Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.
Cassie
„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."
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Kapitel 16 – Der Junge, der übergeschnappt istDie Schularbeit kommt mir ziemlich leicht vor; aber mein Phönixstab fühlt sich seltsam in meiner Hand an. Als gehöre er nicht dorthin und das scheint die Wahrheit zu sein. Denn laut Tom hat sich, als ich mit meinem Studium der dunklen Magie begonnen habe, auch meine Magieaura verändert und aus diesem Grund habe ich den zweiten Stab benötigt. Den richtigen Stab. Eigentlich ist das Holz von meinem und Toms Stab dasselbe, aber der Kern ist unterschiedlich. Er findet die Tatsache, dass der Kern meines Stabes einen Basiliskenzahn enthält, sehr interessant. Er meint, er solle meine Magie noch wilder machen, aber dass dies eigentlich eine gute Sache sei. Denn eine solch wilde Magie zu haben, sei ein Zeichen, dass man Potenzial hat. Wieso hat mein Stab keinen Kern, der mir eigentlich dabei helfen würde, meine Magie besser im Zaum zu halten?
Im Laufe der Woche fragt mich Hermine ständig, ob Dumbledore etwas in Bezug auf Blacks Brief herausgefunden hat und langsam geht es mir auf die Nerven. Ich hoffe nur, dass sie mit dieser Frage nicht zu Dumbledore geht, denn dadurch könnte ich in ernste Schwierigkeiten geraten.
Das Gespräch mit Voldemort hat mir insofern geholfen, dass ich jetzt genau weiß, was ich möchte. Und ich habe keine Angst vor diesem Ritual. Ich übe jeden Tag und es wird unmöglich sein, einen Fehler zu begehen, wenn es dazu kommt. Aber was und wer mich beunruhigt ist Voldemort. Ich habe seinen Zorn gespürt und ein Teilchen von seiner Macht, als er in meinen Gedanken herumgewühlt hat. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was passiert, wenn er einen Körper hat. Die Magie lebt in der Seele eines Menschen – so viel ist mir klar. Also einmal Zauberer – für immer Zauberer. Diese Theorie klingt echt logisch, wenn es nicht eine Ausnahme gäbe, nämlich die Muggelgeborenen. Woher hat Hermine wohl ihre Magie?
An wen ich auch sehr oft denke, ist Tom. Voldemort hat ihn 'meine Erinnerung' genannt und ich habe dabei Wut gespürt. Ich habe mich gefühlt, als hätte er gerade Tom beleidigt und ich wollte ihm eine verpassen. Ok, vergessen wir momentan den Teil über Voldemort und eine Ohrfeige. Was mir Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass ich eine Verbindung mit Tom spüre und dass ich auch den Drang verspüre, ihn zu verteidigen. Aber zur gleichen Zeit ist mir klar, dass Tom ein Teil von Voldemort ist. Und es ist mir auch klar, dass es eine sehr schlechte Sache ist, dass ich mich schon wieder an jemanden gebunden habe. Es ist so kindisch, diesen Wunsch zu verspüren, jemandem zu folgen und jemandem zu vertrauen. Das ist genau das, warum ich überhaupt in Schwierigkeiten geraten bin. Zuerst habe ich den Dursleys geglaubt, dass ich tatsächlich ein Freak bin und dass ich ihre Schläge verdiene. Dann habe ich Dumbledore geglaubt. Und jetzt Tom.
Dieser Lupin scheint trotz allem ein guter Lehrer zu sein, obwohl mir der Lehrstoff nicht gefällt. Aber na ja. Kurz nach unserem Gespräch haben wir erfahren, dass Lupin den Duellierclub wieder organisiert hat und die ganze Schule freut sich darauf. Ich bin sehr neugierig, aber zur gleichen Zeit fällt mir ein, dass ich nicht mal so viele hellmagischen Flüche und Zauber kenne, die man in einem Duell benutzen kann. Denn eine Situation, in der die dunkle Magie deutlich ihre Überlegenheit der hellen Magie gegenüber zeigt, ist das Duellieren. Da gibt es hunderte, ach tausende, von Arten, auf die man jemandem Schmerzen zufügen, jemanden außer Gefecht setzen, oder jemanden ernst verletzen, geschweige denn töten kann.
Aus diesem Grund spüre ich keinerlei Angst, wenn ich an das Treffen mit Black, das für die übernächste Woche geplant ist, denke. Er soll zwar einen dunklen Kern haben, aber er hat die dunkle Magie seit Jahren nicht benutzt. Er hat seit Jahren gar keine Magie benutzt, weil er ja in Azkaban war. Laut Narzissa wollte der Mann die dunkle Magie überhaupt nicht verwenden, obwohl sein magischer Kern dunkel ist, weil er sie nicht mochte. Was eigentlich ziemlich ironisch ist. Lucius versucht mit aller Kraft, ein guter dunkler Magier zu sein, und doch hat er einen grauen Kern. Black wiederum hat einen echten dunklen Kern, will ihn aber nicht. Black soll zwar einmal zwölf Menschen mit einem Fluch getötet haben, aber ich habe schon ein ziemlich reiches Fluchrepertoire, um mich zu verteidigen und außerdem kommt Tom mit. Also ein dunkler Lord und sein Lehrling gegen einen wahnsinnigen Massenmörder, das klingt überhaupt nicht gefährlich.
Dumbledore spielt weiter seine Spielchen, hoffend, dass ich es nicht mehr ertragen könnte und zu ihm gerannt kommen würde, aber da liegt er falsch. Ich habe überhaupt kein Interesse an seinen Lügen und an dem, was er mir sagen will. Stattdessen ringe ich mit Schlafmangel und unerledigten Hausaufgaben, weil ich ja jeden Tag mit Tom in der Kammer verbringe. Und ich weiß, dass ich nicht ewig so weitermachen kann, denn irgendwann wird Hermine endlich diese mysteriöse Freundin kennenlernen wollen und dann bin ich erledigt.
