~ Kapitel 1 – No-life-king and new problems ~

Er war wieder da. Das war ein Fakt. Nach 30 langen Jahren war er wieder da. Er trat in eine neue geordnete Welt ein und schmiss alle neuen Gewohnheiten über den Haufen, denn er war da. Die Nacht war nicht mehr ruhig, sie war belebt.

Der Frieden herrschte dennoch. War ihm dies klar?

Seit Jahren kamen kaum Vampirangriffe mehr in ihre Nähe. Zu wenige und zu schwache, als das man große Armeen benötigte. Er würde sich nur langweilen. Das war der Grund, warum sie sich sorgen machte. Er würde sich langweilen.

Sie sah auf ihren Schreibtisch. Sie haben sich in den Jahren ein neues Leben aufgebaut. Sie unternahmen einige Dinge und hatten neue Gewohnheiten. Würde er sich darin wohl fühlen?

Sie wusste nicht, ob sie ihm Aufregung bieten konnte. Doch sie sollte erst einmal abwarten. Vielleicht findet er sein eigens, persönliches Hobby. Solange es im Rahmen bleibt.

Es klopfte.

Integra blickte auf.

„Komm nur rein, Seras." Sie hatte sie schon erwartet. Es wäre besser, mit ihr über die neue Situation zu sprechen. Aber der andere Grund war der kommende Tag.

Die Tür ging auf. Die kleine Vampirin schritt leicht Müde und gähnend herein. Langsam schlurfte sie an ihr Schreibtisch und lächelte verlegen.

„Guten Morgen, wenn es Morgen ist. Was gibt es denn?" Ihre Chefin lächelte.

„So schlecht geschlafen?" Seras seufzte und sackte auf einen Stuhl nieder.

„So ungefähr. Es war eher der Gedanke, dass Alucard wieder hier ist."

„Hat er dir was getan? Sie wurde stutzig.

„Nein, nur der Gedanke, dass er wieder hier ist, hielt mich wach." Sie wusste nicht warum, aber sie musste lachen.

„Sehr aufschlussreich. Ich hoffe nur nicht, dass du Angst hast." Empört schüttelte die Vampirin ihren Kopf.

„Nicht im Geringsten!" Integra lachte weiter. Amüsiert wehrte sie ihre Wut ab.

„Schon gut. Das soll jetzt kein Thema sein." Seras lächelte.

„Gut. Was willst du denn?" Integra setzte sich.

„Morgen ist Montag. Du weißt, was es heißt." Die Draculina grinste breiter.

„Moulin Rouge?!" Integra schüttelte ihren Kopf.

„Nein, dies ist nur für Mittwoch reserviert, wenn du gerne dort hingehen möchtest. Ich bin nicht für solche Dinge." Seras nickte erfreut.

„Und was steht Montag an?"

„Ich dachte mir, „Tanz der Vampire" wäre eine nette Abwechslung zu den lustigen Sachen."

„Sehr ironisch. Kaum ist Master hier, gehen wir zu einem Musical, worin es um Vampire geht."

„Dafür konnte ich nichts. Es war schon gebucht und heute kamen die Karten mit der Post." Seras schwieg und grinste nur.

„Gut gut. Dann Morgen Musical. Was gibt es noch?" Integra seufzte.

„Das zweite Thema. Alucard. Ich meine, wir können ihn gerne hier lassen. Er wird sich sicherlich mit einer Flasche Wein amüsieren, wie immer. Aber an den anderen Tagen. Es ist ja nicht so, dass er bereit für weibliche Aktivitäten ist." Seras schmunzelte.

„Pediküre, Maniküre, Gurkenmaske, Schlammbad, Massage, Sauna. Gut Massage vielleicht noch, aber ansonsten.", lachte sie herzhaft. „Das will ich sehen." Integra schmunzelte.

„Na, wir machen ja nicht nur solche Dinger. Nur am Freitag." Sie nickte zustimmend.

„Selbst wenn, Alucard muss sich damit zurecht finden. Wenn es ihm nicht passt, dann soll er hingehen, wo der Pfeffer wächst.", grinste sie breit. Integra rollte mit ihren Augen und reichte ihr die Musicalkarte.

„Sei pünktlich."

