Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 25 – Elfen, Ratten und Drachen

„Draco!", rufe ich begeistert, sobald der Blondschopf das Zimmer betritt. Ich strecke meine Arme aus und grinse ihn breit an. Draco schaut sich um und zieht eine Augenbraue in die Höhe.

„Hat Onkel Severus dir womöglich extra starke Schmerztränke gegeben?", fragt er argwöhnisch. „Denn du siehst ein wenig euphorisch aus."

„Mir geht es bestens!", sage ich schnell. „Komm."

Er setzt sich an den Rand des Bettes und ich schlinge einen Arm um seine Taille. Er verengt die Augen.

„Woher kommt diese gute Stimmung?", fragt er, als er den Inhalt meines Nachttisches mustert, nach Phiolen suchend. Da gibt es keine.

„Das Ritual hat geklappt! Und der dunkle Lord möchte über Dumbledores Tod sprechen", sage ich begeistert.

„Nun", sagt Draco leise. „Ich freue mich, weil du dich freust. Auf Dumbledores Tod oder auf was auch immer."

„Sein Tod wird auch ein Grund zum Feiern sein", sage ich, die Decke zur Seite schiebend. „Gehen wir in den Garten. Ich möchte spazieren gehen. Ich sehne mich nach frischer Luft."

Ich lehne mich nach vorne und küsse ihn so schnell, dass er keine Zeit hat, sich darauf vorzubereiten. Aber seiner Reaktion nach zu urteilen, stört es ihn auch nicht.

„Ist es nicht ein wenig zu früh dafür?", fragt er, als ich aufstehe und meinen Schrank mit einer dramatischen Geste öffne.

„Ich werde nicht zaubern, ich möchte nur meine Beine strecken", sage ich fröhlich.

„In Ordnung", sagt er, aber sein Ton verrät, dass er noch immer argwöhnisch ist.

„Wir können unseren Plan besprechen", sage ich, die Hosen anziehend.

„Welchen Plan?"

„Parkinson loszuwerden", erkläre ich.

„Ich wünsche mir, du würdest über sie nicht auf diese Weise sprechen", murmelt Draco. „Sie ist ein wenig dumm und geht mir auf die Nerven, aber das ist kein Grund, um sie zu hassen."

„Ich hasse sie, weil sie mir im Weg steht", erwidere ich kalt. „Auf meinem Weg zu dir."

Dracos Wangen werden leicht rosa und er schaut auf seine Schuhe hinunter. Ich weiß, worüber er nachdenkt. Möchte ich sie loswerden, nur weil ich so was gerne tue, oder weil ich mich wirklich mit ihm in der Öffentlichkeit zeigen möchte? Ähm... beides. Das Herumschleichen ist echt nervig.

Der Garten ist wunderschön. Da gibt es Gebüsche, die so geschnitten wurden, dass sie Menschen und Tieren ähneln. Es gibt jedoch eine Menge Drachen... Ist das etwa eine Familientradition? Hätte Draco einen Bruder, wie würde Narzissa ihn nennen?

„Ich bekomme bald ein Tier", sage ich, als Draco und ich durch den Garten schlendern. Ich beschnüffele im Vorbeigehen die roten Rosen und atme tief die frische Luft ein. Vielleicht fühle ich mich ein wenig high. Denn alles kommt mir vor, als träume ich.

„Mutter wollte dir ein Tier kaufen", sagt Draco. „Sag mir bloß nicht, dass du eins bestellt hast!"

„Auf eine ganz verrückte Weise, ja, hab ich", antworte ich. „Narzissa braucht mir nichts zu kaufen."

„Eine Schlange?", fragt Draco leise.

„Naginis Tochter oder Sohn", antworte ich breit grinsend. Draco starrt mich fassungslos an.

„Sie wird Junge haben", erkläre ich. „Und sie hat mir eines versprochen."

„Aber...", platzt es aus Draco, der inne hält. „Sie ist riesig!"

„Bis zu einem gewissen Grad hängt die Größe des Tieres von der Macht des Besitzers ab", antworte ich. Da ist etwas, was einem Teich ähnelt. Ich ändere meinen Kurs und Draco folgt mir. „Natürlich ist das nur möglich, wenn der Besitzer das Tier an sich bindet."

„Ich weiß, wie das funktioniert, vielen Dank", sagt Draco knapp. „Möchtest du die Schlange an dich binden?"

„Ja", sage ich zufrieden. „Sie wäre echt nützlich. Und außerdem spreche ich ihre Sprache. Hedwig ist zwar eine sehr kluge Eule, aber mit ihr kann ich nicht reden. Also wäre die logische Wahl eine Schlange. Und Dumbledore hat mir ja schon erlaubt, eine Schlange im Schloss zu haben."

„Falls du so was wirklich tust, wird die Hölle los sein", sagt Draco. Dann gluckst er. „Vielleicht könntest du auch einen Hauswechsel verlangen. Mit den Gryffindorks gibt es nur Probleme."

„Dumbledore scheint in letzter Zeit sehr großzügig zu sein", sage ich nachdenklich. „Vielleicht versuche ich es."

Mir fällt ein, dass ich Draco nichts von meinen Vermutungen erzählt habe. Also bugsiere ich ihn in die Gartenlaube und erkläre ihm alles. Draco hört aufmerksam zu, aber sein Ausdruck ändert sich nicht viel, sowie es bei Hermine der Fall war. Er ist ja ein Malfoy. Er zeigt den anderen nicht, was er denkt und was er fühlt. Oder wenigstens versucht er, es nicht zu zeigen.

„Jetzt ergibt alles einen Sinn", murmelt er. „Und es wundert mich auch nicht, dass Dumbledore sich so was ausgedacht hat."

„Echt?", frage ich.

„Natürlich", sagt Draco und verzieht das Gesicht. „Hast du gewusst, dass Dumbledore derjenige ist, der das Ministerium gegen die dunklen Magier aufhetzt? Alle haben eine so hohe Meinung von ihm und der Schleimkerl hat den Minister unter seiner Kontrolle. Er nennt es 'Ratschläge', aber das sind wohl keine Ratschläge. Und der Minister ist ein Idiot, weil er ihm zuhört und denkt, er hat Recht. Vater erzählt mir ständig von seinen kleinen Spielchen, von seinen 'Vorschlägen' und von seinen verrückten Ideen. Wenn es nach Dumbledore ginge, würde es überhaupt keine dunklen Magier geben."

„Noch ein Punkt auf meiner 'Nachteile und Vorteile vom Mord an Dumbledore' Liste", stelle ich trocken fest.

„Aber ich bin mir nicht sicher, dass sein Tod viel bewirken wird", meint Draco.

