken an den Professor spürte sie eine vollkommen neue Art der Lust in sich aufkommen, sodass sie sich endlich sicher war, dass sie die sexuelle Erfahrung mit ihm gewollt hatte. Noch dazu hatte es sich unglaublich gut angefühlt, als er mit seinen langen Fingern sanft ihre Brust berührt hatte. Aber wieso war es ihr dann so befremdlich vorgekommen, als er auf ihr gekommen war, anstatt es in ihr zu tun? War es vielleicht möglich, dass sie ihn mehr für sich haben wollte, als sie sich eingestehen konnte? Sie hielt nach ihm Ausschau, besuchte ihn in den Kerkern und war jetzt sogar in sein Schlafzimmer eingedrungen. War das nicht ein Zeichen, das besagte, wie sehr sie sich auf ihn zubewegt hatte?
Nachdenklich zog sie sich die Schuhe aus, schlug die Bettdecke zurück und schlüpfte in sein Bett. Nicht lange darauf schlief sie ein.
Erst ein Poltern mitten in der Nacht weckte Hermine. Sie hörte ein scharfes Zischen und öffnete die Augen. Vor ihr am Bettrand stand Snape und sah finster auf sie hinab.
"Geruhsame Nacht gehabt, Granger?"
Hermine blinzelte verlegen. Sie spürte deutlich, dass ihre Wangen puterrot anliefen. "Wie spät ist es, Professor?"
"Spät genug, um Sie rauszuwerfen. Stehen Sie auf."
Hermine reckte den Oberkörper empor. Irritiert hielt sie seinem bohrenden Blick stand und erkannte, dass er noch weitaus zerstreuter wirkte als zuvor. Er schien von Kopf bis Fuß von Schweiß durchtränkt zu sein, der überdeutlich auf seinem Gesicht glänzte. Warum das so war, konnte sie sich mittlerweile denken. Das Zittern seiner Hände, das sie bereits mehrmals beobachtet hatte, hatte seine Gründen. Sofern es also nicht eine seiner Lösungen war, die ihm um die Ohren geflogen war, vermutete sie, dass er unter den Folgen eines Fluchs zu leiden gehabt hatte, den Voldemort angewandt hatte, um etwas aus ihm herauszubekommen.
Snape rollte ungeduldig die Mundwinkel zurück. Seine langen Strähnen klebten klatschnass an beiden Seiten seiner Wangen fest. Die Überraschung, sie in seinem Bett vorzufinden, stand ihm unmissverständlich ins Gesicht geschrieben.
"Wird's bald?"
"Ich denke gar nicht daran", sagte Hermine entschieden. "Was ist mit Ihnen passiert? Sie sehen aus, als hätte es im Labor einen Unfall gegeben."
"Sehr schmeichelhaft, Granger. Und jetzt raus hier."
"Unsinn. Sie sollten zuerst einmal die verschwitzten Sachen ausziehen."
Wild entschlossen, sich nicht so schnell abwimmeln zu lassen, stand sie auf und half ihm aus dem Umhang. Snape murrte leise, ließ es aber geschehen. Voller Eifer drapierte Hermine den feuchten Stoff über die Lehne des Sessels und kam zurück.
"Niemandem ist geholfen, wenn Sie jetzt die Nerven verlieren. Schon vergessen?"
Unbeholfen lächelte sie zu ihm empor und fing sich einen weiteren düsteren Blick ein. Es kümmerte sie nicht halb so viel, wie es früher der Fall gewesen wäre. Anstatt sich über seine schlechte Laune an sich zu wundern, wollte sie vielmehr wissen, wieso er sich so verhielt.
"Wollen Sie mir immer noch nicht sagen, was passiert ist, Professor?", wagte sie vorsichtig zu fragen.
"Wozu? Damit Sie sich weiterhin über mich lustig machen können? Ihre Hilfe ist unnötig, Granger. Ich bin sehr wohl in der Lage, mich selbst auszuziehen."
"Das bestreite ich ja gar nicht. Aber es hat etwas Reizvolles, Sie dabei zu beobachten."
