Ludicrous Smile
Kapitel 36
Hermine war außer sich, als sie am nächsten Tag davon erfuhr, dass Harry die Verbindung zu Voldemort nicht unterbrochen hatte, wodurch sich der Austausch über die letzten Neuigkeiten etwas schwierig gestaltete.
„Du musst das unbedingt verhindern, Harry", schrieb sie mahnend. „Es ist gefährlich, wenn du die Verbindung zu ihm zulässt."
„Ich weiß, Hermine. Aber manchmal kann ich es nicht verhindern. Ich hab nie gelernt … ich weiß nicht, wie das geht."
Deprimiert las sie die letzten Zeilen noch einmal durch und schüttelte den Kopf darüber. Natürlich hatte er es nie gelernt, dachte sie bitter, weil er den Unterricht mit Severus nicht ernst genommen hatte. Er hatte damals sogar versucht, ihm anzuhängen, dass die Schmerzen, das Brennen seiner Narbe, dadurch noch schlimmer geworden waren.
„Ist dir nicht klar, dass Du-weißt-schon-wer diese Verbindung nutzen kann? Vielleicht wird er noch einmal versuchen, dich in eine Falle zu locken, wie er es damals mit Sirius getan hat."
„Das ist witzig, Hermine!", kam erbost zurück. „Danke, dass du das erwähnst, da fühle ich mich doch gleich viel besser. Übrigens, ich würde es ja anders machen, wenn ich es könnte. Es ist nämlich nicht gerade lustig, das durchzumachen, weißt du? Ich hasse es, das zu tun. Es ist abscheulich, weil ich nicht weiß, ob er mir und meinem Vorhaben dabei irgendwann auf die Schliche kommen wird. Und bevor du wieder mit Dumbledore anfängst, der kann mir langsam gestohlen bleiben! Natürlich wollte er, dass ich Okklumentik lerne. Aber er hätte sich ja auch selbst drum kümmern können, es mir beizubringen, anstatt mir Snape aufzuhalsen. Er hätte einfach wissen müssen, dass das schiefgehen würde!"
„Er dachte, dass es so besser ist, Harry."
„Ist mir egal. Dumbledore ist mir monatelang aus dem Weg gegangen. Er hat sich keinen Schimmer dafür interessiert, wie es mir nach dem Vorfall auf dem Friedhof ging."
„Das ist nicht wahr. Du selbst hast mir erzählt, dass er sich um dich gesorgt hat. Dass er Angst hatte, Du-weißt-schon-wer könnte dich benutzen, um dadurch an ihn heranzukommen und umgekehrt genauso."
„Aber was hat es ihm gebracht, Hermine? Er ist tot! Dumbledore hatte im darauffolgenden Jahr die Möglichkeit, es besser zu machen. Doch er hat es nicht getan, wenn ich so darüber nachdenke. Er hätte mir bei den gemeinsamen Unterrichtsstunden einfach klipp und klar alles sagen sollen, was er wusste, dann könnte ich es mir vielleicht ersparen, das jedes Mal wieder durchzumachen, wenn meine Narbe wie Feuer brennt, in der Hoffnung, irgendeinen winzigen Hinweis von Du-weißt-schon-wem zu bekommen, der mir weiterhelfen kann."
Hermine biss sich schmerzhaft auf die Zunge, als sie das las. Er schien so geladen zu sein, dass sie es nicht wagte, weiter darauf herumzureiten.
„Tut mir leid, Harry. Lassen wir das besser", schrieb sie entschuldigend zurück. „Sag mir lieber, was du davon hältst, dass er den Zauberstab gestohlen hat. Irgendwas wird er doch damit vorhaben, oder?"
„Woher du das weißt, brauch ich wohl nicht erst zu fragen."
„Nein, brauchst du nicht. Severus hat es mir gesagt."
Es dauerte eine Weile, ehe eine Antwort zurückkam und Hermine vermutete, dass er und Ron gerade darüber diskutierten, ob sie das so hinnehmen sollten oder nicht. Vielleicht war ihnen auch aufgestoßen, dass sie Snapes Vornamen verwendet hatte, anstatt ihn wie üblich Snape zu nennen.
„Er hat es dir gesagt? Dann weißt du sicher auch, dass er es war, der ihn in Hogwarts reingelassen hat."
