Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.
Cassie
„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."
oooooooooooooooooooo
Kapitel 2 – Der AufstandEs genügt zu sagen, dass ich mich ab und an isoliert und die Mehrheit meiner Zeit in der Bibliothek verbracht habe, an dem einzigen Ort, wo ich Ruhe finden konnte. In der Bibliothek und natürlich Slytherins Kammer. Denn bald wurde es zu einer Gewohnheit dorthin zu gehen und in aller Ruhe Magie zu üben, mit Tom an meiner Seite. Mit der Zeit war es mir lieber meine Freizeit in der Kammer zu verbringen, denn ich konnte Tom dabei haben. Und der Mann ist nützlicher als die gesamte Bibliothek, denn er ist wie ein wandelndes Buch. In der Kammer habe ich damit begonnen, tatsächlich Magie zu lernen. Denn das, was mir Tom beigebracht hatte, konnte ich in keinem Buch finden. Ich erinnere mich noch immer an der Zeit, als Tom mir dunkle Magie zum ersten Mal beigebracht hatte.
/Rückblende
„Tom," sage ich zögernd mit dem Stab in meiner Hand. Tom sitzt auf einem der Schlangenköpfe und schaut mich ernst an. „Ist das nicht etwa dunkle Magie?"
Die Augen meines Freundes glitzern fanatisch und er nickt.
„Was bewirkt der Zauber?" frage ich leise, der Frage ausweichend, ob es wirklich richtig für mich war, die dunkle Magie zu üben. Klar, wir haben darüber gesprochen, haben es aber nie in der Tat umgesetzt.
„Er vermittelt einem den Eindruck, dass man lebendig verbrannt wird ," sagt Tom gelassen. „Also?"
Ich möchte meinen Freund nicht beleidigen. Er hatte mir schon so viel geholfen. Und ich hätte es erwarten sollen. Tom wird eines Tages Lord Voldemort sein, der dunkle Lord. Natürlich weiß er, sogar in seinem Alter, eine Menge dunkle Magie. Ich schaue auf meinen Stab hinunter und seufze.
„Würde Dumbledore nicht wissen, dass ich dunkle Magie benutzt habe?" frage ich zögernd.
Tom grinst teuflisch.
„Das ist eine sehr gute Frage, Harry," lobt er mich. Es fühlt sich gut an, obwohl ich mir nicht wirklich sicher bin, warum er mich lobt. Aber Tom lobt nur so selten, dass wenn es passiert, muss es eine außerordentliche Ehre sein.
„Die Schutzzauber der Schule erstrecken sich nicht bis zu dieser Kammer, " fährt er selbstgefällig fort. „Das habe ich selbst herausgefunden und ich kann dir sagen, dass die Kammer für mich sehr nützlich war, wenn ich dunkle Magie üben wollte. Also nein, Dumbledore kann es nicht wissen. Es gibt nur eine Weise, auf die er es erfahren kann, und die wäre, falls er dich testen würde . Es gibt einen Zauber, der einem offenbart, ob die Person in letzter Zeit dunkle Magie benutzt hatte. Aber du bist noch nicht in Gefahr, Harry. Denn Dumbledore wird es nicht einfallen, wenigstens noch nicht. Und das Schuljahr ist fast vorbei. Ich werde dir aber beibringen, wie du dich dagegen schützen kannst. Aber es ist noch nicht notwendig."
Da habe ich keine Argumente mehr, und es fühlt sich seltsam an, als ich in der Kammer dastehe und mich vorbereite, einen dunklen Zauber durchzuführen. Im gewissen Sinne fühle ich mich wie Voldemorts Nachkomme. Ich schüttele den Kopf und vertreibe diesen Gedanken aus meinem Kopf.
Ich kann mich noch immer an das Gefühl erinnern, als ich den Zauber zum ersten Mal benutzt habe. Ich stelle es mir vor, da steht jemand vor mir, dem ich wehtun möchte (ich habe eine ganze Liste von Kandidaten, vielen Dank).
