Als Professor Snape in Gestalt der atemberaubenden Calli-Ray murrend zu seinem Platz zurück schlich, wirkte er mehr als irritiert.
„Was meint sie nur mit Katze, Rabe und Wolf?", flüsterte er.
„Vielleicht Ihre Haustiere?", fragte Harry.
„Sehr witzig, Potter. Ich besitze keine Haustiere. Die verursachen doch nur Dreck."
Hermine hatte die kleine Unterhaltung mitbekommen. „Professor Snape, haben Sie vielleicht Gegenstände in Ihrer Wohnung, die Calli-Ray für Haustiere halten könnte?"
Der Lehrer für Zaubertränke dachte angestrengt nach, dabei erschienen viele Falten auf Calli-Rays hübscher Stirn. Schließlich blickte er entsetzt auf. „Nein! Das hat sie nicht getan! Meine unersetzliche Sammlung romantischer Gemälde!"
„Sie sammeln Liebesbilder mit Tieren?", fragte Harry zugleich amüsiert und ein wenig angeekelt.
„Die Romantik ist eine Kunstepoche, Sie Kretin!"
„Denken sie mal darüber nach, was Calli-Ray mit Ihren sonstigen Besitztümern angestellt hat", meinte Hermine grinsend.
Das schöne Gesicht Calli-Rays war vor Entsetzen und Wut rot angelaufen. Sein „Nein!" schrie Snape nun geradezu heraus.
„Ey, könnt's ihr ma' bissi leise sein! Wir woll'n den unhotten Rewänklo-Boy jetzt voll fertig machen und wenn ihr weiter stören tut, dann muss ich euch iwie voll die Punkte abziehen!", ertönte Snapes Stimme vom Lehrertisch.
Nach dem Unterricht trafen sich Harry, Hermine, Malfoy und Snape im Klo der Maulenden Myrte. Nicht etwa, weil dieser Ort eine besondere Anziehungskraft auf sie ausübte, sondern weil sie sich sicher waren, dass Calli-Ray diesen Raum nicht freiwillig betreten würde. Sicherer vor ihr war wohl nur der Gemeinschaftsraum von Hufflepuff, dort trieben sich allerdings zu viele Schüler herum, und bekanntlich verursachten zu viele Mitwisser nur Probleme.
„Bevor wir uns an ein Gegenmittel machen", begann Hermine, „müssen wir exakt wissen, was geschehen ist. Würden Sie also noch einmal Ihre Erlebnisse im Bad schildern, Professor Snape?"
Snape schnaubte. „Bin ich hier der Lehrer oder Sie, Miss Granger? Anscheinend gab es zwischen unseren Zauberstäben einen dem Priori Incantatem ähnlichen Effekt, der zu dieser äußert unangenehmen Lage führte."
Plötzlich schoss eine Wasserfontäne aus einem der Wasserhähne, dahinter manifestierte sich die Maulende Myrte.
„Harry!", rief sie erfreut", du bist wieder da. Und du hast mir Freunde mitgebracht. Dazu auch noch so einen hübschen, blonden Jungen!"
Als die Maulende Myrte mit weit aufgerissenen Augen die Versammlung anstarrte, traf sie ein Fluch aus Malfoys Zauberstab und sie wurde in den Abfluss eines Waschbeckens gerissen. „Es kann weiter gehen", sagte Malfoy.
„Wir müssen also wissen, was für einen Zauberstab sie führt", setzte Hermine das Gespräch fort.
„Genau", sagte Snape, „dann können wir hoffentlich mit einem modifizierten Vielsafttrank auf der erweiterten Basis von Erinnerungen und passenden Zutaten einen Trank brauen, der diesen Fluch beendet." Mit einem Blick auf Harry verbesserte er sich: „Ich kann einen Trank brauen, denn wenn es um meinen Körper geht, lasse ich Potter nicht einmal in die Nähe des Kessels, sein völliges Versagen in Zaubertränke ist wohl zu Genüge bekannt."
