Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.

Cassie

„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."

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Kapitel 18 – Verabredung mit dem Tod

Es ist Freitag und das Ende vom Oktober. Ein starker Wind tobt draußen, gnadenlos über die Ländereien von Hogwarts fegend und bringt Hagrid noch mehr Arbeit als sonst. Denn der Wind hat all die Laubhaufen, die er sorgfältig im Laufe der vorigen Woche zusammengefegt hat, in alle Richtungen geblasen und ich kann durch das Fenster sehen, wie er mit einer Harke genervt rumläuft.

Am Sonntag werde ich mich mit Black treffen und alles steht bereit. Tom und ich haben den ganzen Abend – und einen Teil der Nacht – damit verbracht, den Ablauf des Tages gründlich zu planen. Denn Hermine würde sicherlich mitkommen wollen und dann hätten wir ein Problem.

Ich höre Professor Binns überhaupt nicht zu und starre aus dem Fenster, mit meiner Feder spielend. Die Geschichte der Magie – welch ein Unsinn. Ich habe noch nie von einem nutzloseren Fach in meinem Leben gehört und ich habe die Muggelgrundschule besucht. Also sollte das was heißen. 'Ecce! Hic est caro mea et sanguis meus*', geht mir durch den Kopf. Wie geht es weiter? Der Text geht mir weiter durch den Kopf, aber meine Augenlider fühlen sich schwerer und schwerer an. Als ich mit den Versen in meinen Gedanken fertig bin, erscheint vor meinem geistigen Auge eine seltsame Szene. (*'Siehe! Hier ist mein Fleisch und mein Blut')

„Harry Potter", ertönt eine Stimme in meinem Kopf. Ich schaue mich in meinem Traum um. Ich stehe auf einem Friedhof und der Boden unter mir fühlt sich kalt an. Warum bin ich so klein? Und warum sehe ich schwarz und weiß?

„Da bist du ja wieder", sagt die mentale Stimme. Als ich das Gesicht von Wurmschwanz in der Ferne erblicke, macht etwas laut klick in meinem Kopf. Voldemort.

Er – die Schlange – liegt auf einem Grab und eine leere Schale steht vor ihm. War das Voldemorts... Abendessen? Ich möchte nicht wissen, was er gerade gegessen hat. Wurmschwanz wiederum isst Wurst und Brot, und der Geschwindigkeit nach zu beurteilen, mit der er sein Abendessen verspeist, ist er sehr hungrig. Merlin weiß wann er zuletzt etwas gegessen hat.

Voldemort wiederum scheint mit etwas sehr zufrieden zu sein.

„Wie geht es Euch?", frage ich gedanklich.

„Besser", denkt Voldemort selbstzufrieden. „Wir sind in England, Harry Potter. Und ich habe etwas sehr interessantes im Propheten über dich gelesen."

„Du wohnst bei den Malfoys", fährt Voldemort fort. Ich spüre eine Art Ungeduld, als hätte er schon seit Tagen auf dieses Gespräch gewartet und möchte mir alles in wenigen Minuten sagen, was er zu sagen hat, ehe ich aufwache.

„Dumbledore ist sicherlich außer sich vor Trauer", fährt er zufrieden fort. Ich lache gedanklich und Voldemort scheint mitzulachen. Es fühlt sich seltsam an, so mit Voldemort zusammen zu lachen.

„Aber darüber können wir sprechen, wenn wir uns treffen", denkt er und streckt seinen Schwanz aus.

„Wir befinden uns in einem Wald am Stadtrand von Dover", denkt Voldemort schnell. „Und ich möchte, dass jemand kommt und mich abholt. Ich hatte genug vom Reisen."

Mein Herz macht einen Hüpfer. Er ist da! Er ist tatsächlich da! Bald werden wir wirklich sprechen können...

„Freust du dich so sehr auf mein Ankommen, Harry Potter?", fragt Voldemort belustigt.

„Ja, natürlich!" denke ich zurück. „Das ist toll! Ich kann es kaum abwarten, Euch zu sehen."

„Du freust dich auf deinen Tod, Harry Potter", zischt die Schlange.

Noch immer das. Was muss ich tun, um Voldemort zu überzeugen, dass ich auf seiner Seite stehe? Auf den Astronomieturm klettern und 'ich bin ein Todesser' singen?

„Aber ich muss zugeben, dass ich sehr neugierig auf dich bin", zischt Voldemort weiter. „Seit du mich zuletzt aus dem Körper meines Dieners vertrieben hast..."

Oh nein. Ich habe das total vergessen. Voldemort jedoch nicht.

„Aber darüber werden wir noch sprechen", denkt Voldemort. „Ich kann nicht leugnen, dass Wurmschwanz, so inkompetent er ist, mir geholfen hat. Er hat meine Seele gefunden. Aber ich kann genauso nicht leugnen, dass du mir geholfen hast, Harry Potter, mein Erzfeind. Du hast meine Erinnerung gefunden und jemanden für sie getötet, sodass sie eine Form haben kann. Du bist tief in die Dunkelheit gesunken, Junge. Ich kann es spüren..."

Die Schlange züngelt mit der Zunge.

„Schicke jemanden, um mich abzuholen. Ich bin müde. Aber wenn ich mich erholt habe, möchte ich dich sprechen."

„Ich freue mich schon darauf", denke ich schnell.

Voldemort klingt anders. Anscheinend haben die Nächte, die er in einem dunklen und stinkenden Frachtraum an Bord eines Schiffes verbracht hat, Wunder für sein Ego gewirkt.

„Ich werde Tante Narzissa sprechen so bald ich kann, mein Lord", denke ich weiter und spüre wahnsinnige Freude, die sich beim bloßen Gedanken, endlich mit ihm sprechen zu können, in mir verbreitet.

„Gut, gut", denkt Voldemort belustigt. Meine wahnsinnige Freude macht ihm Spaß. „Leider weiß ich nicht, was für ein Friedhof es ist."

„Lucius wird Euch finden, mein Lord, keine Sorge. Ich wünsche mir, ich könnte mitkommen, aber ich muss in der Schule bleiben. Sonst wird Dumbledore argwöhnisch."

Voldemort züngelt mit der Zunge und das letzte, was ich höre, ehe die Vision sich auflöst, ist sein Zischen: „Altes Huhn..."

Ich fahre hoch und schaue mich um. Hermine wirft mir einen missbilligenden Blick zu.

„Du warst gestern schon wieder bei deiner mysteriösen Freundin, oder?", flüstert sie mir ins Ohr. „Diese Geheimtreffen werden dich umbringen, Harry. Was ich aber wirklich beunruhigend finde, ist, dass du sogar im Unterricht eindöst. Du verpasst etwas Wichtiges."

„Wichtiges? Sowie die Geschichte der Zauberwelt?", zische ich zurück. Es fühlt sich an, als brenne mein Magen. Ich muss sofort mit Narzissa sprechen. Draco beobachtet mich aus der anderen Ecke des Raumes.

Ich verziehe das Gesicht und stehe entschlossen auf.

„Entschuldigung, Professor Binns", sage ich laut. Der Professor aber, fährt lediglich mit seiner Vorlesung fort und es dauert eine Weile, bis er bemerkt, dass die Schüler auf mich deuten.

„Was ist?", fragt er verwirrt. Niemand hat ihn je unterbrochen und wahrscheinlich weiß er nicht, was er tun soll.

„Mir ist übel", sage ich laut und stopfe meine Sachen in meine Schultasche. „Ich muss zum Krankenflügel."

„Oh", sagt der Geist. „Ja, natürlich, Willkins. Geh."

