Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.

Cassie

„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."

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Kapitel 9 – Die Untersuchung im Ministerium

Ich habe nicht gewagt, Toms Tagebuch mitzubringen, denn es trieft vor dunkler Magie. Irgendjemand könnte es mitbekommen und das wäre das Ende von allem. Narzissa steht bei mir im Fahrstuhl und ihre Augen spiegeln Entschlossenheit und die klare Absicht, alles zu tun was notwendig ist, um die Vormundschaft zu bekommen. Jeder scheint sie zu kennen und ich lächele, als wir uns auf den Weg zu der Halle machen, wo die Untersuchung stattfindet. Es ist gut, solche Menschen an meiner Seite zu haben. Narzissas Gesicht verrät keine Emotionen und doch kann ich deutlich sehen, was unter dieser Fassade vorgeht. Das ist nur das Gesicht, das sie den Menschen zeigt. Aber ich habe auch ihr anderes Gesicht gesehen und jenes Gesicht ist etwas vollkommen anders. Unter dieser aristokratischen und kalten Maske ist sie eine leidenschaftliche Frau, die eine Kämpferin ist und die bereit ist, für ihre Ziele mit aller Kraft zu kämpfen. Sie hat darauf bestanden, dass Draco nach Hogwarts ging, auch wenn Lucius nichts davon hören wollte. Es sagt viel über ihren Charakter, dass Draco trotzdem nach Hogwarts gegangen ist.

Ich bin es gewohnt, dass Menschen mich angaffen. Ich bin es auch gewohnt, dem Angaffen und dem Tuscheln keine Aufmerksamkeit zu schenken. Jetzt aber sehe ich es anders. Irgendwie stört es mich überhaupt nicht mehr. Amelia Bones - laut Narzissa - ist eine alte Dame, die noch immer mit aller Kraft versucht, all die dunklen Magier auszurotten und jegliches Zeichen von dunkler Magie zu zerstören. Mit ihr müsse man vorsichtig sein. Sie folgt mir mit ihrem Blick, als ich von Narzissa begleitet die Halle betrete und das Tuscheln ignoriere. Crouch, der Minister, sitzt bei ihr und lächelt mich an. Solch eine Ehre! Der Minister selbst ist anwesend und hier handelt es sich nur um meine Vormundschaft. Tom hatte Recht, der Mistkerl.

Ich lächele ihn an und gehe zu ihm hinüber. Ich benehme mich wie ein naiver Junge, der jemanden bekannten - obowhl ich ihm noch nicht pesönlich begegnet bin, weiß ich, wer er ist und er weiß auch, wer ich bin - gesehen hat und sich um Höflichkeit und Etikette nicht schert. Ich bin ein Junge der lediglich froh ist, den Minister zu sehen.

Crouch schüttelt mir die Hand mit einem untypisch freundlichen Lächeln und Amelia Bones scheint mich zu beobachten, obwohl sie mich auch anlächelt und ihre Hand ausstreckt.

„Sie kennen Ms Malfoy, Minister", sage ich höflich. Er verengt die Augen, als sein Blick auf Narzissa fällt, aber er küsst trotzdem ihre Hand.

„Natürlich", sagt er mit einer kalten Stimme. Noch ein Jäger nach Schwarzmagiern? Das könnte die Sache ein wenig komplizieren. „Wird auch Ihr Mann anwesend sein?"

„Lucius kommt später", sagt Narzissa. „Ich begleite Harry und ich werde in seinem Interesse sprechen. Da gibt es viel zu sagen, befürchte ich."

„Harry", winkt Amelia Bones mir zu. „Kann ich dich sprechen?"

„Natürlich", sage ich achselzuckend. Amelia Bones lehnt sich nach vorne, sodass Narzissa nicht bei unserem Gespräch zuhören kann. „Es gibt so viele Familien, die dich gerne aufnehmen würden. Ich kann dir eine Liste von Menschen geben, die sich schon um eine Vormundschaft beworben haben."

Na ja. Natürlich will sie nicht, dass ich bei Narzissa bleibe, denn Amelia Bones vertraut Lucius nicht und denkt natürlich, dass die ganze Familie schwarzmagisch ist. Wahrscheinlich befürchtet sie, dass es dem Jungen der lebt bei den Malfoys nicht wohl ergehen würde, weil sie Schwarzmagier sind und um Mitternacht kleine Kinder opfern. Wenn sie nur wüsste... Vielleicht besser nicht.

