Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.
Cassie
„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."
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Kapitel 14 – Verrückter TagMeine neue beste Freundin, Hermine Granger. Wenigstens wird sie mir keine dummen Fragen stellen und mich in Ruhe lassen. Und ganz ehrlich genieße ich ihre Gesellschaft. Zum ersten Mal kann ich Hermine wirklich gut verstehen und warum sie genau das tut, was sie tut. Warum ihre Notizen so ordentlich sind. Warum sie in die Bibliothek geht und stundenlang hinter einer Buchpyramide steckt. Warum sie jeden Moment ausnutzt, um etwas zu lernen. Sie lernt, weil es sie glücklich macht und weil sie nicht anders kann. Und aus dem gleichen Grund lerne ich die dunkle Magie. Ich kann nicht anders und kann ihr nicht widerstehen. Und wenn ihr denkt, dass Tom mir nur die dunkle Magie beibringt und darauf besteht, liegt ihr falsch. Denn das, was ich über die dunkle Magie gelernt habe, hat mir geholfen, die Hellmagie besser zu verstehen. Nicht nur die Zauber auswendig zu lernen, sondern die Magie und die Theorie, die dahinter stecken, wirklich zu verstehen. Denn das, was ein dunkler Magier besitzen muss, ist Vorstellungskraft und einen stahlharten Willen. Es ist die Absicht, die hinter einem Zauber steckt und auch wenn man nicht den Spruch und die Handbewegungen kennt, ist es möglich, den Zauber durchzuführen. Auf gleiche Weise funktioniert die stablose Magie, auf die Tom besteht und mich mit tausenden Übungen quält. Denn bei der stablosen Magie gibt es keine speziellen Handbewegungen und auch keine Sprüche. Man bewirkt alles mit seinem Willen und mit einer klaren Absicht. Natürlich ist es höllisch schwierig und nicht jeder ist zur stablosen Magie fähig. Für solche Menschen, die zu so was nicht fähig sind, wurden also all diese Sprüche und Handbewegungen erfunden, damit sie ihren Willen fokussieren können. Aber man hat mir nie davon erzählt. Man hat uns nie in der Schule gesagt, dass es auch einen anderen Weg gibt, wie man Zaubern kann. Denn man geht davon aus, dass keiner von uns zur stablosen Magie fähig ist. Vielleicht weil die Erklärung hinter dieser Tatsache schwarzmagisch klingt? Würde mich überhaupt nicht wundern.
Die wahre Bedeutung der Tatsache, dass ich zurück in Hogwarts bin, wird mir schon am ersten Schultag klar. Denn die Schule wimmelt von Menschen und auf einmal gefällt mir all dieser Lärm nicht. Ich sehne mich nach meinem Zimmer im Malfoy Manor und nach meinen Büchern... ich sehne mich auch nach Tom und seinem Unterricht, auch wenn er mich stundenlang mit stabloser Magie quält. Wohin auch immer ich gucke, kann ich gaffende Menschen sehen, die mir auf die Nerven gehen. Vielleicht könnte ich...
„Hallo, Harry!", ruft eine begeisterte Stimme hinter mir. Hermine. Mein Retter. Ich lächele breit.
„Hallo, Hermine", sage ich leise. Sie hakt sich bei mir ein und zerrt mich vom Fenster weg.
„Ignoriere sie", sagt sie und hebt das Kinn, als wir an einer Gruppe Hufflepuffs vorbei kommen, die mich schamlos angaffen. Ich bekomme den Drang, sie darüber zu informieren, dass ihre Münder weit offen sind, aber ich widerstehe dieser Versuchung und fluche in meinen Bart.
„Treffen wir uns in der Bibliothek nach dem Mittagessen?", fragt Hermine. Ihr Haar riecht nach Blumen. „Die anderen haben 'Pflege magischer Geschöpfe' und wir haben zwei freie Stunden."
„Ja", sage ich begeistert. Endlich etwas Ruhe. Ihr Haar weht hinter ihr her. „Hermine, warum trägst du keinen Pferdeschwanz?" Sie wirft mir einen überraschten Blick zu. „Ich denke, ich werde den Pferdeschwanz immer tragen. Es gefällt mir so. Es ist sehr praktisch, weißt du."
„Hat Malfoy... ich mein, Draco... dir etwa Ratschläge gegeben?", fragt sie.
„Nein, ich bin selber zu diesem Schluss gekommen", sage ich.
Snape kommt an uns vorbei und versucht mit aller Kraft, in die Ferne zu schauen. Und ich weiß sehr gut, warum.
„Was ist bloß in ihn gefahren?", flüstert Hermine, sich über die Schulter schauend. „Er ist schlimmer denn je."
„Er hasst den ersten Schultag, wette ich", murmele ich mit Überzeugung. Denn ich hasse ihn auch. „Ich habe mich so an die Stille von Malfoy Manor gewöhnt und all dieser Krach ist wie eine Überraschung. Eine unangenehme Überraschung."
„Oh, ich weiß", sagt Hermine finster. Hermine stimmt mir zu? „Man würde denken, sie haben überhaupt nichts zu tun, außer zu schreien und laut zu lachen. Man würde denken, dass dies überhaupt keine Schule ist, sondern ein Kindergarten."
„Dich stört es auch?", frage ich ungläubig.
„Natürlich!", sagt sie laut. Sie schaut sich verächtlich um. „Sie sind alle besonders. Sie alle sind Zauberer und Hexen. Weißt du, was das heißt? Auf der einen Seite gibt es nur ein paar Tausend von Zauberern und Hexen in Großbritannien und auf der anderen Seite Millionen von Muggeln. Man würde denken, sie wären für ihre Magie dankbar, aber nein. Stattdessen scheint der Sinn ihres Lebens das Kartenspielen, Streiche zu spielen, sich den ganzen Tag lang schön zu machen und tratschen zu sein. Ich denke, dass sie ihre Zukunft wegwerfen, dass sie arrogant sind und dass sie ihre Lehrer nicht genug respektieren um genau das zu tun, was man ihnen sagt."
