Die Zaubererwelt und deren Charaktere gehören zu J.K. Rowling. N. Armstrong, E. B. Aldrin und M. Collins gehör(t)en sich selbst. Die Rakete, das Lunarmodul und die Bilder, die auf dem Mond aufgenommen wurden, gehören der NASA. Der Mond gehört zu jedem Menschen.

An alle, die uns träumen lassen, von den Pionieren bis zu den Autoren.

Freundschaft

Sein Vater hatte ihm verboten, die Sendung zu schauen. Er war doch ausnahmsweise nüchtern, aber er war in Rage geraten, als Severus es gewagt hatte, ihn darum zu bitten. Die Amerikaner und die Sowjets verschwendeten riesige Summen wegen eines dummen Rennens und wozu? Um zum Mond hinaufzufliegen. Aber mit welchem Nutzen? Gab es dort bebaubare Böden? Oder Öl? Nein. Rein gar nichts. Also müssten sie das Geld besser Leuten wie ihm geben, die ihre ganze Zeit an der Arbeit waren, um Taugenichtse erziehen zu können. Und der besagte Taugenichts, der möchte die Übertragung der Amerikaner von der Mondoberfläche schauen? Der möchte seinen Vater verraten, der alles für ihn tat, um die Amerikaner zu unterstützen? Was hatten sie getan, die Amerikaner, eh? Mit ihrer Wirtschaft, mit ihrem Krieg hatten sie Europa ruiniert...

Das Gewitter war nicht aus, sein Vater wetterte noch eine gute halbe Stunde gegen die Amerikaner, die Sowjets, die britische Regierung, die Franzosen, die Steuereintreiber, seinen Chef und einige weitere. Aber zumindest war Severus nicht mehr das Ziel seiner Wut. Und er achtete gut darauf, das Thema nicht mehr zu erwähnen. Sobald er konnte, fragte er seine Freundin Lily, die in seiner Straße wohnte, ob sie die Sendung schauen und ihm nachher davon erzählen konnte. Stattdessen schlug sie ihm vor, bei ihr zu Hause zu übernachten und mit ihr zu schauen, damit wären ihre Eltern einverstanden. Severus aber fürchtete sich davor, seinen Vater darum zu bitten, der es nie erlaubt hatte, dass sein Sohn bei seiner Freundin übernachtete. Darüber hinaus erwies sein Vater zwar ein sehr gewaltsames Verhalten und eine besondere Zuneigung zu Alkohol, aber er war nicht dumm und würde bald verstehen, warum Severus während ebendieser Nacht aus dem Haus sein wollte. Und der Junge wollte die Reaktion seines Vaters nicht erleben, wenn er es verstehen würde. Bei den Snapes durfte man die väterlichen Befehle nicht in Frage stellen.

Severus konnte das seiner Freundin nicht erzählen, stattdessen erklärte er, dass seine Eltern nicht wollten, dass es ihm an Schlaf mangelt und dass er deswegen weder bei sich noch bei ihr zu Hause die Sendung schauen dürfe. Lily glaubte ihm und wetterte gegen diese Erwachsenen, die nichts verstanden. Immerhin waren sie ja 9 Jahre alt, sie waren groß! Sie versicherte ihm, dass sie die Sendung aufmerksam schauen würde, und sagte ihm, er solle am nächsten Nachmittag im Park sein.

Am nächsten Tag stand die Mondlandung auf der ersten Seite in der Zeitung, so dass diese im Kamin landete, ehe Severus oder seine Mutter einen Blick darauf werfen konnte. Eileen schien nicht besonders neugierig auf die amerikanische Heldentat zu sein, aber Severus wusste nicht, ob es daran lag, dass sie deren Realität bezweifelte, sie uninteressant fand oder einfach bei ihrem Mann keinen Wutausbruch auslösen wollte. Der Junge wartete ungeduldig auf den Nachmittag. Nie waren ihm Stunden so lang erschienen. Sobald er konnte, lief er zum Park hinaus. Lily würde nicht vor der nächsten Stunde ankommen, aber er bat einen alten Mann auf einer Bank darum, ob er seine Zeitung haben dürfte, um den Artikel über die Apollo 11-Mission zu lesen. Der Mann reichte ihm die Seiten, die ihn interessierten, und las weiter.

Severus konnte es nicht glauben. Die Amerikaner hatten es getan! Sie waren auf dem Mond gegangen! Er war beeindruckt. Kaum hatte er seinem Nachbarn die Zeitung zurückgegeben, schon lief Lily atemlos herbei. Sie erzählte ihm eine ganze Stunde lang von der Sendung und beschrieb die Liveübertragung vom Mond so gut, dass es Severus fast so war, als hätte er sie selbst gesehen. Er war froh, dass er auf solch einer Freundin zählen durfte.

Nachher sprachen sie lange zusammen. Lily sagte ihm, wie ungerecht das war, nur Männer ins All zu schicken, wenn die Frauen doch genauso viel taugten. Severus dachte an seine Eltern, an seine Mutter, die an den Haushalt begrenzt, ihrem Mann unterworfen und vor ihm erschrocken war, doch er wagte es nicht, seine Freundin zu unterbrechen. Die Rothaarige hatte eine feurige Rede über Geschlechtergleichheit angefangen. Die Frauen wählten seit dem ersten Weltkrieg, aber sie mussten immer noch beweisen, dass sie dazu fähig waren, männliche Berufe zu übernehmen und nicht nur dazu, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern! Da sie keine weiteren Argumente hatte, hörte sie schließlich auf. Dann entschieden sie sich dazu, Astronauten zu spielen. Severus überließ Lily die Stelle als Kommandantin, was ihr so sehr gefiel – eine Kommandantin ist noch besser als eine einfache Astronautin – dass sie Severus auf die Wange küsste.

Und so war Kommandantin Lily Evans am 21. Juli 1969 Nachmittag die erste Frau, die je einen Fuß auf dem Mond setzte, kurz danach von ihrem besten Freund Severus Snape gefolgt. Letzterer entschloss mit roten Wangen, dass dieser Tag der beste seines Lebens sein würde und dass Lilys Freund zu sein noch besser war als ein Astronaut zu sein.