~ Kapitel 5 - Alucards großes Problem ~
Noch immer lag er auf dem großen Bett und starrte die Decke an. Er seufzte nicht, murrte nicht, keuchte oder stöhnte nicht, er lag einfach nur da und starrte. Wie lange er hier war, wusste er nicht. Bestimmt zu lange. Eigentlich seit dem Zwischenfall mit Seras in einen seiner Aufenthaltsräumen. Warum er sie dahinschleppte, in sein kleines Refugium, war ihm nicht bewusst. Ihm war auch nicht bewusst, warum er dies mit ihr trieb, mit ihr spielte. Er wollte sie doch nur strafen und brachte sie so geschickt dazu, dass sie das Wandwandeln lernte und nun gewiss übte. Weiter auch. Sie schaffte es, ihn mit durch die Wände zu nehmen. Für eine Anfängerin sehr beeindruckend, das musste er zugeben.
Dennoch tat er etwas unschmeichelhaftes mit ihr. Er drang in ihre geheimen Privatsphäre ein. Gut, man würde bei ihm denken, dass es ihm immer egal sei, aber doch steckte noch immer die gute Erziehung seines Vaters in seinem Mark. Er lernte, Frauen zu respektieren, zu achten und ihnen die Privatssphäre zu gewähren, welche eine Frau benötigte. Trotz all diesen Lektionen, hatte er dies gebrochen und sie bedrängt. Es sollte ihm Leid tun, aber er empfand nichts. Er legte sich ins Bett und starrte die Decke an.
Sie hatte guten Grund sauer auf ihn zu sein. Sehr guten sogar, denn abgesehen, dass er sie bedrängte, hatte er sie beleidigt. Gut, er war nie schmeichelhaft zu Frauen. Integra hatte er regelmäßig geneckt und beleidigt. Sie rastete nur aus und schrie, was ihn sehr amüsierte. Selbst als er Seras mit sich hier her nahm, ging es mit ihr genauso. Er hatte sie auch seinen Launen ausgesetzt und sie regelmäßig bei Missachtung seiner Anweisung niedergemacht. Auch aus reiner Freude oder Langeweile belästigte er sie mit Worten. Sie hatte sich nie gewehrt. Sie war ruhig und schwieg, schluckte es herunter. Doch nun war es anders. Er sah es ihr deutlich an, dass er durch seinen Kommentar etwas in ihr zerriss. Er hatte einen Funken von Hass und Wut gesehen und völlige Resignation. Er dachte seither darüber nach. Dieser Blick, der ließ ihn einfach nicht los. Er wusste nicht warum, aber er ahnte Schreckliches.
Stöhnend fuhr er sich mit der Hand durch sein Gesicht. Er kniff seine Augen zusammen und bleckte seine Zähne. Lange ist es nun her, seit er etwas getrunken hatte. Er spürte seinen aufkommenden Durst. Der Durst, der seit seiner Rückkehr unaufhaltsam in ihr fraß. Er musste dringend etwas dagegen tun. Es war Zeit, dass er sich um sein Problem kümmerte. Diese Machtlosigkeit machte ihn irre. Er konnte es gut verbergen, aber dennoch würde es bald auffallen. Er war anders, als früher. Ein Vampir schon, voller Blutdurst und sexuelle Ausstrahlung, aber doch fast kraftlos. All seine Seelen, die er benötigte, um solch eine Macht aufzubauen, waren tot. Er fing praktisch bei Null an und musste vieles sich wieder aneignen, wenn nicht sogar erlernen. Dies war schon schlimm genug, denn seine Ausbildungszeit, war keine glückliche Zeit. Er wusste, wo er auflaufen müsste, um wieder auf sein Stand zu sein, aber ob er es wollte. Es wäre ein Bekenntnis der Schwäche. Und dies vor Integra und Seras!
