Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.
Cassie
„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."
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Kapitel 10 – Dracos ZweifelDer Regen prasselt gnadenlos gegen das Fenster. Ein Sturm tobt da draußen und der starke Wind biegt die Bäume, als wären sie nichts weiter als Zahnstocher. Ein Blitz weckt die Nacht auf und trifft etwas in der Ferne. So inspirierend, die Macht der Natur. Seit langem freue ich mich nicht mehr auf das Sonnenlicht, weil ich zu viele Tage da draußen im Garten beim Arbeiten verbracht habe. Die Vögel bedeuten nichts für mich, als mehr Arbeit, weil sie überall Dreck hinterlassen. Ich musste mit Ratten da unten im Kerker im Dunkeln wohnen. Der helle Tag bereitet mir keine Freude mehr. Die Nacht wiederum... alle gehen schlafen, und alles, was ich hören kann, ist Stille. Wunderschöne Stille. Ich habe oft meine Nächte beim Fenster verbracht, hinaus guckend und einfach die Ruhe genießend.
Jetzt aber sehe ich noch etwas da draußen. Ich sehe Macht; Gnadenlosigkeit; die Faust der Natur die zuschlägt und keine Fragen stellt. Sie ist nicht aufzuhalten und kennt keine Grenzen; und sie kann so weitermachen, bis sie ihren Zorn verbraucht hat. So wie die dunkle Magie. Im Zorn des Sturms sehe ich die Macht der dunklen Magie und aus diesem Grund bewundere ich ihn. Die rohe Macht des Sturms, der nur eines im Kopf hat – zu zerstören. Ich verstehe ja, warum die Menschen und Tiere Angst vor dem Sturm haben; aber ich sehe auch sein anderes Gesicht.
Die dunkle Magie ist nicht nur eine Form der Magie. Hier handelt es sich um einen dunklen Weg, einen Lebenspfad; um eine Lebensphilosophie, um Prinzipien und um Einstellungen. Wie hatte ich so was früher nicht sehen können? Wie hatte ich den Sturm nicht als das sehen können, was er ist? Die Hand einer zornigen Göttin – aber auch wenn sie zornig ist, ist sie wunderschön.
Mit dem Üben von dunkler Magie ändern sich auch die Ansichten und die Lebensphilosophie von einem selbst. Man sieht Schönheit in Sachen, vor denen die Hellmagier Angst haben. Mir fällt wieder Dumbledore ein und ich frage mich, ob er je einen dunklen Fluch ausprobiert hat. Ich bin der Meinung, dass er dafür zu feige ist. Klar, er ist ein großer Magier und alles, aber das heißt nicht, dass er keine Angst spüren kann. Und er hasst die dunkle Magie mit ganzem Herzen. Aber ich denke, dass er sie zur gleichen Zeit fürchtet. Ich möchte nie wieder vor etwas Angst haben – nie wieder ein Sklave sein. Ich werde mich um mich selbst kümmern und niemand kann mir das wegnehmen, was ich am meisten schätze. Angst vor etwas zu haben heißt in den meisten Fällen, dass man vor dem Unbekannten Angst hat. Man weiß zum Beispiel nicht, was passiert, wenn man stirbt; und ich kann auch nicht sagen, dass der bloße Gedanke mich nicht mit Nervosität erfüllt, aber das ist alles. Oft habe ich mir schon gewünscht, ich wäre tot, denn so wie ich es mir vorstelle, würde ich zu einem schöneren Ort gehen. Endlich würde ich meine Ruhe haben.
Aber jetzt nicht mehr. Jetzt hat mein Leben einen Sinn und ich möchte weiterleben. Ich möchte die Wunder der dunklen Magie entdecken, ich möchte von Voldemort lernen und ich möchte zuschauen, wenn Dumbledore untergeht. Jetzt habe ich ein Ziel im Leben, das mehr ist, als nur zu überleben. Mehr zu erreichen, mich magisch zu entwickeln und zu wachsen. Die Lethargie wurde zum brennenden Zorn, der noch immer in meinem Inneren brodelt. Er treibt mich an und gibt mir Kraft; und ich sehe einfach nicht, warum Zorn etwas Schlechtes sein soll. Er gibt mir die Kraft, weiterzumachen und klärt meinen Kopf auf, sowie der Zorn des Sturms, der alles in Sicht zerstört. Ein Sturm aber reinigt die Welt und segnet sie mit Wasser.
