Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 28 – Das Julfest

Ich mag Partys nicht. Ich mag große Versammlungen nicht. Vielleicht habe ich mich an meine Einsamkeit gewöhnt, sodass es mir jetzt seltsam vorkommt, von vielen Menschen umgeben zu sein. Wenn ich alleine bin, kann ich wenigstens das sein, was ich wirklich bin. Ich muss keine Rollen spielen und kann mich entspannen. Wenn ich alleine bin, kann mir niemand etwas antun. Vielleicht stammt diese Einstellung aus der Zeit, als ich im Schrank unter den Treppen geschlafen habe und mich ständig gefragt habe, wann mein Onkel die Tür aufreißt und mich verprügelt. Aber mein neues Leben und die Macht, die ich jetzt besitze, alleine das Wissen, dass ich nicht zulassen muss, dass man mich schlägt oder misshandelt, können die Tatsache nicht ändern, dass ich schon zu viel davon in meiner Kindheit erlebt habe.

Andererseits werden wir heute meinen Plan in die Tat umsetzen und bald werden Draco und ich uns nicht mehr verstecken müssen. Die Schüler in Hogwarts gaffen mich sowieso schon an und ich bin immer das Gesprächsthema Nummer eins – sodass es keinen Unterschied machen wird, wenn man mich und Draco zusammen sieht. Für die Mehrheit der Schüler bin ich eh böse, nur weil ich bei den Malfoys wohne.

Hermine hat sich wirklich bemüht, geht mir durch den Kopf, als sie aus dem Kamin rauskommt und mich anlächelt. Sie trägt ein langes, rotes Kleid, das ihre Figur nicht gerade betont, aber die Farbe steht ihr gut. Sie trägt ein Medaillon und hat ihr wildes, lockiges Haar zu einem Knoten gebunden. Obwohl ich schwul bin, muss ich zugeben, dass Hermine hübsch ist. Ich habe sie ja nie in diesem Sinne angeschaut, aber andererseits hat Hermine sich nie wirklich bemüht, besser auszusehen, wie ihre Kolleginnen es ständig tun. Ihr ist das Äußere egal und unter dem Begriff 'sich schön zu machen' versteht sie, das Haarwaschen und Duschen.

„Harry, ich bin so froh, dich wieder zu sehen", flüstert sie und umarmt mich. Sie riecht gut. Ich muss auf sie aufpassen, denn hier gibt es sicherlich Kerle, die ein Auge auf sie werfen werden. Klar, sie ist eine Muggelgeborene und alle wissen es, aber man weiß ja nie.

„Du siehst schön aus, Hermine", mache ich ihr ein Kompliment.

Nach dem Vorfall mit Nagini – ich weiß, sie ist kein Mensch, aber doch ist sie ein Weibchen und manchmal sieht es so aus, als hätten Menschen in dieser Hinsicht mit Tieren etwas gemeinsam – habe ich darüber nachgedacht und mir ein paar Sachen aufgeschrieben.

„Oh Danke", flüstert sie breit grinsend. Sie ist außer Atem und scheint so aufgeregt zu sein, dass sie sich kaum noch beherrschen kann. „Und du auch", stellt sie mit Überraschung fest.

Ich trage eine dunkelgrüne Zaubererrobe und habe außerdem auf meinen üblichen Pferdeschwanz verzichtet. Ich finde es ein wenig unangenehm, aber der Blick, den Draco mit zugeworfen hat, als er mein Haar erblickt hat, hat mich dazu gezwungen, es so zu lassen.

„Hallo, Hermine", sagt Narzissa sanft und kommt auf Hermine zu.

Hermines Wangen laufen rosa an und sie streckt ihre Hand schnell aus.

„Vielen Dank, dass Sie mich zum Fest eingeladen haben, Ms Malfoy", sagt sie atemlos.

Lucius, der hinter Narzissa in einer grauen, seidenen Robe mit vor der Brust verschränkten Armen steht und dem Ganzen folgt, neigt den Kopf zur Seite. Auch er kann nichts Unpassendes an Hermine finden.

„Es freut mich, eine Freundin von Harry hier zu haben", erwidert Narzissa lächelnd, auch wenn sie sich dabei ein wenig unwohl fühlt.

„Wo soll ich mein Geschenk ablegen?", fragt Hermine, die von Innen glüht.

Denn sie hat alle Bücher zum Thema gelesen und weiß natürlich, dass jeder Gast zum Julfest ein Geschenk bringen sollte. Später werden die Geschenke ausgetauscht, aber so, dass niemand weiß, wer das Geschenk bekommt, das man mitgebracht hat.

„Gib es doch Dobby", sagt Narzissa. Sie wirft einen Blick auf Hermines Medaillon und ruft Dobby.

„Das ist ein sehr interessantes Schmuckstück", meint sie.

