Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.

Cassie

„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."

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Kapitel 7 – Das brennende dunkle Mal

Mein Koffer steht bei der Tür und all meine Sachen sind ordentlich eingepackt worden. Dudley liegt auf dem Sofa im Wohnzimmer und ich gehe Tom suchen. Ich finde ihn in der Küche, über den Herd gebückt.

„Tom", sage ich genervt. „Ich möchte mit dir reden."

„In Ordnung", sagt er geistesabwesend, ins Wohnzimmer gehend. Er zieht eine Flasche von Onkel Vernons Whisky aus der Vitrine, öffnet sie und beschnüffelt sie.

„Warum hast du ihnen gesagt, dass ich Aufgaben in Hogwarts erfüllen werde?", frage ich ungeduldig. „Was für Aufgaben? Ich bin kein Todesser, hoffentlich begreifst du das."

„Aber du möchtest in Voldemorts Gunst stehen", erwidert Tom ruhig. „Also solltest du ihm, beziehungsweise mir, helfen."

„Womit?", hake ich nach.

„Hauptsächlich wirst du Dumbledore ausspionieren", sagt Tom.

„Verstehe", sage ich. Hey, das klingt echt spannend! „Nun, das wäre in Ordnung. Eigentlich denke ich, dass es mir gefallen würde, etwas hinter seinem Rücken zu machen. Gegen ihn zu arbeiten. Denn er verdient es. Er hatte mich angelogen, er ist der Grund warum ich eine beschissene Kindheit hatte, und er hatte von mir gestohlen - unter der Vorwand, dass er das Geld für mich braucht. Und Merlin alleine weiß, was noch."

Tom grinst mich teuflisch an und richtet sich mit der Flasche in der Hand auf.

„Gut, dann sind wir uns darin einig", stellt er unnötigerweise fest.

„Aber ich bin kein Todesser", sage ich entschlossen.

„Harry, sieh die Welt nicht nur schwarz und weiß", sagt Tom. „Nach dem Motto ‚Entweder man ist ein Todesser oder nicht'. So funktionieren die Sachen nicht. Da gibt es feine Nuancen von Grau, weißt du. Aber du hast Recht, du bist kein Todesser, das heißt, kein gewöhnlicher Todesser. Denn du bist mein Lehrling – und eines Tages auch Voldemorts."

Etwas Warmes breitet sich in mir aus und bei dem bloßen Gedanken spüre ich eine Art wilde und wahnsinnige Freude. Ich, der Lehrling von Lord Voldemort. Klar, mein Leben ist schon verrückt genug, sodass die Tatsache nicht mal so komisch klingt, wie es einmal hätte klingen können. Aber ich spüre Aufregung, als ich bedenke, was der Mann mir alles beibringen kann. Und überraschenderweise auch beim Gedanken, dass ich etwas hinter Dumbledores Rücken treiben werde. Er hat es verdient. Aber hier geht es nicht nur um Rache. Es geht um das Arbeiten im Dunkeln, um Geheimnisse und um die dunkle Magie. Schon jetzt freue ich mich wahnsinnig auf meine Rückkehr nach Hogwarts und auf den Moment, in dem ich ihm in die Augen schauen werde, wohl wissend, was er ist und auch wohl wissend, dass ich ihm den Boden unter den Füßen wegziehen werde, wenn die Zeit dafür kommt.

„Ist die Art, wie die Malfoys sich dir gegenüber benehmen, nicht ein wenig übertrieben,?", frage ich neugierig.

„Nein", sagt Tom sofort. „Ich bin ein Teil von Voldemort und er ist ein dunkler Lord. Die Malfoys sind dunkle Magier, also erkennen sie ihn als ihren Meister an."

„Mir kommt es eher so vor, als wärst du eine Art Gott für sie", murmele ich.

Tom kichert. Der Mann hat gekichert. Ich werde mich mein ganzes Leben lang an diesen Moment erinnern.

„So funktionieren die Sachen unter den dunklen Magiern, Harry", sagt er selbstgefällig. „Da gibt es immer einen dunklen Lord – oder eine Lady – und einen hellen."

„Was heißt das überhaupt?", frage ich genervt. Mir ist es eher so vorgekommen, als hätte sich Voldemort diesen Titel angemaßt, als Zeichen seines riesengroßen Egos.

„Es ist nicht nur ein Titel, Harry", sagt Tom, der meine Gedanken offensichtlich erraten hat. „Voldemort wird es dir erklären. Jetzt aber sollten wir uns unserem Problem zuwenden. Bist du bereit?"

