Ludicrous Smile
Kapitel 37
Als Hermine am Morgen aufwachte, spürte sie, dass er eng an ihre Rückseite geschmiegt hinter ihr lag. Sie hörte seinen Atem sanft in ihr Ohr strömen, sein Arm ruhte friedlich auf ihrer Hüfte und sein halb erigierter Penis stach aufreizend in ihren Po. Instinktiv griff sie nach hinten und fing an, ihn aus der Unterwäsche zu befreien, um ihn der Länge nach zu streicheln.
Snape räkelte sich im Schlaf, ein tiefes Grollen entfuhr ihm. Bestätigt in ihrem Handeln fuhr sie fort. Umgehend kam seine Hand hervor und legte sich zwischen ihre Beine, wo er sie in ihr Höschen schob und ebenfalls anfing, sie zu streicheln.
Hermine reckte den Kopf nach hinten und rieb ihre Wange an seiner Nase.
„Guten Morgen", hauchte sie leise.
„Morgen", kam es mit belegter Stimme zurück.
Sie lächelte vergnügt in sich hinein und versuchte in der Dunkelheit des Raumes einen Blick auf sein verschlafenes Gesicht zu erhaschen. Träge blinzelte er sie an, ehe sich seine Augen wieder schlossen. Gemeinsam fuhren sie fort, sich zu streicheln.
„Ich will so bald wie möglich Harry und Ron besuchen", sagte sie wenig später, noch immer in dem befreienden Gefühl des Höhepunkts schwelgend, in das er sie mit seinen langen magischen Fingern versetzt hatte.
Snapes Gesicht verhärtete sich.
„Wann?"
„Am besten noch heute."
„Aber ich muss zurück in die Schule ..."
„Ich dachte auch gar nicht daran, dich mitzunehmen, Severus", sagte Hermine entschuldigend.
Er schnaubte amüsiert.
„Das ist reizend, Hermine. Aber denkst du wirklich, ich lasse mir das entgehen? Ich möchte nur zu gern dabei sein."
Sichtlich irritiert richtete Hermine sich auf und stützte den Kopf auf den Ellenbogen.
„Das meinst du nicht ernst."
„Warum nicht?"
„Weil – weil das nicht gut gehen würde. Es wäre das erste Mal, dass ihr euch gegenübersteht, seit -"
„Seit Albus gestorben ist."
Sie biss sich auf die Lippen. Eigentlich hatte sie vorgehabt, etwas anderes zu sagen. Zum Beispiel, seit er Dumbledore ermordet hatte. Oder seit Harry erfahren hatte, dass er der Halbblutprinz war.
„Ja."
„Umso besser, wenn es jetzt passiert und nicht irgendwann im Schloss."
Da war was Wahres dran, dachte sie insgeheim.
„Also gut, du kommst mit. Aber versprich mir bitte, dich zu benehmen."
Er grinste unheilverkündend.
„Ich werde kein Wort sagen, solange er dasselbe tut. Genügt dir das?"
Hermine rollte mit den Augen. Das konnte ja heiter werden.
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Harry blickte mit hasserfüllten Ausdruck auf Snape, ohne den Griff seines Zauberstabs zu lockern. Ron, der sich mit etwas Abstand im Hintergrund hielt, wirkte nicht minder angespannt, hatte aber wenigstens so viel Einsehen, nicht gleich einen tödlichen Fluch auf ihn abfeuern zu wollen. Und auch Snape schien es deutlich mehr Überwindung zu kosten, an dem Treffen teilzuhaben, als Hermine angenommen hatte. Er hatte sich steif am Rande des Lagerplatzes aufgebaut, wo Harry und Ron ihr Zelt aufgeschlagen hatten, um mit vor der Brust verschränkten Armen und wachen Augen das Szenario beobachten zu können.
„Warum hast du ihn mitgebracht, Hermine?", fragte Harry gehässig, die Pupillen hinter der Brille zu Schlitzen verengt.