„Oh doch", sage ich entschlossen. „Denn er ist so eine Art Anführer für sie. Der gute Weißmagier, der immer Gutes für alle will. Wenn er tot ist, wird Chaos ausbrechen. Und ich freue mich darauf."

„Was mir aber Sorgen bereitet, ist, wie du es erledigen möchtest", sagt Draco leise. Er wirft einen Blick auf den Pfad, der zur Gartenlaube führt und greift schnell nach meiner Hand. „Wir reden hier über Dumbledore. Er mag allen wie ein verrückter, vergesslicher und fröhlicher Großvater und Weißmagier vorkommen, aber das ist er nicht. Wenn es um die Slytherins geht, ist er voreingenommen, obwohl er immer versucht, sich einen guten Grund für sein Handeln auszudenken."

Vielleicht hätte ich lieber über solche Sachen mit Draco plaudern sollen, anstatt ihn in die allernächste Nische zu schleifen und seinen Körper zu erkunden. Hmm. Eine schwierige Wahl. Knutscherei oder ein Gespräch über Politik? Ich bin ein Teenager, natürlich wäre eine Knutscherei immer meine erste Wahl.

„Ich werde mit dem dunklen Lord darüber reden", sage ich, Dracos Hand drückend. Er macht sich Sorgen um mich. In welche Richtung geht diese Beziehung? „Ich habe das Ritual durchgeführt, oder? Beweist das nicht, dass ich ein großer Schwarzmagier bin?"

Ich grinse ihn selbstgefällig an und Draco schüttelt den Kopf, lächelt aber.

„Ja, das bist du", sagt er leise. „Mich musst du nicht überzeugen."

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Mein erstes Treffen mit Lord Voldemort. Ich habe mich frisch angezogen und stehe vor der Tür, die zu seinem Zimmer führt. Ich atme tief durch, grinse und klopfe an.

„Herein", sagt eine tiefe Stimme.

Voldemort sitzt hinter dem Schreibtisch und hält eine Feder zwischen seinen langen Fingern. Er trägt ein einfaches, schwarzes Hemd, das ein beeindruckender Kontrast zur Blässe seiner Haut ist. Die dunklen Augen schauen in meine Richtung und ich lasse mich auf meine Knie nieder. Ich höre Rascheln von Papieren und das Quietschen von einem Stuhl.

„Erhebe dich", sagt die tiefe Stimme. Ich tue wie geheißen und kann nicht damit aufhören, blöd zu grinsen. Die dünnen Lippen kräuseln sich zu einem Lächeln.

„Harry Potter, ein Rätsel", murmelt Voldemort belustigt, als er mich von oben bis unten mustert. „Setz dich."

„Mir gefällt dieser Körper", sagt er, seine Finger bewegend. „Er ist viel jünger, als mein alter Körper." Ich grinse wieder. „Und das war ein gutes dunkles Ritual, dasdu da unten gedreht hast."

Er deutet mit dem Kopf in Richtung Tür.

„Danke", sage ich grinsend. „Mein Lord."

Voldemort mustert mich.

„Du hast dein Blut als das Blut eines treuen Dieners benutzt", fährt er fort, mich musternd. „Ich vertraue niemandem, außer Magie. Und die dunkle Magie hat dich als meinen treuen Diener akzeptiert. Aus diesem Grund werde ich dich als einen betrachten."

„Eine Frage werde ich dir jedoch stellen", fährt er fort. „Was hast du davon, mir zu helfen? Die Mehrheit meiner Diener dienen mir aus Angst. Manche fühlen sich von mir angezogen, weil ich der dunkle Lord bin. Aber du, Harry Potter? Was hast du davon?"

„Ich habe Euch diese Frage schon beantwortet, mein Lord", sage ich verwirrt. „Meine Meinung hat sich seit damals nicht geändert."

„Du möchtest der dunklen Seite helfen, wieder zu Kräften zu kommen", sagt Voldemort. „Aber bist du bereit, zu kämpfen?"

„Ich bin bereit, das zu tun, was ich tun kann", sage ich ehrlich.

„Eine diplomatische Antwort", behauptet Voldemort. „Also musst du lernen."

Voldemorts durchbohrender Blick macht mich ein wenig nervös und wie es bei Tom der Fall war, kann ich den Eindruck nicht loswerden, dass er immer weiß, worüber ich nachdenke. Und natürlich kann es die Wahrheit sein, denn er ist ein Legillimentiker und diese Kunst kommt ihm natürlich und leicht vor. Er muss sich nicht wie ich bemühen.

Langsam steht er auf und seine einfache Kleidung hat keinerlei schmälernde Wirkung auf die Macht, die er ausstrahlt. Das habe ich mir gewünscht, oder? Einen mächtigen Lehrer zu haben, der mir die Wunder und die Geheimnisse der dunklen Künste beibringen kann?

„Wenn du wirklich zu mir stehen möchtest und wenn du ehrlich von mir lernen möchtest, wirst du dich an meine Regel halten müssen", sagt er leise. Er umrundet seinen Tisch und kommt auf mich zu. „Ich toleriere Respektlosigkeit nicht; ich hasse es, wenn man es wagt, mich anzulügen; und Verrat ist etwas, was mich am meisten stört. Dafür ist Tod ein Segen, denn Verräter verdienen keine Gnade. Und wenn du, sowie mein jüngeres Ich dich betrachtet und genannt hat, mein Lehrling sein möchtest, , musst du mir gehorchen. Du musst mich als deinen Meister und Lehrer akzeptieren."

Ich blinzele und ein Schauder läuft mir über den Rücken. Er mag wie Tom aussehen, aber er ist viel mehr als Tom. Er hat im Laufe der Jahre so viel gelernt und erlebt, dass sein Wissen und seine Erfahrung sich nicht mit denen von Tom messen können. Möchte ich all das? Möchte ich schon wieder jemanden haben, von dem ich abhängig bin? Möchte ich schon wieder jemandem gehorchen und genau das tun, was man mir sagt? Und so wie es klingt, ist Voldemort in dieser Beziehung viel schlimmer, als alle Hellmagier zusammen. Aber ich möchte für die dunkle Seite kämpfen, denn auch wenn ich es nicht wollte, könnte ich nicht leugnen, dass ich einer von ihnen bin. Und als ein dunkler Magier fühle ich mich von Voldemort angezogen. Zu seiner Macht und zu seiner Magie. Und für die Macht, die er mir bietet, sollte kein Preis zu hoch sein. Außerdem weiß ich einfach nicht, wo ich sonst hingehen sollte. Die Dunkelheit ist mein Heim; und dadurch auch Voldemort. Ich gehöre hier hin.

„Ich bin einverstanden, mein Lord", sage ich, zu ihm hinauf schauend. Die dunklen Augen mustern mich und Voldemorts Mundwinkel zucken.