Harry musste an sein zweites Schuljahr denken. „Vielsaft-Trank im Klo der Maulenden Myrte, da werden Erinnerungen wach, nicht wahr, Hermine?"
Calli-Rays Augen blickten Harry triumphierend an. „Baumschlangenhaut, Florfliegen…Ich habe es immer gewusst. Sie haben Vielsaft-Trank gebraut – verbotenerweise – und von meinen Vorräten gestohlen. Ich werde Sie nachsitzen lassen."
Hermine lächelte. „Wie wäre es mit folgendem Vorschlag, Professor Snape: Sie vergessen das Nachsitzen, wenn wir Ihnen bei Ihrem kleinen Körperproblem helfen?". Stumm nickte Snape, Hermine jedoch starrte Harry drohend an. „Wenn du jetzt ,Yeah! Deal!' sagst, bringe ich dich um!"
„Ich möchte eure Unterhaltung ja ungern stören", mischte sich Malfoy ein, „doch Vielsafttrank zu brauen dauert Wochen. Es sind verschiedene Mondphasen zu beachten und…."
Snape gebot ihm zu schweigen. „Danke, Mr. Malfoy, doch zufälligerweise bin ich Lehrer für Zaubertränke und weiß exakt, wie lange es dauert, Vielsaft-Trank zu brauen. Es ist erfreulich, dass Sie in meinem Unterricht aufmerksam waren, Ihren Vortrag können Sie sich jedoch sparen. Granger hat das Rezept sicherlich auswendig gelernt, und Potter wird es ohnehin niemals verstehen. Und zu Ihrer Information: In meinem Büro verfüge ich über einen gewissen Vorrat an Vielsaft-Trank."
„Dann brechen wir einfach in Ihr Büro ein", sagte Harry. Das konnte kein so großes Problem sein, immerhin hatten sie in solchen Dingen schon Erfahrung.
„Wenn Sie in mein Büro einbrechen…", warnte Snape.
„Ich weiß, dann ziehen Sie uns Punkte ab. Aber beachten Sie bitte, dass das im Augenblick leider nicht möglich ist."
„Bevor wir auch nur über Einbrüche nachdenken, sollten wir alles über Calli-Rays Zauberstab in Erfahrung bringen", erinnerte sie Hermine, „also müssen wir Mr. Ollivander in der Winkelgasse einen Besuch abstatten."
„Wie hast du dir das vorgestellt?", fragte Harry. „Wir sind Schüler und können nicht einfach…."
„Zu Ihrer Information, Potter", sagte Snape, „bin ich ein Lehrer und kann daher jederzeit…" Er blickte an sich herunter, sah Calli-Rays Körper und schwieg.
Auf Malfoys Gesicht erschien ein Lächeln. „Vielleicht hätte ich da eine Idee…."
Sie hatten sich aufgeteilt. Während Hermine und Snape mittels Arithmantik das magische Potential verschiedener Zauber und Zutaten berechnen würden, um so das perfekte Rezept für den Trank zu erhalten, sollte Harry mit Malfoy in der Winkelgasse alles über Calli-Rays Zauberstab in Erfahrung bringen. Harry lief hinter Malfoy durch einen Korridor im siebten Stock, als der Blondhaarige plötzlich vor dem Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten stehen blieb.
„Malfoy, ich dachte wir wollen in die Winkelgasse. Hier ist aber der Raum der Wünsche."
„Schnauze, Potter!"
Harry beobachtete Malfoy, der murmelnd dreimal auf und abging, bis schließlich eine Tür erschien. Malfoy öffnete sie.
„Los! Rein da, Potter!"
Der Raum hinter der Tür war so riesig wie eine Kathedrale. Durch hohe Fenster fielen Lichtstrahlen, die eine gewaltige Ansammlung von Gegenständen beleuchteten. Zwischen Stapeln beschädigter Möbel und abertausenden Bücher bildeten sich Gassen, Scherzartikel lagen zwischen Flaschen mit eingedickten Zaubertränken. Während Malfoy zielsicher durch den Raum stürmte und Harry Mühe hatte, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, erkannte er noch rostige Waffen, Schmuckstücke und Kleidung, offenbar eine Ansammlung von Objekten, die Generationen von Schülern hier versteckt hatten.