Und ehe Hermine etwas sagen kann, stehe ich schon an der Tür.

„Hoffentlich geht es dir bald besser", ruft mir Professor Binns hinterher.

Ich muss sie kontaktieren. Aber wie? Ich sollte ihr einen Brief schicken. Nein, das geht zu langsam. Die Eulen sind zu langsam... Ein fieberhafter Gedanke wird von einem anderen ersetzt, ehe die Lösung in meinem Kopf aufblitzt. Snape.

Ich renne den Korridor entlang und versuche festzustellen, ob mir jemand folgt. Alle sind im Unterricht. Ich kann sogar Lupins Stimme durch eine Klassenzimmertür hören, an der ich wie ein Pfeil vorbei sause. Seit wann braucht man zwanzig Minuten, um zu den Kerkern zu gelangen? Oh nein, warte; nur fünf Minuten sind vergangen.

Ich bremse vor der Klassenzimmertür ab und spitze meine Ohren. Ich kann Snape überhaupt nicht hören. Andererseits hat er vielleicht keinen Unterricht. Es ist ja noch immer früh und seine Vorlesungen finden normalerweise später statt. Ich klopfe an die Tür. Keine Antwort. Ich öffne vorsichtig die Tür und blicke mich um. Der Raum ist vollkommen leer.

Da ertönt ein Klirren und ein wütender Snape taucht hinter einem Regal auf.

„Potter!", zischt er als er mich erblickt. „Was machen Sie hier?"

Ich sperre die Tür zu, mich nicht um seine Wut und seine Fragen scherend, und komme schnellen Schrittes auf ihn zu.

„Ich muss Tante Narzissa sprechen", sage ich leise. Snape hält in seinem Monolog inne und verengt die Augen. „Es ist dringend."

„Dringend?", wiederholt er. „Und wieso sollte ich dir meinen Kamin ausleihen?"

„Weil es um IHN geht. Er ist in England", zische ich wütend.

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So. Jetzt kann ich nichts mehr tun. Aber ich kann auch nicht ruhig sitzen. Ich fühle mich sprunghaft. Ich weiß nicht, warum ich so aufgeregt bin. Voldemort hat sich auch aufgeregt angehört. Na ja, nach solch einer langen Reise würde er sich sicherlich darauf freuen, sich endlich nicht mehr verstecken zu müssen und seine Diener zu sehen. Auch wenn er eine Schlange ist. Aber er hat gesagt, er sei neugierig auf mich. Er wolle mit mir sprechen. Er möchte sich mit mir treffen. Wie soll ich das bitteschön schaffen? Ich werde mir etwas ausdenken, das muss ich...

„Wo warst du?", fragt Hermine als ich ins Klassenzimmer hinein schlüpfe und mich auf meinen Platz niederlasse.

„Ich musste, wie gesagt, dringend aufs Klo", murmele ich.

„Ist dir übel?", flüstert Hermine besorgt. Sie hat die Feder zur Seite gelegt, was Bände spricht. Eine Hermine, die dem Unterricht nicht folgt – das sollte was heißen. Sie ist tatsächlich um mich besorgt. Aber anscheinend fühle ich mich nicht annähernd so tief gerührt, um ihr die Wahrheit zu erzählen.

„Nicht mehr", sage ich knapp.

„Nicht mehr?", hakt sie verzweifelt nach. „Warst du bei Madame Pomfrey?"

„Ich hatte Durchfall, wenn du es wissen musst", zische ich genervt. Hermine schließt den Mund und nickt. „Und es wollte nicht aufhören, also musste ich dort warten, bis mein Körper alles losgeworden ist, was er loswerden wollte. Zufrieden?"

„Ja", sagt Hermine leise. Ihre Wangen sind rosa angelaufen und sie wirkt verlegen. Das war ein wenig zu viel Information für sie. Aber die Geschichte passt. Ich bin auf einmal aufgesprungen, als wäre ich in den Hintern gestochen worden und ich bin ja wie verrückt durch die Hälfte der Schule gesprintet. Und falls mich jemand gesehen hat: da haben sie ihre Erklärung.

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Den Rest des Tages kann ich nicht damit aufhören, blöd zu grinsen. Ich habe auch Hermine auf die Wange geküsst, als sie mir gesagt hat, dass wir als nächstes Zaubertränke haben. Sie denkt natürlich, dass es etwas mit meiner 'Freundin' zu tun hat, scheint sich aber für mich zu freuen. Und ich habe kein schlechtes Gewissen, weil ich sie so schamlos anlüge.

Snape hält noch immer Abstand zu mir, aber ich habe Zaubertränke noch nie so genossen. Glücklicherweise haben wir nichts Schwieriges gebraut, denn ansonsten weiß ich nicht, wie ich es hätte schaffen können. Alles, woran ich denken kann, ist mein Treffen mit Voldemort. Tom weiß schon Bescheid und er scheint genauso aufgeregt zu sein wie ich. Haben sie ihn schon gefunden? Ich schaue wieder auf die Uhr und schüttele den Kopf. Snape sitzt hinter dem Lehrertisch und liest allem Anschein nach, aber sein Blick wandert zu oft in meine Richtung. In einem Moment treffen sich unsere Blicke und er schüttelt leicht den Kopf. Verdammt.

„Geh ruhig, ich komme gleich", sage ich zu Hermine, als es klingelt. „Ich muss Snape sprechen."

„Warum denn?", fragt Hermine überrascht.

„Weil Madame Pomfrey ein paar Tränke für mich braucht", erfinde ich auf der Stelle.

„Harry, nimmst du noch immer den Traumlostrank?", fragt sie tadelnd.

„Nur ab und zu", sage ich leise. „Ich weiß, dass man davon süchtig werden kann. Keine Sorge. Hier geht es um gewöhnliche Tränke, die dem Körper bei dem Erholungsprozess helfen. Ich hoffe eigentlich, dass ich mehr wachse. Denn laut dem Heiler wäre ich ein Zwerg geblieben, hätte ich weiter so wenig Essen zu mir genommen. Hoffentlich passiert das nicht, jetzt, da ich ein richtiges Heim habe, wo man sich um mich kümmert."

Hermine wirft mir einen mitleidsvollen Blick zu und drückt meine Schulter. Sie ist weg.

„Professor Snape", sage ich, als auf ihn zugehe.

„In mein Büro", bellt er.

Ich folge ihm gehorsam ins Büro und er wendet sich mir zu, sobald die Tür ins Schloss fällt. Seine Augen blitzen auf. Wenn Blicke töten könnten...

„Das war sehr leichtsinnig", zischt er.

„Gibt es...", fange ich an, mich um seinen Tadel überhaupt nicht scherend.

„Nein, gibt es nicht!", bellt er. „Geh, Potter!"

„Aber wie kann ich nur wissen, ob er..."

„Ich werde Draco sagen, dass er Ihnen die Nachricht ausrichten soll. So würde es nicht auffällig aussehen", zischt Snape.

„In Ordnung", murmele ich resigniert.

Ich verlasse zähneknirschend das Büro und begebe mich zur großen Halle.

„Mr. Potter, da sind Sie ja", sagt eine weibliche Stimme hinter mir. Ich wende mich um. Warum muss alles auf ein Mal passieren? Da gibt es Tage, an denen ich mich zu Tode langweile und dann wieder Tage wie diese, wo alles zusammenkommt und man keine ruhige Sekunde hat.

