Blaise Zabini saß verzweifelt an einem Tisch in der Großen Halle, sein schrecklich glänzender Fummel juckte furchtbar und die in voller Lautstärke dröhnende Pop-Musik machte alles nur noch schlimmer. Er genehmigte sich bereits seinen fünften Feuerwhisky, zum Glück war seine Tanzpartnerin noch immer nicht zurück. Außer dem fröhlich lächelnden Professor Dumbledore schien sich wirklich niemand bei diesem Ball zu amüsieren. Doch im Vergleich zum nächsten Schritt des Plans war dieser Ball harmlos. Ein romantischer Spaziergang mit Calli-Ray am See. Blaise schauderte es allein bei dem Gedanken daran. Am Nebentisch suchten seine Dumbledore-Mitschüler Ernie Macmillan und Hannah Abbott nach etwas Essbarem zwischen all den merkwürdigen Gerichten. Die beiden hatten es noch gut, dachte Blaise neidisch, zwar waren sie auch in diesem schrecklichen neuen Haus, wurden aber von Calli-Ray völlig ignoriert, da sie zuvor Hufflepuff besucht hatten.

Und wo blieben eigentlich Draco, Potter und diese Granger? Es war schließlich ihre Idee gewesen, sollten sie dann nicht hier sitzen, um die nächsten Schritte zu besprechen? Seufzend schenkte sich Blaise einen weiteren Krug Feuerwhisky ein. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Granger aufgeregt auf die sichtlich schlecht gelaunte McGonagall einredete, Draco und Potter hingegen waren verschwunden. Die Bank neben Blaise knarzte, er führte den Krug zum Mund, als plötzlich eine Stimme aus dem Nichts ertönte: „Du hast wirklich genug getrunken, Blaise, wir dürfen uns keine Fehler erlauben."

Vor lauter Schreck hatte Blaise den Feuerwhisky über sein glitzerndes Hemd geschüttet. Schade um das Getränk, nicht um die Kleidung, dachte er, als Potter und Draco neben ihm erschienen. Beim Anblick des völlig verwirrten Blaise lachten die beiden Intimfeinde, dann setzte Draco zu einer Erklärung an:

„Wir sind… ihr… unter Potters Tarnumhang nachgeschlichen. Sie ist tatsächlich im Bad der Vertrauensschüler."

„Und das kann bei ihr sicher dauern", sagte Potter.

„Es ist schrecklich", jammerte Blaise, „wir haben als einzige getanzt und beim Essen musste ich sie füttern! Womit habe ich das nur verdient?"

Sie sahen sich in der Großen Halle um. Niemand tanzte, viele hielten sich die Ohren zu und ein großer Teil der Schüler war unmittelbar nach dem Essen bereits zu Bett gegangen. Aber war es wirklich in Ordnung einen Menschen umzubringen, fragte sich Blaise.

„Draco, ich weiß nicht. Meinst du nicht ein Mord ist etwas hart? So etwas ist keine Kleinigkeit."

„Hast du einmal daran gedacht, dass uns nach der bisherigen Planung mindestens 22 Bälle bevor stehen? Dabei sind die ganzen Geburtstage noch gar nicht eingerechnet. Und den Styling-Wettbewerb beim Halloween-Ball hast du hoffentlich nicht vergessen, wenn es dann noch mehrere solcher…"

„Schon gut, du hast mich überzeugt. Hier ist einfach alles unerträglich, die Musik, die Kleidung, das Essen und am unerträglichsten ist natürlich Calli-Ray selbst. Ich wünsche mir wirklich die Zeit zurück, als es hier noch keine Bälle gab."

„Oder sie nur eine einmalige Ausnahme waren", ergänze Potter, der sich wohl an sein Fiasko beim Weihnachtsball im vierten Schuljahr erinnerte.

Soeben gingen Cho Chang und Ginny an ihnen vorbei, die beiden trugen nun statt ihrer Ballkleider Quidditsch-Umhänge. „Sie ist im Bad", flüsterte Cho. Draco und Potter nickten, während Ginny und Cho mit geschulterten Besen in Richtung des Ausgangs schritten.

Auf einen Wink von Potter gesellte sich auch Hermine Granger zu ihnen. Das Mädchen atmete schwer, ihr Gesicht war vor Wut rot angelaufen. Sie füllte ebenfalls einen Krug mit Feuerwhisky und leerte ihn in einem Zug. Mit vor Erstaunen offen stehenden Mündern blickten Blaise, Draco und Potter die völlig aufgelöste Hermine an.