Im Laufen ließ Harry neugierig seine Blicke streifen, fast wäre er über Malfoy gestolpert, der plötzlich vor einem großen schwarzen Schrank Halt machte, der Harry vage bekannt vorkam. Er dachte nach. „Ist das nicht dieses Verschwindekabinett, in das Montague von den Weasley-Zwillingen gesperrt wurde?"
Malfoy nickte. „Es hat ein Gegenstück. Niemand hat es damals verstanden, sondern alle hielten die Sache für einen großen Spaß. Montague ist fast gestorben, ehe er es schaffte heraus zu apparieren. Auf jeden Fall führt es zu Borgin & Burkes's in der Nocturngasse. Nachdem ich Calli-Ray kenne gelernt hatte, dachte ich, es könnte nicht schaden, einen Rückzugsort zu haben. Ihre Anwesenheit hat mir wohl vor Augen geführt, wie dringend ich eine Fluchtmöglichkeit brauche, und so konnte ich das Kabinett reparieren."
Der Schrank wurde von Malfoy geöffnet, dann gab dieser Harry einen Schubser. Harry landete im ziemlich staubigen Schrank, Malfoy stieg ihm hinterher und schloss die Tür wieder. Es war dunkel. Auf einmal fühlte Harry einen heftigen Zug um seinen Bauchnabel, dann stand er auch wieder mit Malfoy in einem dunklen, staubigen Schrank.
„Raus hier, Potter", sagte Malfoy hektisch und öffnete die Tür. Fahles Licht drang in Harrys Augen. Er kannte diesen Ort wirklich, bei seiner ersten Reise mit Flohpulver war er versehentlich hier, bei Borgin & Burke's, gestrandet. Regale, Vitrinen und Wände waren nach wie vor voller Totenköpfe, Knochen und allerlei schwarzmagischer Gegenstände, die in der spärlichen Beleuchtung nur zu erahnen waren.
Schnell verließen die Jungen das Geschäft. Die Nocturngasse war eng, in den Schatten drängten sich zwielichtige Gestalten. Harry wollte nur fort von hier und ging Richtung Winkelgasse, als Malfoy ihn auf einmal anstieß.
„Warte mal einen Moment, Potter." Der ehemalige Slytherin ließ Harry stehen und betrat erneut Borgin & Burkes's. Harry versuchte durch das staubige Schaufenster etwas zu erkennen. Er sah Malfoy, der auf etwas deutete. Ihm gegenüber stand ein buckliger Mann mit fettigen Haarsträhnen. Harry erkannte ihn als Mr. Borgin. Schnell wechselten eine Hand voll Münzen und ein schmaler Gegenstand den Besitzer, und schon stand Malfoy wieder neben ihm.
„Was sollte das denn, Malfoy?"
„Später."
Die breite und viel hellere Winkelgasse erschien Harry gleich viel angenehmer als die Nocturngasse. Wie gerne hätte er dem Scherzartikelladen der Weasley-Zwillinge einen Besuch abgestattet oder zumindest das beeindruckende Gebäude der Zaubererbank Gringotts betreten, nur um sich von Calli-Ray ablenken zu können. Doch sie hatten einen Auftrag.
Sie betraten Ollivander – Gute Zauberstäbe seit 382 v. Chr. Auch hier hatte sich seit Harrys erstem Besuch nichts geändert. Als sich die Tür öffnete, erklang wieder das ferne Leuten einer Glocke, und säuberlich bis an die Decke gestapelte Schachteln waren im staubigen Geschäft zu erkennen.
Mr. Ollivander kam aus dem Hinterzimmer, er blickte die beiden Jungen aus seinen großen, blass leuchtenden Augen an. Mit sanfter Stimme begrüßte er sie.