„Danke, Ms Bones", antworte ich höflich. „Aber Narzissa gefällt mir; und seit dem Unfall hat sie mir viel geholfen. Sie hat mir Hilfe angeboten, als ich alleine und verletzt war und das werde ich nie vergessen. Sie ist meine Tante; und ich möchte bei ihr bleiben."

Amelia Bones wirkt von meinen Worten vollkommen schockiert, reißt sich aber schnell zusammen und wägt sorgfältig ihre nächsten Worte ab.

„Dumbledore hat einen Fehler begangen", sagt sie langsam. „Ich habe nicht gewusst, dass er sich als deinen Vormund ernannt hat. Er hätte besser auf dich aufpassen sollen. Aber die Malfoys sind eine dunkle Familie. Lucius Malfoy war ein Anhänger von du weißt schon wem. Und man kann sich nicht über Nacht verändern. Narzissa mag gute Absichten haben, aber ich befürchte, dass es eines Tages dazu kommen könnte, dass du etwas sehen würdest, was nicht für deinen Augen bestimmt wäre."

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Narzissa etwas von mir verlangt, was ich nicht tun möchte", sage ich, schockiert klingend.

„Nein, sie wahrscheinlich nicht", sagt Amelia schnell. „Aber Lucius..."

„Vielen Dank für Ihre Sorge, Ms Bones", unterbreche ich sie. „Aber ich habe meine Entscheidung getroffen. Niemand wollte mich aufnehmen und sich um mich kümmern; und ich werde bei der einzigen Person bleiben, die mich eigentlich gerne hat und sich um mich kümmert."

Ich wende mich um und gehe wieder zu Narzissa, die mich anlächelt. Ich grinse sie breit an, nur um den gaffenden Menschen zu zeigen, dass ich mich in ihrer Gesellschaft gut fühle und dass wir uns angefreundet haben. Amelia Bones wirkt verwirrt und schockiert und weiß nicht, was sie sagen soll und starrt mich stattdessen wortlos an.

Und dann öffnet sich die Tür erneut und der große Albus Dumbledore betritt die Halle. Er hält im Türrahmen inne und lässt den Blick mit einer feierlichen Miene über die Halle schweifen. Ich muss mir ein Schnauben verkneifen. Er erwartet, dass alle ihn atemlos und voller Bewunderung anstarren und da hat er Recht. Narzissa und ich jedoch wechseln Blicke und ihre Augen blitzen fanatisch auf. Ich senke den Blick und lächele. Das Rascheln von Roben ist hörbar und sagt mir, dass der gute Magier endlich seinen Auftritt beendet hat und ich erwarte jeden Moment, meinen Namen zu hören, vom Zwinkern in seinen Augen und einem großväterlichen Lächeln begleitet. Auf einmal ist mir ganz übel.

„Madame Bones", höre ich seine Stimme. Oho, ich bin nicht die Nummer eins auf seiner Liste? Wie erfrischend. „Es freut mich immer, Sie wieder zu sehen."

Oh Mann. Es ist schlimmer, als ich es vermutet habe. Der alte Mann kann stundenlang so weitermachen.

„Hallo, Albus", sagt Amelia Bones fröhlich. „Wie geht es dir?"

„Ich kann mich nicht beklagen", erwidert Dumbledore, schon wieder versuchend, sich wie ein übergeschnappter, alter Magier zu benehmen. Natürlich ist das Ganze nur eine widerliche Show. „Ich freue mich, endlich Harry sehen zu können. Der arme Junge hat genug gelitten."

„Ich stimme zu", sagt Amelia Bones ernst. „Ich bin dankbar, dass du hier bist. Jetzt kannst du dieses Missverständnis aufklären."

„Ich werde mein bestes geben", erwidert Dumbledore großzügig.

„Ach, Harry", sagt er, als er sein höfliches Gespräch mit Amelia Bones beendet, indem er sich mir zuwendet. Ich bin an der Reihe? So schnell? „Wie geht es dir?"

„Viel besser", sage ich. Ich räuspere mich. Ich klinge zu wütend und zu kalt für eine Person, deren Rolle ich spiele. „Danke, Professor."

„Schön, dass Ms Malfoy sich um dich gekümmert hat", sagt er, auf mich zukommend. Ich senke den Blick und nicke stumm. „Sicherlich vermisst du deine Freunde."

