Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 23 – Ruhe vor dem Sturm„Du jagst mir Angst ein", flüstert Hermine, als ich sie durch Hogsmeade schleife und schließlich in den Eberkopf reinplatze. „Harry! Du hast doch nicht etwa vor, hier etwas zu trinken?"
„Wenigstens wird man uns nicht belauschen können", murmele ich finster. Mein Magen ist verkrampft und etwas brennt in meinem Inneren. Spüre ich Angst? Nein. Ich habe meine Ängste und meine Zweifel zusammen mit meinen Verwandten getötet. Alles, was übriggeblieben ist, ist brennende Wut.
Ich komme zurück zu einer sehr nervös aussehenden Hermine, mit zwei Butterbier in der Hand und werfe mich auf die Bank bei ihr. Ich atme tief durch und schließe die Augen. Er hat es gewusst. Und er möchte, dass ich mich Voldemort anschließe. Er möchte, dass ich tiefer und tiefer sinke und ihn schließlich töte. Das ist es, was diese Prophezeiung bedeutet. Der Auserwählte wird töten. Aber eines hat diese dumme Prophezeiung nicht vorausgesehen. Ich verspüre überhaupt keinen Wunsch, Voldemort zu töten. Ganz im Gegenteil; ich möchte, dass er lebt. Ich möchte, dass die Dunkelheit zusammen mit ihm wieder an die Macht kommt und ich möchte Dumbledore töten, nicht ihn. Ich lache und fahre mir durchs Haar. Ach ja, Pferdeschwanz. Mein Haar ist schon ziemlich lang geworden. Vielleicht sollte ich zu einem Friseur gehen.
„Harry", flüstert Hermine und ich spüre ihre warme Hand auf meiner. „Sprich endlich."
In Ordnung. Meine große Lüge. Mit ein paar Stückchen Wahrheit hin und wieder, denn die Wahrheit wäre noch immer zu schmerzhaft für sie.
„Ich habe etwas über... mich und den Tod meiner Eltern herausgefunden", sage ich leise. Hermine wird blass und ihre Augen werden noch größer. In gewissem Sinne erinnert sie mich an eine Taube... „Lucius hat es mir erzählt. Und Sirius Black hat es mir erzählt."
„Sirius Black?", flüstert sie und schnappt nach der Luft. „Aber wie..."
„Er ist mein Pate", murmele ich. „Er hat mir einen Brief geschrieben."
„Aber... aber du hast gesagt..."
„Hör mir zu und hör auf, mich zu unterbrechen", zische ich ungeduldig.
Obwohl ich Angst in ihren braunen Augen sehen kann, schließt sie den Mund und nickt. Ich weiß, dass ich mich wie ein Verrückter benehme und ganz ehrlich habe ich akzeptiert, dass das mein übliches Gesicht ist. Mein wahres Gesicht. Hermine ist meine beste Freundin, also sollte sie es endlich sehen. Denn Freunde sollten ehrlich zueinander sein, oder?
„Wir haben ein paar Briefe ausgetauscht", sage ich seufzend, das Bier öffnend. Ein Teil von mir wünscht, ich hätte eine Flasche von Lucius Feuerwhiskey zur Verfügung, aber na ja. „Wir haben darüber gesprochen. Hast du gewusst, dass Dumbledore ihn ohne Verhandlung ins Gefängnis geschickt hat? Es war der Wunsch meiner Eltern, dass, falls sie nicht da wären, er, mein Pate, sich um mich kümmern würde. Dumbledore hat ihn ins Gefängnis geschickt. Black sagt, er sei unschuldig, aber er hatte keine Chance, es zu beweisen."
„Remus Lupin war ein Freund von meinem Vater. Falls Black nicht da wäre, hätte er sich um mich kümmern sollen", fahre ich schnell fort, ehe Hermine mich unterbrechen kann. „Und Dumbledore hat auch ihn weggeschickt. Er hat ihn erpresst. Lupin ist ein Werwolf und Dumbledore hat nicht geglaubt, dass er ein guter Vormund für mich wäre. Lupin hat natürlich gefürchtet, dass sein Geheimnis rauskommt und Dumbledore hat ihn überzeugt, dass es das Beste wäre, wenn er sich von mir fern halten würde. Und das hat er getan. Schließlich hat mich Dumbledore zu den Dursleys gegeben. Weil sie ja keine Zauberer sind und weil ich auf diese Weise, laut ihm, nicht die Last des Ruhmes tragen musste."
Ich nehme ein paar lange Schlucke aus der Flasche.
„Und jetzt weiß ich noch etwas. Ich weiß warum er es getan hat", sage ich leise. „Eine Prophezeiung wurde gemacht, die mich und V... du weißt schon wen betrifft." Ich habe nicht Voldemort gesagt. Warum, denn? „Eine Prophezeiung, die seinen Untergang voraussieht. Und die auch voraussieht, dass entweder er oder ich sterben müssen."
„Aus diesem Grund geht er mir aus dem Weg. Aus diesem Grund hat er früher versucht, mich unter Kontrolle zu halten, aber jetzt hat er es vollkommen aufgegeben. Hast du dich nicht gefragt, warum er auf einmal entschieden hat, dass Narzissa ein guter Vormund für mich wäre? Da hast du deine Antwort. Er hat mich aufgegeben – weil er hofft, dass ich schon wieder auf IHN stoße und dass einer von uns stirbt."
„Erinnerst du dich an den Stein der Weisen?", fahre ich fieberhaft fort. „Wie schwer war es wirklich, an den Stein ranzukommen, wenn es uns, drei Kindern, gelungen ist? Er wollte, dass wir den Stein finden. Und er wollte, dass ich IHN treffe. Er wollte, dass entweder er oder ich sterben. Und für eine Weile hat er geglaubt, dass ER tatsächlich weg ist. Aber nun hat er es aufgegeben. Er möchte, dass ich sterbe oder dass ich zum Mörder werde. Siehst du das nicht?"
Hermine öffnet den Mund, aber nichts kommt heraus. Sie nimmt schnell einen Schluck aus ihrer Flasche und senkt den Blick. Ihre Hände zittern.
„Und diese Prophezeiung... woher weiß Lucius davon?", fragt sie leise.
Ach ja, Lucius ist nicht vertrauenswürdig.
„Dumbledore weiß es auch", sage ich verbittert. „Er möchte mir aber nicht davon erzählen. Bist du so überrascht?"