Hermine, die Dobby fasziniert anschaut, wird dadurch aus ihren Gedanken gerissen. Ich atme erleichtert aus, als Dobby mit ihrem Geschenk verschwindet. Ich weiß ja, was Hermine über Hauselfen denkt, aber ich hoffe, sie wird ihre Ansichten nie laut äußern, denn Lucius und Narzissa könnten es als Beleidigung betrachten. Und Hermine versteht es nicht, sie möchte nur helfen.

„Das habe ich von meiner Urgroßmutter geerbt", sagt Hermine atemlos. Sie braucht etwas Alkohol, um sich zu entspannen, geht mir durch den Kopf. Wie viele Tassen Kaffee sie wohl runtergeschluckt hat?

„Tatsächlich?", fragt Narzissa.

Ich weiß ja, dass Narzissa ein Fan von Schmuck ist, vor allem, von antikem Schmuck, aber ich sehe einfach nichts Besonderes an Hermines Medaillon. Außer der Tatsache, dass es ihr gut steht. Vielleicht ist das noch so eine Frauensache, die ich nicht verstehe. Ich seufze innerlich, als ich den beiden in Richtung Salon folge. Kein Wunder, dass ich schwul bin. Frauen sind so kompliziert.

Lucius wirft mir einen vielsagenden Blick zu, als er sich zu mir gesellt und ich rolle mit den Augen, auf Hermine und Narzissa deutend. Ein Lächeln erscheint auf seinem blassen Gesicht.

„Sie ist eine Expertin", murmelt er so leise er kann. „Glaub mir, es ist ziemlich schwer, ein Hochzeitstagsgeschenk für sie zu finden. Denn ich habe keine Ahnung von solchen Sachen. Also kaufe ich einfach keinen Schmuck mehr. So ist es sicherer."

Ich grinse ihn an und wir gehen weiter.

„Hast du schon was in Bezug auf Parkinson unternommen?", flüstert er mir ins Ohr.

„Noch nicht, aber wir werden heute was drehen", flüstere ich zurück. „Hermine wird dabei helfen. Wir haben alles schon geplant und alles steht bereit."

Lucius sieht schockiert aus und wirft Hermine, die jetzt glücklich Narzissa von ihrer Urgroßmutter erzählt, einen Blick zu.

„Was habt ihr vor?", fragt er leise.

„Lucius!", ruft Narzissa. „Ich werde Hermine die Bibliothek zeigen, mir ist ein Buch eingefallen, das sie interessieren würde."

„In Ordnung", sagt Lucius verblüfft. Hermine strahlt mich an. Ich habe sie noch nie so glücklich gesehen. Was hat ihr Narzissa wohl gesagt?

„Was habe ich verpasst?", fragt eine Stimme von Richtung der Treppen. Lucius und ich wirbeln herum.

Draco steigt die Treppen nach unten und ich schlucke kräftig. Seine Frisur hat sich nicht geändert, aber der Rest von ihm sieht anders aus. Er trägt graue Roben wie Lucius, aber sie sind aus irgendeinem Stoff angefertigt, der leicht schimmert. Die Roben sind nicht gerade enganliegend, aber trotzdem kann man darunter die Umrisse seines Körpers erkennen. Und als unsere Blicke sich treffen, halten wir beide inne und die Zeit scheint stehen zu bleiben. Er ist einfach atemberaubend. Er bewegt sich mit der Leichtigkeit und Eleganz einer Katze, und die Roben rascheln, als er langsam auf uns zukommt. Seine grauen Augen sind auf mich fixiert und sie mustern mich kurz von oben bis unten, bis er mit Mühe wegblickt und seinen Vater anschaut. Lucius wiederum sind unsere abschätzenden Blicke nicht entgangen und ein hämisches Lächeln zeigt sich auf seinem Gesicht. Und während der einzige Gedanke, der mich beschäftigt, ist, dass ich ihm am liebsten diese Roben vom Leib herunterreißen würde, , scheint Lucius zu erraten, worüber wir beide nachdenken.

„Brauchst du Hilfe bei der Ausführung deines Plans?", fragt er mich.

„Nein, es ist schon in Ordnung", murmele ich geistesabwesend, als mir der Geruch von Kiefern in die Nase steigt. Die grauen Augen schauen mich aus der Nähe an und die dünnen Lippen strecken sich zu einem Lächeln.

„Gut", sagt Lucius. „Ich werde hier blieben, um die Gäste willkommen zu heißen. Ihr könnt im Salon auf sie warten."

„Ja, Vater", murmelt Draco, dessen Blick auf mich fixiert ist. Wie viel Zeit haben wir noch?

Sobald die Tür hinter uns geschlossen ist, werfe ich mich auf ihn und ehe Draco die Chance hat, zu protestieren oder irgendetwas zu sagen, sind meine Lippen auf seinen und er legt, wenn auch zögernd, seine Arme um mich.

„Du machst mich verrückt", stöhne ich, als ich seinen Hals lecke. Draco schließt die Augen und schluckt.

