Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.

Cassie

„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."

oooooooooooooooooooooo

Kapitel 17 – Feind oder Freund?

Ich bin der erste, der aufwacht. Alle schlafen und schnarchen und ich weiß nicht, wie ich ruhig hätte schlafen können, gäbe es keinen extra-starken Stillezauber, der die ganze Nacht lang hält. Pfeifend dusche ich mich und ziehe frische Klamotten an, ehe ich mich auf den Weg zur großen Halle mache. Ich habe vor, nach dem Frühstück in die Bibliothek zu gehen, denn ein Berg von Hausaufgaben wartet auf mich. Glücklicherweise ist es Samstag, also habe ich noch Zeit.

Draco, Zabini und Nott sitzen zusammen und tuscheln miteinander. Als ich reinkomme, winkt Draco mir zu, wendet sich aber schnell ab. Ich verkneife mir ein Grinsen, als ich mich an die gestrigen Vorkommnisse erinnere. Der arme Draco.

Hermine sitzt am Tisch und liest. Dabei bemerkt sie nicht, dass die Marmelade von ihrem Brötchen auf den Tisch tropft. Hermine hätte eine gute dunkle Magierin sein können, gäbe es ihre Überzeugung nicht, dass man alles aus Büchern lernen kann. In Büchern liest man über die Theorie und bekommt Anweisungen für die Anwendung; aber man muss üben, ansonsten ist das Ganze umsonst. Aber was die Hellmagie angeht, sind Bücher notwendig. Denn man muss all diese Handbewegungen und Sprüche lernen...

„Harry", flüstert sie, sobald ich mich bei ihr hinsetze. „Warum hat Ron rosa Haare? Hast du etwas damit zu tun?"

Ich grinse breit und gabele mit Genugtuung ein Ei auf. Die Antwort auf ihre Frage steht mir höchstwahrscheinlich auf der Stirn geschrieben.

„Das ist nicht wirklich dein Ernst!", zischt Hermine. „Was hast du getan?"

„Er hat versucht, etwas aus meinem Koffer zu klauen", sage ich ruhig, obwohl sich, beim bloßen Gedanken daran, Wut in mir ausbreitet. „Und meine Schutzzauber haben ihm nicht erlaubt, hindurch zu kommen. Daher das rosa Haar."

Hermine starrt mich mit offenem Mund an und ich zucke mit den Achseln.

„Was? Es war kein Fluch und er ist nicht permanent. Nach ein paar Tagen lässt die Wirkung nach", sage ich abwinkend.

„Nein, Harry, das ist es nicht, was ich sagen wollte", sagt sie langsam. Ihre Augen funkeln fanatisch. „Woher weißt du, wie man das macht?"

„Bücher", gebe ich ihr die übliche und allgemein anerkannte Antwort.

„Du hast darüber in einem Buch gelesen? In welchem?", fragt sie atemlos.

„Komm mit in die Bibliothek und ich zeig es dir", sage ich und grinse sie an. Hermine grinst breit zurück. Dann erinnert sie sich an das, was sie vorher sagen wollte und ihr Ausdruck verfinstert sich.

„Harry, du könntest aus diesem Grund in Schwierigkeiten geraten", flüstert sie nervös. „Es ist echt genial, gebe ich zu; aber die Lehrer werden es nicht so sehen, befürchte ich."

Leider werden ihre Befürchtungen bestätigt. McGonagall taucht auf – es ist mir überhaupt nicht aufgefallen, dass sie ihren Platz am Lehrertisch verlassen hat – und kommt direkt auf mich zu, von Ron und Seamus begleitet.

„Mr. Potter", sagt sie kalt. „Ich möchte Sie in meinem Büro sprechen."

Ich erhebe mich und folge ihr erhobenen Hauptes, Ron und Seamus ignorierend, aus der Halle hinaus. Ron versucht meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aber ich finde meine Umgebung viel interessanter als ihn. Was ihn natürlich nervt.

„Setzt euch", sagt McGonagall geschäftsmäßig, als wir ihr Büro betreten. „Mr. Finnigan, bitte verlassen Sie mein Büro und warten Sie draußen auf Mr. Weasley."

„Aber ich war auch dabei!", protestiert Seamus, aber da gibt es nichts mehr zu sagen. Als McGonagall ihm einen strengen und warnenden Blick zuwirft, verlässt er zähneknirschend das Büro. McGonagall wendet sich uns zu.

„Was soll ich mit euch zwei tun?", fragt sie sich laut, sobald Seamus weg ist. „Woher kommt diese Feindseligkeit? Warum könnt ihr nicht in Frieden miteinander leben?"

Ron öffnet den Mund, um zu protestieren, aber McGonagall hebt die Hand.

„Ich möchte hören, was passiert ist", sagt sie. Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück und verschränke die Arme vor die Brust. Warum sollte ich mich bemühen, sie von etwas zu überzeugen, wenn sie offensichtlich bereit ist, Ron zu glauben?