„Was wollen wir nun wegen Alucard tun?"

„Ich hoffe, er wird sich eine Beschäftigung suchen. Wenn etwas ist, werde ich es dir sagen. Solange kannst du dich ausruhen."

„Wunderbar! Dann kann ich noch einkaufen gehen!" Ihre Herrin lächelte und schüttelte ihren Kopf.

„Du bist wie ein kleines Menschenkind." Seras bekam es nicht mehr mit. Sie lief schon aus dem Raum mit einem knappen 'Tschüss'. Integra blieb verwundert zurück.

Es mag sein, dass sie in einigen Dingen noch wie ein Mensch handelte. Vorfreude oder glücklich sein. Dennoch hatte sie sich sehr verändert Vielleicht ist sie nicht ruhiger geworden, aber doch hatte sie eine Seite an sich gezeigt und beibehalten, die sie seit ihrer Jugend nicht mehr wahr nahm.

Schnell rannte Seras in ihr Raum und griff ihre fertige Tasche. Sie war schon vorbereitet, um einkaufen zu gehen. Es war dringend nötig.

Sie griff ihren Kamm und durchfuhr ihr Haar. Seras merkte nicht, wie sie die gesamte Zeit in ihrem Zimmer nicht alleine war. Jemand hatte auf sie gewartet, saß schweigend auf den Stuhl und beobachtete ihre schnellen Griffe. Er sah nur zu, bis sie ihr Hemd öffnete. Wie es schien, wollte sie sich umziehen.

„Bevor du das tust, könnte ich noch ein Wort mit dir reden?" Sie schrak auf. Sofort sah sie sich um und erblickte ihn am Tisch. Seine Augen fixierten sie genau.

„Master.", keuchte sie verwundert. „Seit wann bist du denn hier?" Er seufzte leise.

„Seit du hier rein geschneit kamst und viel länger." Verlegen kratzte sie sich an der Wange.

„Oh." War das Einzige, was sie raus brachte.

„Ich wollte mit dir reden und eigentlich keinen Stripteas." Sie wurde sofort rot, hielt ihre halb aufgeknöpfte Bluse zu und wandte sich zur Seite.

„Tja, ich habe dich eben nicht bemerkt. Also worüber denn reden?" Sie sah wieder auf und lächelte. Die Situation war ihr gewiss zu peinlich, aber versuchte alles, damit er es nicht bemerkte.

„Sonst zieh dich erst um, du scheinst es eilig zu haben." Sie schrak auf und lächelte verlegen.

„Ich doch nicht.", log sie. Er stand auf und ging an ihr vorbei zur Tür.

„Ich wollte dir nur sagen, dass morgen dein Training weiter geht. Nach 30 Jahren Pause, hast du es dringend nötig." Sie sah ihn verwirrt nach.

„Ähm, nein das ist unmöglich mit morgen.", wehrte sie sich. Er blickte sie ernst an. Sofort entblößte sich ein Grinsen.

„Wieso nicht? Etwa, weil ihr morgen schon etwas vor habt?" Er hatte sie also belauscht. Wie immer. Empört sah sie ihm in die Augen.

„Das freut dich wieder, oder?! Ja, wir haben etwas vor und deshalb kann das Training morgen nicht stattfinden." Sie knurrte ihn schon fast an.

Alucard blickte lange in die Augen der Draculina. Sein Grinsen verschwand nicht im Geringsten.

„Du willst dich mir widersetzen?" Sie schwieg, plusterte ihre Wangen auf. „Wenn du es so eilig hast, mir zu widersprechen, kann es auch jetzt beginnen.", lachte er. Seras wurde noch wütender. Nun konnte sie das Shoppen auch noch vergessen.

Was sollte sie nur tun? Er war noch immer ihr Master.

„Jetzt weiß ich, was so schön all die Jahre war. Die Ruhe vor ihnen und ihrer Art." Er lachte weiter.

„Danke, ich habe dich auch vermisst. Aber ich habe mich nun entschieden, dass dein Training doch jetzt beginnt. Wir wollen ja dein Musicalabend nicht ruinieren." Sie spürte seinen Spott.