Snape verdrehte die Augen. "Schön. Wenn das so ist, behalte ich den Rest solange an, bis Sie endlich Vernunft annehmen und in Ihren Turm zurückkehren."
Hermine wurde wieder ernst. Sie wusste, dass er das durchziehen würde. Snape konnte so stur wie ein Maulesel sein.
Noch immer nicht gewillt, einfach so aufzugeben, drückte sie sich an ihn und erkannte, dass sie sich nicht getäuscht hatte: Sein ganzer Körper war in Aufruhr. Seine Atmung ging schwer und ein rhythmisches Zittern fuhr durch seine Glieder.
"Was für Informationen wollte er von Ihnen?"
Er zog die Brauen zusammen und sah sie mit einer Mischung aus Verärgerung und Verwunderung an.
"Warum fragen Sie das?"
"Nur so", sagte Hermine und zuckte dabei möglichst belanglos mit den Schultern. "Sie haben über Harry und Ron geredet und über die Schlange. Voldemort wird Sie nicht grundlos zu sich bestellt haben. Bestimmt wollte er etwas von Ihnen wissen."
Snape versteifte sich und schlug hart die Kiefer aufeinander. "Ich sagte Ihnen bereits, dass Sie diesen Namen nicht benutzen sollen, Granger."
"Und ich habe Ihnen eine Frage gestellt, Professor. Es werden noch mehr folgen, wenn Sie mir nicht dabei helfen wollen, Antworten zu finden. Zum Beispiel, warum Sie sich nicht von mir helfen lassen wollen. Genieren Sie sich etwa vor mir? Man könnte glatt meinen, Sie haben Angst davor, dass ich etwas sehen könnte, was ich noch nicht gesehen habe."
Snape brummte eine unflätige Bemerkung vor sich hin, die Hermine ein Lächeln entlockte. Sie hätte nie für möglich gehalten, dass sie einmal in der Lage stecken würde, sich auf so unkonventionelle Art über ihn zu amüsieren.
Nachdem er sich widerwillig dazu herabgelassen hatte, sich von ihr ins Bett bugsieren zu lassen, lagen sie nebeneinander unter der Decke. Zwar hatte er sich immer noch beharrlich geweigert, die Sachen auszuziehen, womit Hermine letztendlich nachgegeben und nicht weiter darauf bestanden hatte, ihren Willen durchzusetzen, doch immerhin waren sie soweit gekommen, sich nicht weiter miteinander zu zanken.
Träge kuschelte sie sich an seine Schulter und betrachtete aus der Nähe sein Gesicht. Er erwiderte wortlos den Blick. Irgendwann hatte Hermine genug von der Grabesstille. Sie stützte den Kopf auf die Hand und strich interessiert mit der anderen seine Strähnen zur Seite.
„Warum haben Sie Dumbledore ermordet? Ist es, weil Sie ihn nicht leiden konnten?"
„Wer sagt, dass dem so war?"
„Sie haben nicht viel für andere Menschen übrig, Professor."
„Ah", gab er sarkastisch von sich. „Folglich müsste ich also jeden töten, der mir nicht passt. Das wäre nur logisch, nicht wahr?"
Hermine zuckte mit den Achseln.
„Sagen Sie es mir. Ich schätze, Sie sind der Einzige, der den wahren Grund kennt."
„Dann sollten Sie auch wissen, dass Sie das nichts angeht, Granger."
Hermine stutzte. Das war zu erwarten gewesen.
„Sie wollen doch sicherlich nicht, dass die ganzen Fortschritte, die wir im Umgang miteinander gemacht haben, wieder zerstört werden, oder?"
Snape schnaubte leise. „Wenn Sie das hier als Fortschritt bezeichnen, bitte. Ich hingegen sehe die Sache ein wenig anders. Und wissen Sie auch, wieso? Sie fallen in meine Privatsphäre ein und -"
Er brach ab und schloss grummelnd die Augen. Doch selbst jetzt konnte Hermine an seinen flackernden Lidern erkennen, wie sehr es in ihm arbeitete.
„Und was?"