„Ja", sage ich gelangweilt. „Der Koffer ist im Flur."

„Schön", sagt Tom und schaut sich um. „Also wenn du noch immer darauf bestehst, den Wal zu retten..."

„Ja", sage ich schnell. „Er ist ein Idiot, aber es gibt keinen Grund, warum ich ihn töten sollte."

„Er hatte dich gequält, als du ein Kind warst", unterbricht Tom mich. „Ist das nicht ein guter Grund?"

„Er ist ein Idiot, er kann sich nicht helfen", sage ich achselzuckend. „Er ist einfach zu dumm. Mein Onkel und meine Tante wiederum waren nicht mal so dumm – umso schlimmer, denn sie waren sich die ganze Zeit sehr wohl bewusst, was sie taten."

„Nun, deine Argumente sind zweifelsohne stichhaltig", meint Tom gelassen. „Schön, also ich denke, wir sollten das Haus mit Alkohol besprenkeln und dann das Gas anzünden."

„Wie hast du dir das vorgestellt?", frage ich wütend. „Einfach hier sitzen und das Gas anzünden? So werde ich mich selbst in die Luft jagen und das will ich nicht, vielen Dank."

„Sei nicht albern, Harry", schimpft mich Tom aus. „Da gibt es Werkzeuge für solch einen Zweck. Feuerwerkskörper zum Beispiel. Der Wal hat eine Schachtel davon in seinem Zimmer."

„Ach so", murmele ich.

„Also werden sie einfach denken, dass er blöd genug war, um sich im Haus anzuzünden", sagt Tom selbstgefällig.

„Ein verdammt guter Plan", meine ich mit Bewunderung in meiner Stimme. Tom lächelt hämisch und legt eine Hand auf meine Schulter, mich aus dem Zimmer bugsierend. Diese Geste bedeutet mir viel, wenn auch aus mir unbekannten Gründen.

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Die dunklen Künste unterscheiden sich von der Hellmagie in mehreren Punkten. Erstens ist es sehr wichtig, einen Lehrer zu haben, denn alleine und ohne Vorwissen kann es einen in den Wahnsinn treiben. Die Bücher, die ich in der verbotenen Abteilung gefunden habe, sprechen über Personen, die sich in den dunklen Künsten versucht haben, aber die Sucht nicht bekämpfen konnten, was zur Folge hatte, dass sie sich magisch erschöpft haben und gestorben sind. Man sollte an seinen magischen Fähigkeiten langsam arbeiten und sich langsam entwickeln, sonst wird man von seiner eigenen Magie aufgefressen und zerstört. In diesem Sinne ist Tom mein Lehrer und mein Mentor, der mich sozusagen in die Geheimnisse und die Kunst eingeweiht hat, indem er mir die Schlüssel gegeben hat, mir manche Sachen verboten und mir Befehle gegeben hat, wie ich mein Leben ordnen sollte. Am Anfang hat es mich frustriert und ich wollte ja weder seinen Befehlen und noch jenen von irgendwem anderen folgen, aber ich habe begriffen, dass es für meine Entwicklung notwendig ist. Ich habe einfach gedacht, dass er so voller Ego ist, dass er Anhänger haben muss, aber mit der Zeit habe ich gelernt, seine 'Befehle' zu schätzen. Es ist wichtig, wenn man sich als dunkler Magier versucht, so eine Art Anleitung zu haben, denn die dunkle Magie ist so verlockend und so wunderschön, dass man nichts anderes tun will, als sie wieder und wieder zu benutzen , bis man sich selbst damit umbringt.

Als ich mich mit Tom im Gebüsch verstecke und zuschaue, wie das Haus brennt, spiegelt sich das Feuer in Toms Augen und ich spüre wahnsinnige Freude. Auf diese Weise zerstöre ich meine Ängste und meine beschissene Kindheit, und der Anblick an sich hat eine befreiende Wirkung auf mich. In diesem Haus habe ich nichts als Leid gespürt; ich war einsam und traurig, und habe immer geglaubt, ich verdiene es, geschlagen zu werden, weil ich ein Freak bin. Ich habe ehrlich versucht, einer von ihnen zu sein, aber die Magie wollte nicht verstummen. Sie hat wieder und wieder gesprochen und ich habe sie dafür gehasst. Aber jetzt erkenne ich, dass es das größte Übel ist, jemanden auf solche Weise zu zerstören und das Geschenk, das einem bei der Geburt gegeben wurde, mit der Wurzel ausreißen zu wollen.