„Weil ihr irgendwann anfangen müsst, die alten Streitigkeiten zu begraben, Harry", sagte Hermine und mühte sich, ein unschuldiges Gesicht zu machen.
Harry lachte hohl auf und schüttelte nur den Kopf darüber.
„Das wird wohl kaum funktionieren."
Beherzt machte Hermine einen Schritt auf ihn zu und griff nach seinem Arm.
„Bitte, Harry! Versuch es wenigstens. Ich verlange ja nicht, dass ihr euch die Hände reicht. Aber … könnt ihr nicht wenigstens bis Du-weißt-schon-wer erledigt ist, über euren Schatten springen und ein wenig so tun, als würdet ihr euch nicht ganz so abgrundtief verabscheuen?"
Harry wich ihren flehentlichen Blicken gekonnt aus. Er wirkte keineswegs besänftigt oder bereit dazu, seinen Groll auf Snape jemals zu begraben, doch immerhin ließ er den Zauberstab ein wenig sinken.
„Wie ist es mit ihm?", fragte er mit knirschenden Kiefern. „Er hat ein Haus, hast du geschrieben?"
Hermine nickte belämmert. Sie hielt es nicht für angemessen, ihm mehr darüber zu erzählen. Es ging ihn auch gar nichts an.
„Und du hast tatsächlich vor, bei ihm zu bleiben?", fragte Harry gedehnt, als sie nichts weiter dazu sagte. „Ich meine du – du bist dir sicher, dass du das auch wirklich willst?"
„Ich will es so, Harry", sagte sie fest entschlossen. „Ich halte euch sowieso nur auf. Ohne mich seid ihr viel flexibler. Außerdem möchte ich nicht, dass dem Baby etwas zustößt."
Ein Blitzen legte sich über Harrys Augen, als er das hörte.
„Schön. Aber wenn du es dir doch noch anders überlegst, kannst du uns ja über die Münze kontaktieren."
Hermine setzte ein zaghaftes Lächeln auf und legte die Arme um seinen Hals.
„Versprich mir bitte, dass du ihn nicht töten wirst, wenn er dir über den Weg läuft, okay?", flüsterte sie leise in sein Ohr. „Ganz gleich, was geschieht, er ist der Vater meines Babys, Harry. Ich möchte nicht, dass er stirbt."
„Warum sagst du mir das?", fragte er mit geblähten Nasenflügeln, obwohl sie insgeheim wusste, dass es ihm aufgrund seiner Erfahrungen, die er mit den Dursleys durchlebt hatte, widerstrebte, dem Baby die Möglichkeit zu nehmen, eine richtige Familie zu haben.
„Ich habe ein seltsames Gefühl dabei, wenn ich darüber nachdenke, was euch allen bevorsteht. Du-weißt-schon-wer wird früher oder später nach Hogwarts zurückkehren, um zu sehen, ob der Horkrux noch in Sicherheit ist. Was danach passiert … ich wage gar nicht daran zu denken. Jedenfalls, pass auf dich auf. Und natürlich auf Ron."
Harry richtete sich auf und nahm sie bei den Schultern. Angestrengt tat er so, als würde er darüber nachdenken und blickte sie an.
„Ich kann dir nichts versprechen, Hermine. Aber ich werd' sehen, was sich machen lässt."
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Harry fröstelte, als er Hermine nachblickte, während sie zu Snape zurückging und wie selbstverständlich seine Hand ergriff, um mit ihm gemeinsam zu disapparieren. Die ganze Welt schien Kopf zu stehen. Er verspürte nicht übel Lust, Dumbledore einmal kräftig die Meinung zu sagen, wenn das alles eines Tages vorbei sein sollte. Er wollte von ihm selbst wissen, warum er ihm nicht gesagt hatte, dass Snape ihn ermorden sollte. Und warum war er nur der Versuchung erlegen, sich den Ring anzustecken? Er hätte doch wissen müssen, dass etwas damit nicht in Ordnung war.