„Sie sollten aufhören, mir Fragen dieser Art zu stellen, wenn Sie nicht wollen, dass ich dasselbe bei Ihnen tue, Granger."
Plötzlich sah er sie wieder an und Hermine biss sich verkrampft auf die Lippe. Es war beunruhigend, ihn so zu sehen.
„Das ist mein voller Ernst. Sie würden mir nicht sagen, wo sich Ihre Freunde aufhalten. Ich hingegen werde nicht über den Dunklen Lord reden. Ist das klar?"
Sie nickte. Wenn es um Harry oder Ron ging, war es besser, nichts zu riskieren. Immerhin war es Snape, um den es sich hier handelte.
„Sonnenklar."
Eine Weile lang funkelte er sie abschätzig an, die Brauen in der Mitte bis zum Anschlag zusammengezogen. Dann drehte er den Kopf in die andere Richtung, sodass sie ungehindert einen Blick auf seine markante Hakennase werfen konnte.
Sie wollte die Hand nach ihm ausstrecken und sein Gesicht berühren, traute sich jedoch nicht. Anders Snape.
Mit einer schwungvollen Bewegung schnellte er hoch, rollte sich auf sie und begrub sie unter seinem Körper. Erbarmungslos bohrten sich seine Augen in ihre und Hermine fürchtete schon, er würde die Sache neu zur Sprache bringen, würde sie vielleicht wirklich nach Harry und Ron ausfragen. Doch nichts dergleichen geschah. Er sah sie einfach nur an, so innig und tief, dass sie blinzeln musste, wenn sie nicht wollte, wenn er in ihren Geist eindrang.
Als sie daraufhin den Blickkontakt zu ihm wieder aufgenommen hatte, erkannte sie, dass er etwas Schmerzvolles in seinem Ausdruck hatte. Er wollte zweifelsohne etwas von ihr wissen, vielleicht eine Information beschaffen, die wichtig für ihn war.
In diesem Moment begriff Hermine, wie gefährlich das Spiel wirklich war, auf das sie sich eingelassen hatte. Snape war Voldemort treu ergeben. Was tat sie eigentlich hier?
Sie bekam Panik und wollte ihn von sich schieben, wand und wälzte sich unter ihm. Als das keinen Erfolg zeigte, öffnete sie den Mund, um ihm zu sagen, dass er nicht das Recht hatte, das, was auch immer er vorhatte, zu tun, obgleich sie wusste, dass es irrsinnig gewesen wäre. Er hätte sie mühelos überwältigen können. Aber auch jetzt kam er ihr zuvor. Seine Hand legte sich auf ihre Lippen und brachte sie von einem sanften Kopfschütteln begleitet zum Schweigen. Eigentümlicherweise war es dieser Blick, der sie besänftigte: Seine schwarzen Augen waren von so vielen Emotionen durchzogen, wie sie es selten zuvor bei ihm gesehen hatte. Sie waren umrankt von den langen Strähnen, die so vertraut in sein Gesicht hingen und sich bemühten, die verzerrten Züge zu verstecken, die besagten, dass irgendetwas in ihm vorging, das er sich selbst nicht erklären konnte.
Sie hörte auf, sich zu bewegen, alles kam zur Ruhe. Der kleine Kampf war vorbei. Schwer atmend lag sie unter ihm und bemühte sich, ihre sich überschlagenden Gedanken zu sortieren.
Nicht lange darauf spürte sie seine andere Hand, die an ihrer Taille hinabglitt und sich zwischen ihre Körper schob. Er nahm die Hand von ihrem Mund und stützte sein Gewicht auf den Arm. Mit einem gezielten Griff zog er ihren Rock nach unten und ließ die langen Finger über ihren Unterleib streichen. Unmittelbar darauf spürte sie sie zwischen ihren Beinen.
Hermine stöhnte leise auf. Sie hatte nicht beabsichtigt, das zu tun, konnte aber nicht an sich halten. Die Faszination, die sie für seine Finger entwickelt hatte, war durchaus berechtigt, wenn man bedachte, wie er es beinahe mühelos schaffte, sie mit einigen gezielten Bewegungen durch das Höschen hindurch um den Verstand zu bringen.