„Das hier wird kein Spiel sein", sagt er leise, aber es klingt nicht mehr wie eine Drohung. Hat er etwa meinen Gedanken zugehört? Das wäre ziemlich unhöflich. Aber natürlich würde Unhöflichkeit kein Problem für den dunklen Lord darstellen.

„Wenn du dich dafür entscheidest, musst du bei mir bleiben. Du bist ja erst dreizehn; und Kinder ändern ihre Meinung schnell. Denke an deine Zukunft."

„Bei allem Respekt, mein Lord", zische ich, ihm direkt in die Augen schauend. „Ich bin kein Kind. Ich hab gerade dieses ach so komplizierte und schwierige Ritual für Euch durchgeführt. Und ich war erfolgreich. Ich habe so viel in den wenigen Jahren erlebt, die ich auf der Erde verbracht habe und meine Kindheit wurde mir weggenommen. Es ist vorbei. Ich bin erwachsen, weil ich dazu gezwungen wurde. Ich habe meine Verwandten getötet und ich habe vor, jeden, der mir in die Quere kommt, auch zu töten, und ich werde mit Dumbledore anfangen. Ich bin auf alles gefasst und nichts kann mich einschüchtern. Ich habe mich für die dunkle Magie nicht entschieden, weil ich es wollte, sondern weil es das ist, was ich bin. Und ich gehe nirgendwo hin. Ich möchte Euch folgen."

Die dunklen Augen blitzen auf und Voldemort neigt den Kopf zur Seite.

„Sehr wohl", sagt er schließlich. „Gib mir deine Hand."

Was? Er würde mir nicht etwa das dunkle Mal einbrennen, oder? Ich kann nicht damit an meinem Arm rumlaufen, oder?

Voldemort verdreht die Augen. Irgendwie sieht es ein wenig komisch aus, wenn er das tut.

„Ich werde dir auch beibringen, wie du es, wenn es notwendig ist, unsichtbar machen kannst", sagt er, davon ausgehend, dass ich schon begriffen habe, was er vorhat.

„Aber Dumbledore...", fange ich an.

„...wird dich nicht durchschauen", sagt Voldemort selbstsicher. „Und außerdem wird er in ein paar Monaten sterben. Hast du Angst?"

„Nein", sage ich sofort und krempele meinen Ärmel hoch. Das war ein wirklich mieser Trick, aber ich bin drauf reingefallen. Voldemort schaut mich amüsiert an.

„Auf diese Weise werde ich wissen können, wo du bist und ob du in Gefahr bist", sagt Voldemort in einem sanfteren Ton. „Es wird zweifelsohne sehr nützlich sein."

Er zieht einen Stab aus seinem Umhang hervor – woher hat er den wohl? – und setzt dessen Spitze auf meinen Unterarm. Das dunkle Mal wird in die Haut eingebrannt, also muss es schmerzhaft werden. Ich beiße mir auf die Lippen, möchte aber kein Zeichen des Zögerns oder der Schwäche zeigen.

Voldemort scheint mich für ein paar Momente zu mustern, aber ich starre meine Schuhe entschlossen an und höre ein leises Zischen. Da gibt es einen Blitz und ich keuche auf. Der Schmerz explodiert in meinem Unterarm und verbreitet sich durch meinen Körper, bis ich den Eindruck habe, dass mein Kopf wie ein Kürbis explodiert, wenn es nicht bald aufhört. Meine Augen beginnen zu tränen, aber ich blinzele die Schmerztränen weg. Keine Schwäche zeigen... Das hier ist auch ein Test. Aber ein Teil von mir – der noch immer in der Lage ist, etwas zu denken – fragt sich wohl, wie viele Tests ich bestehen muss, bis der große dunkle Lord mir vertraut? Ob es sich lohnt?

Ein weißer Finger wird zärtlich auf meine Haut gelegt und ich zucke zusammen, als mir klar wird, dass es vorbei ist, dass ich so lange verkrampft dagesessen habe, mit dem Schmerz ringend und versuchend, nicht aus vollem Hals zu schreien. Jetzt pocht mein Unterarm und zuckt leicht, als hätte man tausend Nadeln hinein gestochen. Und er blutet...

„Du bist ein Rätsel, Harry Potter", flüstert Voldemort, mit einem Finger über meine Haut fahrend. Seine Finger sind so kalt... aber seine Berührung stört mich nicht, im Gegenteil. Es fühlt sich beinahe so an, als strahlen auch seine Fingerkuppen Macht aus und ich sauge sie einfach ein.

„Und jetzt gehörst du mir", flüstert er. „Willkommen." Die weißen Finger sind weg. „Morgen können wir mit deinem Unterricht anfangen. Jetzt aber habe ich zu tun. Du darfst gehen."

Ich stehe langsam auf, das ganze Zimmer scheint sich um mich zu drehen. Na krass, das habe ich wirklich gebraucht. Nachdem ich mich erschöpft habe, macht er so was. Ist ihm die einfache Tatsache, dass ich noch immer krank bin, nicht eingefallen? Ich verlasse das Zimmer gerade in dem Moment, in dem Voldemort sich selbstzufrieden wieder hinter den Schreibtisch setzt. Ich schaue auf meinen Unterarm hinunter. Der Totenkopf und die Schlange. Ein seltsames Gefühl breitet sich in mir aus. Es ist eine Mischung aus Freude, Stolz und Zorn. Auf einer Seite ist das ein schwarzmagisches Symbol, ein Zeichen, dass ich wirklich zum dunklen Strom gehöre. Ein sichtbares Zeichen. Und aus irgendeinem Grund brauche ich dieses Zeichen, das mich daran erinnern wird, was und wer ich bin und was ich durchgemacht habe, um so weit zu kommen. Auf der anderen Seite ist das Voldemorts Merkmal, ein Zeichen, womit er seine Diener kennzeichnet und durch das sie ihm gehören. Und genau das hat er gesagt... Wenn es ihm solch eine Freude bereitet, schön. Aber ich bin kein Diener. Und das hat er auch gesagt. Ich habe seine Spielregel akzeptiert und er hat mir versprochen, mich zu unterrichten, wenn ich es tue. Also sind wir jetzt quitt. Ich bekomme, was ich möchte, und er hat das bekommen, was er wollte.

Mein Blut tropft auf Narzissas grünen Teppich und ich verziehe das Gesicht. Ich sollte die Wunde ja nicht heilen, denn meine Magie würde einfach keine Wirkung darauf haben. Ich sollte meinen Unterarm in etwas einwickeln... Morgen möchte er mit dem Unterricht anfangen. Schön. Jetzt habe ich ein wenig Zeit, um dieses Gespräch mit Wurmschwanz zu erledigen, das ich so lange verschoben habe. Wo ist die Ratte überhaupt?