Aus diesem Grund sitze ich hämisch lächelnd da und höre zu, wie Ron seine Version der Geschichte erzählt. Er sei an meinem Bett vorüber gegangen. Er hätte sich etwas genauer anschauen wollen. Er sei von einem Fluch getroffen worden. Ich sei frech gewesen und hätte ihn beleidigt. Ich hätte ihn und Seamus bedroht.

Ich schnaube, verdrehe die Augen und schaue zur Decke.

„Mr. Potter", sagt McGonagall schließlich. „Was haben Sie dazu zu sagen?"

„Dass Ron Sie schamlos anlügt", sage ich leise, die Decke noch immer anstarrend.

„Nenn mich bloß nicht Lügner!", protestiert Ron.

„Also was ist passiert?", fragt McGonagall, die Ron mit einem vernichtenden Blick zum Schweigen bringt. Vielleicht möchte sie doch die Wahrheit hören. McGonagall ist streng und unnachgiebig, aber sie ist gerecht.

„Er hat versucht, etwas zu klauen", sage ich ruhig. Ich weiß, dass ich Ärger bekomme, aber mir ist es scheißegal. Es hat sich gelohnt. „Ich habe meine Sachen mit einem Schutzzauber belegt. Ich wollte nur meinen Besitz schützen."

„Und unter den Umständen – mir ist ja klar, dass, auch wenn Sie mir glauben, Ron mit seinen Versuchen, etwas von mir zu klauen oder zu beweisen, dass ich jetzt böse bin, weil Narzissa mein Vormund ist, nie aufhören würde – möchte ich Sie darum bitten, dass sie mir gewähren, irgendwo anders zu schlafen", füge ich schnell hinzu, ehe jemand mich unterbrechen kann.

Ich schaue McGonagall in die Augen, welche die Stirn runzelt.

„Ihr wart beste Freunde", sagt sie langsam. „Was ist passiert?"

„Er ist zu den Schlangen überlaufen!", platzt es aus Ron. Ich schnaube und verdrehe die Augen. Die neue Maßeinheit für Dummheit – ein Ron.

„Mr. Weasley, bitte benutzen Sie nicht diesen Ton in meinem Büro", sagt McGonagall knapp. „Also schön, jetzt verstehe ich. Sie können gehen, Mr. Weasley. Ich werde mich mit Mr. Potter alleine unterhalten."

Ron wirft mir ein schadenfrohes Grinsen zu und verlässt das Büro. Ich starre meine Schuhe an und schweige.

„Darf ich fragen, was für ein Zauber es war, der Mr. Weasley und Mr. Finnigans Harre rosa gefärbt hat?", fragt McGonagall.

„Derselbe Zauber, den Sie uns in Verwandlung beigebracht haben", antworte ich. „Ich habe ihn nur in meine Schutzzauber eingebaut."

McGonagall hebt die Augenbrauen und lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück.

„Ich bin sehr beeindruckt, Mr. Potter", sagt sie schließlich. Echt? Ich bekomme keine Standpauke? „Und mir wäre es lieber, dass Sie genau dort weiter schlafen, wo Sie schon zwei Jahre lang geschlafen haben, aber ich werde dem Schulleiter von ihrer Bitte erzählen."

„Bitte tun Sie das, Professor", sage ich seufzend. „Denn besser wird es nicht werden. Es kann nur schlimmer werden."

„Wenn jeder ein Einzelzimmer hätte, würden wir ein dreimal so großes Schloss brauchen", sagt sie.

„Mir wäre es lieber, bei Draco zu schlafen", sage ich auf einmal. Habe ich das gerade wirklich gesagt? McGonagall hält inne. „Wir kommen gut miteinander aus und bei ihm hätte ich meine Ruhe."

„Sie sind ein Gryffindor", sagt McGonagall, jedes Wort betonend. „Ein Hauswechsel kommt überhaupt nicht in Frage."

„Auch wenn meine Sicherheit in Frage gestellt ist?", frage ich und schaue ihr in die Augen.

„Sie übertreiben", sagt McGonagall schließlich, obwohl sie für ein paar Momente gezögert hat. „So was passiert, wenn eine Gruppe von Jungen in einem Raum schläft."

„Sie haben ihn gehört", sage ich und deute auf die Tür. „Er denkt, ich sei zu den Schlangen überlaufen. Die Tatsache, dass Narzissa Malfoy mein Vormund ist, ist genug um ihn zu überzeugen, dass ich ein Slytherin und Merlin weiß was sonst noch bin. Das ist eine ernste Sache."

„Seien Sie versichert, Mr. Potter, dass, falls noch etwas passiert, Mr. Weasley seine Strafe bekommt", sagt sie kalt. „Und ja, ich glaube ihm nicht. Aber das heißt nicht, dass wir das Problem auf radikale Weise lösen müssen."

„Wenn Sie meinen", murmele ich. Sie glaubt mir? „Also was schlagen Sie vor, wie sollte ich mich vergewissern, dass niemand meine Sachen anfasst oder mir etwas im Schlaf antun kann?"