Seht ihr? Ich habe mich geändert. Und die dunkle Magie und Tom sind zum größten Teil dafür verantwortlich, aber meine beschissene Kindheit hat auch dazu beigetragen. Dumbledore hat gewollt, dass ich wie eine dumme Puppe zu ihm komme und ihn voller Bewunderung anschaue, ihn als meinen Großvater betrachte und ihm folge. Aber er hat sich mit den Dursleys verrechnet. Sie haben mich gebrochen und mich der Freuden der Kindheit beraubt. Dumbledore hat gehofft, dass ich lediglich gelobt und anerkannt werden wollen würde, und das hat zum gewissen Grad geklappt. Ich habe ihn als einen großen und weisen Zauberer betrachtet und mich natürlich nach seiner Anerkennung und seiner Aufmerksamkeit gesehnt. Aber dieser Prozess ist zum Ende gekommen, als ich von seinen Plänen erfahren habe. Das war der Stoß, den ich brauchte, um mich der Dunkelheit zu ergeben. Aber ich bereue es nicht. Die Nacht ist schöner und reizvoller als der Tag; die dunkle Magie ist wie ein mächtiger Fluss, der alles im Wege zerstört; und Tom ist ein guter Lehrer. Ich bereue absolut nichts und ich möchte, zum ersten Mal, mit ganzem Herzen, weiterleben.
Wenn dabei etwas zerstört werden muss, dann möge es so sein. Mein Leben ist mir eh immer wie ein Traum vorgekommen. Nichts war wahr; und nichts konnte mich glücklich machen. Da hat es immer eine Leere in mir gegeben, die jetzt mit etwas gefüllt wird. Ich habe gelacht und mich mit Hermine und Ron herumgetrieben, aber in meinem Inneren war ich todernst und nichts davon hat einen Sinn ergeben. In meinem Inneren war ich tot, weil ich nie die Chance gehabt habe, glücklich zu sein. Jetzt aber schon. Und ich hoffe es klingt verständlich, dass ich mich nicht um die Überreste der alten Welt schere. Mögen sie in Flammen aufgehen – ich würde um das Feuer tanzen und ihren Tod feiern.
/Dracos Sicht
Ich höre jeden Tag über Harry verdammten Potter und jetzt, da ich viele Male versprochen habe, mich gut zu benehmen, wurde mir endlich erlaubt, ihn zu sehen und mit ihm zu sprechen. Ich habe herzlich gelacht, als meine Mutter mir von ihm erzählt hat. Harry Potter, ein dunkler Magier. Was für ein Schwachsinn. Er ist vollkommen nutzlos und er kann nichts alleine tun, ohne die Hilfe und die Unterstützung von seinen ewigen Begleitern, die statt ihm denken und sprechen. Nun, Weasley spricht nicht mehr mit ihm und das kann ich gut verstehen. Seine Schwester ist gestorben. Ich kann gut verstehen, dass sein kindischer und einseitiger Verstand nicht begreifen kann, dass Potter nichts damit zu tun hatte. Weasley ist einfach zu dumm, um lebendig zu sein. Na ja, vielleicht ist das übertrieben. Goyle und Crabbe sind lebendig und ich bin mir sicher, dass es nichts in ihren Köpfen gibt, außer der Luft.
Ich platze vor Neugier. Vater sagt, der dunkle Lord sei zurückgekommen; dass er einen Teil von ihm gesehen hat, der Potter lehrt. Und so nervös ich bin, dem dunklen Lord zu begegnen – ein Teil von ihm oder nicht, was auch immer das heißt – weiß ich, dass ich in die Bibliothek gehen muss, koste es was es wolle. Falls der dunkle Lord tatsächlich zurück ist, heißt das, er wird wieder kämpfen. Aber laut Vater muss er zuerst seinen alten Körper zurückbekommen. Wie er vorhat, das zu erreichen, ist mir im besten Falle schleierhaft. Mutter sagt, Potter wird eine entscheidende Rolle dabei spielen und das kann ich einfach nicht begreifen.
