Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 21 - Geheimtreffen

Seit man geboren ist, lernt man, was gut und was falsch ist. Die Eltern zeigen dem Kind anhand von Beispielen, wie es sich in gewissen Situationen 'fühlen' sollte und wie es reagieren sollte. Und das Kind ahmt ihr Benehmen nur nach und auf diese Weise werden die Sozialnormen erlernt. Das Gefühl, sich von all dem distanzieren zu können und sich benehmen und denken zu können, wie man sich eigentlich fühlt, ist befreiend. Man fühlt sich, als hätte man sich selbst zum ersten Mal kennen gelernt und man fragt sich, wer es eigentlich war, dessen Rolle man früher gespielt hat. Der Schleier fällt von den Augen und man hat das Gefühl, das erste Mal überhaupt zu sehen. Und man erkennt, dass die Welt voller Menschen ist, die an etwas glauben, obwohl sie nicht wirklich wissen, was das ist, glauben aber weiter, weil alle andere auch daran glauben.

Einem wird früh genug beigebracht, wonach man streben sollte, und die Mehrheit ahmt das Benehmen der anderen nach, ohne überhaupt darüber nachzudenken, ob sie es wirklich wollen. Glücklicherweise hat mir niemand etwas Derartiges beigebracht, und alles, was ich von den Dursleys gelernt habe, ist die Kunst des Überlebens. Ich habe mir Sorgen darum gemacht, ob ich an jenem Tag überhaupt Essen bekommen würde. Ich habe hart gearbeitet, um Essen zu bekommen und um die Dursleys zu besänftigen, wenn mit nichts anderem, dann mit meinen vollendeten Aufgaben, sodass sie sich nichts mehr ausdenken konnten, was ich noch tun sollte. Vielleicht ist es gut, dass ich nie die Chance hatte, der Mehrheit zu folgen, denn auf diese Weise habe ich eine gewisse freie Denkweise entwickelt, sodass ich ein größeres Bild sehen konnte.

Also wie kommt es, dass die Muggel Homosexualität nicht billigen und dass sie zur gleichen Zeit von den Zauberern und Hexen akzeptiert und nicht nur toleriert, sondern als nichts Seltsames betrachtet wird? Die gleiche Sache, zwei Welten und das Ergebnis ist vollkommen anders. Es liegt also im Auge des Betrachters. Wäre die Mehrheit der Zauberwelt schwarzmagisch, wären die Hellmagier Minderheit und man würde dann Zauber wie den Patronus seltsam betrachten. Aber das ist nicht meine Denkweise. Wer es mag, sollte es haben, was auch immer es ist. Man sollte nur die anderen in Ruhe lassen und nicht seine eigenen Ideale und Prinzipien auf die anderen projizieren. Der freie Wille ist etwas, was heilig sein sollte. Man sollte nicht dafür verurteilt werden, was man eigentlich ist.

Ich bin die richtige Person, um darüber zu labern. Klar, ich übe die Art von Magie, für die ich Neigung zeige und ich wünsche mir auch, ich hätte nicht im Geheimen üben müssen, aber ich gehöre zur Minderheit.

Es klingelt und ich zucke zusammen. Draco nimmt seine Schultasche und steht auf. Da gibt es Sorge in seinen grauen Augen, als er mich erblickt, denn ich habe wahrscheinlich die ganze Zeit mit einem todernsten Ausdruck aus dem Fenster gestarrt. Warum führe ich immer gedanklich philosophische Selbstgespräche, wenn wir Geschichte der Zauberwelt haben? Seltsam...

Er wartet, bis die Slytherinbande durch die Tür verschwindet, sich mit seinen Schuhen beschäftigend, und drückt mir ein Stück Papier in Hand, als er an mir vorbeikommt. Er verschwindet, ohne mich anzuschauen. Hermine bleibt und wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Ich schüttele den Kopf und entfalte das Papier.

„Warte auf mich in den Kerkern, bei der kopflosen Statue", steht auf dem Papier.

Hermine lächelt mich an und hakt sich bei mir ein.

„Gehst du mit mir nach Hogsmeade?", fragt sie mich. „Da gibt es ein Hogsmeade Wochenende in fünf Tagen."

Seit sie endlich begriffen hat, dass ich offensichtlich einen Freund habe, hat sich ihr Benehmen mir gegenüber drastisch verändert. Jetzt redet sie auch über andere Sachen, sowie dass sie ihre Tage bekommen hat, dass sie Durchfall hatte oder so was. Früher hat es sie gestört, wenn sie Mundgeruch hatte, und sie ist ständig mit Bonbons rumgelaufen. Jetzt aber kann sie auch die Initiative übernehmen. Und ich frage mich warum. Ist es wirklich möglich, dass sie auf mich scharf war? Oder weil sie jetzt weiß, dass ich auf Kerle stehe und sie mich mehr als jemanden betrachtet, der kein Interesse an Frauen hat, also kann sie auch über ekelhafte Sachen reden, ohne dass sie sich seltsam vorkommt? Komisch.

„Ja, warum nicht?", sage ich gut gelaunt.

„Falls du zu jener Zeit kein Geheimtreffen hast", sagt sie und lächelt mich an.

„Ich gehe mit dir nach Hogsmeade", sage ich.

Hermine lächelt breit und ich komme zu dem Schluss, dass dieses Outing etwas Gutes bewirkt hat. Die Wahrsagenprofessorin kommt an uns vorbei und ich kann den Eindruck nicht loswerden, dass sie ein wenig beschwipst ist. Ich kann Alkohol riechen... und außerdem läuft sie komisch. Und das ist die Frau, die die Prophezeiung gemacht hat, die Voldemort angetrieben hat, mich und meine Familie zu ermorden? Unsinn. Wer glaubt an so was überhaupt? Voldemort überrascht mich. Ich hätte eher gedacht, dass er der erste wäre, der bei so was abwinken würde. Aber Voldemort ist paranoid. Er möchte sich vergewissern, dass ihm niemand im Wege steht.

Und ist mir bewusst, dass wenn ich mit ihm rede, mit dem Mörder meiner Eltern rede? So betrachte ich es nicht. Aber ja, ich weiß, mir ist es klar, dass er sie getötet hat. Vor einem Jahr hätte ich sie noch rächen wollen. Aber jetzt nicht mehr. Erstens... hier geht es um Voldemort. Ich verspüre überhaupt keinen Wunsch, ihm etwas anzutun. Denn Tom ist ein Teil von ihm – er ist Voldemort – und Tom würde ich nie etwas anhaben wollen. Und was soll bitteschön heißen, 'keiner kann leben, während der andere überlebt'? Solch ein Unsinn. Warum denke ich überhaupt daran? Nun ja... Zweitens, ich habe meine Eltern nicht gekannt. Ich weiß nur ein paar Sachen über sie, weil Hagrid, Dumbledore und Lucius mir von ihnen erzählt haben. Einmal habe ich versucht, sie mir vorzustellen, eine Spur von Liebe ihnen gegenüber zu spüren, aber es war unmöglich. Denn trotz der Tatsache, dass ich jetzt weiß, wie sie aussahen, kann ich keine Liebe verspüren, denn ich habe sie ja nicht gekannt. Ich war derzeit ein Baby gewesen und kann mich an sie überhaupt nicht erinnern. Also wie kann man jemanden lieben, den man nie gekannt hat?