„Exuras!" schreie ich und spüre sofort, dass mein Fluch geklappt hatte. Ich keuche auf als ein unglaubliches Gefühl sich in mir verbreitet; es ist wie flüssige Schokolade, so süß, so wunderschön und mein Kopf ist herrlich leer. Der Fluch ist jetzt eine Nebensache und stattdessen konzentriere ich mich auf dieses Gefühl, das mich durchströmt. Ich zittere vor Aufregung und mir ist heiß; und ich fühle mich so glücklich wie nie zuvor. Als das Gefühl nachlässt, gluckse ich und schüttele den Kopf. Tom schaut mich mit einem leichten Lächeln an, das mir mysteriös vorkommt.
„Was war das?" frage ich. Sogar meine Stimme zittert.
„Du hast noch nie einen dunklen Fluch benutzt?" fragt er belustigt. Ich schüttele den Kopf und lache. „Das, mein Freund, ist dunkle Magie."
„Und so fühlt sie sich immer an?" frage ich ungläubig.
„Ja," sagt Tom, breit grinsend. „Wenn man damit beginnt, die dunkle Magie zu benutzen, muss man zuerst die Sucht überwinden. Denn wie du bemerkt hast, bietet die dunkle Magie einem ein einzigartiges Gefühl an. Und man kann davon süchtig werden. Leider wenn man sich nicht unter Kontrolle hat, kann das schlecht enden."
„Ich kann sehr gut verstehen, warum sie verboten ist," sage ich und lecke mir die Lippen. Tom lacht.
„Sie ist verboten, weil sie gefährlich ist," sagt Tom mit einer ernsteren Miene. „Was die Dummköpfe aber nicht begreifen ist, dass es Menschen gibt, die nicht mal so schwach wie sie es sind. Es gibt auch diejenigen, die als dunkle Magier geboren sind."
Ich werfe ihm einen besorgten Blick zu, aber mir ist noch immer schwindelig und ich möchte einfach dieses Gefühl nicht vergessen, indem ich damit beginne, ernste Fragen zu stellen.
„Wie gesagt kann sie gefährlich sein, falls man nicht lernt, wie man sich kontrollieren kann. Und du hast mich," sagt er ernst. Ich schaue zu ihm hinüber und die dunklen Augen bohren sich in meine.
„Danke, Tom," sage ich leise. Tom nickt nur, sagt jedoch nichts dazu. Er fährt lediglich mit seinem Unterricht fort.
/Ende Rückblende
„Was machst du?" fragt eine Stimme hinter mir.
Wir befinden uns in meinem Zimmer im Ligusterweg Nummer vier. Tom steht hinter mir und ich sitze an meinem Schreibtisch.
„Ich schreibe in meinem Tagebuch," sage ich. Tom wirft einen Blick über meine Schulter und ich schlage das Buch schnell zu und werfe ihm einen wütenden Blick zu. Er grinst mich teuflisch an.
„Sehr wohl, Harry," sagt er, seine Augen glitzernd. „Die erste Regel der dunklen Künste – vertraue niemandem."
„Das tue ich auch nicht," sage ich, kann aber meine Freude nicht verbergen. Er mustert mich mit demselben Stolz, wie ein Lehrer seinen Lieblingsschüler mustert und er tritt zur Seite.
„Wir sollten weiter an deinen Fähigkeiten arbeiten, dich gegen Dumbledore zu verteidigen," sagt Tom.
Ich stehe auf und strecke mich ausgiebig. Tom ist ein Sklaventreiber. Ich stöhne und nehme meinen Stab mit, mit dem in der Hand ich die Treppen nach unten steige.
Ein Harry Potter in Ligusterweg Nummer vier mit seinem Zauberstab in Hand? Da stimmt was nicht, oder?
Also geht meine Geschichte weiter. Nachdem ich die Fahrt nach London in Stille und ganz alleine mit einem Buch in Hand verbracht hatte, machte ich mich auf die Suche nach dem Auto der Dursleys.