Sie atmet tief durch und ich grinse sie an. Ich küsse sie auf die Wange und sie wird purpurrot. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat.
„Endlich sind wir uns in etwas einig", sage ich glücklich. „Sitzen wir zusammen in Verwandlung?"
„Natürlich", sagt sie. Sie ist noch immer rot im Gesicht.
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Warnungen, ein bisschen interessante, aber schon beherrschte Theorie und ein langweiliger Zauber. Wer würde sich je wünschen, sich das Haar blau zaubern zu können?
Die erste Regel der dunklen Rituale. Absicht. Man muss genau wissen, was man mit dem Ritual bewirken will, und das bezieht sich nicht nur auf die Handbewegungen, Sprüche oder so was. Zweite Regel der dunklen Rituale. Wille. Man bewirkt alles mit dem Willen. Denn auch wenn man etwas vergisst, weiß die Magie selbst, was man bewirken will, weil man sich die ganze Zeit das Ergebnis vor dem geistigen Auge vorstellt und in diese Richtung arbeitet. Dritte Regel. Keine Angst. Auch wenn etwas schiefgeht, oder nicht in eine bestimmte Richtung geht, darf man keine Angst haben. Das ist insbesondere bei den Dämonenbeschwörungen wichtig. Denn falls ein Dämon spürt, dass der Magier Angst vor ihm hat, ist man verloren. Man muss Autorität und Macht zeigen, sodass der Dämon einem gehorcht und ihn fürchtet.
„Mr Potter?", höre ich eine Stimme aus der Ferne. McGonagalls Gesicht steht im Vordergrund und ich zucke zusammen. Wie ist die Frau hierher gekommen? Vor ein paar Sekunden war sie noch bei ihrem Schreibtisch.
„Entschuldigung", sage ich leise.
„Sie haben den Zauber nicht ausprobiert, Mr Potter", sagt sie mit einer sanften Stimme. „Geht es Ihnen nicht gut?"
„Mir geht es gut", murmele ich und richte meinen Phönixstab auf meinen Kopf. Der Zauber ist wirklich dumm. Aber wenigstens ist mein Haar jetzt blau und McGonagall ist zufrieden, also wird sie mich in Ruhe lasen.
„Sehr gut, Mr Potter", sagt sie und nickt. Sie geht weiter und ich schüttele den Kopf. Aus dem Augenwinkel kann ich Draco sehen, der mich seltsam anschaut. Sehe ich etwa Angst in seinem Gesicht? Er blickt schnell weg und rollt mit den Augen, als Pansy versucht, sein Haar wieder zu färben. Das wird ein langer Tag werden.
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Den ganzen Tag lang bin ich geistig abwesend und wünsche mir etwas herbei, aber ich weiß nicht genau was. Ich habe erst gedacht, dass ich Hunger habe, aber das Mittagessen hat nicht geholfen. Die Stille der Bibliothek hat eine gute Wirkung auf mich, aber sie kommt mir ein wenig leer vor. Als fehle da etwas. Nur was?
Als ich schlafen gehe, komme ich zu dem Schluss, dass ich trotz allem hellwach bin. Es trommelt in meinen Ohren und ich kann kein Auge zumachen. Stattdessen klebe ich die Vorhänge um mein Bett zu und ziehe Toms Tagebuch hervor. So bald er auftaucht, schaut er sich um und rümpft die Nase.
„Also Hogwarts", sagt er und seufzt. Er runzelt die Stirn. „Hast du...?"
„Ja, ich hab sie mit einem Klebezauber geklebt", unterbreche ich ihn ungeduldig. „Ich fühle mich unwohl. Quicklebendig."
„Ach ja?", fragt Tom. „Diese Wirkung hat also Hellmagie auf dich."
„Wie bitte?", frage ich überrascht.
„Nun ja, das Schloss trieft vor Hellmagie", meint er achselzuckend. „Und du bist ein dunkler Magier. Was hast du wohl erwartet?"
„Und so werde ich mich immer fühlen, wenn ich hier bin?", frage ich panisch.
„Nun ja, wenn du ein wenig dunkle Magie übst, würdest du dich sicherlich besser fühlen. Aber keine Sorge, das wird nur so lange dauern, bis du die Sucht überwindest. Wenn du dich daran gewöhnst, wird es keinerlei Wirkung auf dich haben. Vermutlich nur noch, wenn du in der Gegenwart eines mächtigen Hellmagiers bist."
„Na krass", murmele ich. Ich widerstehe dem Drang, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen.
„Du kannst morgen zur Kammer gehen und wir können mit dem Unterricht weiter machen", schlägt Tom vor.
„Oh ja", sage ich begeistert. „Das würde mich sehr, sehr freuen."
„Dachte ich mir schon", sagt Tom und lächelt hämisch. „Geh schlafen, mein Schüler. Es ist schon ziemlich spät."
Ich schließe meine Augen und wälze mich im Bett hin und her, bis ich endlich gegen vier Uhr einschlafe. Als ich meine Augen wieder öffne, stimmt da was nicht. Es ist noch immer stockdunkel. Na toll, ich bin wach und es ist noch immer Nacht. Wie werde ich wieder einschlafen? Einmal war es schwer genug. Als ich nach meinem Stab greife, um einen Tempuszauber zu benutzen, pralle ich gegen etwas Glattes und Kühles und fahre hoch. Da starren mich zwei riesige, gelbe Augen im schwachen Mondlicht an, die mir vorkommen, als schweben sie in der Luft.
„Was zum...? Lumos!", zische ich, außer mir vor Panik. Das Licht, das an der Spitze meines Stabs erscheint, erleuchtet den Besitzer dieser erschreckenden, gelben Augen. Es ist eine Schlange. Eine riesige Schlange, um genauer zu sein, die teilweise auf mir zusammengerollt liegt und mich angafft.