Hermine stutzte, bevor sie antwortete.
„Nicht direkt, Harry. Aber ich hab mir schon so was gedacht. Wie sonst hätte er reinkommen sollen, ohne alles in Schutt und Asche zu zerlegen? Severus ist nun mal der Schulleiter. Also, was ist jetzt? Hast du eine Idee, was er damit anfangen könnte?"
„Das wäre durchaus möglich. Wir waren gestern Nachmittag bei den Lovegoods zuhause und haben mit Lunas Dad gesprochen."
„Ihr wart was?"
„Ist doch halb so wild. Es ist alles gut gegangen, obwohl wir fast von Todessern geschnappt wurden. Aber eben nur fast."
„Unmöglich! Wie konntet ihr das nur tun und mir nichts davon sagen?!"
„Nein, ist es nicht, Hermine. Wir dachten nur, dass es besser ist, es dir nicht unbedingt auf die Nase zu binden, weil du dich sonst nur darüber aufregen könntest."
„Ist das denn ein Wunder? Natürlich rege ich mich darüber auf! Was soll das überhaupt heißen, ihr wurdet fast geschnappt?"
„Das ist eine etwas längere Geschichte", schrieb Harry und berichtete knapp die Einzelheiten von ihrem Aufeinandertreffen mit Lunas Vater, der wie damals auf Bills Hochzeit auch einen sehr unkonventionellen Auftritt hingelegt hatte.
„Er ist eben sehr speziell", warf Ron daraufhin ein. „Du hättest das Haus sehen sollen!"
„Habt ihr wenigstens was herausbekommen?", wollte Hermine ungeduldig wissen.
„Das können wir nicht mit Sicherheit sagen. Aber nachdem ich dieses Erlebnis mit Du-weißt-schon-wem hatte, wäre es durchaus möglich. Und es gibt noch eine Neuigkeit: Luna ist verschwunden."
Hermine wusste nicht, ob sie aufgrund dieser Nachricht besorgt sein sollte oder nicht. Einerseits war ihr Luna ans Herz gewachsen, weil sie eben, wie Ron bemerkt hatte, typisch Lovegood, schon immer sehr speziell gewesen war. Andererseits musste ihr Verschwinden aus ebendiesem Grund nicht zwangsläufig etwas Schlechtes bedeuten, wenn man sie kannte.
„Wie ist das denn passiert? Ist sie etwa abgehauen, weil sie genug von Snargaluffs und Schrumpfhörnigen Schnarchkacklern hatte?"
„Das ist nicht witzig, Hermine. Sie wurde von den Anhängern von Du-weißt-schon-wem entführt, weil Xenophilius ein paar Sachen im Klitterer veröffentlicht hat, die für ziemlichen Wirbel gesorgt haben."
Oh. Damit hatte sie nun wahrlich nicht gerechnet.
„Das ist ja furchtbar, Harry!"
„Ist es. Das war auch der Grund, weshalb Ron und ich fast geschnappt wurden. Ihr Dad dachte, dass er sie zurückbekommt, wenn er uns fasst und uns an die Todesser ausliefert."
„Aber zum Glück ist ja nochmal alles gut gegangen", schrieb Ron beschwichtigend. „Harry hat mich unter dem Tarnumhang versteckt, weil ich ja angeblich im Bett liege und eines qualvollen Todes sterbe, sich kurz den Todessern gezeigt, und ist dann mit mir verschwunden."
„Seid ihr verrückt?"
„Die hätten ihn umgelegt, wenn er sie umsonst gerufen hätte, Hermine! Du-weißt-schon-wer hat offenbar genug davon, ständig auf eine falsche Fährte geführt zu werden. Alle wollen die Belohnung haben, die auf uns ausgesetzt ist."
Als sie das hörte, war sie endgültig den Tränen nahe. Es war kaum zu glauben, dass sie sich hier in Sicherheit fühlte, wo doch um sie herum alles ein einziges Chaos war.
Nachdem sie sich halbwegs wieder beruhigt hatte, ließ sie sich von Harry und Ron erklären, was Xenophilius ihnen noch aufgetischt hatte.
„Er denkt ernsthaft, dass dieses Märchen in dem Buch, das Dumbledore dir vermacht hat, wahr ist, und es diese Heiligtümer wirklich gibt."
