Ludicrous Smile
Kapitel 34
Hermine saß zusammengesunken auf seinem Schoß und verstand die Welt nicht mehr. Tief in sich selbst zurückgezogen ließ sie zu, dass er sie an sich drückte und ihr mit der Hand übers Haar strich. Sie wollte nicht glauben, dass die Dinge so enden sollten. Nicht jetzt, wo sie endlich begriffen hatte, wie sehr sie darauf vertraut hatte, eines Tages doch noch mit ihm zusammen sein zu können.
„Sag mir nicht, du hast etwas anderes erwartet, Hermine", hörte sie ihn aus weiter Ferne zu sich sprechen, „sag das nicht."
Wie zuvor auch klang seine Stimme gebrochen und rau. Es war nicht oft vorgekommen, dass sie eine Situation wie diese mit ihm erlebt hatte. Es war unheimlich und vollkommen untypisch für ihn.
Sie zog die Nase hoch und blickte auf. Was sollte sie denn sagen? Sollte sie ihm vormachen, dass es ihr gleichgültig war?
„Natürlich habe ich gehofft ..."
Er schüttelte den Kopf. Es machte ihm weitaus mehr zu schaffen, sie so leiden zu sehen, als angenommen. Sanft wischte er mit dem Daumen eine einzelne Träne beiseite, die sich in ihren Wimpern verfangen hatte.
„Es tut mir leid."
Sie schwieg. Vielleicht stimmte es ja, dass es keinen Sinn mehr machte, etwas ändern zu wollen. Vielleicht gab es wirklich keine Zukunft mit ihm. Aber einfach aufgeben? Nein.
Ganz plötzlich rappelte sie sich hoch und blinzelte den wässrigen Schleier fort, der ihr die Sicht auf sein Gesicht nahm.
„Wie kannst du nur einfach so aufgeben, Severus?"
„Das ist es nicht", murrte er düster. „Es hätte schon vor langer Zeit so kommen sollen, damals im ersten Krieg."
„Aber … warum?"
„Das weißt du genau."
Lily. Hermine spürte alleine bei dem Gedanken an Harrys Mutter eine unglaubliche Wut in sich hochsteigen.
„Warum hast du nicht versucht, jemand anders zu finden? Warum, Severus? Dachtest du, sie würde zu dir zurückkommen?"
„So war das nicht!", stieß er verärgert aus.
„Wie war es dann – nein, sag nichts! Ich will es, glaub ich, gar nicht wissen."
„Natürlich willst du das."
„Und wenn schon! Es ist mir egal."
„Das glaubst du doch selbst nicht. Warum denkst du, veranstalten wir dieses ganze Theater hier? Weil du dir einbildest, du könntest -"
Er verstummte. Den Gedanken im Kopf zu vollenden war eine Sache, es auszusprechen eine andere. Erst jetzt schien ihm zu dämmern, dass auch er insgeheim angefangen hatte, sich Hoffnungen zu machen, die im Grunde genommen aussichtslos waren. Es war absurd.
„Sie ersetzen?", fragte Hermine vorhersehend. „Glaubst du allen Ernstes, dass ich das möchte?"
„Hör auf, darüber zu reden. Dazu hast du kein Recht."
Hermine schnaubte leise und verschränkte geknickt die Arme vor der Brust.
„Ich will sie doch gar nicht ersetzen, Severus. Ich weiß ja nicht einmal, wie ich das mit euch sehen soll, immerhin war sie mit James zusammen ..."
Umgehend biss sie sich auf die Lippe. Doch um es zurückzunehmen, war es zu spät.
„Entschuldige. Es war nicht richtig, das zu sagen."
„Nein, war es ganz und gar nicht", knurrte er mit fest aufeinander gepressten Lippen hervor.
„Aber ich verstehe es trotzdem nicht. Warst du damals auch bereit, einfach aufzugeben?"
Snape seufzte tief und langanhaltend.
„Es ist nicht so, wie du denkst. Manchmal gibt es einfach Dinge, die alles aus dem Gleichgewicht bringen. Es kann nicht immer einen Ausweg geben."
„So wie die Sache mit dieser Prophezeiung?"
„Ja, auch", sagte er unwirsch.
„Aber … ich glaube nicht, dass du wusstest, was du damit auslöst, oder? Du hättest doch nie gewollt, dass so etwas passiert!"
„Das macht nun keinen Unterschied mehr. Selbst wenn es nicht die Potters getroffen hätte, hätten andere dafür bezahlt."
Sie runzelte die Stirn. Soweit sie von Harry wusste, wäre ebenso gut Neville dafür infrage gekommen, die Prophezeiung zu erfüllen.
„Severus?"
Er zog eine seiner Brauen hoch.
„Angenommen, es wäre nicht um Harrys Mum gegangen, auf die es Du-weißt-schon-wer abgesehen hatte, wärst du dann heute auch auf unserer Seite?"