„Ich denke nicht, dass Mr. Weasley so weit gehen würde", sagt McGonagall überrascht.

„Wäre es mir erlaubt, ein Tier mitzubringen und es auf meinem Bett liegen zu lassen, wenn ich nicht da bin?", frage ich. McGonagall hält inne.

„Was für ein Tier?", fragt sie, obwohl ich mir sicher bin, dass sie es schon weiß.

„Eine Schlange", sage ich achselzuckend. McGonagall wirft mir einen misslingenden Blick zu. „Ich bin ein Schlangensprecher. Ich bin auf diese Tatsache überhaupt nicht stolz, aber ich kann sie nicht ändern. Ich kann aber mit einer Schlange sprechen und ihr Befehle geben. Und ich würde mich viel sicherer und ruhiger fühlen, wenn ich wüsste, dass sie mich beschützt."

McGonagall ringt mit sich selbst. Wäre es jemand anderer, würde sie gleich so laut nein sagen, dass sogar Hagrid sie hören könnte, aber da ich es bin, schweigt sie und denkt darüber nach. Sie weiß über die Dursleys Bescheid. Und sie weiß über Dumbledore Bescheid. Mir ist noch unklar, auf welcher Seite sie steht, aber eins ist sicher – ich tue ihr leid. Und offensichtlich denkt sie, dass ich noch immer an einem Trauma leide.

„Die Idee gefällt mir ganz und gar nicht", sagt sie kopfschüttelnd. „Aber ich werde darüber mit Professor Dumbledore sprechen."

„In Ordnung", sage ich. „Darf ich gehen?"

„Ja", sagt McGonagall und richtet sich auf. „Einen schönen Tag noch, Mr Potter."

Ich bin sehr überrascht, dass McGonagall nicht sofort nein gesagt hat, aber ich habe es versucht. Es ist vergeblich, aber ich wollte ihre Reaktion sehen. Aber es gab keine. Interessant. Nun ja, direkt zur Bibliothek. Da gibt es eine Masse an Arbeit für mich.

Hermine wartet ungeduldig auf mich und ich erzähle ihr schnell von dem, was in McGonagalls Büro vorgefallen ist.

„Ich fasse einfach nicht, dass Ron dich auf einmal so hasst", murmelt sie traurig. „Und er hasst mich auch. Was habe ich ihm je angetan?"

„Wir sind Freunde und verbringen eine Menge Zeit miteinander", sage ich achselzuckend. „Seiner Meinung nach genügt das."

„Wie kann man nur so blind sein?", zischt Hermine empört. „Ich denke, ich werde jetzt gehen und ihm ins Gesicht sagen, dass er ein Vollidiot ist."

Und sie macht tatsächlich Anstalten aufzustehen.

„Hermine", sage ich überrascht, nach ihrer Hand greifend. „Er kann dir etwas antun. Lass es. Du schläfst eh bei den Mädchen und ich werde schon einen Weg finden, Ron loszuwerden."

Ihre Augen weiten sich. Ich könnte mir eine verpassen. Was ist nur in mich gefahren? Ich klinge wie Tom!

„Ich wollte sagen, wie ich dieses Problem loswerden kann", verbessere ich mich schnell. Hermine seufzt. 'So spricht ein echter dunkler Magier', geht mir durch den Kopf. Er ist um sein eigenes Wohlergehen besorgt, betrachtet die Menschen als Informationsquellen, schert sich aber um nichts und niemanden und wenn ihm etwas oder jemand in die Quere kommt, kann er nur daran denken, wie er dieses Hindernis loswerden kann.

„Vielleicht kann Lupin helfen", fahre ich fort. Hermine blinzelt. „Oh ja, ich habe dir noch nicht davon erzählt. Er hat mich zum Tee eingeladen."

„Professor Lupin?", platzt es aus ihr. „Aber warum denn?"

„Keine Ahnung", sage ich achselzuckend. „Vielleicht möchte er mir gegenüber nur nett sein. Schließlich hat er meinen Vater gekannt."

„Vielleicht kann er dir von ihm erzählen", sagt Hermine, deren Ausdruck sich erhellt hat. „Das freut mich. Also erzähl ihm von Ron. Vielleicht kann er dir helfen."

oooooooooooooooooooooooo

So. Alle Hausaufgaben sind gemacht und ich hatte noch genug Zeit, um ein paar Seiten in einem Buch über fortgeschrittene Arithmantik zu lesen, ehe ich aufstehe und mich auf den Weg zu Lupins Büro mache. Das sollte eigentlich das Büro von Lockhart sein, aber da er nicht mehr da ist... Ich gluckse. Wenigstens eine gute Sache. Der Basilisk hat ihn aufgefressen, und obwohl alle denken, er sei einfach an dem Tag, an dem die Kammer des Schreckens geöffnet wurde, abgehauen, haben Tom und ich die Wahrheit von dem Basilisk selbst erfahren.