Schon traurig zu wissen, dass etwas fehlte. Vorsichtig setzte er sich auf und blickte sich um. Es war sein Schlafsaal oder Gemach. Er brauchte es nicht und fragte sich meistens, wofür man es für ihn eingerichtet hatte. Das Bett war für ihn ein Ort sexueller Handlungen geworden. Ein Vampir benötigte so etwas nicht. Er bräuchte nur seinen Sarg. Dennoch bekam er solch ein Raum und mehr. Es war nicht nur das Schlafgemach, welches mit einem riesigen Himmelbett ausgestattet wurde, sonder auch mit einen Kleiderschrank und Nachttisch, wie auch einer verspiegelten Wand, sondern es warne kleiner Räume, die er mehr nutzte, als anderes. Sein Refugium. Ein Zimmer, es war nicht unweit von der unteren Bibliothek und Seras Zimmer, war eines der wenigen Räumen, die er benutzte. Sie waren mit seinen persönlichen Büchern vollgestopft und besaß nur ein Sofa, wo er sich zurückziehen konnte, um zu lesen. Sicher hatte es Arthur für weit mehr benutzt, weswegen er es nie wirklich wagte, sich auf dem Sofa hinzusetzen. Aber auch wegen der Tatsache, dass es früher ein Labor von Van Hellsing war. Diese Erinnerung war bei ihm noch ziemlich frisch, so mied er diesen Raum.
Ein weitere Ort lag nahe des Schlafzimmers. Es war der Ort, an dem er Seras zurückließ. Sein geliebter Ort.
Dort, es war weit kleiner als sein Schlafzimmer, stand das wohlige Frauensofa mit den vielen Kerzen und eine Erhebung im Raum. Diese Erhebung war rund um mit Kissen und Decken bedeckt, dass es wie ein gemütlicher Ort wirkte und es auch war. Er wolle nicht darüber nachdenken, was noch dort alles stand, aber es hätte einem Liebesnest alle Ehre machen können. Doch wieso sollte dies geschehen, wenn es niemand gäbe, den er dort lieben könnte?!
Dennoch zog er sich dort zurück. So oft, wie er nicht mehr zählen konnte. Schön, er saß gerne auf seinen Stuhl mit einem guten Tropfen Wein, aber das gab ihn nie eine Sicherheit. Es war dort nur leer und kalt. In seinem Refugium war es warm und trocken.
Er stand auf und ging zu dem Stuhl Es war Zeit, dass er sich um seinen Problem für diesen Tag kümmerte. Seine Hand fuhr zu seinem Mantel und zog ihn über. Er hatte es nicht eilig, dennoch war er etwas nervös. Wo sollte er die dringende Antworten finden? Es konnte so gut wie überall sein.
Seufzend verschwand er seinem Raum und ließ alles in Dunkelheit zurück.
„Alucard, wo willst du hin?" Ihre raue Stimme verhieß ein Grinsen und einen herausfordernden Blick. Er stand noch immer an der Tür und wollte sie nicht ansehen, wie sie ab Treppenabsatz auf ihn nieder blickte und ihre Zigarre genüsslich zwischen ihren Fingern gleiten ließ. Er hörte, wie sie über den Tabak leckte und die vordere Spitze abkappte. Sinnlich wie immer.
„Darf man nicht einen Spaziergang tätigen?" Leicht drehte sich sein Körper zu ihr. Seine roten Augen sahen zu ihr hoch und beobachteten, wie sie sich die Stange anzündete. Sie grinste noch immer. Es verhieß meistens nichts Gutes.
„Schon. Aber bleibe nicht zu lange fort. Ich wollte mit dir noch ein ernstes Wörtchen reden." Er wusste auch schon worüber. Doch dies war nicht ihr Bereich.
„Was ich mit Seras anstelle, ist nur meine Angelegenheit und nicht deine." Sein Ton war freundlich, dennoch bestimmend. Er stellte seinen Standpunkt dar und sah sie eindringlich an. Selbst Integra, die ihn jahrelang kannte, wich leicht zurück. Er sonderte eine wütende Autorität aus, die sie vorher nicht bei ihm kannte. Was um so beeindruckender war, dass sie stetig weiter grinste, als wäre nichts geschehen.
„Gewiss nicht, Alucard. Ich werde mir nicht mit ansehen, wie du sie kaputt machst!" Kaputt machen. Wie infantil. Was kann eine Person wie sie schon kaputt machen, wenn es das Leben schon nicht tat?