„Potter...", murmelt er. „Jeder kann reinkommen."

„Nach heute Abend wird mir nichts mehr im Weg zu dir stehen", murmele ich, als ich seinen Hals küsse. Was ist bloß in mich gefahren? Plötzlich kann ich nicht genug von ihm haben. Es ist nicht nur sein Geruch, seine Augen, seine vor Erregung leicht rosa angelaufenen Wangen oder die Umrisse seines dünnen Körpers unter der Robe... Da ist mehr. Etwas von ihm zieht mich magnetisch an und ich kann es mir nicht erklären.

Draco gegen die Wand pressend, küssen wir für eine Ewigkeit und ich erforsche mit beiden Händen den Körper unter der Robe, bis ein leises Geräusch uns hochfahren lässt und wir herum wirbeln. Wir haben keine Stimmen gehört... Es ist Hermine.

Auch wenn wir uns rechtzeitig getrennt haben, muss man keine ausgezeichnete Vorstellungskraft besitzen, um zu wissen, womit wir soeben beschäftigt waren.

Draco fährt über seine Robe und räuspert sich. Hermine, die noch immer ein wenig unsicher bei der Tür steht, schaut zwischen uns hin und her. Schließlich macht sie einen resoluten Schritt vorwärts. Ihre momentane Verwirrung wird durch Entschlossenheit ersetzt.

„Und DAS habe ich schon gesehen, also müsst ihr euch nicht so schuldig anstellen", sagt sie. Ich gluckse, Draco wiederum sieht ein wenig wütend aus. Hermine verdammte Granger hat ihn schon wieder beim Knutschen mit mir ertappt und das gefällt ihm ganz und gar nicht.

„Glücklicherweise werden eure Geheimtreffen bald enden", sagt sie und richtet sich auf. „Harry und ich werden dafür sorgen."

Draco wirft mir einen überraschten Blick zu und ich zucke mit den Schultern.

„Falls er es dir nicht gesagt hat, ich helfe dabei", sagt Hermine mit einem ernsten Ausdruck. „Es hat nichts mit dir oder Parkinson zu tun. Es geht um Menschenrechte und ich denke, dass es einfach abscheulich ist, gezwungen zu sein, jemanden zu heiraten, den man nicht liebt oder mag. Aus diesem Grund werde ich dabei helfen, die Verlobung zu brechen."

Ich grinse Draco an, der sich momentan verwirrt bei mir hinsetzt. Schließlich wendet er sich genervt mir zu.

„Was in Morganas Willen hast du ihr gesagt?"

„Oh keine Sorge, Draco", sage ich neckend, einen Arm um seine Schultern legend, den er schnell weg schlägt. „Du kannst Hermine vertrauen. Sie zeigt gerade ihre Slytherinseite."

Aus irgendeinem Grund scheint Hermine auf diese Tatsache stolz zu sein.

„Harry, du wirst nicht glauben, was Ms Malfoy herausgefunden hat", sagt sie schnell. „Sie hat meine Urgroßmutter in einem Buch gefunden!" Sie platzt vor Aufregung und mir kommt es vor, als sei auch ihr Haar, das jedoch zusammengebunden ist, elektrisiert. Ihre Augen glitzern und sie kann sich kaum beherrschen, nicht auf und ab zu hüpfen. „Sie war eine Hexe! Deswegen hat sie das Medaillon erkannt, es ist ein Familienwappen eingraviert!"

Ich lehne mich interessiert nach vorne und mustere das Medaillon. Ich sehe nichts Bemerkenswertes. Nun... da gibt es ein Tier... und einen Dolch... und... etwas Abstraktes...

„Ja und ich werde schon morgen zu Gringotts gehen und einen Familienstammbaum machen lassen", plappert sie weiter. „Ich hatte keine Ahnung!"

Nun, das erklärt einiges. Es erhärtet meine Theorie, dass es keine echten Muggelgeborenen gibt. Vielleicht trägt auch Hermines Mutter Magie in ihrem Blut, die sich aber nie manifestiert hat. Interessant... Einmal Hexe, für immer Hexe. Wer war ICH in meinem früheren Leben? Zweifelsohne war ich ein Zauberer – oder na ja, eine Hexe. Aber ich war ein Magier. Vielleicht kann ich es herausfinden?

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Die Gäste kommen langsam in den Salon herein und ich sitze mit Hermine auf einem Sofa, über Arithmantik plaudernd. Dieses Fach hat meine Neugier erneut geweckt, als der dunkle Lord mir all diese Gleichungen gezeigt hat und ich möchte mehr lernen. Hermine, so wissensdurstig wie sie ist, weiß eine Menge darüber, aber mir entgeht nicht, dass sie nicht weiter sehen kann. Für sie erzählen die Gleichungen keine Geschichte und ich bin ein wenig enttäuscht von ihr.