Lupin sieht manchmal so aus, als wolle er mir etwas sagen, aber sobald es klingelt, eile ich mit Hermine aus dem Klassenzimmer, also hat er noch keine Chance gehabt, ein Gespräch mit mir zu bekommen. Warum auch? Und noch was. Spioniert er mir etwa nach? Ich habe versucht, festzustellen, ob das der Fall wäre, aber da gab es keine 'Zufallstreffen' und er hat mich nie verfolgt. Mit der Zeit habe ich eingesehen, dass er womöglich nur mit mir sprechen möchte, weil er einmal meinen Vater gekannt hat und weil er sich um mich hätte kümmern müssen, aber nicht da war. Und die Frage ist – wo war er überhaupt? Wenn meine Eltern es gewollt haben, dass er sich um mich kümmert, wenn Black nicht imstande dazu wäre, wo ist er gewesen?
In diesem Meer von Fragen ist eins ziemlich sicher. Die Slytherins werfen mir komische Blicke zu und Snape versucht mich mit aller Kraft zu ignorieren, was ich eigentlich erfrischend finde. Aber trotzdem weiß ich, dass er es weiß. Ich kann es in seinen Augen sehen, denn wenn er denkt, dass ich nicht in seine Richtung schaue, beobachtet er mich und er scheint mich zu mustern, nach etwas zu suchen. Früher hat er mich mit Abscheu angeschaut, jetzt aber nicht mehr. Er beobachtet mich mit einem todernsten Ausdruck, der mir sagt, dass er die dunkle Magie an mir spüren kann. Narzissa sagt, Lucius habe ihm von ein paar Sachen erzählt, aber dass er nicht alles weiß. Aber er weiß, dass ein Teil von Voldemort irgendwo in der Schule ist und dass ich mit ihm in Kontakt bin. Dass er mich unterrichtet. Hat er Schiss? Ist er besorgt, was passiert, wenn er zurück ist?
An einem Freitag treffe ich doch zufällig (oder hat er nach mir gesucht?) auf Lupin. Ich habe gerade drei Stunden in der Kammer verbracht und mache mich langsam auf den Weg zum Gryffindorturm. Meine Beine fühlen sich an, als würden sie eine Tonne wiegen. Lupin trägt einen Käfig, in dem etwas Haariges schläft. Ich will überhaupt nicht wissen, was das ist, aber ich wette, dass es unsere nächste Lektion ist. Wie spannend.
„Hallo, Mr Potter", begrüßt er mich.
„Hallo, Professor Lupin", sage ich höflich, in der Hoffnung, dass er mich in Ruhe lässt, aber nein.
„Du siehst so aus, als würdest du eine Tasse Tee gut gebrauchen können. Und etwas Schokolade. Möchtest du einen Tee mit mir trinken?"
„Gerne, aber es ist schon ziemlich spät, Professor", sage ich gähnend, um meine Worte zu unterstreichen. „Und außerdem fängt die Ausgangssperre bald an. Ich möchte keine Punkte für mein Haus verlieren."
Ich kann beinah sehen, wie sich die Räder in seinem Kopf drehen und denke unwillkürlich über seine Gedanken nach, die ich einmal gehört habe. 'Er hat Tod gesehen'. Woher in Merlins Willen weiß er das? Vielleicht könnte es doch von Vorteil sein, mit ihm Tee zu trinken. Aber bitte nicht heute. Morgen ist Samstag und ich habe nur noch genug Kraft, um ins Bett zu krabbeln und ich habe vor, die ganze Nacht durchzuschlafen. Wenn Voldemort es mir erlaubt. Manchmal scheint die ganze Welt zu existieren, nur um mich zu verarschen.
„Morgen, dann?", fragt Lupin.
„In Ordnung", sage ich achselzuckend. „Wann?"
„Würde dir gegen sechzehn Uhr passen?", fragt Lupin, dessen Ausdruck sich erhellt hat. Weil ich ja seine Einladung akzeptiert habe.
„Gut", sage ich und gähne wieder. „Wir sehen uns, Professor Lupin. Gute Nacht."
Er wundert sich wahrscheinlich, warum ich eine Einladung zum Tee von einem Professor, den ich überhaupt nicht kenne, akzeptiert habe, ohne ihn zu fragen, warum er mich sprechen will. Denn ich habe ja nichts angestellt. Aber ich habe ein paar Sachen von ihm erfahren und jetzt weiß ich genau, wer er ist. Und das werde ich ihm offen sagen. Es ist schließlich kein Verbrechen, mehr über meine Lehrer wissen zu wollen.
Als ich gähnend an dem Eingang zu den Kerkern vorbei komme, höre ich Dracos Stimme.
„Hey, Potter", ruft er mir hinterher. Ich halte inne. Können mich die Menschen nicht einfach in Ruhe lassen? Ich möchte nur schlafen, das ist alles. Ist das etwa zu viel verlangt?
„Was ist?", frage ich.
„Lieber Merlin, was hast du getrieben?", flüstert Draco, der mich von oben bis unten mustert. „Du siehst halbtot aus!"
„Ja, vielen Dank, ich weiß, dass ich nicht mein übliches, hübsches Selbst bin, aber ich bin hundemüde und ich habe keine Lust aufs Plaudern. Also raus mit der Sprache oder hau ab."
Draco scheint schockiert über diesen Ausbruch zu sein, denn er starrt mich für ein paar Momente fassungslos an, bis er sich zusammenreißt. Er lehnt sich nach vorne.