„Nein", sagt Hermine dumpf. Es scheint beinahe, als wäre sie zusammengebrochen. „Prophezeiungen aber..." Sie schnaubt und reibt sich die Schläfen. Ich habe diese Version von Hermine nie in meinem Leben gesehen. Sie wirkt schockiert, verängstigt und verbittert zugleich. „Es ist einfach zu viel zu verdauen", murmelt sie. „Was sagt diese Prophezeiung überhaupt?"
Ich seufze und erzähle es ihr. Sie zeigt überhaupt keine Reaktion, während sie mir zuhört. Als ich fertig bin, bleibt sie stumm und starrt den Tisch an. Auf einmal lehnt sie sich zurück und hebt resigniert ihre Hände in die Luft.
„Wer glaubt an so was?", zischt sie aufgebracht. „Du weiß schon wer hat deine Eltern wegen einer Prophezeiung getötet? Wie dumm ist das denn bitte?" Ich zucke mit den Achseln. Ich bin ganz ihrer Meinung. „Und was noch dümmer ist, Dumbledore glaubt an so was! Ich fasse es einfach nicht, dass ein Magier wie Dumbledore daran glauben kann!"
Sie murmelt etwas Unverständliches und senkt den Kopf.
„Was hast du vor?", fragt sie leise und nimmt wieder einen Schluck.
Ich werde den Idioten töten und jede Sekunde davon genießen.
„Auf der Hut zu sein", sage ich leise. „Ich kann ihm nicht mehr vertrauen. Er hat mir nicht die Wahrheit gesagt, Lucius aber schon. Wie ironisch."
„Denkst du vielleicht, dass die Möglichkeit besteht, dass..."
„Nein", sage ich sofort. Mit der Wurzel ausrotten. „Lucius hat wirklich keinen Grund, mich anzulügen. Und außerdem hat auch Black mir davon erzählt. Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er sich nicht um mich gekümmert hat. Aus diesem Grund hat er mir davon geschrieben."
„Wie kann er nur unschuldig sein?", fragt Hermine leise. „Laut dem Propheten hat er zwölf Muggel mit einem Fluch getötet."
„Nun, er weiß nicht, was eigentlich passiert ist", erwidere ich. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Dumbledore derjenige war, der an seine Schuld geglaubt hat. Er denkt, dass Black verrückt ist. Mir aber kommt er nicht wie ein Verrückter vor. Klar, er hat vergessen, wie man schreibt und er sagt, er genieße die Natur, aber das sind nur Folgen seiner Gefangenschaft."
„Wollte er sich mit dir treffen?", fragt Hermine. Hermine, Hermine. Unter diesen Locken steckt eine mächtige Maschine, die nie mit dem Arbeiten aufhört. „Es wäre gefährlich, das weißt du."
„Nun, ich habe keine Ahnung, wo er steckt", sage ich. „Ich habe aber mit Lupin über ihn gesprochen. Sie waren beste Freunde, zusammen mit meinem... Vater." Es hört sich seltsam an, einen Fremden, den ich nie gekannt oder gesehen habe, 'Vater' zu nennen. „Lupin kann auch nicht verstehen, warum Black diese Muggel hätte töten wollen."
„Falls man ihn fängt, sollte man ihm Veritaserum geben", sagt Hermine entschlossen. „Wenn Dumbledore dem Ministerium nicht schon wieder befiehlt, dass sie ihn ins Gefängnis bringen sollen."
Sie hört sich verbittert an und ich lächele flüchtig. Etwas Gutes kann ich diesem Schlamassel zuschreiben. Hermine hat endlich begriffen, dass Dumbledore kein Heiliger ist.
„Du hast es wirklich nicht leicht und es tut mir leid", sagt sie schließlich. „Du hast es nicht verdient. Und ich werde dir helfen, herauszufinden, was Dumbledore vorhat. Das verspreche ich dir."
Die ehrlichen braunen Augen schauen mich entschlossen an und ich nicke ernst.
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Zweimal im Uhrzeigersinn, dreimal gegen den Uhrzeigersinn... Gift wäre eine gute Option. Aber nur wenn ich genug Zeit hätte, um da zu sein, wenn er stirbt... Das müsste ein ziemlich besonderes Gift sein... Drei pulverisierte Kakerlaken... So, jetzt habe ich drei Minuten frei. Das Gift sollte sich langsam in seinem Blut verbreiten... Warum lernen wir nicht so was in Tränke? Ich begegne dem Blick der dunklen, kalkulierenden Augen von Snape und blicke weg. Dumbledore einfach einen Todesfluch auf den Hals zu jagen, das wäre nicht... befriedigend. Und da gibt es noch was. Ehe er stirbt, würde ich gerne wissen, was in seinem Kopf vorgeht. Also kann ich ihn nicht in seinem Büro töten. Ich muss ihn irgendwie zur Kammer des Schreckens bringen. Lucius und Draco wissen nichts von einer Kammer, die von den Schutzzaubern ausgeschlossen ist... Die Kammer des Schreckens befindet sich tief unter der Schule, also ist es nur logisch. Also die Kammer des Schreckens muss es sein. Gut. Den Tatort haben wir also schon bestimmt. Jetzt nur noch die Methode...
Ich könnte theoretisch was auch immer ich will mit ihm tun, wenn ich ihn nur betäuben und ihn zur Kammer bringen könnte... Was der schwierigste Teil wäre. Vielleicht könnte ich Gift benutzen, nur um ihn zu betäuben und dann ein Gegengift verwenden, wenn er schon in der Kammer ist? Interessanter Gedanke. Voldemort hatte ein paar Ideen, aber ich denke nicht, dass er versteht, wie schwer es wäre, Dumbledore zu überfallen und ihn zur Kammer zu bringen, ohne, dass jemand es bemerkt.
Obwohl ich sehr gut weiß, dass ich die dünne Linie mit Ron überschritten habe, bereue ich es nicht, denn... Er hat Angst vor mir. Er sitzt mit Seamus in der letzten Reihe und geht mir aus dem Weg. So bald ich einen Raum betrete, ist er schon weg. Zugegeben, ich war in einem Rausch, als ich ihm gedroht und ihn gegen die Wand gepresst habe und ich kann mich an kaum daran erinnern, was genau ich zu ihm gesagt habe. Zu denjenigen, die gefragt haben, was das Gebrüll sollte, habe ich einfach gesagt, dass ich mich mit Ron gestritten habe und niemand hat etwas dazu gesagt. Und auch wenn sie ihn danach gefragt haben, hat er bestimmt nichts gesagt. Ich kann es in seinem Gesicht sehen – er hat Angst vor mir und diese Tatsache finde ich amüsierend und verwirrend zugleich. Und der paranoide Teil von mir, der mit Toms Stimme spricht, meint, ich sei zu weit gegangen.