„Dobby", rufe ich den Elf, als ich in mein Zimmer hineinplatze. Es ist besser, dass niemand all dieses Blut sieht. Fühlt es sich so an, wenn man sich ein Tattoo stechen lässt? Schmerz ist zwar nichts Fremdes für mich, aber doch. Ich bin ja nicht verrückt nach Schmerz.

„Bring mir etwas, womit ich meinen Unterarm verbinden kann", befehle ich dem Elf, der mich mit weit aufgerissenen Augen angafft, die jetzt so groß wie Teller sind. „Und kein Wort darüber zu Narzissa oder Lucius."

„Dobby kann ihn für Sie heilen, junger Meister", stottert der Elf.

„Nein!", zische ich. Er zuckt zusammen. „Keine Magie, verstehst du?"

Er nickt schnell und verschwindet. Denkt er wirklich, dass ich ein Vollidiot bin, sodass ich so was nicht selbst heilen könnte? Er kehrt mit einem weißen Verband und einer Flasche in der Hand zurück.

„Der junge Meister Potter", flüstert der Elf, als er die Flasche öffnet. Ich rümpfe die Nase. Jod. Anscheinend sind Dobby auch die nicht-magischen Weisen, sich um eine Wunde zu kümmern, gut bekannt. „Sie sind...", Er schnieft und Tränen beginnen seine Wangen hinunter zu gleiten. Ich zische, als er das dunkle Mal reinigt. Das tut weh... „Ich hatte solche Angst... Aber... Jetzt ist es vorbei..."

„Wovon laberst du?", zische ich ungeduldig. Ok, heute werde ich allem Anschein nach ein paar Sachen aufklären, für die ich bisher keine Zeit hatte. Ich warte genau so lange, bis er endlich den Verband um meinen Arm festgemacht hat, dann packe ich ihn am Kragen und schüttele ihn. Dobby wimmert. „Ich habe es echt satt, weißt du? Seit ich hier angekommen bin, hast du dich komisch benommen und mich angegafft. Also? Raus mit der Sprache! Was ist? Was willst du von mir?"

„Dobby... ähm...", gurgelt der Elf, außer sich vor Angst. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in diesem Moment nicht gerade der Inbegriff der Freundlichkeit und Wärme bin. „Dobby wollte den jungen Meister retten... Denn Dobby hat gewusst, was das böse, schwarze Buch ist..." Er zwickt sich an den Ohren und schließt die Augen. Ich lasse ihn los, denkend, dass die Kreatur einfach übergeschnappt ist. „Und dann hat Dobby das schwarze Buch in den Händen des großen Harry Potter gesehen... Und Dobby hat gewusst, dass Harry Potter in Gefahr ist..." Er schnappt sich die Flasche mit Jod und beginnt, sich damit gegen den Kopf zu schlagen.

Ich packe ihn wieder am Kragen und nehme ihm die Flasche weg. Er starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an.

„Hör auf damit! Ich verbiete dir, dich zu verletzen!", zische ich zornig.

„Danke, Harry Potter", murmelt der Elf dankbar. Oh Mann. Er IST total übergeschnappt.

„Und jetzt hör mir gut zu", zische ich. Er schluckt. „Ich bin nicht in Gefahr. Und das böse, schwarze Buch war mein Lieblingsbuch. Der böse, dunkle Lord ist mein Lieblingslehrer. Also wenn du deine Pflichten mir gegenüber nicht entsprechend erfüllen und mich nicht in Ruhe lassen kannst – ich hab dein Gaffen echt satt – werde ich Lucius sagen, dass du mich beleidigt hast und er wird dich töten."

„Nicht, Harry Potter!", gurgelt der Elf. „Dobby möchte Harry Potter dienen! Dobby wird ein guter Hauself sein!"

„Schön", sage ich kalt und lasse ihn fallen. Er rappelt sich auf und reibt sich die Kehle, die Flasche schnell in die Hand nehmend.

„Braucht der junge Meister noch was?", fragt er mit einer übertrieben tiefen Verbeugung.

„Ich möchte wissen, wo Wurmschwanz ist", sage ich aufstehend.

„Der Mann, der mit... mit...", stottert der Elf.

„Ja", belle ich genervt. „Und ja. Wo ist die Ratte?"

„Er schläft im Stall", stottert der Elf.

Ich wende mich zum Gehen.

„Ach und Dobby?" Ich wende mich um und deute mit meinem Stab auf ihn. „Kein Sterbenswörtchen darüber."

Ich deute auf meinen Unterarm. Der Elf nickt schnell und fieberhaft. Ich grinse teuflisch und verlasse das Zimmer. Warum wollte er mich 'beschützen'? Ist das ein normales Benehmen für Hauselfen? Ich kann Hermine fragen, schließlich interessiert sie sich für diese Kreaturen. Obwohl mein ganzer Körper noch immer vor Schmerzen pulsiert und mein Arm von Zeit zu Zeit zuckt, mache ich mich entschlossen auf den Weg in den Stall.

Ich weiß nicht, was mich gepackt hat. Obwohl ich noch immer erschöpft bin und obwohl mir vor Schmerzen schwindelig ist, weiß ich, dass ich mit Pettigrew reden muss. Ich hatte keine Ahnung, dass die Malfoys Pferde haben. Ich halte im Türrahmen inne. Das hier sind keine gewöhnlichen Pferde. Dafür sind sie einfach viel zu groß. Und ein gewöhnliches Pferd hätte natürlich keine Flügel.

Zwei dunkle Augen mustern mich aus den Tiefen des Stalls und eine Schnauze erscheint, die meine ausgestreckte Hand beschnüffelt. Das Pferd gibt ein leises, aufgeregtes Wiehern von sich, als es die Schnauze an meiner Hand reibt. Ich lächele. Etwas an mir gefällt dem Pferd. Ich höre ein leises Geräusch und ich drehe mich um. Das Pferd wiehert wieder, meine Aufmerksamkeit verlangend. Ich kann es mir später anschauen, denn momentan habe ich zu tun.

„Pettigrew!", rufe ich laut. „Komm raus."

„Wer ist da?", fragt eine leise und zittrige Stimme.

„Harry Potter", sage ich laut. „Komm raus, ich möchte dich sprechen."

„B...braucht ER etwas von mir?", fragt die Ratte, die langsam auf mich zukommt. Warum ist Pettigrew so nervös?

Ich lache herzlich.

„Sei nicht lächerlich, was würde er von DIR brauchen?", frage ich breit grinsend.