„Ach, du bist nur neidisch, dass du nicht mitkommen kannst.", schnaufte sie. Er lächelte lieblich, schritt auf sie zu und beugte sich herab. Sie stockte mit dem Atem, als sie seinen spürte.

„Ich habe kein Interesse auf eine menschlichen Verhöhnung unserer Art. Wie es aber scheint, du schon." Er sah sie noch eine Zeit an, spürte jede Einzelnen Muskel, die erschrocken aufzucken. Nur langsam zog er sich zurück.

„Wie du meinst. Und was trainieren wir heute?" Sie sprach es langweilig aus. Er soll ruhig spüren, dass es ihr nicht gefällt.

„Zieh dir deine Trainingssachen an, ich erwarte dich in der Sporthalle, wenn sie noch steht."

„Ja, besser als je zuvor." Sie wandte sich um und ging zu ihrem Schrank. Er war sofort verschwunden. Seras war frustriert. Die Freude über seine Ankunft verflogen. Sie hatte keine Lust zu trainieren und gewiss nicht mit ihm in dieser Stimmung. Doch welche Wahl hatte sie?

Lustlos griff sie ihre Trainingssachen. Neuerdings waren es nur eine Jogginghose mit dem passenden Top. Es unterstrich ihre Figur sehr. Die Tatsache, dass sie dies bei ihrem Meister trug störte sie wenig. Soll er sich nur satt sehen.

Sie schritt langsam in Richtung der Halle. Bald war sie dort und musste sich dem stellen, was sich ihr Meister für sie persönlich ausdachte. Sie hatte noch weniger Lust, als zuvor und hoffte innerlich, dass sie erlöst werden würde.

Doch wer würde dies für sie tun?

Die Soldaten von heute kennen Alucard so gut wie nicht und können gewiss auch nicht mit seiner Art umgehen. Integra würde ihr schon helfen, doch sie wusste ihr Meister würde darauf bestehen, dass es wichtig wäre. Es war zum Mäuse melken.

Sollte sie doch noch ein Abstecher zu Integra machen? Vielleicht wüsste sie ein Entkommen.

„Du kannst deinem Training nicht umgehen, also denke nicht darüber nach." Er stand vor der Tür und wartete. Sie schrak auf.

„Master?" Er tat nichts. Alucard stand nur neben der Tür und sah sie eindringlich an. Er musterte sie tatsächlich von oben bis unten. Sie spürte jeden Blick auf jeden Teil ihres Körpers und trotz, dass sie es von anderen gewohnt war, war es bei ihm ihr unangenehm. Unbewusst lief sie rot an.

„Master~", maulte sie und schritt zur Tür.

„Was ist?" Er grinste nicht wie gewohnt, sondern rümpfte nur seine Nase. Es schien ihn etwas zu stören. Doch es interessierte sie nicht. Seras ging in die Halle.

„Womit beginnen wir?", sprach sie ruhig und blickte sich in der Halle um. Die wenigen Soldaten war noch nicht da. Also waren beide ungestört. Ungestört. Wie herrlich.

„Mit einer einfachen Übung zur Entspannung." Sie sah ihn ungläubig an. Wie soll sie sich noch mehr entspannen als jetzt?

Aber wer weiß, was sich Alucard unter Entspannen vorstellte.

„Aha." Sie fuhr zu ihm herum und blickte gelangweilt. Alucard merkte es, schritt auf sie zu.

„Setze dich zuerst hin." Sie tat es. „Schließe deine Augen und atme ruhig aus."

„Und was soll das bringen? Eine neue Yogatechnik?!" Er sah sie nicht an.

„Es bringt, dass du ruhiger an die Sache ran gehst und dich nicht verkrampfst oder zu sehr verkrampfst." Sie sah leicht zu ihm hoch. Verkrampfen? Wie wundervoll.

„Aha."

„Schließe deine Augen und atme ruhig aus, oder ich such eine andere Entspannung für dich." Eine andere?

Nur gut, dass sie ihn nicht mehr ansah. Sein Grinsen war breiter den je.

„Schon gut." Sie atmete ruhig aus, schloss ihre Augen und besann sich. Es war ihr unangenehm. Es war ihr schon als Kind unangenehm, als man ihr ein Anti-Aggressionstraining nahe legte. Sie konnte selten ruhig sitzen bleiben und in seiner Nähe erst recht nicht. Es viel ihr also sehr schwer ruhig zu bleiben. Hätte sie ein Herzschlag, dieser würde nur verrückt spielen. Doch warum?