„Ja", sage ich automatisch. Was hat er ausgeheckt? Worauf will er damit hinaus?

„Es wird dich freuen, dass Ms Weasley dich eingeladen hat, ein paar Tage im Fuchsbau zu verbringen. Sie ist sehr um dich besorgt und alle möchten dich wiedersehen."

Ach so. Mrs Weasley, Dumbledores Puppe und eine Anhängerin des Lichtes. Mit all diesen Kindern im Haus wäre es für mich unmöglich, mit Tom zu sprechen oder die dunkle Magie zu üben. Sehr schlau, Dumbledore. Wenn ich nein sage, würde es verdächtig klingen, weil es einfach keinen Grund – noch nicht – gibt, nicht dorthin zu gehen.

„Vielleicht können wir später darüber sprechen, Mr Dumbledore", Narzissa sagt ernst. Ich bin dieser Frau sehr dankbar. „Denn Harrys Heiler kommt in ein paar Stunden und wir möchten seinen Besuch nicht verpassen." Eine riesige Lüge. Die Malfoys sind so reich, dass der Heiler kommt wenn Narzissa pfeift.

„Natürlich", sagt Dumbledore großzügig. Es darf keinesfalls so wirken, als sei er nicht um meine Gesundheit besorgt. Sehr gut, Narzissa, auch wenn man diese Lüge schnell durchschauen kann.

„Also können wir anfangen?", fragt Crouch. Das Tuscheln verstummt. „Schön. Da es sich um einen Minderjährigen handelt, muss das Ministerium entscheiden, wer als Vormund für Harry Potter der beste wäre." Schon jetzt spricht er über einen männlichen Vormund. Definitiv nicht gut. „Mr Dumbledore. Sie waren Harrys Vormund. Können Sie uns sagen, wie es dazu gekommen ist?"

„Natürlich, Minister", sagt Dumbledore und steht auf. Er trägt einen lila Umhang und von dem Anblick der tanzenden Elche und den Schlitten, die sie ziehen, wird mir übel. Er lässt theatralisch den Blick über die Anwesenden schweifen und strahlt alle an.

„Unter den damaligen Umständen", spricht er laut. „Habe ich entschieden, dass Harry später im Leben Anleitung brauchen wird. Er würde eine ganz neue Welt entdecken und auch erfahren, dass man seinen Namen kennt. So was kann für jeden Jungen zu viel sein, also war ich der Meinung, dass ich ihm dabei helfen sollte, mit dem Ganzen klarzukommen."

Und wer ist schuld, dass ich bei den Dursleys gelandet bin? Seine Worte aber kann man auch anders verstehen. Moment mal... Er hat das Ganze schon damals geplant, als er mich auf der Schwelle von Ligusterweg Nummer vier ausgesetzt hat. Er hat geplant, mein Vormund zu werden, mir später über die Zauberwelt zu erzählen und mich langsam in die Zauberwelt zu integrieren... Er wollte derjenige sein, der mir sagt, was richtig und was falsch ist. Er wollte derjenige sein, der mir seine Ansicht der Welt beibringt und sich damit vergewissern, dass ich ihm folge und dass ich genau das tue, was er mir sagt. Dieser...!

Ich zwinge mich dazu, Dumbledores Monolog zuzuhören, obwohl ich vor Wut rauche. Tief durchatmen, sage ich zu mir. Denn es wäre ganz, ganz schlecht, wenn ich auch dieses Mal etwas in die Luft jage. Alles hängt von meinem Rollenspiel ab.

„Ich habe aber einen Fehler begangen", fährt er mit einer traurigen Stimme fort. „Ich habe Harry nicht gesagt, dass ich sein Vormund bin. Denn ich habe nicht gedacht, dass die Zeit dafür reif ist. Ich habe ihn aber unterschätzt und ich bedauere die Tatsache zutiefst, dass ich nicht für ihn da war, als er mich gebraucht hat."

Seine traurige Stimme hat die gewünschte Wirkung auf die Menschen und ich zwinge mich mit größter Mühe, nicht zu lachen. Stattdessen senke ich den Blick und nicke stumm. Denn Dumbledore in die Augen zu schauen, wäre keine gute Idee. Und zudem würde mich das nur noch wütender machen.

Dumbledore erwartet, dass ich etwas sage, aber als ich stumm bleibe, meldet sich Madame Bones zu Wort.