Wahrscheinlich sind nicht alle Muggel wie die Dursleys. Aber die Mehrheit, der ich begegnet bin, ist den Dursleys ähnlich. Es ist blöd, jemanden zu verurteilen ehe man ihn kennen lernt. Aber man kann sich im Voraus auf das vorbereiten, was man mithilfe seiner Erfahrung erahnt.

Die dunklen Magier waren Wegbereiter, die für ihre Anwendung der dunklen Magie verfolgt und getötet worden waren. Tom hat mir erzählt, wie er zum ersten Mal einen dunklen Fluch ausprobiert hat und wie er sich dabei gefühlt hat. Er hat im Geheimen gelernt und war sein eigener Lehrer. Dumbledore hat natürlich mitbekommen, was er vorhat und hat versucht, ihn auf den 'richtigen Weg' zu bringen, das heißt, ihn fern von der dunklen Magie zu halten. Weiß Dumbledore etwa nicht, dass es verschiedene magische Kerne gibt? Begreift er nicht, dass es genauso schlimm ist, einen von der Magie fernzuhalten, für die man Neigung zeigt, wie einen zu verfluchen? Seine Rechtfertigung ist natürlich, dass die dunkle Magie gefährlich ist. Aber man kann mit welcher Magie auch immer jemanden töten. Es ist die Selbstkontrolle und das Wissen, das man über die dunkle Magie hat, die unsere Absichten und die Folgen unserer Handlungen bestimmen, und das erfordert Arbeit und Lernen.

Ich habe Hermine einen Brief geschrieben, habe mich dabei aber wie ein Verräter gefühlt. Es hat sich so viel verändert und der Stein, der die Lawine ausgelöst hat, war sicherlich jener Moment, in dem ich meinen ersten dunklen Zauber ausgeführt habe. Die dunkle Magie verändert einen auf unvorhergesehene Weise. Warum ist dem so? Weil ich zwar einen dunklen magischen Kern habe und sich die dunkle Magie natürlich anfühlt, aber ich so spät in meinem Leben damit begonnen habe, hat es mich total aus der Bahn geworfen. Jetzt kann ich sehr gut verstehen, wie man davon süchtig werden kann. Sie ist berauschend, einfach wunderschön; gefährlich und tödlich, aber atemberaubend schön zugleich. Und ich möchte mehr. Ich möchte mehr lernen und die Wunder, die sie bewirken kann, sehen und spüren. Ihre Macht scheint unbegrenzt und mit ihr alles möglich zu sein. Die Hellmagie hat ihre Grenzen, die man nicht überschreiten soll, aber die dunkle Magie kennt keine. Alles ist möglich, wenn man bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen. So ist es auch möglich, sich unsterblich zu machen. Das, was Tom mir über Voldemort erzählt hat und wie genau er seine Unsterblichkeit erreicht hat, klingt natürlich erschreckend. Aber Voldemort war bereit, den Preis zu bezahlen. Welche Folgen diese Seelenzersplitterung hat, werde ich bald sehen.

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Ich appariere ohne jegliche Probleme zurück zu dem Herrenhaus der Malfoys, wo Narzissa schon lächelnd auf mich wartet. Zu meiner großen Überraschung umarmt sie mich und zieht mich herein. Sie ist um mich besorgt und fragt mich, ob ich Heilung benötige, aber als ich ihr sage, ich sei nur müde und ein wenig hungrig, bringt sie mich ohne weiteres in den Speisesaal.

Nur ein schweigender Lucius Malfoy ist da, der, als Narzissa mich rein bugsiert, aufsteht. Ich erkläre ihnen kurz, dass mein Plan vollendet sei und dass sie bald darüber im Propheten lesen können, und damit ist die Sache erledigt. Als wir essen, kann ich Lucius´ Blick auf mir spüren, aber es macht mir Spaß. Die reinblütigen Bräuche machen mir Spaß, denn obwohl ich die Etikette und Bräuche immer als unnötig und langweilig betrachtet habe, haben sie jetzt eine Bedeutung für mich. Jetzt bin ich ein dunkler Magier, der Schützling von Riddle, und aus diesem Grund zeigt man mir Respekt. Es ist ein Zeichen meiner Entwicklung und ich schätze es. Früher habe ich mich nie darum geschert, wie ich esse und ob das Essen mir aus dem Mund fällt; aber als ich mit den Malfoys am Tisch sitze und esse, finde ich es notwendig, mit der Gabel so vorsichtig wie möglich umzugehen.

