Ludicrous Smile

Kapitel 20

„Setzen Sie sich, Granger. Wir müssen uns unterhalten."

Hermine rollte mit den Augen und schloss die Tür zu seinem Büro. Sie war nicht in die Kerker gekommen, um sich eine Standpauke anzuhören, weil Neville, Ginny und Luna in letzter Zeit immer wieder versucht hatten, sich gegen die Carrows zu behaupten.

„Wenn es um die Sache mit dem Regenzauber geht, damit habe ich nichts zu tun", sagte sie wie beiläufig und hockte sich neben ihm mit dem Hintern an die Kante seiner Tischplatte, wobei sie nicht weiter auf die Aufsätze achtete, die unter ihr lagen.

Snape horchte interessiert auf. Er legte seine Schreibfeder beiseite, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und faltete gemächlich vor dem Schoß die Fingerspitzen aneinander.

„Tatsächlich?", fragte er mit einer erhobenen Augenbraue. „Und ich dachte, Sie sind fester Bestandteil unseres Widerstandskomitees."

Hermine schüttelte den Kopf.

„Das war ich vielleicht einmal. Aber in letzter Zeit nicht mehr. Obwohl ich es, wie Sie wissen sollten, vorgezogen habe, alleine zu arbeiten. Sich jemandem zu widersetzen, der mich nicht einmal bestraft, hat seinen Reiz verloren, wissen Sie? Vor allem, seit ich mit dem Schulleiter schlafe."

Der Gedanke an die letzte Nacht in den Kerkern ließ ihre Wangen glühen. Seit mehreren Wochen ging sie nun schon bei ihm ein und aus und niemand ahnte auch nur im Geringsten, was vor sich ging.

Snape räusperte sich. Das war das Stichwort gewesen. Die letzten Worte in einem Satz miteinander verknüpft zu hören, behagte ihm überhaupt nicht. Er wollte niemals Schulleiter werden und wäre es wohl auch nicht geworden, wenn Albus sich nicht von diesem verfluchten Ring hätte verführen lassen.

„Genau darüber wollte ich mit Ihnen reden, Granger", sagte er monoton. „Wir stehen vor einem kleinen Problem. Deshalb würde ich Sie gerne einer Untersuchung unterziehen."

„Wie meinen Sie das?", fragte Hermine überrascht.

Er lächelte schmal, erwiderte aber vorerst nichts darauf. Abwesend fuhr er sich mit dem Zeigefinger über die Lippen und betrachtete ihr ahnungsloses Gesicht. Er hatte fieberhaft überlegt, ob er zuerst mit ihr oder seinem Herrn reden sollte. Jetzt, da sie vor ihm saß, hatte sie ihm diese Entscheidung abgenommen.

„Ich bin kerngesund, Professor, glauben Sie mir", setzte Hermine halb im Ernst, halb scherzend nach. „Wenn hier jemand Sorgen haben müsste, sich was einzufangen, sollte ich das sein. In den Kreisen, in denen Sie verkehren, gibt es ja allerhand Ungeziefer."

Er setzte sich auf und funkelte sie mit einem eigenartigen Blitzen in den schwarzen Augen an.

„Nur weil wir miteinander schlafen, heißt das noch lange nicht, dass Sie deshalb so ungezügelt vor mir sprechen dürfen. Ist das klar? Das andere, Ihre Gesundheit betreffend, würde ich an Ihrer Stelle nicht so laut damit prahlen."

Er wirkte auf einmal ziemlich nervös, schob den Stuhl zurück und stand auf. Angespannt auf ihrer Lippe herumkauend beobachtete Hermine, wie er mit langen Schritten im Raum umherwanderte, die Hände fest hinter dem Rücken verschränkt.

Urplötzlich blieb er stehen. „Sie erwarten ein Kind", sagte er schlicht.

Hermine fielen fast die Augen aus dem Kopf.

„Was? Aber das ist unmöglich."

„Nicht ganz. Es bleibt immer ein gewisses Risiko, nicht wahr? Sie lesen doch gerne. Daher sollte das jemandem wie Ihnen nicht entgangen sein."

Aufgebracht löste sie sich von ihrem Platz an seinem Tisch los und eilte auf ihn zu.

„Was soll das bedeuten? Wollen Sie mir Angst einjagen?"

„Keineswegs. Aber Sie wiegen sich zu sehr in Sicherheit, Granger. Ich will Sie warnen und Sie darauf vorbereiten."

„Und wie kommen Sie dazu, das zu tun? Denken Sie vielleicht, ich schlafe mit Ihnen und unternehme nichts dabei? Halten Sie mich wirklich für so einfältig?"

„Das habe ich nicht gesagt. Obwohl ich gestehen muss, dass wir uns bisher nicht weiter mit dem Thema befasst haben."

Hermine sah ihn mit offenem Mund an und fühlte sich alles andere als wohl dabei.

„Was meinten Sie eben, als Sie sagten, ich wiege mich zu sehr in Sicherheit?"

Einer seiner Mundwinkel rutschte nach oben und offenbarte ein unschönes Grinsen. Schaudernd fragte sie sich, was nur in ihn gefahren war.

