~ Kapitel 2 – Mädelsabend ~

Endlich Montag. Ja, sie freute sich über den Montag. Für sie war es nicht der Beginn einer anstrengenden Woche. Für sie war es der Abend, den sie mochte. Der Abend des Theaters.

Im Grunde waren die ganzen letzten Jahre ein Wochenende. Bis jetzt. Doch nun war das Musical vor ihr.

Sie wusste, dass Alucard dort nie auftauchen würde. 'Verhöhnung unserer Art' nannte er 'Tanz der Vampire' Sie wusste nicht, was daran so schlecht sein sollte. Vielleicht war er nur etwas wütend, dass die Menschen keine Angst vor Vampire dadurch entwickeln.

„Bist du fertig?" Sie sah auf und blickte zu ihrer Herrin. Integra trug ein elegantes Kleid, welches ihren schlanken Körper gut zur Geltung brachte. Sie schmunzelte leicht und zog den langen Schal an sich. Es war eine Abrundung des matten Kleides mit einem Amulett verziert. Sie sah gut aus. Selbst geschminkt und man sah ihr an, dass ihr das Alter nicht störte. Nicht oft.

„Ja.", sprach sie ruhig und lächelte breit. Seras strich sich über ihr Samtkleid, welches sie sich gekauft hatte.

„Seras, du siehst damit aus, als wärst du eine Puffbesitzerin." Die Vampirin grinste. Vorsichtig strich sie sich durch ihr Haar.

„Danke, sehr freundlich." Sie rollte ihre Augen und nahm sich ihren Mantel. Schnell war sie angezogen.

„Also nun machst du die Illusion mit dem Fetzen weg.", seufzte Integra. Es störte sie nicht, Breit grinsend ging sie zu ihr. Sie knöpfte ihren Mantel knapp zu. Integra legte ihren Mantel über und ging voraus. Sie waren spät dran, aber dies war unwichtig. Wichtig war, dass sie gut aussahen und ihren Montagabend vollbringen können. In Ruhe.

„Wo ist Alucard?" Seras beiläufige Frage klang gelangweilt. Sie sah Integra nicht einmal an. Es war schon amüsant.

„Ich hoffe nicht in der Nähe, oder warum hast du deinen Mantel zugemacht. Doch nur, damit er dich in deinem Kleid nicht sieht und über dich lacht." Nun lachte die Lady. Sie war über den Gedanken sehr amüsiert. Seras war es nicht.

„Integra?" Sie sah auf.

„Was ist? Hast du Angst?", grinste sie. Die Vampirin schüttelte ihren Kopf und lächelte leicht.

„Ich habe nur eine Frage." Sofort herrschte wieder eine angenehmere Atmosphäre. Integra lächelte und nickte zuvorkommend.

„Sprich, was möchtest du?" Die Vampirin sah sie seufzend an. Sie überlegte ihre Worte und wog jegliche Formulierung schnell ab.

„Ich frage mich nur, ob Alucard mit all dem Neuen fertig wird, oder doch wieder sein Machogehabe heraushängen lässt." Sie lächelte und hörte das Kichern ihrer Chefin.

„Ich glaube, wenn er sein Gehabe zeigt, wirst du ihm sicher die Leviten lesen, wie fast jedem Mann in den letzten Jahren. Das werde ich sicher auch tun." Die Vampirin nickte schnell, stieß die Eingangstür auf und ging mit ihr zu dem Wagen. Höflich öffnete sie ihr die Tür und ließ sie einsteigen. Integra nickte und wartete, bis sie zu ihr stieg.

„Das glaube ich auch, aber nun sollte der Abend beginnen." Die Tür wurde geschlossen. Sofort fuhr der Fahrer los und kutschierte sie aus dem Anwesen. Sie wussten nicht, dass jemand sie von oben beobachtete. Er sah ihnen nach, wie sie weg fuhren und man hörte nur ein lautes schnaufen gefolgt von einem Knurren.