Onkel Vernon saß mit einer mürrischen Miene in seinem Auto auf dem Parkplatz und trommelte mit seinen dicken Fingern gegen das Lenkrad.
/Rückblende
„Hallo, Onkel Vernon," sage ich nachdem ich meinen Koffer in den Kofferraum gestopft habe. Er knurrt nur. „Da gibt es etwas, was ich erledigen muss, aber du musst nicht auf mich warten. Ich finde schon den Weg nach Hause."
Er funkelt mich an. Eine Welle aus Angst strömt mich durch als ich mich an all die Jahre erinnere, die ich als sein Sandsack verbracht habe. Gleichzeitig erinnere ich (mich aber an die Worte von Tom und schaue ihm direkt in die Augen. Bloß nicht den Blickkontakt brechen, denke ich zu mir.
„Was fällt dir ein, du Mistkerl..." stottert er, ich aber ziehe meinen Stab hervor und richte ihn auf ihn. Seine Augen weiten sich und werden schielend als er die Spitze meines Stabs angafft.
„Du brauchst mich nur zur Adresse fahren, die ich dir gebe, das ist alles," sage ich leise und mit einer – hoffentlich – bedrohlichen Miene. Ich hoffe mit ganzem Herzen, ich würde meinen Stab nicht benutzen müssen, denn das könnte schlecht enden. Bitte, bitte, fahre nur, denke ich, als ich meinen Ausdruck so ernst wie möglich zu machen versuche. Denn wenn ich einen neuen Stab habe, wird alles anders sein. Dann werde ich im Stande sein, mich tatsächlich zu verteidigen.
„Steck den Scheiß weg," murmelt er schließlich. „Sonst würde jemand ihn sehen."
Ich werfe ihm einen letzten warnenden Blick zu, ehe ich mit Erleichterung zuschaue, wie er das Auto startet.
„Wo soll ich dich hinfahren?" fragt er mit einer vor Wut zitternden Stimme. Mir ist sofort klar, dass ich im Haus keinesfalls willkommen sein werde, also ist ein zweiter Stab jetzt notwendiger als je zuvor. Ansonsten würde ich in einem Zelt wohnen müssen, oder noch schlimmer, direkt unter Dumbledores Nase, und das möchte ich nicht.
Ich steige aus dem Auto und mache mich auf den Weg nach Winkelgasse. Der Knoten in meinem Magen ist noch immer da, aber wenigstens kann ich jetzt ausatmen. Für eine Weile bin ich hier sicher. Mit einer hochgezogenen Kapuze dränge ich mich zur Wand, die den Eingang zur Winkelgasse darstellt und bald bekomme ich den bekannten Anblick zu Auge. Ich lächele. Geschafft.
Um eine Ecke biegend, ziehe ich das Tagebuch Toms aus meiner Tasche und er erscheint augenblicklich.
„Es hat also geklappt," sagt er zufrieden.
„Ja, aber da wird es Ärger geben wenn ich nach Hause komme," sage ich leise. Die dunklen Augen blitzen auf, aber seine Lippen strecken sich zu einem bösartigen Lächeln. Ich kenne dieses Lächeln – es heißt, Tom hatte etwas ausgeheckt.
„Keine Sorge, Harry," sagt er ruhig. Ich grübele noch immer über dieses etwas nach, das ich in seinen Augen für eine Sekunde gesehen habe. War es Wut? War Tom zornig, weil er auch einmal so misshandelt war?