Als Phineas ihm das bestätigt hatte, was Hermine sich zusammengereimt hatte, war das Bild, das er über Dumbledore gehabt hatte, noch einmal bis in die Grundfesten erschüttert worden. Ihm war unbegreiflich, wie er so etwas verlangen konnte, selbst wenn es sich dabei nur um Snape handelte.
Natürlich hasste er Snape nach wie vor. Nach allem, was zwischen ihm und seinem Vater vorgefallen war, hatte es nie die geringsten Aussichten gegeben, dass es nicht früher oder später dazu kommen würde. Doch Harry hatte diese Lektion erst nach und nach erfahren. Die Bitterkeit des Professors ihm gegenüber kannte keine Grenzen, ebenso wie es bei James gewesen war. Inzwischen waren sie so verfeindet, dass vermutlich keiner der beiden je den Anfang machen würde, das Kriegsbeil zu begraben. Es änderte nichts, redete Harry sich ein. Wieso sollte es auch einen Unterschied machen? Nicht einmal Ron war in der Lage, das nachzuvollziehen, was in ihm vorging, wenn er Snape gegenüberstand. Er hatte ja auch nie lernen müssen, damit zu leben, was es hieß, sich für das Verhalten seines Vaters zu schämen, denn genauso war es Harry ergangen, als er erkannt hatte, dass Snape Recht gehabt hatte.
Verärgert über sich selbst wandte Harry den Blick von der Stelle ab, an der Hermine mit Snape verschwunden war. Er hatte sich geschworen, sich nie wieder so schlecht zu fühlen wie damals, als Snape ihn aus dem Denkarium gezogen hatte. James war ein guter Mensch gewesen, hatte Sirius immer felsenfest behauptet. Er hatte nur das Verschlagene aus Snape herausgekitzelt, was sowieso schon in seinem Inneren verborgen geschlummert hatte. Aber wieso fühlte Harry sich dann so mies? Wieso konnte er den Gedanken nicht unterdrücken, eine Mitschuld daran zu haben, dass Snape bei den Todessern gelandet war? Er hatte von Anfang an am Tisch der Slytherins seinen Platz gehabt, so Sirius.
Der Zorn in seinem Inneren wollte auch Minuten nachdem Hermine längst fort war, nicht weichen. Es hätte so ein friedfertiger, sonniger Tag sein können, wenn Snape nicht hier erschienen wäre...
Mit einer jähen Handbewegung richtete Harry den Zauberstab auf die Stelle, an der Snape gestanden hatte und setzte einen dahinterstehenden Baum in Brand, der gerade dabei war, das erste Grün des Jahres hervorzubringen.
Während er so auf die lodernden Flammen blickte, die sich Dank der Wucht des Zaubers ungehindert über das gesamte Gehölz verteilten, bildete er sich ein, es wäre Snape gewesen, den er getroffen hatte.
Ron kam wie von der Tarantel aus dem Zelt gestürzt und sah Harry mit immer noch erhobenem Zauberstab wie angewurzelt da stehen.
"Was ist passiert?", fragte er keuchend.
"Nichts", log Harry rasch. "Alles bestens."
Doch wie es aussah, glaubte Ron ihm keineswegs. Er ging auf Harry zu und drückte beharrlich dessen ausgestreckten Arm nach unten. Dann holte er seinen eigenen Zauberstab hervor, um das Feuer zu löschen.
"Das glaub ich dir nicht, Mann", sagte er kopfschüttelnd, als er damit fertig war. "Ich hab gesehen, wie du ihn angestarrt hast."
"Und wenn schon", sagte Harry und zuckte die Achseln. "Er hat sie vergiftet, Ron. Bei Gott, ich schwöre, dass da was nicht mit rechten Dingen zugeht!"
Ron schüttelte vor Entsetzen den Kopf.
