Ludicrous Smile

Kapitel 26

„Hat sie das so gesagt?"

„Genau so", versicherte Phineas mit gerunzelter Stirn.

„Dann sind sie verzweifelter als ich dachte", murmelte Dumbledore in seinen Bart hinein.

Snape, der aufrecht und mit vor der Brust verschränkten Armen in seinem Stuhl saß, stieß ein amüsiertes Schnauben aus.

„Das ist rührend, Albus, wirklich. Jetzt, wo Sie ein dreiviertel Jahr tot sind, fällt Ihnen auf, dass Ihr Goldjunge keine Ahnung hat, was er da eigentlich tut."

„Das ist so nicht ganz richtig, Severus", schaltete sich Phineas ein und verengte die Pupillen zu Schlitzen, während er in Dumbledores Richtung sah. „Na los doch, Dumbledore, sagen Sie es ihm!"

„Es ist besser, Sie halten den Mund, Phineas", erwiderte Dumbledore mahnend. „Es ist zu riskant."

„Und wenn schon! Bei der derzeitigen Lage haben wir nicht viel zu verlieren. Wenn Sie es ihm also nicht sagen wollen, werde ich es tun."

„Mir was sagen?", fragte Snape und wirkte dabei äußerst erstaunt.

Dumbledore schüttelte niedergeschlagen den Kopf, Phineas ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken.

„Das, was Potter zu tun hat", murmelte Phineas mit ernster Miene. „Es sind Horkruxe, die ihm zur Unsterblichkeit verhalfen, Seelenbruchstücke, Mehrfach an der Zahl. Ich nehme an, Sie sind vertraut damit?"

Snapes Gesicht wirkte entsetzt. Sogar für seine Verhältnisse war es weißer als sonst.

„Wie viele, Albus?"

„Sechs. Das siebte Stück ist das, was ihn selbst ausmacht."

Es war vollkommen still geworden. Sämtliche Portraits an den Wänden zogen es vor, nichts darauf zum Besten zu geben. Sogar Phineas blieb stumm und wartete, was als Nächstes geschehen würde, nachdem er diese Diskussion ins Rollen gebracht hatte.

"Ich muss dir nicht sagen, was diese Information in den Händen Voldemorts auslösen würde", bemerkte Dumbledore eindringlich. "Wenn er wüßte, dass wir ..."

"Ich habe durchaus verstanden, Albus", sagte Snape und seine Stimme wirkte dabei schneidend kalt und berechnend zugleich. Er reckte das Kinn in die Höhe und fasste Dumbledore scharf ins Visier. "War es das, was Sie mir die ganze Zeit über vorenthalten haben? Oder gibt es noch mehr, das ich nicht weiß?"

Dumbledore seufzte. "Es ist die entscheidende Information, die ich dir nicht auch noch aufbürden wollte, Severus", sagte er sodann.

"Aufbürden?", schnappte Snape unbeeindruckt zurück. "Ich sehe nicht, warum Sie sie mir vorenthalten haben. Sie haben mich für Ihre Zwecke benutzt und mir das verschwiegen. Bemerkenswert. Offenbar bin ich nicht der Einzige, der seine Zweifel daran hat, dass ich diesen Krieg überleben werde."

Dumbledore legte den Kopf schief und musterte ihn verwundert.

"Worauf willst du hinaus?", fragte er sanft.

"Dass ich ein Recht darauf hatte, zu erfahren, worum es bei dieser Heimlichtuerei ging. Es war schließlich mein Kopf, den ich hingehalten habe."

"Gerade deswegen solltest du wissen, was dabei auf dem Spiel steht. Nicht nur für Harry, sondern auch für dich."

"Natürlich", sagte Snape bitter, woraufhin sich seine Mundwinkel zu einem Grinsen verzogen. "Für Sie kommt der Junge immer zuerst."

Dumbledore kniff die Brauen zusammen.

"Geht es dir etwa um Anerkennung? Nun, darf ich dich daran erinnern, dass du selbst nicht wolltest, dass jemand davon erfährt, was du auf dich nimmst?"

"Das ist es nicht", zischte Snape kopfschüttelnd zwischen den Zähnen hindurch.

"Was dann? Du denkst doch nicht immer noch, ich hätte ihm mehr vertraut als dir. Severus, das ist ... es ist kein Wettbewerb um meine Gunst, den es hier zu gewinnen gilt -"

"Nein", sagte Snape hart, seine Stimme aber verriet nur zu deutlich, dass er verunsichert war. "Wann begreifen Sie es endlich, Dumbledore? Alles, was ich jemals hatte, war Ihr Vertrauen. Doch ihm vertrauen Sie mehr. Sie haben ihn eingewiesen und mich außen vor gelassen. Das ist nicht das, was ich nach all den Jahren erwartet habe."

"Was hast du dann erwartet? Du allein wusstest von dem Plan. Du bist lange eingeweiht, Harry hingegen hat es eben erst erfahren."

"Das weiß ich", murmelte Snape. Er sackte in seinem Stuhl zusammen und vergrub das Gesicht in den Händen. "Ich dachte, ich könnte ..."

"Du könntest was?"

Er ließ die Hände bedächtig wieder sinken und sah ihn an, die schwarzen Augen von Schmerz durchzogen.

"Es geht um sie", brachte er kaum hörbar hervor.

"Um wen? Lily?"

Snape verzog das Gesicht. "Sie ist tot, Albus. Oder etwa nicht? Was tue ich dann noch hier?"