„Ich habe mit dem Schulleiter gesprochen", sagt Professor McGonagall leise. „Anscheinend hat auch Professor Lupin ein paar gute Worte für Sie eingelegt und er hat mit Ms. Weasley gesprochen. Aus welchem Grund sie morgen ihren Sohn besuchen wird. Und was Ihren Schutzzauber angeht..." Sie seufzt und sieht dabei aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. „Professor Dumbledore gibt Ihnen seine Erlaubnis, das von Ihnen gewünschte Tier im Schloss zu haben. Aber Sie dürfen nicht zwei Haustiere haben."

„Ist schon gut, Hedwig findet den Gryffindorturm langweilig und verbringt eh die meiste Zeit in der Eulerei", sage ich schnell. Ich kann kaum meinen Ohren trauen. Wo habe ich darüber gelesen? Ach ja. Im Einladungsbrief in meinem ersten Jahr. Da gab es eine Wahl – Kröte, Katze, Eule... was noch? Aber sicherlich keine Schlangen. Was hat Dumbledore schon wieder ausgeheckt?

„Sie müssen also Ihr Tier untersuchen lassen und sich vergewissern, dass es gesund ist", fährt McGonagall fort und rümpft die Nase. Sie scheint auch nicht zu verstehen, warum Dumbledore mir so was erlaubt hat und ist davon angeekelt.

„Und vor allem müssen Sie sicher sein, dass Ihr Tier niemanden angreifen wird. Aus welchem Grund ich mich frage, was für einen Schutz solch ein Tier bieten kann, aber das ist nicht meine Sache."

Sie hebt das Kinn und mustert mich kritisch.

„Danke, Professor", sage ich grinsend. „Ich werde eine schöne Schlange auswählen und ihr sagen, sie dürfe niemanden angreifen oder Schaden anrichten."

„Wie man Schlangen mögen kann, verstehe ich nicht...", murmelt McGonagall, als sie mir zunickt und sich entfernt.

Ich kratze mich am Kopf und schaue zum Lehrertisch hinauf. Dumbledore sitzt da, schaut mich aber überhaupt nicht an. Stattdessen scheint er ein ernstes Gespräch mit der Wahrsagenlehrerin zu führen. Ich runzele die Stirn. Das Ganze war eigentlich nur ein Scherz gewesen, weil ich McGonagalls und Dumbledores Reaktionen sehen wollte. und Ich habe nie und nimmer gedacht, dass er zustimmen würde. Was ist nur los?

„Was ist passiert?", fragt Hermine besorgt.

„Oh, es geht um... Ronald", flüstere ich ihr ins Ohr. Hermine versteift sich.

„Ms. Weasley kommt morgen zum Besuch", sage ich breit grinsend.

Wir beide schauen in Weasleys Richtung, der seinen Teller anstarrt und lustlos mit seinem Essen spielt. Ich spüre eine Welle von Freude, als ich seinen bedrückten Ausdruck bemerke. Seit wann bin ich so schadenfroh? Na ja, er hat es verdient... Aber trotzdem... Und das mit der Schlange... Ich verstehe es einfach nicht. Sollte Dumbledore nicht eigentlich etwas dagegen haben? Warum habe ich den Eindruck, dass er mir erlaubt, mich auf gefährliche Sachen einzulassen? Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass so was vorkommt. Einmal hat er schon versucht, mich in die Klauen von Voldemort zu werfen. Wir ignorieren momentan die Tatsache, dass ich mich jetzt freiwillig in seine Klauen werfe. Warum hat Dumbledore es getan? Möchte er, dass ich sterbe?

Ich seufze und beginne zu essen. Ich werde nie Antworten auf meine Fragen bekommen, das kann ich vergessen. Ich werde mich stattdessen dem Wesentlichen zuwenden, so wie Voldemort und meinem bevorstehenden Treffen mit ihm.

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Nach Kräuterkunde machen wir uns auf den Weg in die Bibliothek. Das war anstrengend und eklig gewesen. Ich hatte keine Ahnung, dass es Pflanzen gibt, die so eklig sind. Ich sollte mich eigentlich duschen, ich fühle mich schmutzig und stinkig...

„Hey, Harry", sagt Draco, der zu uns hinüber kommt. Er ist alleine. Sehr einsichtsvoll, Draco, denke ich. Denn hätte er seine Bodyguards mitgebracht, hätte es wohl aussehen können, als wolle er einen Streit anfangen. Hermine richtet sich auf und starrt Draco ernst an.

„Hör mal", sagt er leise. „Da gibt es etwas, was Mutter mit uns besprechen will. Es ist so eine Art Familientreffen und wir sollen heute Abend nach Hause kommen. Professor Snape wird uns seinen Kamin ausleihen."

„Ein Familientreffen?", wiederhole ich.

Innerlich tanze ich einen Freudentanz. Sie haben ihn gefunden und er möchte mich sprechen. Ich habe eigentlich gedacht, er würde sich erholen wollen, aber so wie es scheint, möchte er mich gleich sprechen. Moment mal... wie kommuniziert er mit den Malfoys? Ich stelle mir die Schlange vor, die den Schwanz um einen Kugelschreibergewickelt hat und langsam auf ein Stück Papier schreibt: 'Ich möchte Harry Potter sehen. Lord Voldemort' und widerstehe dem beinahe unwiderstehlichen Drang, laut los zu prusten. Stattdessen grinse ich breit und nicke Draco zu, der mich vorsichtig anschaut.

„Ja, gerne", sage ich und klopfe ihm auf die Schulter. Ich kann Angst in seinen silbernen Augen sehen, was ich noch lustiger finde.

„Ich habe Narzissa vermisst", füge ich hinzu. Hermine schaut von einem zum anderen und wirkt überrascht. „Weißt du, worum es geht?"

Denn ich muss fragen, weil man es von mir erwartet.

„Keine Ahnung", sagt Draco. „Aber wir haben die Erlaubnis vom Schulleiter, bis Montag dort zu bleiben. So lange wir müssen."

Bis Montag? Exzellent. So kann ich mich in aller Ruhe mit Black treffen.

„So lange wird es sicherlich nicht dauern", meldet sich Hermine zu Wort. „Denn wir wollten am Samstag nach Hogsmeade gehen."

„Nun ja", murmelt Draco, in dessen Augen ich sehe, dass er weg möchte. Denn er möchte nicht dabei sein, falls ich etwas Verrücktes tue. Und außerdem denkt er die ganze Zeit mit Furcht an Voldemort. Das kann ich spüren. Ich grinse ihn teuflisch an und er wendet sich zum Gehen. „Wir treffen uns um acht Uhr, in Professor Snapes Büro."

Er ist weg.

„Nun, ich kann nicht leugnen, dass ihr zwei ein ziemlich höfliches Gespräch führen könnt", meint Hermine argwöhnisch. „Das ist schön, nur ein wenig überraschend."

„Draco ist ein Einzelkind, er ist ein wenig verwöhnt", sage ich fröhlich, als wir dem schmalen Pfad, der zur Schule führt, weiter folgen. „Aber er ist in Ordnung."

„Wenn du meinst", sagt Hermine kopfschüttelnd. „Was mich aber überrascht, dass er auch mir gegenüber höflich ist."

„Weil ich ihn davor gewarnt habe", erwidere ich grinsend.

„Ich habe nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem Draco Malfoy höflich mit mir spricht und Ron Weasley mich beleidigt, weil ich mit dir befreundet bin."

Ich lache herzlich und schlinge einen Arm um sie, was offensichtlich etwas für Lavender Brown und Parvati Patil bedeutet, denn sie schnappen nach Luft und beginnen, uns zur Schule folgend, schneller denn je zu tuscheln.