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Da gibt es einen Geheimraum hinter der kopflosen Statue. Warum überrascht es mich nicht, dass Draco über so was Bescheid weiß? Sein Vater hat ihm zweifelsohne davon erzählt. Er schaut mich ein wenig verlegen an, zur gleichen Zeit versuchend, sich wieder als ein pompöses und arrogantes Arschloch auszugeben, aber ich kenne diesen Trick. Ich ziehe ihn ohne weiteres zu mir und küsse ihn. Und es fühlt sich sogar besser an, als das letzte Mal. Ist das überhaupt möglich?

Draco zieht sich abrupt zurück und ich bleibe mit ausgestreckten Händen dastehen. Möchte er nicht, dass ich ihn küsse? Mir gefällt Zurückweisung nicht... Und Zorn erwacht in mir.

„Warte mal", keucht er. „Was hat G... ich mein, Hermine gesagt?"

Ich starre ihn ernst an und lecke mir über die Lippen. Er ist nur besorgt. Ich habe keinen Korb bekommen.

„Sie wird sich schon damit abfinden", sage ich. Seit sie uns vor ein paar Tagen erwischt hat, hatten Draco und ich keine Möglichkeit, miteinander darüber zu reden. „Es ist in Ordnung, mache dir keine Sorgen darum. Sie wird keinem davon erzählen. Und außerdem, warum bist du so besorgt? Weil du schwul bist, oder weil es um mich geht?"

„Sei nicht blöd", lacht Draco. Mir gefällt es, wenn sein Haar zerzaust ist. „Natürlich ist es kein Problem, dass man schwul ist. Nur die dummen Muggel machen daraus ein Problem. Nein, es geht um Parkinson. Ihre Eltern würden mich umbringen, wenn sie wüssten..."

„Verstehe", sage ich langsam. „Nun, da gibt es keinen Grund, um besorgt zu sein." Ich schaue ihn aus den Augenwinkeln an. „Wenn du möchtest, kann ich mich um sie kümmern."

Draco sieht schnell auf und seine grauen Augen spiegeln Angst. Götter, wie ich es mag. Ich verkneife mir ein breites Grinsen, denn dadurch würde ich alles verderben.

„Was meinst du?", fragt er leise. „Du würdest sie nicht..."

Ich lache herzlich und mache alles noch schlimmer. Ich meine, besser. Jetzt ist er sich sicher, dass ich sie töten möchte. Das macht Spaß.

„Natürlich nicht, ich würde so was nie in der Schule tun, es ist zu riskant", sage ich und zwinkere ihm zu. Auch wenn ich absolut keine Absicht habe, die dumme Kuh zu töten, heißt das nicht, dass ich Draco nicht Angst einjagen kann. Er ist so süß, wenn er Angst hat. Er entspannt sich etwas.

„Nein, ich hatte etwas anderes im Kopf", sage ich fröhlich. „Wenn dein Vater zum Beispiel Beweise hätte, dass sie sich mit irgendeinem Jungen herumtreibt, würde er die Verlobung sicherlich auflösen. Oder? Dein Vater würde so eine Schlampe sicherlich nicht in der Familie haben wollen."

Draco blinzelt.

„Das ist widerlich", meint er. „Es würde ihr das Leben zerstören. Niemand würde sie heiraten wollen."

„Tja, das ist wohl ihr Problem, nicht deins", meine ich.

„Du bist unmöglich", sagt er leise. Aber er ist neugierig, ich kann es in seinen Augen sehen. „Wie hast du vor, es zu drehen?"

Ich grinse ihn breit an.

„Überlass das mir", sage ich, auf ihn zukommend. „Möchtest du sie loswerden?"

„Wenn es heißt, dass du sie nicht töten wirst...", flüstert Draco, dessen Körper erneut zu zittern beginnt, als ich über seinen Rücken fahre.

„Nein", sage ich sanft und presse wieder meine Lippen auf seine. Draco schließt die Augen und presst sich gegen mich. Es fühlt sich so gut an, seinen warmen Körper an meinem zu spüren... Ich kann seinen rasenden Herzschlag spüren... Seine Haut ist zweifelsohne so weich wie sein Haar... Ich muss es herausfinden. Ich stecke eine Hand unter sein Hemd und beginne seine nackte, warme Haut zu streicheln.

„Liebe Morgana", flüstert er, als ich seinen Hals küsse. Seine Hände gleiten zu meinem Hintern hinunter und ich drücke ein Bein zwischen seinen und presse... hart. Da gibt es etwas Steinhartes in seinen Hosen, das freigelassen werden will. Aber das hier ist nicht genug, ich möchte mehr... ich möchte seine nackte Haut sehen... Draco zappelt unter mir wie ein Aal und ich stöhne laut, als ich etwas Seltsames spüre. Klar, ich habe schon mit meinem Körper rumexperimentiert, aber so war es nie gewesen. Beinah fieberhaft und verzweifelt umklammert er mich, fester als ich mich genauso verzweifelt an ihn reibe. Eine Welle von Hitze durchströmt mich und sammelt sich an dem Körperteil, wo sich momentan auch mein Verstand befindet. Draco murmelt etwas Unverständliches, als ich ihn gröber küsse und eine Hand in seine Hosen stecke. Er stöhnt und rollt mit den Augen, als er meine Finger an seiner heißen Haut spürt; und ich küsse seinen Hals, mit meiner Hand noch immer in seinen Hosen. Er versucht, mir auf gleiche Weise zu helfen, aber in dieser Position ist es wohl unmöglich. Und außerdem bekomme ich genug Stimulanz... Alles ist so glatt und einladend da unten... Also kümmert er sich jeden Tag auch um diesen Körperteil.

Als er, in dem Versuch, keinen Laut von sich zu geben, tief einatmet und die Lippen zusammen presst, explodiert der dunkle Raum um mich und ich höre meine Stimme, als wäre sie von jemand anderem. Ich atme tief durch und brumme, als Dracos Hände zärtlich über meinen Rücken fahren. Die Welt dreht sich um mich und ich fühle mich unsicher auf meinen Beinen.

„Das war...", keucht er. „Ich habe nie geglaubt, dass es so was überhaupt gibt."

„Ich auch nicht", flüstere ich, nach Atem ringend. Warum bin ich so erschöpft?

Draco gluckst und schüttelt den Kopf.

„Was haben wir gerade getan?", fragt er belustigt.

„Es sind die Hormone, sie sind schuld", murmele ich, meinen Stab hervorziehend, um uns wieder sauber zu zaubern.

„Ja, immer ist jemand oder etwas schuld", lacht Draco. Ich grinse breit. Klar, ich fühle mich zu ihm hingezogen, aber ich habe eigentlich nie gedacht, dass wir zusammen lachen oder überhaupt etwas anderes tun könnten, als in dunklen Räumen und leeren Klassenzimmern rumzuknutschen.

Warum fühlt er sich von mir angezogen? Er hat mich immer gehasst und hat keine Chance verpasst, mich auszulachen. Vielleicht war es nur Show, nichts mehr. Habe ich je darüber nachgedacht, ob ich mich von Draco angezogen fühle? Nicht wirklich. Wenn man ein Teenager ist, findet man allerlei Sachen erregend. Sowie die weichen Stühle im Verwandlungsklassenzimmer. Ähm.