Er beschreibt mir den Laden, der illegale Stäbe verkauft und ich bin überhaupt nicht überrascht, dass er sich in Nokturngasse befindet. Als ich mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen durch die dunklen Gassen marschiere, denke ich über Stäbe und das Ministerium nach. Niemand hatte uns davon in der Schule erzählt. So was gibt es in der Muggelgesellschaft nicht. Da gibt es natürlich die Polizei, aber wie Dudley und seine Kameraden schon vielmals bewiesen haben, können sie einfach nicht überall und zur gleichen Zeit sein, also gibt es eine Menge Verbrechen, die unbestraft bleiben. Das Ministerium wiederum überwacht die Kinder auf diese abscheuliche Weise. Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich ja etwas verheimliche. Normalerweise würde es einen nicht stören, dass jemand weiß ob man Magie über die Ferien benutzt hatte oder nicht. Wenn ich in einer glücklichen Familie leben würde, würde ich sie auch nicht brauchen, denn ich würde meine Eltern haben. Aber ich brauche meine Magie um mich zu verteidigen und wie Tom sagt, wenn ich mir selbst nicht helfen würde, wer würde es anstatt mir tun? Dumbledore? Sicherlich nicht. Der Mann hat schon bewiesen, wie gut er sich um mich kümmert. Und bis ich erfahren habe, dass ich ein Zauberer bin, habe ich dummerweise geglaubt, so sei es in Ordnung. Ich bin ein Freak, also ist es in Ordnung, dass man mich bestraft und schlägt. Lieber Merlin, ich war so dumm.
Der Mann hinter der Theke fragt nicht viele Fragen und das ist mir recht. Er fragt nur, welche Hand ich zum Zaubern benutze und zieht eine Schachtel voller Stäbe hervor. Tom hat mir früher ein paar Anweisungen gegeben. Ich solle mit meiner Hand über den Stab fahren und nach einer Reaktion von dem Stab suchen. Am Anfang sind mir diese Anweisungen ziemlich doof vorgekommen; aber als ich genau das tue, was er gesagt hat, weiß ich genau, was er damit gemeint hat. Jeder Stab vibriert auf seiner eigenen magischen Frequenz; und meine eigene und die von dem Stab sollten übereinstimmen, ansonsten ist der Stab nicht richtig für mich. Ich bemerke den Blick des Verkäufers nicht, der genau beobachtet, was ich tue. Ich schaue auf und schüttele den Kopf. Der Mann nickt nur, als hätte er es erwartet. Er zieht eine neue Schachtel hervor und stellt sie geschäftsmäßig vor mich. Ich frage mich vage, ob er die Stäbe unter der Theke aufbewahrt als ich ein Zucken spüre. Meine Hand gleitet automatisch zu dem Stück Holz, das nach mir ruft. Ich kann etwas bekanntes da unten spüren als meine Hand zu graben beginnt und ohne Zögern einen Stab hervorzieht. Der Verkäufer gluckst und ich schaue auf den Stab hinunter.
„Hast du einen Lehrer, Junge?" fragt der Verkäufer. Ich schaue verwirrt auf und vergesse momentan meine Entscheidung, keine Fragen zu beantworten.
„Was meinen Sie?" frage ich.
„Einen Lehrer, der dir die dunkle Magie beibringt," erklärt der Verkäufer. „Denn es ist ziemlich offensichtlich, in welche Richtung du gehst, Junge. Und wer die dunklen Künste ehrlich studieren will, muss einen Lehrer haben, sonst kann das übel enden."
„Das geht Sie nicht an," zische ich ehe ich genau weiß , was ich da vorhabe. Seine Worte haben einen Nerv getroffen und ich bin paranoid und nervös geworden. Mal sehen... ich bin der Junge der lebt, der in einem staubigen Laden in Nokturngasse steht und einen Zauberstab kauft, den er offensichtlich zum Üben der dunklen Magie benutzen würde. Also ja, ich habe einen sehr guten Grund, um paranoid und vorsichtig zu sein.
Der Verkäufer gluckst wieder und nickt billigend.
„Also hast du einen," sagt er zufrieden. „Sehr wohl. Hoffentlich versteht er sich in dunklen Künsten gut, denn dieser Stab weist darauf hin, dass deine Magie ziemlich wild und stark sein kann."