„Das wird mein erstes Familientreffen sein", plappere ich weiter. Hermine schaut mich überrascht an. „Die Dursleys haben gewollt, dass ich in meinem Zimmer oder im Schrank unter den Treppen bleibe, wenn sie Besuch hatten, sodass niemand mich zu Auge bekommt. Nun, Tante Marge wollte mich sehen. Aber das nur, um die Chance zu haben, mir drei Stunden lang Beleidigungen zuzuwerfen."

„Harry...", flüstert Hermine. Ich drücke ihre Schulter und dieses Mal scheint sie es nicht zu stören, dass wir umarmt laufen.

„Sie waren keine guten Menschen, Hermine", sage ich leise. „Aber keiner verdient es, so zu sterben. Sie haben es nicht verdient. Und es tut mir leid, dass sie tot sind. Ich würde natürlich gerne mit Dudley sprechen, aber ich befürchte, dass Tante Marge ihre Hunde auf mich hetzt, falls ich vor ihrem Haus auftauche. Sie hasst mich."

„Ich möchte alles vergessen", fahre ich fort. Hermine hört aufmerksam zu, möchte aber nichts dazu sagen. „Jetzt habe ich die Malfoys. Es ist komisch eigentlich... Die Feinde werden zu Freunden und die Freunde zu Feinden. Ich habe schon viel erlebt und ich denke, dass mich nichts mehr überraschen kann."

Hermine legt den Kopf auf meine Schulter und so laufen wir weiter. Die ganze Schule denkt, dass Hermine und ich zusammen sind und es stört mich überhaupt nicht.

„Bleib doch bei den Malfoys so lange du musst", sagt Hermine, als wir die Eingangshalle durchqueren. „Wir können nächstes Mal nach Hogsmeade gehen. Und außerdem habe ich noch ein paar Bücher, die ich am Wochenende lesen möchte."

Ich grinse breit und streichle ihre Schulter. In diesem Moment sehe ich eine Figur in der Ferne, die einen purpurroten Umhang trägt und lasse Hermine los. Ich habe eine Idee.

„Warte hier, ich muss Dumbledore etwas fragen", sage ich und renne ihm hinterher. „Professor Dumbledore!", rufe ich laut.

Der Weißmagier hält inne und schaut mich an. Er hat mir versprochen, dass er mir ein paar Sachen erklären wird, aber das hat er nicht getan. Stattdessen scheint er mir aus dem Weg zu gehen. Warum denn? Ist er etwa nicht erpicht darauf, mich unter Kontrolle zu halten?

„Hallo, Harry", sagt er höflich, wirkt aber nicht erfreut, mich zu sehen.

„Ich hätte eine Frage, Professor Dumbledore", sage ich atemlos.

„Nun, das kann sicherlich warten, denn ich muss ins Ministerium gehen", sagt er und lächelt mich an. Was? Er möchte mich nicht sprechen?

„Ich wollte mich nur bei Ihnen bedanken, dass Sie mir erlaubt haben, eine Schlange als Haustier zu haben", sage ich schnell.

„Gerne, Harry", sagt er und wendet sich ab.

„Darf ich fragen warum?", frage ich laut.

Der alte Weißmagier wendet sich langsam um. In jenem Moment bemerke ich etwas Seltsames. Er zögert. Er ist von der Frage überrascht. Und er ist auf der Hut. Fürchtet er mich? Ist es überhaupt möglich? Weiß er die Wahrheit? Weiß er, dass ich meine Verwandte ermordet habe? Ich sollte nicht daran denken!

„Bitte?", fragt er leise und ernst.

„Schlangen sind nicht auf der Liste von Haustieren, die in Hogwarts erlaubt sind", sage ich, ihn mit meinem Blick fixierend. Ich wage es nicht, in seine Gedanken einzudringen, aber ich würde in diesem Moment alles geben, um zu wissen, worüber er gerade nachdenkt. „Also warum?"

„Sie sind nicht auf der Liste, weil keiner sie kontrollieren kann", sagt Dumbledore langsam. Er kommt mir so vor, als hätte er die Antwort parat, als hätte ihn meine direkte Weise, diese Frage zu stellen, überrascht. „Du aber schon. Also vertraue ich dir, deine Schlange unter Kontrolle zu halten."

„Das werde ich, danke", sage ich. Hier stimmt was nicht. „Wann können wir uns treffen? Sie haben ja gesagt, es gebe ein paar Sachen, die wir besprechen müssen."

„Ach, ja", sagt er, als wäre es ihm gerade eingefallen. „Ja. Leider habe ich momentan keine Zeit dafür. Aber ich werde schon einen Termin finden, keine Sorge. Jetzt muss ich wirklich gehen. Auf Wiedersehen, Harry."

Und er ist weg. Ich starre ihm hinterher und runzele die Stirn. Er meidet mich, möchte mich nicht sprechen, erlaubt mir eine Schlange zu kaufen und als Haustier zu behalten. Hier stimmt was nicht. Ich frage mich, was Tom darüber denkt?

„Was ist los?", fragt Hermine. Wir machen uns wieder auf den Weg in die Bibliothek.

„Dumbledore hat mir erlaubt, ein neues Haustier zu haben", murmele ich. Ich sehe einfach keinen Grund, warum ich ihr davon nicht erzählen sollte. „Eigentlich war es nur ein Scherz gewesen. Als ich mit McGonagall gesprochen habe, habe ich ihr vorgeschlagen, ein Tier zu kaufen, das meine Sachen bewachen würde. Natürlich geht das nicht, denn ein Tier kann meine Sachen nicht schützen, ohne dass es jemandem etwas antut. Es war nur ein Scherz. Ich habe ihr gesagt, ich wolle eine Schlange kaufen. Und McGonagall, die immer fair ist, hat Dumbledore davon erzählt. Und er hat mir erlaubt, eine Schlange als Tier in Hogwarts zu haben."

„Harry!", zischt Hermine, deren Augen mit jedem Wort größer und größer werden. „Warum würdest du eine Schlange haben wollen?"

„Das ist es ja, es war nur ein Scherz", sage ich und verdrehe die Augen. Schlangen sind soooo böse. „Ich war genervt. Ron hat versucht, ihr Lügen zu verkaufen und ich habe es nur so dahin gesagt. Ich habe es nicht so gemeint. McGonagall hat natürlich gedacht, dass ich es ernst gemeint habe. Aber was ich nicht verstehe ist, warum Dumbledore es mir erlaubt hat? Ich habe ihm diese Frage gestellt."

„Was hat er gesagt?", fragt Hermine besorgt.

Ich wiederhole seine Worte und Hermine sieht ehrlich überrascht aus.

„Vielleicht...", sagt sie langsam. „Vielleicht tut es ihm leid. Dass er dir nicht gesagt hat, er sei dein Vormund. Und vielleicht möchte er es wieder gutmachen, indem er dir erlaubt zu haben, was du möchtest, was auch immer das ist."

„Das ist blöd", zische ich. „Eine Schlange im Gryffindorturm zu haben, das wäre gefährlich. Ein Schulleiter würde nie auf solche Weise die Schüler in Gefahr bringen."

„Ja, da hast du Recht", sagt Hermine. „Aber du bist ein Schlangensprecher. Und er vertraut dir."

Ich weiß nicht, was ich denken soll. Vielleicht nutzt er tatsächlich die Chance, es an mir wieder gutzumachen. Vielleicht hat Hermine Recht. Und vielleicht denkt er, dass er momentan Abstand von mir halten sollte, weil ich auf ihn sauer bin. Nein, das ist es nicht. Mir fehlt ein Puzzlestück, ohne das ich das gesamte Bild nicht sehen kann. Verdammt!