„Ah, Mr. Potter und Mr. Malfoy, einmal Stechpalme mit Phönixfeder, elf Zoll, federnd und einmal Weißdorn mit Einhornhaar, zehn Zoll, ziemlich federnd, korrekt? Was kann ich für Sie tun?"
Konnte er sich wirklich an jeden einzelnen verkauften Zauberstab erinnern, fragte sich Harry, als Malfoy auch schon zu sprechen begann.
„Mr. Ollivander, können Sie uns sagen, woraus der Zauberstab von Callista-Raven-Shadow-Samantha-Voldemortina Malfoy-Snape besteht?"
Mr. Ollivanders große Augen blinzelten, wohl zum ersten Mal in seinem Leben, dachte Harry unwillkürlich.
„Wer?", fragte der Zauberstabmacher.
Malfoy stöhnte. „Ein Mädchen, einigermaßen gutaussehend. Manchmal schwarz-blaue, manchmal hellblonde Haare, hat wohl im Sommer ihren ersten Zauberstab erworben."
„Verschieden farbige Augen", ergänzte Harry.
„Ah, ich erinnere mich", sagte Mr. Ollivander mit seiner sanften Stimme, „sie kam mit Albus Dumbledore hierher, doch so viele Zauberstäbe sie auch versuchte, kein einziger erkannte sie als Herrin an. Einen ähnlichen Fall gab es vor 57 Jahren schon einmal, doch da fand sich schließlich noch ein Stab. Damals waren es acht Zoll, Eschenholz mit Einhornhaar, unnachgiebig. Doch aus Algie Longbottom wurde ein großer Zauberer, ja ein großer Zauberer. Ein solcher Fall wie der dieser Callista ist mir in meiner gesamten Karriere nie untergekommen."
„Aber sie hat einen Stab", rief Harry.
„Nun, nachdem sich kein Stab für sie entscheiden konnte, sagte Albus Dumbledore zu diesem Mädchen: Ich weiß wo es einen passenden Zauberstab für dich gibt, und verließ meinen Laden. Eine Unverschämtheit, als würde jemand bessere Zauberstäbe als ich herstellen."
„Und wo sind sie hin?", stöhnte Draco.
„Sie betraten Weasleys Zauberhafte Zauberscherze und Miss Malfoy-Snape trug hocherfreut einen Zauberstab in der Hand."
„Danke", sagte Harry, Malfoy war bereits aus dem Laden gestürmt.
Er konnte noch knallende und blitzende Gegenstände im Schaufenster des Ladens der Weasleys erkennen als er Malfoy hinterher rannte, dann standen sie auch schon im mit Kartons voller Nasch & Schwänz-Leckereien, Feuerwerk und anderen Scherzartikeln vollgestopften Verkaufsraum. Einer der Weasley-Zwillinge blickte Harry erfreut an, doch seiner Miene verfinsterte sich, als er Malfoy erkannte.
„Harry, deine Bestellung ist unterwegs. Du hättest dein Opfer nicht mitbringen müssen."
„Danke George, aber Malfoy ist nicht das Opfer, zumindest momentan nicht. War Dumbledore im Sommer mit einer schrecklichen Schülerin hier?"
Hinter einem Regal erschien nun auch Fred Weasley. „Du meinst diese Callista? Ron hat viel von ihr geschrieben. Und was fällt dir eigentlich ein, nicht mehr Gryffindor zu besuchen, sondern so ein neues Haus und dort mit einer schrecklichen Schülerin herumzuturteln?"
„Sie turteln nicht nur", sagte Malfoy.
„Schnauze, Malfoy!", entfuhr es Harry, „sonst erzähle ich mal, was du so alles treibst."
George unterbrach die beiden: „Ja, sie war hier. Dumbledore hat ihr einen Juxzauberstab gekauft."
Sie hatten sich unmittelbar nach Harrys und Malfoys Rückkehr aus der Winkelgasse wieder im Klo der Maulenden Myrte versammelt.