Pettigrew atmet erleichtert aus. Ich verziehe das Gesicht. Manche Animaguse scheinen genau dem Tier zu ähneln, dessen Form sie annehmen können. McGonagall ähnelt einer Katze nicht, aber vielleicht bildet sie eine Ausnahme. Snape ähnelt einer Fledermaus, das haben wir schon festgestellt. Und Black? Ich habe keine Ahnung, welche Tierform er annimmt.

Warum bemüht Pettigrew sich nicht, seine Kleidung und sein Haar zu waschen? Vielleicht erlaubt Lucius ihm nicht, ins Haus zu kommen, aber doch...

„Also... weswegen bist du hier?", fragt Pettigrew vorsichtig.

„Nun", sage ich langsam, „Ich wollte eigentlich über Sirius Black sprechen."

Pettigrew zuckt zusammen und ich kann Spuren von Panik in seinen Augen sehen. Er weiß etwas... Ich kenne diesen Ausdruck.

„Ich wollte über jene Nacht sprechen, als zwölf Muggel getötet wurden", fahre ich fort, seinen Ausdruck vorsichtig beobachtend. Pettigrews Augen werden noch größer.

„Warum... sollte ich etwas darüber wissen?", stottert er. Ich habe noch nie eine Person getroffen, die ein schlechterer Lügner war. Ich verenge die Augen.

„Weil du da warst", sage ich, auf ihn zugehend. Ich habe vor, zu tun was auch immer notwendig ist, um die Wahrheit aus ihm herauszukitzeln. „Und du weißt etwas, oder?"

Pettigrew zittert am ganzen Leib, macht aber einen Schritt rückwärts. Auf einmal wird ihm offensichtlich klar, mit wem er spricht. Einem Jungen.

„Ich habe dir nichts zu sagen!", zischt er, aber seine wässrigen Augen suchen nach einem Weg aus dieser Situation. „Geh! Ich möchte schlafen!"

„Ich gehe nirgendwo hin, bis du mir genau gesagt hast, was du weißt", zische ich, meinen Stab hervorziehend. Als wäre ihm gerade jetzt eingefallen, dass er ja ein Zauberer ist, zückt auch Pettigrew seinen Stab, aber ich bin schneller.

„Petrificus totalus", zische ich.

Ich bemühe mich nicht einmal, den Zauber non-verbal zu benutzen, denn es ist offensichtlich, dass die Ratte ein mieser Zauberer ist. Er keucht auf und fällt wimmernd wie ein Kartoffelsack auf den Boden.

Ich bücke mich und drehe ihn um, sodass ich ihm in die Augen schauen kann. Ich bin nun mal nicht so gut in Legilimentik, sodass ich solch eine bestimmte Erinnerung herausfischen kann, aber dafür gibt es auch andere Mittel...

„Extorque ungues ex manibus!", zische ich und schaue fasziniert zu, als er aus vollem Hals aufschreit und ihm Tränen die Wangen hinunter rinnen. Ich habe nie die Chance gehabt, diesen Fluch an einer lebendigen Person auszuprobieren. Danke, Pettigrew. Also ist die Wirkung des Zaubers, die Nägel auszureißen. Was natürlich schmerzhaft ist. Ich grinse, als ich spüre, wie die dunkle Magie in mir pocht und mich mit einer Welle von Macht erfüllt. Das kann sich aber nicht mit einem Cruciatusfluch messen... Mal sehen...

„Crucio!", zische ich als nächstes. Tue ich es, weil ich so brennend die Wahrheit wissen möchte, oder weil es mir Spaß macht? Das ist eine gute Frage... Denn ich habe nicht darauf gewartet, dass er etwas sagt. Nein, ich habe lediglich weiter gemacht.

Und das bekannte Gefühl der Macht durchströmt mich und ich stöhne, meine Augen kurz schließend, während Pettigrew sich heiser schreit. Mächtige Morgana, ich habe es so vermisst... Man sagt, dass es nichts auf der Welt gibt, was besser als Sex ist. Ich kann es nicht wissen, denn ich bin noch immer sozusagen Jungfrau, aber das, was ich mit Draco tue, sollte mir eine ziemlich gute Vorstellung geben, wie es sich anfühlt. Aber das hier... kann sich mit überhaupt nichts messen. Und ich kann sehr gut verstehen, warum Bellatrix nicht aufhören konnte. Es erfüllt einen mit so viel Macht, sodass man sich beinahe betrunken fühlt. Man kann sich in dieser Macht verlieren und alles um sich vergessen. Man wird zu einem Gott...

Ich genieße noch ein paar Sekunden den Fluch, bevor ich, etwas zögernd, meinen Stab hebe und ihn beende. Mein ganzer Körper pulsiert und mir ist schwindelig. Oder liegt es an der magischer Erschöpfung? Ups. Ich hätte diesen Fluch nicht benutzen sollen. Aber er hatte eine gute Wirkung auf mich. Tja, es war nur ein Fluch. In Ordnung, zwei Flüche. Aber das ist nichts.

Ich bücke mich, packe Pettigrew am Kragen und drehe seinen Kopf zu mir.

„So", zische ich. Er zappelt wie verrückt – denn der erste Fluch hat meinen Petrificus-Zauber beendet, wie bedauerlich – erstarrt aber, als ich meinen Stab gegen seinen Hals presse. „Die Wahrheit. Jetzt."

Er schluckt und schaut zur Tür. Ich drücke sein Kinn so kräftig, dass er wimmert und etwas knackt. Und ich habe Nagelspuren hinterlassen... Wie unhöflich von mir.

„In Ordnung, in Ordnung", stottert er schwer atmend. „Ich war dort! Ich hab... Black war dort... und er hat einen Fluch benutzt, ich weiß nicht welcher Fluch es war..."

„DU LÜGST!", schreie ich, meinen Stab auf ihn richtend. Zur Hölle mit meiner Gesundheit.

„Nein, bitte!", wimmert die Ratte.

„Crucio!", schreie ich wieder. Das zweite Mal fühlt sich sogar besser an, als das erste. Wer hat gesagt, dass ein wenig dunkle Magie schlecht für mich wäre? Ich fühle mich ausgezeichnet. Ich gluckse, als Pettigrew versucht, auf dem Bodden zappelnd, nach meinem Umhang zu greifen und mein Glucksen wird zum Gelächter. Es ist nur Schade, dass ich nicht so weitermachen kann... Urplötzlich höre ich Voldemorts Toms Stimme in meinem Kopf, der mich genau davor gewarnt hat. Selbstkontrolle... Und ich bin beinahe in die Falle geraten. Entschlossen hebe ich den Stab und funkele die Ratte zornig an, die jetzt hustet und nach Atem ringt.

„Versuchen wir es nochmal", sage ich bedrohlich und bücke mich wieder. „Was ist in jener Nacht passiert?"