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„Oh, also geht der Junge, der zu den Schlangen überlaufen ist, zu seinen Schlangen? Dann komm besser nicht zurück, um den Gryffindorturm dreckig zu machen", höhnt Seamus als ich an ihm und Ron vorbeikomme. Ich trage ein schwarzes Hemd und passende Hosen, meinen besten Umhang in der Hand haltend. Und das habe ich absichtlich getan. Ich fühle mich... rebellisch. Ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit, tätschele Hermine im Vorbeigehen auf die Schulter und mache mich auf den Weg in Snapes Büro. Alle denken, dass ich ein Schwarzmagier bin. Na also. Da habt ihr euren Beweis. Leute wie Ron betrachten auch schwarze Kleidung als Beweis. Aus welchem Grund ich genau das angezogen habe. Soll er das doch McGonagall sagen. Die gute Professorin wird sich vor Lachen kugeln.

Draco ist noch nicht da, als ich das Büro betrete. Snape mustert mich von oben bis unten und ich sehe etwas Seltsames in seinen Augen. Sorge.

„Sie haben sich tatsächlich in Schale geworfen, Mr. Potter", sagt Snape. Er kann nicht anders.

„Für ein Familientreffen muss ich ja", erwidere ich und grinse breit. Snape verengt die Augen. „Kommen Sie mit?"

„Leider kann ich nicht", sagt Snape, sieht aber nicht so aus, als tue es ihm leid. Ganz im Gegenteil. „Und außerdem bin ich nicht eingeladen."

„Dann das nächste Mal", sage ich breit grinsend. Snape nickt nur, sagt jedoch nichts dazu. Er weiß, dass ein Treffen mit Voldemort unvermeidlich ist.

Draco kommt rein und schließt die Tür hinter sich. Er ist blass und wirkt wackelig auf den Beinen. Aber Voldemort möchte nicht ihn sehen, sondern mich. Also sollte er sich darum keine Sorgen machen. Auch er mustert mich von oben bis unten und schüttelt den Kopf. Ich weiß was er sich dabei denkt. Dass ich total übergeschnappt bin. Ich grinse teuflisch und als ich aufstehe – oder eher aufspringe – und mich dem Kamin zuwende, spüre ich wieder diese wahnsinnige Freude in meinem Magen. Sie ist wie flüssiges Feuer, das in mir brennt und auf einmal bin ich hellwach.

Eine blasse und müde wirkende Narzissa begrüßt uns.

„Hallo, Draco, Harry", sagt sie leise und kommt auf uns zu. Ich fühle mich seltsam, als sie mich umarmt. Sie drückt mich an sich, als wäre es die letzte Umarmung.

„Wo ist er?", frage ich ohne zu zögern. Draco wirft mir einen nervösen Blick zu. Lucius Malfoy steht bei ihm, auch müde wirkend, aber sein langes, platinblondes Haar wirkt gepflegt wie immer.

„Komm mit", sagt er leise und mustert mich mit seinen silbernen Augen. „Draco muss nicht mitkommen. Er kann mit seiner Mutter im Salon warten."

Ich folge eifrig Lucius die Treppen hinauf.

„Ist alles in Ordnung?", frage ich. Die Spannung wird mich umbringen. Lucius wirkt nervös und untypisch besorgt, was er mit einer Maske von Gleichgültigkeit verbirgt. Aber nicht mal annähernd erfolgreich.

„Es war nicht schwer, ihn zu finden", flüstert Lucius, als hätte er Angst, dass er den dunklen Lord stören könnte, falls er laut reden würde. „Und du hast den Friedhof gut beschrieben."

Er wirft mir einen seltsamen Blick zu, blickt aber weg, als er sieht, dass ich breit und selbstzufrieden grinse.

„Und im Übrigen, wie hat er euch gesagt, er wolle mich sehen?", frage ich weiter. Ich kann mir nicht helfen. Hat er einen Kugelschreiber benutzt? Bitte sag ja...

„Er hat...", fängt Lucius an und räuspert sich. „Auf deinen Namen gedeutet."

Ich stelle mir die gestreifte Schlange vor, die mit dem Schwanz auf den Artikel über mich deutet und grinse noch breiter. Lucius hält vor einer Tür inne und mustert mich. Da gibt es etwas in seinen Augen, was ich nur als Sorge bezeichnen kann. Als er meinen aufgeregten Ausdruck bemerkt, sieht er wahrscheinlich ein, dass ich mich kaum zurückhalten kann. Er nickt und drückt die Klinke nach unten. Ich schlüpfe hinein, noch immer breit grinsend. Das Zimmer wirkt auf den ersten Blick vollkommen leer, aber dann fällt mir ein Kissen auf dem Bett auf, auf dem gestreifte Schlange zusammengerollt liegt. Sie hebt den Kopf als sie mich erblickt und züngelt mit der Zunge. Sie ist eigentlich eine ziemlich große Schlange, wirkt aber abgemagert. Wahrscheinlich hat Voldemort während der Reise nicht viel gegessen.

Mein Herz beginnt zu rasen und ich spüre Schwäche in meinen Knien. Das ist nur eine Schlange, geht mir durch den Kopf. Aber die Schlange strahlt etwas Unbeschreibliches aus; und ich fühle mich von ihr angezogen. Es fühlt sich beinah so an, als könne meine eigene Magie ihre spüren und fühlt sich davon angezogen. Es ist ja der dunkle Lord und ich bin ein dunkler Magier. Laut Tom sollte ich mich so fühlen. Aber es ist mehr als das. Diese Anziehungskraft ist wohl nicht normal, ob es um den dunklen Lord geht oder nicht.

Wie in Zeitlupe kommt es mir vor, dass mich meine Beine, ohne mein bewusstes Zutun, näher und näher zu dem Bett und der Schlange tragen. Diese bewegt den Kopf, ihre Augen fest auf mich fixiert. Die Zeit scheint still zu stehen und ein Knoten, den ich monatelang in meinem Magen getragen habe, explodiert; mein Herz hört auf, zu schlagen und ich halte meinen Atem an; und als ich mich auf die Knie vor dem Bett niederlasse, spüre ich keinerlei Angst, nur wahnsinnige Freude und Aufregung. So habe ich mich nie in meinem Leben gefühlt. Ich fühle mich so aufgeregt, als könne mein gesamter Körper explodieren.

Mir wohl bewusst, was diese Geste bedeutet, starre ich den Teppich an. Ich habe es nicht geplant. Ich habe doch nie und nimmer gewollt, jemals vor jemandem knien zu müssen. Aber der Drang, genau das zu tun, war einfach zu stark. Ich werde später darüber nachdenken, warum ich es tun wollte. Aber eines ist mir in diesem Moment klar. Ich lasse mich nicht vor einer Schlange nieder, sondern vor dem dunklen Lord; vor der Dunkelheit, die ich liebe und die mein Heim ist.

~Endlich~, zischt die Schlange. ~Harry Potter, mein Erzfeind. Du hast mich einmal zerstört, aus meinem Körper vertrieben. Und das hast du vor zwei Jahren wiederholt. Du hast einen langsamen Tod verdient, Harry Potter. Und doch kniest du vor mir. ~

~Weil Ihr der dunkle Lord seid~, antworte ich. Es fühlt sich seltsam an, mit einer Schlange in ihrer Sprache zu sprechen. Aber die Sprache kommt mir natürlich vor. Aber... wie kommt es dazu, dass er weiß, dass ich ihn verstehen kann?

~Also ist es doch wahr... ~, murmelt die Schlange, die das Kissen verlässt und zum Rand des Bettes herüber schlängelt. Was hat das wohl zu bedeuten?