Er konnte über ihre Worte nur lachen. Wie albern es doch war. Eigentlich dürfte sie sich nicht mehr einmischen. Seras gehörte ihm und er konnte mit ihr machen, was er wollte. Sie kann froh sein, dass sie diese nicht als Blutsklavin missbrauchte, wie viele andere Vampire ebenfalls. Doch er tat es nicht. Er brachte solch eine Erniedrigung bei ihr nicht fertig. Es sollte wenn, von ihr aus kommen.
„Ich drücke mich noch einmal deutlich aus. Es ist nicht deine Angelegenheit, sondern meine." Somit war für ihn das Thema erledigt. Er drehte sich um und wollte gehen.
„Alucard!" Sie rief ihn deutlich, dennoch blieb er nicht stehen. „Wenn du ihr weh tust, werde ich dich einsperren, egal, ob du nach 30 Jahren wieder gekommen bist!" Er winkte ihre Worte ab und verschwand aus der Tür. Soll sie nur reden. Er hatte keinen Nerv sich mit ihr nun zu streiten. Nicht über diese leidige Thema.
„Mistkerl.", zischte sie und sog an ihrer Zigarre. Sie sah ihm noch nach, wie er immer weiter wegging. Integra schüttelte ihren Kopf und drehte sich ebenfalls um. Sie musste sich eine gebührende Strafe ausdenken. Doch welche?
Es sollte ein Denkzettel werden. Ein richtig tief sitzender Denkzettel. Wenn nicht sogar eine Demütigung. Es wird ihr gewiss etwas einfallen.
„Lady Hellsing?" Sie sah auf. Ihr neuer Butler verneigte sich.
„Was gibt es?" Er sah sie an und schmunzelte.
„Ihre Termine warten, Lady." Sie nickte. Stimmt. Sie hatte noch Arbeit vor sich. Nicht so, wie ein faulen Mann, den sie kannte.
Kühle Nachtluft kitzelte sie. Der süße Duft von gebackenen Bananen und Waffeln umflackerte ihre zarte Nase. Sie atmete einmal tief ein und genoss die Gerüche des nächstliegenden Marktes. Dennoch musste sie an dieser verdammten Tür stehen und Wache schieben. Wie sie sich nach den Trubel sehnte. Die Menschenmassen und die viele Stände mit den schicken Sachen. Alles wundervolle Geschenke für Angehörige. Sie sah vor ihren inneren Auge schon die Pelze und Schmuckstücke vom Mittelalterstand. Selbst die Crepés, die frisch gemacht wurden oder die Süßigkeiten verschiedener Länder. Sie konnte sich sogar vage an Bauernbrot erinnern.
Wohlig seufzte sie auf und schüttelte ihren Kopf. Seit langem umspielte ihr Gesicht wieder ein Lächeln. Denn die Musik begann zu ertönen. Alte, wunderbare Karussellmusik. Wie sie diese Zeit genoss.
Eigentlich war es nicht einmal annähernd Winter. Kein Schnee, kein Eis, keine Kälte, die ins Mark sich zog. Doch das war sie gewohnt. In ihrer Heimat war das Wetter genauso schlimm, also tat ihr der Umzug nach England nicht so weh. Nun war sie hier und stand Wache. Eigentlich sehr deprimierend. Doch was tat sie nicht alles für diese Frau. Es war schon leichte Obsession. Sie verdankte ihr nicht mehr viel. Sie hatte ihr alles zurückgezahlt, dennoch schenkte sie ihr ihre gesamte Loyalität. Für eine Frau ihrer Zeit schon seltsam. Aber es lag wohl einfach daran, dass sie sich wohl fühlte. Diese Frau war wunderbar. Manchmal war es schon gruselig.
Sie streckte sich nochmals. Etwas, was sie sich sonst nie erlaubte. In ihrem Beruf, den sie nun ausübte, war sie skrupellos. Sie galt als sehr kaltherzig und verschwiegen. Es gefiel ihr und so hatte sie sehr viel Ruhe. So war es auch einsam in ihrer Arbeit.
Wie lange sie wohl noch bräuchte? Diese Stunden hier draußen konnten schon langweilig werden.
