Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 26 – Die entfachte Flamme

Als ich am nächsten Tag Voldemort suche, finde ich ihn im Salon mit Lucius. Der dunkle Lord sitzt in einem Sessel trinkt Kaffee und Lucius redet. Der Anblick von Voldemort bei so etwas menschlichem wie Kaffeetrinken ist ein wenig seltsam.

„Ach, Harry", sagt er und winkt mir zu. Lucius verstummt und sieht mit einem maskenhaften Ausdruck zu, wie ich mich auf die Knie niederlasse und ihn begrüße. Tom hat mich gut gelehrt. Diese kleinen Gesten und Worte haben wohl eine Bedeutung für Voldemort und es ist wirklich nicht schwer, ihm das zu geben, was er möchte. Wenn es ihn glücklich macht...

Und er sieht in der Tat ziemlich zufrieden aus, als ich mich aufrichte. Seine dunklen Augen sind auf mich fixiert und Lucius schaut von einem zum anderen, nicht wissend, ob er fortfahren soll oder nicht.

„Setze dich kurz", sagt Voldemort. „Lucius wird bald seinen Bericht beenden und dann werden wir anfangen."

„Ähm, ja", sagt Lucius, der zuschaut, wie ich mich in den Sessel bei Voldemort niederlasse und mir einen Keks aus der Schale schnappe. Man könnte sagen, dass ich so gelassen in seiner Gegenwart bin, dass es beinahe als Frechheit betrachtet werden kann.

„Was hast du mit Wurmschwanz getan?", fragt Voldemort fastbeiläufig, in seiner Kaffeetasse rührend. Lucius ist weg und ich bin alleine mit ihm. Ich zucke mit den Achseln. „Ich werde Narzissa nicht davon erzählen", fügt der dunkle Lord hinzu.

Ich seufze. Na schön. Ich möchte nicht, dass Narzissa davon erfährt.

„Ich wollte Informationen", sage ich leise. „Mein Lord."

„Über was?", fragt der dunkle Lord. Er trinkt Kaffee und ich bin so von diesem Bild angetan, dass ich beinahe vergesse, weiter zu sprechen. Da gibt es etwas Unheimliches an diesem Bild von einem dunklen Lord, der gerade seinem Kaffee Zucker hinzufügt und einen Schluck davon nimmt. Voldemort trinkt Kaffee mit Zucker? Ich habe mir eher vorgestellt, dass er schwarzen Kaffee mag.

„Über Sirius Black", sage ich leise. Er würde eh davon erfahren. Und ich rede ja nicht mit dem Mann – ich habe ihm nur mein Haus ausgeliehen. Als ich Voldemort von dem erzähle, was ich erfahren habe, wird er nachdenklich.

„Und du denkst, dass diese geheimnisvolle Person, die ihn dafür bezahlt hat, Dumbledore ist?", fragt er schließlich.

„Wer sonst?", knurre ich. „Er hat seine Finger in allem."

„Nun, es gibt ja keine Art, auf die wir die Wahrheit erfahren können, außer man würde es aus Dumbledore herauskitzeln", sagt er ruhig. In dieser Ansicht ähnelt er Tom. Er ist immer ruhig – bis er auf einmal explodiert und man nach einem Versteck suchen muss. Da gibt es keine Vorwarnung und man kann nicht im Voraus wissen, wann er einen Wutanfall bekommt. Das ist das Schlimmste daran.

„Und du hast die Wahrheit aus Wurmschwanz herausgekitzelt", stellt er unnötigerweise fest. „Wie?"

„Ähm..." Ich kratze mich am Kopf, als die dunklen Augen mich durchbohren. Er weiß es ja sowieso. Mir ist klar, dass er es weiß. Also warum fragt er? „Mit dem Cruciatusfluch."

Voldemorts Mundwinkel zucken kaum sichtbar.

„Verstehe", sagt er leise und stellt seine Kaffeetasse ab. „Und du hast mich nicht gefragt, ob du es tun darfst?"

„Hä?", lautet meine gewandte Antwort.

„Ich weiß, was du über ihn denkst. Dass er nutzlos ist. Aber hier geht es ums Prinzip", fährt er ruhig fort. Sollte ich nach dem Versteck suchen? Wird er explodieren? Wo ist sein Stab überhaupt? Tja, bei Voldemort ist es egal, wo sein Stab ist, denn ohne ihn geht es auch. „Es ist eine ganz andere Sache, wenn du entscheidest, einen namenlosen Muggel zu foltern, weil es dir Spaß macht."

Das ist es nicht. Oder? Ich wollte Informationen, ich habe sie bekommen. Ohne den Cruciatusfluch wäre ich nicht erfolgreich gewesen. 'Aber du hast es trotzdem genossen', sagt eine Stimme in meinem Kopf. 'Denn du hast nicht abgewartet, dass er etwas sagt. Du hast einfach weitergemacht.

„Was auch immer du von ihm hältst, er ist einer meiner Diener", sagt Voldemort kalt. „Und du hast gerade eine Regel gebrochen."

Scheiße. Voldemort und seine Regeln. Ich werde mir eine Liste verfassen müssen, sodass ich...

Schmerz explodiert in meinem Inneren und ich schreie, zu Boden fallend, gequält auf. Mein ganzer Körper scheint in Flammen zu stehen und mein Magen möchte seinen Inhalt loswerden. Ich will nur, dass der Schmerz aufhört. Ich habe das Gefühl, ich könnte platzen; das Zimmer dreht sich um mich; zufällig trete ich gegen das Tischchen, was mir noch mehr Schmerzen bereitet. Ich kann es nicht mehr ertragen; ich möchte raus, ich möchte, dass es aufhört... Was auch immer ich tun muss, ich tue es... es soll aufhören... bitte...

Und dann sind die tausend Nadeln und Messer weg und der Schmerz lässt langsam nach, aber mein Körper zuckt noch immer und als ich hinunter schaue, erwarte ich Blut zu sehen, aber mein Körper scheint völlig in Ordnung zu sein. Mir fehlt nichts, da gibt es kein Blut und meine Beine und Arme sind noch immer da... Mir scheint es gut zu gehen, außer der Tatsache, dass ich gerade höllische Schmerzen gespürt habe.

„So", sagt Voldemort. „Hast du etwas daraus gelernt?"

Ich starre den Boden an, bis mir einfällt, dass er etwas gesagt hat. Mein Gehirn funktioniert nicht. Sollte ich etwas sagen?

„Ja, mein Lord", sage ich. Meine Zunge gehorcht mir nicht, aber ich hoffe, dass er mich trotzdem verstanden hat.

„Nie wieder wirst du etwas ohne mein Wissen tun", zischt er. „Haben wir uns verstanden?"

„Ja", wiederhole ich. Mich jetzt zu übergeben, wäre eine sehr schlechte Idee.

„Setz dich", befiehlt er kalt.

Mühevoll rappele ich mich auf und werfe mich auf den Sessel. War das der Cruciatusfluch?

„Heute reden wir über Blutmagie", verkündet Voldemort.

Er lehnt sich auf seinem Sessel zurück und bringt die Fingerkuppen zusammen. In diesem Moment erinnert er mich sehr an Tom. Seit er... weg ist, habe ich oft an ihn gedacht, aber jedes Mal wenn ich Voldemort ansehe oder an ihn denke, wird mir klar, dass er tatsächlich ein Teil von ihm ist. Und obwohl ich am Anfang oft gedacht habe, dass ich Tom verloren habe, dass er weg ist – obwohl ein Teil von mir wusste, dass es unvermeidlich war, aber weiter hoffen wollte – ist mir jetzt klar, dass Tom noch immer da ist. Denn er sitzt direkt vor mir.

Ich hebe die Hand, sage jedoch nichts. Ich möchte nicht, dass er mir nochmal den Cruciatusfluch auf den Hals jagt.

„Was ist?", fragt Voldemort. Gut, er hat mich nicht verhext.

„Ehe Ihr anfangt, mein Lord", sage ich leise, „hätte ich eine Frage."

„Fahr fort", sagt Voldemort. Wie oft habe ich diese Worte aus Toms Mund gehört!

Ich ziehe das Buch über Dämonenbeschwörungen aus meiner Tasche hervor und hebe vorsichtig den Blick. Neugierde blitzt in Voldemorts dunklen Augen auf.

„Ich habe dieses Buch in der Bibliothek der Malfoys gefunden", sage ich und räuspere mich. Mein Körper zuckt noch immer, aber ich brenne darauf ihm diese Frage zu stellen. „Allem Anschein nach konnte es niemand öffnen, außer mir. Und ich habe eine Menge interessante Sachen in diesem Buch gefunden."