Ich klopfe an der Tür und drücke die Klinke nach unten. Lupin lächelt mich breit an, als ich reinkomme, obwohl er sehr müde aussieht. Leidet er an Schlaflosigkeit? Hat Nagini auch ihn besucht? Bei der Vorstellung, wie Nagini auf einmal im Bett von Professor Lupin auftaucht, bekomme ich einen unwiderstehlichen Drang, laut zu lachen. In letzter Zeit lache ich ziemlich oft...

„Es ist ein sehr schöner Tag", sagt Lupin, als er Tee ein gießt. „Ich habe einen langen Spaziergang gemacht und so wie es scheint, ist die ganze Schule da draußen."

„Ich war in der Bibliothek mit Hermine", sage ich. Lupin schaut mich erstaunt an. Ich zucke mit den Achseln. „Wir mussten ein paar Sachen nachschlagen."

„Du bist fleißig am Lernen, was?", fragt er glucksend. „Welche Fächer interessieren dich am meisten?"

Mal sehen. Dunkle Rituale, Arithmantik, Runen, Dämonenbeschwörungen und Duellieren, wobei natürlich alles erlaubt ist. Ich räuspere mich.

„Runen gefallen mir sehr. Mithilfe ein paar einfacher Runen habe ich meine Sachen geschützt. Das war eigentlich nur ein Experiment, aber es hat geklappt."

Kein Smalltalk, alter Mann. Ich habe ein Problem, und du kannst es lösen. Also gleich zur Sache kommen.

„So was brauchst du in der Schule sicherlich nicht", sagt Lupin belustigt, aber zur gleichen Zeit wirkt er beeindruckt.

„Eigentlich brauche ich so was", sage ich ernst. „Ronald Weasley lässt mich einfach nicht in Ruhe und gestern hat er versucht, etwas aus meinem Koffer zu klauen. Glücklicherweise haben meine Zauber gleich darauf reagiert."

Das Lächeln in Lupins Gesicht verschwindet und er starrt mich sprachlos an. Ich schaue ihm direkt in die Augen und spreche ruhig und kalt weiter.

„Professor McGonagall meint, dass wir versuchen sollten, wiedermiteinander auszukommen, aber ich bin nicht überzeugt davon, dass das funktionieren kann. Denn Ronald wird damit nicht aufhören."

„Was ist passiert?", fragt Lupin fassungslos. „Die Weasleys sind eine sehr nette Familie."

Also kennt er die Weasleys? Sehr interessant.

Ich erzähle Lupin von dem, was im Schlafsaal passiert ist und er hört aufmerksam zu. Vielleicht zu aufmerksam.

„Es tut mir leid, das zu hören", murmelt er, als ich fertig bin und an meinem Tee nippe. Ich versuche, nicht neugierig auszusehen, denn ich möchte wissen, ob er irgendetwas unternimmt. Und ihm scheint es tatsächlich Leid zu tun.

„Darf ich fragen, warum du dich ausgerechnet für Narzissa Malfoy entschieden hast?", fragt er.

Ach so, ich bin schuld daran, weil ich eine dunkle Familie ausgewählt habe. Wird es je aufhören?

„Nach dem Brand bin ich zu Gringotts gegangen, weil ich Geld brauchte. Ich habe ja alles im Feuer verloren. Ich wollte auch wissen, ob ich bei jemandem pennen kann. Ich habe den Kobold gefragt, ob ich Verwandte habe, und er hat mir Narzissa Malfoy vorgeschlagen. Dabei gab es ein paar... Sachen, die ich herausgefunden habe. Zum Beispiel, dass Professor Dumbledore all diese Jahre mein Vormund war. Und dass etwas Geld aus meinem Verlies fehlt, welches er abgehoben hat. Ich weiß nicht, was mit diesem Geld passiert ist, aber ich war natürlich wütend. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum er mir nicht davon erzählt hat, dass er mein Vormund ist und warum er mich nicht gewollt hat. Er hat mich stattdessen den Dursleys übergeben. Ich habe auch herausgefunden, dass Sirius Black mein Pate ist, sich aber nicht um mich kümmern kann, weil er im Gefängnis ist. Vermutlich war das noch ein weiterer Schock für mich, der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat und ich bin umgekippt. Die Kobolde haben Narzissa Malfoy gerufen, weil sie vermutet haben, ich wollte nicht, dass Dumbledore mich abholt. Und da hatten sie Recht."

„Narzissa hat sich um mich gekümmert und mir geholfen, als niemand es tun wollte", sage ich kalt und schaue Lupin in die Augen. „Und ich schere mich nicht darum, wer sie ist. Sie hat mir geholfen und das genügt mir."

Es gab eine Vielzahl von Emotionen, die über Lupins Gesicht gehuscht sind, als ich ihm all das gesagt habe. Er starrt mich wortlos an und schüttelt den Kopf.