Hermine ist für meine Unterstützung und meine bloße Anwesenheit sehr dankbar, denn die Blicke, die die Menschen ihr zuwerfen, sind nicht nur feindselig. Theodore Nott grinst mich an und geht auf mich zu, hält aber inne, als er Hermine erblickt. Aber als ich auf den freien Platz auf dem Sofa deute, lässt er sich bei mir nieder, Hermine ignorierend. Sie schaut mit zusammengepressten Lippen zu, als ich einen Arm um seine Schultern lege und ihm etwas ins Ohr flüstere.

Nicht jeder hat sich mit Hermines Anwesenheit gleich abgefunden. Pansy Parkinson stolziert erhobenen Hauptes herein, ein rosafarbenes Kleid tragend. Hermine rümpft die Nase und ich gluckse. Rosa steht ihr überhaupt nicht gut. Sie erinnert mich an diese Muggelpuppen, die ich oft in Läden gesehen habe und die immer in so was gekleidet waren. Schade nur, dass Pansy nicht hübsch ist und sie ähnelt, meiner Meinung nach, einem Nilpferd in einem Tutu.

Bei dem Anblick von Hermine erstarrt sie und deutet mit dem Finger auf sie.

„Draco! Was macht DIE denn hier?", zischt sie. Ich ziehe die Augenbrauen provozierend in die Höhe. Draco macht den Mund auf, aber ich bin schneller.

„Sie ist mein Gast", sage ich kalt. „Wenn du was dagegen hast, kannst du ruhig gehen."

Pansy dreht sich Draco zu, der sie unbeeindruckt anschaut. Auch wenn er nicht gerade außer sich vor Freude ist, dass Hermine da ist, nutzt er jede Chance, um Pansy Parkinson unglücklich zu machen.

„Gib Ruhe, Pansy", sagt Blaise Zabini, der auch nicht erfreut ist, dass Hermine anwesend ist, aber da ich bei ihr sitze, hat er die Sache kommentarlos hingenommen. Er hat mich begrüßt, ihr zugenickt und sich zu Draco gesellt. „Harry kann einladen, wen auch immer er will. Er ist jetzt ein Malfoy."

„Ich werde nicht den ganzen Abend mit DER im Raum verbringen", zischt Pansy.

„Musst du auch nicht", meldet sich Hermine zu Wort. Ihre Augen blitzen gefährlich auf. „Denn falls du die Wünsche deiner Gastgeber nicht akzeptieren kannst, heißt das nur, dass du den alten Traditionen nicht folgst und keine Manieren hast."

Ich werfe Hermine einen überraschten Blick zu, die zwar zittert, aber der aufgebrachten Pansy direkt in die Augen starrt. Sogar Draco sieht überrumpelt aus. Ich gluckse laut und deute mit meinem Finger auf Draco.

„Setz dich doch zu meinem Bruderherz", sage ich mit einer süßen Stimme. „Und mach keine Szene, Pansy."

Pansy schaut mich an und ich kann beinahe sehen, wie sich die Räder in ihrem Kopf drehen. Sie schnaubt und geht zu Draco hinüber. Ich lehne mich zufrieden zurück.

„Was war das?", flüstert mir Hermine ins Ohr. „Sie hat dir gehorcht. Hast du sie verzaubert oder was?"

Die Slytherins wissen sehr wohl, was und wer ich bin. Und auch wenn sie natürlich etwas gegen Hermines Anwesenheit haben, würden sie es nie laut sagen, wegen des hübschen Tattoos auf meinem Unterarm. Von dem Hermine natürlich nichts weiß. Und auch nichts davon wissen soll.

„Nein", sage ich gutgelaunt. „Was weiß ich, vermutlich habe ich eine solche Wirkung auf Menschen."

Theodore wirft mir einen vorsichtigen Blick zu, der auch auf meinen Unterarm landet, aber er blickt schnell weg. Ihm gefällt nicht, dass er zusammen mit Hermine Granger auf einem Sofa sitzen muss, aber da er bei mir sitzen will, scheint er wohl keine Wahl zu haben.

Zuerst kommt das Julritual und dann werden wir essen. Die Mehrheit von Dracos Freunden wird bleiben und das wäre eine gute Zeit, um unseren Plan in die Tat umzusetzen. Dracos Blick wandert viel zu oft in unsere Richtung und es amüsiert mich, dass er so besitzergreifend und so eifersüchtig ist. Wer würde denken, dass Draco Malfoy eifersüchtig sein kann? Seine Augen blitzen auf, als ich mit einem Finger über Theodores Wange fahre und meinen Kopf zur Seite neige. Für alle sieht es so aus, als wolle ich ihn küssen. Draco springt wie gestochen auf und verlangt, dass jemand das Grammofon anschaltet. Theodore sieht ein wenig ungeduldig aus, als wolle er mich küssen, und ich weiß, dass ich dieses Spiel mal nicht so weit treiben sollte, aber zur gleichen Zeit würde er sich fragen, warum ich ihn nicht küssen möchte, wenn ich schon mit ihm flirte.