~Du riechst nach der dunklen Magie~, fährt die Schlange fort. Ich hebe den Blick und zucke zusammen. Die Schlange hat den Kopf gehoben und scheint mich aus der Nähe zu studieren. ~Sage mir, Harry Potter, wie kommt es dazu, dass du so tief in die dunklen Künste versunken bist?~

~Mein magischer Kern ist dunkel~, sage ich langsam. Was will er, dass ich ihm sage? Er hat es schon gehört. ~Und... die dunkle Magie fühlt sich richtig an.~

Ist dieser Grund gut genug? Ich bin ja nur ehrlich.

~Und warum möchtest du, dass ich einen Körper bekomme? Was hast du davon?~, fragt die Schlange weiter.

~Ich... ~, fange ich an, halte aber inne. Ich wollte sagen, dass es eine Abmachung zwischen mir und Tom sei. Dass ich es ihm versprochen habe. Aber jetzt geht es nicht mehr nur darum. Es geht um dieses wunderschöne Ritual, das ich durchführen werde. Es geht um Tom, der sich wahnsinnig auf Voldemorts Auferstehung freut. Und es geht um Voldemort selbst. Ich möchte, dass er aufersteht. Ich möchte, dass er wieder zu Kräften kommt. Ich möchte... ja, das ist es.

~Ich möchte das Ritual durchführen und Euch helfen, wieder zu Kräften zu kommen, weil ich dabei der Dunkelheit helfe. Ich möchte meinen eigenen Beitrag leisten und ich möchte der dunklen Seite helfen, wieder stark zu werden. Weil ich ein Teil von diesem Strom bin. Und weil ich für die dunkle Seite kämpfen möchte~, spreche ich meine Gedanken laut aus.

Voldemort scheint mich zu mustern und darüber nachzudenken, und ich kann beinahe seine Zunge an meiner Wange spüren. Unheimlich... Er ist wirklich da... Direkt vor mir, um genauer zu sein.

~Ich vergesse nicht~, zischt er schließlich. ~Und ich vergebe nicht. Aber ich werde dir erlauben, das Ritual durchzuführen. Jetzt möchte ich mit meiner Erinnerung reden und du darfst gehen.~

Etwas enttäuscht, so schnell entlassen zu werden, stehe ich langsam auf – meine Knie tun weh – und ziehe Toms Tagebuch aus meiner Tasche hervor. Ich öffne es und Tom taucht auf. Die Schlange – Voldemort – züngelt mit der Zunge. Toms Blick fällt auf die Schlange und er lächelt.

~Also hast du Harry kennengelernt~, sagt er. Er legt eine Hand auf meine Schulter und Voldemort neigt den Kopf zur Seite. ~Geh, Harry. Wir haben viel zu besprechen. Warte auf mich mit Draco.~

~In Ordnung, Meister~, sage ich und wende mich um. Tom und ich haben gedacht, es wäre das Beste, wenn wir Voldemort gleich zeigen würden, wie unsere 'Beziehung' funktioniert. Das letzte, was ich sehe, als ich die Tür hinter mir schließe, ist Tom, der sich auf das Bett setzt und sich der Schlange zuwendet.

Ich seufze. Na ja, das war es. Ich habe eigentlich gehofft, dass Voldemort unter den Umständen seine Morddrohungen vergessen hat, aber anscheinend hat er es nicht. Ich war ein Baby als ES passiert ist. Ich hatte keine Ahnung was da vorgeht und ich habe nichts getan. Das mit Quirrel... ich habe nur versucht, mein eigenes Leben zu retten und habe reflexartig reagiert. Was hätte ich tun sollen, ihm einfach erlauben, dass er mich umbringt?

„Das war schnell", meint Narzissa, als ich den Salon betrete. „Was ist passiert?"

„Ach... wir haben kurz gesprochen...", sage ich und setze mich zu Draco, der mich wortlos mustert. „Er wollte sich mit seiner Erinnerung unterhalten."

„Was hat er dir gesagt?", fragt Draco neugierig.

„Er hat mir nur ein paar Fragen gestellt... und mir gedroht... hätte ich mir denken können." Ich schnaube und schüttele den Kopf. „Also er hat mich nicht gebissen, obwohl er genug Zeit dafür hatte. Das ist ein gutes Zeichen, oder?"

Draco gibt einen seltsamen Laut von sich. Narzissa schaut mich unsicher an, entscheidet aber das Thema zu wechseln.

„Jetzt da ihr die Erlaubnis des Schulleiters habt, könnt ihr bis Sonntag hier bleiben", sagt sie lächelnd.

„Eigentlich...", fange ich an und räuspere mich. „Am Sonntag muss ich mich mit jemandem treffen. Meister kommt mit."

Narzissa scheint hin und her gerissen, denn sie möchte offensichtlich fragen, worum es geht, weiß aber nicht, ob mir erlaubt ist, ihr davon zu erzählen. Warum sollte ich nicht?

„Wir treffen uns mit Black", sage ich. Lucius, der mich bisher in Stille beobachtet hat, hebt den Kopf und fixiert seinen Blick auf mich. „Er wollte mich sehen und hat mir einen Brief geschickt. Und... Meister hat Pläne, die seine Beteiligung erfordern", sage ich leise.

„Du hast ihn in Henkers Bar getroffen, nicht wahr?", fragt Lucius neugierig.

„Ja", sage ich und senke den Kopf. „Das war echt leichtsinnig." Dass ich spüren konnte, dass er etwas Dunkles an sich hatte, habe ich weggelassen, denn das würde nur zu mehr Fragen führen. Und das will ich nicht.

„Und er hat dir geschrieben?", wiederholt Narzissa mit weit aufgerissenen Augen.

„Er ist dein Cousin, oder?", frage ich, anstatt ihr eine Antwort zu geben.

„Ja", sagt sie und senkt den Blick.

„Ich hatte damals den Eindruck, dass du ihn sehen wolltest", sage ich und beobachte sie genau.

Lucius räuspert sich und steht mit einem Glas in der Hand auf.

„Er tut Narzissa leid", sagt er. „Und wir wissen nicht, was ihn dazu getrieben hat, all diese Muggel zu töten. Wir haben gedacht, dass seine Herkunft endlich eine Stimme bekommen hat und dass... etwas bei ihm ausgehakt ist. Aber ich werde die Tatsache nicht vergessen, dass er ein Mitglied von einer uralten dunklen Familie ist, das nicht dem dunklen Lord dienen wollte. Stattdessen hat er sich mit Potter und Lupin herumgetrieben und hat als Auror viele dunkle Magier gefangen genommen. Du solltest besser den Kontakt mit ihm abbrechen, denn falls der dunkle Lord davon erfährt..."

„Eigentlich wollte er... Meister..." Liebe Morgana, das ist echt verwirrend! Ich darf nicht 'Tom' sagen, aber ich kann auch nicht 'der dunkle Lord' sagen, weil es jetzt zwei von ihnen gibt. Das ist zum Haare ausreißen. Die dunklen Lords und ihre seltsamen Bräuche. Ich seufze.

„Ursprünglich wollte er Black für etwas benutzen. Und da Black offensichtlich an mich rankommen wollte, wollte er es ausnutzen. Er wollte, dass wir ein paar seiner alten Diener freilassen."

Narzissa schnappt nach Luft und Lucius schluckt.

„Aber jetzt ist das nicht mal so dringend", sage ich abwinkend. Was habe ich gerade gesagt? Dass diese Menschen weiter im Gefängnis rotten können, weil wir sie noch nicht so dringend brauchen?

„Wir haben das Problem gelöst", sage ich vage, denn ich spüre keinerlei Wunsch, über den Fleisch und Blut Teil zu sprechen.