Er deutet mit dem Finger auf dem Stab in meiner Hand. Ich runzele die Stirn. Meine Neugier ist sicherlich stärker als mein Wunsch, so schnell wie möglich den staubigen Laden zu verlassen, also riskiere ich noch eine Frage.
„Welches Holz ist das?" frage ich.
Der Verkäufer scheint die Frage erwartet zu haben, denn er gibt mir sofort eine ausgiebige Antwort.
„Das, mein Junge, ist Eibenholz," sagt er ruhig. „Und der Kern des Stabes ist ein Basiliskzahn. Sehr interessante Kombination, denke ich. Aber dein Lehrer weiß sicherlich mehr darüber als ich." Er presst die Lippen zusammen als er die Schachtel mit Stäben wieder unter der Theke verschwinden lässt.
Ich sage nichts dazu, bezahle lediglich für meinen Stab – und anscheinend bezahlt man auch dafür, dass die Stäbe nicht von dem Ministerium überwacht sind aber glücklicherweise habe ich genug Geld – und verlasse den Laden. Als ich in Richtung Winkelgasse marschiere, ziehe ich nochmal meinen zweiten Stab hervor und schaue ihn mit einer Mischung von Überraschung, Entsetzen und Freude an. Das Holz ist dunkelbraun und der Stab an sich wirkt ein wenig länger als mein Phönixstab. Ich werde tatsächlich Tom fragen, was das Ganze zu bedeuten hat. Als mir einfällt dass keine Begrüßungskomitee auf mich zu Hause wartet, verkrampft sich mein Magen und ich stöhne auf. Ich entscheide noch einmal eine dunkle Ecke zu finden damit ich Tom fragen kann, was ich tun sollte.
Als ich in der U-Bahn sitze gehen mir die Worte Toms nicht aus dem Kopf. Er ist der Meinung, dass mein Stab außerordentlich gut für dunkle Magie geeignet ist und stellt sich so an, als sei die Sache schon entschieden. Nur weil ich einen Stab gefunden habe, der Lust auf dunkle Magie hat, heißt das nicht, dass ich mich als ein dunkler Magier versuchen muss. Aber das Gefühl, das mir die dunkle Magie anbietet ist einfach wunderschön. Es ist einzigartig; so was habe ich nie gespürt, wenn ich Magie benutzt habe. Es ist wirklich kein Wunder, dass sie verboten ist, wenn sie sich so gut anfühlt.
Ich seufze und bereite mich auf das, was auf mich zukommt, nämlich die Dursleys. Tom ist der Meinung, dass ich mich jetzt widersetzen und keine Angst haben solle. Dass ich kein Erbarmen zeigen solle, denn sie würden mich, so bald ich ein Zeichen von Schwäche zeige, auffressen. So ist es mit Tieren, geht es mir durch den Kopf. Haben wir nicht etwa in der Schule gelernt, dass nur die stärksten Tiere überleben? Und falls man nicht einem physich überlegen ist, braucht man eine Waffe. Und in diesem Fall wäre die Waffe meine Magie.
Ich mache mich auf den Weg zum Ligusterweg Nummer vier und versuche mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Falls alles gut verläuft, werde ich frei sein. Ich muss nur meine Rolle gut spielen, das ist alles. Als ich zur Tür gelange, bin ich dafür dankbar, dass ich meinen Koffer so bezaubert habe, dass man ihn nicht zerstören kann. Das war auch Toms Idee. Denn mein Koffer steht bei der Mülltonne und ein Blick genügt zu wissen, dass Onkel Vernon versucht hatte, meine Sachen zu zerstören. Das ist ihm aber nicht gelungen. Ich spüre brennende Wut in meinem Magen und marschiere zielstrebig zur Eingangstür und klopfe.
Ehe ich mich umschauen kann, greift eine riesige Hand nach mir und zieht mich hinein. Ich habe nur genug Zeit, um meinen neuen Stab in die Hand gleiten zu lassen – sehr gut, dass ich einen Stabhalter gekauft habe! – und ich finde mich einen Zentimeter weg von Onkel Vernons purpurrotem Gesicht entfernt, das vor Zorn verzerrt ist.
