Wie immer: Eine Ansicht pro Kapitel, immer zum gleichen Thema. Diesmal ist es ein bisschen anders, denn im folgenden Kapitel geht es um einen OC. Hoffentlich gefällt es euch. Ob ja oder nein, Reviews sind immer willkommen!
Die Zaubererwelt und deren Charaktere gehören zu J.K. Rowling. N. Armstrong, E. B. Aldrin und M. Collins gehör(t)en sich selbst. Die Rakete, das Lunarmodul und die Bilder, die auf dem Mond aufgenommen wurden, gehören der NASA. Der Mond gehört zu jedem Menschen. Tom McCartney gehört zu Aqualys.
An alle, die uns träumen lassen, von den Pionieren bis zu den Autoren.
Entscheidung
Tom McCartney war glücklich. Glücklicher als je zuvor. Heute waren all seine Opfer, all die schwierigen Entscheidungen vergessen, die er damals treffen musste. Sie waren es wert gewesen.
Als er ein Kind war, liebte Tom Science Fiction. Er hatte seine Ausgaben von Jules Verne so oft gelesen, dass die Seiten geknickt waren. Sein Zimmer war mit Flugzeugmodellen überfüllt und er verbrachte Stunden damit, das Radiogerät einzustellen, das er selbst zusammengebaut hatte. Er wollte Ingenieur werden und sagte es jedem.
Seine Zukunftspläne waren aber von einem Brief vom Salem Institute gestört worden, den er mit elf Jahren bekommen hatte. Zu dieser Zeit erfuhr er, dass er eigentlich ein Zauberer war und nun unter seinesgleichen zur Schule gehen würde, um seine Kräfte ausüben zu lernen. Bei dieser Nachricht war er vor Freude in die Luft gesprungen und hatte es eilig, diese neue Welt und die Möglichkeiten zu entdecken, die ihm die Zauberei bot. Er war sicher, dass die Zauberer mit solchen Kräften eine Menge Dinge getan hatten. Zu den Sternen reisen, um die Welt herumfliegen, den Boden der Ozeane erforschen, so vieles schien mit Magie möglich.
Er gab seine Illusionen bald auf. Die amerikanische Gesellschaft war sehr traditionell und die bloße Idee etwas zu erforschen, erschien seinesgleichen als besonders merkwürdig. Als man von Apparieren sprach, fragte er naiv, ob jemand schon versucht habe, zum Mond zu apparieren, was seine Mitschüler laut lachen und den Lehrer ihn verständnislos ansehen ließ. Besen und fliegende Teppiche waren zwar interessant, jedoch viel langsamer oder viel weniger spektakulär als die Muggelflugzeuge. Er studierte trotzdem fleißig, vollkommen dazu entschlossen, sich in dieser Welt einzugewöhnen. Da er ein hervorragender Schüler war, besuchte er das optionale Fach, das einem erlaubte, parallel zu seinem Zaubererabschluss einen Muggelhighschooldiplom zu bekommen. Vielleicht würde er es schaffen, Technologie und Magie zu kombinieren und den Mond zu erreichen? Seine Freunde und Lehrer aber hielten sein Interesse für Technologie, Science Fiction und Forschung für eine Laune.
Er hatte seinen Abschluss im Salem Institute erfolgreich bekommen und ein Studium in fortgeschrittene Zauberkunst kaum angefangen, als ihm seine Eltern die Eule schickten, die alles auslöste. Sie brachte nur eine Zeitung und eine Nachricht seiner Eltern auf der stand, welche Seite er unbedingt lesen musste. Die Sowjets hatten es geschafft, einen Satellit in den Orbit zu bringen. Der Erfolg von Sputnik 1, wie sie ihn nannten, war unleugbar, denn er sendete Radiowellen aus, die jeder auf der Erde empfangen konnte. Und dann traf Tom die wichtigste Entscheidung seines Lebens. Er wählte etwas ohne zu wissen, was er daran verlieren würde, doch sicher, was er damit gewinnen würde.
Innerhalb eines einzigen Tags schaffte er es, seiner Universität für fortgeschrittene Zauberkunst abzusagen, sich an der MIT anzumelden, seinen Mitbewohnern der Zauberer-WG zu erklären, dass er weg musste, eine neue Wohnung in Cambridge zu finden und mit all seinen Sachen dorthin umzuziehen. Dafür brauchte er einige Verwirrungszauber, weil das Schuljahr schon angefangen und er es sehr eilig hatte. Da war es gut, ein Zauberer zu sein. Er fand sogar die Zeit dazu, seine Eltern zu besuchen, um ihnen den Grund für die Änderung seiner Berufswahl zu erklären und das Piepsen von Sputnik 1 mit seinem alten Radiogerät zu hören.
Am nächsten Tag besuchte Tom McCartney seine erste Ingenieurvorlesung im MIT. Da er hervorragend und leidenschaftlich war, bemerkten ihn seine Dozenten gleich. Während seines vierten Jahrs hörte er mit seinen Kommilitonen der Rede des Muggelpräsidenten Kennedy zu. Den Menschen vor dem Ende des Jahrzents auf den Mond bringen. Sein Traum würde wahr werden, und es kam überhaupt nicht in Frage, dass er daran nicht teilnahm. Tom bat also darum, seine Doktorarbeit bei der NASA zu schreiben und wurde, diesmal ohne Verwirrungszauber, angenommen. Er wurde Teil eines Teams, das an der 300 Tonnen schwere Rakete arbeitete, die die Astronauten zum Mond hochfliegen würde.
Seine Freunde bei den Zauberern hatten nicht verstanden, warum er wieder in der Muggelwelt leben wollte, es aber meistens angenommen. Doch entfernte er sich allmählich von ihnen, je mehr er wieder Teil der Muggelwelt wurde. Tom war darüber traurig, aber er wusste, dass man nicht in zwei Welten zugleich leben kann. Und trotz der schlaflosen Nächte, des Stresses und der Zeiten, in denen er sich entmutigt fühlte, hatte er seine Entscheidung nie bedauert.
An jenem Tag saß Tom mit seinem ganzen Team bei einem von ihnen in Huntsville und blickte zum Fernseher. Vier Tage früher war Saturn V, die Trägerrakete, an der sie gearbeitet hatten, erfolgreich von Cape Kennedy abgeflogen. Sie waren dorthin gefahren um es mit anzusehen, hatten jedoch nicht zur Missionskontrolle in Houston fahren dürfen, um die Entwicklung der Lunarmission zu verfolgen. Die Nachricht über die Mondlandung war einige Stunden früher ganz schnell von allen Ingenieuren der NASA einander wiederholt worden. Jetzt warteten sie in einer fast religiösen Stille und mit einem Bier in der Hand vor dem Bildschirm darauf, dass die ersten Bildern vom Mond übertragen wurden. Und als Neil Armstrongs Stimme kaum erkennbar von der Mondoberfläche aus erklang, gratulierten sie einander und sprangen vor Freude auf.
Sie hatten es geschafft. Sie hatten den Menschen auf den Mond gelandet. Und er, Tom McCartney, Zauberer von Muggelherkunft, Ingenieur bei der NASA, hatte daran teilgenommen. An diesem 20. Juli 1969 fühlte er sich wie der glücklichste Mensch auf der Erde.