Ok, also gibt eine riesige, schwarze Schlange, die mich mit einem Bissen auffressen kann, in meinem Bett und sie gafft mich wortlos an. Träume ich? Warum würde ich von einer Schlange träumen? Was würde Herr Freud aus einem solchen Traum wohl machen? Sie fühlt sich aber ziemlich real an. Sie ist kalt und schwer, obwohl die Hälfte ihres Körpers auf dem Bett neben mir liegt. Ich zwicke mich in den Arm und es tut weh.
~„Du, kleiner Junge"~, zischt die Schlange und flackert dabei mit einer riesigen Zunge. ~„Du weiß etwas über meinen Meister."~
Ein paar Momente vergehen, bis mir klar wird, dass ich sie verstehe. Aber natürlich. Ich bin ein Schlangensprecher. Wie oft vergesse ich diese Tatsache?
~„Über wen?"~, frage ich leise. Hoffentlich hält der Klebezauber noch.
~„Meinen Meister, Junge. Den dunklen Lord"~, wiederholt die Schlange.
~„Ach so"~, sage ich und atme erleichtert aus. Sie ist also Toms Schlange. Moment mal... ~„Was tust du in meinem Bett? Und woher weißt du überhaupt, dass ich etwas über ihn weiß?"~
~„Ich weiß es einfach"~, zischt die Schlange ungeduldig. ~„Raus mit der Sprache." ~
~„Du bist seine Schlange?"~, frage ich und versuche, mich aufzusetzen. Es ist unmöglich, weil die Schlange vermutlich eine Tonne wiegt. Mein Magen tut weh.
~„Ich bin seine Gefährtin"~, erwidert die Schlange und hebt ungeduldig den Schwanz.
~„Verstehe"~, sage ich und stöhne. ~„Hör mal, ich werde dir von ihm erzählen, aber du musst dich auf das Bett legen. Denn ich kann nicht atmen."~
Die Schlange zischt etwas, das ich nicht verstanden habe – können Schlangen fluchen? – gleitet aber zur Seite und ich atme erleichtert aus.
~„Viel besser"~, sage ich und fahre mir durchs Haar. ~„Wie bist du hergekommen?"~
~„Weißt du, oder weißt du nichts über ihn?"~, verlangt die Schlange zu wissen.
~„Ich weiß etwas, ok? Ich werde es dir erzählen, verdammt noch mal!"~, platzt es aus mir.
Erst die Gryffindors, dann die Sucht, dann Schlaflosigkeit und letztendlich, als ich endlich einschlafe, weckt mich eine riesige und ziemlich freche Schlange, die allem Anschein nach Tom gehört und ihn anhimmelt. Ganz der Besitzer, was? Und ich habe gedacht, dass das Leben in Hogwarts langweilig sein würde. Wie dumm von mir. Ich bin Harry Potter und ich bin ein Magnet für Schwierigkeiten. Ich habe die Fähigkeit, auch, zum Beispiel, ein unschuldig aussehendes Abendessen in einem Restaurant in ein Drama in vierzehn Akten zu verwandeln.
~„Du möchtest mit ihm sprechen?"~, zische ich wütend. ~„Da hast du ihn!"~
Ich öffne das Tagebuch und ein gereizter Tom taucht auf. Er hält aber inne, als er die Schlange erblickt. Die Schlange beschnüffelt die Luft und ihre Augen blitzen auf.
~„Du riechst nach meinem Meister"~, murmelt sie, den Kopf hin und her bewegend. ~„Und du ähnelst ihm. Aber bist du mein Meister?"~
~„Auf eine ganz verrückte Weise, ja"~, erwidert Tom aufgeregt. ~„Nagini."~ Nagini ist also ihr Name?
~„Ich bin entzückt"~, sage ich und lasse mich wieder auf das Kissen fallen. ~„Ihr könnt meinetwegen ein Familientreffen abhalten. Ich muss schlafen."~
Ich fühle mich erschöpft und wütend. Als ich langsam einschlafe, kann ich noch immer die zischenden Stimmen von Tom und Nagini hören. Aber als der Wecker mich aufweckt, liegt nur Toms Tagebuch auf dem Kissen bei mir und Nagini ist weg. Merlin sei Dank.
Ich fühle mich noch schlimmer als gestern. Ich werfe ständig Blicke auf die Uhr an der Wand und erdulde Hermines Kommentare zu meiner Frisur und meinem Aussehen im Allgemeinen.
„Ich konnte nicht schlafen, in Ordnung?", sage ich knapp, als sie ihren Mund aufmacht und mir einen besorgten und mitleidsvollen Blick zuwirft. „Hat sicherlich etwas mit der Tatsache zu tun, dass ich jetzt wieder in einem Raum mit so vielen Jungen schlafe. Ron hat geschnarcht und es hat sich angehört, als gäbe es ein Sägewerk im Schlafsaal... Seamus hat von einem Fußballspiel geträumt und hat die ganze Nacht lang die Fußballspieler angespornt... und ich könnte schwören, dass die Eulen da oben eine Party gemacht haben. Und heute geht mir alles auf die Nerven, also bitte."
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Als es Zeit für das Mittagessen ist, packe ich erleichtert meine Sachen und mache mich zusammen mit einer schweigenden Hermine auf den Weg in die große Halle.
„Harry?", ruft eine Stimme hinter mir. Ich drehe mich um. Ach, nein. Dumbledore. Na toll. Vor zwei Tagen wollte ich ihn dringend sprechen, jetzt aber wünsche ich mir, ich könnte ihn einfach mit meinem Stab verschwinden lassen. Wenn es nur so leicht wäre...
„Kannst du heute Abend in mein Büro kommen?", fragt er lächelnd. „Ich denke, wir haben ein paar Sachen zu besprechen."
„Natürlich, Sir", sage ich höflich und drehe mich um.
„Heute schmecken mir die Mars Schokoladenriegel außerordentlich gut", murmelt er mir ins Ohr.