„Diese McGonagall!"

„Professor McGonagall", unterbrach Draco sie hämisch grinsend.

„Danke, Malfoy. Könnt ihr euch vorstellen was sie gesagt hat? Sie mag Calli-Ray zwar nicht, aber", dabei wechselte sie in eine passable Imitation von Professor McGonagalls Stimme: „Ich dulde keinerlei Gewalt in Hogwarts und muss Sie bitten, von etwaigen Mordplänen Abstand zu nehmen. So etwas könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen." Hermine schüttelte sich. „Was bildet die sich eigentlich ein?"

„Bleib locker, Hermine", sagte Potter beruhigend, „Sie ist nun einmal Lehrerin und kann nichts anderes sagen. Und wenn unser Plan funktioniert, dann gab es keinen Mord, sondern es gibt nur eine leider verschollene Schülerin."

Draco überlegte: „Meinst du nicht, sie könnte dir einen versteckten Hinweis gegeben haben, Granger? McGonagall duldet keinerlei Gewalt in Hogwarts, falls wir Calli-Ray also außerhalb des Schlosses und der Ländereien ermorden, hätte sie nichts dagegen."

Der Alkohol hatte bei Blaise schon Wirkung hinterlassen. Sein Kopf dröhnte, er schluckte und versuchte sich zu konzentrieren: „Also, wie sieht denn nun genau der Plan für heute aus?"

Draco war sichtlich genervt. „Blaise! Das haben wir bereits einhundertmal besprochen. Sobald Calli-Ray zurückkommt, überredest du sie zu einem romantischen Spaziergang, ihr lauft gemeinsam zum See, wir folgen euch unauffällig unter dem Tarnumhang. Dann küsst ihr euch, umarmt euch oder was-auch-immer, und wir nutzen die Gelegenheit, ihr den Zauberstab abzunehmen. Noch ein kleiner Fluch, dann sind wir sie los."

„Wir sind sie los!", rief Blaise begeistert und hob seinen leeren Krug um mit seinen Verbündeten anzustoßen.

„Psst!", zischte Granger mit einem warnenden Blick.

„Quatsch! Wieso sollen wir leise sein? Jeder will sie loswerden!", Blaise Stimme wurde immer lauter, einige neugierige Augenpaar wandten sich der Schülergruppe zu.

„Dumbledore!", flüsterte Draco rasch. Tatsächlich, der Schulleiter beobachtete die Drei interessiert durch seine Halbmondbrille.

In diesem Augenblick betrat Calli-Ray wieder die Große Halle, ihr scheußliches Kleid saß äußerst schlecht und sie wirkte überaus aufgeregt. Sie wirkte gar nicht so als hätte sie sich soeben frisch gemacht, eher im Gegenteil. Mit viel zu langen Schritten für ihre unglaublich hohen Absätze rannte sie auf den Lehrertisch zu. Da war es auch schon geschehen: Calli-Ray stürzte, aus der Großen Halle ertönte von überall her unterdrücktes Gelächter.

Draco sah Blaise aufmunternd an: „Los, dein Auftritt."

Blaise fluchte kurz, stand dann aber auf und eilte leicht unsicheren Schrittes, vielleicht hätte er wirklich weniger trinken sollen, zu seiner Tanzpartnerin. Er bot ihr seine Hand an und wollte ihr aufhelfen, Calli-Rays verschieden-farbige Augen starrten Blaise mit einer unglaublichen Kälte an, als das Mädchen die angebotene Hand ausschlug und selbst aufstand.

Blaise musste wohl etwas forscher werden. Er schlang seinen Arm um Calli-Rays Hüfte, um ihr dann zärtlich ins Ohr zu flüstern: „Lust auf einen kleinen Spaziergang? Der See soll bei Mondschein unglaublich romantisch sein." Verdammt, er war wirklich nicht gut darin, mit Calli-Ray zu flirten.

Calli-Ray blickte ihren Partner mit dem Ausdruck tiefsten Widerwillens an. „Zabini, ich habe zu tun!", zischte sie mit einem bedrohlichen Unterton und warf anschließend einen beinahe sehnsüchtigen Blick in Richtung des Lehrertisches.