„Jetzt kommen wir der Sache näher. Ist Ihnen nie in den Sinn gekommen, dass es gefährlich sein könnte, mir zu vertrauen?"

„Soll das heißen, Sie haben mich manipuliert? Das wagen Sie nicht!"

„Dafür ist es zu spät, Granger."

Noch ehe sie den Schock überwunden hatte, den seine Worte in ihr auslösten, nahm sie die Hand hoch und schlug flach damit auf seine Wange. Es war keine Absicht gewesen, das zu tun, vielmehr eine reflexartige Reaktion, hervorgerufen durch sein widerwärtiges Grinsen und den Gedanken, von ihm hintergangen worden zu sein.

„Sie hatten nicht das Recht, das zu tun!", schrie sie zornig.

Snape blinzelte perplex. Damit, dass sie so reagieren würde, hatte er offenbar nicht gerechnet.

„Hören Sie, was ich sage? Sie sind ein mieser Lügner, Snape!"

Wütend fing sie an, mit ihren Fäusten auf ihn einzutrommeln, wobei keiner der Schläge die Kraft erreichte, die ihre Ohrfeige von eben gehabt hatte.

„WIE KONNTEN SIE DAS NUR VERANTWORTEN!"

Als Snape schließlich genug davon hatte, von ihr verhauen zu werden, griff er zielgenau nach ihren Händen und hielt sie fest.

„Wagen Sie es ja nie wieder, das zu tun!", knurrte er unliebsam.

Hermine rang nach Luft. Ihre Kehle fühlte sich so eng an, als würde sie jeden Moment an der Last seiner Worte ersticken.

„Oh, ich werde noch ganz andere Sachen mit Ihnen tun", brachte sie mühsam hervor. „Und jetzt lassen Sie mich los!"

„Es musste sein, Granger", sagte er hart. „Es war der einzige Weg, um sicherzustellen, dass Sie hier bleiben können. Der Dunkle Lord hat vor, alle muggelstämmigen Schüler einer Untersuchung im Ministerium zu unterziehen. Von dort gibt es kein Zurück. Das Vorhaben läuft schon eine Weile so. Bisher hatten wir Glück, dass die Schule davon verschont geblieben ist. Doch damit ist jetzt Schluss. Es interessiert niemanden, ob Sie eine Hexe sind oder nicht. In Wahrheit geht es nur darum, Angst zu schüren. Jeder, der keinen Nachweis erbringen kann, dass seine Eltern Zauberer waren, ist verloren. Sie wissen das, Granger. Keiner der Betroffenen ist je wieder aus Askaban rausgekommen."

„Das ist mir gleich", keifte sie zurück. „Lassen Sie mich endlich los!"

Als er nicht gehorchte, wollte sie sich von ihm freimachen. Doch auch das half nichts. Er hielt sie immer noch fest. Instinktiv zerrte sie an ihren Armen, zog dabei das Knie in die Höhe und rammte es ihm zwischen die Beine.

Endlich kam er zur Besinnung und ließ von ihr ab. Das Gesicht von Schmerz verzerrt beugte er sich vornüber, ging in die Knie und blieb vor ihr auf dem Boden sitzen.

Hermine stemmte angriffslustig die Hände in die Hüften, während sie dabei zusah, wie er sich zu ihren Füßen wand. Er presste die Kiefer aufeinander und seine dünnen Lippen vibrierten wütend, als würde er etwas sagen wollen, doch nichts kam hervor. Lediglich sein aufgewühlter Atem war zu hören. Hermine aber war es gleich. Durch seine Strähnen hindurch sah sie auf seine verhärmte Visage und nahm mit deutlicher Genugtuung wahr, dass sie ihn knallhart da getroffen hatte, wo sie es wollte.

„Sie haben mich benutzt und hintergangen", stellte sie anklagend fest.

„Nein. Ich habe es darauf ankommen lassen, um Ihnen zu helfen."

Seine Stimme klang ganz und gar nicht nach Snape. Er sah so niedergeschlagen aus, dass sie ihre Handlung fast bereute. Aber eben nur fast.

„Sie haben nie mit mir darüber geredet, Professor. Weder über den Sex an sich, noch über Verhütung. Sie wussten, dass ich davor noch nie mit jemandem geschlafen habe, nicht wahr? Trotzdem haben Sie es einfach getan. Aber Sie dachten doch nicht wirklich, ich würde ein Kind von Ihnen wollen, oder?"

Er sagte erst einmal nichts und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Dann rappelte er sich langsam hoch und blickte finster von oben auf sie herab.

Hermine konnte sich nur ansatzweise vorstellen, was in ihm vorging. Einerseits waren sie unsagbar wütend aufeinander, andererseits beschäftigte beide der Gedanke, was das, was er getan hatte, tatsächlich zu bedeuten hatte.

„Warum haben Sie das getan?", fragte sie nach einer gefühlten Ewigkeit noch einmal.

Snape hatte sich inzwischen wieder gefasst.

„Um Sie zu beschützen."