Gut, dass er es nicht zu bemerken schien. Sie spürte, wie er um sie herum schritt. Sie wusste, er sah sie an und nun bereute sie es, dass ihr Körper nur ein Top mit Sport-BH unter zierte. Seras spürte, wie sie zitterte, rot wurde und krankhaft sich auf die Unterlippe biss. Er schritt weiter. Langsam konnte sie es einfach nicht mehr aushalten.

„Ich glaube, ich bin genug entspannt!", zischte sie. Sie blickte leicht aggressiv hinauf. Alucard blieb stehen. Seine roten Augen ruhten auf ihren Körper.

„Wenn du dein Verhalten entspannt nennen möchtest."

„Du machst mich nervös! Läufst um mich, wie ein Tiger auf Beutezug."

„Komm, steh auf. Wenn du meinst, du bist entspannt, können wir mit dem nächsten Schritt beginnen." Sie gehorchte. Sobald stand sie auf ihren Beinen.

„Wie viele Schritte sind es denn?" Der Vampir ging zu der Wand und wartete.

„Wenn ich mich recht erinnere, waren es fünf oder sechs."

„Bitte? Wie sechs Schritte. Wie können es sechs Schritte sein?" Er sah sie an und schien zu überlegen. Sachte legte er seine Hand auf die Wand.

„Die Ruhe finden, die eigene Energie finden, den Gegenstand erfühlen, durch den du wandelst, eins versuchen zu werden, es sich ermöglichen durch diesen Gegenstand zu gehen und sich korrekt wieder materialisieren."

„Wer denkt sich so viele Schritte aus?!", seufzte Seras. Er sah sie weiter ernst an.

„Ich kenne viele Methoden dies zu erlernen und eine ist schwerer, als die andere. Die sechs Schritte, sind kleine, machbare Schritte. Und nun meckere nicht, sondern komm her."

„Was genau muss ich nun tun?" Er griff ihre Hand und legte sie an die Wand. Sie sah ihn erschrocken an, aber wehrte sich nicht.

„Du kennst deine innere Energie, diese kennt im Grunde jeder Mensch. Doch auch Dinge haben ihre Energie. Finde sie und lasse dir von dem Gegenstand die andere Seite zeigen, zu der du gelangen willst." Bitte? Was sprach er da? Dinge hatten ihre eigene Energien. Wenn das so weiter geht, haben sie auch noch eigene Seelen. Anscheinend haben ihm die 30 Jahre den Verstand geraubt.

Seras verkniff sich einen Kommentar und behielt ihre Gedanken für sich, aber sie wusste, dass es an ihm nicht vorbei ging. Er bedachte sie mit einen dominanten, zurechtweisenden Blick.

2wenn dir dies zu spaßig ist, kann ich dich gerne immer gegen die Wand laufen lassen, bist du es kapierst!" Sie lächelte verlegen.

„Ist dies einer der Möglichkeiten, wie man es noch lernt?" Er lächelte nicht.

„Eine, die Andere wäre, dass ich dich da durch prügle." Oh je. Er war sauer. Sicher verdammt sauer.

„Tut mir Leid." Sie sah zur Wand und schloss ihre Augen. Die Energie der Wand finden und sich zeigen lassen, wo der Ort ist, den man betreten möchte. Klingt einfach, wenn nicht die Tatsache wäre, dass es völlig unsinnig ist. Doch sie tat es. Sie suchte. Sie spürte die Kälte der Wand und die Härte. Jedoch nichts an Energie. Kein Ort, wo sie hingehen würde, was in diesem Moment ihr Zimmer wäre.

Es war frustrierend. Sicher würde sie hier noch Stunden stehen. Sie wäre das Gespött der Soldaten, die hier bald trainieren kommen. Es war einfach schrecklich.

„Du konzentrierst dich nicht." Sie schrak auf und blickte in seine Augen. Er stand direkt neben ihr und sah sie an. Sie spürte es nicht, wie sie rot anlief.