Voldemort streckt wortlos seine Hand aus und das Buch schwebt zu ihm hinüber. Er legt seine weißen Finger auf den schwarzen Einband und – nichts passiert. Das Buch öffnet sich nicht. Obwohl ich gedacht habe, dass Voldemort genervt wäre, wenn das Buch verschlossen bleiben würde, betrachtet er es neugierig und Wissensdurst blitzt in seinen Augen auf.

„Sehr interessant", meint er. Er hat vergessen, dass ich ihn unterbrochen habe und stattdessen dreht er das Buch in seiner Hand und mustert es. „Worum geht es in diesem Buch?"

„Um Dämonenbeschwörungen, mein Lord", sage ich.

Voldemort hebt den Blick und betrachtet mich mit einem seltsamen Ausdruck in seinem Gesicht.

„Darüber wollte ich auch mit Euch reden, denn ich habe gehofft, Ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben", sage ich schnell. „Aber ich wollte wissen, wem das Buch gehört. Denn es stehen nur Initialen darin und ein Lied auf Deutsch."

„Hast du es gelesen?", fragt Voldemort ungeduldig.

„Es ist auf Deutsch", wiederhole ich fassungslos.

Voldemort verdreht die Augen und winkt mich zu sich.

Ich stehe unsicher auf und gehe auf ihn zu. Er reicht mir das Buch.

„Öffne es", befiehlt er. Ich tue wie geheißen. Voldemort wirft mir einen überraschten Blick zu, als sich das Buch problemlos in meinem Schoß öffnet und guckt mir über die Schulter.

„Der Zauber heißt TRADUC", sagt er. Also gibt es doch einen Zauber dafür!

Aufgeregt zücke ich meinen Stab und flüstere das Wort. Das ist zweifelsohne neutrale Magie, aber ich frage mich, ob wir je so was in Hogwarts lernen würden. Denn auch die neutrale Magie scheint Dumbledore nicht zu gefallen.

Jetzt ergibt dieses Lied einen Sinn.

„Lies vor", befiehlt Voldemort in einem Ton, der mich wissen lässt, dass er Gehorsam von Menschen gewohnt ist."

„'Es gibt keine Angst, denn es gibt Zorn;

Es gibt keine Schwäche, denn es gibt Macht.

Ich bin die Stimme des Windes und die Augen des Feuers;

Ich bin die Peitsche des Zorns und die Faust der Zerstörung

Und du wirst mir gehorchen.'"

Als ich meinen Blick hebe, hat Voldemort diesen wissensdurstigen, hungrigen Ausdruck im Gesicht, den ich schon in Toms Gesicht gesehen habe.

„Es ist offensichtlich ein Teil einer Dämonenbeschwörung", meint er. „Wie spannend. Wie lauten die Initialen?"

„GGG", antworte ich dumpf. Was hat das zu bedeuten?

Erkenntnis breitet sich über Voldemorts Zügen aus und etwas blitzt in seinen dunklen Augen auf.

„Der Rest des Textes ist auf Englisch?", fragt er ungeduldig.

„Ja", antworte ich.

„Hast du Fehler gefunden?", fragt Voldemort.

„Was... meint Ihr?", frage ich unsicher.

„Fehler, Grammatikfehler, Junge", bellt Voldemort ungeduldig. „Anzeichen, dass jemand, dessen Muttersprache nicht Englisch ist, dieses Buch geschrieben hat."

„Ich... bin mir nicht sicher", antworte ich verwirrt. Worauf will er damit hinaus?

Voldemort seufzt und verdreht wieder die Augen.

„Gellert Gerhard Grindelwald", sagt er, mir direkt in die Augen schauend. Ich schaue auf das Buch hinunter und grinse breit. Wie konnte ich nur so blind sein? Das ist sein Buch! Aber... hat er es geschrieben? Es sieht alt genug aus, um von ihm geschrieben sein zu können. Und die Initialen... Wie konnte ich nur so dumm sein?

„Denkt Ihr... dass er es geschrieben hat?", frage ich langsam.

„Weißt du, für jemanden, der so offensichtlich für die dunklen Künste begabt ist, zeigst du manchmal Anzeichen von unerklärlich großer Dummheit", behauptet Voldemort kalt. Ich grinse. Er hat mir gerade ein Kompliment gemacht. Ich soll für etwas begabt sein? Das habe ich nie in meinem Leben gehört. Und da das Kompliment von dem großen Lord Voldemort stammt...

„Natürlich hat er das Buch geschrieben", sagt Voldemort, der das Buch noch immer hungrig mustert. „Und du kannst es öffnen, weil du mit ihm verwandt bist. Wie interessant."

„Hast du das Buch gelesen?", fragt er, den Blick hebend.

„Viele Male", antworte ich.

„Und hast du vor, etwas daraus zu benutzen?", fragt er weiter.

„Am Anfang nein, jetzt aber doch", sage ich vorsichtig. Was sagt er dazu? Dass es gefährlich ist? Dass ich zu jung bin?

„Hast du dich für einen bestimmten Dämon entschieden?", hakt er nach. Er hat nichts dazu zu sagen? Aber natürlich... Er hat sicherlich viele gefährliche Experimente in meinem Alter gemacht. Schließlich reden wir hier über Lord Voldemort.

„Noch nicht, aber ich habe eine Liste verfasst", sage ich. Voldemort nickt.

„Schön", sagt er. „Da ich sehe, dass dich dieses Thema interessiert, werden wir heute darüber reden."

Mein Ausdruck hellt sich auf und ich grinse ihn an.

„Wie du weißt, sind Vorbereitungen für eine Beschwörung sehr wichtig", fängt er mit seinem Monolog an. Er ist in Lehrerstimmung, sowie Tom, wenn er mir etwas erklären wollte. Er lehnt sich zurück und schlägt die Beine übereinander. Typisch Tom.

„Die Mehrheit der dunklen Magier wählen einen Dämon aus, weil sie etwas von ihm wollen", sagt er. „Man kann allerlei Sachen von einem Dämon bekommen: Informationen über die anderen Dämonen oder so, aber oft will man etwas Bestimmtes. Zum Beispiel, kann man mehr Macht verlangen oder nach einer Lösung zu einem bestimmten Problem fragen. Die Dämonen bestimmen einen Preis; und man kann entweder den Preis bezahlen oder feilschen. Ob es ein Opfer, Blut oder etwas Anderes ist, hängt von dem Dämon selbst ab. Natürlich kann man zuerst versuchen, ihm etwas zu geben und hoffen, dass er zufrieden wäre. Zum Beispiel, wenn man einen Angstdämon beschwört, kann man ihm die Angst eines Opfers anbieten. Dann, wenn der Dämon zufrieden mit dem Opfer ist, gibt er dem Magier das Verlangte."

Ich hebe die Hand. Vielleicht ist das der beste Weg, um Antworten zu bekommen und nicht im weiteren Verlauf des Gesprächs verhext zu werden.

„Kann man einen Dämon an sich binden?", frage ich. Voldemort hebt die Augenbrauen.

„Hast du darüber im Buch gelesen?", fragt er. Ich schüttele den Kopf.

„Tatsächlich gab es einen Zauberer, der so was versucht hat", sagt Voldemort, mich musternd. „Gellert Grindelwald."

Woher weiß ich das? Ich meine, woher kommt diese Idee, wenn ich darüber nicht im Buch gelesen habe?

„Warum würdest du so was tun wollen?", fragt Voldemort.

„Weil... er nützlich sein könnte", antworte ich. „Er könnte mir helfen, er könnte sozusagen ein Begleiter sein."

„Und was würdest du ihm dafür geben?", fragt Voldemort.

„Mein Blut?", schlage ich unsicher vor. Voldemort schüttelt den Kopf.

„Das wäre zweifelsohne nicht genug", sagt er ernst.

„Nun... was hat ihm Grindelwald gegeben?", frage ich.

„Laut den Gerüchten, hat er ihm seine Seele angeboten", sagt Voldemort leise. „Aber angeblich ist diese Abmachung zwischen dem Dämon und Grindelwald fehlgeschlagen."

„Also... hat er seine Seele genommen?", frage ich verwirrt. Wie fühlt es sich an, wenn man die Seele verliert? Sowie wenn ein Dementor die Seele aussaugt?

„Das wissen wir nicht", sagt Voldemort. „Und ich bin es nicht gewohnt, zu spekulieren."