Es bringt nichts, vor der Tür zu stehen und darüber nachzudenken. Ich brauche Antworten – und sie liegen direkt vor mir. Ich hebe die Hand und hab vor, die Türklinke zu drücken, aber ich halte inne. Ich solle Potter mit Respekt ansprechen. Ihn als einen reinblütigen, dunklen Magier betrachten. Also wäre es sicherlich nicht höflich, nur so in die Bibliothek zu platzen, auch wenn es MEINE Bibliothek ist. Ich klopfe an die Tür und höre Rascheln von da drin. Nach einer Pause höre ich eine leise Antwort.
Potter sitzt beim Feuer mit einem geschlossenen Buch im Schoß. Die grünen Augen starren mich für ein paar Momente ohne zu blinzeln an, ehe er sich aufrichtet und mich begrüßt.
„Hallo, Draco", sagt er leise. Diese grünen Augen kommen mir nur vage bekannt vor. Es herrscht eine gewisse Kälte in ihnen, die mir vollkommen unbekannt ist. Entschlossenheit; Zielstrebigkeit, die ich vorher in seinen Augen nicht gesehen habe. Wenn Potter gedacht hat, dass niemand ihn anschaut, hat er verloren und traurig gewirkt. Aber jetzt gibt es etwas in seinen Augen, was mir nicht gefällt. Etwas, was ich ab und zu in den Augen meines Vater gesehen habe.
„Seit ich gekommen bin, habe ich dich nicht gesehen", fährt Potter mit einer untypisch leisen und ernsten Stimme fort. „Narzissa hat offensichtlich nicht geglaubt, dass es an der Zeit ist, dass wir miteinander sprechen."
Narzissa. Schon nennt er meine Mutter bei ihrem Vornamen. Ich spüre dabei etwas Seltsames in meinem Magen, aber ich entspanne mich, als ich mich an das erinnere, was meine Mutter mir über Potter und seine Muggelverwandten erzählt hat. Was auch immer ich von ihm halte, die Tatsache, dass er ein reinblütiger Zauberer ist, bleibt. Keiner sollte so behandelt werden.
„Was machst du?", frage ich, statt auf seine Worte einzugehen.
„Ich lese", erwidert Potter ruhig, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. „Ich genieße die Stille und die Wärme des Feuers. Mir gefällt deine Bibliothek sehr, Draco."
„Mein Ur-Großvater hat sie gebaut", sage ich ehe ich weiß, was ich da tue. Der Ruhm der Malfoy Familie. „Worüber liest du?"
„Über Rituale", antwortet Potter ohne zu blinzeln. Ich jedoch fühle mich dazu gezwungen. Er liest über... was? „T... Meister hat es mir empfohlen. Dieses Buch ist sehr gut, weißt du. Es ist ziemlich gründlich. Und sehr präzise, wenn es um die Anweisungen zur Vorbereitung geht."
Meister? Dunkle Rituale? Ich glaube, ich spinne. Mir geht es sicherlich nicht gut. Vielleicht habe ich hohes Fieber.
„Setz dich, Draco", sagt Potter. Seine Worte hören sich an, als kämen sie aus der Ferne. „Erzähle mir über deine Familie."
„Potter", knurre ich, reiße mich aber zusammen, sobald ich den Ausdruck in seinem Gesicht bemerke. Da blitzt etwas in den Tiefen dieser grünen Augen auf. „Antworte auf eine meiner Fragen und ich werde eine von deinen beantworten."
Potter wirkt nachdenklich. Schließlich neigt er den Kopf zur Seite und nickt.
„Klingt fair", meint er. „Schön. Wie lautet deine Frage?"
„Ist es wahr... dass er zurück ist?", frage ich zögernd.
„Voldemort?", fragt Potter gleichgültig. Der Name ist wie eine Messerklinge die meinen Magen durchschneidet und ich zucke zusammen. Potter lächelt selbstgefällig und nickt.