Snape sagte nicht ein Wort. Als sie aufblickte, erkannte sie sein konzentriertes Gesicht. Seine Nasenflügel vibrierten leicht, obendrein hatte er die Brauen wie auch die Lippen fest zusammengepresst. Den Blick von ihr abgewandt reckte er den Oberkörper empor und rutschte ein Stück zur Seite, um mit seiner freien Hand ihre Schenkel auseinander zu schieben. Ein letztes Mal strich er sanft über ihre feuchte Mitte, ehe die Bewegung seiner Finger endete. Dann ging alles schnell.
Binnen Sekunden hatte er das Höschen von ihr gerissen und seinen Gürtel und die Hose geöffnet, um sogleich von einem tiefen Grollen begleitet in sie einzudringen.
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Als Hermine am Morgen danach erwachte, war das Bett neben ihr leer. Sie fühlte die Anstrengungen der letzten Nacht durch ihren Körper jagen, die zu ihrem Erstaunen alles andere als unangenehm gewesen waren und biss sich auf die Lippe, um das leise Glucksen zu unterdrücken, das ihr auf der Zunge lag.
Zufrieden streckte sie sich und fand Snape, den Rücken zu ihr gewandt, am Fenster stehend vor. Er hatte seinen Frack im Laufe der Nacht ausgezogen, doch das weiße Hemd darunter hatte er beharrlich anbehalten. Es hing ihm locker aus der Hose, die wieder an ihrem üblichen Platz saß.
"Guten Morgen", sagte sie verlegen und blinzelte in das weiße Licht hinein, das durchs Fenster fiel. "Es schneit ja!"
Blitzartig sprang sie aus dem Bett und rannte auf ihn zu. Snape reagierte nicht im Mindesten auf ihren Ausbruch. Er versteifte sich jedoch ein wenig, als sie den Kopf an seine Schulter schmiegte und verträumt den tanzenden Schneeflocken zusah. Erst nach einer Weile hatte er sich scheinbar mit ihrer Anwesenheit abgefunden.
"Werden Sie heute beim Frühstück sein?", fragte Hermine gedankenverloren.
Er brummte.
"Nein. Ob Sie es glauben oder nicht, ich habe ein paar Dinge zu erledigen, Granger."
"Oh. Aber es sind Ferien. Wir könnten doch hier bleiben und es uns gemütlich machen."
Ein leiser Seufzer entfuhr. Dann nahm er sie bei den Schultern und sah sie von oben bis unten an. Für einige Sekunden wusste sie nicht, was in ihm vorging. Es war befremdlich, ihn dabei zu beobachten, wie er ihren nackten Unterleib studierte. Vielleicht hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er letzte Nacht erneut mit ihr geschlafen hatte. Doch das musste er nicht, dachte Hermine insgeheim, denn sie hatte dabei endlich den ersehnten Höhepunkt erreicht, den er ihr zuvor verwehrt hatte. Vielleicht spielte er aber auch einfach mit dem Gedanken, ihr die restlichen Sachen vom Leib zu reißen, um etwas mehr als nur ihre unteren Regionen kennenzulernen.
"Es geht nicht, Granger", sagte er eindringlich. "Hören Sie endlich auf, sich etwas vorzumachen. Was wir hier tun, kann nicht einfach so weitergehen, als würde alles andere um uns herum nicht existieren."
Hermines eben noch so gute Laune verschwand sofort nachdem sie den niedergeschlagenen Ausdruck auf seinem Gesicht entziffert hatte. Sie wusste, dass er Recht hatte, doch die Vorstellung, sich hier mit ihm zu verkriechen, gefiel ihr weitaus besser, als all die ungewissen Zukunftsaussichten. Es war zu schön gewesen, um wahr zu sein.
Traurig nickte sie und senkte den Blick auf seine vor ihr aufragende Brust. Es stand außer Frage, dass seine Worte sie verletzten. Mehr noch, als er ahnen konnte.