„Bloß kein Küssen", zischt mir Draco ins Ohr, als ich an ihm vorbeikomme. Ich lege ihm eine Hand auf die Schulter und mache einen ernsten Ausdruck, sodass jeder – außer Hermine, natürlich – denken würde, dass wir über den dunklen Lord sprechen.

„Er ist ungeduldig", flüstere ich zurück. „Mach dir keine Sorgen. Es ist nur ein Schauspiel. Vielleicht wäre es gut, wenn du auch Pansy küsst."

„Was?", zischt er. Mein Griff wird fester. „Bist du verrückt? Ich müsste die ganze Flasche von Vaters Feuerwhiskey trinken und mich halbtot saufen, um in der Lage zu sein, sie zu küssen. Und danach die Lippen und die Zunge mit einer weiteren Flasche desinfizieren."

Ich gluckse und er erschaudert, als er meinen Atem an seinem Ohr spürt. Ich spüre das bekannte Kribbeln in meinem Magen, weil er mir so nahe steht, und ich wundere mich schon wieder, wie stark diese Anziehungskraft ist.

„Komm schon, wir sind dunkle Magier", flüstere ich. „Es ist für das größere Wohl."

Draco lacht, sieht aber genervt aus.

„Schön", murmelt er. „Schön. Aber später. Ich muss mal was trinken, um meine fünf Sinne zu betäuben."

Ich grinse breit und kehre zu Hermine und Theodore zurück, der mir mit seinem Blick gefolgt ist. Ich kenne diesen Ausdruck. Er ist scharf auf mich und ich darf nicht lange rumeiern.

„Draco scheint Pansy unter Kontrolle zu haben", sage ich amüsiert.

Pansy hat ihren Kopf auf Dracos Schulter gelegt und er sieht dabei so aus, als wäre er gezwungen, in eine Zitrone zu beißen. Als er meinen Blick bemerkt, räuspert er sich und fährt mit einer Hand über ihren Rücken, wenn auch widerwillig.

„Narzissa hat gerade herausgefunden, dass Hermines Urgroßmutter eine Hexe war", sage ich zu Theodore gewandt. Hermine wird rot im Gesicht. „Weißt du, ich habe eine Theorie, dass Magie irgendwoher kommen muss, also laut meiner Theorie gibt es keine Muggelgeborene. Sie sind eigentlich Kinder von Menschen, die doch Spuren von Magie in ihrem Blut tragen, die vielleicht ruhend ist oder es gibt nicht genug davon, sodass sie sie nicht benutzen können."

„So wie Squibs?", fragt Theodore. Hermines Augen glitzern.

„Das ist phantastisch, Harry!", quiekt Hermine. „Wie bist du nur darauf gekommen?"

„Nun, ich hab über dich nachgedacht", sage ich lächelnd.

„Es ergibt einen Sinn", sagt sie grinsend und strahlt mich an.

Die Tür öffnet sich und Lucius verkündet, das Julritual werde bald anfangen und wir sollen uns auf den Weg nach draußen machen.

Lucius, als das Familienoberhaupt, wird das Ritual durchführen und Hermine folgt mir aufgeregt nach draußen. Ich habe das Ritual schon ausprobiert und es hat bestens geklappt. Hier geht es nicht wirklich um ein dunkles Ritual, denn man feiert ein Naturgesetz und den Wechsel der Jahreszeiten, aber es gibt trotzdem gewisse dunklen Elemente und ich bin wirklich überrascht, dass Hermine, während sie darüber gelesen hat, sie entweder nicht bemerkt hat oder dass sie ihr gefallen haben. Hermine entgeht nichts und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie schon eine Tonne Bücher zum Thema gelesen hat, ehe sie hergekommen ist.

Theodore und Hermine sind, seit wir den Salon verlassen haben, nicht von meiner Seite gewichen. Als es an der Zeit ist, dass alle einen Kreis machen, streckt er seine Hand aus, die ich lächelnd nehme. Hermine nimmt ohne weiteres die Hand von Daphne Greengrass, die ihr einen angewiderten Blick zuwirft, jedoch nichts dazu sagt. Denn ich bin da. Wahrscheinlich verflucht sie ihr Pech, dass sie an Hermine Granger geraten ist.

Es lohnt sich, der Lehrling des dunklen Lords zu sein, auch wenn Hermine keine Ahnung davon hat. Und ich frage mich, wie lange ich wohl imstande sein werde, mein Geheimnis zu bewahren. Und falls sie es je herausfindet, befürchte ich, dass dies das Ende unserer Freundschaft wäre. Sie würde nicht unbedingt direkt zu Dumbledore rennen, denn sie vertraut ihm überhaupt nicht mehr, aber es wäre zweifelsohne eine totale Katastrophe. Wie kann ich nur sicher sein, dass ihr keiner davon erzählt? Ich bin mir überhaupt nicht sicher. Nichts hindert Pansy Parkinson daran, Hermine davon zu erzählen. Hoffentlich ist sie nicht dumm genug, um so tief zu sinken.