Sie zuckte nicht einmal auf, als jemand um die Ecke trat. Zielstrebig schritt er in ihre Richtung. Ihre wachen Augen fixierten ihn genaustes und stuften ihn sodann ein. Kein netter Kerl. Instinktiv stellte sie sich weiter an die Tür und griff an ihre Seite. Ihr Blick blieb auf ihn und seinen seltsamen wankelnden Gang. Selbst die Aufmachung war wie vom letzten Jahrhundert. Wer bitte trug im 21. Jahrhundert noch rote Mäntel und einen langen Schirmhut? Sie kannte niemanden und sie war schon eine gewisse Zeit in diesem Jahrhundert. Selbst die Sonnenbrille irritierte sie. Man bemerke, es war finsterste Nacht und selbst die wenigen Straßenlaternen hätten keinen Grund gegeben eine Sonnenbrille zu tragen. Anscheinend wird die Nacht doch noch etwas spannender. Er blieb stehen und grinste.
„Was wünschen sie?", fragte sie höflich, aber machte keine Anstalt zur Seite zu weichen oder die Hand von ihrer Waffe zu nehmen.
„Einlass.", sprach er in einer tiefen Stimme. Sie zuckte leicht zusammen. Verdammt war sie erotisch. Selbst sein Gesicht sah makellos aus. Und wehe, wäre sie seine Frau, würde sie sich liebend gerne mit ihm rangelnd im Bett wieder finden. Sie wollte sich nur zu gut vorstellen, wie er nackt aussah.
„Tut mir Leid, geschlossene Gesellschaft.", sprach sie ruhig aus. Er lächelte lieblich und blickte zur Tür.
„Wirklich?" Sein Ton machte sie fast verrückt. Wieso traf sie solche Typen nur zu dieser Zeit als Dienerin einer wundervollen Frau. Ehrlich gesagt, einer Vampirin. Dasselbe, was sie war. Nur einen niederen Ranges.
Sie zuckte mit den Schultern und leicht mit ihrem Mundwinkel. Doch sie hörte, wie die Tür aufschwang und dem Gast wohl Einlass bat. Er sah über sie hinweg und grinste breiter.
„Sie hätten mir sagen sollen, dass sie erwartet werden. Sicher darf ich dies wieder ausbaden." Das Mädchen schnaufte und schritt zur Seite. Er bedachte sie mit einem kurzen Blick und ging hinein. Sie wusste, dass er sich amüsierte, aber dies war ihr gleich. Sie kannte solche Blicke nur zu Gut. Kaum war er drinnen, schwang die Tür zu.
„Ein seltsamer Typ. Wozu er hier ist?!", murmelte das Mädchen. Vielleicht sollte sie bald ihre kleine Trinkpause einsetzen.
„Du hast einen eigenwilligen Geschmack, wenn es um Treffpunkte geht." Er sah sie um und blickte nur in verrottete Räume. Stoffe hingen herunter und waren zerrissen. Alles verstaubt und mit Graffiti beschmiert. Er hörte den dumpfen Klang von punkiger Musik, der unten ihnen dröhnte. Selbst der Geruch war bestialisch. Eine Mischung aus Drogen, Alkohol und Zigaretten mit Urin. Er rümpfte angewiderte seine Nase und blickte wieder zu der Schattengestalt am Fenster. Sie sah hinaus und schien die dort herumgehendene Person zu beobachten.
Ihr Haar hatte sie unter eine Wollmütze gut versteckt. Sie trug einen dicken Schal, der ihr den Mund überdeckte. Ihr Mantel war lang und ging bis auf den Boden. Er konnte nur noch die schwarzen Stiefel erkennen. Wie es schien, war sie völlig vermummt. Sie wollte nicht erkannt werden.
„Er ist gut." Sie sah ihn an und ihre rötlichen Augen funkelten seltsam hell. Meist ein Zeichen, dass sie Hunger hatte.
Er schritt zu ihr hin und blieb direkt vor ihr stehen. Eigentlich hätte er grinsen müssen, denn er wusste, was sich alles unter diesen Pelz versteckte. Er kannte ihren Astralkörper zu genüge und wusste von einigen Macken. Sie war eine Schönheit, dass ist ihm bewusst.
„Also... was sagst du?" Sie schnaufte, blickte nochmals aus dem Fenster und ging an ihm vorbei.