Ich denke über das Treffen mit Dumbledore nach, denn laut Lucius wird es sicherlich zu einem Treffen kommen, wobei das Ministerium mich und Dumbledore verhören wird. Mich plagt der Gedanke, dass man mich enttarnen könnte, und Tom, so paranoid wie er normalerweise ist, behauptet, ich solle mich bescheiden ankleiden und auch ein paar Narben zur Schau stellen. Ich solle mich hauptsächlich als ein Junge ausgeben, der ein Opfer von Misshandlung und Lügen ist, wobei Dumbledore derjenige ist, der das ganze verursacht hat. Aber ich solle Dumbledore nicht offen angreifen, denn das könnte nicht nur meine „Tarnung" zunichte machen, sondern auch seinen Verdacht erregen und das will ich nicht.

„Das ist echt beschissen", sage ich genervt. Lucius, Narzissa, Tom und ich sitzen im Salon, wo wir Kaffee trinken und Tom steht beim Kamin. „Gibt es nicht einen Weg, auf dem wir ihn loswerden können? Vielleicht könnte ich einen Schuss Gift seinem Tee hinzufügen?"

Tom wendet sich mir zu und grinst mich teuflisch an. Narzissa wirkt schockiert, versucht es aber zu verbergen. Lucius wiederum wirkt schon wieder lediglich sehr neugierig.

„Eine sehr gute Idee, mein Schüler", antwortet Tom.

Wir haben darüber gesprochen. Ich habe erst protestiert, dann gelacht und schließlich Tom angebrüllt, aber es war vergeblich. Der Mann ist unnachgiebig geblieben. Ich respektiere ihn ja, aber zur gleichen Zeit finde ich diese Art von Ansprechen und Anhimmeln ein wenig zu viel. Aber nach einem langen Gespräch habe ich eingesehen, dass die Sachen mit den dunklen Magiern so funktionieren und dass ich mich einfach anpassen muss. So habe ich endlich widerwillig versprochen, ihn als 'Meister' anzusprechen, wenn die Malfoys da sind. Aber wenn wir alleine sind, könne ich ihn nennen, wie ich will. 'Natürlich ist dir klar, dass Lord Voldemort dir nie erlauben würde, ihn auf solche Weise anzusprechen,' hat er mir gesagt.

„Es ist nicht so leicht", murmelt Lucius, der mit all seiner Kraft versucht, nicht schockiert zu wirken. Der Mann und seine Versuche, seine Emotionen und Reaktionen zu verbergen, machen mir Spaß.

„Vielleicht für euch nicht, aber Harry ist sein Lieblingsschüler", meint Tom scharf. „Falls er nicht enttarnt wird, hat er eine gute Chance. Das heißt, falls er nicht etwas Dummes macht und Dumbledore während des Frühstücks verhext oder so was."

„So dumm bin ich ja nicht", zische ich wütend. „Und außerdem wäre das auch für mich gefährlich, meinst du nicht?"

„Wir werden sehen", antwortet Tom trocken. „Jetzt aber haben wir wichtigeres zu tun."

Er wendet sich Lucius zu, der nervös den Blick senkt.

„Ich möchte dein dunkles Mal dafür benutzen, um Wurmschwanz zu rufen", sagt er laut. „Denn er hat meine Seele gefunden und kümmert sich jetzt um sie."

„Wurmschwanz?", wiederholt Lucius ungläubig. „Dieser... Ratte? Hat Eure Seele gefunden?"

„Angst ist die beste Waffe eines dunklen Magiers, Lucius", antwortet Tom zufrieden. „Er hat mich einmal verraten und er hatte Angst, dass ich eines Tages wieder zurückkehren und ihn zu Tode foltern würde. Aus diesem Grund ist er um die Welt gereist und hat endlich meine Seele gefunden, die im Körper einer Schlange wohnt. Er kümmert sich um sie, indem er Futter für sie besorgt, aber zur gleichen Zeit hält er Ausschau nach Sterbenden, in denen meine Seele ein neues Heim finden könnte."