„Seine Seele bewohnt momentan eine Schlange und Wurmschwanz wird sie bald nach England bringen. Dann werden wir ein Ritual durchführen können, das dem Zweck dient, ihm einen neuen Körper zu erschaffen. Es ist so eine Art Auferstehung."
Ich starre ihm, während er spricht, direkt in die Augen und mir kommt der Anblick von seinem Gesicht verschwommen vor, als ich zu verdauen versuche, was er gerade gesagt hat.
„Und du hast vor, ihm dabei zu helfen?", frage ich schließlich.
„Das sind zwei Fragen", Potter unterbricht mich. Ich verenge die Augen. „Du hast es versprochen, komm schon. Kannst du dich nicht an dein Versprechen halten?"
Ich schlucke meine Wut herunter und senke zähneknirschend den Blick.
„Schön", zische ich. „Schieß los."
„Gefällt dir die dunkle Magie?", fragt Potter ruhig.
Ich schaue so schnell auf, dass es wehtut. Was soll das?
„Wie bitte?", platzt es aus mir.
„Deine Familie hat eine lange Geschichte, und die Mehrheit der Mitglieder hat sich in den dunklen Künsten versucht", fährt Potter ruhig fort. Ist er verrückt geworden? Er spricht so ruhig mit mir, als wären wir beste Freunde. „Natürlich würde man sie dir beibringen. Aber die Frage lautet – gefällt dir die dunkle Magie?"
„In welchem Sinne?", frage ich nach einer Pause.
„Oh, Draco, komm schon, du kannst es mir sagen, ich werde deinem Vater nicht davon erzählen", sagt Potter mit einem breiten Lächeln, das mir fremd vorkommt. Habe ich je gesehen, dass Potter gelächelt, ehrlich gelächelt, hat? „Ich werde dir sagen, was ich darüber denke."
„Ich bin wirklich darauf gespannt", murmele ich, dankbar dafür, dass er wenigstens mit dem Verhör aufgehört hat.
Potter schaut nach oben und seine Lippen strecken sich zu einem wahnsinnigen Lächeln.
„Als ich sie zum ersten Mal ausprobiert habe, habe ich mich so gut wie nie gefühlt", sagt er verträumt. „Nicht, dass ich viele Gelegenheiten hatte, dank Dumbledore, mich gut oder glücklich zu fühlen. Ich habe einen dunklen Kern, weißt du."
Er wirft mir einen Blick zu und nickt. Ich kann mich nicht von der Stelle rühren und starre ihn fassungslos an. Harry Potter, der Junge der lebt, spricht von seinen Ansichten über die dunkle Magie. Mir geht es sicherlich nicht gut. Ich fahre mit der Hand über meine Stirn, halb erwartend, dass sie heiß ist, aber meine Haut fühlt sich normal an. Seltsam.
„Und so habe ich endlich die Art von Magie gefunden, die meinem Kern entspricht", fährt er fort ehe ich die Chance habe, meine Gedanken zu ordnen. „Sie ist berauschend; und seitdem fühle ich mich lebendig. Mir ist klar, warum sie verboten ist, aber zur gleichen Zeit weiß ich, dass ich eine neue Welt entdeckt habe und ich möchte so viel wie möglich darüber lernen."
„Du bist süchtig", spreche ich meine Gedanken laut aus. Potter lacht. Da stimmt was mit seinem Gelächter nicht. Sollte es sich so anhören, wenn man lacht? Nein, da stimmt was nicht.
„Natürlich", sagt er und zwinkert mir zu. Er hat mir zugezwinkert. Da stimmt was nicht. Oh lieber Merlin, meine Gedanken bewegen sich im Kreis. „Aber es wird nicht lange dauern, bis ich lerne, mich zu kontrollieren. Bis dahin habe ich Tom, den Sklaventreiber. Er ist ein sehr guter Lehrer. Aus diesem Grund freue ich mich wahnsinnig darauf, Lord Voldemort kennenlernen zu können. Er ist sicherlich ein faszinierender Mann."