Hermine schließt die Augen und wiederholt die Worte, die Lucius ausspricht und die sie allem Anschein nach, auswendig kennt. Dabei sieht sie aus, als genieße sie das Ganze so sehr, dass es ihr echt leid tun würde, wenn es endet. Als die Zeit für Geschenke kommt, setzen wir uns an einen Tisch und Hermine schaut sich um. Sie weiß natürlich, was folgt. Lucius erscheint mit einem Zaubererhut in den Händen. Er lächelt mich flüchtig an und ich ziehe ein Stück Papier aus dem Hut heraus. Nachdem Theodore auch eins bekommen hat, ist Hermine an der Reihe. Eines muss man Lucius lassen – er weiß, wann er mit dem Strom schwimmen muss und wann nicht. Er hebt stolz den Kopf und reicht Hermine den Hut. Etwas rot im Gesicht, zieht sie ein Stück Papier heraus und lächelt ihn an, sich bei ihm bedankend. Er nickt ihr nur zu und geht weiter. Hermines Augen leuchten, als sie ihr Papier entfaltet.

Lucius stellt sich zu dem Geschenkehaufen und Narzissa folgt ihm, alle anstrahlend. Sie trägt ein wunderschönes, blaues Kleid, das ihre dünne Figur zur Schau stellt und lange Ohrringe, die im Fackellicht glitzern. Und sie sieht kein Jahr älter als zwanzig aus. Wie schafft sie das nur? Gut, sie hat nur Draco, aber doch.

„Achtunddreißig", ruft Lucius zehn Minuten später, in die Runde blickend.

Hermine steht schnell auf und, obwohl es offensichtlich ist, dass sie außer sich vor Aufregung ist, geht sie anmutig zu ihm hinüber, vom Tuscheln begleitet. Es sind viele erwachsene Magier da, die zwar gehört haben, dass Hermine anwesend ist, aber das macht es nicht leichter für sie. Aber da Lucius und Narzissa sie in ihr Haus eingeladen haben, können sie natürlich nichts dagegen sagen. Sie können ihr aber feindselige Blicke zuwerfen und sie wie Dreck anschauen. Lucius überreicht ihr eine kleine Schachtel, die in rotes Papier eingewickelt ist und Hermine bedankt sich. Mich anstrahlend, kehrt sie zu ihrem Platz zurück, das Geschenk beäugend.

„Einundvierzig", sagt Lucius.

Ich erhebe mich und Hermine grinst mich an. Natürlich weiß die Mehrheit der anwesenden Zauberer und Hexen, wer ich bin. Aber ich hoffe, dass niemand etwas dazu sagt, denn eine Enttarnung brauche ich in diesem Moment nicht. Ich weiß natürlich, dass es unvermeidlich ist, dass Hermine eines Tages die Wahrheit erfährt, aber besser später als früher.

„Hier, Harry", sagt Lucius leise und gibt mir ein schwarz eingewickeltes Geschenk. Ich frage mich nur, wer ein Geschenk in schwarzes Papier einwickeln würde, aber na ja. Wir reden hier über Schwarzmagier. Breit lächelnd kehre ich wieder zu Hermine zurück.

„Harry", flüstert sie mir ins Ohr. „Hat Lucius ihnen etwas gesagt? Ich weiß ja, dass man mich hasst, aber die Blicke, die sie dir zuwerfen! Es sieht beinah so aus, als hätten sie... Angst vor dir."

„Keine Ahnung", sage ich achselzuckend. Was soll das?

„Und diese Hexe im roten Kleid", murmelt Hermine weiter. „Sie hat dich entsetzt angeschaut. Was hast du getan?"

„Ach Hermine, was weiß ich", sage ich genervt. „Vermutlich denken sie, dass Harry Potter der Goldjunge ihnen Dumbledore auf den Hals aufhetzen wird. Da muss ich sie leider enttäuschen. Ich sollte es eigentlich aufklären."

„Vielleicht denken sie... wegen Narzissa... dass du... zur dunklen Seite übergelaufen bist?", fragt Hermine.

Ich drehe meinen Kopf und betrachte sie aus der Nähe. Die braunen Augen schauen mich ehrlich an.

„Vielleicht wäre es keine so schlechte Idee", sage ich spontan. Potter, was machst du da? Ich könnte mir eine verpassen. „Denn wenn Dumbledore der Vertreter des Lichtes ist, möchte ich dem Licht nicht folgen."

Hermine atmet tief durch und schaut auf ihre Hände hinunter.

„Weißt du", flüstert sie. „Er hat mich so enttäuscht, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Aber nicht alle Weißmagier sind wie Dumbledore."

„Wahrscheinlich nicht", murmele ich. „Aber ich möchte trotzdem nicht daran teilnehmen. Jetzt weiß ich, was er vorhat, und ich werde nicht mitspielen."