„Die Atmosphäre ist wundervoll, wie immer.", staunte die Blonde. Integra nickte und sah sich ebenfalls um. Man konnte die vielen Lichter erkennen, die das wundervolle, geschmückte Theater in einen golden Glanz versetze. Die Wandbemalungen und die hohen Decken, ganz zu schweigen von den Rundbögen waren eindrucksvoll. Sie könnte jedes Mal immer wieder Staunen, was früher alles erschaffen werden konnte. Es war einfach wundervoll.

Lady Hellsing sah zu Seras und blickte wieder in die Runde. Die gleichen Gesichter waren wieder vertreten. Einige aus dem Parlament, einige aus den höheren Schichten und wieder welche aus der Königsfamilie. Es war sicher, dass sie hier waren. Es war der VIP-Bereich für den Hochadel. Es waren alle reiche Leute mit wundervollen Kleidern. Passend oder nicht passend für sie gemacht. Somit gab es genug Boulevardgespräche. Doch sie beteiligten sich nicht an dem niederen Klatsch. Sie wollten nicht zu sehr auffallen und die Vorstellung genießen.

„Komm, holen wir uns etwas zu trinken und gehen schon hinein." Ihre Begleiterin sah sie an und nickte. Langsam quetschten sie sich durch die Masse zu der Bar. Es war ein quälender Weg, aber nach einigen Minuten kamen sie an. Es war vollkommen überfüllt mit lachenden Frauen, die auf den Barhocker saßen, Beine übereinander geschlagen und sich den nächst besten, alten Mann annahmen. Sie belächelte jeden Kommentar und fummelte an deren Krawatte. Ihr Gestank vom zu dicken Parfüm und der knallige Lippenstift quälten ihre Augen. Es war schon richtig ludrig.

„Diese Frauen sind mir zu wider.", meinte Seras und fuhr sich durch ihr Haar. Integra lächelte und nickte. Schweigend bestellte sie für beide ein Glas Sekt. Langsam reichte sie ihr dieses und blickte zu dem Geschehen der Frau.

„Wie sie sich an den Mann ran macht, als wäre er Gott persönlich." Sie nickte zustimmend. Sie sahen dem Schauspiel noch zu, wie die blonde Frau, mit ihren hochgesteckten Haaren mit ihren Fingern über seine Brust streichelte. Sie lächelte breit und zwinkerte ihm zu. Sie wussten nicht, was der Mann sagte, aber es gefiel der Dame. Sie wurde schnell rot und sah seitlich weg.

„Kommt. Wir wollten doch hinein." Seras hatte genug gesehen und drehte sich um. Ihre Herrin blickte ebenfalls weg und ging mit ihr durch die Menge. Es dauerte wieder Minuten wegen der Masse, aber die schien Seras egal. Elegant und kaum jemanden zu streifen schritt sie weiter hindurch. Integra hatte, wie viele andere einen guten Ausblick auf ihren Gang und ihre Rücken, der durch den tiefen Schritt des Kleides freigelegt war. Sie sah gut aus, aber Integra fand es viel zu offen.

„Seras, bitte ziehe dir das nächste Mal etwas anderes an." Sie drehte ihren Kopf zu ihrer Chefin und seufzte.

„Gut. Wie sie wünschen.", sprach sie genervt. Wenigstens stimmte sie zu.

Endlich kamen sie aus der Traube von Säufern und Klatschtanten. Sie kamen zur Tür und sahen noch einmal zurück in die Menge. Einige machten sich, wie sie zu ihren Platz auf den oberen Tribünen oder in deren Kabinen. Sie besaßen eine eigene Kabine an der Seite. Ein guter Platz. Nicht zu weit vorne und auch nicht zu weit hinten. Einfach perfekt. Sie sahen immer gut auf die Bühne.