„Mein Vorschlag ist, dass du einen Dämon auswählst und mit ihm redest. Wenn du möchtest, kannst du ihn danach fragen, ob so was möglich wäre", fährt Voldemort fort. „Normalerweise fühlen sich die Dämonen zu den dunklen Magiern hingezogen und sie können natürlich miteinander kommunizieren. Auf diese Weise würdest du wissen, ob es möglich wäre und welcher Dämon gut für diese Rolle wäre. Aber erwarte nicht zu viel."

„In Ordnung, ich werde mich vorbereiten", sage ich nachdenklich. „Danke. Mein Lord."

Voldemort neigt den Kopf zur Seite und nimmt einen Schluck Kaffee.

„Reden wir also über die Vorbereitungen", sagt er, die Tasse abstellend. „Erkläre mir, wie du dich auf eine Beschwörung vorbereiten würdest."

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Ich habe drei Stunden mit Voldemort verbracht und kehre müde, aber zufrieden in mein Zimmer zurück. Drei Stunden lang haben wir über Dämonenbeschwörungen geredet und ich bin überrascht, wie kooperativ Voldemort ist, wie gerne er darüber redet und wie ausführlich seine Antworten sind. Der Mann weiß genau, wovon er redet und obwohl das, was er mir gesagt hat, nicht gerade das ist, was Grindelwald darüber geschrieben hat, ergibt es einen Sinn. Schließlich gibt es nicht viele Bücher, die davon handeln, weil dieser Zweig der dunklen Magie als gefährlich betrachtet wird und nicht viele sich damit beschäftigen möchten. Die dunkle Magie hat keine Grenzen – man muss nur bereit sein, den Preis zu bezahlen und man muss imstande sein, das zu tun, was von einem verlangt wird. Manche Sachen sind einfach zu kompliziert und erfordern so viel Wissen und Macht, dass es nicht viele gibt, die sich damit beschäftigen können.

Aber das, was Voldemort mir gesagt hat – ich habe es als ein guter Schüler aufgeschrieben – deutet darauf hin, dass er praktische Erfahrung darin hat. Und obwohl er mir nicht gesagt hat, dass er so was schon getan hat, weiß ich, dass er es hat. Denn er gibt nicht nur Anweisungen, sondern erklärt was dabei wichtig oder nicht wichtig ist. Dinge, die man nur aus Erfahrung wissen kann. Aber was mich so glücklich macht, ist die Tatsache, dass wir drei Stunden miteinander verbracht haben und darüber geredet haben. In Ordnung, er hat mich mit dem Cruciatusfluch belegt, aber unter diesen Umständen habe ich es schon vergessen. Nur mein Körper, der ab und zu gezuckt hat, und die Schwindelanfälle, die ich hatte, haben mich daran erinnert, dass er mich verhext hat. Ansonsten hat er ruhig geredet, meine Fragen beantwortet – wobei ich ihn nie unterbrochen habe, denn so lebensmüde bin ich nicht – und er hat mich nicht ausgelacht, als ich ihm sagt habe, ich wolle einen Dämon beschwören, und auch nicht, als ich ihn gefragt habe, ob es möglich sei, einen an mich zu binden. Ich weiß, was Dumbledore dazu sagen würde, hätte ich ihn gefragt (mal davon abgesehen, dass diese Situation vollkommen unmöglich ist). Ich sei zu jung. So was sei nie getan worden. Es sei zu gefährlich. Die dunkle Magie ist definitionsgemäß gefährlich und auch wenn man unterschiedliche Meinungen oder neue Ideen hat, wird man dafür nicht verurteilt oder ausgelacht. Von einem dunklen Magier erwartet man nicht, dass er sich an die Vorschriften und Anweisungen von anderen hält, sondern dass er seine eigenen Theorien und Wege findet, die für ihn funktionieren. Einen 'normalen' oder 'durchschnittlichen' dunklen Magier gibt es wohl nicht, denn sie sind alle verschieden. Und man wird endlich vollkommen vom Begriff von Normalität, Moralnormen und der im Voraus bestimmten Regel, wie man sich benehmen, sich fühlen und was einen antreiben sollte, befreit. Man schreibt seine eigenen Gesetze. Das ist... erfrischend.

Voldemort als Lehrer zu haben, das ist es genau, was ich mir gewünscht habe. Und als ich wieder und wieder über unser Gespräch nachdenke, spüre ich nichts weiter als Freude und Zufriedenheit. Er hat nicht versucht, mir seine Meinung oder Einstellung aufzuzwingen, sondern er wollte meine Meinung dazu hören und hat mir seine angeboten. Und mit jemandem über mein Lieblingsthema reden zu können, ist einfach wunderschön. Ich fühle mich so zufrieden, wie seit langem nicht mehr.

Draco findet mich in meinem Zimmer, hinter dem Schreibtisch, von Papieren und Büchern umgeben. Seit ich mit Voldemort gesprochen habe, habe ich mich auf die Beschwörung vorbereitet. Alles muss beachtet werden – die Zeit, die Symbole, der Weihrauch, die Worte, mit denen ich den Dämon beschwöre... Alles.

„Was in Morganas Namen treibst du?", platzt es aus Draco.

„Arbeit", knurre ich. Ich möchte die Einleitung noch heute fertigstellen. Mir fehlt nur noch...

„Aber heute kommen meine Freunde zu Besuch!", sagt Draco, der versucht, über meine Schulter zu lesen, aber ich schlage mein Notizbuch schnell zu und wende mich um. Er zuckt zusammen. „Möchtest du nicht ein wenig Zeit mit uns verbringen? Mit mir?"

Mein Ausdruck wird sanfter und ich nehme seine Hand in meine.

„Natürlich", sage ich leise. „Wann kommen sie an?"

„In einer Stunde", sagt Draco, der mich seltsam anschaut.

Schon beim Anblick meines Draco fühle ich mich ruhiger und entspannter. Ich schere mich keinen Dreck um die anderen; aber ich möchte bei Draco sein. Ich möchte ihn lachen hören, ich möchte mit ihm reden und ich möchte bei ihm sitzen.

„Ich komme so bald ich fertig bin", sage ich, seinen Rücken reibend. „Ich verspreche es."

„Woran arbeitest du?", fragt Draco leise.

„An einer Dämonenbeschwörung", sage ich, wieder zum Tisch blickend. Dracos Ausdruck wird zu einem purer Panik. „Keine Sorge, der dunkle Lord hilft mir dabei."

Er entspannt sich etwas und seufzt. Die Dämonenbeschwörungen und dunkle Rituale im Allgemeinen sind etwas, worüber er nichts weiß und nichts lernen will. Aber sie sind etwas, was mich sehr interessiert.

„In Ordnung", sagt er resigniert und wendet sich zum Gehen. Ich ziehe ihn zu mir und küsse ihn grob. Er wimmert, legt aber seine Arme um meine Schultern, sich in meinen Armen entspannend. Draco ist so einfach. Er ist unkompliziert, warm und obwohl er nie über sich oder seine Probleme laut redet, obwohl er auf den ersten Blick ein dunkler Magier ist, der distanziert, kalt und emotionslos ist, ist er in seinem Inneren ganz anders. In meinen Armen schmilzt er wie Eis und obwohl er nichts sagt, durchschaue ich ihn und sehe seine Verwundbarkeit, seine Gefühle und seine Sorge um mich. Und er kennt mich; vor ihm muss ich nichts verbergen, denn er hat all meine Gesichter gesehen. So sehr ich die Zeit, die ich mit Hermine verbringe, genieße, ist es für mich auch anstrengend, denn ich muss eine Menge vor ihr verbergen. Draco aber... kennt mich und akzeptiert mich so wie ich bin. Dämonenbeschwörungen oder nicht.

Er lächelt als ich seine Wange küsse und seine Hand drücke.

„Wir werden Pansy loswerden, keine Sorge", flüstere ich ihm ins Ohr. Denn ich kann auch seine Sorge spüren, weil sie gewiss mitkommt. „Und du wirst mir alleine gehören."

Dracos Wangen werden leicht rosa und ich grinse. Ich kann schon die Reaktion auf meine Berührungen da unten sehen und ich finde es lustig. Ich werde ihn vielleicht einmal fragen, seit wann er scharf auf mich ist. Natürlich sind wir Teenager, also ist es nicht schwer, etwas oder jemanden erregend zu finden, aber dennoch.

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Zwei Stunden später, frisch angezogen und geduscht, mache ich mich auf den Weg nach unten. Ich kann laute Stimmen aus dem Salon hören, also ändere ich meinen Kurs. Eine Hand wird jedoch auf meine Schulter gelegt und ich halte inne.

Lucius schaut mich wortlos an und nickt mir zu.

„Kann ich dich kurz sprechen?", fragt er leise.