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Heute nach dem Duellierclubstreffen habe ich vor, mit Lupin etwas zu besprechen. Er scheint ehrlich überrascht zu sein, als ich von alleine auf ihn zukomme und ihn frage, ob er ein wenig Zeit für mich hätte.

„Also das mit Ronald hat ganz schön geklappt", sage ich, als wir Tee trinken. Tee ist nur eine Ausrede, natürlich. Ich möchte keinen Tee trinken. „Er ignoriert mich vollkommen. Und das ist mir nur recht."

„Denkst du nicht, dass eure Freundschaft eines Tages erneuert werden kann?" fragt Lupin.

Ich kümmere mich keinen Dreck um Ronald. Warum sollte ich?

„Nicht wirklich", sage ich leise. „Denn für ihn bin ich jetzt ein Slytherin. Ich wiederum habe sein wahres Gesicht gesehen und ich möchte solch eine oberflächliche und leicht zu manipulierende Person nicht als einen Freund haben."

„Ich verstehe", sagt Lupin enttäuscht und stellt seine Tasse ab.

„Ich wollte Sie fragen, ob Sie irgendwie ein Treffen mit Professor Dumbledore organisieren könnten?", komme ich gleich zur Sache. „Denn auf einmal hat er viel zu tun und kann keinen freien Termin für mich finden. Ich habe viele Fragen. Denn so wie ich Ihnen gesagt habe, wurde die Aussage des Kobolds im Gericht überhaupt nicht erwähnt. Ich schere mich ja nicht um mein Geld; ich möchte aber wissen, was er damit getan hat. Ich möchte auch ein paar andere Sachen wissen, aber er ist nie da. Mir würde es sehr gefallen, wenn Sie mitkommen könnten."

„Du vertraust ihm nicht und das kann ich gut verstehen", murmelt Lupin. „Aber hast du je darüber nachgedacht, dass es vielleicht einen ganz einfachen Grund für dein verschwundenes Geld gibt? Dass er es als Schulgeld benutzt hat?"

„Das hat er nicht, denn das Schulgeld muss man nicht abheben, das geht automatisch", sage ich ruhig.

Warum versuchen alle so verzweifelt einen Grund für Dumbledores Handeln zu finden? Warum wollen alle daran glauben, dass er ein Heiliger ist?

„Aber ich würde Antworten bekommen, wenn ich ihn frage", beeile ich mich, zu sagen, ehe Lupin mit einer Ode an Dumbledore anfangen kann. DAS würde gewiss meinen Tag vollkommen ruinieren. „Könnten Sie mit ihm sprechen? Sie sehen ihn ja während der Lehrkörpertreffen."

„Ja", sagt Lupin und nickt. „Also schön. Ich bin auch auf ein paar Antworten gespannt. Der Schulleiter scheint eine Menge Zeit im Ministerium zu verbringen. Er sollte vielleicht häufiger in Hogwarts sein, denn er ist ja der Schulleiter."

Was sucht der Alte im Ministerium? Ich sollte Lucius danach fragen.

„Wie war es bei Narzissa?", fragt er leise. Ich zucke mit den Achseln.

„In Ordnung", sage ich gelassen. „Sie wollte einiges mit mir besprechen. Wegen der Vormundschaft."

Lupin nickt nur und scheint mit meiner Antwort zufrieden zu sein.

Als ich Lupins Büro verlasse, grinse ich. Ich habe noch einen Vertrauten. Ich habe Black, der mir helfen will, um sich besser zu fühlen. Um sein schlechtes Gewissen zu erleichtern, weil er nicht für mich da war, als ich ihn gebraucht habe, was eigentlich lächerlich ist. Lupin hat mich auch verraten und hilft mir aus dem selben Grund. Hermine wiederum... hat etwas in mir gefunden, einen Freund, der sie versteht und dem sie sich anvertrauen kann. Jetzt ist sie nicht der einzige Bücherwurm, denn ich verbringe so viel Zeit beim Lernen und Lesen wie sie.

Ich schaue zu, wie zwei Mädchen an mir vorbeikommen, miteinander tuschelnd. Anscheinend teilen sie gerade ein Geheimnis und wahrscheinlich geht es um einen Jungen. Es ist ziemlich offensichtlich. Ich habe mich immer wie ein Outsider gefühlt. Ich war immer alleine und habe alleine gespielt, denn niemand wollte mit mir spielen. Ich war ein Freak. Dann hat dieses Wort wohl eine ganz andere Bedeutung bekommen, indem man mich einen Zauberer genannt hat. Aber ich bin nicht nur ein Zauberer. Ich muss nicht mehr nach einem Lebenssinn suchen, denn ich habe einen gefunden. Was ist der Lebenssinn der anderen? Was ist Hermines Lebenssinn? Wonach strebt sie?

Tom hat Recht. Magie heißt Macht. Und das bezieht sich insbesondere auf die dunkle Magie. Im Leben von jedem Menschen gibt es Sachen, die ihn glücklich machen, etwas, worauf man sich freut. Ich... freue mich auf nichts. Aber ich verspüre den Wunsch, dunkle Magie zu üben, was nichts mehr mit der Sucht zu tun hat. Denn ich kann die dunkle Magie in meinem Inneren spüren, und sie ist wie ein Biest, das man zähmen muss. Man muss es regelmäßig füttern, aber man sollte ihm nicht zu viel zu essen geben. Sonst wird das Biest gierig und wird sich gegen seinen eigenen Meister wenden. Ich verstehe jetzt, was Tom mir einmal über die Selbstkontrolle gesagt hat. Am Anfang fühlt es sich wie eine Diät an, denn man muss aufpassen, wann und was man zu sich nimmt. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Aber nach einer Weile kann man auf einmal mehr essen, ohne dass man den nächsten Tag den Wunsch verspürt, sich wieder vollzustopfen. Das ist doch der Sinn der Sache. Selbstkontrolle. Kontrolle über seine eigenen Dränge und Gedanken, die einen in die falsche Richtung führen könnten.

Ich kann es nicht exakt sagen, denn ich kann mich nicht gut daran erinnern... Aber seit ich meine Verwandten getötet habe, spüre ich eine gewisse Leere in mir. Und damit meine ich nicht Traurigkeit oder Reue. Diese Leere... ist gut. Denn ich fühle mich emotional taub, aber zugleich von dieser dunklen Welt, in der ich jetzt lebe, überwältigt. Mir geht es immer gut; da gibt es nicht viele Sachen, die mich aus der Bahn werfen können. Als ich Voldemort zum ersten Mal begegnet bin, habe ich wilde Freude und Aufregung gespürt. So aufgeregt war ich wohl nie. Aber diese Leere in mir, die dort ist, wo einmal der Platz meiner Gefühle war, wurde von der Dunkelheit erfüllt. Von der berauschenden, wunderschönen, mächtigen Dunkelheit und ich frage mich, ob jeder dunkle Magier sich so fühlt. Wahrscheinlich nicht.