„Wahnsinnig, ja", murmele ich und kratze mich am Kopf. Oh nein, ich habe meine Frisur verdorben. „Potter... ich meine, Harry..." Ich kann mich nicht zusammen reißen, als sich diese grünen, wahnsinnigen Augen in meine bohren. Ich seufze. „Ist dir klar, dass du wahnsinnig klingst?"
„Warum wahnsinnig?" fragt Potter ruhig und nimmt einen Schluck von seinem Tee. „Ich bin wahnsinnig FROH, dass ich endlich etwas gefunden habe, was sich richtig anfühlt. Solltest du dich nicht auch freuen, dass ich den dunklen Lord unterstütze und ihm dabei helfen werde, wieder zu Kräften zu kommen?"
Mir entgeht nicht, dass er ihn endlich so genannt hat, wie man ihn nennen sollte. Und das schon wieder, ohne zu blinzeln.
„Du? Was wirst du tun?", frage ich mit einem hämischen Lächeln.
„Die wichtigste Zutat dieses Rituals, das ihm helfen wird, seinen alten Körper zu erschaffen, ist mein Blut", sagt Potter und zwinkert mir wieder zu. Hör auf damit! Ich habe noch nie etwas so Unangenehmes gesehen, wie einen Potter, der mir zuzwinkert. Es ist einfach entsetzlich.
„Blut?", wiederhole ich. Dann seufze ich. „Also wird er dich töten."
„Möglich", sagt Potter und lächelt mysteriös, wieder an seinem Tee nippend. „Aber wir werden warten müssen, um zu sehen, was er wirklich tut."
Ich bin sprachlos. Hat er keinerlei Angst? Er wird hier rumhocken und darauf warten, dass der dunkle Lord ihm den Hals umdreht und das Blut aus ihm herauspresst wie aus einer Limone? Er ist tatsächlich wahnsinnig.
„Du spinnst und ich werde jetzt gehen", sage ich aufstehend.
„In Ordnung", sagt Potter und nimmt wieder sein Buch in Hand. Mir stockt der Atem, als ich den Titel lese. Aber Potter öffnet es ohne zu blinzeln und fährt mit dem Lesen fort. Ich schüttele den Kopf und wende mich zum Gehen.
„Wir sehen uns wieder, Draco", murmelt mir Potter hinterher.
/Harrys Sicht
So bald Draco weg ist, gluckse ich. Das wird heiter. Auf einmal finde ich Draco äußerst lustig, wenn er so verwirrt ist und ich weiß, dass ich ihn aus der Bahn geworfen habe. Ich sehe ihn jetzt in einem vollkommen anderen Licht. Er ist nur ein verwirrter Junge, der die dunkle Magie nicht mag, die aber ein Teil von seiner Erbschaft ist und seine Familie erwartet und verlangt von ihm, die dunkle Magie zu lernen. Oder wenigstens die Grundlagen. Falls ich in solch einer Familie aufgewachsen wäre, würde auch mir die dunkle Magie nicht gefallen? Nein, das ist dumm. Ich spüre die natürliche Neigung zu ihr und nichts und niemand kann das ändern. Ich frage mich vage, ob Draco einen dunklen magischen Kern hat. Auf einmal spüre ich den Drang, mit Tom darüber zu sprechen, also öffne ich sein Tagebuch.
„Gibt es Neuigkeiten?", fragt er, so bald er auftaucht.
Ich hebe meine Augenbraue. Auf einmal ist mir klargeworden, wie egoistisch ich mich benommen habe. Ich wollte etwas mit ihm besprechen, also habe ich das Tagebuch geöffnet. Tom wiederum ist um Voldemort besorgt und will wissen, was da vor sich geht, ob ich mehr Visionen erhalten habe. Es ist ziemlich praktisch, einen Freund zu haben, den man herbeirufen kann, wenn man ihn braucht. Aber zur gleichen Zeit habe ich vergessen, dass er auch ein Mensch ist. Nun ja... fast einer.
„Nein", sage ich ein wenig verwirrt. „Ich weiß nichts mehr."
„Du könntest meditieren, um eine Vision hervorzurufen", sagt Tom und klingt dabei enttäuscht.