Aus diesem Grund bin ich jetzt sehr vorsichtig. Ich überprüfe alles, ich wäge meine Worte sorgfältig ab und ich versuche meine Wut unter Kontrolle zu bringen. Ich bin an einer Katastrophe vorbeigeschrammt und ich möchte nicht, dass es wieder vorkommt. Obwohl ich nicht leugnen kann, dass es sehr befriedigend und befreiend war, auf diese Weise meiner Wut Luft zu machen, weiß ich, dass ich es übertrieben habe.
„Mr Potter", sagt Snape, als wir fertig sind. Nur noch eine Woche. Und dann gehe ich nach Hause. „Ich möchte Sie sprechen."
„Was ist heute los mit dir?", flüstert Hermine. Ich habe den Trank verkorkst, aber der Trank ist die letzte Sache auf meiner Liste von Prioritäten.
„Ich habe nicht gut geschlafen", murmele ich. „Liebeskummer."
„Oh", flüstert sie, Draco einen Blick zuwerfend, der gerade mit Crabbe und Goyle im Schlepptau das Klassenzimmer verlässt. „Tut mir leid. Ich warte auf dich, in Ordnung?"
Gedankenverloren betrete ich Snapes stinkendes Büro und lasse mich ohne Einladung auf einen Stuhl nieder. Die dunklen Augen durchbohren mich.
„Sie werden sich freuen", fängt Snape an, nachdem er mit seinem Stab in Richtung Tür gewedelt hat, „dass ich die Antwort auf Ihre Sorgen habe."
Verwirrt schaue ich auf. Snape hebt eine Glasphiole in die Höhe, die mit einer roten Flüssigkeit gefüllt ist. Blut. Ich springe auf die Füße und strecke meine Hand aus. Snape überreicht sie mir ohne ein einziges Wort, mustert mich aber, als ich die Flüssigkeit aus der Nähe betrachte und schließlich breit grinse.
„Wie haben Sie es geschafft?", frage ich. Snape rümpft die Nase.
„Es war nicht angenehm", murmelt er. Wo hat er ihn gebissen? Dumbledore zu beißen, das kann keinesfalls angenehm sein. Ich gluckse, als ich mir eine Fledermaus mit fettigem Haar vorstelle, die an Dumbledores Zehe knabbert. „Ich musste warten, dass er aus Hogsmeade zurückkommt, denn ich wusste, wie sehr er Madame Rosmertas Met mag."
„Nun, er hat tief und fest geschlafen", sagt Snape leise. „Und ich habe es problemlos erledigt."
„Gut", sage ich grinsend. „Der dunkle Lord wird sehr zufrieden sein."
Snape wirft mir einen seltsamen Blick zu, sagt jedoch nichts dazu.
„Da gibt es etwas... was ich ihm sagen muss", sagt er langsam, als ich aufstehe. Ich wende mich um. „Es betrifft Dumbledore."
„Ach? Was denn?", frage ich ungeduldig.
Snape seufzt und lehnt sich zurück.
„Ich habe bemerkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt", flüstert er. „Er trägt Handschuhe. Es ist mir schon früher aufgefallen, aber ich habe gedacht, dass ihm einfach kalt ist. Aber... vor ein paar Tagen hat er mich darum gebeten, ihm bei etwas zu helfen."
„Er hat einen Gegenstand angefasst, der mit einem starken Fluch belegt wurde", fährt Snape fort. „Und es gibt keinen Gegenfluch."
Ich setze mich wieder hin und fixiere den Tränkemeister mit dem Blick.
„Ist er... etwa krank?", frage ich leise.
„Es ist unmöglich zu sagen, wie viel Zeit er noch hat", sagt Snape ebenso leise. „Aber er versucht nicht mal, den Gegenfluch zu finden. Es scheint, als wolle er sterben."
„Er wird sterben?", frage ich ungläubig.
Meine ganze Welt bricht zusammen. All die Stunden, die ich beim Planen verbracht habe. All die Mordtechniken, all die Aufregung, die ich dabei gespürt habe – umsonst? Seit Tagen war das das einzige, was mich angetrieben hat. Dumbledore ist der letzte Stein auf meinem Weg zu einem besseren Leben; er ist der Grund, warum ich bei den Dursleys gelandet bin; und er und seine Meisterpläne haben mich beinah in den Wahnsinn getrieben. Und jetzt sagt Snape mir, dass er eh sterben wird? Ich muss mich setzen.
„Oh nein", murmele ich, mein Gesicht in den Händen vergrabend. Snape schaut mich merkwürdig an, aber ich bemerke es nicht. Alles war umsonst. Vielleicht... „Wissen Sie, wie lange er noch leben wird?"
„Nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe... Ein paar Monate oder ein Jahr, aber nicht länger", sagt Snape. „Nachdem er Ihnen so viel angetan hat, ist es möglich, dass er Ihnen Leid tut?"
Ich gucke durch meine Finger hindurch und pruste los. Snape zuckt zusammen und schaut mich verwirrt an.
„Mächtige Morgana, natürlich nicht", sage ich breit lächelnd. „Nein, nein. Es ist nur... ich habe alles so sorgfältig geplant... Ich hatte Pläne für Dumbledore... und jetzt... jetzt wird er von alleine sterben. Und diese Tatsache trieft vor Ironie."
Ich lache wieder, spüre aber urplötzlich Zorn, der sich in meinem Magen ansammelt.
„Dieses Arschloch!", zische ich auf einmal und springe auf meine Füße. „Er wird mir auch das wegnehmen! Er wird von alleine sterben!"
Snapes Lippen bewegen sich, aber kein Laut kommt heraus.
„Du hattest vor... ihn... zu töten?", fragt er leise. Endlich hat er es laut gesagt.
„Natürlich!", erwidere ich wütend. Ich tigere in seinem Büro hin und her und er folgt mir fassungslos mit seinem Blick. „Ich habe mich darauf gefreut! Er war das letzte, was mir im Wege stand und jetzt wird er mir auch das wegnehmen!"
Ich atme tief durch, während Snape mich entsetzt anstarrt.