„Was hast du eigentlich in diesem schrecklichen Geschäft gekauft, Malfoy?", fragte Harry.
Der blonde Junge grinste und holte ein Tuch hervor. Darin war eine silberne Opalhalskette eingeschlagen, die Harry bekannt vorkam. Er streckte eine Hand aus.
„Nicht berühren, Potter", warnte Professor Snape mit Calli-Rays Stimme, „es sei denn, Sie wollen mir einen Gefallen tun und sich endlich umbringen."
„Die Halskette ist verflucht", erklärte Malfoy. „Wir werden sie Calli-Ray einfach schenken, sie berührt sie und schon ist sie tot."
Hermine betrachtete die Kette. „Das könnte funktionieren. Sie liebt doch Schmuck. Und von einem Geschenk ihres angeblichen Zwillingsbruders wird sie begeistert sein. Du musst nur darauf achten, von niemandem beobachtet zu werden, wenn du ihr das Geschenk überreichst."
„Granger, du musst mir nicht erklären, wie man ein Verbrechen begeht. Damit kenne ich mich wohl besser aus. Aber an ihren Schmuckwahn dachte ich auch. Den Zwillingsbruder verbitte ich mir allerdings."
Snape wurde ungeduldig. „Das ist ja alles sehr schön, Mr. Malfoy, allerdings wäre ich sehr dankbar, wenn wir uns zunächst um diesen Körpertausch kümmern könnten. Wenn ich es richtig gesehen habe, wird meine Brust inzwischen von der äußerst geschmacklosen Tätowierung eines hässlichen Drachen geziert". Snape verzog die Mundwinkel.
„Der Drache ist übrigens rosa", sagte Hermine lachend.
„Danke, Granger. Ich halte das wirklich nicht mehr lange aus und kann nicht dafür garantieren, dass ich nicht versehentlich einen Unverzeihlichen verwende. Und falls sie auf meinem Rücken wirklich die Tätowierung trägt, die ich dort erkannt habe, dann kann sie niemand mehr vor einem Avada Kedavra bewahren."
„Ich haben früher auch rosa getragen, und der Avada Kedavra stört mich nicht mehr!", erklang plötzlich die Stimme der Maulenden Myrte aus einem der Waschbecken. Malfoy zuckte nur kurz mit dem Zauberstab, worauf sich die Stimme wieder vernehmen ließ: „Ich bin ja schon weg."
Hermine ließ Snape ausreden, dann sah sie zu Harry und Malfoy. „Wir haben das Rezept, uns fehlt nur noch der Kern ihres Zauberstabs, also wie war eure Exkursion?"
„Ähm… sie hat nur einen Juxzauberstab", sagte Harry.
„Diese Weasleys", schrie Snape, „ich werde sie alle durchfallen lassen. Aber gut, ein Juxzauberstab, das macht die Sache einfach. Dann fehlt ja nur noch ganz wenig. Eine Erinnerung von mir, eine von Calli-Ray und natürlich müssen wir noch den Vielsaft-Trank aus meinem Büro… stehlen."
Hermine lehnte sich entspannt zurück. „klingt nach einem Auftrag für Calli-Rays ‚Hotties'. Harry hat am meisten Erfahrung im Brechen von Regeln, und an Calli-Rays Erinnerungen zu kommen, dürfte für euch ja leicht sein."
Harry schwante übles. Das klang nach einer äußerst undankbaren Aufgabe. „Zumindest beim Einbruch in Snapes… Professor Snapes Büro musst du uns helfen, Hermine."
Mit einem Nicken stimmte das Mädchen zu.
Nun blickte Harry zu Malfoy. „Wenn sich Hermine und ich um die Zutaten kümmern, musst du Calli-Rays Erinnerung besorgen."
Sein blonder Mitschüler wurde noch blasser, stimmte aber schließlich zu.