Hilflos sah Blaise zu Draco, Potter und Granger. Die beiden Jungen gestikulierten wirr, Granger hingegen war verschwunden. Was sollte er nur tun? Hatte sie sich vielleicht schon ein neues Opfer für die heutige Nacht gesucht und wollte ihn loswerden? Erneut wandte er sich Calli-Ray zu: „Nun komm schon, eine sternenklare Nacht, nur wir zwei…"

Calli-Rays Gesicht zeigte nun tiefen Hass. Es lief überhaupt nicht wie geplant, dabei sollte der Spaziergang laut Plan überhaupt kein Problem darstellen. Völlig verwirrt überlegte Blaise, es muss doch eine Möglichkeit geben… als ihn eine von Grangers Stimme geflüsterte Formel aus den Gedanken riss: „Confundo!"

Mit völlig verklärten Augen sah Calli-Ray Blaise an. Also auf ein Neues. Erneut legte der ehemalige Slytherin seinen Arm um die Hüfte des Mädchens und zerrte sie Richtung Ausgang. Sie leistete keinen Widerstand.

„Am See wird es wirklich wunderschön sein", bemühte sich Blaise erneut.

Völlig abwesend ließ sich Calli-Ray führen. „See… wunderschön…"

Arm-in-Arm liefen die beiden über die Ländereien in Richtung des Sees. Blaise wollte die Sache ohnehin schnell hinter sich bringen, die in der Großen Halle aufgetretenen Probleme bestärkten ihn nur in diesem Entschluss. Er hoffte sehr, dass Draco, Potter und Granger ihm mit dem Tarnumhang wirklich auf dem Fuße folgten.

Sie passierten Hagrids Hütte, aus den schwach beleuchteten Fenstern drang die laute Stimme des Halbriesen, der angetrunken ein Lied anstimmte, das von vielen äußerst brutalen Morden an einem gewissen Mädchen handelte.

Calli-Ray schien den Gesang gar nicht zu bemerken. Sie schaute zum Himmel. „Oh, Sterne!"

Obwohl Blaise beinahe rannte und Calli-Ray unsanft hinter sich her zog, antwortete er ihr ein wenig außer Atem: „Ja, wie die Sterne sich erst im See spiegeln werden. Das wird wunderschön. Sterne, Mond, du und ich, was könnte es schöneres geben." Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, wurde ihm ein wenig übel.

Schon hatten sie den dunklen See erreicht, in dessen ruhiger, schwarzer Oberfläche sich Mond und Sterne spiegelten. Es war wirklich ein schöner Anblick, doch die Anwesenheit Calli-Rays und der bevorstehende Mord ließen ihm die Sinne schwinden. Nun war er gefordert. Voller Widerwillen zog er Calli-Ray an sich, nahm sie in den Arm und gab ihr einen langen Kuss.

Aus den Augenwinkeln sah er eine rasche Bewegung, plötzlich wurde er heftig weg gestoßen. Calli-Ray hatte ihn geschubst! Unsanft landete Blaise in der schlammigen Wiese am Ufer des Sees. Immerhin war sein furchtbarer Aufzug nun vollständig ruiniert.

In Calli-Ray Augen loderte Hass, als sie sich umsah. Sie griff an ihre Hüfte und stellte erstaunt das Fehlen ihres Zauberstabs fest. „Zabini", obwohl ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern war, betonte sie jedes Wort und er spürte dass sie wirklich wütend war.

Doch zum Glück erklang in diesem Augenblick Dracos Stimme: „Es ist aus, Calli-Ray."

Draco, Potter und Granger waren plötzlich aufgetaucht, alle richteten ihre Zauberstäbe auf Calli-Ray. Verwundert erkannte Calli-Ray ihre drei Gegner und stöhnte: „Mr. Malfoy, Potter, Granger. Ich bin nicht diese schreckliche Person, sondern Professor Severus Snape."

Alle mussten lachen, vernachlässigten jedoch keinen Augenblick ihre gezückten Zauberstäbe.

„Das kann ja jeder sagen", meint Potter grinsend.

Granger hingegen schaute auf einmal alarmiert: „Moment mal. Hier stimmt etwas nicht. Sie hat eben einen völlig korrekten Satz verwendet."

Auch Draco wurde nachdenklich: „Außerdem nennt sie ihn doch sonst immer Servus oder Prefessor Herr Snap oder so ähnlich."