Also das ist das Passwort. Ich widerstehe dem Drang, mit den Augen zu rollen, lächele ihn stattdessen höflich an, nicke und folge Hermine zum Gryffindortisch. Dieser Tag wird nie enden. Eigentlich ist das Mittagessen der langweiligste Punkt auf meinem Stundenplan, also sollte ich es genießen. Ich bilde eine Pyramide aus Kartoffeln und beginne langsam zu essen. Genieße deine Ruhe, so lange du sie noch hast, denke ich. Hermine hat sich an ihr Versprechen gehalten. Sie spricht mich nur an, wenn sie etwas sehr Wichtiges zu sagen hat und ich bin ihr dafür äußerst dankbar. Also habe ich mich in meiner Einschätzung bezüglich Hermine ganz schön geirrt. Alleine kann ich nicht durch die Schule laufen, denn alle würden denken, dass ich entweder ganz verrückt bin, oder was angestellt habe. Wie dem auch sei, es ist eine schlechte Sache in Hogwarts keine Freunde zu haben. Klar, manche denken schon, dass Hermine und ich zusammen sind, aber das ist mir egal. Die Menschen, die zu viel Zeit haben, werden eh immer über etwas tratschen müssen, also ist es überhaupt nicht schwer, sich etwas auszudenken.
Ich genieße mit halb geschlossenen Augen den Schockladenpudding, als ein Klirren ertönt. Ich lasse den Löffel fallen und blicke auf meinen Teller hinunter. Da gibt es aber keinen Schockladenpudding mehr, denn eine riesige Eule steht auf dem Teller, die, so bald ich auf sie hinunter schaue, ihr Bein ausstreckt.
„NA TOLL! WUNDERBAR!", schreie ich aufgebracht. „Verdirb auch mein Mittagessen, warum nicht? Warum isst du nicht noch meinen Pudding, jetzt da du schon auf ihm sitzt? Du kleiner, nerviger, fedriger IDIOT!"
Hermine schaut mich schockiert an und auch die anderen verstummen und gaffen mich an. Aber ich bemerke nichts um mich herum. Mir trommelt es vor Wut in den Ohren.
Ich schnappe mir den Brief und blicke auf das Papier hinunter. Da steht nichts darauf. Ich schnaube wütend und lasse die Überreste meines Puddings verschwinden. Aber als ich vorhabe, das Stück Papier wütend zu zerknüllen, erscheinen drei Worte darauf: „Nenne deinen Namen."
Ich halte inne. Das ist ein Zauber. Ich habe schon von so was gehört. Damit vergewissert man sich, dass nur die Person, an die der Brief adressiert ist, ihn lesen kann. Wer würde mir schreiben? Narzissa? Voldemort? Ich kenne sonst niemanden in der Zauberwelt und ich kann mir nicht vorstellen, dass Ms Weasley solch einen Zauber benutzen würde. Sie würde mir einfach einen Brief schicken. Nein, hier geht es um jemanden, der nicht möchte, dass irgendjemand außer mir diesen Brief liest. Eine Welle von Aufregung durchströmt mich. Ich stopfe den Brief in meine Tasche und setze mich wieder an den Tisch.
„Was ist, Harry?", fragt Hermine besorgt. „Wer schreibt dir?"
„Niemand", murmele ich. „Da steht nichts auf dem Brief. Es ist sicherlich ein Streich. Und heute bin ich wirklich in keiner Laune dafür. Vielleicht kann Dumbledore das Papier untersuchen und mir sagen, wer den Brief abgeschickt hat."
„Gute Idee", meint Hermine und nickt. „Komm mit mir nach Zaubertränke zum See. Das Wetter ist echt schön und da werden wir unsere Ruhe haben. Wir können lesen."
„Ich muss zu Dumbledore und ich weiß nicht, wie lange es dauert", meine ich. „Und ich muss etwas in der Bibliothek nachschlagen."
Hermine nickt und wirkt ein wenig enttäuscht, aber zur gleichen Zeit zufrieden, dass ich dieses Jahr meine Studien so ernst nehme. Ron wiederum habe ich seit ich angekommen bin keines Blickes gewürdigt. Der Junge ist mir total egal. Ich bin mir bewusst, dass er mich manchmal anstarrt, aber es ist nicht meine Sache. Für mich ist dieses Kapitel beendet. Er hat mich verraten und solch einen Freund brauche ich nicht. Außerdem würde er mich ständig mit seinen Kommentaren zu den Malfoys und Narzissa nerven und jetzt habe ich wenigstens eine Freundin, die mich nicht ständig zur Rede stellt und nicht behauptet, dass ich der Inbegriff des Bösen bin, weil Narzissa mein Vormund ist. Dieses Jahr habe ich keine Zeit für Menschen, deren Sinn des Lebens darin liegt, 'sich auszuruhen und Karten zu spielen'.
Ich entschuldige mich bei Hermine und eile ins Klo, um den Brief zu lesen. Ein paar Sekunden später stehe ich alleine mit dem Brief in einer und meinem Stab in der anderen Hand in einer Toilette und nenne leise meinen Namen.
„Hallo, Harry,
Hoffentlich ist mein Brief angekommen und du liest ihn gerade. Ich war sehr vorsichtig, wie angewiesen. Ich kann sehr gut verstehen, warum du nicht möchtest, dass Dumbledore den Brief liest, außer der Tatsache, dass er mich auf diese Weise finden und wieder nach Azkaban schicken könnte.
Hör mal, ich kann auch sehr gut verstehen, dass du nicht mit mir reden möchtest. Schließlich bin ich dein Pate und ich bin in Azkaban gelandet, gerade als du jemanden gebraucht hast, der sich um dich kümmern würde. Und ich schwöre bei allem was mir heilig ist, ich hatte keine Ahnung. Ich habe vor ein paar Monaten nur erfahren, dass du bei deinen Muggelverwandten pennst, ich habe davon im Propheten gelesen. Ich hatte keine Ahnung. Ich habe gewusst, dass Dumbledore mich brennend nach Azkaban schicken wollte, weswegen er verlangt hat, dass ich keine Verhandlung beim Ministerium bekomme. Ich habe jahrelang darüber nachgedacht und konnte einfach nicht begreifen, warum er mich loswerden wollte. Er hat gewusst, dass ich unschuldig bin. Nun... das ist eine sehr lange Geschichte und ich möchte dir persönlich davon erzählen.