„Ich... Black war da", keucht er. Er spuckt Blut aus. Anscheinend hat er sich auf die Zunge gebissen. „Ich wurde bezahlt... Black etwas anzuhängen, sodass man ihn verhaftet... Ich habe ihn beschattet... Er war in der Muggelwelt und ich hatte vor, einen Muggel anstatt ihn zu töten und es ihm anzuhängen... aber mein Fluch ist schiefgegangen... ich weiß nicht warum... und die Hälfte der Straße ist in Flammen aufgegangen... ich hatte nur genug Zeit, mich zu verwandeln und zu verschwinden... Später habe ich herausgefunden, dass zwölf Muggel getötet wurden und dass Black im Gefängnis hockt... das ist alles, was ich weiß, ich schwöre es..."

Also hat dich jemand dafür bezahlt. Ich verenge die Augen. Dumbledore. Wer sonst?

„Wer hat dich bezahlt, es zu tun?", frage ich leise.

„Ich weiß es nicht... Er... hat mir seinen Namen nicht gegeben."

„Natürlich nicht, du Idiot! Denkst du wirklich, dass eine Person, die jemandem für einen Mord bezahlt, ihren wahren Namen nennen würde?", brülle ich und Pettigrew zuckt zusammen, als ich meinen Stab wieder hebe. Aber ich habe nicht vor, ihn wieder zu verfluchen.

„Und natürlich ist es egal, wie er ausgesehen hat, denn er hat sicherlich Vielsafttrank oder sonst eine Tarnung benutzt", murmele ich zornig. Also ist Black doch unschuldig. Interessant...

„Bitte... nicht mehr...", wimmert Pettigrew mit tränenerfüllten Augen.

Ich schaue mit Verachtung auf ihn hinunter und verziehe das Gesicht.

„Ich würde dich am liebsten töten", murmele ich, mit einer Hand über meinen Stab fahrend. Meine eigene Magie scheint mich dazu anzutreiben. Aber ich weiß, dass das ein Sirenenruf ist. Ich wäre ein totaler Schwächling, wäre ich nicht imstande, dem Ruf zu widerstehen. Mir ist das jetzt klar.

„Aber ich denke, ich werde dich noch für eine Weile behalten", sage ich breit grinsend. Ja, um den Cruciatusfluch zu üben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn beherrscht habe... Ich sollte jeden Tag üben. Tja, diese Ausrede ist so gut wie jede anderen.

„Verwandele dich", sage ich, eine Kiste nehmend. Pettigrew blinzelt und schaut mich erschrocken an. Ich zische genervt. „Du kannst dich hier und jetzt, diese Sekunde verwandeln, oder ich werde weiter den Cruciatusfluch an dir üben. Ich denke nicht, dass er stark genug ist."

Pettigrew wimmert und verwandelt sich schnell in eine fettige Ratte. Ich schnappe mir die Ratte am Schwanz und lasse ihn vor meinem Gesicht baumeln. Er zappelt und quiekt und ich mustere ihn mit Genugtuung.

„Du siehst als Ratte noch schlimmer aus", bemerke ich, die Ratte in die Kiste werfend und den Deckel schließend. „Ab jetzt habe ich eine Ratte. Ich denke... ich werde dich Ronald nennen. Ich muss Lucius sagen, dass ich einen Käfig brauche."

Ich grinse breit und gehe dann pfeifend und mit der Kiste in der Hand zurück ins Manor, mich viel besser fühlend.

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/Dracos Sicht

Das war knapp. Er hat mich beinahe gesehen. Ich bin mir nicht sicher, warum ich ihn nicht gegrüßt habe, aber als mir klar wurde, was er vorhat, wollte ich aus irgendeinem Grund nicht rauskommen. Liebe Morgana, ich habe gewusst, dass er Probleme mit Wutanfällen hat, aber dass er jemanden nur so foltert... Wir haben uns vor ein paar Stunden gesehen und er hat glücklich und zufrieden gewirkt. Eigentlich war er beunruhigend gutgelaunt. Wir haben geplaudert, uns in der Gartenlaube geküsst und er war so zärtlich... Nichts wies darauf hin, dass ein Biest in ihm steckt. Klar, ich hab ihr Gesicht schon einmal gesehen, aber er hat an Schlafmangel und Stress gelitten. Jetzt, da das Auferstehungsritual vorbei ist und da es geklappt hat, habe ich gedacht, dass er sich endlich beruhigen würde. Aber nein. Er hat diesen Pettigrew zweimal mit dem Cruciatusfluch belegt und nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe, hat er es genossen. Ich weiß nicht, ob ich froh darüber sein soll, nicht nah genug gewesen zu sein, um den Grund dafür gehört zu haben. Ich weiß nicht, was ich davon halten sollte, wenn es irgendetwas Nichtiges gewesen ist. Vater hat mir darüber erzählt, ich weiß, dass er eine sonderliche Wirkung auf Menschen hat, aber nicht jeder ist imstande, ihn zu benutzen. Ihn überhaupt durchzuführen. Harry schon. Vater sagt, man müsse jemanden wirklich hassen, um den Fluch benutzen zu können und auch dann ist es möglich, dass es nicht genug ist. Da gibt es nur noch einen dunklen Fluch, der schlimmerer als der Cruciatusfluch ist.

Und als er den Stall verlassen hat, hat er wieder wie sein übliches Selbst ausgesehen. Er hat sogar gepfiffen. In letzter Zeit habe ich dieses andere Gesicht von ihm nicht gesehen. Wenn er bei mir ist, scheint er sich zu entspannen – meine Gegenwart scheint ihn zu beruhigen und das Beste in ihm hervorzubringen. Er ist dreizehn, liebe Morgana – und er hat ein Auferstehungsritual durchgeführt und er benutzt die verbotenen Flüche ohne einmal zu zögern. Da gab es nur noch einen Zauberer, der in diesem Alter zu so was fähig war – der dunkle Lord.

Was hat das zu bedeuten? Harry hat mir gesagt, er sei mit Grindelwald verwandt. Also sind die Potters keine so hellmagische Familie, wie alle denken. Sein Vater war ein Hellmagier, aber das bedeutet überhaupt nichts. Da gibt es Talente und Fähigkeiten, die ein paar Generationen überspringen und Harry ist der lebendige Beweis dafür. Daher kommt sein Talent für die dunkle Magie, das jetzt ziemlich offensichtlich ist. Als Hellmagier ist er durchschnittlich; aber als Schwarzmagier ist er fast genial.