Auf Snapes Gesicht tauchte eine Vielzahl an dunklen Furchen auf, die Hermines Vermutungen bestätigten.
„Das kann ich dir nicht beantworten", sagte er abwesend. „Aber vermutlich hätte ich nicht diesen Hass auf ihn entwickelt, der mich dazu getrieben hat, mich an Albus zu wenden."
„Das verstehe ich nicht. Ich dachte, Dumbledore -"
„Ich kam damals zu ihm und habe ihn angefleht, Lily zu beschützen. Ich dachte, er würde es tun. Er war meine einzige Hoffnung, dafür Sorge zu tragen, dass sie am Leben bleibt."
Hermine fröstelte. Es fiel ihr nicht leicht, das alles zu verstehen, doch um sich darüber Gedanken zu machen, blieb ihr keine Zeit, denn er fuhr fort.
„Soweit sollte es aber nicht kommen. Zuerst hat er mich abblitzen lassen, weil es mir nur um sie ging, nicht um ihre Familie. Dann hat er mir zu verstehen gegeben, dass er eine Gegenleistung dafür will."
„Und du hast eingewilligt."
Snape nickte kaum merklich.
„Ja."
Hermine entging nicht die Schwankung in seiner Stimme, als er das sagte. Den Rest der Geschichte kannte sie inzwischen. Für ihn war daraus eine Mischung aus vielen tragischen Ereignissen und einem jahrelangen Martyrium geworden, das er als Spion für Dumbledore erduldet hatte.
„Ist denn niemand von euch auf die Idee gekommen, dass ihr zu viele Mitwisser hattet? Wieso dachte James, dass ausgerechnet Pettigrew das Geheimnis über den Aufenthaltsort der Potters wahren würde? Soweit ich weiß, haben ihn alle immer für einen schwachen und anfälligen Charakter gehalten."
Er verzog das Gesicht.
„James war schon immer arrogant genug gewesen, um zu glauben, dass ihm die ganze Welt gehörte. Er wäre gar nicht auf die Idee gekommen, seinem Freund zu misstrauen."
Auch Hermine musste sich eingestehen, dass sie die Sache mit James genauso betrachtete. Zwar stand das, was sie bisher von Snape über Harrys Dad erfahren hatte, im krassen Widerspruch zu dem, was Sirius immer behauptet hatte, doch selbst Lupin hatte hin und wieder verlauten lassen, dass James einen sehr speziellen Charakter gehabt haben musste, der zu seinem Übermut beigetragen hatte. Ein einziges Mal war auch Harry zu dem Schluss gekommen, James nicht als den Helden zu betrachten, von dem immer alle geschwärmt hatten, nämlich, nachdem er die Erinnerungen seines Professors im Denkarium gesehen hatte.
Müde kuschelte Hermine sich an ihn und ließ sich von ihm festhalten. Für ein paar stille Minuten betrachtete sie so sein Gesicht und lauschte seinem Atem, der gleichmäßig und warm aus seiner Nase strömte. Snape starrte derweil abwesend in den Raum hinein. Vermutlich war er in Gedanken noch immer da, wo seine Worte geendet hatten.
Irgendwann, Hermine fühlte sich zu müde, um weitere Fragen zu stellen oder mit ihm über ihre Zukunft zu diskutieren, reckte sie den Kopf und küsste ihn auf den Mund. Er reagierte äußerlich nicht darauf und ließ es einfach geschehen. Erst etliche Sekunden später, nachdem er von einem leisen Stöhnen begleitet die Augen geschlossen hatte, erwiderte er den Kuss. Ihre Lippen drifteten auseinander und hießen seine Zunge willkommen.
Hermine konnte spüren, wie die Hitze durch seinen Körper strömte, bis sie auch sie selbst bis tief in ihre Mitte hinein erreichte. Seine Arme griffen nach ihren, immer beständiger presste er sie an sich. Sie fühlte, wie sich ihre Nippel seiner Brust entgegen reckten und sich bei jedem der aufgewühlten Atemzüge an ihm rieben. Ihr Höschen wurde ganz feucht bei dem Gedanken daran, wie er zum ersten Mal mit seinen langen Fingern ihren Busen liebkost hatte.
Auf einmal merkte sie, wie seine harte Männlichkeit durch die Kleidung hindurch gegen ihre Hüfte stieß. Überrascht rang sie nach Luft. Es war nicht so, dass sie nicht mit ihm schlafen wollte, doch die Überwindung, die es sie gekostet hatte, mit seinem Vertrauensbruch zurechtzukommen, ermahnte sie dazu, es nicht zu tun. Hermine konnte trotzdem nicht länger gegen den Drang ankämpfen, sich mit ihm zu vereinen. Sie begriff immer mehr, wie sehr sie sich insgeheim danach gesehnt hatte, da mit ihm weitermachen zu können, wo es geendet hatte.