Aber zurück zum Thema. Sobald ich davon gehört habe, wo du wohnst und wer sich um dich kümmert, habe ich gewusst, dass es keinesfalls eine gute Sache ist. Denn ich bin dein Pate und ich hätte mich um dich kümmern sollen. Und auch ein guter Freund von deinem Vater, Remus Lupin, hätte sich anstatt mir um dich kümmern sollen. Aber du bist bei diesen Muggeln gelandet und ich habe mich gefragt, warum. Ich bin geflohen und ich denke nicht, dass die Wächter es noch mitbekommen haben... eine lange Geschichte. Lieber Merlin, ich habe vergessen, wie man schreibt! Hoffentlich kannst du meinen Brief trotzdem lesen. Hör mal, Harry. Ich weiß, dass es keine Entschuldigung ist, aber ich war in Azkaban und habe gedacht, dass du bei Remus bist. Oder bei Andromeda. Aber stattdessen erfahre ich, dass du bei Lilys Schwester bist, die Lily und Magie mit ganzem Herzen gehasst hat, und der Gedanke an sich war genug, um mir die Kraft zu geben, zu fliehen.
Ich habe so viele Fragen... ich habe dir so viel zu sagen... und mir geht es nicht sonderlich gut. Es wird eine Weile dauern, bis ich mich wieder an diese Welt gewöhne... Mir gefallen dunkle Orte, wo ich meine Ruhe haben kann. Und im Übrigen war ich sehr überrascht, dich in der Nokturngasse zu treffen. Narzissa kümmert sich also um dich... Nun, ihr vertraue ich ja, ihrem Mann aber nicht. Ich möchte dir so viel sagen... Kannst du irgendwie Hogwarts verlassen, sodass wir uns treffen können? Bitte denke darüber nach.
P.S. Und falls du dich entscheidest, dass du dich mit mir treffen willst, könntest du mir ein wenig Käse bringen? Du hast keine Ahnung, wie sehr ich mich nach Käse sehne.
Dein Pate,
Sirius Black"
Das Papier ist an Stellen zerrissen, an Stellen gibt es Tintenflecken und Fingerabdrücke und die Handschrift ähnelt der von Dudley. Hat Mr Black den Brief mit seinem Fuß geschrieben? Denn so kommt es mir vor. Ich lese den Brief dreimal durch und lache herzlich. Der Mann ist vollkommen und total übergeschnappt. Aber er klingt interessant. Und außerdem ist er ein Black und weiß, allem Anschein nach – obwohl mir das Ganze noch immer schleierhaft ist – etwas über meinen Vater und meine Mutter. Nun, alleine aus diesem Grund würde es sich lohnen, mich mit ihm zu treffen. Ich werde eine Antwort verfassen und ich muss diesen Zauber lernen, wie man einen Brief schützt – werde Tom danach fragen – nachdem ich mich mit Dumbledore getroffen habe.
Als ich mit Hermine – die mich argwöhnisch nach einem so langen Ausflug ins Männerklo mustert – in Richtung Kerker schlendere, pocht mein Kopf. Es ist schon zu spät, um zu Madame Pomfrey zu gehen, denn Snape wird jede Sekunde hier sein und ich wünsche mir, da gäbe es einen Zauber, mit dessen Hilfe man Kopfschmerzen verschwinden lassen kann. Magie kann aber leider nicht alles bewirken. Dafür gibt es Tränke und heute...
„...werden wir ein universales Schmerzmittel brauen", sagt Snape gerade und reißt mich aus den Gedanken. Er weicht noch immer meinem Blick aus. „Es ist an der Zeit, dass ihr so was alleine brauen könnt, anstatt mich oder Madame Pomfrey zu belästigen. Also, ein universales Schmerzmittel dankt seine Wirkung... ja, Miss Granger?"
„Dem Baldrian, Professor", sagt Hermine begeistert. Snape nickt gelangweilt.
„Hier gibt es also die Anweisungen", sagt er und deutet mit dem Stab auf das Brett. „Also los. Ihr habt eine Stunde."
Zu meiner Überraschung, hat Snape nichts gesagt, als ich mich zu Hermine gesetzt habe. Hat Lucius auch ihm etwas gesagt? Früher hat er keine Chance verpasst, einen bissigen Kommentar zu meiner Arbeit zu machen, jetzt aber stellt er sich so an, als existiere ich überhaupt nicht. Zudem scheint er keinen Wunsch mehr zu haben, Hermine zu schikanieren und was das Lustigste daran ist, er hat unserem Trank die beste Note gegeben.
„Was ist bloß in den Mann gefahren?", flüstert Hermine, als wir den Kerker verlassen. „Er hat nichts gesagt! Das ist das erste Mal, dass er nichts über meine Arbeit gesagt hat! Und du..." Sie schaut mich begeistert an. „Du hast dich wirklich verbessert, Harry."
„Es geht leichter, wenn er nicht hinter mir steht und jede Gelegenheit ausnutzt, mich mit Beleidigungen aus der Bahn zu werfen", erwidere ich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Snapes Benehmen mit dem dunklen Lord zu tun hat. „Wir treffen uns im Gemeinschaftsraum. Ich muss zu Dumbledore."
„In Ordnung", sagt Hermine. Eigentlich hoffe ich, dass das Treffen mit Dumbledore nicht viel Zeit beanspruchen würde, sodass ich noch ein wenig Zeit vor der Ausgangssperre hätte, um zur Kammer zu gehen.
„Mars Schokoladenriegel", murmele ich dumpf, als ich zum Wasserspeier gelange.
„Ach, Harry", sagt eine Stimme hinter der Tür. „Komm rein."
Das alte Klappergestell weiß, wer ich bin, ehe er mich sieht? Sehr interessant. Ich habe es früher nicht bemerkt. Vielleicht ist es ein Zauber?
„Du siehst müde aus, Harry", sagt Dumbledore besorgt. Nicht das schon wieder. Wenn ich das nochmal höre, werde ich aus dem Fenster springen.