„Das aber will ich nicht", fährt er hochnäsig fort. Er ist ein arrogantes Arschloch, aber er ist auch ein Genie und ich kann sehr gut sehen, wie er so viele Anhänger anlocken konnte. „Denn Harry hat versprochen, mir zu helfen. Und mit seiner Hilfe werde ich wieder meinen alten Körper haben."

Lucius wirft mir einen prüfenden Blick zu, aber er schaut einem nicht verängstigten oder gar schockierten Harry Potter in die Augen. Stattdessen grinse ich breit und bin mir bewusst, dass meine Augen fanatisch funkeln. Die Idee an sich ist phantastisch genug, aber der bloße Gedanke daran, Voldemort als meinen Lehrer zu haben, ist einfach zu gut, um wahr zu sein. Und dazu scheint es auch ein Vorteil zu sein, sich sein Schützling nennen zu können. Denn was habe ich schon jetzt dadurch bekommen? Ich werde in diesem Herrenhaus wohnen, ich werde jeden Tag gutes Essen bekommen und ich werde in aller Ruhe dunkle Magie lernen und praktizieren können. Was kann man sich mehr wünschen? Und Voldemort ist mächtig und hat viele Anhänger. Falls man mich je enttarnt oder sonst was, wäre ich nicht alleine. Hoffentlich. Ich muss mich nur zuerst bewähren und Tom wird mir dabei helfen.

„Mein Lord, darf ich fragen, wie das möglich ist?", fragt Lucius zögernd.

„Mithilfe eines Rituals", sagt Tom. „Denn ich habe Harry als meinen Feind gekennzeichnet und deswegen wird seine Anwesenheit und sein... Beitrag von großem Nutzen sein."

Lucius scheint verwirrt zu sein, möchte aber keine weiteren Fragen stellen, also deute ich auf meine Narbe und Erkenntnis breitet sich in seinem Gesicht aus.

„Gib mir deine Hand, Lucius", sagt Tom gebieterisch. Der blondhaarige Zauberer streckt wortlos seine Hand aus und beißt sich auf die Lippen. Anscheinend weiß er schon, dass es schmerzhaft sein wird. Ich halte den Atem an, als Tom einen Spruch flüstert und Lucius vor Schmerzen zischt. Das dunkle Mal... Ich habe es nur einmal gesehen, als Tom es mir aufzeichnet hat, aber es auf der Haut eines anderen zu sehen, kommt mir phantastisch vor. Ich kann mir kein Zeichen, kein Symbol, vorstellen, das Voldemorts Ansichten und politische Ziele besser darstellen würde, als die Schlange und der Totenkopf. Und so, wie das dunkle Mal den Menschen Angst einflößt, spüre ich bei dessen Anblick nur eine Art Aufregung, denn das Symbol ist offensichtlich dunkel und stellt all die Werte und die Ansichten eines dunklen Magiers dar. Das dunkle Mal ist das Zeichen der Zugehörigkeit zum dunklen Strom, beziehungsweise zum dunklen Lord. Und ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie das dunkle Mal auf meiner Haut aussehen würde... Aber ich möchte es nicht haben. Denn das würde das Ende meiner Unabhängigkeit bedeuten und ich möchte meine frisch erworbene Unabhängigkeit nicht so schnell aufgeben.

Und als diese Gedanken durch meinen Kopf flitzen, ist die Show schon vorbei. Lucius reibt sich den Unterarm und Tom wendet sich mir zu, ein selbstgefälliges Lächeln in seinem Gesicht.

„So", sagt er zufrieden. „Jetzt können wir nur warten. Gibt es einen Ort, an dem Harry üben kann?"

„Natürlich, mein Lord", meldet sich Narzissa zu Wort, die blass ist, aber die ganze Zeit mucksmäuschenstill war. „Da gibt es eine Halle für diesen Zweck im Erdgeschoss."

„Ausgezeichnet", sagt Tom, der sich aufrichtet. „Harry, komm mit."

„Ja, Meister", murmele ich. Das Wort klingt aus meinem Mund kommend komisch.