„Gibt es Neuigkeiten?", flüstert er mir ins Ohr.
„Gibt es", sage ich genauso leise. Oh, jetzt benutzt er mich als Informationsquelle? Familienbeziehungen sind echt nützlich, oder? „Hier aber sprechen wir nicht darüber."
Draco schaut sich um und zupft mich am Ärmel.
„Komm mit", sagt er. Ich seufze. Ich würde lieber schlafen und mein Bett wartet auf mich im Gryffindorturm, leer und warm. Aber stattdessen folge ich Draco in die Kerker. „Es gibt einen guten Ort, wo wir darüber reden können. Das Büro von Severus. Er wird sich sicherlich etwas ausdenken, warum du in seinem Büro warst, falls jemand fragt."
„Snapes Büro?", zische ich und halte inne. „Vergiss es. Er wird deswegen Punkte abziehen und McGonagall gleich sagen, dass ich so spät durch die Schule stolziere. Ich kenne ihn."
„Anscheinend nicht gut genug", meint Draco und hebt die Augenbrauen. „Du hast mein Versprechen. Er hat mich schon viele Male gefragt, ob ich was Neues weiß, aber du sagst weder mir, noch meinem Vater etwas."
„Ich bin müde!", zische ich, folge ihm aber noch immer den Korridor entlang, der kein Ende zu haben scheint. „Ich habe mich darauf gefreut, die ganze Nacht lang durchzuschlafen!"
„Ach, so", sagt Draco und wendet sich mir zu. „Jetzt verstehe ich. Du übst irgendwo."
„Nicht so laut, du Idiot", zische ich zurück. Draco grinst mich hämisch an und geht zufrieden weiter.
Schließlich hält er vor einer Tür inne, die mir früher nicht aufgefallen ist. Er klopft an.
„Wer ist da?", fragt eine Stimme, die mir vorkommt, als käme sie aus der Ferne.
„Draco, Onkel Severus", antwortet Draco mit einer zuckersüßen Stimme. Ich schnaube und verdrehe die Augen. Die Tür öffnet sich augenblicklich und Draco zieht mich hinein.
Snape sitzt hinter dem Schreibtisch und liest ein Buch. In einer Hand hält er ein Glas mit etwas, was Whiskey ähnelt. Seine gespannte Miene wird von einer aufgebrachten ersetzt, als er mich erblickt.
„Sperr die Tür zu, Onkel Severus", sagt Draco leise.
Snape schaut von einem zum anderen und zückt schließlich seinen Stab. Ich setze mich ohne Einladung auf einen Stuhl und verschränke die Hände vor der Brust.
„Was soll das, Draco?", fragt Snape vorsichtig. „Es ist schon ziemlich spät. Was macht Potter hier?"
„Onkel Severus, es gibt Neuigkeiten", sagt Draco atemlos und schaut Snape ernst an. Die dunklen Augen schauen in meine Richtung und Snape hebt langsam das Kinn, seine Augen wie wild funkelnd. Urplötzlich fällt mir etwas ein. Ich trage das Tagebuch noch immer in meiner Tasche und Tom hat ja gesagt, er wolle Snape eine Aufgabe geben. Also warum nicht jetzt? Meine Mundwinkel strecken sich zu einem bösartigen Lächeln und Snape verengt argwöhnisch die Augen. Schon die Aussicht, den Mann erschrocken zu sehen, wenn er Tom erblickt, bereitet mir eine Riesenfreude. Kann man mich aus diesem Grund einen Sadist bezeichnen? Snape wiederum weiß nicht, was er denken soll, denn der Harry Potter, den er so hasst, sitzt ohne Einladung in seinem Büro und grinst ihn frech und bösartig an.
„Erzähl doch, Harry", platzt es aus Draco.
„Ist es sicher hier?", frage ich, mich gespielt umschauend. Ich weiß einfach nicht, was in mich gefahren ist. Plötzlich fühle ich mich überhaupt nicht müde.
„Ja, natürlich", sagt Draco sofort. Snape wiederum sieht so aus, als würde er am liebsten über den Tisch springen und mir den Hals umdrehen.
„Also schön", sage ich hochnäsig. Ich fühle mich sehr gut in dieser Rolle. „Er ist an Bord eines Schiffes. Und er kommt bald an. Vielleicht ist es doch eine gute Sache, dass ich hier bin. Denn er braucht etwas von Professor Snape."
Ich schaue dem Mann, der mein Leben bisher zur Hölle gemacht hat, in die Augen und spüre wahnsinnige Freude, als er mich angafft, als wäre ich ein Gespenst.
„Ja", fahre ich mit einem wahnsinnigen Grinsen fort. „Es handelt sich um eine Zutat für einen Trank, der beim Auferstehungsritual gebraucht wird."
Snape sieht aus, als sei er zwischen Zorn und Entsetzen hin und her gerissen.
„Und woher weißt DU davon?", fragt er mit einer heiseren Stimme.
„Ich weiß davon, weil er es mir gesagt hat", sage ich einfach. „Aber vielleicht sollten Sie mit ihm selbst sprechen. Schauen wir mal, was er sagt, wenn er erfährt, dass sein treuer Diener eine Aufgabe für ihn nicht erfüllen möchte."
Oh Mann, es hat sich so gut angefühlt, das aussprechen zu können. Glucksend, ziehe ich das Tagebuch hervor, in diesem Moment mich nicht darum scherend, ob uns jemand trotz den Zaubern belauschen oder jede Sekunde reinkommen kann. Alles, was existiert, ist dieser Moment.
Tom taucht auf und ich höre aus der Ferne mein Gelächter, als ich Snapes Ausdruck bemerke. Der Mann sieht aus, als hätte ihn jemand mit einem Impedimentazauber belegt. Diesen Moment werde ich nie vergessen.