„Zu viel Aufregung", murmele ich. „Hab nicht gut geschlafen." Und weil ich mitten in der Nacht von einer besitzergreifenden und ziemlich verrückten, riesigen Schlange geweckt worden bin. Aber bloß nicht daran denken.
„Ach, ja selbstverständlich", sagt Dumbledore und lächelt mich an. „Es ist schön zu sehen, dass du dieses Jahr eine gute Freundin haben wirst."
Hat er mich etwa ausspioniert?
„Nun, ich wollte über einiges mit dir sprechen", sagt er, als ihm klar wird, dass ich erwarte, dass er fortfährt. „Also das hier ist gerade angekommen." Er überreicht mir einen Zettel und ich lese ihn schnell durch.
„Hiermit erlaube ich Harry James Potter, Hogsmeade zu besuchen... unterschrieben von Narzissa Malfoy." Ich hebe den Blick.
„Jetzt da sie dein Vormund ist, kann sie dir erlauben, Hogsmeade zu besuchen", sagt Dumbledore und zwinkert mir zu. Er hat es wieder getan. Es ist einfach angsteinflößend, wenn er mir so zuzwinkert! „Ich würde dir aber raten, dass du Hogsmeade mit Ms Granger besuchst."
Ich nicke, denke aber, dass er kein Recht mehr hat, mir zu sagen, was ich tun soll und was nicht.
Ich habe den Drang, den alten Mann zur Rede zu stellen. Ihm zu sagen: 'Was soll der Scheiß? Warum hast du es getan?' Aber das wäre eine schlechte Idee. Stattdessen entscheide ich mich, weiter diplomatisch vorzugehen. Jetzt ist keine gute Zeit dafür.
„Es würde mich sehr freuen, ab und zu Hogwarts zu verlassen, Professor", sage ich und starre den Zettel in meiner Hand an. „Danke."
„Bedanke dich bei Narzissa", sagt Dumbledore. „Sie scheint sich sehr gut um dich zu kümmern."
„Möchtest du mit mir über jene Nacht sprechen?", fragt er beiläufig. Ach, ja, wieder das. Er möchte, dass ich mich ihm anvertraue, aber das nur falls ich MÖCHTE. Quatsch. Schön, alter Mann. Du bekommst deine Informationen.
„Ich kann mich nicht an viel erinnern", murmele ich und senke den Blick. Jetzt habe ich eine gute Ausrede, ihm nicht in die Augen zu schauen. „Da gab es einen Knall, der mich geweckt hat... Wohin auch immer ich geschaut habe, waren Flammen und Rauch. Ich hab reflexartig reagiert, denke ich. Ich hab mir meinen Stab geschnappt und bin auf das Fenster geklettert – da gab es einen Baum direkt unter meinem Fenster – und bin darauf gesprungen. Ich erinnere mich, dass mein Fuß abgerutscht ist und dass ich auf den Boden gefallen bin. Mir war schwindelig wegen all dem Rauch und wegen dem Fall, aber mir ist irgendwie gelungen, weg von dem Baum zu rollen. Da hab ich für eine Weile einen Schwindelanfall bekämpft – ich wusste, dass es eine schlechte Sache wäre, das Bewusstsein in jenem Moment zu verlieren. Nach einer Weile wurde es besser und ich bin aufgestanden. Mir ist gelungen, den fahrenden Ritter zu rufen und ich bin nach Gringotts gegangen, wo ich leider in der Mitte des Gesprächs mit den Kobolden mein Bewusstsein verloren habe."
„Und du hattest keine Ahnung, dass deine Verwandten tot sind?", fragt Dumbledore, der die ganze Zeit geschwiegen hat.
„Nein, ich habe gedacht, sie seien auch am Leben wie ich", murmele ich und reibe mir die Augen. „Ich hab gedacht... sie würden mich zu Tode prügeln, falls ich je zurück komme."
„Warum denn?", fragt Dumbledore sanft.
„Weil wann auch immer etwas seltsames passiert ist, war ich schuld", sage ich scharf. „Manchmal war es Magie, die ich nicht kontrollieren konnte. Aber manchmal war es einfach ein Zufall. Ich war immer an allem Schuld. So hätten sie natürlich gedacht, dass ich auch am Brand schuld bin."
„Wer hat das Abendessen an diesem Tag gekocht?", fragt Dumbledore. Das ist nicht sein Ernst! Er denkt, ich bin tatsächlich schuld!
„Tante Petunia", sage ich leise. „Aber danach wollte auch Onkel Vernon etwas Tee und Tante Petunia war nicht da, also hat er ihn selbst gemacht."
„Und wo warst du zu jener Zeit?", fragt Dumbledore weiter.
„In meinem Zimmer", antworte ich und dieses Mal erlaube ich mir, gereizt zu klingen. „Ich hatte meine Schicht im Garten erledigt und danach wollten sie normalerweise, dass ich ihnen aus dem Weg gehe. Also war ich in meinem Zimmer. Professor, worauf wollen Sie hinaus?"
„Und du hast nichts gegessen?", fragt Dumbledore argwöhnisch, meine Frage ignorierend.
„Tante Petunia war der Meinung, dass meine Leistung nicht gut genug dafür war, also wollte sie kein Essen für mich verschwenden", erwidere ich emotionslos. „Ich möchte darüber nicht weiter sprechen. Meine Verwandten sind gestorben und ich möchte darüber nicht mehr sprechen."
Ich stehe entschlossen auf und Dumbledore nickt traurig.
„Ich versuche nur festzustellen, was genau passiert ist, Harry", sagt er sanft. „Denn es wäre auch möglich, dass jemand das Haus angegriffen hat."
Ich halte inne und erlaube mir, ehrlich überrascht auszusehen.
„Wer würde das Haus angreifen wollen?", frage ich.
„Vielleicht jemand, der dich aus dem Weg haben will", sagt Dumbledore vage. „Es ist nur eine Vermutung, aber normalerweise stellt sich heraus, dass meine Vermutungen eigentlich die Wahrheit sind."
Und ich habe gedacht, dass Toms Ego riesengroß ist. Wie dumm von mir. Vielleicht könnte Tom seinen Meister finden. Das klingt echt beleidigend, oder?
