Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.

Cassie

„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."

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Kapitel 5 – Meine Herkunft

„Lieber Harry,

Es tut mir leid, dass ich dir erst jetzt schreibe. Wir waren im Urlaub in Italien und ich wusste nicht, wo ich eine Posteule kriegen kann. Andererseits wollte ich ja nicht den Brief per Muggelpost schicken, damit deine Verwandten ihn nicht zerstören.

Wie geht es dir? Erstens möchte ich dir das folgende sagen – ich vertraue dir und ich stehe zu dir, was auch immer passiert. Ron hatte sich als ein kompletter Idiot benommen, aber hoffentlich wird er bald zur Vernunft kommen. Ihm muss klar werden, dass er dich nicht beschuldigen kann. Aber sicherlich möchtest du darüber nicht reden und es ist ganz in Ordnung.

Hoffentlich behandeln dich deine Verwandten gut – du würdest mir sagen, wenn das nicht der Fall wäre, ja? Ich schicke dir etwas Kuchen. Dein Geburtstagsgeschenk kommt mit einer anderen Eule – es wäre einfach zu viel für diese winzige. Schreib schnell zurück, damit ich weiß, dass es dir gut geht. Wenn du keine Eule benutzen kannst, ist die Muggelpost genauso gut. Pass gut auf dich auf, Harry.

Mit Liebe, Hermine."

Ich schnaube und lege den Brief beiseite. Ist Hermine etwa blind? Meine Verwandten, mich gut behandeln? Schwachsinn. Ich muss ihr aber antworten, sonst hetzt sie mir Dumbledore auf den Hals. Aber das kann warten. Jetzt muss ich schnell einen Brief an Narzissa schreiben. Ich habe Tom von dem Treffen mit dem Fremden noch nicht erzählt, weil ich weiß, was er sagen würde. Ich sei unvorsichtig. Er hätte Dumbledores Spion sein können. Und so weiter. Und ich möchte zuerst den Brief abschicken, damit die Sache dadurch erledigt wäre.

Sehr verehrte Ms. Malfoy,

Ein Mitglied Ihrer Familie hat Sie mir empfohlen und er hat gesagt, er glaube, Sie seien die richtige Person, die mir helfen kann. Aus diesem Grund schreibe ich Ihnen und ich hoffe, dass Sie einem Treffen zustimmen werden. Sie werden mir verzeihen, wenn ich Ihnen meinen Namen nicht verrate, denn es ist von größter Wichtigkeit, dass niemand über meinen Brief Bescheid weiß. Ich versichere Ihnen, ich möchte nur mit Ihnen sprechen.

Wenn Sie einverstanden sind, können wir uns in Henkers Bar in der Nokturngasse am Donnerstag um achtzehn Uhr treffen. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie alleine kommen könnten."

Ich unterschreibe den Brief nicht und schaue mich um, mich fragend, wie ich bloß den Brief abschicken kann. Denn hier habe ich nur Hedwig und jeder weiß, wem sie gehört. Ich werde wohl noch einen Ausflug in die Winkelgasse machen müssen. Morgen habe ich auch einen Termin bei dem Kobold in Gringotts, denn ich muss meinen Stammbaum abholen. Hoffentlich wird er einiges erklären.

Sicherlich fragt ihr euch - wer ist der Fremde, den ich in der Nokturngasse getroffen habe? Während des Gesprächs ist mir eingefallen, wo ich dieses Wappen auf seinem Siegelring schon einmal gesehen habe. Es ist das Wappen der Black Familie. Aber wer kann er sein? Da gibt es keine männlichen Blacks mehr. Regulus ist gestorben. Sirius ist in Azkaban. Der Mann hätte auch ein paar Aussehenszauber anwenden können, aber mir ist es nicht so vorgekommen, als hätte er den Ring absichtlich zur Schau gestellt. Ganz im Gegenteil – er hat erschrocken gewirkt, als ich auf ihn gedeutet habe, als hätte er vergessen, den Ring abzunehmen. Sehr verdächtig. Also wer könnte er sein?