„Eine Prophezeiung so ernst du nehmen, das ist reiner Blödsinn", meint Hermine verächtlich. „Und was erwartet er von dir, dass du die Seele von du weiß schon wem findest und sie vernichtest? Du bist ein Junge. Das sollte Dumbledores Job und nicht deiner sein. Er sollte dich in Ruhe lassen. Aber... Harry... fühlst du dich davon angezogen? Ich habe bemerkt, dass dich seltsame Sachen interessieren. Du... kannst es mir sagen. Ich werde dich nicht verurteilen. Merlin weiß, dass wir zusammen so viel durchgemacht haben. Ich bin eine Muggelgeborene und ich habe es nicht leicht. Aber für dich ist es noch schlimmer."

„Von was angezogen?", frage ich auf erstem Blick ruhig, obwohl mein Herz gegen meinen Brustkorb pocht.

„Von der dunklen Magie", flüstert Hermine.

Sie schaut mich ruhig an und ich sehe keine Anzeichen von Verurteilung, keine Spuren von Angst in ihren Augen. In jenem Moment habe ich den Eindruck, dass ich Hermine alles sagen kann. Aber das werde ich nicht. Schon wieder.

„Ich frage mich, worum es eigentlich geht und was der Scheiß soll", antworte ich langsam. „Schön, man sagt, sie sei gefährlich, aber warum bringt man uns nicht wenigstens die Grundlagen bei, sodass wir verstehen könnten, worum es geht? So bekommen Menschen Angst vor dem Unbekannten und das ist einfach falsch."

„Ich stimme zu", sagt Hermine schnell. „Das ist blöd. Ich würde auch gerne wissen, worum es geht. Du aber hast eine gute Chance, es herauszufinden."

„Was meinst du?", frage ich.

Das Ritual ist beendet und wir alle machen uns auf den Weg nach drinnen. Die Erwachsenen werden in der Halle essen, wo das Auferstehungsritual stattgefunden hat. Wir wiederum kehren zum Salon zurück und das ist mir nur recht. Dort gibt es Essen für uns, was eigentlich sehr einsichtsvoll von Lucius war. Niemand möchte die Zeit in einer Halle voller Erwachsener verbringen, wo man darauf aufpassen muss, wie man isst und was man sagt.

„Du wohnst bei den Malfoys", sagt Hermine leise. „Sie sind eine dunkle Familie. Und natürlich haben sie Bücher zum Thema, ich hab sie gesehen."

Hermine. Ihr entgeht überhaupt nichts. Wenn ich nicht vorsichtig bin, wird sie aufgrund ihrer Beobachtung all meine Geheimnisse enthüllen. Ich schlinge einen Arm um ihre Schultern und küsse sie auf die Wange.

„Wäre das so schlecht?", frage ich leise.

„Nein", sagt sie ernst. „Denn ich kenne dich. Du sollst auf den ersten Blick leichtsinnig und nachlässig rüberkommen, aber das bist du nicht. Ich habe dich beobachtet. In letzter Zeit passt du auf alles auf. Wenn du lernst, bist du methodisch und du ordnest dein Wissen in deinem Kopf an, was natürlich richtig ist. Aber ich habe es auch in anderen Situationen bemerkt. Du bist nicht mehr der Junge, den ich einmal gekannt habe. Diese Tragödie hat dein Leben geprägt und es scheint wirklich so, als hättest du dein altes Leben und das Leid hinter dir gelassen. Vor allem sehe ich es in deiner Beziehung mit Draco. Der alte Harry hätte nie gestehen können, dass er sich von Draco Malfoy angezogen fühlst, aber du ergreifst die Initiative und du bist selbstischer. Du weißt, was du möchtest und du wirst alles tun, was nötig ist, um das zu bekommen. Aus diesem Grund habe ich keine Angst, dass, falls du dich je mit Schwarzmagie beschäftigst, dir etwas passieren kann. Denn du bist stärker und weiser."

Ich schaue Hermine mit Überraschung auf der Stirn geschrieben an. Sie lacht.

„Stell dich nicht so überrascht an, Harry Potter", sagt sie neckend. „Mich kannst du nicht täuschen. Und ich würde gerne wissen, was in dir vorgeht, denn manchmal siehst du so distanziert aus, als wärst du Meilen von mir und dem Unterricht weg. Ich hoffe, du weißt, dass du dich mir anvertrauen kannst. Ich werde dich nicht verraten. Ich bin nicht Ronald."

Ich seufze und küsse sie auf die Stirn.

„Danke, Hermine", sage ich leise. „Es ist schön zu wissen, dass ich wenigstens einen echten Freund habe."

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Der arme Draco hat es nicht leicht. Er wirft mir verzweifelt Blicke zu, als Pansy es sich auf seinem Schoß bequem macht, die 'Hilfe!' schreien. Wenigstens scheint sie jetzt viel zu beschäftigt zu sein, um Hermine zu belästigen. Getränke sind im Umlauf und ich schnappe mir eines mit einem roten Sonnenschirm.