„Professor Dumbledore hat einen Fehler begangen", sagt er leise. „Er hat dich wie ein Kind behandelt und das hast du nicht verdient. Du bist ein kluger und weiser Junge für dein Alter."

„Worauf wollen Sie damit hinaus, Professor Lupin?" frage ich ein wenig aggressiv. Schon wieder dieses 'ich bin ein kluger Junge'. Wenn ich es nochmal höre, werde ich jemanden erwürgen.

Lupin schaut mich überrascht an, weil ich ja ziemlich frech bin.

„Ich wollte sagen, dass er einen Fehler begangen hat, den du ihm aber nicht übel nehmen musst", sagt er langsam.

Sich nicht um mich zu kümmern, sondern mich diesen Monstern zu überlassen und mir Geld zu klauen, wofür er sich noch immer nicht entschuldigt, geschweige denn gerechtfertigt hat, soll ich ihm nicht übel nehmen? Das kann doch unmöglich Lupins Ernst sein!

„Und was hat das Ganze mit Ronald Weasley zu tun?" frage ich statt etwas dazu zu sagen, denn dann würde es kein Ende geben.

Lupin seufzt.

„Vielleicht kannst du es nicht wirklich verstehen", fängt er an. Oh ja, jetzt kommt dieser Teil. Ich kann es nicht verstehen, weil ich ja so jung bin. „Aber die Weasleys sind eine hellmagische Familie. Und sie trauen Menschen wie den Malfoys nicht, weil sie eine dunkle Familie sind..."

„Vielleicht bin ich sehr jung", unterbreche ich ihn und Lupin entgeht der Sarkasmus in meiner Stimme nicht. „Aber ist es in Ordnung, nur aufgrund dieser Tatsache jemanden zu verurteilen? Kennen die Weasleys die Malfoys? Sie sind Menschen, sowie alle anderen. Es ist eine Form von magischem Rassismus, wissen Sie. Nur weil jemand schwarze Haut hat, heißt das, man sei böse. Denken Sie nicht, dass diese Denkweise ziemlich dumm ist?"

„Natürlich, Harry", sagt Lupin mit Überzeugung. Dabei entgeht mir nicht, dass er meinen Vornamen benutzt hat. „Aber ich wollte dir einfach erklären, woher das kommt."

„Nun, ich denke, dass das Ganze ziemlich dumm ist", sage ich wütend und lehne mich auf meinem Stuhl zurück.

„Ich stimme zu", sagt Lupin lächelnd. Echt? „Ich werde versuchen, dir zu helfen, Harry. Ist es in Ordnung, dass wir uns dutzen?"

„Fein", murmele ich schlechtgelaunt.

Lupin lächelt mich freundlich an, aber ich starre finster meine Schuhe an.

„Ich werde mit Ms. Weasley reden. Sie ist eine Freundin von mir. Wir kennen uns aus der Schule", sagt Lupin freundlich. „Und sie wird bestimmt mit Ronald sprechen."

„Tun Sie das, Professor", sage ich finster. Ich ignoriere die Tatsache, dass Lupin vorgeschlagen hat, dass wir uns duzen.

Lupin schaut mich seltsam an und die Spannung in der Luft wird schlimmer. Er fragt sich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, zu erwähnen, dass er einmal meinen Vater gekannt hat und dadurch sein wahres Motiv, mich zum Tee einzuladen, zu enthüllen.

„Weißt du, dass Sirius Black geflohen ist?", fragt er beiläufig.

„Natürlich, die ganze Schule weiß es", sage ich kopfschüttelnd. Die Richtung des Gesprächs wurde geschickt geändert. Alle Achtung, Lupin!

„Er ist dein Pate", sagt Lupin leise. „Und ich war dort, als deine Eltern ihn als deinen Paten ernannt haben."

Ja, in Ordnung. Lupin schweigt und starrt mich ernst an. Oh Verzeihung, sollte ich etwas dazu sagen? Wie wäre es mit 'na und'?

„Ich weiß, dass Sie meine Eltern gekannt haben", sage ich kalt. Ich weiß nicht, warum ich mich so wütend fühle. Ich wollte doch etwas über meinen Vater herausfinden! „Und ich weiß auch, dass falls Black sich nicht um mich kümmern könnte, Sie mein Vormund hätten sein sollen."

Es hat sich gelohnt, das zu sagen, denn Lupin wird blass und schluckt kräftig. Wieso bin ich auf einmal so schadenfroh?

„Woher weißt du das?", fragt er sehr leise. Seine Stimme klingt ganz anders. Diese väterliche Stimme, die er bisher benutzt hat, ging mir auf die Nerven.

„Es ist nicht wichtig, woher ich das weiß", sage ich schnell. „Es ist aber wichtig, was für eine Erklärung Sie dafür haben."

Lupin lehnt sich zurück und sieht auf einmal viel älter aus, als er ist.