Schnell hatten sie den Flur hinter sich gelassen. Ein Diener öffnete die Tür und ließ sie in ihren Raum eintreten. Seras sah sich nur kurz um. Schnell setzte sie sich und blickte auf die Bühne. Sie ließ das Glas auf den Tisch neben sich stehen. Integra tat es ihr gleich. Sie hörten der Vormusik zu.

Es war ein herrlicher Ausblick. Wie man sich ein großes Theater vorstelle. Vorne, an Seras linker Seite war die Bühne. Sie war rundlich geschnitten und ein roter Samtvorhang umhüllte den Rand. Vor der Bühne war der Orchesterkeller. Die Instrumente standen schon blitzend bereit und wurden eingestimmt. Es war schon etwas einmaliges, so etwas zu hören. Weiter kamen die vorderen Reihen, das Parkett, wie auch den Rang. Sie erblickte die bürgerlichen Menschen mit ihren Kindern oder ältere Menschen. Sie redete angespannt und machten sich bereit. Viele sahen wunderbar gekleidet aus, andere schienen solch eine Etikette egal zu sein. Sie erblickten einfach eine Masse an Vielfältigkeit der Menschheit. Nur ein Stück höher war die Loge mit vielen Adligen, aber auch Bürgerlichen, die sich über den Ausblick freuten. Es herrschte einfach großer Tumult. Der Blick der Älteren glitt über die gegenüberliegenden Tribünen. Sie blieb mit dem Blick stehen.

„Sieh dir das an, da ist wieder die schüttrige Dame." Seras sah sie fragend an. Ihre Augen fuhren zu dem Ort, wo sie hinstarrte. Tatsache. Da war sie mit dem Mann von unten, wie es schien. Und sie amüsierten sich wohl.

„Was tun sie da?", fragte Seras leise und versuchte besser es z erkennen. Integra schüttelte den Kopf.

„Das soll uns nichts angehen. Die Vorstellung beginnt." Der Ton erklang. Die Musik wurde sanfter und ließ ein Lied erklingen. Ein wohliger Rhythmus begann, der immer lauter wurde. Das Opening von „Tanz der Vampire" erklang. Seras sah gespannt zur Bühne, als der Vorhang aufging. Es war wundervoll. Sie konnte abschalten und alles vergessen.

„Es ist wunderschön.", flüsterte Integra. Seras nickte und sah sich das Schauspiel weiter an. Es war schön. Die Kostüme, die Musik, die Bühnenbilder und die Atmosphäre und als Mensch hätte sie die Geschichte auch schön gefunden, aber irgendwas störte sie deutlich. Die Schauspieler tanzten umher, besungen das Laster des Untotsein und selbst die Vampire quälten sich. Der Herr dieser war unglücklich und suchte nach seiner Liebe in einer Sterblichen. Es war im Grunde furchtbar traurig und auch abstoßend. Sie verspürte deutlich ein Gefühl der Wut über diese Verhöhnung. Doch Seras wollte es unterdrücken. Sie wollte nicht den Worten ihres Meisters zustimmen.

„Uh, wie traurig." Seras atmete durch und sah zu ihrer Herrin. Was sie daran wohl traurig findet? Oder war es Mitleid, was sie aussprach? Die Untoten besungen nur ihr Schicksal. Schnell flogen ihre Augen von der Bühne weg und in die Zuschauer hinein. Sie beobachtete ihre Mimiken genau. Alle strahlten ein Bedauern aus, Mitleid und Traurigkeit. Es war widerlich. Warum warne die Menschen nur so. Bemitleiden etwas, was nie bemitleidet werden sollte. Unweigerlich knurrte sie und blickte in die oberen Reihen. Dort sah es nicht anders aus.

Sie blieb mit ihren Augen auf den Balkon ihr gegenüber haften. Dort war diese Frau mit ihrem neusten Fang. Doch es schien, als würden sie sich das Schauspiel nicht im Geringsten ansehen. Nein, sie waren mit sich beschäftigt.