„Du hast dir wirklich ein großes Problem aufgehalst. Wie du dies auch immer schaffst?" Sie klopfte auf seinen Mantel und zupfte leicht an dem Kragen. Er beobachtete sie und zuckte leicht mit den Schultern.
„Es war ein Risiko, was ich eingehen musste. Die Last wurde zu groß, also musste ich sie beseitigen." Sie zischte leicht verachtend. Es war für sie amüsant.
„Wenigstens einige, doch einige Seelen... So hättest du dir das Schlimmste erspart. Besonders den Gang hier her." Sie ließ ihn los und blickte in seine roten Augen. Ihr Blick war warm. Er liebten diese Augen, das tat er schon so oft.
„Ein Fehler, der mich viel kostete."
„Ja, deine Macht." Sie sah zur Seite und ging einige Schritt in die Finsternis des Raumes. Ihre Silhouette verschwamm mit der Umgebung.
„Sei nicht zu hart. Ich bin zwar alt, aber nicht, wie sagst du immer? Ausgereift." sie schmunzelte breit und sah ihn an.
„Wenn das deine Draculina wüsste, der liebe Herr alte Vampir hat selbst seine gesamte Ausbildung nicht abgeschlossen." Er kichern war sanft und ruhig. Es störte ihn nicht, dass sie sich lustig machte. Bei so vielen Frauen, wäre er wütend geworden, doch bei ihr war es ansteckend. Er lachte mit.
„Wehe, wenn du dies verlauten lässt. In meinen Augen ist sie abgeschlossen, nur in deinen nicht."
„Wäre sie es, würdest du nicht solche überstürzten Entscheidungen treffen." Ihr Blick war ernst. Sein Lächeln verschwand. Er seufzte aus.
„Was deiner Meinung soll ich nun tun?" Er wollte dieses Thema sein lassen. Sie musterte ihn und seufzte.
„Dein größtes Problem besteht in der Reaktion deiner Frauen. Es wäre unklug es bekannt zu geben. Alles nur Nachteile für dich." Sie schmunzelte. Gewiss würde es ihr gefallen, wenn die gesamten Nachteile auf ihn zu kommen. Es war schon Auskostung genug, dass er zu ihr kam, um um Hilfe zu bitten. Eine gerechte Strafe. Er nickte und lächelte.
„Du musst es vertuschen. Wie amüsant. Wenn du kämpfen musst, solltest du etwas anderes tun." Er sah sie fragend an. In diesem Moment hoffte er inständig, sie spricht nicht diese verhassten Worte aus. „Du solltest Seelen fressen, was leider nicht reicht." Sie stoppte erneut.. Seine Hoffnung verblast." Ihr Grinsen wurde breiter. „Du musst auch diese Dinge wieder lernen. Also gehe lieber schnell üben." Er keuchte frustriert auf.
„Wunderbar." Seine Augen fuhren wieder zu ihr. „Wohl dieses Mal ohne Lehrer." Er grinste breit. Schließlich wusste er die theoretischen Möglichkeiten, wie man die verschiedenen Dinge lernte. Sie lachte leise.
„Ich werde dir jemand zum Schutz zur Seite stellen. Sie ist fast fertig mit ihrer Ausbildung und somit auf deinem früheren Stand. Was aber viel wichtiger ist, sie ist loyal und diskret. Es wird gewiss keine Situation kommen, wo sich für deine Weiber herausstellt, was mit dir los ist." Sein Grinsen verblasste. Die Idee, die Entscheidung fand er einfach furchtbar. Es nagte an seinem Stolz. „du weißt, du kannst leider dagegen nichts tun. Anderes biete ich dir nicht an." Das wusste er. Anderes würde sie nicht vorschlagen. Eine Gewisse Erniedrigung musste bestehen.
„Wird sie sich in meine Angelegenheiten einmischen?" Sein Blick war ernst. Er wollte es deutlich verhindern.
„Welche Angelegenheiten meinst du? Deine Draculina?" Er sagte oder tat nichts. Alucard blickte die Frau nur an. „Sie ist nur da, um dich zu unterrichten, wenn es keine Fortschritte gibt und dich zu beschützen, wenn es nötig ist. Einmischen wird sie sich nicht, solange ich es nicht will." Er hob eine Augenbraue.