„Am besten benutzest du Gas", sagt Tom gerade. Ich sitze auf meinem Bett und suche meine Socken aus. „Denn so würden die Muggel denken, dass es eine Gasexplosion gegeben hat. Es wäre nicht verdächtig und niemand könnte dir etwas nachweisen."

„In Ordnung", sage ich geistesabwesend.

„Das erledigen wir also bald", sagt Tom. Er schaut mich ernst an. „Harry..."

„Ja, ich werde vorsichtig sein", werfe ich ein.

„Das ist es nicht, worüber ich reden will", meint Tom. Ich strecke meine Hand aus und mein Hemd saust mir in die Hand. Ich kann seinen Blick auf meinem nackten Rücken spüren, als ich das Hemd anziehe. „Ich möchte über Voldemort reden."

Ich wende mich um und hebe die Augenbrauen. Also sind wir doch zur Sache gekommen.

„Nachdem du gesehen hast, wie Wurmschwanz ihn pflegt, hast du mehr Visionen gehabt?", fragt er.

„Nein", sage ich knapp. „Ich hätte dir gesagt."

„Was hast du vor?", fragt Tom vorsichtig.

„Was meinst du?", frage ich, flüchtig lächelnd.

„Willst du... ihn suchen?", fragt Tom.

„Zu welchem Zweck?", frage ich überrascht. „Er würde mich auf der Stelle töten."

„Nicht unbedingt", sagt Tom und mustert mich genau. „Harry, du bist ein dunkler Zauberer. Würde er an die Macht gekommen, würdest du dich ihm anschließen?"

„Damit er mich um die Ecke bringen kann? Nein, Danke", sage ich bitter. „Das ist es, was ich die ganze Zeit zu vermeiden versuche."

„Er wird dich nicht umbringen, wenn du meinen Anweisungen folgst. Sicherlich nicht", sagt Tom schnell und mit Überzeugung. „Er braucht dich. Ich... brauche dich."

„Echt?", frage ich. Ich grinse teuflisch und mustere Tom. Jetzt braucht der allmächtige, dunkle Lord etwas von mir. Ich muss mir diesen Moment gut merken.

„Du kannst ihm helfen, wieder an die Macht zu kommen, und er wird es schätzen. Er wird dich respektieren."

Ich lache herzlich und ziehe meine Schuhe an.

„Er wird mich töten und meine Körperteile für eine Zeremonie benutzen, damit er sich einen neuen Körper beschaffen kann, meinst du?", frage ich. Tom sieht sehr überrascht aus, und er hat es nicht genug Zeit gehabt, um seinen Ausdruck zu verbergen. „Ich bin ja nicht dumm. Ich weiß, dass es dunkle Rituale gibt, die so was bewirken können. Ich habe darüber in einem Buch gelesen, das ich in Slytherins Kammer gefunden habe. Und ich habe Voldemorts Notizen dazu gesehen. Aber leider möchte ich leben."

„Mal theoretisch", versucht es Tom wieder, nachdem er sich geräuspert hat. Ich habe ihn gerade erwischt und ich genieße das Gefühl. „Wenn er wieder an die Macht kommt, würdest du dich ihm anschließen? Mit der Vermutung, dass er es schätzt, dass du ihm geholfen hast? Du bist ein dunkler Zauberer und er ist ein dunkler Lord. Jeder dunkle Zauberer fühlt sich dem dunklen Lord angezogen."

„Mal theoretisch würde ich darüber nachdenken", sage ich knapp. Ein wütender Ausdruck huscht über Toms Gesicht und ich weiß, dass er eine Antwort will. Und er verdient auch eine. „Da gibt es viel in dieser Gesellschaft, was falsch ist. Da hast du Recht. Seine Methoden waren vielleicht ein wenig brutal, aber jemand muss etwas unternehmen. Und ja, du hast Recht. Ich sehe die Welt anders, weil ich ein dunkler Zauberer bin und weil es schon Gründe genug gibt, um mich nach Azkaban zu schleppen. Aber ich möchte keinesfalls ein Diener sein. Ich möchte seine Schuhen nicht küssen oder so was. Ich habe zu hart gearbeitet, um ein neues Leben aufzubauen und ich werde nicht zulassen, dass es jemand zerstört."