„Aber das kann nicht sein", bemängelte Hermine kritisch. „Es ist ein Märchen, Harry."
„Und was ist dann mit diesem Umhang, den Harry hat?", schrieb Ron schnell zurück. „Er hat uns noch nie im Stich gelassen, Hermine. Und Du-weißt-schon-wer hat jetzt diesen Stab und ..."
Hermine wurde ganz bleich bei dem Gedanken daran.
„Das ist es also! Er ist hinter diesen Heiligtümern her?"
„Wir vermuten es", schrieb Harry.
„Aber das kann es nicht sein. Ein Märchen ist und bleibt ein Märchen. Außerdem hat Dumbledore gewollt, dass du die Horkruxe suchst, Harry, nichts anderes. Er hat die Heiligtümer des Todes nie erwähnt, oder?"
„Nein, hat er nicht."
„Siehst du? Vergiss das wieder. Lass um Himmels Willen die Finger davon."
„Aber was, wenn er wollte, dass ich das herausfinde? Er hat dir das Buch bestimmt nicht umsonst vermacht."
„Ich weiß, was du meinst. Und es tut mir leid, dass ich nicht weiter nachgebohrt habe oder von selbst darauf gekommen bin, was das Märchen bedeuten könnte. Aber so ist das eben, wenn man bei Muggeln aufwächst."
„Niemand macht dir einen Vorwurf, Hermine. Ich war selbst total überrascht, als ich die Zusammenhänge erfuhr."
„Wenn du nichts dagegen hast, rede ich bei Gelegenheit mal mit Severus darüber. Vielleicht kann er ja was in Erfahrung bringen, was Dumbledore dir nicht mehr sagen konnte."
„Meinetwegen. Du machst ja sowieso, was du für richtig hältst."
„Das ist nicht fair, Harry! Wir versuchen nur beide das Beste aus der Sache zu machen. Aber wenn es so schlimm für dich ist, lass ich es bleiben."
„Auf gar keinen Fall", mischte Ron sich ein. „Wir müssen alle Informationen zusammentragen, die wir kriegen können. Denkt ihr, ich will für den Rest meiner Tage auf der Flucht sein? Wird langsam Zeit, dass wir ihn fertigmachen! Und jetzt lasst uns nicht mehr davon reden. Wir brauchen alle etwas Abwechslung, denke ich."
Er verabschiedete sich von ihr und Hermine war drauf und dran, selbst ihre Münze wegzustecken, als noch eine weitere Nachricht von Harry erschien.
"Ich glaube, das kann ich nicht", setzte Harry nach. "Vielleicht steckt ja doch mehr dahinter."
Hermine seufzte bedrückt. Sie hatte nicht erwartet, dass er so schnell aufgeben würde.
"Harry, selbst wenn das so ist, warum hat Dumbledore es dir dann so schwer gemacht? Warum hat er nie mit dir darüber gesprochen? Es bringt nichts, da weiterzumachen. Es ist zu spät. Du-weißt-schon-wer hat jetzt den Zauberstab. Na und? Du hast schon einmal gegen ihn gewonnen. Ganz ohne Zauberstab, als du noch ein Baby warst. Du bist der einzige Mensch, von dem wir wissen, dass er je den Todesfluch überlebt hat. Vergiss das nicht."
Es waren genau diese Worte, die ihn zu besänftigen schienen. Jedenfalls ließ er es vorerst dabei beruhen und hackte nicht weiter darauf herum.
Als sie am Abend Severus von den Zusammenhängen zwischen dem Märchen und dem Zauberstab erzählte, reagierte er nicht weiter überrascht.
"Ich traue ihm durchaus zu, dass er mehr aus dieser Sache macht, als es wirklich ist."
"Wem? Harry oder Du-weißt-schon-wer?"
"Beiden. Aber Potter sollte das tun, was Albus ihm aufgetragen hat."
Nachdenklich schob Hermine ihre Finger durch seine langen Strähnen. Es war so schön, einfach nur an ihn geschmiegt auf dem alten Sofa zu liegen, dass sie keine Lust hatte, Voldemort in diesen innigen Momenten weiter zur Sprache zu bringen. Nicht, wenn es sich vermeiden ließ.
"Kanntest du das Märchen denn, Severus?"
"Nein. Mein Vater hat so gut wie alles bei uns zuhause unterbunden, was mit Magie und Zauberei zu tun hatte."