„Weißt du, ich kann deine pingelige Art langsam nicht mehr leiden." Sie lächelte. Er hatte recht, sie war pingelig. Sie durchdachte bei ihm jede mögliche Konsequenz ihre Entscheidung. Es lag einfach daran, dass sie ihn sehr gut kannte.
„Ich stehe in regelmäßigen Kontakt zu ihr und wenn etwas geschieht, was mir nicht behagt, werde ich mich gewiss entweder durch sie oder persönlich einmischen." Sie konnte seinen Hassblick spüren. Er kochte immer vor Wut, wenn man einfach über ihn hinweg bestimmte. Er wollte immer sein eigener Herr sein, doch sie verhinderte es nun.
„Du hasst mich. Oder willst du mich schrecklich bestrafen?" Sie grinste breiter.
„Du hast es verdient. Deine Unvorsichtigkeit brachte dich in deine Lage, also bade sie so aus." Er seufzte. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, aber er musst da durch. Er hatte ein Laster neben sich stehen und konnte es nur umgehen, wenn er bald wieder so war, wie früher. Gut, dass dies Seras nicht wusste. Sie hätte ihn ausgelacht. Das wäre zu viel für ihn gewesen.
„Geh wieder zurück. Ich werde sie dir schicken."
„Wie heißt das Mädchen?" Die Frau kratzte sich am Kopf und sah wieder zum Fenster.
„Sasha." Sie sah ihn wieder an und lächelte matt. Er zuckte leicht mit den Schultern.
„Gut, ich werde dann gehen. Danke nochmals." Sie lächelte erfreut. Er drehte sich um und verließ diesen muffigen Raum. Für heute hatte er genug von schlechten Nachrichten. Sie blickte ihm nach, wie er in der matten Kälte verschwand.
Endlich ging die Tür auf. Seit dieser seltsame Mann gegangen war, musste sie noch einige Minuten warten, bis sie endlich hinaus kam. Schon etwas genervt sah sie ihre Herrin an. Sie schnaufte auf.
„Können wir endlich gehen? Ich habe Hunger." Die Frau in dem dicken Mantel und mit der Wollmütze auf den Kopf blickte zu dem Mädchen, welches sich ein Pferdeschwanz band und ein Basecap trug. Die punkige Jacke mit Buttons auf der einen Seite, die von 'Frieden', 'Drogen', 'Bob Marley' oder 'Anarchie' sprachen glänzten im matten Laternenlicht. Selbst die Hosen waren bunt und zerschlissen. Sie sollte sich unauffällig anziehen, was sie in ihren Augen auch tat, aber nicht in denen ihrer Herrin.
„Ja, wir sind hier fertig. Lass uns zurückkehren." Sie schritt voran und verließ die verlassene Seitenstraße in den Trubel hinein. Ihre Draculina folgte und senkte ihren Kopf. Es war schon schwer genug mit vollen Magen den schönen Hälsen zu widerstehen, aber nun mit Hunger? Eine Qual.
„Was wollte der Kerl eigentlich von dir?" Die Frau sah sie leicht an und blickte wieder nach vorne. Geschickt umgingen sie die Masse und berührten fast niemand. Sie schienen sogar schneller als normal zu sein. Ihre Draculina folgte Problemlos.
„Meinen Rat und meine Hilfe. Da fällt mir ein. Du hast eine neue Aufgabe." Sie sah auf.
„Wie?" Ihre Herrin ging einen Schritt schneller, um der störenden Menge zu entkommen. Kaum waren sie hinaus, war es wieder ruhig und leer.
„Willst du die Aufgabe annehmen, Sasha?" Das Mädchen war verwundert. Was wollte sie von ihr? Wenn sie eine sofortige Antwort abverlangte, dann war es wohl sehr wichtig.
„Sicher." Ihre Stimme wurde leiser. Sie wusste nicht, worauf sie sich eingelassen hatte, aber für diese Frau würde sie alles tun. Sofort lächelte die Frau und schritt weiter.
„Ich erzähle es dir, wenn wir daheim sind." Na toll, nun wird sie auf die Folter gespannt. Was kann es besseres geben als eine Mission als Überraschung. Seufzend ging sie ihr nach. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass es nicht einfach sein wird.