„Nun...", fange ich an, halte aber inne. Tom ist tatsächlich besorgt und ich kann das gut verstehen. Ich selbst bin bei der bloßen Vorstellung von Voldemorts Rückkehr sehr aufgeregt und ich kann es kaum abwarten, dass er herkommt. „In Ordnung. Wir können es nach dem Mittagessen tun."
„Tom, ich habe eine Frage", sage ich, als Tom sich mürrisch in einem Sessel niederlässt. „Denkst du, dass Draco einen dunklen Kern hat?"
Tom wirft mir einen halb wütenden Blick zu, als wolle er sagen: 'Bitte plage mich nicht mit solchen Nebensachen'. Aber er erinnert sich offensichtlich an seine Pflicht als mein Mentor und seufzt.
„Ohne einen Beweis können wir nichts mit Sicherheit sagen", sagt er. „Aber Lucius hat einen grauen. Also vermutlich hat er auch einen."
„Sind die dunklen Kerne so selten?" frage ich überrascht.
„Die echten dunklen Kerne sind selten, ja", sagt Tom leise. „Es ist ein Geschenk; oder wie Dumbledore sagen würde, ein Fluch."
Ich schnaube und nehme wieder mein Buch in Hand. Tom wirft ihm einen Blick zu und er bleibt auf den Titel fixiert.
„Also wenn man über dunkle Rituale spricht, ist es erforderlich, dass man für die Ausführung einen dunklen Kern hat?", frage ich.
„Es ist nicht erforderlich", sagt Tom, der auf einmal sehr zufrieden aussieht. „Aber das Ergebnis des Rituals hängt in gewissem Sinne davon ab. Das heißt, wie gut das Ritual ausgeführt wird, hängt von der Macht des Magiers ab, und die Macht heißt in diesem Kontext, wie viel Neigung man zur dunklen Magie hat. Also eine Person mit einem grauen Kern wäre imstande das Ritual durchzuführen. Aber sie wäre nicht mal annähernd so erfolgreich, wie eine Person mit einem dunklen Kern. Verstehst du?"
„Ja, Meister", sage ich breit grinsend. Tom rollt mit den Augen, wirkt aber sehr zufrieden.
„Also... wird er mir erlauben, das Ritual durchzuführen?", frage ich zögernd. Ich nehme jede Veränderung auf Toms Gesicht wahr und in jenem Moment spiegelt sein Gesicht Überraschung so deutlich, wie es für ihn möglich ist.
„DU möchtest das Ritual ausführen?", fragt er ungläubig. „Du hast keine Erfahrung damit und hier handelt es sich um ein ernstes Ritual. Um eine Auferstehung sozusagen." Das habe ich vor ein paar Momenten auch gesagt.
„Wir haben noch Zeit, oder?", lasse ich nicht nach. „Wir können üben. Und außerdem hast du gerade gesagt, dass es besser wäre, wenn ich das Ritual durchführe und nicht Lucius."
Tom starrt mich ohne zu blinzeln an und lacht dann herzlich. Tom hat gelacht. Ich muss mir diesen Moment gut merken.
„Also deswegen hast du dich nach den Kernen der Malfoys erkundigt?", stellt er selbst fest. Ich zucke mich den Achseln. Eigentlich war dies nicht mein Plan gewesen, aber es hat ganz schön geklappt, oder?
„Harry, Harry", Er schüttelt den Kopf. „Du denkst wie ein dunkler Magier." Ich kann Stolz in seinen Augen sehen und ich spüre etwas Warmes in meinem Magen. „Also schön. Wir werden üben. Gib mir das Buch, ich werde ein Ritual zum Üben auswählen."
/Dracos Sicht
Ich traue meinen Ohren nicht! Ich höre dem Gespräch zu und kann meinen Ohren nicht trauen. Da packt mich jemand am Kragen und ich fahre hoch.
„Was fällt dir nur ein, Draco?", zischt mir die Stimme meines Vaters ins Ohr.
„Lass mich los", zische ich zurück, wohl wissend, dass mein Vater mich für meine Frechheit auspeitschen könnte.