Draco hat ihn schon ein paar Male gesehen, als wir im Malfoy Herrenhaus geübt, oder uns in der Bibliothek unterhalten haben. Natürlich sprechen wir über den dunklen Lord, aber doch. Er hat ihn schon gesehen. Warum gafft er mich also so an?
„Welch eine Versammlung", sagt Tom trocken, als er sich umschaut. „Ach, der Slytherinkerker. Wie gemütlich. Das weckt Erinnerungen..."
Draco sitzt mit gesenktem Kopf da, wie immer, wenn Tom in der Nähe ist und Tom schenkt ihm keine Aufmerksamkeit. Sein Blick landet auf dem blassen Snape, der den Tisch so fest umklammert hat, dass seine Knöchel ganz schön weiß sind.
Vielleicht hat er etwas von Lucius über Tom gehört. Vielleicht wusste er, dass er mich unterrichtet. Aber dass der dunkle Lord, eine Erinnerung oder nicht, einfach so eines Abends in seinem Büro auftaucht, das hat er zweifelsohne nicht erwartet.
„Du bist sicherlich Severus", flüstert Tom, auf den Tisch zukommend. „Lucius hat mir von dir erzählt."
Noch immer kann sich Snape nicht von der Stelle rühren.
„Draco wollte über Neuigkeiten sprechen, also haben wir zu diesem Zweck einen sicheren Ort ausgesucht", melde ich mich zu Wort. „Und ich habe gedacht, Ihr könnt die Chance ausnutzen, um mit Professor Snape über die Zaubertrankzutat zu sprechen, Meister."
Tom schaut mich überrascht an, aber seine Augen funkeln wie wild. Ich grinse breit. In diesem Moment weiß ich, dass ich auf die Tatsache, dass er mich unterrichtet, stolz bin. Dass ich ihn nicht verlieren möchte. Und dass ich mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen kann. Er stellt die Geheimnisse der dunklen Künste dar; ein neues Leben; alles, was ich nie hatte und wonach ich mich immer gesehnt habe; die Dunkelheit, ohne die ich nicht leben kann.
„Sehr gut", sagt Tom und nickt mir zu. Er wendet sich wieder Severus zu, der in der Zwischenzeit aufgestanden ist und seinen Blick nicht von Tom abwenden kann. Als Tom in seine Richtung schaut, lässt er sich auf die Knie nieder. Auf einmal hat diese Geste eine Bedeutung, die ich verstehen kann. Damit zeigt man Treue und Verehrung; aber nicht nur vor dem dunklen Lord, sondern auch vor der Dunkelheit selbst.
„Ich habe viel über dich von Lucius gehört", sagt Tom leise und reißt mich dadurch aus den Gedanken. „Ich habe gehört, dass du ein begabter Tränkebrauer bist. Dass du mir immer treu gewesen warst; aber ich habe auch gehört, dass du zu viel Zeit mit Dumbledore verbringst. Und ich frage mich, Severus – kann ich dir solch eine wichtige Aufgabe anvertrauen?"
Er verbringt zu viel Zeit mit Dumbledore, geht mir durch den Kopf? Worauf will er damit hinaus? Wer hat ihm davon erzählt? Ach ja, das war ich gewesen. Denn Tom wollte alles über die Lehrer in Hogwarts wissen.
„Ich bin in Hogwarts geblieben, so wie Sie mir gesagt haben", ertönt die Stimme von Severus Snape, die jetzt alles außer arrogant ist. Da gibt es aber etwas in seiner Stimme, was mir seltsam vorkommt. Freude... „Ich habe Informationen über Dumbledore gesammelt. Und da ich nicht wusste, wo Sie waren, und da ich sonst nach Azkaban geschleppt worden wäre, bin ich hier geblieben. Jetzt... jetzt kann ich Ihnen von Dumbledores Plänen erzählen."
Also weiß die Fledermaus doch etwas!
Tom wirkt nachdenklich und scheint Snapes Rücken zu studieren, als gäbe es da etwas Interessantes, aber schließlich hebt er die Hand.
„Steh auf, Severus", sagt er leise. Snape tut wie angewiesen und richtet sich langsam auf.
Tom macht einen Schritt in seine Richtung, scheint aber seine Meinung zu ändern.
„Harry", sagt er auf einmal, sich mir zuwendend. „Komm her."
Ich stehe gehorsam auf und komme auf ihn zu, mich fragend, was der große dunkle Lord jetzt ausgeheckt hat.
„Überprüfe seine Aussage", sagt er sanft. Snapes Augen weiten sich und ich schlucke. Ich weiß, was er von mir verlangt. Wie immer, viel zu viel. Und ich weiß, was er damit erreichen möchte. Zur gleichen Zeit die Wahrheit bestätigen und meine Fähigkeiten überprüfen. Also gut.
Ich atme tief durch und komme auf Snape zu, der mich seltsam anschaut.
„Bitte leisten Sie keinen Widerstand, Professor", sage ich leise, als ich den Basiliskenstab hervorziehe. Ich weiß nicht, warum ich ihn davor warne, aber ich hatte so einen Drang, es zu tun. Ehe er etwas sagen und ich den Nerv verlieren kann, versinke ich tief in seine Gedanken. 'Wille, Absicht und Gnadenlosigkeit', gehen mir Toms Worte durch den Kopf. Ich spüre einen Stoß, aber als ich weiter und fester drücke, öffnen sich seine Erinnerungen vor mir.
Der schlimmste und schwierigste Teil dieser Kunst ist, einen klaren Kopf zu behalten. Denn man kann auf diese Weise den Verstand verlieren. Da gibt es zu viel von allem; zu viele Erinnerungen, zu viele Bilder, zu viele Stimmen; und der Magier muss zur gleichen Zeit den Abstand halten und nach Erinnerungen suchen, die er braucht. Ich schiebe meine Angst und Nervosität zur Seite, als ich weiter und weiter herumwühle.