Ungeduldig fing sie an, die ersten Knöpfe auf seiner Brust zu öffnen, dann folgte das darunter zum Vorschein kommende Hemd. Als sie daraufhin mit der Hand das Unterhemd beiseite schob, um seine Haut freizulegen, schreckte er zurück. Er löste sich von ihr los und nahm sie bei den Schultern. Dann sah er sie an und setzte ein unbeholfenes Lächeln auf.
"Lass uns nach oben gehen."
Hermine wurde rot. Sie glitt von seinem Schoß, sodass er aufstehen konnte. Verunsichert ergriff sie seine dargebotene Hand. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie geglaubt, dass er nervös gewesen war, weil er sich davor fürchtete, einen weiteren Fehler zu begehen. Doch schon auf der Treppe hatte sie den Gedanken wieder verdrängt, denn seine Hand hielt fest und bestimmend die ihre. Es war nach wie vor Snape, um den es sich handelte. Er konnte tun, was er wollte, und würde doch immer der bleiben, der er war.
In seinem Schlafzimmer angelangt legten sie behutsam ihre Sachen ab und schlüpften nackt ins Bett. Eng an seine Seite geschmiegt studierte sie mit den Augen jeden Zentimeter seines zerfurchten Gesichts, während er nachdenklich mit den Fingern ihre roten Locken zerteilte. Hermine spürte, dass es ihn Überwindung kostete, den ersten Schritt zu tun. Er hatte bei Weitem nicht so zögerlich auf sie reagiert, als er das erste Mal mit ihr geschlafen hatte.
Die Erinnerung an die vergangenen Monate brachte auch Hermine ins Grübeln. Was wäre wohl geschehen, wenn sie nicht schwanger geworden wäre? Hätten sie dann einfach so weitergemacht wie zuvor? Hätten sie den täglich lauernden Gefahren zum Trotz hemmungslos hier und dort miteinander geschlafen, ohne sich jemals ernsthaft miteinander auszutauschen? Wäre sie dann jetzt gar nicht hier in diesem heruntergekommenen Haus, sondern vielleicht in Hogwarts? Oder würde sie längst in einer Zelle in Askaban sitzen, weil sie die Anforderungen des Ministeriums bezüglich ihrer Herkunft nicht erfüllen konnte?
Trotz aller Bitterkeit und Ironie hatte die neu gewonnene Nähe zwischen ihnen einen sinnlichen Nachgeschmack, denn wenn man genauer darüber nachdachte, war es durchaus etwas anderes, sich innig in einem schmalen Single-Bett im Arm zu halten, als sich im Schullabor notdürftig die Klamotten vom Leib zu reißen, um einfach nur auf der kalten Arbeitsplatte gevögelt zu werden. Und auch dann, wenn es in diesem Haus nicht perfekt war, hatte sie Gefallen daran gefunden. Selbst das karg eingerichtete Schlafzimmer mit den alten hölzernen Möbeln war so typisch für ihn, dass es ihr nichts ausmachte, eng mit ihm zusammenzurücken. Im Gegenteil, obwohl er selbst das Haus nicht zu mögen schien, war alles ordentlich und aufgeräumt.
Snape schien zu bemerken, was in ihr vorging, denn auf einmal geriet sein Körper Bewegung. Er richtete sich auf und rollte sich auf sie. Seine schwarzen Augen spiegelten deutlich das Verlangen nach ihr wider und Hermine kam nicht umhin, dasselbe zu empfinden; das wilde Klopfen seines Herzens über ihr war so eindringlich zu spüren wie selten zuvor.
„Ich möchte dich", hauchte sie leise. „Ich möchte dich so sehr."
Wohlig schaudernd versenkte sie ihre Finger in seinen langen Strähnen, sodass sein auf ihrem Unterleib ruhender und immer härter werdender Schwanz zuckte. Ihre Hände glitten in seinen Nacken, den Rücken hinab bis zu seinem Po. Dort angelangt reckte sie sich ihm entgegen und drückte auffordernd die Nägel in seine Backen.
„Lass mich dich fühlen, Severus. Bitte."
Er schluckte. Wortlos griff er mit der Hand zwischen ihre Körper und tauchte in sie ein.
Hermine stöhnte lüstern auf. Sie war so überwältigt, so Feuer und Flamme für ihn, dass sie nun nichts mehr daran hindern konnte, sich ihm hinzugeben. Die anfängliche Zurückhaltung war verschwunden, es blieben nur noch sie und er.
Langsam fing er an, sich zu bewegen. Sie fühlte jeden seiner Muskeln arbeiten und nahm begierig das tiefe Grollen wahr, das sich in seiner Kehle bildete und in ihren Mund strömte, während er sie küsste. Es war, als wären sie nie voneinander getrennt gewesen; mehr noch, denn sie wusste endlich, wie sehr sie einander wollten.