Jetzt ist aber eine gute Zeit, um mich hinzusetzen und alles gut zu überlegen. Ich muss Dumbledore töten und ich brauche einen sehr guten Plan. Ich fühle mich beinahe dazu gezwungen; als treibe mich meine eigene dunkle Magie dazu an. Und ich weiß, dass ich nicht damit aufhören werde, darüber obsessiv nachzudenken, bis ich es in die Tat umsetze. Er ist ein Hindernis; er ist wie eine Schwert, das über meinem Kopf hängt. Er ist immer da und hat seine Finger in allem. Und er ist wahrscheinlich die letzte Fessel, die mich an meine Vergangenheit bindet. Ich muss diese Fessel loswerden und es fühlt sich beinahe so an, als würde für mich ein neues Leben anfangen, wenn er tot ist.

Gift würde er wahrscheinlich riechen können. Ich darf das Risiko nicht eingehen, dass er Verdacht schöpft und rumzuschnüffeln beginnt. Nein, wenn ich es tue, muss es gleich klappen. Mein erster Versuch muss ein Erfolg sein. Wir reden hier über Dumbledore, den großen Weißmagier, und nicht über Ronald Weasley. Ich weiß, dass Voldemorts Forderung, den Alten zu ihm zu bringen, eigentlich ein Test war. Er wollte wissen, ob ich überhaupt dazu fähig wäre. Und ich denke, dass ich ihm unwillkürlich eine sehr lange Antwort gegeben habe. Ich muss ihn nochmal fragen, aber ich denke nicht, dass er etwas dagegen hätte, wenn Dumbledore aus dem Spiel verschwindet. Denn er ist auch sein Hindernis.

Ich muss ihn überraschen. Auch wenn es mir lieber wäre, sein Gesicht dabei zu sehen, wenn er untergeht, kann ich es nicht riskieren. Oder doch? Das ist es ja, worum es eigentlich geht. Um Rache. Um das Gefühl der Genugtuung, wenn ich ihn töte. Bei diesem Gedanken spüre ich wahnsinnige Aufregung und ich kichere. In Ordnung, also haben wir das festgestellt. Meine größte Stärke ist die dunkle Magie. Auch wenn Dumbledore zu mächtig ist, als dass ich ihn einfach in seinem Büro überfallen und töten kann, habe ich etwas, was er nicht hat und auch nicht versteht. Die dunkle Magie. Das Problem ist nur, dass das Schloss die dunkle Magie spüren würde und ich weiß, dass es ziemlich schwierig ist, die magische Unterschrift zu löschen. So würde ich fliehen müssen und das wäre nicht gut. Ich möchte mich noch nicht verstecken müssen und so der ganzen Welt zeigen, wer ich bin.

Wenn ich ihn nur irgendwie in die Kammer des Schreckens bringen könnte... Gibt es noch eine solche Kammer hier in Hogwarts, auf die sich die Schutzzauber des Schlosses nicht erstrecken? Das wäre sehr hilfreich. Ich werde Tom danach fragen, er würde es wissen. Und vielleicht auch Draco.

/Dracos Sicht

Was macht er nur? Er sitzt nur da und starrt aus dem Fenster. Aber er hat diesen wahnsinnigen Ausdruck in seinem Gesicht und ich weiß, dass er etwas vorhat. Er plant etwas. Manchmal frage ich mich, zu was er eigentlich fähig ist. Der dunkle Lord lehrt ihn – sicherlich gibt es nicht viel, zu was er nicht fähig wäre. Ich weiß, dass dieses Etwas zwischen uns verrückt ist. Ich weiß, dass ER verrückt ist. Aber ich fühle mich magnetisch von ihm angezogen. Dieses wilde, rabenschwarze Haar... Seine grünen Augen, die manchmal so kalt sind, dass ich kaum glauben kann, dass er erst dreizehn ist, so wie ich. Ich fühle mich auch von seiner Magie angezogen, was eigentlich verwunderlich ist. Denn die dunkle Magie gefällt mir in der Regel nicht. Sie ist einfach zu kalt, zu überwältigend, zu gefährlich. Aber ihm steht es gut. Seine Magie ist wild und ungezähmt – und ich fühle mich von jenem Teil von ihm angezogen. Von seinem dünnen Körper, der jedoch drahtig ist... Wahrscheinlich wegen all der Arbeit, die er bei seinen Muggelverwandten gemacht hat. Widerlich... Aber mir gefällt das Resultat.

Die grünen Augen schauen in meine Richtung und da gibt es einen Ausdruck von Entschlossenheit und wilder Freude in ihren Tiefen... ich erschaudere. Potter ist ein Rätsel. Aber er ist eines, in dem ich mich verlieren möchte... er hat sich geändert. Jeder der Augen hat, kann das sehen. Aber zur gleichen Zeit ist er ein verdammt guter Schauspieler. Von Zeit zu Zeit werde sogar ich getäuscht. Da gibt es diese Dunkelheit in ihm, die ihn langsam verschlingt... Die dunkle Seite des Mondes...

„Hallo Draco", sagt er und lächelt mich an. Sicherlich können wir hier sprechen. Auch wenn man uns zusammen sieht, würde man sich nicht darüber wundern, denn er ist sozusagen mein Bruder. Er trägt den gleichen Familienring wie ich. Wir müssen nicht küssen – obwohl ich mir wünsche, das könnten wir.

„Was machst du?", frage ich argwöhnisch.

„Ich denke über die Zukunft nach", meint er lächelnd. Ach so. Er plant etwas. Ich fühle mich ein wenig seltsam, als wären meine Arme zu lang und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich zu ihm setzen sollte, oder nicht. Normalerweise fühle ich mich nicht so. Was ist nur los mit mir? Wohin ist mein angeborener Malfoycharme verschwunden?

„Die Sterne sind wunderschön", flüstert er und schaut zum Himmel hinauf. In Ordnung... Hat er gerade ein dunkles Ritual ausführt? Seine Magie fühlt sich wie üblich an... Obwohl ein wenig wild. „Als ich bei den Dursleys gewohnt habe, habe ich oft aus dem Fenster gestarrt. Und ich habe versucht, mir die Welt vorzustellen... Amerika... Den Kontinent... Da gibt es so viel da draußen, das ich sehen möchte."

Er schaut mich an. Er verbirgt etwas. Ich kann deutlich Freude und Zufriedenheit in diesen Augen sehen und ich weiß nicht, was Potter in diese Stimmung gebracht hat. Und die Sterne haben sicherlich nichts damit zu tun.

„Du bist sicherlich viel gereist", sagt er leise.

„Ein wenig", murmele ich. Ich habe mich immer zu Tode gelangweilt, als meine Eltern mich irgendwohin mitgenommen haben, aber da gab es immer Geschenke. Darauf habe ich mich immer gefreut. „Es ist nichts Besonderes. Überall gibt es Menschen, die wie wir aussehen und die auch essen, lernen und reden."

„Warum gefällt dir die dunkle Magie nicht?", fragt er auf einmal.

„Dies ist wirklich kein guter Ort für solch ein Gespräch", murmele ich überrascht. Potter zückt gelassen seinen Phönixstab und eine blaue Barriere erscheint um uns herum. Ich lecke mir über die Lippen. Er ist wirklich auf die Antwort gespannt.