„Würden Sie mir das genauer erklären?", frage ich. Ich hebe den Blick und spüre sofort das bekannte Zucken. Ich schüttele den Kopf und senke meinen Blick wieder. Träum weiter, alter Mann! „Denn die Dursleys waren nicht reich und ich kann mir nicht vorstellen, wer das Haus hätte niederbrennen wollen. Diebe? Denke ich nicht."
„Nein, keine Diebe", murmelt Dumbledore. „Es ist schon spät und du hast sicherlich viel zu tun. Komm in paar Tagen wieder und wir werden alles genauer besprechen."
Die alte 'ich lasse dich in deiner eigenen Unkenntnis schmoren und du wirst zu mir rennend zurück kommen' Taktik. Sehr schlau.
„In Ordnung", sage ich. „Gute Nacht, Professor."
„Gute Nacht, Harry", sagt er und ich wende mich zum Gehen. „Ach und Harry? Deiner Eule geht es gut? Sie hat es geschafft?"
„Ja, sie war draußen und hat mich später gefunden", sage ich. Warum möchte er wissen, ob es Hedwig gut geht? „Warum?"
„Ach, nur so", sagt Dumbledore lächelnd. „Es ist schön, dass du wenigstens sie gerettet hast. Ich weiß, dass mir das Herz brechen würde, falls Fawkes etwas passiert..."
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„Ich fasse es nicht", sage ich zehn Minuten später, als ich in der Kammer des Schreckens auf und ab schreite. Tom sitzt auf einem Schlangenkopf und beobachtet mich genau. „Dieser Dumbledore und seine Pläne werden mich umbringen!"
Ich trete wütend gegen die steinige Wand und balle die Hände zu Fäusten. Tom beobachtet mich, ruhig wie immer. Regt sich der Mann je auf? Aber natürlich. Es ist nur, Tom hat bessere Kontrolle über seine Gefühle, als ich. In letzter Zeit ist es aber auch überhaupt nicht schwierig, wegen etwas auszurasten.
„Ein wenig dunkle Magie würde helfen", behauptet er leise. Ich springe auf die Füße und ziehe meinen Stab hervor. Auf einmal bin ich hellwach.
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Zwei Stunden später sitzen wir zusammen in Slytherins Geheimzimmer und gehen Voldemorts Notizen zum Ritual durch. Ich fühle mich wie gerädert, aber sehr zufrieden. Ich liebe die ganze Welt und habe das Gefühl, nichts kann mich aus der Bahn werfen. Ich fühle mich mächtig und satt. Schockladentorte ist gut; aber die dunkle Magie schmeckt besser.
„Wo ist diese nervige Schlange?", frage ich, als Tom mir ein Buch reicht. Wir überprüfen alles und ich muss natürlich die Drecksarbeit machen, dass heißt, alles nachschlagen. An Hermine und die Gryffindors denke ich überhaupt nicht. Ach, die dunkle Magie! Wer braucht etwas anderes, wenn man die dunkle Magie hat? Ich spüre den Drang, ein Weihnachtslied zu singen.
„Nagini?", erwidert Tom ruhig. „Sie ist hier irgendwo. Hab ihr gesagt, sie solle sich gut verstecken."
„Hier?", frage ich überrascht.
„Ja", sagt Tom gelangweilt. „Möchtest du, dass ich sie rufe?"
„Ist nicht nötig", murmele ich. „So lange sie nicht wieder in meinem Bett auftaucht."
Tom gluckst, fährt aber mit seiner Arbeit fort.
„In Ordnung, ich denke, ich verstehe, worauf er damit hinaus will", murmelt er, mit dem Finger auf eine Seite im Notizbuch deutend. „Aber so was wurde nie gemacht."
„Was muss ich tun?", frage ich leise.
„Wir brauchen nur ein wenig Blut und Fleisch von dir", meint Tom. Ich sehe schnell auf. Tom lacht, als er meinen panischen Ausdruck bemerkt.
„Keine Sorge, Angsthase", meint er. „Blut ist leicht zu beschaffen. Was das Fleisch angeht..." Er mustert mich. „Es wird nicht so schmerzhaft sein. Wir brauchen nur ein bisschen."
„Und das ist alles?", frage ich ungläubig. Da muss es einen Haken geben.
„Nun, ein bisschen von einem treuen Diener. Lucius? Nein... Bellatrix. Sie ist ihm treu."
„Aber sie ist in Azkaban!", protestiere ich. „Bitte sag mir nicht, dass ich dorthin gehen muss, um ein wenig Fleisch von ihrem Finger abzuschneiden."
Tom wirkt nachdenklich. Hat er etwa nicht gehört, was ich soeben gesagt habe?
„Der Teil, der mir Sorgen bereitet, ist Blut und Fleisch von einem Feind. Du warst sein Feind früher, jetzt aber nicht mehr. Und außerdem bist du ein dunkler Magier. Also besteht die Möglichkeit, dass es nicht klappt. Und am besten sollten wir kein Risiko eingehen", sagt er langsam. Meine Miene hellt sich auf. Also würde er mich doch nicht brauchen?
„Sein größter Feind ist Dumbledore", sagt Tom und schaut in meine Richtung. Ich kenne diesen Blick. Es heißt, ich solle es erledigen.
„Nein", sage ich sofort. „Das kommt überhaupt nicht in Frage." Tom starrt mich weiter ohne zu blinzeln an. „Tom, bist du verrückt? Wie sollte ich das bitteschön machen? Blut und Fleisch von Dumbledore!"
„Vielleicht könnten wir Snape diese Aufgabe geben", behauptet Tom.
„Tom, Dumbledore ist nicht dumm, auch wenn er ein Arschloch ist", sage ich scharf. „Er wird Snape durchschauen."
„Oh, da wäre ich mir nicht mal so sicher", sagt Tom fröhlich. Eigentlich kommt er mir ziemlich angsteinflößend vor, wenn er so mit etwas zufrieden ist. Und er weiß definitiv etwas, was ich nicht weiß. „In Ordnung, also Snape für das Blut... und Nagini wird das Fleisch besorgen..."