„Ich.. konzentriere mich schon so gut ich kann.", versuchte Seras sich zu wehren. Er schnaufte nur auf und legte seine Hand auf ihre. Sie war verwirrt. Doch was sie dann sah, ließ sie erschrecken.

Es war wie ein Blitz, der sie durchfuhr. Es war, als würde ihr Blick durch die Wand wandern, als würde diese sie packen und durch den Mörtel und die Steine fahren, bis sie den Raum sah, den sie sehen wollte. So dachte sie.

Es war ein Kellerraum. Die Wände aus dem kalten Stein bezeugten es. Aber es stand ein riesiges Bett in dem. Kerzen herum, die leuchteten und wohltuende Gerüche. Ein kleiner Tisch an der Seite, der ein offenes Buch enthielt und nicht weit auf dem Schrank Wein mit Gläsern auf einer Steppdecke gestellt. Da wollte sich jemand einen gemütlichen Abend machen. Aber es war gewiss nicht Seras.

Es verschwand sofort wieder. Sie wurde wieder zurück gerissen in die alte Sporthalle. Die Vampirin konnte nur Keuchen. Der Atem fehlte ihr ganz. Sie hatte eine Gänsehaut bekommen und zitterte. Alucard hatte schon längst ihre Hand los gelassen.

„Was? Was war das?" Er grinste breiter.

„Das, was du erreichen solltest. Der Blick durch den Gegenstand zu deinem Zielort mit der Vereinigung deiner Kraft und der des Dinges." Sie sah ihn fassungslos an.

„Schön und gut, aber da wollte ich nicht hin." Er lächelte freundlich.

„Gewiss nicht, ansonsten würde ich mir Gedanken machen, was du in meinem Gemach möchtest. Ich habe dir jegliche gezeigt, wie es sein sollte, damit du ein Gefühl dafür bekommst." Sie sah ihn etwas verwirrt an.

„Okay." Mehr zu sagen, war sie nicht im Stande.

„Nun versuch es. Du weißt ja, worauf du achten musst."

„Du weißt schon, dass ich mir ein Vollidiot vorkommen, wenn ich an der Wand stehe und sie anstarre, als würde sie sich öffnen?!" Er lachte.

„Ist es dir peinlich? Nun, ich kann dir gerne noch mehr Ansporn geben. In gut einigen Minuten kommen die ersten Soldaten hier herunter." Sie stockte. Na toll, das war grandios. Mehr Ansporn. Eher mehr Druck. Das machte alles nicht gerade besser.

Gefrustet legte sie die Hand auf die Wand und schloss ihre Augen. Krampfhaft wollte sie es schaffen, aber es geschah schon wieder nichts. Zum verrückt werden und der Gedanke, dass die Männer bald kommen, machte sie noch nervöser. Viel zu nervös, was auch Alucard spürte. Vorsichtig legte er seine Hand auf ihre Schulter. Sie zuckte zusammen und blickte zu ihm auf.

„Habe ich wieder etwas falsches gemacht?", sprach sie frustriert. Er lächelt freundlich, ging näher zu ihr und umschloss ihre Schulter mit seinem linken Arm. Seras fühlte sich sichtlich unwohl, wenn er ihr so nahe war. Ihn störte dies nicht.

„Du bist zu nervös. Zu angespannt. Atme einmal tief durch." sie knurrte leise.

„Ich habe auch keine Lust, dass mich die Anderen hier stehen sehen, als würde ich die Wand lieben." Er schüttelte belustigt seinen Kopf. Ruhig stellte er sich hinter sie. Sein Körper nahe an ihrem. Zu nahe, zu eng. Sie spürte ihn an ihren Hintern und fühlte seine eine Hand, wie sie sich um ihren Bauch schlang. Diese veränderte Situation trug nicht zu ihrer Beruhigung bei. Sie wurde nur noch nervöser, röter und zitterte am gesamten Leib.

„Konzentriere dich!", befahl er, als sein Körper sie umschlang. Sie schnaufte nur verächtlich.

„Du hast gut reden,..."

„Ja habe ich, weil ich meine gesamten Gefühle unter Kontrolle habe, meine Liebe. Du jedoch nicht, also konzentriere dich." Sie sah ihn seitlich an.