„Ich wollte es", flüstert er. „Ich wollte mich um dich kümmern, Harry." Tränen glitzern in seinen Augen. Bitte nicht! Wein doch nicht vor mir! Denn ich habe diese emotionalen Ausbrüche wirklich satt. „Aber...", er schluckt wieder. „Dumbledore war der Meinung,..."

„SCHON WIEDER ER!", unterbreche ich ihn zornig und Lupin zuckt zusammen. „Er mischt sich in mein Leben ein, als wäre es sein eigenes! Was gibt ihm das Recht, sich immer einzumischen und zu bestimmen, was aus mir werden wird?"

Lupin starrt mich wortlos an, aber dieses Mal versucht er nicht, mich zu beruhigen oder mich zu verbessern. Er senkt den Kopf und wischt sich das Gesicht mit seinem schäbigen Ärmel.

„Harry, ich bin kein Mensch", flüstert Lupin schließlich. Ich schaue schnell auf. Was? „Aus diesem Grund wollte Dumbledore nicht, dass du bei mir aufwächst."

Ich mustere den Mann und etwas in mir macht klick. Aber natürlich! Seine Augen... und sein Gesichtshaar... Und seine Narben...

„Vielleicht ist es doch besser, dass ich bei den Dursleys aufgewachsen bin", sage ich schließlich mit einer vor Wut zitternden Stimme. „Denn dort habe ich gelernt, dass man keinem vertrauen kann. Dass man sich immer um sich selbst kümmern muss, denn keiner wird es statt einem selbst tun. Und dass man für seine Rechte kämpfen muss, denn ansonsten wird man zerstört."

Tränen gleiten Lupins Wangen entlang und der Mann tut mir auf einmal leid. Er war auch Dumbledores Sklave. Ist er es noch immer?

„Und ich verstehe und beschuldige Sie nicht dafür", sage ich emotionslos. „Aber ich würde es schätzen, wenn Sie mir mein Leben wenigstens jetzt leichter machen können, anstatt es zu verkomplizieren."

„Ich werde dir bei allem helfen, wobei ich dir helfen kann", sagt Lupin sofort. Und er meint es ernst.

„Danke", sage ich. Jetzt fühle ich mich viel ruhiger. „Also bitte schreiben Sie an Ms Weasley und klären Sie das Ganze auf. Denn Ronald treibt mich in den Wahnsinn und ich werde mir Tag für Tag den Kopf darüber zerbrechen, was er als nächstes ausheckt. Ich habe wirklich keine Energie mehr dafür."

„Ich werde alles in meiner Macht stehende tun", sagt Lupin und lächelt mich freundlich an.

„Danke, Professor", sage ich und erhebe mich. „Ich muss jetzt gehen. Guten Abend noch."

Lupin sieht aus, als wäre ihm nichts lieber, als mich aufzuhalten, aber er nickt resigniert und ich verlasse das Büro.

Schon wieder Dumbledore. Alles scheint sich um ihn zu drehen. Er hat seine alten Finger in allem und zieht die Fäden wie eine alte Spinne. Ich habe es nicht ernst gemeint, als ich Tom einmal gesagt habe, dass ich ihn am liebsten vergiften würde. Jetzt aber kommt mir dieser Plan verlockend vor. Ich kann dem Mann nicht in die Augen schauen ohne den Drang zu verspüren, ihn in die Hölle zu fluchen. Er hat alle weggeschickt, bei denen ich keine beschissene Kindheit gehabt hätte und hat mich den Dursleys übergeben. Er wollte mich offensichtlich brechen. Und er wäre beinahe erfolgreich gewesen, würde es Tom nicht geben...

Als ich mich wieder auf den Weg zur Bibliothek mache, ist alles, worüber ich denken kann, ein paar Stunden in Gesellschaft mit Tom und dunkler Magie.

oooooooooooooooooooooooo

„Ich weiß den Text auswendig, in Ordnung?", brülle ich, eine halbe Stunde später, Tom an. „Das Ritual wird klappen. Ich möchte die verbotenen Flüche üben."

Tom hat bisher in den Schatten gesessen, jetzt aber steht er langsam auf. Seine dunklen Augen glitzern im Fackellicht.

„Du möchtest wieder die Wirkung der Flüche spüren", sagt er leise. „Oder?"

„Nein", belle ich. „Nun... vielleicht. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich etwas zerstören muss. Ich habe alles so satt!"

„Wenn du denkst, dass die dunklen Künste nur dafür gut sind, den Hass und den Zorn loszuwerden, liegst du falsch", sagt Tom mit einer gefährlichen Stimme. „Man nennt sie nicht umsonst 'Künste'. Und eine der wichtigsten Vorbedienungen ist sicherlich Selbstkontrolle. Denn ohne Selbstkontrolle schaffst du es nicht. Die Sucht wird dich in den Wahnsinn treiben. Sie wird dich umbringen."

Schweratmend setze mich auf den kalten Boden. In jenem Moment hasse ich Tom und mir wäre nichts lieber, als das Tagebuch zu schließen und ihn verschwinden zu lassen. So würde ich die verbotenen Flüche selbst üben können.