Als ich Dumbledores Stimme höre, versuche ich genau diese Erinnerung herbeizurufen, was mir aber nicht gelingt. Mir gelingt es aber, eine ähnliche zu finden und ich tauche in sie ein. Dumbledore schimpft Snape aus; einen sehr jung aussehenden Severus Snape, der ihm etwas erklärt. Er bittet Dumbledore, ihm einen Platz in Hogwarts zu geben. Dumbledore ist sehr streng mit ihm. Ich schaue zu, wie diese Erinnerung von einer anderen ersetzt wird... Auf diese Weise sind normalerweise Erinnerungen miteinander verbunden. Snape kniet vor einem Thron und redet über Dumbledore... Eine heisere Stimme stellt Fragen; und obwohl ich diese Stimme nie in meinem Leben gehört habe, kommt mir seine Ausdrucksweise sehr bekannt vor. Voldemort...
Noch eine Erinnerung folgt... ich kann kaum mithalten. Ich verliere meine Konzentration und ich ziehe mich abrupt zurück, auf meinem Hintern landend. Ich schüttele den Kopf und höre Rascheln.
„Es ist ganz anders, oder?", fragt Tom belustigt. „Und?"
„Er... er hat Euch... Eurem älteren Euch... von Dumbledores Aktivitäten berichtet", stottere ich, meine Augen reibend.
„Ach, du hast doch was gesehen", stellt Tom unnötigerweise fest.
„Habt Ihr es bezweifelt?", frage ich gereizt. Also war das doch nur eine Übung.
„Nein", sagt Tom ruhig.
„Nun, Severus", sagt er, ihm zugewendet. Snape sieht aus, als sei ihm übel. „Ich werde dich nicht dazu zwingen, einen Eid abzulegen. Ich werde dir deine Aufgabe geben und wir werden sehen, wie gut du sie erledigst."
„Danke", flüstert Snape, der schwer atmet. Bin ich etwa so brutal gewesen? Ehrlich gesagt, tut es mir überhaupt nicht leid. „Mein Lord."
„Also, die Aufgabe", sagt Tom, der sich wieder hinsetzt. „Eine der Zutaten die ich brauche, sind ein paar Tropfen von Dumbledores Blut." Snapes Finger zucken, aber sein Gesicht verrät nichts. „Da gibt es ein paar Möglichkeiten, auf die du das erledigen kannst. Wähle eine aus und sei vorsichtig. Vor allem lass nicht zu, dass man dich dabei ertappt."
Snape nickt nur, aber ich kann beinah spüren, wie er bereits darüber nachgrübelt.
„Und jetzt können wir gehen, Harry", sagt Tom. Ich stehe auf und schaue zu Draco, der noch immer mit gesenktem Kopf sitzt. Tom verschwindet in seinem Tagebuch und ich schließe es vorsichtig und lasse es wieder in meine Tasche verschwinden. Snape entgeht nicht, mit welcher Vorsicht ich das Tagebuch behandele.
„Könnten Sie mir eine Bescheinigung geben, warum ich so spät noch draußen war?", frage ich den nachdenklichen Snape, der blässer ist, als üblich. Er schaut auf und fixiert mich mit seinem Blick. Ohne ein einziges Wort nickt er, kritzelt ein paar Worte auf einen Zettel, den er mir überreicht und setzt sich wieder an seinen Schreibtisch.
„Gute Nacht, Professor", sage ich zufrieden, auf den Zettel hinunter blickend. Darauf steht: 'Ich, Professor Snape, habe Harry James Potter heute Abend Nachhilfeunterricht gegeben.'
Draco folgt mir aus dem Büro heraus und weicht meinem Blick aus.
„Das wird ihn umbringen", flüstert er. Er weiß, dass es eine sehr schlechte Sache ist, darüber im Korridor zu reden, aber wenigstens gibt es hier keine Gemälde, die uns belauschen können.
„Er wird schon einen Weg finden", sage ich ruhig.
„Wie kannst du bitteschön so ruhig sein?", zischt er.
Noch immer auf den ersten Blick ruhig, zücke ich meinen Phönixstab und führe einen Schutzzauber aus, während Draco einfach dasteht und mich anstarrt. Dann lasse ich meinem Zorn Luft, indem ich Draco am Kragen packe und ihn gegen die Wand stoße. Er keucht auf, hat aber keine Zeit, um etwas dagegen zu unternehmen, denn ich halte ihn mit einem Schraubenstockgriff fest und lehne mich so nach vorne, dass unsere Nasen sich beinah berühren.
„Er muss es schaffen, Draco", zische ich. „Und ja, ich bin ruhig. Denn das, was auf mich wartet, ist hundertmal schlimmer. Denn ich werde derjenige sein, der das Ritual durchführt. Ich werde derjenige sein, der sein Blut und sein Fleisch opfert und ich werde derjenige sein, der schuld sein wird, falls etwas schiefgeht. Also im Vergleich zu dem, was ich auf meinen Schultern trage, ist Snapes jämmerliche Aufgabe ganz und gar nicht schwierig."
Die silbernen Augen starren mich entsetzt an.
„Du... du wirst das Ritual durchführen? Wir sprechen über dieses Ritual, das...", stottert er.
„Ja", unterbreche ich ihn. „Und ja."
„Aber du bist erst dreizehn!", platzt es aus dem Blondhaarigen.