„Natürlich, Onkel Lucius", sage ich.

Ihm entgeht nicht, wie ich ihn genannt habe, und obwohl er überrascht ist, scheint es ihn nicht zu stören. Wenn ich schon Narzissa 'Tante' nenne, warum sollte ich Lucius nicht Onkel nennen?

„Eigentlich hätte ich eine Frage an dich", sage ich, als wir sein Arbeitszimmer betreten. Lucius gießt sich ein wenig Feuerwhiskey ein und ich frage mich vage, ob ihm aufgefallen ist, dass ich und Draco welchen von ihm gestohlen haben. Wahrscheinlich nicht, denn er wäre ausgeflippt.

„Es geht um dieses Buch, das ich in der Bibliothek gefunden habe", fange ich an.

Lucius erstarrt, aber sein Ausdruck verrät nichts. Er ist so maskenhaft wie immer.

„Ich habe es dem dunklen Lord gezeigt", fahre ich fort, seinen Ausdruck beobachtend. „Und wir haben herausgefunden, wem es gehört hat. Das heißt, wer es geschrieben hat."

Lucius nimmt einen Schluck von dem Whiskey und stellt das Glas ab.

„Ich habe dieses Buch von meinem Vater geerbt", sagt er leise. „Und er von seinem Vater. Das Buch war in der Malfoy-Bibliothek so lange ich mich erinnern kann und ich habe zwar gewusst, dass es ein dunkler Gegenstand ist, aber ich habe nicht, woher es eigentlich kommt."

„Grindelwald hat es geschrieben", sage ich. Lucius schaut schnell auf. Diesen Ausdruck kann man nicht fälschen. Denn ehrliche Überraschung und Schock stehen ihm ins Gesicht geschrieben. „Deswegen kann ich es lesen. Nicht einmal der dunkle Lord kann es öffnen."

Lucius setzt sich seufzend und mustert mich.

„Mein Großvater war einmal sein Diener, ein Mitglied seiner Armee", sagt er leise und nachdenklich. „Es ist möglich, dass er ihm sein Buch gegeben hat, damit er es aufbewahrt."

Also weiß auch er nicht viel über das Buch. Er hat es lediglich aufbewahrt, wie ein altes Familienstück. Etwas fällt mir jedoch ein.

„Gibt es irgendwo im Haus ein Porträt deines Großvaters?", frage ich. Lucius nickt.

„Ja", sagt er. „Im anderen Salon, bei der Halle, wo du..."

Ich nicke schnell. Das ist ein Familiensalon, also ist es nicht überraschend, dass Lucius das Porträt seines Großvaters dort aufgehängt hat.

„Ich werde später mit ihm reden", sage ich. Denn jetzt bin ich in Eile. „Worüber wolltest du mit mir reden?"

„Über Draco", sagt Lucius und fixiert mich mit dem Blick. In Ordnung... auf alles gefasst sein.

„Er ist dreizehn und er ist Teenager, wie du", fängt er an. „Und ich habe natürlich von seinen Abenteuern mit den Slytherinjungs gewusst." Jungs, in Plural? „Ich bin doch nicht dumm, Harry", sagt er aufstehend. „Und auch wenn alle glauben, dass ich mich nicht um meinen Sohn schere, ist er mir sehr wichtig. Ich möchte, dass er das Beste bekommt, aber mir ist zur gleichen Zeit klar, dass er noch immer jung ist und dass er nicht weiß, was für ihn gut und was schlecht ist. Aus diesem Grund habe ich ihm die dunklen Künste und die reinblütigen Traditionen beigebracht, ihn gelehrt, nie seine Gefühle zu zeigen und sich immer um sich selbst zu kümmern. Denn das ist der Weg eines dunklen Magiers."

„Vielleicht sieht er mich als emotionslos und herzlos an, aber ich wollte immer das Beste für ihn", sagt er. Er hebt den Blick und schaut mich an. „Es ist ein Teil der uralten, dunklen Traditionen, einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen, sodass das uralte, dunkle Blut nicht verloren gehen kann. Aus diesem Grund habe ich das Angebot der Parkinson Familie akzeptiert und Pansy mit Draco verlobt."

Er hat uns durchschaut. Scheiße. Haben wir zu laut gestöhnt? Haben wir vergessen, die Tür zu schließen? Wann?

„Aber ich sehe ein, dass du eine bessere Wahl wärst", fährt er fort, mich noch immer musternd. „Der Erbe von Lord Grindelwald und der Lehrling des dunklen Lords. Momentan halten die dunklen Magier nicht viel von dir; aber ich bin klüger. Ich weiß, in welche Richtung du gehst und ich weiß ebenso, dass du eines Tages dem dunklen Strom Ruhm bringen wirst. Ich war sehr misstrauisch und bedenklich, was dich und deine Herkunft angeht, aber ich habe dich beobachtet. Und alleine die Tatsache, dass du dieses Ritual erfolgreich durchgeführt hast, hat mich von dem überzeugt, was ich früher vermutet habe. Man kann dich nicht mehr mit der Harry Potter Ikone verbinden, denn du bist kein Hellmagier mehr. Das hast du schon bewiesen."

„Also werde ich dich hier und jetzt fragen – was hast du vor? In Bezug auf Draco?", fragt er auf einmal und wendet sich mir zu.

Bloß ruhig bleiben. Ich bin eine bessere Wahl? Eines muss man ihm lassen – er denkt wie ein Schwarzmagier. Er soll keinen dunklen Kern besitzen, aber er denkt wie einer. Ich lächele. Jetzt ist Lucius nicht mehr mein Onkel Lucius, sondern der Vater meines Freundes. Ähm. Das klingt echt komisch.

„Ehrlich?", frage ich leise. Lucius nickt. „Ich brauche ihn." Ich hebe den Blick und schaue Lucius in die Augen. „Seine bloße Anwesenheit hat eine einzigartige Wirkung auf mich... Meine Magie ist wild und es gibt Zeiten, in denen ich sie nicht kontrollieren kann. Die dunkle Magie... hat etwas in mir aufgeweckt und manchmal übernimmt etwas Fremdes die Kontrolle."

Warum erzähle ich ihm davon? Welcher Teufel hat mich geritten? Es geht um Draco. Vielleicht bedeutet er mir viel mehr, als ich je vermutet habe. Lucius hat mich bisher wortlos angeschaut, jetzt aber runzelt er die Stirn.

„Und... das Tier in mir spürt diesen Drang, jemanden oder etwas zu verletzen...", fahre ich atemlos fort. „Ich habe Ronald Weasley angegriffen und hab darüber nicht nachgedacht, aber ich habe mich rechtzeitig aufhalten können, ehe ich etwas Dummes angestellt hätte... Dieses Tier in mir hat die Kontrolle übernommen, als ich meine Verwandten getötet habe. Ich habe auch darüber nicht nachgedacht, bis es zu spät war... Und ich habe Pettigrew gefoltert und jede Sekunde davon genossen..."

Jetzt sieht Lucius ehrlich schockiert aus. Ich höre mich an wie ein Mörder, der über alles , was er je getan hat, Geständnis ablegt.

Ich atme tief durch und schließe meine Augen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich total verrückt aussehe. Aber in diesem Moment ist es mir egal.

„Aber wenn ich mit Draco zusammen bin, bin ich ganz ruhig und entspannt", fahre ich mit geschlossenen Augen fort. „Da gibt es etwas in ihm, was mich magisch anzieht. Auch wenn ich in meinem Inneren eiskalt bin... auch wenn ich seit dem Tod meiner Verwandten nichts mehr empfinden kann... bei Draco... fühle ich etwas. Und ich möchte ihn nicht verlieren."

Ich öffne meine Augen und sehe Lucius, der mich seltsam anschaut. Ich hatte nicht vor, so ehrlich zu sein. Denn ich verberge immer etwas; und immer muss ich meine Geheimnisse gut aufbewahren. Ich habe keinem davon erzählt, wie ich mich fühle, denn da gibt es nichts zu erzählen. Wo einmal Gefühle waren, gibt es jetzt nichts mehr. Und ich würde es nie jemandem sagen, denn ich weiß, was man über mich denken würde – dass ich total verrückt bin und man würde mich ins St. Mungos schicken. Oder noch besser, nach Azkaban, weil ich ja zwei Menschen getötet habe, weil ich vorhabe, den dritten zu töten und weil ich die unverzeihlichen Flüche auf Menschen angewendet habe. Laut dem Gesetz würde ich in Azkaban sterben.

Also warum habe ich all das Lucius erklärt, mich ihm geöffnet? Ich hätte mich für meine Dummheit beißen können...

