Zaubererpost!

„Ich hätte nicht gedacht, dass das Apparieren wirklich so widerlich ist", hörte sie Hannah im Korridor schimpfen. Aus dem Gesicht ihrer Mutter wich alle Farbe, aber Laura sprang auf und rannte aus der Küche.
Im Korridor stand Hannah.
„Laura?", fragte sie ungläubig und fiel ihr um den Hals. „Wir müssen DICH mit in die Winkelgasse nehmen?"
„Du auch?", fragte Laura und ließ ihre Freundin wieder los. „Ich... Ich dachte die Eule und der Brief wären ein Scherz."
„Du wusstest also auch nicht, dass du eine... Hexe bist?", sagte Hannah. „Dann bist du auch eine Muggelgeborene."
„Ein Halbblut", verbesserte eine große Frau mit kurzen, schwarzen Haaren. Sie hielt Laura eine Hand hin. „Ich bin Frau Gabert, Lehrerin für Geschichte der Zauberei."
„Wieso brauchst du fremde Hilfe, wenn du doch ein Halbblut bist", fragte Hannah.
„Mein Vater war der Zauberer", erklärte Laura. „Aber der ist ja tot..."
„Und deine Mutter wusste nicht über ihn Bescheid?", fragte sie.
„Kinder, macht mal hinne", ermahnte sie Frau Gabert. „Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit."
„Wo wollen sie mit meiner Tochter hin?", fragte ihre Mutter, die gerade aus der Küche kam und das Gespräch mit angehört hatte, angriffslustig.
„Sie hat noch keine Schulsachen", meinte Frau Gabert. „Und die Schule beginnt am 1. September."
„Wer sagt denn, dass ich meine Tochter auf diese Schule gehen lasse?", sagte ihre Mutter. „Ich habe die Harry Potter-Bücher gelesen und weiß, wie gefährlich das Leben als Hexe oder Zauberer ist."
„Mutti, Harry Potter ist nur erfunden", sagte Laura leise.
„Nein, ist es nicht", sagte Frau Gabert. „Das ist wirklich passiert. Es hat bloß jemand aufgeschrieben."
„Kneift mich bitte jemand?", sagte Hannah und hielt Laura den Arm hin. Sie kniff ihr unsanft hinein. „Autsch!", jammerte Hannah und rieb sich den Arm. „Okay, ich träume doch nicht."
„Also, es gab... Harry Potter... Den Typ mit der Brille und der Blitznarbe, wirklich?", fragte ihre Mutter ungläubig. Ihre Mutter nickte.
„Okay", sagte ihre Mutter langsam. „Du gehst nicht auf diese Schule. Voldemort, Todesser... Das ist viel zu gefährlich!"
„Mama!", zeterte Laura. „Ich WILL auf diese Schule!"
„Nein", sagte sie kalt. „Du bist schon fanatisch genug und aus dir soll mal ein normaler Mensch werden!"
„Sie muss auf diese Schule gehen!", versuchte Frau Gabert ihre Mutter zur Vernunft zu bringen. „Wollen sie etwa, dass sie nicht weiß, wie sie mit ihren Zauberkräften umgehen soll und deswegen das Haus in die Luft sprengt wenn sie wütend ist?"
„Nein", sagte ihre Mutter und trat ein paar Schritte zurück.
„Sie wird sieben Jahre lang nach Desataz gehen", sagte Frau Gabert. „So schreibt es das Zauberergesetzt vor."
„Aber..."
„Nichts aber!", sagte Frau Gabert energisch. „Ihre Tochter wird Zauberei lernen und sie können nichts dagegen tun!" Sie nahm Hannah an die eine und Laura an die andere Hand. Dann hatte Laura das Gefühl durch einen Gummischlauch gepresst zu werden und wusste, dass sie gerade apparierte. Alles wurde schwarz und sie bekam keine Luft mehr...