Ich lache laut auf; ich finde seinen Kommentar aus irgendeinem Grund äußerst lustig. Ich presse meinen Kopf gegen seinen und Draco steht nur blöd und wie angewurzelt da, während ich ihn noch immer mit einer Hand gegen die Wand presse. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Liegt wohl am Schlafmangel, am Stress oder an all dieser dunklen Magie, habe ich keine Ahnung. Aber plötzlich wäre mir nichts lieber, als mich auf den Boden zu werfen und stundenlang zu lachen.
„Lass mich los", zischt Draco und versucht, mich weg zu stoßen, aber der arme, reinblütige Zauberer, der sich nie und nimmer mit der physischen Arbeit beschäftigt hat, ist gegen mich wehrlos.
„Lieber Merlin, du spinnst", zischt Draco weiter und versucht mit all seiner Kraft, mir zu entkommen. Aus irgendeinem Grund machen mir seine Versuche Riesenspaß und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Ich hab es früher schon gewusst, aber jetzt bin ich mir vollkommen sicher", murmelt Draco. „Du bist vollkommen verrückt!"
„Vielleicht bin ich das ja", antworte ich, noch immer grinsend. „Aber Draco – du solltest dich lieber vergewissern, dass Snape seine Aufgabe erfüllt und dass kein Slytherin und kein Schüler ein Sterbenswörtchen über mich sagt, oder es gibt Folgen... sehr ernste Folgen."
Ich lasse ihn los und wende mich um. Ich bin mir dessen bewusst, dass er noch immer wie angewurzelt da steht und mir mit weitaufgerissenen Augen hinterher schaut, als ich den Schutzzauber über meine Schulter beende und zielstrebig weiter den Korridor entlang marschiere.
/Dracos Sicht
Morgana sei Dank, er ist wieder weg. Warte nur, bis mein Vater davon hört! Oh nein, Moment mal... Potter ist jetzt ein Mitglied unserer Familie... Aber er ist vollkommen verrückt! Er wird noch jemanden umbringen! Er ist total außer Kontrolle geraten! Der dunkle Lord möchte, dass er das Ritual für ihn ausführt? Ich weiß nicht, wer verrückter ist... Ich sollte so was lieber nie laut sagen. Aber es ist die Wahrheit. Falls er glaubt, dass Potter erfolgreich sein kann, ist er genauso verrückt wie er. Ich kann es nicht mehr bezweifeln... er ist total übergeschnappt und hat aus diesem Grund diese Muggel getötet. Ich habe schon so was gesehen. Tante Bellatrix machte es, laut den Geschichten meiner Mutter, Spaß. Aber daran war die dunkle Magie schuld!
Manchmal wünsche ich mir, ich wäre genauso von ihr besessen wie Potter... Aber irgendwie schaffe ich es nicht. Da gibt es interessante Sachen, aber die Mehrheit der Flüche, die mir mein Vater beigebracht hat, zielt darauf ab, Schmerzen zuzufügen. Wer mag Schmerz? Vielleicht ist es in Ordnung, wenn jemand anderer Schmerzen hat und nicht ich, aber umgekehrt geht es nicht. Und oft wurde ich von solch einem Fluch getroffen, weil mein Vater darauf bestanden hat, dass ich die Kunst des Duellierens erlerne. Damals habe ich gedacht, dass es vollkommen nutzlos sei, jetzt aber sehe ich ein, dass ich ein paar solche Flüche womöglich doch gebrauchen kann.
Aber das hier geht zu weit. Ich muss wenigstens meiner Mutter davon schreiben, vielleicht kann sie dem Heiler sagen...
„Draco!" Ich wende mich um. Meine Füße haben mich automatisch in den Gemeinschaftsraum getragen und jetzt stehe ich gedankenversunken in der Mitte des Raumes, was mir überhaupt nicht ähnlich ist. Seine Verrücktheit ist wohl ansteckend. Ich fahre mir durchs Haar – meine Frisur! – und schaue mich, mit so viel Anmut wie ich sammeln kann, um. Blaise sitzt auf dem Sofa mit dem Propheten in Hand und starrt mich überrascht an.
„Wo warst du?", fragt er.
„Bei Onkel Severus", antworte ich sofort und versuche, dabei kalt und uninteressiert zu klingen. Habe ich es geschafft? Warum hat Potter seinen Kopf gegen meinen gepresst?
„Oh", sagt Blaise. „Ist alles in Ordnung?"
Für ein paar Momente überlege ich mir, ob ich ihm von Potters seltsamem Benehmen erzählen sollte, aber ich schüttele gedanklich den Kopf. Ist überhaupt nicht nötig. Was ich aber sicherstellen sollte, ist, dass niemand, die Informationen über Potter und den dunklen Lord, nicht einmal ein Teilchen davon, preisgibt. Ich entscheide, auf der Stelle ein Treffen zu veranstalten.
„Wir müssen reden", sage ich, auf ihn zukommend. „Rufe doch die anderen. Wir treffen uns im Schlafzimmer."
Ich überspringe zwei Treppenstufen auf einmal und streife im Vorbeigehen mit meiner Schulter eine verwirrte Pansy Parkinson. Sie ruft mir hinterher, aber ich antworte nicht. Momentan bin ich in keiner Laune für ein Gespräch mit ihr. Ich muss mir gut überlegen, was genau ich ihnen sagen werde, denn sie könnten es ja falsch verstehen. Nämlich, dass ich Schiss vor Potter habe oder sonst was. Was allerdings die Wahrheit wäre. Er ist unheimlich. Etwas stimmt nicht mit ihm. Aber das geht mich überhaupt nichts an. Meine Aufgabe ist es, meine eigene und die Haut meines Vaters und meiner Mutter zu retten.
Die Slytherins haben immer einen Anführer in mir gesehen und werden mir folgen. Ich muss aber sehr vorsichtig sein, was genau ich ihnen sagen werde.