„Das war sehr ehrlich von dir, Harry", sagt Lucius leise. „Danke für deine Ehrlichkeit."

Ich zucke mit den Achseln. Tja, was passiert ist, ist passiert.

„Und auch wenn jeder Vater seinen Sohn von dir fern halten würde, denn du bringst nichts als Schwierigkeiten", sagt er todernst. Ich gluckse, aber er bleibt todernst. „Werde ich es nicht tun. Du bist eine viel bessere Wahl für Draco. Ich hoffe nur, dass er dich nicht im Kampf verliert."

Sagt er, dass er unsere Beziehung billigt?

„Das bleibt aber zwischen uns", fährt er fort. „Du musst dir etwas ausdenken, wie du die Verlobung zwischen Pansy und Draco brichst, sodass ich dir erlauben könnte, dich mit Draco in der Öffentlichkeit zu zeigen. Und auch wenn ich dich nicht gut genug kenne, denke ich, dass du damit keine Probleme haben wirst."

Ich grinse ihn teuflisch an. Du hast keine Ahnung, was ich in Bezug auf Pansy vorhabe.

„Ich war sieben Jahre alt, als man mich mit Narzissa verlobt hat", sagt er leise. Er gießt sich mehr Feuerwhiskey ein und lächelt flüchtig, seine grauen Augen die orangefarbene Flüssigkeit spiegelnd. „Und ich habe sie gehasst. Aber mit der Zeit habe ich eingesehen, dass ich sie so gut kenne, wie niemanden anderen und dass ich mich mit keiner anderen Frau in der Zukunft sehen kann, außer mit ihr. Und diese Freundschaft wurde zu Liebe. Also denke ich nicht, dass du für eine solch wichtige Wahl zu jung bist."

„Was das angeht, was du fühlst, wenn er da ist", fährt er fort, zu seinem Regal hinüber gehend. „Gibt es hier ein gutes Buch, das die Zaubererbeziehungen erklärt. Denn man muss natürlich auch die Magie von beiden in Betracht ziehen." Echt? Das ist mir nie eingefallen. „Also würde ich vorschlagen, dass du es liest. Vielleicht findest du Antworten drin."

Er überreicht mir ein dickes, rotes Buch und ich nehme es von ihm entgegen. Die grauen Augen schauen mich vorsichtig an... Die grauen Augen von Draco... Ich schlucke.

„Danke", sage ich leise.

„Gerne", sagt Lucius. „Also, sind wir uns einig?" Ich nicke schnell. „Gut. Ich warne dich aber, tue nichts Leichtsinniges. Du darfst keinen Verdacht erregen. Brich die Verlobung auf welche Weise auch immer, beschmutze aber nicht den Ruhm der Familie Malfoy."

„Natürlich", sage ich grinsend. Lucius lächelt mich an und nickt. Denn das ist der dunkle Weg.

Als ich aufstehe, streckt er seine Hand aus. Ich schüttele ihm wortlos die Hand und grinse breit. Draco wird mir gehören.

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Selbstsicher tauche ich im Salon auf. Ich grinse breit, als alle verstummen und mich mustern. Nott lächelt leicht und winkt mir zu. Draco sitzt mit Pansy und Blaise Zabini auf dem Sofa und als er mich erblickt, hält er inne und lässt seinen Blick über mich schweifen, jedes Detail wahrnehmend.

Nun, hat er etwa erwartet, dass ich Jeans und ein übergroßes T-Shirt trage? Da gibt es eine Hierarchie, die ich hochklettern muss, und die dunklen Magier schätzen das Äußere. Glücklicherweise ist mein Schrank mit neuer Kleidung vollgestopft, Narzissa hat sich schon darum gekümmert.

„Hallo alle", sage ich gelassen und grinse in die Runde.

So... ich sollte ein Opfer finden. Wie wäre es mit Theodore Nott? Und er sitzt alleine. Ich gehe zu ihm hinüber und lasse mich auf das Sofa nieder, die Beine übereinander schlagend. Draco blickt nur mit größter Mühe weg, wirft mir aber ab und an Blicke zu, als ich ein Gespräch mit Nott beginne.

„So", sagt er leise, mich musternd. „Wie geht ES?"

Er hat das Wort betont und ich lächele geheimnisvoll, ein Glas von Dobby – der sich vor mir übertrieben tief verbeugt – nehmend.

„Nun, ziemlich gut", sage ich arrogant. „Aber da gibt es nicht viel, worüber ich sprechen darf."

„Natürlich", sagt Nott leise. „Aber... Wann wird er... zu den Todessern sprechen?"

„Oh, das weiß ich noch nicht", sage ich, meine Nägel untersuchend.

„Aber du hast mit ihm geredet?" fragt Nott, dessen Augen glitzern.

„Ja, gestern", sage ich lächelnd. „Er hat mich unterrichtet."

Nott mustert mich schweigend, nickt aber.

„Mein Vater möchte etwas in Bezug auf Dumbledore unternehmen", murmelt er. „Es wird schlimmer und schlimmer. Professor Snape hat das Quidditchfeld für uns gebucht; aber Dumbledore hat stattdessen den Gryffindors erlaubt, auf dem Feld zu trainieren. Das ist nur eine Kleinigkeit, ich weiß. Aber eine von vielen, so kann es nicht bleiben. Und es ist nur eine Frage der Zeit, ehe er einem von uns etwas anhängt. Ich bin zwar immer vorsichtig, aber wie du weißt, kann man die Spuren der dunklen Magie nicht wie mit einem Besen wegwischen. So einfach ist es nicht. Und ich habe den Eindruck, Dumbledore wäre außer sich vor Freude, wenn er einen Beweis hätte, dass einer von uns die dunkle Magie übt."

„Wo übt ihr denn?", frage ich gelassen, näher zu Nott rückend.

„Wir dürfen die dunkle Magie nicht in der Schule benutzen", sagt er überrascht. „Ich hab die Bücher und die dunklen Gegenstände gemeint. Harry? Wo übst du? Denn ich kann ständig die dunkle Magie an dir riechen."

Ich lächele ihn geheimnisvoll an. So sehr ich mir eigentlich wünsche, ich könnte ihm einen Ort bieten, wo er die dunkle Magie üben kann, darf ich es nicht tun.

„Das ist mein Geheimnis", sage ich. Er knurrt. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Und ich versuche mir vorzustellen, wie ich mich fühlen würde, hätte ich keinen sicheren Ort zum Üben. Hier geht es nicht um Empathie, macht euch keine Hoffnungen. Ich möchte nur näher an die Slytherins rankommen, sodass sie mir vertrauen. Nicht alle Slytherins sind dunkle Magier, im Gegensatz zu dem, was zum Beispiel Ronald Weasley glaubt. Nott aber schon. Es steht ihm auf der Stirn geschrieben. Und ein dunkler Magier erkennt den anderen.

„Ich sag dir was", sage ich leise, an seinem Ärmel zupfend und mich zu ihm lehnend, sodass unsere Nasen nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt sind. „Ich werde den dunklen Lord danach fragen. Und falls es keine Kammer gibt, wo ihr in Sicherheit üben könnt, dürft ihr alle mitkommen. Ich werde euch den Ort zeigen, wo ich es tue. Aber Theodore – das bleibt zwischen uns. Verstehst du?"

Er nickt schnell und leckt sich über die Lippen.

Es gibt Angeber, die versuchen, sich für dunkle Magier auszugeben. Aber jetzt, da ich von Menschen umgeben bin, die auf diese oder jene Weise etwas mit der dunklen Magie zu tun haben, weiß ich sehr wohl, wer ein Angeber ist und wer nicht. Theodore ist ein echter dunkler Magier, im Gegensatz zu, zum Beispiel, Pansy Parkinson. Sicherlich ist es eine Schande, in eine dunkle Familie geboren zu sein und kein Interesse an dunkler Magie zu haben. Oder keine Neigung dazu zu zeigen. Natürlich ist das Ganze Quatsch, aber so denken die dunklen Familien.

„Bist du die Sucht schon los?", frage ich, meine Hand 'zufällig' auf Notts legend. Er scheint ein wenig überrascht von meiner Geste zu sein, lässt aber seine Hand liegen wo sie ist.

„Ich habe sie nur dieses Schuljahr gespürt", sagt er leise. „Es ist nicht mal so schlimm. Noch nicht. Aber ich muss an die Zukunft denken. Es wird schlimmer werden und falls ich keine Lösung dafür finde, werde ich wohl damit aufhören müssen, sodass ich in Hogwarts nichts Dummes anstelle."