„Das habe ich inzwischen kapiert, obwohl mir immer noch schleierhaft ist, wie Sie das tun konnten", sagte sie bissig. „Sie haben eine merkwürdige Art an sich, Professor. Woher wollen Sie überhaupt wissen, dass Sie sich nicht täuschen?"

„Ich habe es gespürt."

„Gespürt?"

Sie schauderte. Wie konnte es sein, dass er davon wusste, wo sie doch keine Ahnung gehabt hatte?

„Ich versteh das immer noch nicht. Warum haben Sie es nur soweit kommen lassen? Sie wollen das doch genauso wenig wie ich."

„Mag sein, dass das einmal so gewesen ist. Aber inzwischen hat sich alles geändert. Auch meine Prinzipien. Ich habe nichts mehr zu verlieren."

„Das ist noch lange kein Grund dafür, mir das anzutun", schnaubte sie ihn an. „Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie egoistisch es von Ihnen war, das zu tun? Sie hätten mich wenigstens fragen können."

„Oh, sicher doch", murmelte er zynisch. „Als ob Sie dem zugestimmt hätten."

Hermine verschränkte die Arme vor der Brust und drehte entschieden den Kopf von ihm weg.

„Wie haben Sie das überhaupt gemacht?"

„Es war nicht weiter schwer, Granger. Immerhin waren Sie in den vergangenen Wochen regelmäßig bei mir."

„Was Sie noch lange nicht dazu befähigt, sich einfach über mich hinwegzusetzen!"

"Ich glaube, Sie unterschätzen die Ernsthaftigkeit der Situation", sagte er steif.

Ungläubig funkelte sie ihn an. "Die Situation sieht so aus, dass Sie mir keine Wahl gelassen haben. Sie haben mich gezwungen."

"Bitte! Wer hat denn hier wen verführt?"

Sie schüttelte den Kopf. "Sie wissen genau, dass wir beide es so wollten. Aber das, was Sie getan haben, geht entschieden zu weit. Ich bin fertig mit Ihnen."

Wutentbrannt stürmte sie an ihm vorbei in Richtung Tür. Snape kam ihr zuvor. Er machte einen Satz auf sie zu und packte sie mit beiden Händen fest an den Schultern.

"Wo wollen Sie hin? Wir haben noch einiges zu besprechen, bevor Sie gehen."

Hermine biss sich auf die Lippe. War das sein Ernst? Er konnte unmöglich glauben, sie würde sich auch nur ein weiteres Wort von ihm anhören. Sie ertrug es nicht länger, ihm in sein verlogenes Gesicht zu sehen und senkte den Blick auf seine vor ihr aufragende Brust. Seine Atmung war noch immer so aufgewühlt, dass sich die Knöpfe darauf rasend schnell hoben und senkten.

"Ich glaube, Sie haben mich nicht richtig verstanden, Professor", sagte sie mit Tränen in den Augen. "Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen. LASSEN SIE MICH GEHEN."

Snape ließ wie erschlagen die Arme sinken und runzelte die Stirn.

"Aber ..." Er schluckte. "Wo wollen Sie hin?", fragte er mit belegter Stimme, als ihm zu dämmern schien, was sie vorhatte.

Hermine zog die Nase hoch und blickte auf. Sie sah seine fragenden Augen und wünschte sich, es hätte wenigstens etwas Bedauern darin gelegen. Doch wie so oft war da nichts, das auch nur eine Spur von Reue zeigte.

"Ich möchte fort von hier", flüsterte sie leise. "Fort von Ihnen."

Wortlos starrte er sie an. Und wieder hatte er nicht damit gerechnet, dass sie so reagieren würde. Unweigerlich fragte er sich, wie auch sie es ebenfalls getan hatte, was sie überhaupt voneinander wussten.

"Ich werde Sie auf keinen Fall gehen lassen", sagte er ernst und mit nahezu unbeweglichen Lippen.

"Das werden Sie wohl müssen. Sie können mich nicht ewig im Auge behalten. Aber um uns beiden weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, bitte ich Sie, mir heute Nacht die Türen und Tore offen zu lassen, damit ich von hier verschwinden kann. Mehr will ich nicht von Ihnen."

Snape antwortete nicht. Sekunden vergingen, in denen sie sich einfach nur ansahen. Keiner konnte mehr sagen, was das, was sich in den vergangenen Wochen zwischen ihnen abgespielt hatte, überhaupt gewesen war. Dann nickte er verbissen.

Langsam, als würden ihre Beine schwer wie Blei sie zu Boden ziehen, setzte sie sich in Bewegung.

Erst an der Tür angelangt machte sie Halt, drehte sich um und lächelte ihm mit deutlicher Bitterkeit im Blick ins Gesicht.

"Dachten Sie wirklich, es würde so einfach werden? Sehen Sie sich an! Ihr Plan ist nicht aufgegangen, Professor. Wenn Sie das nächste Mal vorhaben, jemanden hintergehen zu wollen, sollten Sie zusehen, etwas mehr über ihn in Erfahrung zu bringen, denn am Ende passiert genau das und Sie haben nichts gewonnen, dafür aber alles verloren."