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Die Geschichte der dunklen Magie ist von Tragödien und Blut geprägt. Ich habe natürlich nur die Bücher von dunklen Magiern gelesen, denn die Hellmagier schreiben darüber von ihrem eigenen Standpunkt aus, das heißt, ihre Texte sind voller Vorurteile und wimmeln von falschen Informationen. Aber in jedem Buch warnt der Autor den Leser vor den Folgen der leichtsinnigen Benutzung der dunklen Magie, oder, wie sie sie nennen, 'der edlen Künste'. Für sie ist die dunkle Magie die mächtigste Form der Magie, welche existiert. Die Hellmagie oder die neutrale Magie können sich mit ihr nicht messen. Denn die dunkle Magie kann auch das bewirken, was die 'gewöhnliche' Magie nicht kann. Für alles gibt es jedoch einen Preis, ob es ein Opfer oder nur schwere tägliche Arbeit ist, und der dunkle Magier muss dazu bereit sein. Insbesondere fühle ich mich von den Beschwörungen der Dämonen angezogen, denn es ist etwas, worüber ich in keinem Buch in der Bibliothek von Hogwarts gelesen habe. Offensichtlich handelt es sich um ein sehr heikles Thema, über das kein Hellmagier schreiben will. Ich würde am liebsten Dumbledore fragen, aber das wäre eine schlechte Idee. Aber wenn ich mir dabei seinen Gesichtsausdruck vorstelle, kugele ich mich vor Lachen.

Laut meiner Quelle sind die Vorbereitungen zur Beschwörung etwas, worüber man sich sorgfältig kümmern muss, denn sonst besteht die Gefahr, dass der Dämon die Kontrolle übernimmt und für einen dunklen Magier wäre es eine sehr gefährliche Sache. Aber so bald diese Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind, kann man ruhig einen Dämon beschwören und mit ihm sprechen. Und die Idee an sich, ist faszinierend. Nicht, dass ich vorhabe, so was in näherer Zukunft auszuprobieren, aber ich finde es trotzdem faszinierend.

Die größte Stärke der dunklen Magie liegt, laut 'Meister' Tom darin, dass man sich nicht mit dem, was einem bei der Geburt gegeben wurde, abfinden muss. In der Tat gibt es Zauber und Rituale mit deren Hilfe man sich die ersehnten Fähigkeiten für eine kurze oder längere Zeit aneignen kann.Und die Magie richtig zu sehen und zu spüren wäre ein großes Geschenk und ein Vorteil für mich. Denn jetzt befinde ich mich zwischen zwei Welten, und bald werde ich wieder in der Welt der Hellmagie leben müssen, also wäre ich, sozusagen, ein Wolf im Schafspelz. Und das größte Schaf von allen ist Dumbledore. Ich muss ihn täuschen, denn sonst werde ich fliehen müssen. Das an sich wäre nichts Schlechtes, aber ich möchte ihn ausspionieren und ich möchte da sein, wenn er untergeht. Ich möchte zuschauen, wenn er die Wahrheit erkennt und wenn all seine ach so tollen Pläne ins Auge gehen. Ich spüre puren Hass, wenn ich an den Mann denke, denn noch immer spielt er die Rolle des guten Großvaters und kann mir ruhig in die Augen schauen, nach allem, was er mir angetan hat. Das zu tun, erfordert meiner Meinung nach, eine gewisse emotionale Kälte und Unbarmherzigkeit, die man nur einem Schwarzmagier zuschreiben kann. Und sich als einen großen Hellmagier auszugeben und zur gleichen Zeit wie ein Schwarzmagier zu leben, ist das schlimmste, was man tun kann. Ich könnte ihm vielleicht vergeben, falls er mir alles erklären und sich entschuldigen würde, aber momentan kann ich ihn nur mit ganzem Herzen hassen. Tom ist der Meinung, dass solcher Hass nicht gesund ist, das heißt, dass er mich von drinnen auffressen würde, und er drängt mich, den Hass loszuwerden.

Die Malfoys haben in der Tat eine riesige Bibliothek und seit Narzissa sie mir gezeigt hat, bin ich hier. Ihr Elf, Dobby, hat mir etwas zu Essen gebracht, denn Narzissa hat offensichtlich eingesehen, dass ich die Bibliothek nicht verlassen würde, auch wenn ich verhungert wäre. Ich sitze mit einem uralten Buch im Schoß, lese und esse Sandwiches. Im Buch geht es um Dämonenbeschwörungen und wie man sie dazu bringen kann, etwas für einen zu erledigen. Das Buch selbst wurde mit einem Zauber belegt, der es zusammenhält, denn das Buch wurde im sechzehnten Jahrhundert geschrieben. Ich bin so in das Buch vertieft, dass ich nichts um mich herum bemerke, nicht einmal Narzissa, welche die Bibliothek betreten hat und nach mir sucht.