„Ganz bestimmt nicht", sagt Tom schnell. „Also?"

„Ich weiß es nicht", sage ich, mein Geldbeutel holend. „Wenn er mir dunkle Magie beibringen kann..."

„Das kann er!", Tom unterbricht mich enthusiastisch. „Ich bin er, Harry, schon vergessen? Sein Wissen ist aber im Laufe der Jahre gewachsen und er kann dir viel mehr beibringen, als ich."

„Ich werde ihm helfen, falls du ihm alles erklären kannst", sage ich auf einmal. Die bloße Vorstellung, mehr lernen zu können, ist gelinde gesagt verlockend. Die dunkle Magie kommt mir wie eine phantastische neue Welt vor und möchte in diese Welt eintauchen. Da gibt es so viel, was ich lernen will. „Und ich verspreche, dass ich ihm helfen werde, so lange er nicht einen Körperteil braucht - oder die gesamte Sache - wieder an die Macht zu kommen, wenn du mir erklärst, was genau du bist."

Tom presst die Lippen zusammen und funkelt mich an. Schließlich aber lächelt er bösartig und neigt den Kopf zur Seite.

„Du denkst wie ein wahrer dunkler Zauberer", stellt er stolz fest. Ich zucke mit den Achseln. Ich hatte einen sehr guten Lehrer, wenn es sich um Manipulation handelt. „In Ordnung. Ich werde dir alles erklären. Du hast mein Versprechen."

„Schön", sage ich zufrieden. „Jetzt muss ich los. Wir sehen uns."

Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht. Ich habe ja gewusst, dass Voldemorts Geist irgendwo rum schwebt, nachdem er Professor Quirrells Körper verlassen hat, aber ich habe nicht gedacht, dass jemand ihn finden und ihm helfen würde, einen neuen Körper zu beanspruchen. Würde ich tatsächlich meinem größten Feind helfen? Nun, er ist mein größter Feind LAUT DUMBLEDORE. Und ihm traue ich nicht über den Weg. Also muss ich selbst herausfinden, was mir das bringen würde. Mehr Probleme? Oder eine Lösung? Falls ich ihm wirklich helfe, wieder an die Macht zu gelangen und falls er nicht mehr den Wunsch spürt, mich zu töten, dann wäre es vielleicht keine schlechte Idee. Laut allen war Voldemort einmal ein sehr mächtiger dunkler Magier. Also würde er mir mehr dunkle Magie beibringen können. Nun, dies ist nicht die Zeit, um darüber nachzudenken. Jetzt muss ich mich mit Narzissa treffen.

Ohne jegliche Probleme finde ich einen Tisch in der Ecke in der Kneipe in der Nokturngasse, bestelle wieder Tee und setze mich hin. Ich bin zu früh gekommen, weil ich alles unter Kontrolle haben will. Ich lasse meinen Blick über die Gäste schweifen und versuche festzustellen, ob einer von ihnen Dumbledores Spion sein könnte. Nur ein Mann fällt mir auf. Er sitzt alleine und wirkt so, als lese er Zeitung, aber sein Kopf bewegt sich nicht und er scheint die gleiche Seite die ganze Zeit zu lesen. Natürlich bedeutet das nichts. Aber ich werde ihn trotzdem im Auge behalten.

Narzissa betritt die Kneipe und ich erkenne sie sofort. Sie trägt die Kapuze über den Kopf, aber was sie verraten hat, ist ihr Gang. Sie benimmt sich wie eine reinblütige Hexe, die viel zu arrogant und eingebildet ist, um jemandem ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Jetzt bin ich mir nicht sicher, dass ich das richtige getan habe. Sie ist Dracos Mutter und ich weiß sehr wohl, was für ein arrogantes Arschloch er ist. Das hat man ihm beigebracht, so ist man nicht geboren. Aber andererseits habe ich ja keine Wahl. Sie ist nicht Lucius und laut dem Kobold ist sie auch auf eine Weise meine Tante, denn Sirius Black ist mein Pate.

Ich stehe auf und strecke meine Hand aus.

„Schön, Sie zu sehen", sage ich. Narzissa blinzelt und starrt mich an, wohl versuchend, einen besseren Blick auf mein Gesicht zu bekommen, aber schließlich schaut sie sich um und setzt sich anmutig an meinen Tisch.