„Es ist offensichtlich, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt", sagt sie mit Überzeugung. „Harry braucht nur ein wenig Zeit mit seinem Vormund zu verbringen und weil er so jung ist, braucht er Anleitung und einen Berater. Ich muss aber vorschlagen, Mr Dumbledore, dass Sie Mr Potter einige Sachen erklären. Denn es ist für ihn sicherlich nicht leicht. Als er seinen Brief mit der Einladung zu Hogwarts bekommen hat, hat er nichts über die Zauberwelt gewusst und jetzt gibt es so viel zu lernen."

„Oh, keine Sorge, Madame Bones", erwidert Dumbledore fröhlich. „Harry und ich werden zusammen die Winkelgasse besuchen und ein wenig Zeit miteinander verbringen, ehe die Schule anfängt."

„Madame Bones", meldet sich Narzissa zu Wort. Ihre Augen blitzen auf. „Ich denke, dass es noch immer viel gibt, worüber wir nicht gesprochen haben. Und außerdem haben Sie Harry nicht gefragt, bei wem er bleiben will. Sollte nicht der Junge über seine eigene Zukunft entscheiden? Ist es gerecht, dass man über ihn hinweg entscheidet?"

Und natürlich hat niemand die Aussage des Koboldes erwähnt, in der er über mein Geld schreibt. Anscheinend denkt Madame Bones, dass es entweder eine Nebensache ist, oder dass Dumbledore einen sehr guten Grund dafür hat. Jetzt geht es jedoch um meinen Vormundschaft, aber ich werde schon noch mit Dumbledore darüber sprechen. So was kann man nicht vergessen.

„Ihr könnt alles später besprechen", sagt Madame Bones abwinkend. „Natürlich will Harry solch einen Zauberer wie Mr Dumbledore als seinen Vormund haben. Er kann ihm viel beibringen."

„Eigentlich", unterbreche ich sie jetzt. Meine Stimme bebt und ich muss mich räuspern. „Bei allem Respekt, Madame Bones, möchte ich bei meiner Tante bleiben. Mir gefällt es bei ihr und ich brauche Ruhe. Der Unfall hat außer den sichtbaren, auch einige unsichtbare Narben hinterlassen und Narzissa und ihr Heim bieten mir die Gelegenheit, wieder zu Kräften zu kommen."

„Außer den sichtbaren Narben, Mr Potter?", meldet sich eine Hexe zu Wort. „Wie meinen Sie das, Mr Potter?"

„Nun", sage ich langsam und gespielt verlegen. „Meine Verwandten waren nicht so... verständnisvoll, wenn es um Magie ging. Sie hassen Magie."

Da bricht Gemurmel aus und der Minister hebt die Hand. Obwohl ich in seinen Augen sehen kann, dass er mich am liebsten Dumbledore übergeben und die Sache zu Ende bringen würde, ist er wegen den Menschen gezwungen, mich sprechen zu lassen.

„Erklären Sie das, Mr Potter", sagt er vorsichtig.

„Nun", sage ich langsam. „Es ist nicht... leicht darüber zu sprechen. Es..." Ich schlucke schwer und spüre, dass alle mich atemlos anstarren. Ich hasse es, mich so erniedrigen zu müssen, aber es muss getan werden. „Sie haben versucht, die Magie aus mir zu schlagen. Ich... ich neige zu Magieausbrüchen, verstehen Sie... und wenn es passiert ist, haben sie mich in den Keller gesperrt und mir für eine Woche lang nichts zum Essen gegeben, in der Hoffnung, dass sie die Magie in mir auf diese Weise ausrotten können."

Madame Bones schnappt hörbar nach der Luft. Crouch wiederum wirkt noch immer argwöhnisch.

„Ich war nie beim Arzt", fahre ich leise fort. „Muggelheiler. Denn die Dursleys wollten kein Geld für mich ausgeben. Aus diesem Grund ist mein gebrochener Arm falsch geheilt."

„Sie haben ihn misshandelt", meldet sich Narzissa zu Wort und legt eine Hand auf meine Schulter. Ich senke den Blick und beiße auf meine Lippen. „Der Heiler, der ihn untersucht hat, ist anwesend und bereit, eine Aussage zu machen."

„Ähm", sagt Crouch, versteift sich aber, als er die Blicke seiner Kollegen bemerkt. Der Junge der lebt, misshandelt! „In Ordnung. Wo ist er?"