„Das ist sicherlich ein Problem", meine ich leise, an seinem Ärmel herum fummelnd. Nott atmet tief ein und sein Blick fällt auf das Stück nackter Haut, das man durch die Knöpfe meines Hemdes sehen kann. „Und ich werde dir helfen."

/Dracos Sicht

Was treibt er da? Ist er betrunken? Hat er wieder jemanden gefoltert? Denn es sieht so aus, als sei er im Rausch. Nicht das schon wieder. Wen hat er gefoltert? Mir ist ja klar, dass es ihm Spaß macht, aber das hier geht einfach zu weit...

Ruhig bleiben. Lächele Pansy an. Sei höflich Blaise gegenüber. Obwohl ich am liebsten aufstehen und ihm den Hals umdrehen würde. Er kommt zu spät und stolziert rein, dabei verdammt gut aussehend. Warum musste er gerade dieses Hemd anziehen? Denn wenn er sich nach vorne lehnt, kann man seine Brust sehen... Und diese Hosen... Sie stellen einfach viel zu viel zur Schau. Ich werde mir dann bewusst, dass sich bei dem Anblick Speichel in meinem Mund sammelt und dass ich ihn blöd anstarre, als Pansy mich fragt, ob ich einen Keks wolle. Ich schüttele schnell den Kopf. Verdammt. Er wird mich in den Wahnsinn treiben! Das möchte er, oder? Deswegen hat er diese eng anliegenden Hosen angezogen. Glücklicherweise hat er sich hingesetzt, sodass ich seinen ach so perfekten Hintern nicht angaffen muss.

Als Pansy mir erklärt, wie ihr Kleid, das sie für das Julfest ausgewählt hat, aussieht, nicke ich abwesend und werfe Harry einen schnellen Blick zu. Was versucht er zu tun? Schwarz steht ihm gut... Es ist ein guter Kontrast zu seinen grünen Augen... Ich sollte nicht daran denken. Was macht er jetzt? Meine Hand, die das Glas hält, zittert, als seine Hand zu Theodores gleitet. Er zupft an seinem Ärmel! Warum hat er sich verdammt noch mal so nahe zu ihm gesetzt? Es sieht beinah so aus, als wolle er ihn küssen...

„Kann jemand das Grammofon anschalten?", schreie ich mit einer zittrigen Stimme.

Die grünen Augen schauen in meine Richtung und er lächelt. Seine Hand ist noch immer auf Theodores und jetzt fährt er mit den Fingern über seine Finger.

„Ist Harry schwul?", flüstert mir Blaise ins Ohr. Keinem ist Harrys Spiel entgangen.

Ich presse die Lippen zusammen, als Blaise breit grinst.

„Also ist dieses Schlammblut doch ein Teil seines Spiels", murmelt Blaise, Harry billigend musternd. „Sehr schlau."

Ich sage nichts, stehe entschlossen auf, als jemand eine Schallplatte anstellt und ziehe die aufgeregte Pansy auf die Füße.

„Tanzen wir", sage ich, weg von Harry und Theodore blickend.

Pansy umklammert mich und ich versuche, tief zu atmen und mich zu beruhigen. Warum stört es mich so sehr? Ist er überhaupt mein Freund? Haben wir je darüber gesprochen? Hat er mir je gesagt, dass er mich lieb hat? Klar, er hat gesagt, ich werde ihm gehören, aber das zählt nicht... Oder? Also warum stört es mich so sehr, ihn mit Theodore zu sehen? Küssen sie sich? Nein, stelle ich mit Erleichterung fest. Warum tut er mir das an? War es nicht schwer genug, ihm endlich zu gestehen, dass ich mich von ihm angezogen fühle, nachdem wir zwei Jahre damit verbracht haben, uns gegenseitig zu beleidigen und Wortgefechte zu führen? Und alles war so perfekt... Ist die dunkle Magie dafür verantwortlich?

Wer hat gerade diese Schallplatte angestellt? Jetzt betrachtet Pansy die Musik, als Einladung zu einer Knutscherei. Sie presst sich gegen mich und ich schaue über ihre Schulter, zu Harry, nur um festzustellen, dass er nicht mehr da ist. Wo ist er? Er ist... Mein Magen verkrampft sich. Er tanzt mit Theodore. Und Theodores Finger spielen mit seinem Pferdeschwanz, während Harrys Hände um seine Taille gelegt sind. Sie reden über etwas, das Theodore zum Lachen bringt. Was auch immer das ist. Verdammt. Ich werde mit ihm reden. Ich werde ihm sagen, dass er ein Arschloch ist und dass ich ihn hasse.

Sie kehren zum Sofa zurück. Ich stoße Pansy leicht weg von mir.

„Warte auf mich, ich muss was mit Harry besprechen", sage ich so neutral wie möglich.

„Sei doch kein Spaßverderber", meint sie lächelnd. „Er quatscht Theodore voll. Lass ihn in Ruhe."

„Es geht um IHN", sage ich genervt.

Pansys Lächeln verschwindet augenblicklich und sie nickt. Welch eine gute Ausrede. Ich gehe zu ihnen hinüber und schlucke als ich bemerke, dass Harry einen Arm um Theodores Schultern geschlungen hat. Ich werde ihn umbringen.

„Harry, kann ich dich kurz sprechen?", sage ich, ihn nicht anschauend. „Es geht um... na ja. Und du siehst ihn jeden Tag, also..."

„Natürlich", sagt er und erhebt sich ohne weiteres. „Ich komme schnell zurück", sagt er zu Theodore, dessen Wangen leicht rosa angelaufen sind.

Zähneknirschend führe ich ihn aus dem Salon hinaus und sobald wir im Korridor sind, wende ich mich ihm zu. Er lächelt noch immer, als er meinen zornigen Ausdruck bemerkt und greift nach meiner Hand.

„Fass mich nicht an!", zische ich wütend.

„Komm, hier kann uns jeder hören", flüstert er, noch immer lächelnd und führt mich in den Familiensalon, die Tür hinter uns schließend.

„DU ARSCHLOCH!", platzt es aus mir, sobald wir alleine sind.

„Beruhige dich", flüstert er und greift nach meinen Händen. Wut und Verzweiflung explodieren in mir und ich versuche, mich von ihm loszureißen, aber es ist vergeblich. Er hält mich mit einem Schraubstockgriff fest und lächelt mich noch immer an. Warum habe ich ihn noch nicht in tausend Stücke verhext? Warum bin ich so schwach, wenn es um ihn geht?

„Hör mal, ich weiß, warum du wütend bist", flüstert er, meine Hände noch immer haltend. „Aber das ist ein Teil von meinem Plan. Wir müssen doch Pansy loswerden, oder? Und wir dürfen keinen Verdacht erregen, also ist es das Beste, wenn man glaubt, ich habe momentan Interesse an jemandem anderen. Denn ansonsten könnte Pansy sagen, dass wir es ihr angehängt haben und sie hätte Recht."

„Das ist ein Teil von deinem Plan?", brülle ich. „Theodore die Zunge in den Mund zu stecken?"

Harrys Ausdruck wird ernster und er mustert mich.

„Hast du wirklich gedacht, dass ich Interesse an ihm habe?", fragt er leise. „Sei nicht albern, mein Drache. Natürlich nicht. Dein Vater hat mit soeben seine Erlaubnis gegeben, mit dir zusammen zu sein. Er denkt, ich sei eine bessere Wahl als Pansy."

Er grinst teuflisch und ich halte inne. Wie bitte?

„Ja, er hat uns durchschaut. Und ja, er hat sich für mich entschieden. Aber er hat auch gesagt, wir müssen Pansy loswerden, denn ansonsten wäre es nicht gut für den Namen und den Ruhm der Familie", sagt er leise.

„Echt?", frage ich.

Verschiedene Emotionen mischen sich in mir, bis sich mein Kopf wie ein Kürbis anfühlt. Es ist einfach zu viel.

„Echt", wiederholt er, sich nach vorne lehnend, um mich zu küssen.

Ich schließe meine Augen und presse mich gegen dieses hübsches Wesen, dessen Arme jetzt um mich gelegt sind... und obwohl das Bild von ihm und Theodore noch immer vor meinem geistigen Auge tanzt, stöhne ich in den Kuss und genieße die Art, auf die seine Hände wie immer Kreise auf meinem Rücken ziehen.

„Also hör auf mit deiner Eifersucht", sagt er als wir uns trennen. „Alles wird in Ordnung sein."

„Küss ihn nicht, sonst werde ich nicht für das verantwortlich sein, was ich tue", warne ich ihn, obwohl mein Inneres wieder warm und ruhig ist.