„Hat... hat der dunkle Lord dich mit dieser Aufgabe beauftragt?", fragt er leise. Jetzt duzen wir uns auf einmal? Ist es wohl möglich, dass Snape so schockiert ist, dass er seine übliche, emotionslose Maske vergessen hat? Und dass er total vergessen hat, dass er mich hasst?
„Ja", winke ich ab. „Aber ich WOLLTE es tun. Ich habe alles gut geplant. Scheiße..."
Ich setze mich wieder hin und Snapes Ausdruck wird zu seiner üblichen Maske.
„Es wäre sehr gefährlich und beinah unmöglich, es in die Tat umzusetzen", behauptet er und ich schnaube. „Vielleicht ist es besser, abzuwarten."
„Nein", zische ich. „Nein. Er hat noch ein paar Monaten zu leben, oder? Ich habe noch Zeit. Und was, wenn er einen Gegenfluch findet? Nein. Ich werde mich beeilen."
„Du kannst wenigstens warten, bis das Ritual vollendet ist", meint Snape. Er möchte mich beruhigen, denn ich benehme mich sicherlich wie ein Verrückter. Schon wieder. Es ist nur... das ist zu viel für mich. Es würde mich auch nicht wundern, wenn er als Geist auferstehen würde, um in Hogwarts zu spuken und mir überall hin zu folgen. Er würde mich auch aus seinem Grab nerven und mir zuzwinkern.
„Ich muss dem dunklen Lord davon erzählen", sage ich entschlossen und mache einen Schritt in Richtung Kamin. Snape steht schnell auf.
„Ich werde ihm davon erzählen", zischt er. „Du hast schon genug aufs Spiel gesetzt. Denk darüber nach, Potter. Eines Tages wird man dich bei etwas Verdächtigem ertappen. Denke doch mit deinem Kopf. Ich werde alles auf ein Stück Papier schreiben. Er wird es lesen. Und er würde auch wollen, dass du kein unnötiges Risiko eingehst."
Ist es wohl möglich, dass Snape sich um mich Sorgen macht? Allem Anschein nach, ja. Und vielleicht ist er auch um seine eigene Haut besorgt, denn man könnte auch ihn enttarnen. Ich verziehe das Gesicht und nicke resigniert.
„In Ordnung", sage ich. „Aber beeilen Sie sich. Und..." Ich schaue auf die Phiole hinunter. Dumbledores Blut... bald wird es mehr davon geben... Ich lächele bösartig. „Nehmen Sie das mit. Geben Sie sein Blut Lucius und sagen Sie ihm, er solle es gut aufbewahren. Hoffentlich wird auch Nagini bald mit ihrer Beute auftauchen. Ich hab sie seit Tagen nicht gesehen."
„Das werde ich", sagt Snape. „Und jetzt geh."
/Snapes Sicht
Als er mein Büro verlässt, atme ich erleichtert aus. Potter wird mein Tod sein. Seit er dieses Schloss betreten hat, habe ich gewusst, dass der Junge nichts außer Schwierigkeiten bringt. So nervig wie er als Dumbledores Puppe war, ist er als dunkler Magier noch nerviger.
Trotzdem muss ich mich wohl fragen, ob er vielleicht tatsächlich verrückt ist, denn alles, was er tut und sagt, deutet darauf hin. Er ist nachlässig, zeigt Anzeichen von Gewalttätigkeit, scheint von der dunklen Magie besessen zu sein und was das Schlimmste ist, er lässt sich auf gefährliche Sachen ein. Ich mache mir keine Sorgen um sein Wohlergehen, sondern um mein eigenes und das von Draco. Potter scheint die dunkle Magie tagtäglich zu benutzen und allem Anschein nach ist er noch immer danach süchtig. Ich hoffe nur, dass der dunkle Lord ihn an der Leine hält, ansonsten könnte er jemandem wehtun. Ich habe ein paar Mal mit ihm gesprochen, aber jedes Mal habe ich bemerkt, dass er tiefer und tiefer gesunken ist. Das letzte Mal ist er in mein Zimmer reingeplatzt und hat mich geweckt, weil er ja dem dunklen Lord etwas Wichtiges sagen musste und es war echt dringend. Er hat die Vorsicht, welche die wichtigste Regel von jedem dunklen Magier ist, zur Seite geschoben, weil er ja etwas Wichtiges zu sagen hatte. Wenn er früher eingebildet war, ist er jetzt doppelt so eingebildet und es ist beinahe unerträglich.
Und jetzt das. Jetzt sagt er zu mir ohne zu blinzeln, dass er vorhat, den größten Hellmagier auf der Welt zu töten und er ist mit der Tatsache nicht zufrieden, dass er eh unheilbar krank ist und bald sterben wird. Oh nein. Der große Harry Potter möchte ihn selbst töten. Ich weiß einfach nicht, was ich daraus machen soll. Bildet er sich nur ein, dass er es tatsächlich in die Tat umsetzen kann, oder ist er wirklich so erpicht darauf und dafür bereit, ihn zu töten? Er ist dreizehn, um Morganas Willen; er sollte an Mädchen denken und nicht an Mord. Und wenn er derjenige ist, der das Auferstehungsritual durchführen wird, befürchte ich, dass es ein Fehlschlag sein wird. Wie kann der dunkle Lord so was zulassen? Dass ein Junge solch ein wichtiges Ritual durchführt, von dem alles abhängt?
Ich sah etwas Seltsames in seinen Augen, als er meine Vermutungen bestätigt hat. Wenn sich herausstellt, dass er wirklich darauf erpicht oder einfach verrückt ist, weiß ich nicht, was schlimmer wäre. Wie dem auch sei, ich habe heute ein anderes Gesicht von Harry Potter gesehen und es gefällt mir nicht. Er hat gelacht. Über so was lacht man nicht. Und doch... Haben diese Muggel ihn total gebrochen? Oder hat der dunkle Lord es getan, mit seinem Unterricht und mit seinen dunklen Flüchen?