„Harry", ruft sie sanft zu mir. Ihr Ausdruck verändert sich sofort, als sie das Buch in meinem Schoß erblickt. „Was... was liest du da? Wo hast du dieses Buch gefunden?"

„Darf ich nicht?", frage ich ein wenig aggressiv. Ich bin selbst überrascht, wie ich sie anspreche, denn sie ist offensichtlich mein Retter und meine Gastgeberin. Aber dieses Buch gehört mir und ich habe es gefunden; und als diese Gedanken in meinem Kopf auftauchen, kann ich es selbst auch nicht fassen, dass ich so von diesem Buch besessen bin. Aus irgendeinem Grund möchte ich es besitzen. Oder will das Buch etwa mich besitzen?

„Natürlich", sagt Narzissa schnell und schluckt.

„Mein Lehrer hat es mir empfohlen", füge ich hinzu, denn ich weiß, dass Narzissa Schiss vor Tom hat. Sie nickt schnell.

„Natürlich", wiederholt sie atemlos. „Nun, Harry, du und ich haben Briefe vom Ministerium erhalten. Und es gibt in der Zeitung einen Artikel über den Brand."

„Zeigen Sie es mir", sage ich, als ich aufstehe. Ich mache das Buch vorsichtig zu und lege es beiseite. Narzissa schaut mit Verwunderung und Angst zu, wie ich das Buch behandele, sagt aber nichts dazu, sondern setzt sich hin und legt meinen Brief und den Propheten auf den Tisch.

Ich zerreiße den Umschlag und öffne ungeduldig den Brief. Es wird ein Verhör geben und Dumbledore wird anwesend sein. Ich seufze und fahre mir durchs Haar. Ich freue mich keinesfalls auf dieses Treffen. Denn ich muss eine Rolle spielen, die Rolle von einem traumatisierten und bemitleidenswerten Jungen, und der bin ich nicht. Nicht mehr. Ich habe das Selbstmitleid und die Traurigkeit satt und werde nie mehr erlauben, dass man mich misshandelt, sei es von einem Zauberer oder einem Muggel. Als ich die Zeitung öffne, muss ich breit grinsen. Auf der ersten Seite ist ein Foto von dem Haus der Dursleys und darunter steht: 'Angriff oder schrecklicher Unfall? Das Heim des Jungen der lebt in Flammen'.

„Das Feuer sieht sehr schön aus", murmele ich, als ich die erste Seite überblicke. Die Flammen bewegen sich auf eine hypnotisierende Weise und bei dem Anblick spüre ich tiefe Ruhe in meinem Inneren. „Merlin sei Dank dass es vorüber ist."

„Harry..." flüstert Narzissa, die meine Worte anders interpretiert. „Niemand wird dir je wieder etwas antun. Ich werde mich um dich kümmern. Es ist einfach... barbarisch, das, was Dumbledore dir angetan hat." Sie spuckt das Wort aus und da gibt es einen Hauch von Zorn in ihrer Stimme.

„Nie wieder", sage ich leise. „Nie wieder werde ich so was zulassen, wer auch immer es ist. T... Meister hat Recht. Magie heißt Macht und ich werde diese Macht benutzen."

Ihre Augen sind auf mich fixiert. In den silbernen Tiefen kann ich Sorge erkennen, aber auch Angst um mich und ich weiß woher sie kommt. Denn wenn man den dunklen Lord als Lehrer hat, hat er Macht über einen und Narzissa weiß sehr wohl, dass er unverzeihlich und mitleidlos ist. So schnell aus den Klauen der schrecklichen Muggel wieder in die Klauen eines unbarmherzigen dunklen Lords zu gelangen, ist sicherlich keine gute Sache. Und dazu lese ich solch ein Buch und Narzissa kann in meinem Gesicht erkennen, dass ich von dem Thema fasziniert bin.

„Dumbledore wird mich finden, das weiß ich", sage ich leise. Narzissa entgeht der Hass in meiner Stimme nicht, denn er ist noch immer da, und noch immer tobt er in meinem Inneren, wie eine wütende Schlange. „Und wenn es dazu kommt, möchte ich, dass Sie bereit sind."

„Nenne mich Narzissa, Harry", sagt sie leise. „Was auch immer ich tun kann, werde ich tun. Sage mir nur, was ich tun muss."

Ich schaue wieder in die silbernen Tiefen, die mir wie zwei Vollmonde vorkommen, und ich lächele. Es ist gut, der Schützling des dunklen Lords zu sein.