„Klug, wirklich sehr klug, Mr. Malfoy", kam es von Calli-Ray.

„Ihr meint, Snape hat Vielsafttrank genommen, um Calli-Rays Gestalt anzunehmen?", fragte Potter. „Aber warum sollte jemand so etwas dummes tun? Nicht einmal Snape könnte so dämlich sein."

Das war allerdings eine gute Frage, dachte Blaise, der sich langsam aufgerappelt hatte.

„Professor Snape, Potter", zischte Calli-Ray, „Sie können sich auf einen saftigen Punktabzug gefasst machen. Es war kein Vielsafttrank, sondern eine Art magischer Unfall."

„Ähm… Professor…Snape…", sagte Granger, ihr fiel es anscheinend wirklich schwer das Mädchen so anzusprechen, „es gibt keinerlei Magie die einen kompletten Körpertausch ermöglicht. Was… Sie…. also hier erzählen, ist ein Ding der Unmöglichkeit."

„Meinen Sie, ich weiß das nicht selbst, Granger? Aber um diese… Person… scheinen sich Dinge zu manifestieren, die nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun haben und eher der kranken Phantasie verzweifelter jugendlicher Hirne entschlüpft sind."

Blaise fand dies zwar äußert merkwürdig, allerdings würde es einige der jüngsten Ereignisse erklären.

„Nehmen wir einmal an deine… äh… Ihre hanebüchene Erklärung stimmt. Was würde passieren wenn wir Sie jetzt umbringen?", wollte Potter wissen.

Snape stöhnte, Granger übernahm die Erklärung: „Dann töten wir Calli-Rays Körper, ihr Geist lebt jedoch in Professor Snapes Körper weiter."

Potter grinste. „Na dann töten wir eben beide. Snape wollte ich ja schon immer loswerden."

„Harry, wir werden hier nicht einfach wild rummorden. Wenn wir Professor Snape töten, könnten wir immerhin wirklich der Schule verwiesen werden."

„Gut, Hermine. Was wäre, wenn wir jetzt Professor Snapes Körper töten?"

„Dann würde Calli-Rays Geist sterben und Professor Snape wäre auf ewig in Calli-Rays Körper gefangen."

Calli-Ray war anzumerken, dass ihr – also Professor Snape – diese Vorstellung gar nicht behagte. „Ich hätte meinen Körper wirklich gerne unbeschadet zurück. Zwar vermute ich, dass dieser unangenehme Tausch noch einige Nachwirkungen zeigen wird, ich mag mir gar nicht vorstellen was diese Calli-Ray mit meinem Körper anstellt, doch tot will ich ihn wirklich nur in begründeten Ausnahmefällen sehen."

„Was machen wir denn nun?", fragte Blaise.

„Es wäre vielleicht weise", fuhr Calli-Rays Stimme fort, „wenn wir uns zunächst um diesen Fluch kümmern. Danach werde ich Sie gerne bei Ihren Mordplänen unterstützen. Über einen eventuellen Punktabzug wegen der Verwendung eines Verwirrungszaubers und des versuchten Mords an einem Lehrkörper sowie gewisse andere Vorgänge", dabei blickten Calli-Rays Augen mit tödlichem Hass in Blaises Richtung, „reden wir später."

„Yeah, Deal!", rief Potter. Vor Schreck sprangen alle auf. „War nur ein Scherz", erklärte Potter dann.

Gemeinsam gingen sie zurück ins Schloss. In der Großen Halle angekommen wandten sie sich direkt an Professor Dumbledore. Beäugt von einer wirklich ungeduldigen Calli-Ray – Verzeihung: einem ungeduldigen Professor Snape – erläuterte Granger dem Schulleiter die Situation, die Mordpläne verschwieg sie freilich, sie berichtet allein vom magischen Unfall mit dem unerfreulichen Körpertausch als Folge.

Am Ende von Grangers Bericht musste Dumbledore grinsen: „Ich finde die ganze Situation höchst amüsant. Sehen Sie doch einmal die heitere Seite, mit Sicherheit werden sie mit Ihrer geballten Macht schon zu einer Lösung kommen. Und lassen Sie den schönen Kopf nicht hängen, Severus." Ohne weitere Worte zu verlieren, ließ der Schulleiter seine entsetzten Gesprächspartner stehen.

TBC