Aber Tom hat Recht. Mein Zorn und meine Selbstkontrolle sind außer Kontrolle geraten. Aber es gibt Momente, in denen etwas Fremdes die Kontrolle übernimmt... Etwas tierisches, das alles in meiner Umgebung zerstören möchte. Ich atme tief durch und erinnere mich an mein Treffen mit Draco. Natürlich denkt er jetzt, dass ich vollkommen übergeschnappt bin, denn so wie ich mich benommen habe, kann er wohl keinen anderen Schluss ziehen. Und ich war frech, als ich mit Lupin gesprochen habe. Ich war auch ziemlich frech McGonagall gegenüber. Frech, oder nur selbstsicher, fragt mich eine Stimme? Kann man eine Person frech nennen, nur weil sie weiß, was sie möchte und alles tut, um das zu bekommen? Man kann eine solche Person auch Schwarzmagier nennen. Und ich bin ja einer.

Ich vergrabe das Gesicht in den Händen und höre Toms Schritte auf dem steinigen Boden.

„Hast du dich je so gefühlt?", frage ich durch meine Finger.

„Ja", sagt Tom leise. „Ich habe die ganze Welt gehasst, weil ich nicht verstehen konnte, warum man mich schikaniert und hasst."

„Aber ich habe gelernt, dass man sich genug respektieren sollte, um sich selbst nicht zu zerstören. Man sollte die Energie besser nutzen und diejenigen zerstören, die einen verletzt haben."

„Also hast du deinen Vater getötet", murmele ich.

„Und ich bereue es überhaupt nicht", sagt Tom mit einem Hauch von Stolz. „Denn er hat meine Mutter und mich verlassen – und er hat es verdient."

„Und du, Harry, du hast auch diejenigen, die dir wehgetan haben, getötet", fährt Tom fort. „Da hast du deine Rache."

Ich reibe mir die Augen und bemerkte, dass sie vollkommen trocken sind. Wäre ich früher in solch einer Situation gewesen, hätte ich wie ein Baby geweint. Ich kann mich noch immer an all die Nächte erinnern, in denen ich mich in den Schlaf geweint habe. Aber jetzt, wenn ich an meine Verwandten denke, spüre ich überhaupt nichts.

„Und ich bereue es auch nicht", flüstere ich.

„So ist es gut", sagt Toms Stimme. „Denn man sollte nicht das bereuen, was man nicht ändern kann. Andererseits sollte man auch nicht bereuen, dass man für sich selbst kämpft, denn keiner wird es anstatt einem tun."

„Tom", flüstere ich, als ich durch meine Finger hindurch gucke. „Was passiert, wenn Voldemort seinen Körper zurück hat? Was passiert mit dir?"

Tom schaut mich nachdenklich an. Nachdenklich, aber nicht überrascht. Als hätte er schon viel darüber nachgedacht und auf meine Frage gewartet.

„Da gibt es etwas, was ich dir nicht gesagt habe", sagt Tom leise. „Und es geht um mein älteres Ich."

Ich versteife mich und spüre ein Déjà-vu. Schon wieder lügt man mich an und verrät mich... Auch du, Tom.

„Ich habe dich nie angelogen", sagt Tom ernst. Hat er gerade meine Gedanken erraten? „Ich habe dir nicht davon erzählt, einfach weil ich selbst nicht gewusst habe, was es war und wie es funktioniert."

„Ich bin seine Erinnerung, das ist wahr", fährt er geduldig fort. „Aber zur gleichen Zeit ist etwas passiert, was er nicht erwartet hat. Sieh mich mal an. Ich kann zaubern, ich besitze seine Erinnerungen und sein Wissen und ich habe eine feste Form, das heißt, etwas, was einem Körper ähnelt. Wie ist das nur möglich? Aber ich habe noch etwas bekommen. Im Laufe der Zeit ist mir klar geworden, dass ich, während ich im Tagebuch bin, Tatsachen und Wissen aus einer Quelle bekomme. Es ist, als hätte man mir dieses Wissen einfach eingepflanzt. Am Anfang waren es einfache Sachen, sowie Namen oder Zauber. Aber als ich damit begonnen habe, darüber nachzudenken, woher ich dieses oder jenes weiß, habe ich nichts gefunden. Ich habe keine Erinnerungen an so was."

Ich starre ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

„Also bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es doch eine Verbindung zwischen mir und Voldemorts... Hauptseele, sozusagen, gibt."

„Kannst du ihn spüren?", frage ich leise. Jetzt habe ich meine Antwort auf die Frage bekommen, wie Tom dieses oder jenes weiß. Er weiß es, weil Voldemort es ihm sozusagen gesagt hat. Unheimlich...

„Nicht wirklich", sagt Tom. „Manchmal fühlt es sich so an, als gäbe es ein Echo... Aber das ist alles."