Der Einbruch in Snapes Büro hatte sich als überaus einfach heraus gestellt, offensichtlich ging Calli-Ray nicht einmal in die Nähe ihres Arbeitsraums. „Wir hätten auch hier arbeiten können, dann wäre uns Myrte erspart geblieben", hatte Hermine gesagt. Harry hatte ihr im Stillen Recht gegeben, doch er war froh, dass es keinerlei Probleme gab, als sie dank der Formel Alohomora in das Büro eindrangen und die Vorräte an Vielsaft-Trank mitnahmen.
Nach dieser überraschend einfachen Aufgabe war Harry froh, nicht mit Malfoy tauschen zu müssen. Sein völlig aufgelöster Erzfeind reichte ihm nur eine mit weißem Nebel angefüllte Glasflasche und murmelte: „Schrecklich… Klassenfahrt… will nicht darüber reden."
Da sie Snapes Erinnerungen selbstverständlich besaßen, mussten sie Calli-Ray nur noch dazu bringen, den Trank zu trinken.
Harry fing die Gestalt Professor Snapes vor dem Frühstück ab. „Professor Snape, ich habe da eine Frage wegen der Unverzeihlichen Flüche", sagte er.
In Snapes Gesicht erschien ein völlig unpassendes Strahlen, der Mann lächelte sogar.
„Harald, kann ich dir voll gut bewantworten, weissu, eigentlich bin ich ja Calli-Ray, aber: Psst! Darf voll niemand wissen!"
Harry stöhnte.
„Lust auf einen Kürbissaft?", fragte er mit einem Krug in der ausgestreckten Hand.
„Man, Harald! Weissu doch, dass ich nur voll den lecker BubbleTea trinken tu!"
Mist, er wusste, dass er etwas vergessen hatte. Er warf einen Blick über die Schulter. Hoffentlich hatte Malfoy, der sie unter dem Tarnumhang beobachtete, alles mitbekommen.
Glücklicherweise kam der blonde Junge tatsächlich wenige Augenblicke später mit einem Becher BubbleTea den Korridor entlang gelaufen.
„Ein BubbleTea, Professor Snape?"
Calli-Ray lächelte in Snapes Körper nun noch stärker, mit einem abschreckenden Verlangen in den Augen musterte sie Malfoy. „Voll cool, Dracon! Danke, ich liebe BubbleTea!"
Snapes Hand nahm das angebotene Getränk.
Trink, trink, dachte Harry.
Doch leider sprach Calli-Ray noch immer: „Ihr seid voll die süßen Hotties, wir können uns heut auf eine voll erotische Nacht in meinem sexy Büro treffen."
Harry und Malfoy nickten nur stumm, und endlich führte Calli-Ray das Getränk zu Snapes Mund.
Kaum hatte sie einen Schluck genommen, verformte sich Snapes Körper. Aus den schwarzen Haaren sprossen abwechseln hellblonde und dunkle Haare, der Meister der Zaubertränke wurde kleiner, bis schließlich Calli-Ray vor ihnen stand.
Einige Tage später hatte Malfoy Calli-Ray eine Nachricht geschickt und sie zu einem romantischen Stelldichein in einem dunklen Korridor bestellt.
Verborgen unter dem Tarnumhang sahen Harry und Hermine, wie Malfoy der erwartungsvoll blickenden Calli-Ray eine kleine Holzschachtel präsentierte.
„Liebe Calli-Ray", sagte Malfoy, „ich konnte nicht aufhören an dich zu denken und habe dir dieses Geschenk mitgebracht. Es kann natürlich niemals deine Schönheit erreichen, dennoch wird es einfach wunderbar an dir aussehen."
Mit diesen Worten öffnete er die Schachtel und reichte sie Calli-Ray. Das Mädchen nahm sie in die Hände, blickte auf die verfluchte Halskette und ihr Gesicht zeigte einen Anflug von Ekel.
„Boaaah, Dracon! Die sieht ja mal voll ätzend-scheiße aus!" Calli-Ray ließ die Schachtel zu Boden fallen, machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte von dannen.
„Mist!", fluchte Harry.
TBC