Er sah so desolat aus, dass Dumbledore kaum eine Antwort darauf wusste.

"Du bist hier wegen Harry", sagte er schließlich. "Und wegen Miss Granger, die du ja schwängern musstest."

Snape fuhr zusammen. Bis eben hatte er die Angelegenheit in seiner Aufregung ganz vergessen. Doch der Vorwurf in Dumbledores Worten war nicht zu überhören gewesen. Selten hatte sich dieser ihm gegenüber so offen geäußert.

"Ich möchte nichts davon hören, Albus", murmelte er mit gebrochener Stimme.

Langsam stand er auf und ging zum Fenster hinüber. Dort starrte er eine Weile hinaus in die Dunkelheit, während keiner der ehemaligen Schulleiter an den Wänden sich etwas zu sagen getraute. Lediglich verhaltene Blicke wurden getauscht.

"Jetzt hat sie einen Grund mehr, mich zu hassen", gab er von sich, nachdem ein paar Minuten vergangen waren. Er drehte sich um und sah Dumbledore zornig an. Eine tiefe Falte prangte nun zwischen seinen Brauen. "Ist das nicht so?", stieß er sarkastisch aus.

"Kannst du es ihr etwa verübeln?", fragte Dumbledore zurück.

Snape schüttelte den Kopf.

"Nein."

Ein verhaltenes Räuspern war zu hören und alle, Snape eingeschlossen, drehten sich abrupt in die Richtung, aus der es gekommen war.

"Ich muss zugeben, dass ich das Mädchen unterschätzt habe", sagte Phineas. "Sie scheint mehr Einfluss auf Sie zu haben als angenommen, Severus."

Snape blickte ihn finster an.

„Worauf wollen Sie hinaus, Phineas?"

„Ich frage mich, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, dass Sie sich das eingestehen", erklärte Phineas mit einem flachen Lächeln auf den Mundwinkeln.

„Aber", warf Snape ein, „wie kommen Sie darauf, dass ich das möchte?"

Diesmal war es Dumbledore, der einschritt. Er beugte sich nach vorn, sodass es beinahe aussah, als würde er aus dem Rahmen hinausragen. Mit einer Miene, die blanke Autorität verkündete, sah er Snape an.

„Wie hast du es dir denn vorgestellt? Du wolltest sie haben und musst nun die Konsequenzen tragen, die du zu verantworten hast. Dachtest du etwa, es würde genügen, ihr an der Schule Unterschlupf zu gewähren, bis das Kind geboren ist oder du eines Tages auffliegst und stirbst?"

Snape antwortete nicht und rang die Hände.

„So einfach hätte er es dir nicht gemacht, Severus, das weißt du. Du wirst also schon etwas mehr im Kopf gehabt haben, nicht wahr?"

„Sie – Sie verstehen das nicht, Albus ..."

„Ich verstehe dich sehr gut. Besser noch, als du glaubst. Dein Egoismus ist beschämend. Du hast natürlich nicht daran gedacht, mit ihr zu fliehen, habe ich Recht? Lord Voldemort ist unsterblich. Nur er selbst kann das Dunkle Mal von dir nehmen. Aber das wird er nicht tun. Eher tötet er dich. Es wäre viel zu riskant für ihn, dich freizulassen. Du hast immer zu seinem engsten Kreis gehört und weißt zu viel. Sag mir also nicht, du hattest gehofft, er würde euch irgendwann die Freiheit schenken. Trotzdem wolltest du eingreifen. Du hast damals Lily verloren und wolltest nun sie dafür retten. Aber das ist kein Spiel, Severus. "

„Natürlich nicht!"

„Gut. Es hätte mich auch gewundert, wenn du etwas anderes behauptet hättest."

Snape senkte den Blick zu Boden und die schwarzen Strähnen fielen ihm vors Gesicht. Er wirkte wie erschlagen.

„Nun", setzte Dumbledore nach einer kleinen Pause an, „was mit euch geschieht, muss warten. Wir haben dringendere Dinge zu erledigen. Weißt du etwas über einen Gegenstand, den Tom irgendwo versteckt hat? Etwas, das mit den Gründern der Schule zu tun hat? Ein Symbol, ein Wappen, so wie dem Schwert von Gryffindor oder Hufflepuffs Becher?"

„Nein. Aber ich weiß einen Ort, wo er etwas versteckt haben könnte." Er sprach so leise, dass es schwer war, ihn zu verstehen, doch Dumbledore riss interessiert die Augen auf. „Gegen Ende des Jahres, als ich im Verlies der Lestranges das Schwert verstecken wollte, hat Bellatrix mich mit Fragen überrascht. Sie wirkte nervös und wollte wissen, was ich in das Verlies hineintun würde. Dann hat sie mir angeraten, einen Hauselfen zu beauftragen, weil sie mich nicht in der Nähe davon haben wollte -"

„Mir scheint, sie hat dir misstraut", sagte Dumbledore und stieß einen erleichterten Seufzer aus. „Denkt ihr, was ich auch denke?"

Ein leises Raunen hallte von den Wänden wider, als Dumbledore sich umsah, die wachen blauen Augen von einem eigentümlichen Glanz erhellt.

„Allerdings!", verkündete Phineas laut. „Etwas von großem Wert muss in diesem Verlies sein. Ein Gegenstand, den sie bewachen soll. Wir müssen nur da hinein, um zu wissen, was es ist."