„Aber er hat es geplant?", fragt Lucius leise. Ich zucke mit den Achseln. „Also vermutlich hat er gewollt, dass Black das an seiner Stelle tut. Denn niemand ist aus Azkaban ausgebrochen und er weiß offensichtlich etwas, was wir nicht wissen. Ihm ist es gelungen. Nur wie?"

„Am Sonntag werde ich ihn fragen", sage ich ruhig. Lucius wirft mir einen prüfenden Blick zu.

„Wo trefft ihr euch?", fragt Narzissa. Lucius trägt einen kalkulierenden Ausdruck und ich frage mich, was in seinem Kopf vorgeht. Vielleicht könnte ich einen 'Blick' darauf werfen?

„In Hogsmead", sage ich. „Alles steht schon bereit."

„Deine Schwester ist in Azkaban, oder?", frage ich leise. Narzissa nickt stumm und ihr Ausdruck verfinstert sich. „Was ist passiert?"

„Kennst du Neville Longbottom?", fragt Lucius. Denn Narzissa scheint in keiner Laune zu sein, darüber zu sprechen. Ich zucke mit den Achseln. Was hat wohl Neville damit zu tun? „Nun, Bellatrix hat seine Eltern mit einem Cruciatusfluch in den Wahnsinn getrieben. Und aus diesem Grund ist sie in Azkaban."

Oh Mann. Das ist... Moment mal, ich habe auch den Cruciatusfluch benutzt. Oft. Und ein Teil von mir versteht, dass sie offensichtlich nicht damit aufhören konnte. Schon wieder denke ich an meine Selbstkontrolle, über die mir Tom ständig Predigten hält. Also habe ich es wenigstens teilweise geschafft... und sie nicht. Die dunkle Magie ist tatsächlich etwas Gefährliches. Für den Magier, denn offensichtlich war Bellatrix so süchtig danach, dass sie nicht aufhören konnte... Aber auch für die Opfer. Tja, ich sage es, als wäre es eine Nebensache. Aber ein Teil von mir versteht es und möchte ihr helfen.

„Hat sie einen dunklen Kern?", frage ich auf einmal. Lucius hebt den Blick. Er nickt langsam. „Ach so. Jetzt verstehe ich."

„Du verstehst was?", fragt Lucius kalt.

„Wie es dazu kommt, dass man nicht aufhören kann", sage ich ein wenig genervt. Warum bringt es mich auf die Palme, wenn Menschen andeuten, dass ich etwas nicht verstehe oder sie mich wie ein Kind behandeln? Denn das ist echt kindisch.

„Du hast... den Fluch ausprobiert?", fragt Narzissa leise. Sie fürchtet die Antwort.

„Ja", sage ich und grinse breit. „Und ich kann verstehen, warum man diese Flüche als verboten bezeichnet. Denn die Wirkung, die sie auf einen haben..." Ich seufze und grinse wieder.

„Sei vorsichtig", flüstert Narzissa, die offensichtlich so was nicht erwartet hat.

„Das bin ich", erwidere ich. Es fühlt sich ziemlich gut an, wenn sich jemand um mich Sorgen macht, obwohl es mich manchmal nervt. „Aber ich werde dem Meister sagen, wir sollten es trotzdem in Betracht ziehen, sie zu befreien."

Narzissa möchte darüber nicht sprechen und das kann ich in ihren Augen sehen.

„Ich freue mich schon auf Weihnachten", sage ich ablenkend. Ihr Ausdruck erhellt sich.

„Wir feiern dieses Muggelfest nicht", sagt Lucius trocken. „Sondern Jul."

„Oh umso besser", sage ich fröhlich. „Gibt es ein Ritual?"

Lucius wirft mir einen überraschten Blick zu, nickt aber. Er fragt sich wahrscheinlich, woher ich das weiß. Ich habe das Ritual schon gelernt und ausprobiert. Es hat bestens geklappt.

„Darf ich jemanden mitbringen?", frage ich Narzissa.

„Aber natürlich, Harry", sagt sie. „Dracos Freunde kommen auch."

„Wir werden das Ritual ausführen und dann essen", sagt Lucius. „Dann gehen alle nach Hause, denn Jul ist ein Familienfest. Aber manche werden bleiben, sowie Dracos Freunde."

„Nun ja, außer Draco habe ich nur noch einen Freund", sage ich langsam. Vorsichtig... „Hermine."

Lucius hebt den Kopf und seine Augen blitzen auf. Narzissa jedoch legt eine Hand auf meine und lächelt mich an.

„Natürlich kann sie herkommen", sagt sie. Lucius öffnet den Mund, um zu protestieren, aber sie wirft ihm einen kalten, warnenden Blick zu. „Sie ist Harrys Freundin."

Lucius scheint mit sich selbst zu ringen, nickt aber. Narzissa und ihre Ideen werden ihn umbringen. Stattdessen füllt er sein Glas nach.

„Keine Sorge, Lucius", sage ich zu ihm gewandt. „Ich werde Hermine erklären, wie sie sich benehmen soll. Ich schätze Loyalität; und all meine so genannten loyalen Freunde haben mich verraten und verlassen, nur sie ist bei mir geblieben. Sie mag eine Muggelgeborene und hellmagische Hexe sein, aber sie ist verdammt klug und mir treu. Aus diesem Grund schätze ich unsere Freundschaft."

Wir plaudern für eine Weile über Weihnachten und ich versuche Narzissa davon zu überzeugen, dass ich keine Festroben brauche, weil ich sie hasse. Es fühlt sich sehr angenehm an, in der Gesellschaft von dunklen Magiern zu sitzen und sich so benehmen zu können, wie ich mich fühle. Ich habe mich entspannt und ich genieße die Spannung im Salon, die dunklen Vorhänge, den Geruch der dunklen Magie in der Luft und das alte und quietschende Mobiliar. In Malfoy Manor fühle ich mich wie zu Hause.

Als sich die Tür öffnet und Tom herein kommt, stehe ich schnell auf. Er scheint ein wenig nachdenklich zu sein, aber im Großen und Ganzen zufrieden.

„Was hat er gesagt?", platzt es aus mir.

Für ein paar Momente sagt Tom nichts, setzt sich stattdessen hin und starrt das Feuer im Kamin an.

~Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages solch ein Sturkopf sein werde~, murmelt er in der Schlangensprache.

~Aber in Ordnung. Es war sicherlich nicht angenehm, so viele Jahre als Geist zu verbringen. Er ist verbittert und hat Mordlust~, murmelt er weiter. Ob er überhaupt bemerkt hat, dass er kein Englisch spricht?

~Er möchte, dass das Ritual an Vollmond stattfindet~, zischt Tom. Narzissa, Lucius und Draco wechseln Blicke, weil sie anscheinend nie jemanden gehört haben, der Schlangensprache spricht. Draco wirft mir einen Blick zu und mustert mich. Denn ich kann Tom offensichtlich verstehen.

~Und das ist passend, finde ich~, fährt Tom ernst fort. ~Bis dahin sollte er sich von der Reise erholt haben und ab und zu wird er dich rufen, wenn er einen Übersetzer braucht. Jetzt möchte er Lucius sprechen und du sollst mitkommen, dass du übersetzen kannst.~

~Hat er etwas über dich gesagt?~, frage ich Tom leise. Ein seltsamer Ausdruck huscht über Dracos Gesicht, als ich Tom antworte. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich anhöre, wenn ich diese Sprache spreche. Denn es ist mir nicht mal bewusst, dass ich sie überhaupt benutze.

Tom schaut mich ernst an.