„Moment mal", protestiere ich. „Ich möchte wissen, was du vorhast! Und wie sollten wir bitte sehr Blut und Fleisch von Bellatrix bekommen?"
„Nun, Lucius wäre eine bessere Wahl", meint Tom, der noch immer über seinen ach so tollen Plan nachdenkt. „Aber er ist mir nun mal nicht so treu. Wen haben wir noch?"
„Sie sind alle in AZKABAN, Tom", sage ich laut, jedes Wort betonend.
Tom sieht auf und seine Augen blitzen auf.
„Dann werden wir sie befreien müssen", meint er kalt.
Ich öffne den Mund, um ihm zu sagen, dass ich auf gar keinen Fall an so etwas teilnehmen möchte, bis mir etwas einfällt.
„Oh!", platzt es aus mir. „Mir ist gerade etwas eingefallen!"
Ich reiche ihm den Brief von Black und Tom nimmt ihn skeptisch von mir entgegen, grinst aber, als er den Namen da unten liest. Dann lacht er laut auf. Bei Merlin, wie ist es nur möglich, dass man so lachen kann, sodass mir ein Schauder über den Rücken läuft?
„Perfekt", meint er. „Black wird es erledigen."
„Du spinnst", meine ich. „Denkst du wirklich, dass Black so schnell dorthin zurückkehren würde?"
„Ich muss ihn sprechen", sagt Tom, dessen Augen wie wild glitzern. Ich kenne diesen Ausdruck. Er heißt: 'tue bloß was ich dir sage, weil ich mit meinem Plan sehr zufrieden bin und möchte nicht, dass jemand mir sagt, er könne ins Auge gehen'.
„In Ordnung", sage ich dumpf. „Ich werde ihm vorschlagen, dass wir uns irgendwo treffen. Vielleicht in Hogsmeade."
„Ach, Hogsmeade, exzellent", meint Tom und reibt sich die Hände. Wenn er so aufgeregt ist, darf man ihm keinesfalls sagen, dass etwas mit seinem Plan nicht stimmt.
„So würde ich noch ein paar treue Diener haben", murmelt er. Ich sitze nur da und schüttele den Kopf. „Schön, schön. Also, wir haben alles, außer dieser Zutat. Blut und Fleisch von seinen Eltern."
„Den Eltern von Voldemort? Hat er überhaupt Eltern? Ich habe eher gedacht, er ist aus einem Schlangenei rausgekrochen."
Tom wirft mir einen wütenden Blick zu und ich senke den Blick, grinse aber. Er hetzt mir keinen Fluch auf den Hals, also ist er nicht mal so wütend.
„Ja, er hat Eltern", sagt Tom kalt. „Seine Mutter, das heißt, meine Mutter, ist bei der Geburt gestorben."
„Oh", sage ich. Ich hatte keine Ahnung. Tom hat mir nur gesagt, er sei ein Waise, hat mir aber nie davon erzählt, was mit seinen Eltern passiert ist.
„Und sein Vater ist ein Muggel. Leider ist dieser Muggel tot."
Da gibt es etwas in seiner Stimme, das mir das Ganze erklärt. Tom hat ihn getötet. Das wundert mich auch nicht. Seine Mutter war eine Hexe und Tom würde natürlich seinen Vater hassen, weil er seine Mutter und ihn verlassen hat. Und ihn zu ermorden, erscheint mir als eine sehr gute Strafe dafür. Hey, sind das etwa meine Gedanken? Wo ist Harry Potter? Das sind Gedanken von Tom Riddle! Oder etwa nicht?
Verwirrt zwicke ich mich in den Arm. Tom scheint über etwas sehr ernst nachzudenken, wirft mir aber einen gereizten Blick zu.
„Was treibst du?", bellt er. „Hier geht es um eine Auferstehung!"
„Tut mir leid, ja", sage ich kopfschüttelnd. „Also würde es helfen, wenn wir wüssten, wo dein Vater begraben ist?"
„Nun... eine Leiche gibt es wohl nicht mehr. Aber etwas ist übriggeblieben. Blut kommt nicht in Frage."
„Hast du einen lebendigen Verwandten?", schlage ich vor.
„Ich bin der letzte von den Slytherins", murmelt Tom. „Vielleicht wäre meine Mutter eine bessere Wahl. Sie war eine Hexe."
„Wo ist sie gestorben?", hake ich nach.
„In einem Waisenhaus", murmelt Tom. Er hasst dieses Gespräch, weiß aber, dass es sehr wichtig ist. Wir müssen alles sorgfältig vorbereiten, sodass, wenn Voldemorts Seele ankommt – die Schlange – so verwirrend – alles bereit stehen würde.
„Das sollte kein Problem sein", meine ich achselzuckend. „Das können wir im Laufe der Ferien erledigen. Ich bin an das Graben gewöhnt."
Ich lächele ihn an, versuchend, ihn aufzumuntern, denn ich weiß, wie sehr er seine Herkunft hasst.
„Und der Rest des Rituals?", frage ich, als Tom weiter schweigt.
„Ist ziemlich klar", meint er. „Ein wenig kompliziert, denn man muss einen Trank brauen. Eigentlich musst DU den Trank brauen, wenn du das Ritual durchführen möchtest. Und da gibt es eine Menge Latein und Bewegungen. Das Ritual ist, gelinde gesagt, sehr anspruchsvoll. Eben für einen erwachsenen und mächtigen dunklen Magier."
„In Ordnung", sage ich und richte mich auf. „Ich werde die Anweisungen gut studieren."
„Tue das", zischt Tom. „Ansonsten wird das Ritual fehlschlagen."
„Ich werde erfolgreich sein", sage ich und richte mich noch weiter auf. „Keine Sorge. Dein anderes Ich wird einen neuen Körper haben."
Tom sagt nichts dazu, schüttelt lediglich den Kopf und sieht ein wenig melancholisch aus, was ich in jenem Moment nicht verstehen kann.