„So," zischt er. „Du bist zurückgekehrt, du Freak!"
Jegliche übriggebliebenen Skrupel lösen sich auf als ich meinen Stab auf ihn richte und den Gedanken genieße, dass ich nie mehr geschlagen sein werde. Die wässrigen Augen weiten sich, aber er knurrt und packt mich am Kragen.
„Dissilias!" schreie ich. Onkel Vernon fliegt durch die Luft und landet mit einem dumpfen Geräusch bei der Badetür. Ehe Tante Petunia rennend in den Flur kommen kann, schließe ich die Küchentür mit einem Wink meines Stabs, aber ihre Schreie kann ich noch immer gut hören. Onkel Vernon richtet sich auf und funkelt mich an, aber ich bemerke, dass er das Stück Holz in meiner Hand – das mein Retter ist – mit Angst in seinen wässrigen Augen mustert.
„Ich möchte eigentlich nicht viel von dir," sage ich laut, mein Stab noch immer auf ihn gerichtet. Überraschenderweise zittert meine Hand nicht. „Ich möchte ein Zimmer, drei Mahlzeiten täglich und Ruhe. Das ist alles. Du gehst mir aus dem Weg und ich gehe dir aus dem Weg. Ich hatte genug von deinen Schlägen und deinen Beleidigungen."
Onkel Vernon ist nun so rot im Gesicht, dass er wie eine reife Tomate aussieht, die jede Sekunde platzen kann.
„Ich möchte dir nicht wehtun, obwohl ich nach allem, was du mir angetan hast, es wünschen sollte. Aber das tue ich nicht," sage ich laut. „Aber falls du je was versuchst, werde ich dich in tausend Stücke fluchen, damit man nichts zum Begraben hätte."
Die Drohung stammt von Tom. Der Mann hat eine erstaunliche und makabre Vorstellungskraft. Aber in diesem Fall muss ich zustimmen, denn wenn man mit jemandem so wie Onkel Vernon redet, muss man auf sein Niveau absinken und seine Sprache sprechen.
„Sind wir uns einig?" frage ich scharf. Die Lippen Onkel Vernons bewegen sich, aber nichts kommt aus seinem Mund heraus. Ich schaue mit Schadenfreude als er mit sich ringt, und ich kann beinah die Räder in seinem Kopf drehen sehen.
„Ja," sagt er schließlich. „Schon gut. Du kannst Dudleys zweites Zimmer haben."
„Schön," sage ich und verkneife mir ein Lächeln. 'Hart sein!' hallen die Worte Toms in meinem Kopf. „Ich würde lieber in meinem Zimmer essen, also schicke Tante Petunia mit dem Essen, wenn es fertig ist."
Ohne ein einziges Wort wende ich mich um und gehe nach draußen, um meinen Koffer zu holen. Als ich wieder die Tür hinter mir schließe, sehe ich, dass Onkel Vernon nicht mehr da ist und höre leise Stimmen aus der Küche. Jetzt erlaube ich mir, breit zu grinsen, als ich mit meinem Stab winke und den Koffer federleicht zaubere.
Als ich mein Abendessen mit Vergnügen verspeise, fühle ich mich außerordentlich gut. Jetzt bin ich frei: ich muss nicht wie ein Sklave im Garten den ganzen Tag lang arbeiten, ich habe genug Essen (obwohl Tom mich sofort angewiesen hat zu checken, ob Tante Petunia mein Essen vergiftet hat) und ich habe Tom. Zwei Monate lang. Tom wiederum ist nicht mal so davon überzeugt, dass wir aus dem Schneider sind. Oh nein. Tom ist ein dunkler Zauberer – unabhängig davon, dass er eines Tages Lord Voldemort sein wird – und er ist sehr paranoid. Wir haben zwei Stunden damit verbracht, die Tür mit Schutzzauber zu belegen, damit Onkel Vernon nicht während der Nacht in mein Zimmer hinein schleichen kann. Ehe ich ins Bett gehe, sagt er zu mir, ich solle meinen zweiten Stab unter dem Kissen verstecken, damit ich bereit wäre, mich jederzeit zu verteidigen. Der Mann ist mit den Muggeln aufgewachsen, also vermute ich, dass er weiß, worüber er redet.