„Worum geht es?", fragt sie mit einer kalten Stimme. Sie kommt gleich zur Sache. Das gefällt mir.

„Vor ein paar Tagen bin ich hier Sirius Black begegnet", sage ich.

Ihre Hand zuckt und sie lehnt sich nach vorne. „Keine Sorge, ich habe ihn nicht mit diesem Namen angesprochen. Eigentlich hat er mir seinen Namen überhaupt nicht genannt, aber ich habe ihn trotzdem erraten."

„Wie denn?", fragt Narzissa. Sie kann ihre Neugier nicht verbergen.

„Der Siegelring der Blacks", sage ich einfach. „Er trägt ihn noch immer."

Narzissa wirkt nachdenklich. Sie nimmt die Teetasse in die Hand, die ich wie ein wahrer Gentleman gefüllt habe, und nimmt einen Schluck.

„Was willst du von mir?", fragt sie vorsichtig. „Und warum wolltest du dich alleine mit mir treffen?"

„Das", sage ich seufzend. „Ist eine lange Geschichte. Ich bitte Sie um Hilfe, weil Sie eigentlich meine Tante sind. Sirius Black ist mein Pate, verstehen Sie?"

Narzissa starrt mich an und ich sehe, trotz der Kapuze, wie sich die Räder in ihrem Kopf drehen. Sie versucht zu erraten, wer ich sein könnte und ich schaue zu, wie sich Erkenntnis über ihre aristokratischen Züge verbreitet. Ich kann zwar ihre Augen nicht sehen, aber ich weiß, dass sie weit aufgerissen sind.

„Genau", sage ich leise. „Da gibt es viele Veränderungen in meinem Leben. In bin in Schwierigkeiten geraten, aber ich habe schon eine Lösung. Was ich aber von Ihnen brauche, kann ich nicht alleine tun. Ich möchte, dass Sie mein Vormund werden."

Stille. Narzissas Hand zittert, als sie wieder ihre Teetasse aufnimmt und ich bewundere ihre Selbstkontrolle.

„Sie sind meine Tante und dadurch meine Familie", fahre ich fort. „Und im Übrigen habe ich einen Blick auf meinen Stammbaum geworfen."

„Da gibt es viel mehr, was ich Ihnen erzählen möchte, was aber einen Raum, wo wir nicht belauscht werden können, erfordert. Aber eins möchte ich feststellen – wollen Sie mir helfen?"

Narzissas dünne Lippen zittern und sie senkt den Blick, damit ich nicht die Emotionen, die über ihr Gesicht huschen, sehen kann. Schließlich hebt sie den Blick und nickt.

„Ja, werde ich", sagt sie leise.

„Danke", sage ich zufrieden und hoffentlich klinge ich nicht so erleichtert, wie ich mich fühle.

„Wir können alles im Herrenhaus besprechen", sagt sie weiter mit einem Hauch Arroganz, für die die Malfoys berüchtigt sind. „Morgen um fünf können wir uns hier wieder treffen und ich werde dich dorthin apparieren."

„Ich freue mich darauf", sage ich lächelnd. Ich werfe dem Mann in der Ecke einen Blick zu. „Richten Sie Ihrem Mann meine Grüße aus."

Sie wird blass, atmet aber laut aus und schenkt mir ein Lächeln.

„Wir leben in schweren Zeiten", sagt sie leise und mir kommt es vor, als wolle sie sich für die Anwesenheit ihres Mannes entschuldigen. „Jeder passt auf sich auf und wir müssen zusammenhalten."

Damit hat sie natürlich die dunklen Magier gemeint.

„Es ist ganz in Ordnung", sage ich, meine Hand ausstreckend. Sie schüttelt sie und wendet sich zum Gehen.

„Wie kam er dir vor? Müde? Verletzt?" fragt sie. Ich weiß sofort, von wem sie redet. Schließlich ist der Mann ein Black.

„Er ist wohlauf", sage ich. „Wir haben nur kurz über die reinblütigen Familien gesprochen, ich habe ihm etwas Geld gegeben und dann ist er abgehauen. Aber ihm geht es sicherlich ganz gut."