"Er mag ein fieser Kerl sein. Aber wir haben nicht das Recht, ihr dazwischenzufunken, Harry. Glaub mir, wenn das mit dem Baby nicht wäre, würde ich das genauso sehen wie du. Ich hab mindestens ebenso viele Gründe, ihn zu hassen. Er hat Georges Ohr verstümmelt. Er hat sich über mich lustig gemacht, weil es mir nicht gelungen ist, zu apparieren. Er hat uns alle fertiggemacht: Dich, Hermine, Ginny, Neville. Aber Hermine wird schon wissen, was sie tut. Sie hat als Einzige herausgefunden, dass die Sache mit Dumbledore einen Haken hatte."
"Glaubst du das?", fragte Harry hart. "Glaubst du wirklich, was du da sagst? Sie ist niemand, der sich auf so was einlässt, Ron."
"Woher willst du das wissen? Wer weiß schon, was in ihr vorgeht. Ich dachte mal, damals, als das mit Lavender aus war, hätte ich eine Chance bei ihr gehabt. Aber vergiss es! Sie hat ihren eigenen Kopf. Sie braucht was anderes."
"Und wieso dann ausgerechnet Snape?"
"Das kann ich dir nicht sagen. Sie ist ein Mädchen, Harry. Die ticken nicht wie wir. Aber du darfst nicht vergessen, dass sie unheimlich klug ist. Sie wird schon wissen, was sie in ihm sieht."
"Er ist so abstoßend, Ron. Was könnte man da schon sehen?"
Ron zuckte hilflos mit den Schultern.
"Ich weiß es wirklich nicht."
Harry ging in die Hocke und stocherte nachdenklich mit der Spitze seines Zauberstabs in der feuchten Erde herum.
"Ich hab Schiss davor, dass ich ihretwegen irgendwann dazu gezwungen sein werde, mich zwischen ihm und meinem Dad zu entscheiden", sagte er nach einer Weile. "Was soll ich tun, Ron? Ihm helfen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wenn es wirklich dazu kommt, dass wir eines Tages Du-weißt-schon-wen besiegen? Ich kann doch Hermine nicht hängen lassen."
Ron hockte sich neben ihn und legte beruhigend seine Hand auf Harrys Schulter.
"Vielleicht musst du dich ja gar nicht entscheiden. Überlass es dem Ministerium, mit ihm zu verfahren, wenn alles wieder geregelt ist. Dich hatten sie auch oft genug in der Mangel. Außerdem, James wird immer dein Dad bleiben, auch dann, wenn er nicht hier bei dir sein kann. Er ist für dich gestorben, Harry. Er ist nicht auf Du-weißt-schon-wen reingefallen wie Snape. Doch egal wie du dich auch entscheidest, er würde beides verstehen."
"Ich weiß. Aber was, wenn es falsch ist, Snape seinem Schicksal zu überlassen? Mein Dad hat Snape genauso gedemütigt, wie der später uns. Es war grauenvoll. Vielleicht wollte Snape sich dadurch, dass er mich so getriezt hat, nur an ihm rächen. Ich sage das nicht gerne, aber irgendwie kann ich das sogar verstehen."
"Kann schon sein. Aber er hatte es nicht nur auf dich abgesehen, oder? Ich für meinen Teil bin froh, wenn wir das alles einfach nur hinter uns haben."
"Dann würdest du nicht für ihn in die Bresche springen?"
"Ich weiß es nicht. Da ist immer noch Hermine mit dem Kind … Was meinst du?"
Harry überlegte und wusste doch keine Antwort darauf. Das Einzige, was ihm immer wieder einfiel, war die Bitterkeit, die in Snape gesteckt hatte, als er ihn aus dem Denkarium gezogen hatte; Snapes schlimmste Erinnerung, die mehr und mehr zu seiner eigenen wurde. Selbst jetzt, gut zwei Jahre nachdem sich der Vorfall zwischen ihnen ereignet hatte, wurde er das bedrückende Gefühl nicht los, wegen seines Dads mit Schuld daran zu sein, dass Snape zu dem geworden war, was er heute verkörperte.