Der Heiler erhebt sich und macht sich auf den Weg nach unten, dicht von Blicken gefolgt. Sein Name ist nicht unbekannt und Narzissa hat ihn gut ausgewählt. Keiner wird seine Aussage und seine Sachkenntnis anzweifeln können.

„Ich habe den jungen Mr Potter untersucht, als Ms Malfoy mich gerufen hat. Ich bin so eine Art Familienheiler und ich besuche sie oft", sagt er geschäftsmäßig. „Der Junge war bewusstlos und hat an einem Schock gelitten. Das ist aber nicht alles, was ich entdeckt habe. Er war unterernährt, sein Körper war von allerlei Narben bedeckt und er war vollkommen erschöpft und hat an Schlafmangel gelitten. Ich möchte keine Details verraten, aber ich kann ohne Zweifel sagen, dass es um eine ernste Misshandlung geht."

Er lässt den Blick über die Anwesenden schweifen, sein Ausdruck todernst.

„Und ich denke, dass es total widerlich ist, was diese Menschen ihm angetan haben und wie sie ihn behandelt haben. Niemand verdient so was. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Ich möchte nicht, dass Mr Potter das Ganze schon wieder durchgehen muss. Aber ich kann, als sein Heiler, bezeugen, dass es sich um einen ernsten Misshandlungsfall handelt. Mr Potter hat sich mir anvertraut, weil ich einige Sachen wissen musste, um ihm helfen zu können. Und das habe ich. Jetzt braucht er richtig zu essen, viel Ruhe und sicherlich braucht er keine weiteren Fragen. Also bin ich der Meinung, als sein Heiler, dass man ihn wenigstens zwei Wochen lang in Ruhe lassen sollte."

„Heiler Richardson", meldet sich der Minister, der kreidebleich ist. „Hätte man wissen können, dass Mr Potter misshandelt wurde?"

„Meinen Sie, ob man die Anzeichen hätte erkennen können?", fragt der Heiler kalt. „Ja. Erstens, er ist unterernährt. Jemandem hätte es auffallen sollen. Aber niemand sieht ihn als einen Jungen, nur als den Jungen der lebt."

Er wirft Dumbledore einen scharfen Blick zu, und ich bemerke mit Genugtuung, dass der alte Mann nicht mal versucht hat, ihn anzustrahlen oder sonst was. Stattdessen sitzt er nur steif und todernst da.

„Zweitens hätte die Heilerin in Hogwarts bemerken sollen, dass einige seiner Knochen nicht richtig geheilt sind. Mr Potter hat mir gesagt, er sei schon viele Male im Krankenflügel gelandet. Also hätte die Heilerin davon wissen sollen. Aber auch wenn sie etwas bemerkt hat, hat sie nichts gesagt. Und ich frage mich warum?"

„Sollten wir Madame Pomfrey fragen?", fragt eine Hexe. Crouch wirkt hin und her gerissen. Er will die Sache so schnell wie möglich zu Ende bringen; andererseits handelt es sich hier um den Jungen der lebt und um ein schweres Verbrechen.

„Wir würden Ihren Bericht sehen wollen", sagt er schließlich. „Ich gebe Ihnen mein Wort, dass nichts davon veröffentlicht werden wird. Wir möchten nur feststellen, wie ernst die Situation ist."

„Sehr ernst, Minister", erwidert der Heiler kalt.

„Also möchte Mr Potter bei Ms Malfoy bleiben?", fragt der Minister und fixiert den Blick auf mich.

„Das möchte ich, Minister", sage ich schnell.

„In Ordnung", sagt der Minister geistesabwesend. „Nun, da er momentan seine Ruhe braucht, kann er bei Ms Malfoy bleiben, aber ich will ihr Versprechen haben, dass sie sich um ihn kümmern wird."

„Selbstverständlich", antwortet Narzissa kalt, als denkt sie, er sei ein wenig beschränkt, um solch eine Forderung zu stellen.

„Schön", sagt der Minister, der Dumbledore einen vorsichtigen Blick zuwirft.

Also macht er sich Sorgen um das, was Dumbledore darüber denkt. Schließlich hat er mich gerade den Malfoys übergeben. Aber Dumbledore schaut nicht in seine Richtung. Er sitzt noch immer stumm da und starrt mich ohne zu blinzeln an.