„Gut zu wissen", sagt Narzissa und geht Richtung Tür. Der Mann, der bisher in der Ecke gesessen hat, steht auf und folgt ihr. Ich nicke zu, als er an mir vorbeigeht, aber er eilt aus der Kneipe hinaus. Ich lächele und leere meine Tasse. Es ist an der Zeit, dass ich zurück nach Hause gehe und meinen Stammbaum mit Tom studiere.

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Der Stammbaum wurde auf ein steifes Material gezeichnet, und so wie es scheint, mit Magie. Tom und ich haben den Stammbaum im Wohnzimmer – weil es das größte Zimmer ist – auf den Boden gelegt und ich entrolle ihn langsam, damit ich die Farbe und die Namen nicht beschädige. Toms Augen funkeln, als er einen Namen nach dem anderen laut liest und er schreit auf, wenn er einen Namen erkennt. Ich stehe nur da und schaue ihn amüsiert an. Er kommt mir wie ein aufgeregtes Kind vor. Tom hält viel von der Abstammung, was natürlich in Zusammenhang mit seiner eigenen steht. Denn Tom ist ein Halbblut und das hat ihn in seiner Jugend sehr bedrückt und gestört. Aber er hat bewiesen, dass es überhaupt keine Rolle spielt, denn es ist das Charisma und die Macht eines Menschen, die eigentlich wichtig sind. Er stammt von Salazaar Slytherin selbst ab und ist sein Erbe. Ich wiederum erkenne all diese Namen nicht und stelle seufzend fest, dass es noch ein paar Nächte dauern wird, um sie alle nachzuschlagen. Tom richtet sich zufrieden auf und strahlt mich an.

„Da gibt es keine dunklen Magier in der Familie Potter", sagt er. Mir kommt er wie ein Lehrer vor, wenn er mit seiner Vorlesung beginnt. Und jetzt ist er in die richtige Stimmung gekommen. Sogar seine Stimme wird anders. „Aber du bist auf eine Weise mit Grindelwald verwandt."

„Was, ich?", schreie ich und springe auf die Füße. Tom grinst mich teuflisch an.

„Und auch auf eine Weise mit Slytherin, aber das ist nicht so starke Verwandtschaft, wie die mit Grindelwald. Ein Potter – schau da – hat eine Hexe aus Deutschland geheiratet. Sie haben in ihrem Schloss gewohnt. Und da ist Gellert Grindelwald, ihr Sohn."

Er deutet auf eine Stelle auf dem Stammbaum und ich hole tief Luft. Mir bedeuten die Namen und die Titel nicht viel; aber ich möchte wissen, wie ich einen dunklen magischen Kern haben kann, wenn meine Mutter eine Muggelgeborene war und mein Vater ein Potter. Jeder weiß, dass die Potters immer eine hellmagische Familie gewesen sind. Dieser Potter, allem Anschein nach, nicht.

„Die magische Neigung kann einige Generationen überspringen", fährt Tom fort. „Du bist der lebendige Beweis. Denn wir haben deinen Kern, so zu sagen, gesehen, und wir wissen jetzt, dass du von einem mächtigen dunklen Magier stammst. Er war aber kein Parselmund – das müssen wir noch erforschen. Aber da hast du deine Antwort."

„Am besten verstecken wir diesen Stammbaum", sage ich nachdenklich. „Denn falls Dumbledore davon Wind bekommt, wird er gewiss wissen, warum ich meine Herkunft erforscht habe."

„Nicht unbedingt", meint Tom fröhlich. „Aber man kann nie vorsichtig genug sein. Du hast die Aussage des Kobolds bekommen? Was dein Verlies betrifft?"

„Ja", sage ich dumpf. „Sie steht bereit."

„Sehr schön", meint Tom. „Ich möchte dir noch ein paar Zauber beibringen und dann sollten wir uns für das Treffen mit Narzissa Malfoy vorbereiten. Im Übrigen, gute Arbeit. Du hast Lucius enttarnt."