"Schon. Aber deine Mutter ..."
"Sie hat mir schon ein paar Dinge beigebracht", sagte er unbeeindruckt. "Aber da waren keine Märchen dabei. Im Gegenteil, ich glaube, sie hat selbst irgendwann aufgehört, an Märchen zu glauben. Mit meinem Vater verheiratet gewesen zu sein, war alles andere als ein Traum."
Hermine spürte, dass es ihn quälte, daran zu denken und entschied sich dafür, das Thema für heute nicht weiter zu vertiefen.
"Was ist mit Hogwarts gewesen? Hat denn nie jemand davon erzählt?"
"Die Schüler, die nach Hogwarts kommen, sind aus dem Alter raus", sagte er kühl, "oder sagen wir, sie sollten es besser sein. Manchmal bin ich mir da nicht so sicher."
"Dann sind wir genauso schlau wie zuvor", murmelte Hermine mit den Augen rollend und lehnte ihren Kopf an seine Stirn.
"Das denke ich nicht", sagte er finster. "Wir wissen, dass er den Zauberstab hat. Vermutlich ist er wirklich auf der Suche nach diesen Heiligtümern, auch dann, wenn ich mir nicht vorstellen kann, was er dadurch noch erreichen möchte."
"Du meinst, weil er sowieso schon Unsterblichkeit erlangt hat?"
Er nickte und seine Mundwinkel rollten zurück und entblößten die gelblichen Zähne, die Hermine anfangs immer etwas skeptisch betrachtet hatte. Heute war das anders. Es störte sie nicht länger, wie er aussah. Vielmehr fand sie, dass gewisse Details an ihm seinen Charakter, an den sie sich so sehr gewöhnt hatte, untermauerten.
"Diese Sache mit den Horkruxen ist gefährlich, Hermine. Sie sind nicht kontrollierbar -"
"Hat Dumbledore das gesagt?", fragte sie ungestüm.
Snape verzog wie von einem plötzlichen Schmerz getroffen das Gesicht und Hermine bereute fast, danach gefragt zu haben. Selbst jetzt, nachdem so viel zwischen ihnen geschehen war, fiel es ihm offenbar beizeiten schwer, sich von ihr dazwischenreden zu lassen. Hinzu kam noch, dass er auf Dumbledore nicht ganz so gut zu sprechen war.
"Entschuldige", sagte sie schnell. "Ich wollte dich nicht unterbrechen. Es ist nur … ich will endlich weiterkommen."
Er sah sie mit funkelnden Augen an und atmete aus.
"Nicht direkt. Es gefällt ihm nicht, dass ich das weiß. Phineas ist weitaus kooperativer in der Angelegenheit. Er versteht mich besser als Albus es je getan hat."
"Mit anderen Worten, er hält zu dir, weil ihr beide in Slytherin gelandet seid."
Snape lächelte bitter.
"Vielleicht", flüsterte er ausweichend. Er nahm ihre Hand, um seine Finger mit ihren zu verschlingen. Hermine mochte es, wenn er das tat. "Ich habe Nagini beobachtet, als ich sie zuletzt gesehen habe", sagte er und klang mit einem Mal sehr abwesend. "Er hat sie immer bei sich und lässt sie kaum noch aus den Augen. Trotzdem ist sie ein eigenständiges Wesen und wir wissen nicht, wie sie sich durch den ständigen Kontakt zu ihm noch entwickeln wird."
"Dann müssen wir uns eben was einfallen lassen, um sie zu zerstören!"
"Und wie willst du das anstellen?", fragte er; eine seiner Brauen rutschte dabei in die Höhe.
"Uns wird schon was einfallen", gab Hermine schulterzuckend zurück. Sie fühlte sich einen Moment lang so siegessicher, dass alles in ihr vor Energie sprühte. "Wir sind kurz davor, endlich den entscheidenden Durchbruch zu machen, Severus! Ist dir bewusst, was das bedeutet?"
"Möglich. Vorausgesetzt, Albus irrt sich nicht."
"Das tut er bestimmt nicht. Er war so versessen darauf, eine Lösung zu finden, um ihn zu beseitigen, dass er dabei sprichwörtlich bereit war, über Leichen zu gehen."
Er blinzelte und sah sie an.