„In Ordnung", sage ich langsam. Er braucht eine Antwort, also werde ich ihm eine geben. „Mir gefällt sie nicht, weil sie so kalt, leer und gefährlich ist. Zufrieden?"

Er zieht die Augenbrauen in die Höhe und scheint mich zu mustern.

„Du hast einen grauen Kern?", fragt er als nächstes. Ich nicke stumm. „Und deine Mutter?"

„Auch einen grauen", murmele ich.

„Nun, warum sagst du deinen Eltern nicht, dass du die dunkle Magie einfach nicht magst?"

„Spinnst du?", frage ich überrascht. Er redet darüber, als hätte er gerade einen Hogsmeadeausflug vorgeschlagen. „Mein Vater würde mich umbringen."

„Es ist genauso falsch, jemanden zu zwingen, nur Hellmagie zu benutzen, wenn man eigentlich ein dunkler Magier ist, wie jemanden zu zwingen, die dunkle Magie zu benutzen, die man nicht benutzen will und die einem nicht gefällt."

„Mir sollte sie gefallen", sage ich leise.

„Vielleicht hast du nicht die richtigen Sachen ausprobiert", sagt Potter lächelnd. Er greift nach meiner Hand und ich schaue panisch auf. Was macht er da? Als er mich berührt, spüre ich etwas Seltsames in meinem Magen. Meine Haut prickelt unter seinen Fingerkuppen. „Die Ferien fangen bald an. Ich werde dir ein paar Sachen zeigen. Vielleicht gefällt es dir. Wer weiß?"

Ich lächele schwach und begegne wieder dem Blick der grünen Augen.

„Kommt Parkinson zum Julfest?", fragt er beiläufig. Ich hab es gewusst! Er hat schon etwas geplant.

„Ja", sage ich finster. „Hör mal..."

„Keine Sorge", unterbricht er mich. „Alles wird gut. Sehen wir uns am Samstag?"

Ich nicke und er lächelt mich an.

„Ich bin darauf gespannt", sagt er und lehnt sich nach vorne. Er riecht nach Haarshampoo und nach Kräutern. Und er riecht nach der dunklen Magie... Ich bekomme urplötzlich diesen Drang, ihn zu küssen, aber er richtet sich auf und grinst mich an. „Gute Nacht, Draco."

Ich werde ihn nie verstehen können. Und ich kann mir nicht erklären, warum er solch eine Wirkung auf mich hat. Es ist verrückt... Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mich von Harry verdammten Potter angezogen fühlen würde, hätte ich mich totgelacht. Jetzt aber... Er hat sich geändert und ich habe zum ersten Mal gesehen, wie hübsch er eigentlich ist. Klar, ich hab gewusst, dass ich schwul bin. So was weiß man einfach. Das ist es nicht, was mich stört. Wann habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn er mich küssen würde? Ich kann mich noch daran erinnern, als er da in der Bibliothek gesessen hat und dieses Buch über Dämonenbeschwörungen gelesen hat. Es waren nicht seine Worte und nicht sein Benehmen, die mich vertrieben haben. Es war dieses Gefühl, das ich in meinem Magen hatte, als ich ihn angeschaut habe. Dieser Drang, ihn zu berühren... Und dieser Tagtraum, in dem er einfach anfängt, mich überall zu streicheln. So schockierend es auch gewesen ist, habe ich später darüber nachgedacht und konnte nicht damit aufhören, ihn anzustarren. Wie kommt es, dass ich nie bemerkt habe, wie hübsch er ist? Klar, wir kennen uns nur zwei Jahre und ich habe ihn immer als einen Idiot betrachtet, der sich mit seinen zwei Zubehören rum treibt. Der berühmte Harry Potter. Ich habe versucht, mich mit ihm anzufreunden, aber er wollte es nicht. Seit diesem Zeitpunkt habe ich ihn gehasst. Es gab wirklich keinen bestimmten Grund für meinen Hass, nur eine gewisse kindische Bitterkeit, weil er mein Angebot abgelehnt hat.

Ich schüttele den Kopf, als ich aufstehe und mich auf den Weg in die Kerker mache. Es ist beunruhigend. Potter ist erst dreizehn und er wird dieses gefährliche Ritual ausführen und ich weiß nicht, was passiert. Ich weiß nicht, was ihn dazu antreibt. Ich habe keine Ahnung, was in seinem Kopf vorgeht und ich kann es auch nicht erraten. Er ist ein Rätsel. Ich bin mir sicher, dass ich viel über ihn nicht weiß, aber ich weiß auch, dass er mir nie davon erzählen wird.

Ehe die Schule angefangen hat, haben wir oft miteinander geredet, aber ich konnte immer eine gewisse Barriere in ihm spüren, die er selbst aufgebaut hat und er lässt mich nicht rein. Sowie er mir nicht erzählen wollte, wovon er geträumt hat, als ich Schreie aus seinem Zimmer gehört habe. Er hatte Albträume, was kein Wunder ist, angesichts seiner beschissenen Kindheit. Ich träume selbst von meinem Vater, der mir mit einer Peitsche in der Hand nachjagt. Aber ich habe nie darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn mein Vater nicht da wäre. Klar, er hat mich bestraft und da gab es Zeiten, in denen ich ihn dafür gehasst habe, aber ich weiß, dass ich ihn nie wirklich hassen könnte. Er ist streng, er verlangt viel von mir, aber er ist mein Vater. Er liebt mich auf seine eigene Weise. Und Potter hat seine Verwandten getötet. Sie haben ihn gequält und ich kann gut verstehen, dass man in einem Moment rotsieht, aber zur gleichen Zeit frage ich mich, warum bei ihm nicht früher etwas ausgehakt ist? Warum in jenem bestimmten Moment? Er hat gesagt, es sei ein Unfall gewesen. Der Tod seines Onkels hätte ein Unfall sein können; aber der von seiner Tante?

Und jetzt plant er etwas. Ich kann es in seinen Augen sehen. Und er denkt bestimmt nicht über irgendein Ritual nach. Nein, da gab es diese Zufriedenheit und diese Freude in seinem Gesicht, die in eine Richtung hindeuten. Und ich mache mir Sorgen um ihn. Er ist tief versunken; und obwohl es scheint, als hätte er wenigstens die Sucht besser unter Kontrolle gebracht, gibt es doch etwas in ihm, was ich nicht verstehe.