„Es ist komisch", sage ich, als wir in Richtung Garage gehen. „Ab und zu habe ich das Gefühl, als könne ich die Magie irgendwie sehen. Ich habe es nicht sofort erkannt, aber mir ist nach einer Weile vorgekommen, als gäbe es so eine Art Schicht über seinem Gesicht. Er hat seine Zeitung nicht gelesen, er hat nicht aus seinem Glas getrunken und er hat mich genau beobachtet, als ich mit Narzissa geredet habe. Es war nicht schwer, einen Schluss daraus zu ziehen und der einzige Schluss war die Wahrheit."

„Interessant", meint Tom. „So kann ich auch Magie spüren und ich war ein wenig verwirrt, als ich erfahren habe, dass die anderen in der Schule das nicht können. Du kannst sie also sehen?"

„Nun", sage ich nachdenklich. „Manchmal. Den Aussehenszauber habe ich bemerkt. Ich habe ihn... nun ja, irgendwie gesehen. Vielleicht wird es mit der Zeit besser?"

„Das wäre sehr nützlich", sagt Tom, der sich auf seinen üblichen Stuhl setzt. „Ich frage mich, ob du Schutzzauber sehen kannst. Im Übrigen gibt es ein dunkles Ritual, das diese Fähigkeit verbessern kann. Aber nur, wenn man schon Talent hast, ansonsten hat es keinerlei Wirkung."

Ein Ritual. Es gefällt mir nicht, wie sich das anhört.

„Was erfordert das Ritual?", frage ich vorsichtig. Denn so neugierig ich auch bin, der Gedanke an ein dunkles Ritual, das vielleicht menschliche Opfer erfordert oder etwas Ähnliches, ist gar nicht verlockend. Ich habe schon genug Schaden angerichtet. Andererseits, wie Tom einmal gesagt hat, wenn man als ein dunkler Magier in hellmagischer Gesellschaft lebt, muss man auf alles gefasst sein. In ihren Augen sind wir eh Kriminelle und jede Benutzung der dunklen Magie ist ein Verbrechen.

„Das Buch, in dem ich darüber gelesen habe, befindet sich in der Kammer Slytherins. Aber so weit ich mich erinnern kann, ist die wichtigste Zutat dein Blut."

„Hätte mir denken können", murmele ich.

„Möchtest du dazu fähig sein, die Magie besser zu spüren, oder nicht?", fragt Tom genervt. „Für alles gibt es einen Preis. Und wer auch immer dir sagt, er wolle dir nur helfen, ist ein Lügner. Immer gibt es einen Haken. Ob es materieller, emotionaler oder welcher Nutzen auch immer ist, es gibt immer einen. Vergiss das nicht."

„Denkst du wirklich, dass Hermine zum Beispiel mir bei den Hausaufgaben hilft, weil sie Nutzen daraus ziehen will? Wie denn?", frage ich verbittert. Manchmal geht mir Tom mit seinen Ansichten richtig auf die Nerven.

„Aus dem, was du mir über sie erzählt hast, kann ich einen Grund für ihre Hilfe sehen", sagt Tom nachdenklich. „Sie möchte dir helfen, weil sie ihre eigene Klugheit dadurch zeigt. Indem sie dir hilft, kann sie später sagen, dass sie dir geholfen hat und dass es teilweise ihre Leistung ist. Und da sie eine Muggelgeborene ist, erklärt das sicherlich ihre Motivation, sich als die beste Schülerin des Jahres zu erweisen."

„Du bist unmöglich", sage ich, Tom anstarrend. Wie schafft er es nur?

„Die dunklen Magier sind wiederum eine ganz andere Sache", fährt er selbstgefällig fort. „Denn man weiß sehr gut, dass wir immer einen Nutzen aus allem ziehen müssen. Deswegen erwartet man schon, dass man manipulativ ist und dass man etwas im Schilde führt. Dumbledore andererseits, gibt sich als eine gute, alte und ein wenig exzentrische Großvaterfigur aus, die aber zur gleichen Zeit immer etwas im Dunkeln ausheckt und hinter dem Rücken von allen handelt."

„Da hast du Recht", sage ich wütend. So bald ich an den alten Mann denke, spüre ich kochende Wut in meinem Magen. „Also warum hilfst DU mir?"