Mein Vater sagt nichts dazu, schleift mich aber weiter den Korridor entlang und gibt mir einen Stoß, sodass ich durch eine Tür taumele und auf meinem Hintern lande. Er schließt die Tür leise hinter uns.
„Was hat das zu bedeuten, Lucius?", fragt Narzissas besorgte Stimme. Wir befinden uns im Salon und meine Mutter liest ein Buch. Tee und Kuchen stehen auf dem Tisch neben ihr.
„Draco hat den dunklen Lord und Harry belauscht", murmelt mein Vater. Ich sitze noch immer auf dem Boden und knirsche mit den Zähnen. „Hast du mit Harry gesprochen?"
„Ja, habe ich", sage ich knapp. „Du hast es mir erlaubt, oder?"
„Das habe ich", sagt mein Vater kalt. Er lässt sich in einem Sessel nieder und schlägt die Beine übereinander, mit einer für die Aristokraten typischen Anmut. „Ich habe dir aber nicht erlaubt, den dunklen Lord und Harry zu belauschen."
„Harry hat mir mehr erzählt, als du", protestiere ich, dem Thema vom Belauschen ausweichend. Mir ist vage klar, dass ich mich wie ein Kind benehme, aber das Ganze ist so verwirrend und so schockierend, dass ich mich noch nicht zusammen gerissen habe.
„Und er ist übergeschnappt", fahre ich fort. Mein Vater reagiert nicht, starrt mich stattdessen wortlos an. „Wahnsinnig geworden. Er hat nicht alle Tassen im Schrank. Er ist vollkommen durchgedreht."
„Das ist genug, Draco", sagt meine Mutter streng. Endlich spricht jemand mit mir. Na also.
„Er spricht liebevoll über die dunkle Magie und ihm ist vollkommen klar, dass der dunkle Lord... na ja, seine Seele... was auch immer... ihn höchstwahrscheinlich töten wird, aber ihm ist es egal", sage ich schnell.
Die beiden schweigen und meine Mutter wirft meinem Vater einen vielsagenden Blick zu.
„Was habe ich verpasst?", platzt es aus mir. „Wie ist es dazu gekommen? Was ist nur los mit ihm?"
„Viellicht kannst du es nicht begreifen, weil du der dunklen Magie früh genug ausgesetzt warst", sagt mein Vater schließlich. „Aber Potter ist nicht mit der dunklen Magie aufgewachsen. Er hat einen dunklen magischen Kern, Draco. Und er hat die letzten zwei Jahre mit dem Üben der Hellmagie verbracht. Kannst du nicht verstehen, wie er sich fühlt?"
„Er hat gesagt, er fühle sich jetzt vollkommen lebendig", murmele ich, mich an unser Gespräch erinnernd.
„Genau", sagt meine Mutter. „Er hat schon genug durchgemacht – und wie ich dir gesagt habe, solltest du ihn in Ruhe lassen."
„Warum setzt du dich für ihn ein?", frage ich auf einmal. „Weil er dem dunklen Lord helfen will?"
„Das ist einer der Gründe", sagt meine Mutter scharf. „Aber Harry tut mir Leid. Und ich bin seine einzige Familie. Er ist ein reinblütiger Zauberer, er ist ein dunkler Magier und ich werde mich um ihn kümmern. Ich würde mich auch um ihn kümmern, wenn es seinen Lehrer nicht gäbe."
Und wenn meine Mutter eine Entscheidung trifft, ist die Sache damit erledigt. Sie hat dieses fanatische Funkeln in ihren Augen und mein Vater seufzt.
Sie möchte sich um Potter kümmern? Mir ist schon wieder klar, dass ich mich sehr kindisch benehme aber ich muss trotzdem die Frage stellen: „Und ich?"
Meine Mutter lächelt plötzlich und schüttelt den Kopf.
„Du bist mein Sohn, Draco", sagt sie sanft. „Nichts und niemand kann das ändern."
„Du hast ihn verwöhnt", murmelt mein Vater hinter meinem Rücken.
„Vielleicht", sagt meine Mutter, die ihr Kinn hebt. „Aber das ist das Vorrecht einer Mutter."