Seras erkannte, wie die Frau sich nach hinten lehnte und ihren Hals ihm offenbarte. Er fuhr mit den Händen an ihren gesamten Körper entlang und küsste ihr auf die Brust. Er schien sie regelrecht verführerisch zu bearbeiten. Wie widerlich.

Dies in ein Theater mit sich machen zu lassen ist unhöflich und abstoßend. Sie konnte gut sehen, dass er sie überall befummelte. Seine Hand war schon unter ihrem Rock, was ihr eine große Röte ins Gesicht hauchte.

Seras wurde bei dem Anblick selbst schon rot. Sie mochte dieses Bild nicht, aber war auch neidisch. Meist wünschte sie sich auch einfach nur Leidenschaft. Sie tat es meist unter den Bedürfnissen des Vampirs ab. Sexuelle Ausstrahlung, die man von sich gibt, geht an niemanden vorbei, selbst an ihr nicht. Sie besaß, seit sie dies erlernte, eine innere Unruhe.

Traurig seufzte sie auf, was Integra nicht entging. Ihre blauen Augen sahen sie an.

„Was ist?" Die Vampirin sah nicht auf, sondern nickte nur zu dem Balkon ihnen gegenüber hin. Die blonde sah auf und erkannte das Paar. Sie knurrte und rollte mit ihren Augen. „Widerlich und das in einem Theater.", murrte sie. Seras schwieg und sah wieder zur Bühne. Sie wollte sich von ihren inneren Gefühl der Unzufriedenheit mit Wut ablenken. Sie merkte nicht, wie Integra das Fernglas nahm und näher hinsah. Sie bemerkte nicht, wie sie scharf einatmete, es absetzte und sich die Augen rieb. Sachte schüttelte sie ihren Kopf und sah erneut hin. „Seras!", keuchte sie und deutete nach vorne. Die Vampirin blickte gelangweilt auf.

„Mh?" Integra gab ihr das Fernglas.

„Schau durch!", meinte sie nur. Sie drückte es ihr wieder zurück. Und murrte.

„Warum, ich kann auch so gut sehen?!" Integra schüttelte ihren Kopf.

„Dann sehe genauer hin!", forderte sie.

Was war nur mit Integra los? Wieso sollte sie genauer hinsehen, wie der Kerl das Weib betatscht und sie zum Stöhnen brachte. Pornos konnte sie sich auch im Fernsehen ansehen. Doch sie tat es. Sie sah hin und fixierte sie. Wie bei einem Fernglas schärfte sich ihr Blick, sodass sie in die Augen der Frau blicken konnte.

Sie sah von ihr weg. Ihr Nuttenoutfit war einfach schrecklich. Zu knallig.

„Sie ihn an.", meinte Integra. Seras blickt zu seinem Hinterkopf. Schwarzes, halb langes Haar. Sein Anzug war mattschwarz. Er trug ebenfalls weiße Handschuhe. Nur langsam löste er sich von ihr. Sein Gesicht ging leicht zur Seite. Sie konnte seine Augen sehen, die au irgendeinen Grund sie fixierten. Seras könnte schwören, dass er grinste. Breit grinste. Zu breit.

Sie schrak auf. Das konnte doch nicht sein? Das war nicht! Sie sah zu Integra, die sie fordernd anblickte.

„Das glaube ich nicht!", knurrte sie. Integra seufzte und zuckte mit den Schultern. „Das ist nicht Alucard." Seras sah wieder nach Vorne. Doch die Beteuerung stellte sich als Falsch heraus. Sie konnte in sein Gesicht sehen. Sie konnte in das Gesicht ihres Meisters sehen, der sie angrinse und sich wieder seinem Opfer widmete.

Sie zischte und fluchte. Dieser ignorante Kerl! Er kommt her und leckt eine billige Frau ab, vor ihren Augen, vor ihren beiden Augen! Eine Frechheit!

Sie ballte ihre Fäuste und sah demonstrativ zur Bühne. Dem wird sie etwas sagen, wenn sie wieder daheim sind. Das ist doch widerlich.