Einer nach dem anderen kommen meine Freunde – Freunde? Oder eher Mitglieder meiner Bande – ins Zimmer rein und Blaise, als der letzte, sperrt die Tür zu.
„Ich war soeben bei Severus", beginne ich. Alle schweigen und schauen mich erwartungsvoll an. „Potter...ist mitgekommen."
Nott und Zabini wechseln Blicke, sagen jedoch nichts dazu.
„Wie ihr wisst, gehört Potter jetzt zu der dunklen Seite. Ihr habt es sicherlich bemerkt, dass er die dunkle Magie täglich benutzt."
Theodore nickt schnell.
„Was wir tun müssen, hat wohl nichts mit ihm zu tun", fahre ich fort. Zuerst das eine aufklären. „Er war früher pompös und ein Idiot, und er ist noch immer einer. Aber meine Mutter hat ihn aufgenommen. Ich stimme mit ihr nicht überein, aber ich kann sie verstehen. Außerdem hat Potter die Unterstützung des dunklen Lords. Ich habe ihn gesehen und mit ihm gesprochen."
Endlich etwas, was Pansy zum Schweigen bringt. Sie ist blass und macht keine Anstalten, wie sonst üblich, mich zu unterbrechen oder etwas zu sagen. Normalerweise redet die Frau ohne Punkt und Komma, und das hier ist eigentlich erfrischend. Also sich merken – falls Pansy nicht die Klappe halten will, muss man nur den dunklen Lord erwähnen.
„Wenn ihr mich fragt, ist er total verrückt", fahre ich fort. Ich kann mir nicht helfen, ich musste es laut sagen. „Er hat einfach zu viel dunkle Magie auf einmal gelernt. Zu viel gefährliche dunkle Magie... Also haltet Abstand. Was ich euch sagen wollte, ist, dass wir ihm helfen sollten, falls er nach Hilfe fragt. Hoffentlich wird er es nicht tun, denn er ist so selbstsicher, dass er davon überzeugt ist, dass er überhaupt keine Hilfe braucht. Aber wir sollten keinem verraten – auf die eine oder andere Weise, auch wenn es nur eine Andeutung ist – was er da treibt und was vor sich geht. Keinem. Um ihn schere ich mich überhaupt nicht. Aber ich schere mich um meine Familie und ihr solltet auch an eure Familien denken."
„Warum wart ihr bei Professor Snape?", wagt es Nott leise zu fragen.
„Severus hat eine Aufgabe bekommen", murmele ich. „Das ist alles, was ich euch sagen kann. Wir sollten zusammen halten – und nichts davon in der Öffentlichkeit erwähnen. In Ordnung?"
Alle nicken, sehen jedoch aus, als hätten sie mehr Fragen.
„Er... er kommt also zurück?", fragt Nott leise, als er auf mich zukommt. „Und Potter hat was damit zu tun?"
„Ja, Theodore", flüstere ich, doch die anderen haben mich zweifelsohne gehört.
„Ich möchte ihn sprechen", sagt Nott entschlossen. „Potter. Ich... ich kann die dunkle Magie an ihm spüren... Sie ist so dicht wie Teer. Was macht er? Wo übt er die dunkle Magie?"
„Keine Ahnung, das ist sein Geheimnis und er möchte es mir nicht verraten", erwidere ich seufzend. „Wahrscheinlich foltert er Spinnen oder so was. Er hat ernste Probleme, weißt du? Er ist noch immer danach süchtig und er ist gewalttätig. Also solltest du lieber nicht versuchen, mit ihm in der Schule zu sprechen."
„Ja, in Ordnung", erwidert Nott schnell. „Aber er kommt mit dir an Weihnachten nach Hause?"
„Ja, sicher", antworte ich und verenge meine Augen. „Was hast du vor?"
„Nun, wir kommen sicherlich zu Besuch", erwidert Nott achselzuckend. „Dann werden wir ihn sehen. Sicherlich wäre es in Ordnung, ein paar Worte mit ihm zu wechseln?"
Er grinst mich an und ich schüttele den Kopf. Früher habe ich mich auf die Ferien gefreut; jetzt aber nicht mehr. Die Ferien mit Potter im Haus sind keine bloßen Ferien... Sondern reine Qual.
/Harrys Sicht
Das hat Spaß gemacht. Ich fühle mich erfrischt; als wäre ich etwas losgeworden. Ich weiß einfach nicht, was ich da erreichen wollte, aber na ja. Ab und zu verdiene ich es auch, ein wenig Spaß zu haben. Auch wenn es heißt, dass es mir Spaß macht, Draco Angst einzujagen. Ich habe eine verdrehte Vorstellung von Spaß. Ganz der Lehrer, was?
Glucksend nenne ich der fetten Dame das Passwort , die mir einen finsteren Blick zuwirft, weil ich ja so spät komme. Ich sollte meine Hausaufgaben machen. Mir kommt es manchmal vor, als besuche ich zwei Schulen zugleich – eine von Tom und eine von Dumbledore. Na dann, wenn es sein muss... Ich brauche ein paar Bücher aus dem Schlafsaal... Als ich die Treppen hoch steige, denke ich darüber nach, wie schön es wäre, wenn die Bibliothek den ganzen Tag lang offen wäre... Daran haben sie nicht gedacht. Vielleicht gibt es Schüler, die nachts lernen? Warum sollten sie keine Bücher zur Verfügung haben? Ist das etwa noch eine hellmagische Regel?
Es hat sich so gut angefühlt, den Ausdruck auf Dracos Gesicht zu sehen... In diesem Moment falle ich zurück in die Realität und halte im Türrahmen inne.