Ich freue mich wirklich auf die Ferien. Früher hieß es nur, dass ich blöd grinsen und allen gegenüber höflich sein muss, denn wir haben immer Gäste. Reinblütige Gäste, mit denen man auf eine gewisse Weise umgehen sollte. Es ist so erschöpfend. Es ist ja in Ordnung, wenn meine Freunde vorbeikommen, aber ich hasse diese Familientreffen und den Smalltalk. Mit Potter wird es wohl anders sein. Und ich frage mich, welche Einstellung er den Gästen gegenüber wohl haben wird, denn er ist ja Harry Potter und die anderen werden ihn als Eindringling in die alten Traditionen betrachten. Ich hab gehört, dass Granger auch kommt. Das wird lustig sein. Aber vor allem freue ich mich auf die Ferien, weil ich alleine mit ihm sein kann. Das, was er heute in mir ausgelöst hat, habe ich nie erlebt. Es war etwas Phantastisches. Stundenlang danach konnte ich Sterne sehen. Wenn sich eine Knutscherei mit ihm so anfühlt, wie würde sich dann bitteschön etwas mehr anfühlen? Ich platze vor Neugier. Liebe Morgana, ich hoffe, dass dieses Ritual klappt und dass ER Potter in Ruhe lässt. Es kommt mir so vor, als wäre es Potter egal, was passiert. Weiß er etwas, was ich nicht weiß? Er war ziemlich lang da oben mit dem dunklen Lord. Worüber haben sie gesprochen? Ist es möglich... dass der dunkle Lord es aufgegeben hat? Alle scheinen zu denken, dass das Ergebnis des Rituals alles bestimmen wird; auch der dunkle Lord. Denn Potter würde ja beweisen, falls es klappt, dass er ein viel versprechender dunkler Magier ist. Und er scheint zu denken, dass das den dunklen Lord besänftigen wird. Da bin ich mir nicht mal so sicher. Der dunkle Lord vergisst nicht; und er vergibt nicht. Aber vielleicht sind sie zu einem Einverständnis gekommen?

Mir tut es leid, dass ich wirklich die dunkle Magie nicht mag. Ich mag das Gefühl nicht, das sie mir bietet. Und es ist eigentlich ziemlich faszinierend zuzuhören, wenn Potter darüber so leidenschaftlich spricht. In diesen Augenblicken gibt es solch ein fanatisches Funkeln in seinen Augen, das mich wissen lässt, er ist ehrlich. Früher habe ich gedacht, dass nur die Irren die dunkle Magie mögen können. Mein Vater benutzt die dunkle Magie; aber allem Anschein nach ist er nicht davon besessen wie Potter. Mein Vater betrachtet die dunkle Magie als eine Art Statusausdruck; und da gibt es viele Zweige der dunklen Magie, die ihn überhaupt nicht interessieren. Unter dem Begriff dunkler Magie versteht er dunkle Flüche und Blutschutzzauber, aber mehr nicht. Potter wiederum... scheint die dunkle Magie in seinen Adern zu haben. Seltsam...

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/Harrys Sicht

Am Freitag haben wir Kräuterkunde. Das heißt, ich muss dann schnell zurück zum Gryffindorturm gehen, um mich zu duschen. Wer würde denken, dass die Zauberer und Hexen sich auch irgendwann schmutzig machen?

Heute arbeiten wir mit Pflanzen, die etwas Seltsames auszuspucken, und dieses etwas stinkt. Höllisch. Ich trage meine Handschuhe, aber ich denke nicht, dass sie sehr hilfreich sind. Dieser Gestank schwebt in der Luft und meine Nase ist voll davon.

Hermine rümpft die Nase, als sie sich nach vorne lehnt und an der Pflanze zupft. Die Pflanze rülpst und sie bringt das Glas schnell näher, sodass nichts verschwendet wird. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie genauso ungeduldig auf das Ende der Stunde wartet, wie ich.

„Gut, Ms Granger", sagt die Professorin, die an uns vorbei kommt.

„Du bist an der Reihe", murmelt Hermine und reicht mir das Glas. Ich seufze.

Draco beobachtet mich aus dem Augenwinkel.

Ich zupfe an der Pflanze, die zittert, aber nichts passiert. Hermine schaut zwischen der Pflanze und mir hin und her und ich seufze. Die Pflanze scheint wohl in keiner Laune zu sein, irgendetwas auszuspucken. Ohne Vorwarnung rülpst sie und ich hebe das Glas hoch, bekomme aber einen Schuss direkt in die Augen und lasse das Glas fallen.

„Verdammte Scheiße!", schreie ich aufgebracht. Ich kann nichts sehen und spüre zwei Hände, die nach mir greifen, aber mir gelingt es, zornig gegen etwas Weiches zu treten, was einen gequälten Laut von sich gibt. Das hat sich gut angefühlt...

„Mr Potter!", schreit die Professorin. „Was haben Sie meiner Pflanze getan?"

„Ich?", erwidere ich angeekelt, versuchend, mir den stinkenden Papp aus dem Gesicht zu wischen. „Sie hat auf mich gespuckt!"

„Ich bringe ihn zu Madame Pomfrey", höre ich Hermines Stimme und ihr Griff wird fester. „Es tut ihm leid wegen der Pflanze."

Ich spüre frische Luft und komme zum Schluss, dass Hermine mich nach draußen gebracht hat.

„Was ist bloß in dich gefahren?", flüstert sie zornig. „Du hast die Pflanze zerstört!"

„Es tut mir überhaupt nicht leid, dass ich den stinkenden Scheiß zerstört hab", erwidere ich bissig und versuche, mir die Augen zu reiben. Ich kann noch immer nichts sehen. Hermine schlägt meine Hände weg.

„Tu das nicht, sonst wird es schlimmer", tadelt sie mich. „Und du hättest es besser wissen sollen. Jetzt hast du die Professorin am Hals."

Der Geruch von Tränken und Putzmittel schlägt mir entgegen und ich seufze. Krankenflügel.

Madame Pomfrey greift nach mir und beginnt das Zeug aus meinen Augen zu wischen.

„Es ist nicht gefährlich", sagt sie. Ich stöhne genervt. „Aber du solltest diese Tropfen für ein paar Tage benutzen. Und mir sagen, falls dir schwindelig wird." Nur wenn Dracos Hand in meinen Hosen ist. „Geht es dir sonst gut? Hast du Albträume? Spürst du irgendwelche Nebenwirkungen der Tränke?"

„Mir geht es prima", sage ich genervt. Schon wieder das. „Und hören Sie damit auf."

Meine Augen sind jetzt sauber und ich kann sie öffnen. Madame Pomfrey mustert mich besorgt.

„Nur weil Sie ein schlechtes Gewissen haben, heißt das nicht, dass ich derjenige bin, der Ihnen dabei helfen muss, es zu erleichtern", sage ich bissig. Hermine, die die ganze Zeit in der Ecke gesessen hat, schnappt nach der Luft.

„Harry!", ruft sie. „Das ist nicht..."

„Gehen wir", sage ich knapp. Madame Pomfrey bleibt mit ihrem Stab in der Hand stehen und gafft mich schockiert an. „Ich habe Hunger."

Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber ich will weg. Später werde ich mich mit Draco treffen und dank Kräuterkunde, stinke ich höllisch. Na, ein Zauber wird wohl genügen müssen. Vielleicht könnten wir beide duschen? Welch eine verlockende Idee...

„Harry", sagt eine männliche Stimme hinter mir. Ich wende mich genervt um. Es ist Lupin. Er mustert mich besorgt. Bitte nicht. Wenn ich nochmal eine Standpauke bekomme... „Der Schulleiter möchte uns sehen. Um sechs."

Na schön. Mein Date mit Draco ist verdorben. Vielleicht könnten wir es verschieben?

„In Ordnung, Professor", murmele ich. „Danke."