„Irgendwie hätte ich es mir denken können." Die Vampirin sah ihre Herrin überrascht an. Bitte, was hatte sie da eben gesagt?

Das kann doch nicht ihre Herrin sein. Das kann doch nicht Integra sein, die früher wegen jede Kleinigkeit, die er anstellte, in die Luft geht, so wie sie. Das darf nicht wahr sein. Sie verwandelte sich in eine Integra!

„Ja, ich meine, er sollte sich doch eine neue Beschäftigung suchen.", verteidigte sie ihre Meinung.

„Aber doch nicht solch eine Beschäftigung an einen Flittchen!", knurrte sie wütend. Die Blonde sah zu ihrer Dienerin.

„Was hast du? Warum bist du darüber so wütend? Du kennst ihn doch, bei ihm geht nichts ohne eindeutig zweideutige Worte." Sie musterte die Frau genau. „So hat er mich früher immer in Rage gebracht, aber dich scheint ja alles an ihm wütend zu machen." Sie hob eine Augenbraue und wartete auf eine Reaktion, aber die blieb aus. Seras drehte sich um, biss sich auf die Unterlippe. Warum war sie seit er wieder da war, so wütend auf ihn. Es verging keine Minute, an dem sie ihn nicht verfluchte. Alles, was er tat störte sie. Und es waren Kleinigkeiten. Manchmal schon sein bloßer Blick oder das Atmen. Wieso besaß sie eine solche Wut auf ihn?

Sanft strich sie sich durch ihr Haar und seufzte auf.

„Ich bin nicht wütend auf ihn.", sprach sie lieblich und rollte mit ihren Augen. Integra drehte sich wieder zur Bühne und zuckte leicht mit den Schultern.

„Wie du meinst." Das meinte sie. Warum sollte es sie weiter stören, was er da mit der Frau tat. Das war Absurd.

Endlich war Pause. Sie streckte sich und stand auf. Integra war schon längst hinausgegangen, um menschliche Bedürfnisse nachzugehen. So war Seras alleine, die hinab zur Bar ging und bewusst Gefahr lief, auf ihren Meister zu treffen.

Sie hatte es sich erspart, hinzusehen, was sie die gesamte Zeit trieben. Doch sie konnte es sich sehr wohl denken, wenn wird er sich einen kleinen Snack nicht entgehen lassen.

Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und sah sich um. Viele Adlige, die sich rege über das Musical unterhielten. Frauen, mit seltsamen Hüten und langen Kleidern, die aus der Renaissance zu sein schienen. Sie sah viele, die sie aus dem Fernseher kannte und wenige, die wohl aus unteren Schichten stammen.

Elegant ging sie an alle vorbei und schritt zur Bar. Sie brauchte nun etwas Alkohol. Es würde sie ablenken. Genug, um die restliche Nacht zu überstehen. Zu wenig, um ihr restliches Dasein zu überleben.

„Einmal Sekt, bitte.", meinte sie ruhig. Der Barkeeper nickte und schenkte ihr ein Glas ein. Er stellte es ihr hin. Sie nahm es und zahlte. Ihre roten Augen sahen wieder in die Menge. Nirgends sah sie Integra. Sie sah nicht einmal Jeffrey. Das war frustrierend. Wo könnte er nur sein? Er war doch immer Montags hier.

Sie sah sich noch einmal um. Nirgends war er zu sehen. Es war ein furchtbarer Tag.

„Suchst du jemanden Bestimmten?" sie erschrak bei der tiefen Stimme. Sofort sah sie sich um und blickte in große Rubine. Sie spürte die Wut aufkochen, als sie das Grinsen erblickte. Sofort drehte sie sich weg und schnaufte wütend auf.

„Nein.", log sie und setzte zum Trinken an. Er grinste, griff ihr das Glas aus der Hand und stellte es auf der Bar ab.

„Du solltest so etwas nicht trinken.", sprach er tadelnd und lächelte ihr zu. Sie knurrte.