„Keine Sorge, wir flirten nur", sagt er. „Es ist notwendig, verstehst du?"

„Wenn du meinst", knurre ich.

„Ich hatte keine Ahnung, dass du so besitzergreifend bist", stellt er amüsiert fest und drückt mich an sich. Mächtige Morgana, was ich in diesem Moment nicht alles geben würde, um ihm die Kleidung vom Leib zu reißen! Etwas anderes fällt mir ein.

„Was... was hast du meinem Vater gesagt?", frage ich, den Kopf hebend. Die grünen Augen schauen mich ruhig an.

„Ich habe ihm erklärt, dass ich nicht die Absicht habe, dich aufzugeben", sagt er ebenso ruhig. „Ich weiß nicht, was passiert, wenn der Krieg ausbricht. Aber ich möchte dich bei mir haben."

Ich grinse ihn breit an und presse mich gegen ihn. Er hat meinem Vater DAS gesagt? Sogar ich könnte nicht solch ein Versprechen geben, denn ich weiß, dass ich jung bin. Aber... Potter ist nicht wie die anderen Jungen. Er ist... na ja, Potter.

„Redet er jeden Tag mit ihm?" fragt Blaise, als wir zurück sind. Pansy wirft sich auf mich. Oh nein, nicht das schon wieder.

„Er unterrichtet ihn", murmele ich, an meinem Getränk nippend.

„Weißt du, was genau er lernt?", hakt Blaise nach.

„Ich denke, dass es momentan um Dämonen geht", sage ich vage. Blaise und Pansy wechseln Blicke und lassen das Thema fallen. Gut. Bitte nicht über Potter reden.

„Ich würde gerne mit ihm reden", sagt Blaise nach einer Pause.

„Später", sage ich. „Er und Theodore haben allem Anschein nach was Wichtiges zu besprechen."

„Ja, sicherlich geht es um Harrys enganliegende Hosen", sagt Pansy grinsend. Ich werfe ihr einen wütenden Blick zu, aber anscheinend hat sie nicht begriffen, was ich damit sagen wollte.

Was wird er tun? Was hat er vor? Ich habe vergessen, ihn zu fragen. Und obwohl er mir auf eine ganz besondere und für ihn typische Weise gesagt hat, was er für mich empfindet, kann ich mir nicht helfen, ihm keine Blicke zuzuwerfen und das grüne Monster der Eifersucht in meinem Magen brennen zu spüren.

Auf einmal schreit jemand auf und wir alle wirbeln herum, uns umschauend. Theodore gafft Harry mit einem Ausdruck von Schock an, Harry wiederum lächelt ihn sanft an. Ich schnappe nach Luft. Da, auf seinem Unterarm, gähnen der Totenkopf und die Schlange. Mein Herz hört auf zu schlagen. Er trägt das dunkle Mal. Wann...? Wann wurde es ihm eingebrannt? Warum? Er ist doch erst dreizehn! Er kann kein Todesser sein, denn er besucht noch immer die Schule. Dumbledore wird ihn durchschauen. So was kann man nicht verbergen. Warum musste er ihm das dunkle Mal einbrennen? War es schmerzhaft? Was bedeutet das nur?

„Lieber Merlin", flüstert Blaise, dessen Blick auf den Totenkopf fixiert ist. „Er trägt das dunkle Mal."

„Aber er ist erst dreizehn", protestiert Pansy. Ich höre überhaupt nicht zu, schaue aber zu, wie Harry nach Theodores Hand greift und ein paar sanfte Worte flüstert, die eine beruhigende Wirkung auf ihn haben. Theodore schluckt und starrt ihn todernst an, als er weiter redet.

„Warum sollte er ein Kind als seinen Diener haben wollen? Warum sollte er jemanden wie Harry Potter als seinen Diener wollen? Es ist verrückt!", flüstert Pansy. Ich drehe meinen Kopf und mustere sie wütend.

„Weil er mächtig ist, deswegen", sage ich bissig. „Weil er Dumbledore ausspionieren kann und weil er schon viel für ihn getan hat, worüber du nichts weißt. Es ist nur schade, dass du keine echte dunkle Magierin bist und dass du aus diesem Grund so neidisch auf jene bist, die sich dem dunklen Lord so früh bewährt haben."

Pansy wird rot im Gesicht und ihre Lippen bewegen sich, aber kein Laut kommt heraus. Sie steht abrupt auf und geht. Ich wende mich zufrieden Blaise zu. Endlich bin ich sie los.

„Das war ein wenig scharf, meinst du nicht?", flüstert er.

„Nein", sage ich entschlossen. „Aus irgendeinem Grund hasst sie ihn und es nervt mich. Wir befinden uns in meinem Haus und Harry ist ein Mitglied der Familie. Keiner darf weder mich, noch ihn beleidigen, wer auch immer diese Person ist."

Blaise schaut mich an, die Überraschung steht auf seiner Stirn geschrieben, sagt jedoch nichts dazu.

ooooooooooooooooooo

Es wird später und später und um elf steht Blaise entschlossen auf und verkündet, er müsse nach Hause gehen.

„Wir sehen uns beim Julfest", sagt Harry, der ebenfalls aufgestanden ist, um ihm die Hand zu schütteln. Blaise wirft seinem Unterarm einen Blick zu, aber das dunkle Mal steckt unter seinem schwarzen Ärmel.

„Ja", sagt Blaise und lächelt.

Einer nach dem anderen, verlassen meine Freunde das Haus und Pansy küsst mich auf die Wange, sagt jedoch nichts. Ich atme erleichtert aus, als sie im Kamin verschwindet. Harry und ich wechseln Blicke. Er grinst mich an und legt eine Hand auf meine Schulter.

„Keine Sorge, Drache", flüstert er mir ins Ohr. „Alles steht bereit."

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass er dir das dunkle Mal eingebrannt hat?", frage ich leise.

Er zuckt mit den Schultern und krempelt vorsichtig den Ärmel hoch. Ich presse die Lippen zusammen und starre das dunkle Mal an. Die Schlange züngelt mit der Zunge und mustert mich aus der Nähe. Ich habe es ein paar Mal am Arm meines Vaters gesehen, aber er hat mir nie erlaubt, es gründlich zu studieren. Alles, woran es mich erinnert, ist Tod. Und Harry wird es sich jeden Tag ansehen müssen.

„Wie wirst du es verbergen? Warum hat er es getan? Du bist doch kein Todesser, oder?", frage ich, als ich ihm aus dem Salon hinaus folge.

„Er wird mir beibringen, wie ich es verbergen kann", sagt er, die Treppen hochsteigend. „Und ich bin kein Todesser. Ich bin sein Lehrling."

Und anscheinend macht es einen Unterschied, obwohl er mir nicht vollkommen klar ist. Aber ihm scheint es etwas zu bedeuten. Er ist kein gewöhnlicher Diener. Na ja, Potter ist definitionsgemäß nicht gewöhnlich.

„Draco", ruft eine Stimme. Wir beide wirbeln herum. Ich habe ihn nicht angefasst, ich schwöre es. Mein Vater steht in der Eingangshalle und schaut uns an. „Sind deine Freunde weg?"

„Ja, Vater", sage ich schnell.

„Gut", sagt er und nickt. „Morgen möchte ich, dass du mit mir ins Ministerium kommst."

„In Ordnung", sage ich automatisch.

„Gute Nacht, ihr zwei", sagt er, mir zunickend.

Er ist weg. Harry grinst mich teuflisch an.

„Mein oder dein Zimmer?", fragt er leise.

Eine Welle der Erregung erfüllt meinen Magen und ich bin mir sicher, dass ich ganz schön rot im Gesicht bin.

„Egal", murmele ich. Denn jetzt, da mein Vater weiß, wäre es nicht seltsam, uns zusammen in einem Bett zu finden. Oder wenigstens hoffe ich, das sei der Fall.

Harry grinst mich lüstern an und führt mich in sein Zimmer, die Tür hinter uns zusperrend.

„Ich weiß, worüber du nachgedacht hast, als du mich den ganzen Abend lang angeschaut hast", murmelt er, als er seine Arme um meine Taille schlingt. „Du bist ein verdammt eifersüchtiges Wesen, Draco Malfoy."

Er küsst zärtlich meinen Hals und ich zittere, als er mit der Zunge über mein Ohrläppchen fährt.

„Und ich werde dir zeigen, was ich darüber denke", murmelt er, dessen Hände über meinen Körper wandern.