~Momentan soll ich genau dort bleiben, wo ich bin~, sagt er. ~Bei dir. Natürlich nervt es mich, dass er mich rumkommandiert. Aber wir sind die gleiche Person. Seine Interessen sind auch meine.~

~Wird er dich... zerstören?~, frage ich nervös. Draco hat keine Ahnung, worüber wir reden, aber mein todernster Ausdruck genügt, ihn scheinbar zu beunruhigen.

~Ich weiß es nicht~, murmelt er. Anscheinend ist dies das einzige, worüber er nachdenkt. Denn keiner möchte getötet werden, Erinnerung oder nicht.

~Vielleicht könnten wir ihn überzeugen, dich... zurück zu nehmen?~, schlage ich vor.

~Diese Diskussion bringt uns nichts~, zischt Tom und seine Augen blitzen auf. ~Geh zu ihm; und nimm Lucius mit.~

Es ist leicht, zwischen Voldemort und Tom einen Unterschied zu machen, sie als verschiedene Personen zu betrachten, weil er ein Junge ist und Voldemort den Körper einer Schlange bewohnt. Aber in diesen und ähnlichen Augenblicken ist mir peinlichst bewusst, dass sie doch die gleiche Person sind.

„Lucius", sage ich aufstehend. Er fixiert seinen Blick auf mich. „Der dunkle Lord möchte dich sehen. Und ich werde übersetzen."

Lucius steht schnell auf und stellt sein Glas mit Feuerwhiskey beiseite.

„Wie kommt es, dass du die uralte Sprache der Schlangen sprechen kannst?", fragt Lucius, als wir die Treppen hochsteigen. Es ist schon ziemlich spät und ich fühle mich dazu gezwungen, zu gähnen.

„Keine Ahnung", antworte ich achselzuckend. „Vielleicht hat die Tatsache, dass ich mit Grindelwald verwandt bin, etwas damit zu tun."

Lucius hält inne und starrt mich, vollkommen sprachlos, an. Ach so, ich habe vergessen, diese Tatsache zu erwähnen. Wie unhöflich von mir.

„Du? Mit ihm verwandt? Woher weißt du das?", fragt er argwöhnisch. Ich lächele selbstzufrieden. Vielleicht kann er die Tatsache, dass mein magischer Kern dunkel ist, ignorieren; er kann auch denken, ich sei wahnsinnig, weil ich offensichtlich von der dunklen Magie besessen bin. Aber DAS kann er nicht ignorieren. Für einen reinblütigen Zauberer sind das Blut und die Abstammung sehr wichtig und stellen einen festen Beweis dar. Schwachsinn. Nichtsdestotrotz bin ich in jenem Moment auf meine Abstammung sehr stolz.

„Sein Name steht in meinem Stammbaum", sage ich achselzuckend. „Vielleicht könnte ich meinen Baum hierher bringen? Momentan ist er in der Kammer des Schreckens, denn ich wollte nicht, dass jemand ihn sieht. Aber vielleicht möchtest du ihn selbst studieren? Sicherlich kennst du all die Namen der uralten Familien."

„Das würde mich sehr freuen", erwidert Lucius. Und ich kann Gier in seinen Augen sehen. Er hat mich in seiner Familie aufgenommen und mich akzeptiert; aber er betrachtet mich noch immer als den Jungen der lebt. Als Dumbledores Schützling. Und ich habe es echt satt.

Voldemort ist hellwach und er hat eine Menge Fragen. Er möchte wissen, was mit seinen alten Dienern passiert ist, was im Ministerium vorgeht und er möchte mehr über Politik wissen. Als er endlich mit seinen Fragen aufhört – gibt es überhaupt noch etwas, was er fragen KANN? – fühlt sich meine Zunge ganz schön taub an und meine Kehle brennt wegen all des Zischens.

~Harry Potter~, zischt Voldemort, als ich aufstehe, wohl denkend, dass wir für heute fertig sind. Was mich angeht, bin ich sogar fix und fertig. ~Erzähle mir von meinem Ritual.~

Ich seufze, lasse mich aber wieder nieder und beginne das Ritual zu beschreiben. Ich habe all den Text auswendig gelernt und Voldemort hört schweigend zu, als ich ihm das Ritual im Detail beschreibe.

~Meine Erinnerung ist der Meinung, dass du trotz allem das Ritual erfolgreich durchführen kannst~, zischt Voldemort. Lucius hat natürlich keine Ahnung, worüber wir labern, sitzt aber geduldig da, weil der dunkle Lord ihn nicht entlassen hat und starrt seine Hände an.

~Aber er hat mir auch mitgeteilt, was genau er dir beigebracht hat~, sagt Voldemort, mich musternd. ~Und er denkt, dass du dich zu einem mächtigen Magier entwickeln kannst, wenn du unter meiner Führung bist. Leider habe ich wichtigere Sachen zu tun, als ein Kind zu unterrichten.~

Da brennt es in meinem Inneren und ich schaue der Schlange direkt in die Augen. Es gibt Tage, an denen der kleinste Anstoß genügt, um zornig zu werden.

~Wie kann ich Euch beweisen, dass ich an Eurer Seite stehe? Dass ich Euch helfen werde? Wie kann ich Euch überzeugen, dass ich die dunkle Magie liebe und der dunklen Seite helfen möchte?~ frage ich scharf und atemlos.

Ich weiß, dass ich frech bin. Und ich weiß, dass meine Leichtsinnigkeit mich zerstören kann. Dass ich in diesem einen Moment alles zunichte machen kann, woran ich monatelang gearbeitet habe.

Voldemort scheint über meine Worte nachzudenken. Ich erwarte jede Sekunde, dass er mich beleidigt – glücklicherweise kann er nicht zaubern – und mich wegschickt, aber er schweigt. Dann-

~Bringe mir Dumbledore~, zischt er schließlich.

~Dumbledore? Möchtet Ihr nicht, dass ich ihn töte?~, frage ich überrascht. Was möchte er mit dem alten Klappergestell tun?

~Möchtest du ihn töten?~, fragt Voldemort.

~Natürlich!~, belle ich und fuchtele mit den Armen. ~Er treibt mich in den Wahnsinn! Er und seine Meisterpläne! Er und seine Ideen! Ich habe schon tausendmal darüber nachgedacht, auf welche Weise ich ihn töten würde! Er hat meine Kindheit zerstört und noch immer schmiedet er Pläne!~

Lucius scheint schockiert über diesen Ausbruch zu sein, denn auch wenn er kein Wort verstehen kann, versteht er, dass ich Voldemort anbrülle.

~Bringe ihn zu mir~, zischt Voldemort, der sich aber amüsiert anhört. ~Und falls du das schaffst, darfst du ihn töten.~

~Danke, mein Lord~, zische ich zornig zurück. Voldemort die Schlange gibt einen seltsamen Laut von sich, als hätte er gerade zischend gelacht.

~Du bist ein Rätsel, Harry Potter~, sagt er nach einer Pause. ~Und ich finde dich interessant. Ich möchte dich morgen wiedersehen. Wir werden über die dunkle Magie reden. Und jetzt geh. Und sage diesem Elfen, ich möchte Eier essen.~

Ich kann meinen Ohren nicht trauen. Hat Voldemort etwa gerade wirklich gesagt, er wolle mich unterrichten? Verwirrt, schläfrig und benommen, stehe ich langsam auf, verbeuge mich vor ihm und winke Lucius zu.

„DOBBY!", rufe ich den Elfen. „Bring zehn gekochte Eier... auf einem silbernen Tablett."

Ich werfe Voldemort einen Blick zu und ich konnte schwören, dass die Schlange mir zugenickt hat.

~Gute Nacht, mein Lord~, sage ich leise und verlasse das Zimmer. Die Schlange zischt wieder.