„Ich kann trinken, was ich will." Er hob eine Augenbraue, tippte auf die Bar und sah zum Barkeeper. Dieser nickte und füllte zwei Gläser Wein ein.

„Ich hasse Sekt.", belächelte er dies. Sie sah ihn verwirrt und wütend an.

„Sie müssen es nicht trinken. Ich trinke es!" Er grinste und reichte ihr das eine Glas Wein, nachdem er zahlte. Zögerlich griff sie es. Sie beobachtete ihn genau. Was meinte er damit? Er hasse Sekt, weswegen sie es nicht trinken sollte. Es kam doch nur über ihre Lippen, in ihre Kehle und in ihren toten Magen. Er war manchmal seltsam.

„Das ist wahr, aber ich glaube, du weißt, was ich meine." Sofort trank er einen Schluck und ließ sie nicht aus den Augen. Seine Augen funkelten seltsam hell. Sie konnte sich kaum davon lösen und unbewusst nahm sie einen Schluck Wein zu sich. Es schmeckte gut, so wie man Wein kannte. Wie es schien, war er lieblich und somit sehr süß und fruchtig. Sie spürte, wie das Getränk ihre Kehle herab sank und in ihr eine Wohltat auslöste. Und sie wusste, dass es Alucard bemerkt hatte. Sie schluckte es schnell herab und setzte das Glas ab.

„Wenn du meinst." Sie drehte sich ab und sah wieder in die Menge. Er kam einen Schritt näher und beugte sich herab.

„Ich hoffe du hast brav weiter trainiert.", hauchte er ihr zu. Sie erschrak und ging einen Schritt zurück. Sofort blickte sie ihn wütend an. Sie knurrte sauer auf. Ihre Hand glitt nach vorne, sodass sie ihn sanft, aber doch bestimmend weg drückte. Er lachte leise über ihre Reaktion. „Wie es scheint nicht." Er seufzte auf und trank einen Schluck. Dennoch ließ er nicht den Blick von ihr. Er grinste breiter. „Das Kleid kenne ich nicht von dir." Er blickte an ihr herab. Sofort wurde Seras rot und sah zur Seite.

„Es ist neu.", flüsterte sie. Sie spürte, wie er breiter grinste.

„Es steht dir." Das war mal wieder typisch. Kaum rennt man vor ihm halb nackt oder in engen Sachen, gefällt es ihm und lässt den Gentleman raus hängen. Aber nicht mit ihr. Sie wird nicht darauf eingehen. Warum sollte sie es auch tun. Er hatte doch sein Flittchen. Das müsste doch genügen.

„Nun, im Gegensatz zu deinem kleinen Snack, habe ich Klasse mit meinem Outfit.", giftete sie zurück. Er lächelte und lachte sofort. Wie es schien, amüsierte es ihn sehr. Er hob sein Glas und beugte es leicht zu, als würde er Anstoßen.

„Prost.", meinte er und trank. Sie sah ihn etwas verwirrt an. Was hat er damit gemeint? Wieso reagierte er so amüsiert. „Ich lege dir dennoch ans Herz zu trainieren.", sprach er ruhig und stellte das leere Glas ab. Sein gesamter Körper, der sich die gesamte Zeit am Tresen abgestützt hatte, richtete sich auf und drehte sich zu den Eingängen der verschiedenen Flure. Ein Klang ertönte. Wie es schien, war die Pause zuende.

„Dann noch eine angenehme Veranstaltung." Er ging wieder in die Menge und verschwand völlig. Sie sah nur noch, wie sein schwarzer Schopf verschmolz.

Was um alles in der Welt war das? Sie war völlig verwirrt. So etwas hatte sie noch nie erlebt.

Sie trank ebenfalls den Rest aus und ging der Masse nach. Die Vorstellung würde bald beginnen. Danach war der Abend vorbei. Warum sich ihr Meister so verhielt, war ihr nicht verständlich. Manchmal war er wunderlich.