Lupin klopft mir auf die Schulter und geht zum Lehrertisch. Hagrid blickt weg, als ich in seine Richtung schaue. Hermine und ich waren seit dem Beginn des Schuljahrs nur einmal bei ihm, weil wir einfach keine Zeit haben und ihn stört es. Mich wiederum überhaupt nicht. Mir entgeht aber nicht, dass Ronald und Seamus tuscheln und meinen Blick meiden. Ist es wohl möglich, dass sie noch immer etwas planen? Manche Menschen lernen ja nie...

Ich sollte Draco eine Nachricht schicken. Wenn ich nur eine Schlange hätte... sie wäre beim Nachrichtenaustausch echt nützlich. Nun, Dumbledore hat ja gesagt, ich könne eine haben. Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich doch eine Schlange kaufe. Aber zuerst muss sie einen Persönlichkeitstest machen. Denn ich möchte gewiss keine, die so nervig und frech wie Nagini ist.

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„Ich habe gehört, du hattest einen Unfall in Kräuterkunde", sagt Lupin, als wir zusammen zu Dumbledore gehen. Ich schüttele den Kopf.

„Du solltest dich ab und zu ein wenig ausruhen", meint Lupin sanft. „All das Lernen wird dich umbringen."

Eines hat er gut verstanden, ich stehe unter Stress. Das ist nichts Neues. Heute aber werde ich meine Antworten bekommen und ich bereue nur die Tatsache, dass ich noch immer stinke. Wenn man über etwas nachdenkt und versucht sich vorzustellen, wie ein Treffen verlaufen sollte, ist alles immer ideal. Ich habe viel über dieses Treffen nachgedacht, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mich stinkend und gereizt mit Dumbledore treffen würde.

„Ach, Harry", sagt Dumbledore. „Remus. Setzt euch."

Ich setze mich hin und atme tief durch. Ruhig bleiben. Jetzt hast du deine Chance. Dumbledore sieht sehr müde aus und aus irgendeinem Grund trägt er Handschuhe. Ist ihm kalt?

Er mustert mich und senkt schnell den Blick. Was soll das denn?

„Es tut mir leid, Harry, dass ich keine Zeit hatte, mich mit dir zu treffen", sagt er ernst. „Aber ich hatte viel Arbeit im Ministerium. Wie dem auch sei, ich weiß einfach nicht, warum du den Eindruck bekommen hast, dass ich dich nicht sprechen will."

Echt? Jetzt hat er wohl seine Meinung geändert? Denkt er wirklich, dass ich dumm bin?

„Das ist es nicht, was ich gemeint habe, Professor", antworte ich leise. Ich bin ein verlorener und verwirrter Junge und ich brauche deine Hilfe, oh großer Weißmagier. Erleuchte mich. „Ich bin besorgt. Ich habe viel im Kopf. Und ich brauche Ihre Hilfe."

„Deswegen bin ich hier, Harry", sagt Dumbledore, mich anlächelnd. Aber da ist es wieder, diese Distanz vor mir. Als hätte er eine Barriere aufgerichtet. Er versucht nicht mal, in meine Gedanken einzudringen. „Um dir zu helfen."

„Angesichts unseres letzten Gesprächs", sage ich langsam. „Was denken Sie, wer meine Verwandten angegriffen hat?"

Dumbledore seufzt und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück.

„Leider vermute ich, dass jemand hinter dir her war", sagt er müde. „Voldemorts Anhänger, vermutlich."

Lupin schaut schnell auf und ich spitze die Ohren. Wie bitte?

„Was?", fragt Lupin anstatt mir. „Die Anhänger von... aber er ist..."

„Leider nein", sagt Dumbledore todernst. Wie kann er nur davon wissen? Weiß er etwas? „Ich habe die Vermutung, dass Voldemort zurück ist. Denn nachdem Harry ihn daran gehindert hat, den Stein der Weisen zu bekommen, ist seine Seele geflohen. Ich habe mit ein paar Menschen gesprochen und ich bin mir sicher, dass er – beziehungsweise seine Seele – da irgendwo steckt. Ob er in der Lage ist, seinen Anhängern Befehle zu geben, oder sie selbst gehandelt haben, weiß ich nicht."

Mein Herz rast. Wie kann er nur davon wissen? Falls... falls ihm nicht jemand davon erzählt hat, Snape zum Beispiel. Wenn ich ihn in die Finger kriege...! Ok, ruhig bleiben. Fragen stellen.

„Also was denken Sie? Dass seine Anhänger versucht haben, mich zu töten? Schon wieder?", frage ich kalt. Dumbledore schaut in meine Richtung und da gibt es etwas Seltsames in seinem Gesicht. Distanz. Und eine Spur von Angst.

„Wie sie dazu fähig waren, ins Haus einzudringen, ist mir schleierhaft", murmelt er. „Und das ist einer der Gründe, warum ich es bevorzuge, dass du bei Ms Malfoy bleibst. Malfoy Manor ist gut geschützt."

Und Lucius war ein Todesser, er ist noch immer einer, also lüge mich nicht an, alter Mann. Welches Spiel spielst du? Lupin öffnet den Mund, um etwas zu sagen, aber Dumbledore unterbricht ihn.

„Harry ist bei Narzissa sicher", sagt er mit Bestimmtheit, eine Hand in die Luft hebend.

„Warum haben Sie es getan?", platzt es auf einmal aus mir. Ich zupfe an meinem Ärmel und hoffe, dass ich verwirrt und traurig klinge. „Warum haben Sie mir nie gesagt, dass Sie mein Vormund sind? Warum haben Sie mich zu den Dursleys gegeben, anstatt mich zum Beispiel in der Obhut von Professor Lupin, oder der von Sirius Black, zu lassen?"

„Hättest du bei Sirius Black wohnen wollen?", fragt Dumbledore überrascht. „Er ist ein Massenmörder."

„Ist das der Grund, warum Sie verlangt haben, dass er ohne Verhandlung ins Gefängnis geschleppt wurde? Weil Sie nicht wollten, dass ich bei ihm wohne?", frage ich scharf.

Ich kann mir nicht helfen und ich schere mich nicht darum, ob ich frech klinge. Ich habe mir all diese Fragen jeden Tag gestellt und jetzt möchte ich Antworten. Oder wenigstens die Antworten, die Dumbledore sich ausgedacht hat. Denn ich weiß ja, dass er mich anlügt.

„Das waren schweren Zeiten, Harry", sagt Dumbledore traurig. „Und so enttäuscht, wie ich von ihm bin – er war ein sehr kluger Junge – wusste ich, dass es das Beste für ihn wäre, wenn er eingesperrt wäre. In manchen Momenten passiert etwas, das einen Menschen verändert. Sirius Black hat viel gesehen und viel erlebt. Und so was macht einen permanenten Eindruck auf einen Menschen."

Das ist deine Erklärung, dass er verrückt geworden ist? Oh bitte.

„Was die Vormundschaft betrifft, muss ich zugeben, dass ich einen Fehler begangen habe", fährt er fort. „Du bist kein Kind und ich hätte ehrlich mit dir sein sollen."

„Warum die Dursleys?", frage ich ungeduldig. „Warum die Muggel, die alles, was in Zusammenhang mit Magie steht, hassen?"

„Harry", sagt Dumbledore sanft. „Du bist der Grund, warum Voldemort zerstört wurde. Die Zauberwelt sieht dich als einen Held. Ich wollte dich von dieser Last beschützen. Ich wollte, dass du deine Kindheit weit weg von dem Ruhm und den Problemen der Zauberwelt verbringst. Und ich hatte keine Ahnung, dass du da nicht glücklich warst."