Er stößt mich leicht in Richtung Bett, seine Arme noch immer um mich geschlungen, unsere Lippen fest aneinander gepresst. Mächtige Morgana... Warum hat er solch eine Wirkung auf mich? Warum vergesse ich meinen Namen, wenn er mich küsst? Und warum hat sich mein Magen vor Erregung verkrampft, als er mir gedroht hat?

Er legt mich aufs Bett und zieht meine Hosen schnell aus, ehe ich weiß, was da passiert. Ich spüre eine Brise da unten und stelle mit Überraschung fest, dass er auch meine Boxershorts runter gezogen hat. Als ich aufschaue, knöpft er sein Hemd auf und mustert mich lüstern. Diese grünen Augen, die normalerweise so kalt und emotionslos sind, brennen jetzt, als sie mich halbnackt auf seinem Bett billigend mustern. Ich schlucke, als er sein Hemd auszieht, mir endlich seine nackte Brust zeigend, worüber ich den ganzen Abend nachgedacht habe. Die Kerzen flackern und bilden seltsame Formen auf seiner nackten Brust und als er sich seinen Hosen entledigt, kommt es mir so vor, als hätte ich einen Ball in der Kehle. Er ist... einfach wunderschön. Ich habe mir nie die Zeit genommen, um mir seinen Körper besser anzuschauen, denn wir waren immer in Eile. Jetzt aber haben wir Zeit... Und die Narben auf seinem Körper machen ihn irgendwie noch attraktiver... Das hört sich komisch an.

Er klettert langsam auf das Bett und legt seine Lippen auf meine; und ich atme tief durch die Nase ein, ihn umarmend. Meine Hände erforschen beinah verzweifelt seinen Körper und gleiten zu seinem perfekten Hintern... Vielleicht hat er ja mit Theodore den Abend verbracht, aber er liegt nicht mit Theodore splitternackt im Bett, sondern mit mir. Als er sich härter gegen mich presst, werden unsere Küsse grober... Unsere nackten Körper kleben aneinander und ich kann von diesem Gefühl nicht genug haben... Er fährt mit der Zunge über meinen Hals und auf einmal spüre ich seine Zähne an meiner Haut. Ich schnappe nach Luft, denn es kommt wie ein Schock für mich, aber ich finde es trotzdem wahnsinnig erregend. Ich stöhne laut, als er meine Haut mit den Zähnen beknabbert und bekomme Gänsehaut, als ich tief einatme und mir der Geruch in die Nase steigt, den ich immer mit Harry in Zusammenhang bringe. Und als seine Lippen nach unten gleiten ziehe ich die Luft scharf ein und vergrabe meine Finger in seinem rabenschwarzen Haar...

/zensiert

Ich weiß nicht, was ich in diesem Moment fühle, als wir zusammen in seinem Bett liegen. Ein paar Kerzen brennen noch und das Haus ist vollkommen still. Dieses Mal haben wir nicht vergessen, den Raum mit Stillezaubern zu belegen.

Es fühlt sich surreal an. Obwohl wir schon oft in dunklen Gängen und im Astronomieturm geknutscht haben, war es nie so real, wie jetzt. Wenigstens hier müssen wir uns vor niemandem verstecken und können ruhig in einem Bett schlafen. Harrys Finger spielen mit meinem Haar und ich streichele seinen Schenkel. Ich habe schon in Betten von anderen Jungen geschlafen und ich hatte schon ein paar 'Begegnungen' mit Jungen; aber die ganze Zeit habe ich gewusst, dass es nur ein Experiment ist; dass es nur an unseren Hormonen liegt; und dass ich diese Person nicht wie einen Partner betrachte. Das waren nur flüchtige Beziehungen und sie haben nichts bedeutet. Und am Anfang habe ich auch gedacht, dass das mit Harry auch etwas Flüchtiges ist; dass ich eines Tages aufwachen und ihn vergessen werde. Aber dem war nicht so. Und wie wir in Stille zusammen im Bett liegen, meine Arme um ihn gelegt, seine Beine um mich gewickelt, ist mir überaus klar, dass ich ihn nicht so leicht mal vergessen kann.

Harry ist wie ein Orkan; wohin auch immer er kommt, hinterlässt er stets einen permanenten Eindruck. Seit er mit dem Studium der dunklen Magie angefangen hat, hat er sich vollkommen verändert. Die dunkle Magie hat ihm das Aussehen und das Benehmen einer selbstsicheren, arroganten und charismatischen Person verliehen, und mir wurde irgendwann klar, dass wenn ich ihn anstarre, ich davon träume, wie er mich küsst oder anfasst... Jeder hat in meinem Alter solche Tagträume und jeder denkt manchmal über Personen nach, mit denen man in der Realität nie etwas anfangen würde. Und je länger wir zusammen sind, desto klarer wird mir, wie verschieden wir sind. Vielleicht ist das genau das, was ich an ihm so unwiderstehlich finde. Er ist mein Gegenteil – und Gegenteile ziehen sich an.

Und obwohl ich noch immer Jungfrau bin, beweist dieser Abend doch etwas. Das hier ist real; und ich möchte nicht aufwachen und feststellen, dass ich Harry vergessen habe. Ich möchte ihn nicht vergessen und ich freue mich auf das, was auf uns zukommt, auf all die Tage, die wir zusammen verbringen werden. Seine Finger gleiten meinen Arm hinunter und ich kuschele mich an ihn, seinem Herzschlag zuhörend. Er lächelt.

„Das müssen wir wiederholen", sagt er leise. Ich lache und schüttele den Kopf. Liebe Morgana, ja. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er so was vorher nie versucht hat, aber Harry ist Harry. Er lernt schnell und dank der dunklen Magie und ihrem Einfluss auf seine Persönlichkeit, schient er keine Hemmungen mehr zu haben. Er nimmt, was er möchte und er denkt nicht darüber nach.

Ich verschlinge meine Finger mit seinen und er drückt meine Hand fest. Ich drehe den Kopf zur Seite und schlucke. Das dunkle Mal. Auch wenn ich vergesse sollte, womit er sich beschäftigt und was er eigentlich ist, wird mich das dunkle Mal an seinem Unterarm immer daran erinnern. Und an seiner jungen Haut sieht es unheimlich aus; als sei schon bestimmt, dass er bald sterben würde.

„Warum hat er es getan?", frage ich leise.

Die grünen Augen schauen mich fragend an und folgen meinem Blick zu dem dunklen Mal. Er seufzt.

„Wir hatten eine Abmachung", sagt er leise. „Ich halte mich an seine Regeln und er wird mich unterrichten. Er hat mich als seinen Lehrling akzeptiert. Du weißt doch, was das bedeutet."

Ich nicke wortlos. Damals war es eine Tradition, jetzt aber gibt es so was nur selten. Früher war es notwendig, einen Lehrer zu haben und ihm vollkommen zu vertrauen, denn zu dieser Zeit gab es keine Bücher über die dunklen Künste und das Wissen wurde von Mund zu Ohr weitergegeben. Außerdem ist jeder dunkler Magier anders, also braucht man einen Lehrer, der die Lehrmethoden dem Schüler anpasst. Schon früher war es etwas Seltenes und Besonderes, diese Verbindung zwischen dem Lehrling und dem Lehrer; aber die Ära der Hellmagie hat die alten Traditionen zerstört und jetzt sind sie nichts weiter, als eine Erinnerung.

„Aber er sagt, dass das dunkle Mal uns leichtere Kommunikation ermöglichen wird", sagt er nachdenklich. Also weiß auch er nicht, wie das funktioniert.

„Falls Dumbledore es sieht...", murmele ich.

Harry lacht freudlos.

„Das alte Klappergestell möchte, dass ich mich ihm anschließe, weil er hofft, der dunkle Lord tötet mich", sagt er im Plauderton. „Und außerdem hält er nicht lange aus, weil er im Sterben liegt und weil ich ihn, ehe das passiert, töten werde."

Er hebt die Hand und ich spüre eine Welle von Magie, die aus seinen Fingerkuppen hervorbricht. Alle Kerzen gehen aus und das Zimmer wird in Finsternis gehüllt. Ich spüre seine Lippen auf meiner Stirn und als er sich entspannt und die Decke über uns zieht, frage ich mich schon wieder, wie es kommt, dass er immer so entspannt und ruhig ist, wenn er bei mir ist... Als wäre ich ein Beruhigungstrank. Ein schönes Gefühl. Ich atme tief ein und schließe meine Augen. Ich habe zu viele Gedanken in meinem Kopf, aber Harrys Geruch und sein regelmäßiger Atem erfüllen mich mit einem tiefen Gefühl von Zufriedenheit und meine Gedanken und meine Sorgen ebben ab. Auch wenn es so surreal und verrückt ist, fühlt es sich richtig an.