Sollte ich darüber mit Vater reden? Ihn fragen, wie ich Harry helfen kann? Wenn ihm irgendjemand helfen kann, dann eben der dunkle Lord. Er versteht. Das gefällt mir nicht, aber Harry scheint in die Fußstapfen des dunklen Lords zu treten. Und Harry hat ja gesagt, dass ER ihn unterrichten wolle. Das ist nur noch ein weiterer Beweis, dass der dunkle Lord Interesse an Harry und seiner magischen Entwicklung hat, denn laut Vater hat er nie jemanden unterrichtet.

Wenigstens scheint ihn meine Gegenwart zu beruhigen und ich sollte versuchen, ihm auf diese Weise zu helfen. Es gibt von Zeit zu Zeit, wenn er denkt, dass niemand ihn anschaut, etwas Verrücktes und Dunkles in seinen Augen, eine zerstörerische Kraft. Aber wenn er bei mir ist, ist es weg. Ich kann es nicht verstehen, aber vielleicht liegt es an meiner Magieaura oder sonst was. Ich werde ihn später besuchen, aber ich sollte ihn nicht wissen lassen, dass ich etwas von seinen Aktivitäten weiß. Wenn er mir davon erzählen möchte, wird er es schon machen.

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/Harrys Sicht

Stille und Ruhe. Ich atme aus und grinse breit, tiefer in meinen Sessel sinkend. Kerzen, ein bequemer Ledersessel, Tee und Kekse und mein Buch über Dämonenbeschwörungen. Das ist meine Vorstellung vom Paradies.

Dieses Buch wurde handgeschrieben und das Papier ist so gelb, dass es mindestens hundert Jahre alt sein muss. Ich lese wieder dieses Kapitel über Dämonenarten und ziehe mein Notizbuch hervor. Ich beginne eine Liste von Namen mit Erklärungen zu verfassen. Ich weiß, ich weiß. Ich habe gesagt, ich möchte mich auf so was nicht einlassen. Aber es juckt mich in den Fingern, jetzt, da ich dieses Auferstehungsritual durchgeführt habe, mit den Ritualen weiterzumachen. Ich spiele mit dem Gedanken, einen Dämon zu beschwören, nur um zu sehen, wie es sich anfühlt und was er mir sagen kann. Normalerweise werden Dämonen und Engel beschworen, weil man eine spezifische Information bekommen möchte, oder um dem Dämon Befehle zu geben, aber ich habe nichts dergleichen vor. Ich weiß ja nicht, was ich ihm befehlen könnte, außer Ronald Weasley zu Tode zu erschrecken, während er schläft. Das wäre lustig.

Ich gluckse, als ich weiter im Buch blättere. Ich knurre, als ich bemerke, dass zwei Seiten aneinander kleben. Ich versuche sie zu trennen, aber ich tue es vorsichtig, um ja das Papier nicht zu zerreißen. Etwas fällt aus dem Buch heraus und flattert auf den Boden, gerade in dem Moment, in dem ich es endlich geschafft habe.

Ich bücke mich und nehme das Stück Papier in meine Hand.

Es scheint, dass die Person, die diese Worte geschrieben hat, in Eile war, denn es ist schwer, die Buchstaben zu entziffern. Außerdem scheint es nicht Englisch zu sein: „Azael, Sonntag, 4 Uhr"

‚Azael' ist mit Sicherheit ein Name und ich bin mir ziemlich sicher, dass ‚Sonntag' der letzte Tag der Woche auf Deutsch ist. Interessant. Wem gehört dieses Buch überhaupt?

Ich öffne es wieder und gucke auf die erste Seite. Hier gibt es etwas. Wie kommt es, dass ich es nie gesehen habe?

Da gibt es ein Lied... Offensichtlich hat jemand ein Gedicht auf Deutsch geschrieben und mich würde es natürlich interessieren, worum es in dem Lied geht. Gibt es einen Zauber, der Sprachen übersetzen kann? Das wäre sehr nützlich. Ich werde Voldemort danach fragen, wenn ich ihn sehe. Aber ich darf ihm nicht sagen, dass ich im Besitz dieses Buches bin. Nun... Vielleicht kann er mir aber auch dabei helfen. Offensichtlich möchte ich einen Dämon beschwören – auch wenn ich es nicht geplant habe, scheint mich etwas dazu zu treiben – und ich sollte Voldemort fragen, ob er mir Ratschläge geben oder mir mit den Vorbereitungen helfen kann.

Hier gibt es Initialen... Warum habe ich sie früher nicht gesehen? 'GGG'. Was hat das wohl zu bedeuten? Ich seufze und schüttele den Kopf. Ja, in Ordnung, ich brauche Hilfe. Einen Dämon zu beschwören unterscheidet sich von dem, was ich schon gemacht habe und die Vorbereitungen sind ziemlich ausführlich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Voldemort darin Erfahrung hat, also würde er mir helfen können.

Da klopft es an der Tür und ich schaue überrascht auf, dankbar dafür, dass ich mich im Malfoy Manor befinde, also muss ich dieses wunderschöne Buch nicht verstecken. Es ist Draco. Ich lächele.

„Ich hab gedacht, dass du Narzissa beim Planen hilfst", sage ich, mustere ihn jedoch zufrieden.

„Nun, ich wollte dich kurz besuchen", sagt er ernst, sich mir gegenüber niederlassend. Sein Blick fällt auf das Buch. „Schon wieder das."

„Ja, dieses Buch gefällt mir", sage ich gutgelaunt. „Weißt du vielleicht, wem es gehört?"

„Nun, Vater hat es dir gegeben", sagt Draco vorsichtig. Aber meine Sinne sagen mir, dass er etwas verbirgt. Ich neige den Kopf zur Seite. „Es hat in der Bibliothek herumgelegen, niemand hat es gelesen."

„Warum denn?", frage ich.

Draco wirft mir 'was für eine Frage soll das sein' Blick zu.

„Weil niemand einen Dämon beschwören wollte?", schlägt er sarkastisch vor.

„Und weil offensichtlich niemand das Buch öffnen konnte", stelle ich fest. Draco zuckt zusammen. Volltreffer! „Wem hat das Buch gehört?"

„Ich weiß es nicht", sagt Draco gereizt, aber zur gleichen Zeit ist mir klar, dass er jedes Wort abwägt. „Vater hat es von jemandem bekommen."

„Denn da drin gibt es Notizen", fahre ich ruhig fort, auf das Buch hinunter schauend. „Auf Deutsch."

Draco erstarrt und schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an.

„Aber ich werde den dunklen Lord danach fragen", sage ich gelassen, das Buch weglegend. Ein leises Geräusch ist zu hören und Draco schaut sich um.

„Du hast nicht diese Schlange schon bekommen, oder?", fragt er, für den Themawechsel sehr dankbar. Also weiß er doch etwas über dieses Buch. Das macht nichts; Voldemort und ich werden herausfinden, wer es geschrieben hat. Ich mag Rätsel. Voldemort und ich? Jetzt sind wir ein Team oder so was? So geht es nicht. Er wird mir dabei helfen, zu bekommen was ich will. Das ist alles.