Momentan kann ich aber nichts mehr tun. Ich habe das getan, womit mich der dunkle Lord beauftragt hat, und jetzt kann ich nur warten. Hoffentlich wird mich Dumbledore nicht wieder in sein Büro einladen, denn ich möchte nicht, dass er mir Fragen über Potter oder den dunklen Lord stellt. Denn ich weiß nicht, wie lange ich es noch aushalte, ihn anzulügen. So bald ich gehört habe, dass die Seele des dunklen Lords gesehen wurde, habe ich gewusst, dass er zurück kommt. Und ich habe ebenso gewusst, dass er dieses Mal keine Fehler begehen wird. Dieses Mal wird er stärker denn je sein und dieser Gedanke erfüllt mich mit Zufriedenheit und Freude. Ich habe wirklich versucht, einer von ihnen zu sein, aber es war unmöglich. Die dunkle Magie ist in meinem Blut; und ohne sie fühle ich mich leer, bedeutungslos und nicht vollkommen. So sehr ich mich bemühe, weiß ich, dass ich ein schwarzer Fleck unter all diesen Hellmagiern bin und dass es immer so sein wird. Man kann das Blut nicht ändern und Dumbledore ist ein Idiot, wenn er glaubt, dass ein dunkler Magier die dunkle Magie aufgeben kann. Das habe ich ihm aber nie gesagt, denn ich wollte mich nicht einmischen. Er hat mir Schutz und eine Zuflucht geboten und hier in Hogwarts war ich sicher. Er hat für mich gebürgt und das alleine ist der Grund, warum ich nicht im Gefängnis bin. Aber Dumbledores größte Schwäche war, und wird es immer sein, dass er nur das Beste in Menschen sieht. Oder, in meinem Fall, dass er genau das sieht, was ich ihm zeige. Es ist nicht schwer, sich wie ein Hellmagier zu benehmen, denn sie sind alle gleich. Die dunklen Magier sind wiederum alle verschieden. Denn die dunkle Magie erfordert, dass man seine Persönlichkeit und seine eigene Einstellung zur dunklen Magie entwickelt. Die dunkle Magie ist uralt; und es gibt nicht viele Bücher, die einen in ihre Geheimnisse einweihen können. Also muss man selbst daran arbeiten und seine eigenen Einstellungen und Methoden entwickeln. Andererseits gibt es tausende von Büchern über Hellmagie und sie sind allen zugänglich. Alle lernen das gleiche. Alle benehmen sich gleich. Alle sind Teil einer Masse, in der alle gleich sind.
Potter wiederum scheint an seiner eigenen Einstellung zu arbeiten, aber etwas ist mir aufgefallen. Woher kommt diese Gewalttätigkeit? Woher kommt dieser Zorn? Auch wenn er ruhig in seinem Trank rührt, kann ich ihn spüren. Seine Augen verraten ihn; und wenn er sich sicher ist, dass niemand ihn beobachtet – ich jedoch schon – funkeln seine Augen und da kann ich einen tödlichen Sturm in ihren Tiefen sehen. Er denkt ständig über etwas nach. Er ist immer in Gedanken verloren; aber anscheinend beherrscht er auch die Kunst des Rollenspiels, was eigentlich für einen dunklen Magier sehr wichtig ist. Man lernt, wie man die anderen täuscht, wie man seine Geheimnisse bewahrt und tief vergräbt, sodass niemand sie finden kann. Er presst die Lippen zusammen und starrt den Inhalt seines Kessels todernst an und ich weiß einfach, dass es ihn nervt. Dass ihm das Rollenspiel, Dumbledore, Weasley und blöde Hellmagie auf die Nerven gehen. Die Wahrheit steht ihm ins Gesicht geschrieben; und manchmal frage ich mich, ob ihm eigentlich irgendeine Person auf der Welt lieb ist. In gewissem Sinne erinnert er mich an mich; am Anfang habe ich große Ähnlichkeiten zwischen James Potter und ihm gesehen, jetzt aber nicht mehr.
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/Harrys Sicht
Mitten in der Nacht fahre ich hoch und spüre einen Druck auf meinem Magen. Ich frage mich, was zum Teufel ich gegessen habe, bis mir klar wird, dass jemand auf mir liegt. Oder genauer gesagt, etwas. Nagini.
„Lumos", zische ich wütend und zucke zusammen, als zwei gelbe Augen direkt vor mir erscheinen. „Verdammte Scheiße, nicht du schon wieder!"
~Ich verstehe den Jungen nicht~, zischt die riesige Schlange. Es scheint, dass sie in Hogwarts eine Menge Ratten gefunden hat. Denn sie ist noch schwerer als früher. ~Er soll meine Sprache benutzen. Ich jedoch bin gekommen, um ihm mitzuteilen, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe.~
Sie öffnet den Mund und ich verziehe das Gesicht. Von einem ihrer Giftzähne hängt ein Stück Fleisch, das noch blutig ist. Ich stecke meine Hand in ihr Maul und ziehe es raus. Nagini wedelt mit ihrem übergroßen Schwanz und erinnert mich an eine Katze, die eine tote Ratte nach Hause gebracht hat, um ihren Besitzern zu zeigen, dass sie eine gute Jägerin ist.
~Widerlich~, murmele ich und lege das Stück Fleisch auf meinem Nachttisch ab. ~Wo hast du ihn gebissen? Ich hoffe, dass du kein Gift benutzt hast.~
~Denkt der Junge, dass ich, die Gefährtin des dunklen Lords, dumm bin?~, fragt Nagini pompös. ~Ich habe eine Blase abgebissen, die der alte Mensch an seiner Zehe hatte.~
„Igitt", murmele ich, muss aber zugeben, dass Nagini ihre Arbeit gut erledigt hat. Die gelben Augen schauen mich erwartungsvoll und ohne zu blinzeln an. ~In Ordnung, ja. Du hast deine Aufgabe gut erfüllt. Alle Achtung.~
Nagini wedelt wieder mit ihrem Schwanz und nickt. Einer Schlange, deren Ego schon groß genug ist, ein Kompliment zu machen, ist eine schlechte Idee.
~Meister hat gesagt, ich solle meine Beute dem Jungen übergeben und so habe ich es getan~, sagt sie. ~Aber ich hab Hunger. All das Herumschlängeln hat mich hungrig gemacht.~
Ich blinzele, eine Phiole hochhaltend und das Stück Fleisch – Dumbledores Blase, igitt – rein werfend.
~Ich hab nichts zum Fressen~, erwidere ich. Nagini verengt die gelben Augen. ~Aber ich kann dir sagen, wo du Futter finden kannst.~
~Ist es weit weg?~, fragt die hungrige Schlange. Ok, es ist eine sehr schlechte Sache, eine hungrige Schlange im Bett zu haben.