„Und was denkst du, was macht er, wenn er wieder seinen Körper hat?", frage ich dumpf. „Was passiert mit dir?"

„Ich weiß es nicht", sagt Tom leise. „Aber Harry, eines muss dir klar sein. Ich BIN Lord Voldemort. Auch wenn es sich anfühlt, als wäre ich jemand anderer, bin ich sein jüngeres Ich und bekomme außerdem sein Wissen. Du solltest nicht über ihn denken, als wäre er jemand anderer."

Ich schweige und starre meine Hände an. In gewissem Sinne hat Tom Recht. Aber Voldemort klingt so anders... bis zu einem gewissen Grad erinnert er mich an Tom, aber Tom ist einfach anders.

„Was möchtest du damit sagen Dass er dich eines Tages einfach... zurück nimmt?", frage ich. Liebe Morgana, das hört sich komisch an!

„Genau das ist es! Ich weiß es nicht", sagt Tom und verzieht das Gesicht. Denn auf eine ganz verrückte Weise würde es bedeuten, dass Tom sterben muss. Und das gefällt ihm überhaupt nicht.

„Keine Sorge, ich rede mit ihm. Wenn du das Ritual erfolgreich durchführst, wird er einsehen müssen, wie viel Potenzial du eigentlich hast."

„Aber er braucht mich nicht", murmele ich. „Wenn ich das Ritual durchführe und er einen neuen Körper hat, wird er mich nicht mehr brauchen. Also wird er sich meiner entledigen können", sage ich dumpf.

Tom scheint überrascht zu sein, dass ich auf diese Weise denke und ich kann es in seinen Augen sehen. Ich verstehe, wie die dunklen Magier denken, weil ich wahrscheinlich auch so denke. Oder?

„Nicht unbedingt", sagt er lächelnd. „Denn du bist seine beste Waffe gegen Dumbledore. Und bis du mit Dumbledore fertig bist, wird er schon einsehen, was für ein Verbündeter du bist. Denn du bist der Junge der lebt, und die Menschen vertrauen dir. Sie würden dir folgen."

Zu schnell. Meine Zukunft scheint sich vor meinem geistigen Auge zu schnell abzuwickeln und mir ist schwummerig. Halt stopp! Zurück zum Wesentlichen.

„Denkst du, dass ich die Chance bekomme, Dumbledore zu töten?", frage ich leise. Mein Inneres brennt. „Ohne, dass jemand etwas bemerkt? Oder spielt es keine Rolle, ob mich jemand verdächtigt?"

„Möchtest du ihn töten?", fragt Tom mit erhobenen Augenbrauen.

„Ja", hauche ich und schließe die Augen. „Oh ja. Du hast keine Ahnung. Ich verabscheue seine Magie, die nach verdorbenem und extra-süßem Kuchen riecht; sein großväterliches Lächeln; seine Lügen; seine zwinkernden Augen; und ich verabscheue seine ruhige Stimme und sein Rollenspiel. Es fühlt sich an, als stehe er mir im Wege; und wenn er weg wäre, wäre ich endlich frei. Seine bloße Gegenwart erzeugt Übelkeit bei mir und ich muss ständig auf der Hut vor ihm sein, ich muss darauf achten, dass er meine Gedanken nicht errät, ich muss aufpassen, wie ich mich benehme... es fühlt sich an, als hätte ich Verstopfung. Und als müsse ich etwas loswerden, ins Klo werfen. Ihn."

Ich hebe den Blick und Toms Augen funkeln, als er mir in die Augen schaut. Ich habe so leidenschaftlich gesprochen, dass ich nichts um mich herum bemerkt habe, nicht einmal Tom.

„Dann", sagt er leise. „Dann ist es Zeit dafür."

„Gut", flüstere ich.

Ich stehe entschlossen auf. Ich fühle mich jetzt viel besser, weil ich Tom genau gesagt habe, wie ich mich fühle. Und es fühlt sich so gut an. Jetzt bin ich in der Laune, ernste dunkle Magie zu üben. Ihre Macht in meinem Blut zu spüren; zusammen mit der Dunkelheit zu brennen und nur an eines zu denken – an ihre Macht und all ihre Schönheit.

„Harry", höre ich Toms Stimme hinter mir, als ich meinen Stab hervorziehe. Ich wende mich um. „Ein dunkler Magier muss in dieser hellmagischen Gesellschaft leben und er weiß sehr wohl, wann er sich kleinmachen soll und wann er zuschlagen muss. Ein dunkler Magier ist ein Meister des Rollenspiels und der Manipulation – denn ohne sie würde er nie etwas erreichen können. Eines Tages wird die Situation anders sein, aber so wie es gerade ist..."

„Ich werde vorsichtig sein, Tom", sage ich ernst. „Du hast mich gut gelehrt – und ich werde dich nicht enttäuschen."

Tom lächelt flüchtig und kommt an mir vorbei, um sich auf einen der Schlangenköpfe zusetzen, sodass er mich besser sehen kann.