„Noch nicht", sage ich gutgelaunt. „Aber ich habe eine Ratte. Ihr Name ist Ronald."

Ich grinse Draco teuflisch an und er zuckt zusammen, als er einen Käfig erblickt. Eine fettige, dreckig aussehende Ratte guckt durch die Gitter hindurch.

„Eine Ratte?", wiederholt Draco nervös. Er steht auf und geht auf die Ratte zu, die ihn mit großen Augen angafft, als bitte sie ihn, sie freizulassen. „Ich hatte keine Ahnung, dass du solche Tiere magst."

„Mag ich nicht", antworte ich zufrieden. „Aber Ronald ist eine besondere Ratte." Als ich mich zu ihm geselle, flieht die Ratte in die Ecke des Käfigs und bleibt da, am ganzen Leib zitternd, hocken. Ich lache amüsiert.

„Potter", sagt Draco leise, dem die Reaktion der Ratte auf meine Gegenwart nicht entgangen ist, sich mir zuwendend. „Ist das... könnte es... Pettigrew sein?"

Draco hat das ziemlich schnell erfasst. Oder hat er ihn schon in seiner Tierform gesehen? Solch eine hässliche Ratte gibt es wohl nirgendwo, außer hier...

„Ja, das ist er", sage ich. „Er sollte abnehmen, denkst du nicht?" Ich mustere kritisch die zitternde Ratte.

„Potter", ruft Draco erschrocken. „Warum hast du es getan? Warum hast du ihn in einen Käfig gesperrt?"

„Weil er ein Lügner ist und weil er vollkommen nutzlos ist", antworte ich sofort, der Ratte einen verabscheuenden Blick zuwerfend. „Er hat versucht, mich anzulügen. Und was das schlimmste daran ist, hat er all diese Zeit etwas sehr wichtiges verschwiegen."

„Was denn?", fragt Draco leise, der hin und her gerissen ist. Er möchte die Ratte freilassen, aber zur gleichen Zeit denkt er, dass es mir nicht gefallen würde.

Ich erzähle ihm von dem, was Pettigrew unter Folter gestanden hat und Draco wird blass. Als ich fertig bin, drehe ich mich um und kehre zu meinem Sessel zurück.

„Ich hab noch nicht entschieden, was ich mit ihm tun werde", sage ich, mir mehr Tee eingießend. Draco steht noch immer bei dem Käfig und starrt die Ratte an, die jetzt aus der Ecke rausgekrochen ist und wieder durch die Gitter hindurch guckt, mit ihrem Blick Draco anflehend, sie frei zu lassen.

„Aber momentan habe ich wichtigere Sachen, um die ich mich kümmern muss", sage ich, mich auf dem Sessel zurück lehnend. „Dumbledore."

Draco seufzt und kommt auf mich zu, eine Hand auf meine Schulter legend. Ich weiß nicht warum, aber seine Hand scheint etwas auszustrahlen, etwas Beruhigendes. Ich ziehe ihn zu mir und er fällt in meinen Schoß. Seine Lippen suchen meine und bald weiß ich nicht mehr, wo meine und wo seine Hand ist. Meine Hände gleiten zu seinen Hosen und Draco stöhnt laut auf, sich ungeduldig an mir reibend. Kein Wunder, dass ich nie etwas mit einem Mädchen anfangen konnte, wenn ein Kerl mich so wahnsinnig erregen kann, dass mein Kopf vollkommen leer ist. Meine Hände erforschen seine Brust und meine Lippen küssen seinen Hals und alles, woran ich in jenem Moment denken kann, ist, dass ich ihn so schnell wie möglich nackt sehen möchte.

Als ich in der Schule war, gab es immer dieses Jucken; entweder hieß es, ich wollte dunkle Magie üben oder ich hatte diesen unwiderstehlichen Drang, jemanden zu verletzen. Seien wir jetzt ganz ehrlich und offen. Meine Selbstkontrolle ist zwar ganz in Ordnung, wenn alles in Ordnung ist. Ich habe sogar ruhig mit Dumbledore gesprochen und ich kann ihm in die Augen schauen, ohne etwas zu verraten. Ich kann alles, worüber ich denke, verbergen, bis etwas passiert und ich sehe rot. Und dann fühlt es sich so an, als werde ich jemand anderer. Als sei ich besessen. Ich schaue zu, wie ich dieses oder jenes tue, aber ich habe keine Kontrolle darüber. Einem Teil von mir gefällt es und er schaut gelassen zu; er weiß, dass es richtig ist, auch wenn es noch so falsch ist. Da gibt es dieses Tier in mir, das aufgewacht ist, als ich dem dunklen Pfad zu folgen begann. Früher konnte ich die Schläge ertragen und mich kleinmachen; ich konnte mich in den Schlaf weinen, mich bemitleiden und denken, dass alles besser wäre, wenn ich tot wäre. Jetzt aber habe ich dieses Tier in meinem Inneren, das es nicht erlauben möchte. Es möchte alle und alles zerstören, das mir im Wege steht. Und wenn es die Kontrolle übernimmt, stehe ich an der Seite und schaue zu, wie ich Sachen tue, über die ich mir sicher war, sie nie tun zu können. Das mit Pettigrew zum Beispiel. Ich habe Angst und Panik in seinen Augen gesehen und es hat mir gefallen; ich wollte mehr sehen und spüren. Und seien wir ganz ehrlich – er hat ja Black die Morde angehängt und ich sollte zornig sein, ich sollte möchten, ihn zu töten. Aber zum größten Teil hatte mein Handeln wohl nichts damit zu tun. Das Tier in mir brauchte nur einen Grund, aufzuwachen und die Kontrolle zu übernehmen. Es ging um das Gefühl von Macht und Unbesiegbarkeit; um die dunkle Magie; und um das Gefühl, er sei in meinen Händen und ich könne mit ihm tun, was auch immer ich möchte. Und in jenem Moment hat es sich angefühlt, als wäre alles möglich gewesen.

Aber Draco, auch wenn ich ihm mein anderes Gesicht einmal – in Ordnung, ja, zweimal – gezeigt habe, hat eine beruhigende Wirkung auf mich. Ich sollte ihn behalten, denn er ist gut für mich. Er ist die Hand, die das zornige Tier in mir streichelt, sodass das Tier einschläft. Ich muss mich mit diesem tierischen Problem beschäftigen, aber das größte Problem daran ist, dass ich dieses Tier mag. Obwohl mir klar ist, dass es gefährlich ist und dass es mich in Gefahr bringen kann, möchte ich es behalten.