Wieder das. Mein Vater fährt durchs Haar, zückt seinen Stab und lässt ein Glas und eine Flasche Feuerwhiskey in seine Hand hinüber schweben. Er tut das nur, wenn meine Mutter dieses Funkeln in den Augen hat und er weiß, da gibt es nichts, was er tun kann. Er könnte sie bestrafen, er könnte sie anschreien, aber das würde nichts bringen. Und außerdem liebt und respektiert er meine Mutter zu viel, um so was zu tun.
„Und ist es wahr, dass Pettigrew mit IHM hierher kommt?", frage ich in die Stille, die im Salon herrscht. Ich knabbere an einem Keks und fixiere meinen Vater mit meinen Augen.
„Ja", sagt mein Vater nachdenklich. „Der dunkle Lord... seine Erinnerung, die du gesehen hast, hat ihn hergerufen. Und Harry hat uns erzählt, dass er sich schon auf den Weg nach England gemacht hat."
„Wie kann er das nur wissen?", platzt es aus mir.
„Wir verstehen es auch nicht", sagt meine Mutter. „Anscheinend bekommt Harry Visionen von seinem Aufenthaltsort indem er durch... seine Augen schauen kann. Harry meint, seine Narbe sei dafür verantwortlich. In jener Nacht, als er seine Eltern getötet hat, hat er unwillkürlich eine Verbindung zwischen den beiden erschaffen. Aus diesem Grund hat Harry schon seit ein paar Monaten gewusst, dass Wurmschwanz IHN gefunden hat."
„Das ist nicht dein Ernst", sage ich ungläubig. Das Gesicht meines Vaters verrät nichts. „Du kaufst ihm so was ab?"
„Wir kaufen Harry nichts ab, Draco", unterbricht mich mein Vater. Er klingt genervt und müde. „Deine Mutter und ich sind uns einig, dass wir uns um Harry kümmern werden. Falls und wenn etwas passiert, werden wir handeln. Bis dahin können wir eh nichts anderes tun, als warten."
Ich senke den Kopf und denke darüber nach. Wenn der dunkle Lord zurück wäre, wäre das... phantastisch. Ich weiß nicht, was ich darüber denken soll. Sollte ich mich darauf freuen? Oder alles in meiner Macht tun, um es zu verhindern? Was könnte ich tun? Ich bin nur ein Junge. Klar, ich bin Draco Malfoy, aber wenn es um den dunklen Lord geht, bin ich nichts und niemand.
„Falls er zurück kommt...", flüstere ich. Das blonde Haar meiner Mutter tanzt um ihr Gesicht, als sie sich in meine Richtung dreht. „Was würde das heißen?"
„Nun", murmelt mein Vater und stellt sein leeres Glas weg. „Harry ist sein Feind. Und Harry hat den Wunsch geäußert, ihm so viel wie möglich zu helfen. Wenn ich den dunklen Lord richtig verstanden habe, möchte er Harry für das Ausspionieren von Dumbledore benutzen und Harry kann es kaum abwarten. Er hat jeden Grund, den alten Mann zu hassen und er wird seine Aufgabe sicherlich gut erfüllen. Also kurz gesagt würde die dunkle Seite dieses Mal viel stärker sein, falls Harry seine Rolle als Spion gut spielt. Aber da der dunkle Lord ihm die dunkle Magie beibringt, denke ich, dass der dunkle Lord sich schon gegen einen Fehlschlag oder eine Katastrophe absichert hat."
„Oh Mann", murmele ich. Mein Vater lächelt flüchtig und nimmt wieder die Flasche in Hand.
„Ja, genau", murmelt er. Da gibt es etwas Seltsames in seiner Stimme. Angst? Aufregung? Oder Sorge? „Genau, Draco. Wir müssen uns gut um Harry kümmern, denn er scheint der Schlüssel zu sein. Dumbledore hat seine Chance verpasst und der Junge möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Der alte Mann hat sein eigenes Grab geschaufelt."
Er lacht laut auf. Offensichtlich gefällt ihm dieser Gedanke und ich stimme zu.