Ron und Seamus stehen mit gezückten Stäben beim Fenster und versuchen mit aller Kraft, ihre Haare normal zu zaubern. Denn jetzt sind ihre Haare rosa. Als sie mich erblicken, fahren sie hoch und richten stattdessen ihre Stäbe auf mich.
„Rosa steht dir gut", meine ich durch die Zähne und durchquere das Zimmer. „Soso... du hast versucht, etwas zu klauen? Das war sehr böse von dir, Ronald Weasley. Und das hast du getan, während ich fort war..."
Ron wird purpurrot und hebt seinen Stab. Mir entgeht nicht, dass sein Stab zerbrochen ist und dass er ihn mit einem Kaugummi zusammengeklebt hat. Ich hebe die Augenbrauen hoch und verschränke die Arme vor der Brust.
„Und was möchtest du damit tun? Mir die Augen ausstechen? Steck das Zeug weg, Ronald. Dein Stab ist zerbrochen", sage ich mit Verachtung und gehe zu meinem Bett hinüber. Die Schutzzauber erkennen mich und lassen mich durch.
„Ich werde schon einen Beweis finden", zischt Ron, der am ganzen Leib zittert. „Dass du ein Schwarzmagier bist. Ich weiß es, kann dir aber nichts nachweisen. Aber das werde ich."
Ob Seamus ihn daran gehindert hat, mir einen Fluch auf den Hals zu jagen, weiß ich nicht, aber als ich mich wieder umwende, sind die beiden weg. Ich schüttele den Kopf und lege meinen Stab, den ich in meinem Ärmel parat hatte, auf dem Bett ab. Würde ich wegen des Zaubers Ärger bekommen? Er war hellmagisch, aber doch. In McGonagalls Augen habe ich jemanden verletzt, oder? Und man spricht über Gerechtigkeit...
Ich blicke über meine Sachen und seufze. Der Gryffindorturm ist kein sicherer Ort für mich. Ron würde es sicherlich nicht wagen, mir einfach nur so etwas anzutun, aber ich werde Toms Tagebuch immer mit mir herumtragen müssen. Denn ich wage es nicht, es je wieder im Schlafsaal liegen zu lassen. Auch wenn man durch meine Zauber nicht hindurch kommen kann, heißt das nicht, dass McGonagall zum Beispiel hergerufen werden kann und meine Zauber auseinander nimmt. Das würde mich ruinieren... Ich muss Tom fragen, was er darüber denkt... Moment mal. Ich könnte das Tagebuch in der Kammer Slytherins lassen. Nicht einmal Dumbledore kann die Kammer betreten, denn nur ein Schlangensprecher kann es. Das heißt, ich und Tom (oho, ich denke zuerst an mich? Wie interessant...) Nun... vielleicht wäre es für Dumbledore doch möglich, in die Kammer zu gehen. Es ist riskant. Aber es ist einen Versuch wert.
Und woher kommt diese Idee von Ron, dass ich ein Schwarzmagier bin? Ich denke darüber nach, was ich getan oder gesagt habe, das Ron zu diesem Schluss geführt hat. Da gibt es nichts. Ich bin vorsichtig und die einzige Möglichkeit ist, dass Ron irgendwie die dunkle Magie an mir gespürt hat. Was natürlich heißen würde, dass er auch ein dunkler Magier ist, und dass kommt überhaupt nicht in Frage, denn ich würde es wissen. Nein, er weiß es nicht. Was ihn zu diesem Schluss geführt hat, sind wahrscheinlich die Tatsachen, dass Narzissa mein Vormund ist, dass ich einen Malfoy Familienring trage und dass ich ab und zu mit Draco ein paar Worte wechsele. Das ist alles. Jetzt aber ist Ron nicht alleine, denn so wie es scheint, hat er Seamus und Merlin weiß wen noch an seiner Seite. Mein Leben im Gryffindorturm wird komplizierter denn je sein und hier bin ich nicht sicher. Vielleicht könnte ich Snape fragen, ob ich bei den Slytherins schlafen kann? Das würde einiges vereinfachen. Und einen guten Grund habe ich ja. Der sprechende Hut wollte mich eh nach Slytherin stecken und außerdem ist Draco sozusagen mein Bruder und... Ich spiele schon wieder das Opfer. Die Gryffindors verurteilen mich aufgrund meines Vormunds und lassen mich nicht in Ruhe.
Am liebsten würde ich Ron in die Hölle fluchen aber das wäre eine sehr schlechte Idee. Auch wenn ihm zufällig etwas passieren würde, würde man mich als erstes verdächtigen. Eine Stimme in mir fragt mich skeptisch, was ich wohl damit gemeint habe. Ich weiß es selber nicht, aber Ron ist nicht mehr nur nervig, sondern steht mir im Weg. Ok, ich höre mich jetzt definitiv wie Tom an... 'Wenn mir jemand im Weg gestanden ist, habe ich ihn vernichtet.' (mit einer beeindruckenden Stimme ausgesprochen, nicht zu vergessen). Nun, vielleicht wäre meine Lösung nicht so radikal, aber ich gehe in diese Richtung. Warum kann man mich nicht einfach in Ruhe lassen? Vielleicht wäre ein Wächter keine so schlechte Idee... Wie wäre es mit einer Schlange? Wenn Nagini nicht so frech und nervig wäre, wäre sie für diese Aufgabe perfekt. Ron würde sich in die Hosen machen, falls sie hinter meinem Koffer auftaucht. Aber Dumbledore würde es nie erlauben. Gefährliche Tiere oder sonst was...
Ich sollte besser schlafen gehen. Ron ist mit seinen Kumpeln nach unten gegangen, wahrscheinlich um Karten zu spielen oder auf sonst eine Weise seine Freizeit totzuschlagen. Und morgen Abend treffe ich mich mit Lupin. Das wird mal interessant.