Ich wiederum denke nicht, dass Onkel Vernon etwas versuchen würde, denn jetzt weiß er sehr wohl, dass ich außerhalb der Schule zaubern kann und würde nicht das Risiko eingehen, dass ich ihn oder seinen ach so tollen Wal, seinen Sohn, zur Hölle fluche. Ich habe mich aber getäuscht. Onkel Vernon ist offensichtlich dümmer als er aussieht, falls das möglich ist.
ooooooooooooooooo
Mitten in der Nacht fahre ich hoch und ziehe sofort meinen Stab unter dem Kissen hervor, zur Tür rennend. Da schreit sich jemand die Seele vor der Tür heraus. Ich öffne die Tür und da ist er – Onkel Vernon wälzt sich auf dem Boden hin und her und schreit sich heiser. Tante Petunia kommt rennend durch den Korridor und wirft sich auf ihn. Sie versucht ihn zu beruhigen, aber nichts hilft. Schließlich schaut sie zu mir hinauf. Da steht ihr Entsetzen im Gesicht geschrieben als sie mich mit dem Zauberstab in Hand dastehen sieht.
„Was hast du ihm angetan?" flüstert sie.
„Überhaupt nichts," antworte ich kalt. In jenem Moment kann ich kein Mitleid mit Onkel Vernon spüren, denn es war ziemlich offensichtlich, was der Mann geplant hatte. Da liegt ein Gürtel nicht weit von ihm entfernt und ich weiß nur allzu gut, was er damit tun wollte. Das, was er mir schon elf Jahre lang angetan hat.
„Er hatte versucht, in mein Zimmer hinein zu schleichen," sage ich gleichgültig. „Und das ist seine Strafe."
Tante Petunias Gesicht wird rot vor Wut und sie beißt sich auf die Lippen, noch immer versuchend ihren schreienden Mann zu beruhigen. Sie ringt mit sich selbst und obwohl sie mir am liebsten sagen würde, dass ich ein Freak bin, obwohl sie am liebsten diesen verdammten Gürtel selbst in die Hand nehmen würde um mir zu zeigen, was genau sie von mir hält - das Stück Holz in meiner Hand hat eine bessere Wirkung auf sie als eine Pistole. Denn sie weiß ja nicht, was ich damit tun kann.
Tom hat Recht. Magie heißt Macht und die Muggel sind uns unterlegen. Ich stimme nicht mit ihm überein, denn einige Standpunkte Toms sind meiner Meinung nach ein wenig zu radikal. Aber als ich Angst in ihren Augen sehe fühle ich mich unglaublich gut. Vielleicht weil ich schon viele dunkle Zauber und Flüche ausprobiert habe, und laut Tom hat die dunkle Magie eine einzigartige Wirkung auf einen, indem sich die Weise, auf die man die Welt sieht, verändert. Und vielleicht ist dem so, weil ich zum ersten Mal keine Angst haben muss, dass man mich verprügeln oder ohne Essen in den Keller einsperren würde.
„Zaubere es weg," flüstert Tante Petunia. Tränen glitzern in ihren Augen, die mich überraschenderweise unbeeindruckt lassen. „Bitte."
„Schön," sage ich, den Stab hebend. Mit einem einfachen Wink beende ich den Fluch und Onkel Vernon atmet tief ein. Schon die nächste Sekunde rappelt er sich auf. Ich bin auf alles gefasst. Kein Erbarmen.