„Soll das eine Extralektion zu der Jetzigen sein, wie ich am Besten kaltherzig werde?" Er sah sie leicht genervt an. Alucard hatte schon mit einer widerstrebenden Draculina zu tun. Es war schon in gewisserweise eine Qual.

„Stell dich nicht so tollpatschig an. Es geht mir nur darum, dass du die Dinge, die dich aus der Konzentration reißen, ausblendest." Erneut sah sie ihn an. Ausblenden. Sie soll alles, was sie aus der Fassung bringt ausblenden. Also sollte sie ihn ausblenden. Warum eigentlich nicht?!

Sie wollte es in die Tat umsetzen, aber er las immer wieder gerne ihre Gedanken. Abrupt ließ er sie los, seufzte gefrustet und ging in die Mitte des Raumes.

„Du kannst in deinem Raum eigenständig üben. Im Moment bist du mir zu unkonzentriert und aufmüpfig. Und bevor ich meine Geduld an dir verliere, solltest du gehen." Seine Worten waren scharf. Innerlich freute sie sich darüber, aber doch wusste sie, dass ein nicht gut gelaunter Alucard auch kein Zuckerschlecken wäre. Aber einem geschenkten Gaul, schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

„Wie du möchtest.", grinste sie. Triumphierend ging sie zu der Tür und verließ noch rechtzeitig den Halle. Die Soldaten sahen sie nur kurz.

Warum sollte sie es üben? Sie sah es einfach nicht ein. Es war doch nicht überlebenswichtig und wenn er nun seien Langeweile damit tilgen will, indem er sie mit Training nervt, dann hofft sie, dass er viel Zeit hat, denn üben wird sie nicht. Sie sah es einfach nicht ein und wenn sie sich wie ein Kind verhielt, dann ist es so.

Wütend zog sie die Kabine der Umkleide zu und hing ihre ausgesuchten Sachen auf. Natürlich wollte Seras auf das Shoppen nicht verzichten und ein neues Outfit war sehr wichtig.

Zu wichtig. Es war die Tatsache, dass sie dort gut aussehen wollte. Jemand sollte dort auf sie aufmerksam werden und das versuchte sie bewusst durch ihre Kleidung zu erzielen. Es war eben ein junger Mann, der ihr deutlich gefiel. Integra belächelte es immer amüsiert, wie er sie beobachtete und ein Gespräch beginnen wollte.

So lernte sie ihn erst kennen. Jeffrey hieß er. Charmant, gebildet, geadelt und gut aussehend. Sie mochte ihn sofort und freute sich über diese Aufmerksamkeit.

Glücklich über diese Gedanken, suchte sie sich ein elegantes Kleid aus. Es war wundervoll und würde jede Lady in den Schatten stellen.

Es war hauteng. Das rot schimmerte durch die Paletten edel hervor. An der Seite war das Kleid bis zu ihrem Schenkel hoch aufgeschnitten. An den Ränder waren schwarze Fäden kunstvoll gestickt. Es war Schulterfrei und ließ sich durch eine Schleife hinter dem Hals festmachen. Dazu gab es ein langes, seidenes Tuch, welches man sich um die Arme legen konnte. Es war atemberaubend und passende Schuhe besaß sie schon. Also, perfekt.

Also war das Shoppen erledigt. Sie hatte alles, was sie brauchte.

Nun kann kommen was wolle, nichts wird ihr mehr den Tag versalzen. Hätte sie nur mit Alucard gerechnet.

Kaum kam sie im Anwesen an, kam ein kleines Donnerwetter. Jemand wartete auf sie und dies nicht gerade geduldig. Sie wollte nicht hochsehen, aber tat es. Er stand dort und sah auf sie herab. Sie spürte seinen wütenden Blick. Doch trotz dem ging sie gleichgültig an ihm vorbei.

„Wolltest du nicht üben?", fragte er sie, als sie die Tür erreichte. Seras blieb stehen und sah zu ihm.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich es wollte." Er knurrte deutlich. Seras war aber zu glücklich, als das sie es störte. Schnell fing sich Alucard. Ruhig schloss er seine Augen, ging an ihr vorbei in das Anwesen und ließ sie stehen. Vielleicht hatte sie es einfach übertrieben?!