"Tun wir das nicht mehr oder weniger alle?", fragte er mit gedämpfter Stimme, was Hermines Enthusiasmus deutlich bremste.
Unbewusst schauderte sie. Der Blick seiner schwarzen Augen, den er ihr durch die nun halb geschlossenen Lider zuwarf, war nur schwer zu durchschauen, um nicht zu sagen unheimlich.
"Du hast Recht, Severus. Um Du-weißt-schon-wen loszuwerden, müssen wir das tun. Er ist wahnsinnig. Er tötet wahllos Menschen, weil er glaubt, dass sie unter seiner Würde sind. Aber um das zu entscheiden hat er kein Recht."
Es wurde still. Sie spürte, wie er sich aufstemmte und sich über sie beugte, um sie zu küssen, ohne dabei in Betracht zu ziehen, darauf zu antworten. Seine Lippen berührten sanft die ihren und Hermine schloss die Augen und ergab sich voll und ganz in seinen Kuss. Dann, als er sich wieder von ihr losgelöst hatte, nahm er seine Hand und strich abwesend mit dem Daumen über ihre feuchten Lippen.
"Du bist schön, Hermine", sagte er mit rauer Stimme. "Ganz besonders, wenn du genau weißt, was du willst."
Hermine lächelte verlegen und schob ihm mit der Hand einige seiner Strähnen hinters Ohr, die ihm ins Gesicht hingen.
"Gibt es einen Grund dafür, dass du mir das jetzt sagst?"
Seine Oberlippe zuckte und er setzte ein unerwartet schiefes Grinsen auf.
"Ich denke schon eine ganze Weile darüber nach, das zu tun."
Hermine blinzelte überrascht.
"Nun, wenn das so ist, solltest du das öfter tun." Sie griff in seinen Nacken und zog ihn bis auf wenige Zentimeter zu sich heran. "Ich denke übrigens dasselbe über dich, Severus", sagte sie leise. "Du bist interessant und faszinierend. Ich liebe deine Augen und wie du mich ansiehst, selbst wenn du auf mich wütend bist."
Er legte den Kopf schief und sah sie mit gerunzelter Stirn an.
"Tust du das?"
Hermine nickte.
"Ja, das tue ich."
"Trotz allem?"
"Trotz allem, Severus."
"Du scheinst dir ja ziemlich sicher zu sein."
"Glaubst du mir etwa nicht? Ich bin mir so sicher, wie man es in meinem Alter sein kann. Ich … liebe dich."
"Ich glaube dir", unterbrach er sie sanft, indem er seinen Zeigefinger auf ihren Mund legte. "Du bist nicht wie andere, Hermine. Hör auf, an dir zu zweifeln."
"Ich - ich zweifle nicht an mir."
Wieder lächelte er. Diesmal aber war es kein gehässiger oder gar belustigender Ausdruck wie er es sonst oft tat.
"Doch."
Hermine schnaubte leise und ging nicht näher darauf ein.
"Ich möchte nur nicht, dass du denkst, ich würde das leichtfertig hinnehmen", erklärte sie unbeholfen.
"Das tue ich nicht. Wenn jemand das wissen muss, dann ich. Ich wusste schon sehr bald, was ich will."
Sie sperrte den Mund auf und klappte ihn umgehend wieder zu. Sie musste nicht lange überlegen, um zu verstehen, was er damit meinte, denn immerhin hatte er fast sein ganzes Leben lang an Lily festgehalten.
Snape seufzte.
„Ich hatte nicht vor, es für dich so kompliziert werden zu lassen, Hermine."
„Severus, ich ..."
„Ich liebe und schätze dich, Hermine. Aber ich kann nicht einfach aufhören, zu vergessen, was mich die letzten Jahrzehnte beeinflusst hat. Das wäre unmöglich."
„Das verlange ich auch gar nicht von dir", sagte sie erschüttert. Doch selbst jetzt war ihr nicht klar, ob sie das Ausmaß dessen, was er gesagt hatte, richtig begreifen konnte. „Ich würde nicht ..."
„Ich weiß."
Er sah sie so eindringlich an, dass sie das Verlangen verspürte, ihn innig in die Arme zu schließen, obwohl er sie nicht zu Wort kommen lassen wollte. Überschwänglich tat sie es und drückte ihn an sich.