„Ich habe aber ein paar Menschen damit beauftragt, auf dich aufzupassen", sagt er ernst. „Warum sie nie etwas Verdächtiges gesehen haben, kann ich nicht erklären. Und da hast du die Antwort auf noch eine Frage, die du mir stellen wolltest. Ich habe diese Beschützer bezahlt und deswegen habe ich Geld aus deinem Verlies genommen. Ich habe es bereits Madame Bones erklärt und wir sind uns darin einig. Wir wollten aber nicht vor einem vollen Gerichtssaal darüber sprechen."

Er wollte mich beschützen? Ich muss darüber nachdenken... Mein Kopf ist voller Gedanken, aber ich darf diese Chance nicht verpassen, um Dumbledore Fragen zu stellen. Ich seufze und reiße mich zusammen.

„Aber ich bin mit deinen Beschützern nicht zufrieden", sagt Dumbledore leise. „Sie haben ihre Arbeit nicht sehr... sorgfältig erledigt. Und es tut mir leid. Ich habe offensichtlich falsche Personen für diese wichtige Aufgabe ausgewählt."

Ich gluckse und senke den Blick. Sie haben nichts bemerkt! Sie haben die Schreie nicht gehört, sie haben den Rauch aus dem Keller nicht gesehen und sie haben diesen Muggel nicht gesehen, als ich ihn rein gebracht habe. Ich bin aus dem Schneider.

„Harry", sagt Dumbledore leise. „Ich hoffe, dass du mir mit der Zeit verzeihen kannst. Ich möchte dir helfen. Aus diesem Grund habe ich dir auch erlaubt, dein eigenes Haustier auszuwählen. Hast du schon eines?"

„Nein", antworte ich müde. Stress ist nicht gut für mich. „Ich hatte viel zu tun."

„Und es freut mich ehrlich, dass du deine Schularbeiten dieses Jahr so ernst nimmst", sagt Dumbledore und zwinkert mir zu, aber ich blicke weg. „Du bist jederzeit in diesem Büro willkommen. Vergiss das nicht."

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Als ich die Treppen im Astronomieturm hochklettere, denke ich wütend an Dumbledore und bekomme sofort den Drang, gegen etwas zu treten. Alles, was er mir gesagt hat, könnte stimmen. Und doch ergibt es irgendwie keinen Sinn. Wie ist das nur möglich? Wenn ich nur in sein Büro eindringen könnte... So könnte ich sicherlich ein paar interessante Sachen finden. Ich pralle in der Finsternis gegen etwas und zücke meinen Stab. Zwei Hände werden auf meine Brust gelegt und der bekannte Geruch von Kiefern steigt mir in die Nase. Draco.

„Was soll der Scheiß?", zischt er wütend. Ich packe ihn am Oberarm, sodass er nicht die Treppen hinunter fällt.

„Tut mir leid", murmele ich. „Ich war ein wenig... gedankenverloren."

„Also warst du bei Dumbledore", sagt Draco, der sich gegen mich presst. Ich küsse ihn kurz und nehme einen tiefen Atemzug. Draco beruhigt mich. Er hat solch eine Wirkung auf mich. Und momentan scheint es sehr wichtig für mich zu sein, ruhig bleiben zu können. „Komm schon, erzähl es mir."

„Ich möchte nicht über das Arschloch reden", zische ich, ihn zu mir ziehend. „Ich möchte bei dir sein."

Draco lächelt, als meine Hände nach unten gleiten und küsst mich. Noch immer ist es unglaublich; ich hab befürchtet, dass es sich mit der Zeit nicht mehr so unglaublich anfühlen würde, sowie bei einem Kaugummi– je mehr Zeit vergeht, desto schwächer wird der Geschmack. Aber nein. Er stöhnt, als meine Hand an seinem Gürtel fummelt. Ich habe diese Geheimtreffen satt. Ich möchte ihn nackt sehen; ich möchte in sein Bett schleichen und ich möchte seinen schweißgebadeten Körper unter meinem spüren. Jaaa, ich weiß, ich bin erst dreizehn... Aber das, was wir tun, kann man nicht als Sex bezeichnen. Trotzdem ist es unglaublich.

Draco lehnt den Kopf gegen meine Schulter und zittert am ganzen Leib. Ich habe vergessen, einen Zauber zu benutzen, sodass man uns nicht hören kann. Aber was soll's... Meine Hände sind momentan viel zu beschäftigt mit Dracos glatter, weicher Haut. Er stöhnt mir wieder ins Haar und klammert sich an mich. Sein warmer Atem an meinem Ohr macht mich verrückt und ich greife nach seiner Hand und lege sie auf meine Hosen. Draco gluckst amüsiert und drückt den pulsierenden Körperteil. So werde ich mich gewiss entspannen.

Drei Minuten später – wir sind Teenagers und benötigen nicht viel Zeit – sitzen wir zusammen auf der Terrasse, Dracos Kopf auf meiner Schulter. Ich streichele seinen Rücken und er sieht wie eine zufriedene Katze aus.

„Bist du mit den Vorbereitungen fertig?", fragt er leise. Als seine Lippen mein Ohr berühren, bekomme ich Gänsehaut.

„Ich arbeite nicht alleine, das weißt du", antworte ich, in die Ferne starrend. Mein Kopf ist herrlich leer.

„Nun, so wie ich Onkel Severus kenne, wird er seinen Teil der Abmachung erfüllen", sagt Draco leise. Er hätte sich nicht bemühen müssen, zu flüstern, denn ich sichere mich immer gegen Lauscher – auch wenn eine Knutscherei mit Draco nicht in diese Kategorie fällt – ab. Ich habe viel zu verbergen und obwohl es bisher nie vorgekommen ist, dass jemand etwas Verdächtiges gehört oder gesehen hat, heißt das nicht, dass es nicht passieren kann. Ich habe Feinde, die mich zerstören möchten.

Ich schaue Draco belustigt an.

„Ist es möglich, dass du dir Sorgen um mich machst?", frage ich neckend. Draco blickt weg, aber nicht bevor ich die Wahrheit in seinen grauen Augen gesehen habe. Es ist... rührend. Es fühlt sich seltsam an, noch jemanden zu haben, der sich um mich Sorgen macht, aber es ist nicht notwendig. Schließlich trage ich die Last. Ich war immer derjenige gewesen, der die Last trägt. Und ich habe es endlich akzeptiert. Niemand kann mir helfen, denn da gibt es einige Sachen, die ich selbst tun muss. So wie Dumbledore töten. Ich verenge die Augen und starre in die Richtung des verbotenen Waldes. Die Brise streichelt über meine Wange und ich kann Aufregung in der Nachtluft riechen. Sogar die Brise kann kaum abwarten, dass das Ritual vollendet ist.

„Es ist nicht notwendig", sage ich und drücke Dracos Schulter. Er starrt seine Hände an. „Ich schaffe es schon. Ich bin Harry Potter, schon vergessen?"

Draco schnaubt, scheint aber beruhigt zu sein.

„Und man sagt, dass ich eingebildet bin", murmelt er.