„Oh Gott", keuchte sie. „Ist das furchtbar!"
„So schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt, als ich Harry Potter gelesen habe", sagte Hannah.
„Ihr seid echt nicht normal", sagte Frau Gabert vergnügt. „Ich habe noch nie zwei Schüler, die nicht wussten, dass sie zaubern können, gehabt, die es so schnell geglaubt haben wie ihr."
„Das liegt vielleicht daran, dass wir uns immer gewünscht haben, zaubern zu können", sagte Hannah.
Laura sah sich um. Sie befanden sich in einer Art Fußgängerzone. Bloß befanden sich hier keine Supermärkte, Schuhläden und Drogeriemärkte, sondern mehrere, kleine Geschäfte in denen Zauberstäbe, Kessel und Zauberbücher verkauft wurden.
Auch die Leute hier sahen anders aus. Anstatt Jeans und T-Shirt trugen die meisten lange Umhänge in verschiedenen Farben.
„Wow", staunte Laura. „Aber wie sollen wir die Sachen bezahlen?"
„Desataz stellt den neuen Schülern, die keine Zauberer als Eltern haben, zum ersten Schuljahr die Mittel zur Verfügung", erklärte Frau Gabert und reichte sowohl Laura als auch Hannah einen Geldbeutel.
Laura öffnete ihn und sah neugierig hinein. Dann zog sie ein großes, rundes Goldstück hervor: Eine Galleone.
„Cool", sagte Hannah und untersuchte ihr Geld ebenfalls.
„Hier habt ihr eine Liste, mit den Sachen, die ihr benötigt", sagte Frau Gabert und drückte Laura eine Pergamentrolle in die Hand. „Jetzt seid ihr auf euch allein gestellt." KNALL, weg war sie.
„Ich glaube es nicht", sagte Hannah. „Ich bin eine Hexe... Und du auch... Und wir lernen Zaubern. Wie bei Harry Potter." Sie und Laura kreischten wie zwei verrückte Teenies (die sie ja auch waren) und fielen sich um den Hals.
„Was ist mit Mona?", fragte Laura, nachdem sie sich wieder beruhigt hatten. „Wie sollen wir ihr das erzählen?"
„Das dürfen wir gar nicht", sagte Hannah traurig. „Dann fliegen wir von Desataz, bevor wir überhaupt das erste Mal dort waren."
„Ich werde sie tierisch vermissen", sagte Laura. Es tat ihr aufrichtig leid, dass sie und Hannah ihre Freundin zurücklassen mussten. Aber zumindest hatte sie Hannah...
„Was kaufen wir zuerst?", fragte Hannah. Laura rollte das Pergament auseinander und las:

Uniform:
1.) Drei Garnituren einfache Arbeitskleidung (schwarz)
2.) Einen einfachen Spitzhut (schwarz)
3.) Ein paar Schutzhandschuhe (Drachenhaut o.Ä.)
4.) Einen Winterumhang (schwarz, mit silbernen Schnallen)

Bitte beachten sie, dass alle Kleidungsstücke der Schüler mit Namensetiketten versehen sein müssen.

Lehrbücher:
Alle Schüler sollten jeweils ein Exemplar der folgenden Werke besitzen.
- Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 1
- Bathilda Bagshot: Geschichte der Zauberei
- Adalbert Schwahfel: Theorie der Magie
- Emeric Wendel: Verwandlung für Anfänger
- Phyllida Spore: Tausend Zauberkräuter und –Pilze
- Arsenius Bunsen: Zaubertränke und Zauberbräue
- Quirin Sumb: Dunkle Kräfte: Ein Kurs zur Selbstverteidigung

Ferner werden benötigt:
- 1Zauberstab
- 1 Kessel (Zinn, Normgröße 2)
- 1 Sortiment Glas- oder Kristallflaschen
- 1 Teleskop
- 1 Waage

Es ist den Schülern freigestellt, eine Eule ODER eine Katze ODER eine Kröte mitzubringen.