~Es lebt eine Katze in diesem Schloss~, sage ich langsam. ~Hast du sie gesehen? Sie folgt immer einem gebückten Mann.~
~Katze, das klingt köstlich~, meint Nagini und leckt sich über die Giftzähne. Ich blicke weg. Das hätte ich nicht sehen müssen. ~Wo ist diese Katze? Meister hat mir gesagt, ich solle die Katzen und die Köter von den kleinen Menschen nicht fressen. Bist du dir sicher, dass ich diese Katze fressen darf?~
~Ja, natürlich~, sage ich. ~Dieser Mann und seine Katze schlafen im Erdgeschoss, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie noch immer wach sind und dass sie durch die Schule patrouillieren.~
~Ooh, ich verstehe~, sagt Nagini. ~Diese Katze nervt dich, also hetzt du mich auf sie.~
~Du bist sehr klug~, sage ich grinsend.
~Natürlich bin ich das~, sagt Nagini pompös. ~Und ich werde diese Katze für dich auffressen, keine Sorge, kleiner Junge, Helfer meines Meisters.~
Sie wendet sich zum Gehen, aber mir fällt etwas ein.
~Nagini, warte!~, rufe ich ihr hinterher. ~Hör mal... ich würde auch gerne solch eine Gefährtin wie dich haben. Du bist sehr schlau und sehr stark. Hast du vielleicht Kinder?~
Nagini schaut mich seltsam an.
~Du meinst, ob ich Junge habe?~, fragt sie. Ich nicke schnell. ~Du, Junge, du schmeichelst mir. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, Junge zu haben. Bald wird es Zeit dafür sein. Wenn ich dir eines gebe, versprichst du, dass du dich gut um es kümmern wirst?~
~Aber natürlich~, sage ich schnell. ~Ich werde es an mich binden.~
~Nun, du bist der zweite Schlangensprecher, den ich je getroffen habe~, meint Nagini, mich beschnüffelnd. ~Und deine Magie riecht angenehm. Also gut. Du bekommst eines.~
~Danke~, sage ich breit grinsend. Dumbledore bekommt einen Infarkt, wenn er mein neues Haustier sieht. Tja, er hat doch gesagt, ich könne eine Schlange haben. Er hat aber nicht gesagt, welche. ~Wann wirst du die Eier legen?~
~Das wollte ich im großen Schlangenzimmer erledigen~, sagt Nagini. Meint sie damit die Kammer des Schreckens? Ok, stimmt, die Kammer ist voller Schlangenstatuen, also Nagini hat Recht, wenn sie sie 'Schlangenzimmer' nennt. ~Und hetze mich nicht. Wenn eine Schlange Junge hat, ist das etwas Besonderes und sie muss dafür bereit sein.~
~Natürlich~, sage ich. ~Lass es mich wissen, in Ordnung?~
Sie ist weg. Sooo, jetzt habe ich ein Haustier, Naginis Tochter oder Sohn. Ich hoffe nur, dass ihr nicht einfällt, dass der Basilisk ein guter Vater wäre. Ich gluckse und werfe mich auf das Kissen.
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Morgen reise ich nach Hause und ich werde diesen letzten Tag mit Hermine verbringen, denn sie möchte über Dumbledore und das Julfest reden. Und sie redet und redet, ohne Punkt und Komma. Es sieht so aus, als versuche sie alles, was sie mir sagen will, so schnell wie möglich raus zu haben und das bereitet mir Kopfschmerzen.
„Hermine, gib mir bitte nur ein paar Minuten, um mein Frühstück zu essen", sage ich genervt. „Hast du keinen Hunger?"
„Oh doch", sagt sie und beißt in ihr Brötchen. In diesem Moment ertönt ein Knall und Filch platzt durch die Türe, als wäre der Teufel selbst hinter ihm her. Ich blicke weg und verkneife mir ein Lächeln. Also hat Nagini doch die böse Katze gefunden. Gute Schlange.
„Blut... Knochen...", schluchzt er, als McGonagall eilig den Lehrertisch verlässt und ihm entgegen geht. Der Mann ist total übergeschnappt. McGonagall sieht nicht so aus, als denke sie, dass es überhaupt etwas zum Nachforschen gibt, führt ihn aber aus der Halle hinaus, sodass alle in Frieden essen können.
„Was soll das denn?", flüstert Hermine.
„Keine Ahnung", sage ich selbstzufrieden.
Ms Norris, die immer auf Streifzug ist, wird niemand außer Filch vermissen. Ich spüre den Blick von jemandem auf mir und sehe auf, dem Blick von Snape begegnend. Er blickt schnell weg. Also denkt er, dass ich die dumme Katze getötet habe. Niemand kann mir etwas nachweisen, denn in diesem Fall hatte ich überhaupt nichts damit zu tun. Ich war in meinem Bett, die ganze Nacht lang.
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Am nächsten Tag im Zug reden alle über die arme Ms Norris und ich fasse es einfach nicht. Alle haben sie gehasst; und ich habe ab und zu deutlich Schüler gehört, die gesagt haben, dass sie Ms Norris am liebsten die Treppen hinunter fallen lassen würden. Und doch sind sie jetzt alle schockiert und besorgt. Was soll der Scheiß? Die gute Nagini hat sie aufgefressen und ein Problem für uns alle gelöst. Sie haben sich alle beklagt und keiner hat die dumme Katze gemocht; und jetzt, da sie tot ist, reden alle über sie. Ich fasse es einfach nicht.
„Es ist schrecklich", murmelt Hermine, als wir zusammen in einem Abteil sitzen. „Wirklich schrecklich."
Nicht du auch!
„Ich fasse es einfach nicht", sage ich genervt. „Keiner hat diese Katze gemocht – und jetzt betrauern sie sie?"
Hermine blinzelt und schaut mich seltsam an. Habe ich was Falsches gesagt?
„Es geht nicht nur darum, Harry", sagt sie leise. „Niemand weiß, wie sie gestorben ist. Es gibt viele Katzen in Hogwarts; viele Haustiere, die von derselben Bestie aufgefressen werden können, wie die arme Ms Norris."
„Ach, das", murmele ich geistesabwesend. Es gibt so viel für mich zu tun, jetzt da ich nach Hause gehe. Aber zuerst werde ich während der Nacht Draco in seinem Zimmer besuchen. Ich grinse teuflisch.
„Woran denkst du?", fragt Hermine besorgt.
„Ach... ich freue mich nur darauf, dass ich bald mehr Zeit mit Draco verbringen kann", sage ich und grinse breiter. Hermine lächelt mich an. Endlich sind wir mit dem Thema Ms Norris fertig.
„Also ist alles wieder in Ordnung?", fragt sie.