„Und das nächste Mal werde ich dir nicht helfen," sage ich kalt. „Alles, was ich möchte, ist Ruhe und Essen. Und sicherlich möchte ich nicht geschlagen werden. Falls du mich je wieder angreifst – du, Tante Petunia oder Dudley – werde ich euch zur Hölle fluchen. So einfach ist es! Hast du verstanden?"
Onkel Vernon knurrt und flüstert sich etwas in den Bart, was sich verdächtig nach 'werde ihm die Augen ausstechen' anhört, aber Tante Petunia greift nach seinem Arm und zerrt ihn in die Richtung ihres Schlafzimmers. Ihre Schwester war schließlich eine Hexe und Tante Petunia weiß viel mehr über Magie als Onkel Vernon. Sie weiß auch, dass man mit Magie töten kann, was auch den panischen Ausdruck in ihrem Gesicht erklären würde.
„Lass es," sagt sie mit einer zittrigen Stimme. „Gehen wir schlafen, Schatz."
Als ich wieder in meinem Zimmer bin spüre ich, dass mir all die Lust aufs Schlafen vergangen ist. Also öffne ich das Tagebuch Toms, weil ich ihm alles erzählen will. Er hört mit einer ernsten Miene zu.
„Er wird nicht aufhören, das weißt du," sagt er schließlich und bricht die Stille zwischen uns. Ich schüttele den Kopf.
„Ich kann einfach nicht verstehen, warum," sage ich leise. „Denn ich verlange nicht viel von ihnen. Also warum?"
„Weil er dich hasst," spuckt Tom aus und wendet sich dem Fenster zu. „Er hasst dich, weil du besser bist als er. Weil du ein Zauberer bist. Die Muggel sind wie Tiere. Sie denken wie Tiere."
Die Verachtung in seiner Stimme ist nicht zu ignorieren und ich weiß nur allzu gut, dass Tom einen sehr guten Grund hat, die Muggel zu hassen. Moment mal... War das aber nicht auch mein Gedanke? Dass die Muggel wie Tiere sind?
„Aber jetzt kann ich mich verteidigen," sage ich.
„Harry," sagt Tom sanft und wendet sich mir zu. „Falls es dazu kommt – falls du in Gefahr bist – falls man dich töten will – würdest du dich wirklich verteidigen können?"
Ich verliere mich in den Tiefen dieser dunklen Augen, die mir als mysteriös und gefährlich vorkommen, sowie die dunklen Künste.
„Was meinst du damit, Tom?" frage ich mit einer schwachen Stimme, obwohl ich schon eine ziemlich gute davon Vorstellung habe, worauf er damit hinaus will.
„Würdest du dich verteidigen? Würdest du dazu bereit sein, einen zu töten?" spricht er ruhig meine Gedanken laut aus.
Ich schaue auf den Stab in meiner Hand hinunter, der mir schon so gut gedient hatte. Er fühlt sich sogar besser in meiner Hand als mein alter Stab. Der Verkäufer hatte jedoch Recht. Ich muss sehr vorsichtig sein, wie viel Magie und Kraft ich in einen Zauber stecke, denn vielmals habe ich Sachen in die Luft gejagt. Würde ich jemanden töten können? Ich versuche es mir vorzustellen, wie ich Onkel Vernon töte und ich seufze. Ich spüre bei dieser Vorstellung überhaupt nichts. Mein Inneres ist einfach eiskalt.
Langsam, nicke ich. Tom legt mir eine Hand auf die Schulter und nickt mir zu.
„Dann ist es an der Zeit, dass ich dir ernstere Magie beibringe," meint er. „Geh schlafen, Harry. Morgen werden wir uns dieser Aufgabe zuwenden."
Er verschwindet ohne ein weiteres Wort in seinem Tagebuch, das offen auf dem Tisch liegt. War das gerade ein Test gewesen? Testet mich Tom, ob ich wirklich bereit bin, ernste Magie zu benutzen? Ich verziehe das Gesicht und werfe mich ins Bett. Der Mann ist einfach unglaublich.