„Wir werden die Sache unter die Lupe nehmen und Madame Pomfrey verhören", sagt der Minister.

„Warum fragen Sie nicht Dudley?", platzt es auf einmal aus mir. Der Minister hält inne. „Meinen Cousin, Dudley Dursley. Er ist ein Muggel; aber sicherlich wird er Ihnen mit Genugtuung davon erzählen, wie man mich tagelang im Kerker eingesperrt hat."

Meine Worte sind bitter und ich spüre tiefste und wahnsinnige Freude, als ich Dumbledores schockierten Blick bemerke. Er wird nichts dagegen unternehmen können. Er wird seine sorgfältig vorbereiteten Pläne nicht mehr für sich selbst behalten können.

„Das werden wir in Betracht ziehen", sagt der Minister.

„Dieser Muggeljunge muss verhört werden!", verlangt eine Hexe. „Wenn das Ganze wahr ist – und ich sehe einfach nicht, warum Heiler Richardson, Mr Potter oder Mrs Malfoy uns anlügen sollten... Das ist einfach widerlich. Abscheulich!"

„Mr Potter", sagt der Minister langsam. „Warum haben Sie niemandem früher davon erzählt?"

„Hätten Sie jemandem erzählt, dass man Sie misshandelt?", frage ich ein wenig aggressiver, als ich es geplant habe. „Das ist nichts, worüber man beim Frühstück plaudert. Ich wollte nicht, dass es jemand erfährt. Es ist demütigend und ich wollte jeden Gedanken daran aus meinem Kopf vertreiben."

Madame Bones nickt und hebt die Hand in die Luft. Sie ist noch immer blass und wirkt verlegen, hat sich aber zusammengerissen und sich daran erinnert, dass sie hier eine Pflicht zu erfüllen hat.

„Diese Untersuchung ist beendet", erklärt sie laut. „Mr Potter, wir werden Sie über unseren Fortschritt benachrichtigen. Bis dann wünsche ich Ihnen gute Besserung."

Die Zauberer und Hexen verlassen langsam die Halle und werfen mir mitleidsvolle Blicke zu, aber ich ignoriere sie. Dumbledore steht langsam auf und drängt sich wie erwartet durch.

„Harry", sagt er mit einer traurigen Stimme. Ich schweige und starre meine Schuhe an. „Es tut mir Leid."

Der große Weißmagier hat sich entschuldigt. Wie rührend. Aber ich fühle mich nicht gerührt, ich bin noch immer wütend.

„Ich habe es nicht gewusst", fährt er fort. Noch immer schweige ich. „Und ich wünsche dir gute Besserung. Die brauchst du."

Ach nein, wirklich? Und wer ist daran schuld? Ich habe mir das sicherlich nicht selbst angetan. Ich sehe ihn vor meinem geistigen Auge und ich schaue zu, wie ich ihm den Hals umdrehe. Ich drücke und ich drücke und es fühlt sich so wunderschön an... so befreiend...

„Was willst du, dass ich Ms Weasley sage? Wirst du Ron und die Zwillinge besuchen?", fragt er und reißt mich damit aus meinem Tagtraum. Ich hebe den Blick und schaue ihm in die Augen. Da huscht etwas über sein Gesicht, so schnell, dass ich kaum die Chance habe, überhaupt etwas zu sehen. War es Angst? Verwirrung?

„Verstehen Sie mich nicht falsch, Professor", sage ich leise. Meine Stimme ist eiskalt. „Aber momentan habe ich keine Lust auf Menschen. Nicht einmal auf Freunde."

„Ich habe nur gedacht, du würdest ihre Gesellschaft genießen. Und Ms Weasleys exzellentes Essen."

„Die Antwort ist nein", sage ich schnell. Dumbledore schaut mich ernst an, als versuche er etwas an mir zu finden, was mein Benehmen erklären würde. „Viel Dank für Ihre Sorge, Professor, aber jetzt möchte ich gehen. Heiler Richardson kommt und möchte mich untersuchen."

„Verstehe", sagt Dumbledore langsam. Da gibt es nichts mehr zu sagen. Also richtet er sich auf und wirft mir einen ernsten Blick zu. „Ich besuche dich also."

Er geht. Ich atme erleichtert aus und doch brennt es in meinem Inneren. Narzissa legt mir eine Hand auf die Schulter und nickt.

„Gehen wir, Harry", flüstert sie. „Es ist vorbei."