„Ja", sage ich. „Es ist nur, Draco ist sehr besorgt... Dass man herausfinden könnte, dass wir zusammen sind. Oder was auch immer das zwischen uns ist."
„Warum denn?", fragt Hermine überrascht. „Würde Lucius nicht seine Vorliebe für Jungen billigen?"
„Das ist es nicht", sage ich kopfschüttelnd. „Er ist... er und Parkinson sind verlobt. Das ist eine uralte Tradition. Und man sollte die Verlobung nicht brechen."
Hermine schnappt nach Luft und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an.
„Der Arme", flüstert sie. „Ich hab davon gelesen. Es ist schrecklich. Man darf sich nicht verlieben; man muss die Person heiraten, die für einen ausgewählt wurde. Das ist schrecklich."
„Ja", sage ich todernst. „Also siehst du ein, dass die Situation sehr heikel ist."
„Parkinson ist eine dumme Kuh", sagt Hermine giftig. Ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe. Ist meine Wut etwa ansteckend? „Sie verdient Draco nicht. Du solltest etwas dagegen unternehmen."
„Zum Beispiel...?"
„Du solltest die Verlobung brechen", sagt sie entschlossen. „Aber du musst sehr vorsichtig sein, sodass keiner schuld wäre. Weiß Lucius, dass Draco schwul ist?"
„Auch wenn er es wüsste, würde es keinen Unterschied machen", murmele ich. „Seine Ehepflichten verlangen nur von ihm, dass er der Malfoy Familie einen Erben gibt. Das ist alles."
Hermine presst die Lippen zusammen und richtet sich auf. Ich kenne diesen Ausdruck. Und ich kann beinahe sehen, wie sich die Räder in ihrem Kopf drehen.
„Du solltest einen Jungen auf sie hetzen", sagt sie entschlossen. „Wie wäre es mit Blaise Zabini?"
„Hermine", sage ich überrascht. „Bist du noch immer Hermine? Denn du klingst nicht wie die Hermine, die ich kenne."
Sie lächelt flüchtig und zuckt mit den Achseln.
„Ich kann dir dabei helfen, wenn du willst", sagt sie, scheint aber stolz auf sich zu sein. „Ich denke, dass es einfach abscheulich ist, das Leben eines Menschen auf eine solche Weise zu kontrollieren und Draco verdient es nicht. Und ihr zwei seht gut zusammen aus. Und ich weiß, dass er dir lieb ist. Du solltest diese Beziehung genießen."
„Ich weiß nicht, was in dich gefahren ist, aber mir gefällt es", sage ich grinsend. „Gut, wir werden darüber reden."
„Es wird dort eine Party geben?", fragt Hermine weiter. Ich nicke stumm. „Perfekt. Da solltest du es tun."
„Du bist verschlagen", lache ich.
oooooooooooooooooooo
Endlich zu Hause. Ich schließe meine Augen, als der Geruch der dunklen Magie mir entgegen schlägt. Die dunklen Korridore, die grünen Vorhänge, die alten, quietschenden Stühle, das auf Hochglanz polierte, uralte Holz... Ich lächele breit, als ich schnelle Schritte höre.
„Harry, mein Lieber", höre ich eine bekannte weibliche Stimme und zwei dünne Arme umschlingen mich. „Willkommen zu Hause."
„Danke", flüstere ich. „Es fühlt sich gut an."
„Wir haben ein paar Sachen in deinem Zimmer geändert", sagt Narzissa, als Dobby meinen und Dracos Koffer wegnimmt. „Hoffentlich gefällt es dir."
„Was denn?", frage ich, ihr nach oben folgend.
„Wir haben ein Bad einbauen lassen", sagt Narzissa fröhlich. „Und Lucius hat ein Geheimregal eingebaut, sodass du Platz für Bücher hast, die du... verstecken musst."
Denn ihr ist natürlich klar, in welche Richtung ich gehe. Narzissa ist unkompliziert, freundlich und möchte nur, dass ich mich gut fühle. Und wenn Bücher über Dämonenbeschwörungen mich glücklich machen, ist es in Ordnung. Langsam sehe ich ein, dass sie der Inbegriff von allem ist, was ich von einer Mutter erwarte. Sie ist für mich da, hält aber Distanz, sodass ich die Freiheit habe, die ich brauche und ihr ist offensichtlich klar, dass ich sie brauche. Und sie versucht mir das zu geben, was mich glücklich macht. Narzissa wird nicht versuchen, sich in mein Leben einzumischen und mir Predigten über etwas zu halten. Sie ist einfach für mich da. Ist das das Vorbild einer perfekten Mutter, oder das Vorbild einer perfekten schwarzmagischen Mutter?
„Wie geht es dem dunklen Lord?", frage ich leise.
„Gut", erwidert sie leise. „Aber es ist schwer für uns. Deswegen hat Lucius sich gefreut, dass du nach Hause kommst. Denn du kannst ihn verstehen."
„Ja", sage ich gedankenverloren. Draco folgt uns schweigend.
„Und wir haben noch etwas machen lassen, während ihr zwei in der Schule wart", wechselt Narzissa das Thema. „Ein Quidditchfeld für euch. Wenn eure Freunde zu Besuch kommen, werdet ihr jetzt Quidditch spielen können."
Draco grinst mich an, aber ich bin von der Idee nicht so sehr begeistert. Früher hat Quidditch mich glücklich gemacht, jetzt aber nicht mehr. Ich habe einfach keine Zeit mehr dafür, und außerdem habe ich andere Sachen, die mich glücklich machen. Aber ich kann nicht leugnen, dass mir das Fliegen gefällt. Auf einem Besen fühle ich mich frei und das Fliegen beruhigt mich. Vielleicht ist es doch keine so schlechte Idee. Ein Sucher hat eh nichts Besseres zu tun, außer rumzufliegen und nach dem Schnatz Ausschau zu halten.
Mein Zimmer hat sich nicht viel verändert. Die Möbel sind noch immer uralt, die Stühle quietschen und das Bett ist noch immer riesig und riecht komisch, was Dobby immer versucht zu ändern, indem er Lavendelblätter unter die Matratze steckt. Aber es gibt eine neue Tür, die genauso wie die anderen aussieht, die aber anscheinend zu dem neu eingebauten Bad führt.
„Nun, ich werde euch jetzt alleine lassen", sagt Narzissa. „Das Abendessen ist in zwei Stunden."