Toms Miene ändert sich überhaupt nicht, obwohl ich erwartet habe, dass er vorsichtiger wird.

„Weil ich möchte, dass du Voldemorts Seele findest und ihm hilfst, einen neuen Körper zu erschaffen", sagt er gelassen.

„Und was hast du davon?", frage ich ernst. Jetzt muss er wohl meine Fragen beantworten. Würde er sich an sein Versprechen halten?

Tom senkt den Blick und wirkt für eine Weile nachdenklich.

„Als er in der Schule war, hat er sein Tagebuch hinterlassen", sagt er schließlich. „Er hat auch einen Teil von ihm im Tagebuch hinterlassen. Mich."

„Das klingt nicht mal so phantastisch, denn du kannst denken und hast seine Erinnerungen und sein Wissen, als er sechzehn war. Aber wie macht man das? Was heißt das genau?"

„Da gibt es ein uraltes Ritual, das so was bewirkt", fährt Tom fort. Mir ist klar, dass er jedes Wort abwägt. Schleimiger Scheißkerl. „Man muss seine Seele zersplittern, das heißt, zerteilen – und dann ist es möglich, einen Teil davon in einem Gegenstand zu speichern. Auf diese Weise existiert dieser Seelenteil in diesem Gegenstand und auch wenn der Körper zerstört wird – das heißt, wenn man getötet wird – dient dieser Gegenstand, das Heim des Seelenteils, als eine Art Anker, und die Seele bleibt auf der Erde, zwischen Tod und Leben gefangen, weder hier noch dort. Dann muss man einen neuen Körper für sich besorgen, was aber nur dann möglich ist, wenn eine Person im Sterben liegt. Wenn die Seele den sterbenden Körper verlässt, muss die Seele von Voldemort jenen Körper in Anspruch nehmen. Anders geht es nicht."

„Oder mithilfe eines Rituals, wobei man einen ganz neuen Körper erschafft", murmele ich zu mir. „Ja, jetzt ergibt alles einen Sinn."

Ich sehe auf und begegne dem Blick der dunklen Augen, die mich wortlos mustern.

„Oh lieber Merlin!", zische ich als mir etwas einfällt. „Du bist ein Teil von Voldemort! Ich habe monatelang mit einem Teil von Lord Voldemort zusammen gewohnt!"

Tom grinst mich teuflisch an.

„Bin ich so schlimm?", fragt er mit einer zuckersüßen Stimme, die mich nicht täuschen kann.

„Du bist ein Sklaventreiber", erwidere ich. Ich fühle mich etwas erleichtert, da Tom mir jetzt die Wahrheit erzählt hat. Das heißt, er hat sich an sein Versprechen gehalten. Warum finde ich diese Tatsache tröstend? „Aber trotz allem bist du ehrlich. Du bist ein Arschloch, aber du bist ehrlich. Das kann ich schätzen."

Tom scheint mit sich selbst zu ringen, denn ich habe gerade den allmächtigen Lord Voldemort beleidigt und sein Ego ist natürlich riesengroß. Aber er braucht mich und er denkt wie ein dunkler Magier. Er würde sich nicht ins eigene Fleisch schneiden und ich genieße die Macht, die ich momentan über ihn habe.

„Du hast mir viel geholfen, Tom. Wir beide können Nutzen daraus ziehen. Du wirst mir bei meinen Problemen helfen, hauptsächlich einen Vormund zu finden, die Beweise zu zerstören und – wenn es dazu kommt – Voldemort zu überzeugen, dass er nicht meinen Hals umdrehen muss und dass er mir dunkle Magie beibringt. Und ich werde ihn aufsuchen und ihm bei dem Ritual helfen, einen neuen Körper zu erschaffen, so lange das nicht heißt, dass ich sterben oder einen Arm opfern muss. Abgemacht?"

Tom lächelt hämisch und seine dunklen Augen glitzern. Er streckt seine Hand aus.

„Abgemacht", sagt er. Ich schüttele die Hand von einem Teil Lord Voldemorts und lasse mich weiter von ihm unterrichten. Manchmal denke ich, dass mein Leben nicht verrückter werden kann.