Sie geht. Ich schätze es, dass sie nicht rum hockt und mich ständig fragt, ob ich etwas brauche oder mir dumme Fragen stellt. Nein, Narzissa lässt mich in Ruhe. Es gibt zwar auch Menschen, wie Hermine, die solch eine Einstellung Vernachlässigung nennen würden, aber für mich ist es einfach erfrischend und ich schätze es.
„So, Bruderherz", sage ich, zu Draco gewandt. „Wie gefällt dir mein neues Zimmer?"
Draco verengt die Augen und ich lache. Ich weiß, wie sehr es ihn nervt, wenn ich ihn 'Bruder' nenne.
„Hör auf damit", zischt er.
Ich fahre zärtlich über seine Wange und er hält den Atem an.
„Endlich alleine", flüstere ich. „Zwei Wochen lang."
Draco schließt die Augen und presst seine Lippen auf meine. Nun, anscheinend ist er ziemlich ungeduldig und das ist mir nur recht. Wir fallen zusammen auf mein Bett und Dracos Beine verschränken sich hinter meinem Rücken, als ich ihn leidenschaftlich weiter küsse. Kann man das Stöhnen unten hören? Hoffentlich nicht. Momentan kann ich darüber nicht nachdenken, denn ich versuche, so schnell wie möglich Draco seiner Boxershorts zu entledigen. Geschafft! Ich werfe sie zur Seite, gucke nach unten und lächele. Jeder Körperteil von ihm ist perfekt und so ist es auch mit diesem.
„Wir sollten...", murmelt er, schwer atmend. „Die Tür zusperren. Schutzzauber..."
Ich knurre, als ich mich an ihm reibe und er rollt mit den Augen. Er ist so glatt... Ich zücke schnell meinen Stab und deute damit ungeduldig auf die Tür. Zurück zur Arbeit... Zuerst muss ich seine aber auch meine Kleidung loswerden...
„Oh Morgana", flüstert Draco, als meine Hand nach unten gleitet. Seine Haut ist so weich und so glatt... Wie schafft er das nur? Ich habe Narben überall und meine Haut ist hart und trocken. Es hat mich nie gestört und ganz ehrlich, warum sollte ich mich um meine Haut kümmern? Und so weit ich weiß, kümmert sich Hermine auch nicht darum. Auch wenn es Mädchen gibt, die ihre Freizeit mit Schminken verbringen, sind diese Sachen Hermine total egal.
„Ich hab es mir schon tausendmal vorgestellt", flüstere ich in sein Ohr. Unsere nackten Körper pressen sich gegeneinander und es fühlt sich so gut an, endlich die Wärme seines Körpers zu spüren. Es macht alles irgendwie... realer. Er ist unter mir, und ich kann ihn küssen, wo auch immer ich möchte. Herrlich... „Das hier ist viel besser, als das Herumschleichen in Hogwarts."
„Viel besser", stöhnt Draco. „Potter... wage es nicht, jetzt aufzuhören..."
Ich grinse breit und stöhne als Dracos zittrige Hand sich um meinen kochend heißen Körperteil legt. Diese Hände... Sie machen mich verrückt. Draco hat lange und dünne Finger, die den Fingern eines Klavierspielers ähneln. Und er ist unglaublich geschickt mit diesen Fingern...
Als er seine Lippen zusammenpresst, lege ich schnell meine Hand auf seinen Mund. Ich kenne diesen Ausdruck – er heißt, dass Draco dem Höhepunkt nahe ist, aber nicht laut stöhnen möchte. Und was verrückt dabei ist, dass mich das Bild von einem Draco, der so sehr versucht, leise zu sein, aber zittert wie ein Zweig, meine Hand auf seinem Mund, wahnsinnig erregt.
ooooooooooooooooooo
„Wir sind wie Hasen", flüstert Draco müde. Er liegt in meinen Armen und ich ziehe träge Kreise auf seinem Rücken. Ich lächele. Ich fühle mich endlich zufrieden und ich denke mit Sehnsucht an das Abendessen. Wie zur Bestätigung dieses Gedankens, knurrt mein Magen.
„So ein Klischee", meint Draco kichernd. Meine Finger gleiten zu seinem Hintern und er erschaudert. Ist er etwa kitzelig? „Danach hast du immer Hunger. Wirst du auch eine Pfeife rauchen?"
Dracos Kommentare bringen mich immer zum Lachen.
„Denkst du, dass sie etwas bemerkt haben?", fragt er leise.
„Hoffentlich nicht", murmele ich. „Aber wir müssen eh vorsichtig sein."
Ich rolle aus dem Bett heraus und beginne, mich anzuziehen. Draco mustert mich. Er hat mich nie nackt gesehen und ich kann seinen Blick auf meinem nackten Körper förmlich spüren.
„Es tut mir leid", flüstert Draco. Ich schaue auf und begegne dem Blick der grauen Augen. „Es ist einfach falsch, einen reinblütigen Zauberer so zu behandeln."
Ich lächele hämisch und wende mich um, ihm meinen nackten Hintern und die Narben auf meinem Rücken zeigend. Die Peitschenspuren sind nie vollkommen geheilt. Draco schnappt nach Luft, sagt jedoch nichts.
„Es ist in Ordnung", sage ich leise, mein Hemd anziehend. „Sie haben mir dafür gebüßt. Dumbledore wird mir büßen. Aber vor allem ist es in Ordnung, weil ich deswegen zu dem geworden bin, was ich heute bin. Ich bin kein naiver Junge mehr."
„Was hast du vor?", fragt Draco. „Ich möchte helfen."
Ich wende mich um, meine Boxershorts anziehend.
„Ich werde ihn töten", sage ich leise. „Bald, Draco. Und ich habe vor, es alleine zu tun. Das ist etwas zwischen mir und Dumbledore."
„Hör mal, Potter...", sagt Draco, der mich angafft.
„Sorge dich nicht um mich", sage ich knapp. „Ich habe Hilfe. Ich schaffe es schon. Du wiederum solltest eine schöne Robe finden, die du für das Auferstehungsritual tragen wirst."
Ich grinse ihn an und setze mich, jetzt vollkommen angekleidet, an den Rand des Bettes. Ich streichele über seine Wange und presse meine Lippen zusammen.
„Du siehst noch besser aus, ohne Kleidung", sage ich lächelnd. Draco grinst mich an.
„Ich weiß", erwidert er selbstgefällig, aber mir ist trotzdem klar, dass er das Kompliment genießt.
„Komm, wir sollten essen gehen", sage ich, ihn aus dem Bett herausziehend.