„Das sind Frauengetränke", beklagt sich Blaise Zabini, der sein Getränk angewidert betrachtet. „Gibt es keine Getränke für Kerle?"

„Oh doch", meldet sich jemand zu Wort.

Daphne Greengrass, die schwarzhaarige Hexe die so läuft, als hätte sie einen Besen geschluckt, zieht etwas aus ihrem Umhang heraus. Sie vergrößert den Gegenstand und eine Flasche Feuerwhiskey erscheint. Jubel bricht aus und Draco nimmt ihr als erster die Flasche aus der Hand. Ich kenne den Grund nur allzu gut, warum er so darauf erpicht ist, sich zu betrinken. Der Grund für seine schlechte Laune sitzt auf seinem Schoß und spielt mit seinem Haar.

„Hör auf damit, Pansy, du verdirbst meine Frisur!", sagt er empört.

„Oh, mein kleiner Drache, du wirst immer hübsch sein, auch wenn deine Frisur verdorben ist", schnurrt sie.

Draco schnaubt und ich verschlucke mich beinahe an meinem Getränk. Der Arme. Ich muss ihm so schnell wie möglich helfen. Ich stehe entschlossen auf und zwinkere Theodore zu.

„Ich werde mit meiner Freundin tanzen, aber geh nicht weg", sage ich zu ihm. Theodore sieht ein wenig enttäuscht aus, aber da ihm klar ist, dass kaum jemand anderer mit Hermine tanzen wird, wenn ich es nicht tue, nickt er und nimmt wieder sein Glas in die Hand.

Hermine legt ihre Arme um meinen Hals und lächelt mich an.

„Du siehst wirklich hübsch aus", sagt sie, als wir uns langsam im Rhythmus bewegen. „Links."

Ich steuere sie in die genannte Richtung und Hermine schaut mir unschuldig in die Augen, während sie ihren Stab aus ihren Ärmel hervorzieht. Sie hat ihr Kleid so ausgewählt, dass sie ihren Stab leicht im Ärmel verstecken kann.

„Ich weiß", sage ich breit grinsend.

„Ok, jetzt", sagt sie lächelnd.

Ich wirbele mit ihr in meinen Armen herum und Hermine verschwindet für einen Moment hinter einer riesigen Pflanze. Ich kann deutlich sehen, wie sie schnell mit ihrem Stab auf Pansy deutet und ihn gleich wieder versteckt, sodass, wenn wir mit unserem Tanz fortfahren, ihre Hand wieder auf meiner Schulter ist. Sie lächelt mich an.

„Ich bin dran", sage ich grinsend. „Wie steht es mit deinem Liebesleben?"

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden wir ein ganz normales Gespräch führen, denn ab und zu lächeln wir und ich stelle überrascht fest, dass Hermine sich anmutig bewegt. Sie weiß, wie man tanzt. Ich wiederum nicht, aber ich gebe mein bestes. Wir nähern uns dem gewünschten Ziel.

„Es existiert nicht", erwidert Hermine gelassen.

„Aber möchtest du eins haben?", frage ich.

„Das ist reine Zeitverschwendung", sagt sie schnell. „Jetzt."

Sie lehnt sich nach vorne und momentan kann man meinen rechten Arm nicht sehen, dank Hermines breitem Ärmel und der Tatsache, dass sie sich zur Seite gedreht hat. Ich habe nur eine Sekunde. Ich lasse die Spitze meines Stabes in meine Hand fallen und deute auf Malcolm, den ich im Voraus für diese Aufgabe ausgewählt habe. 'Compulso', denke ich und spüre, wie Magie aus meinem Stab platzt und den Rücken des tanzenden Jungen trifft. Geschafft.

„Sag niemals nie", sage ich, als ich den Stab in meinem Ärmel verschwinden lasse. „Und du bist echt böse."

Hermine lacht und strahlt mich an.

„Vielleicht fühle ich mich ein bisschen rebellisch", sagt sie. „Vielleicht habe ich die gute Hermine satt. Vielleicht werde ich in deine Fußstapfen treten."

„Bin ich etwa böse?", frage ich mit gehobenen Augenbrauen.

„Manchmal, aber das ist gesund", meint Hermine.

„Beantworte meine Frage, bitte", sage ich, als wir weiter tanzen. Aus dem Augenwinkel folge ich Pansy, die sich auf einmal erhoben hat und zum Tisch geht, wo die Getränke stehen.

„Welche?", fragt Hermine unschuldig. Vielleicht hatte dieses Ritual doch eine Wirkung auf sie.

„Wenn du mit jemandem zusammen sein könntest, mit wem auch immer, wer würde es sein?" frage ich neckend. „Davon ausgehend, dass du die Zeit dafür hättest und alles."

„Nun...", fängt sie an. „Keiner der Gryffindorjungs gefällt mir."

„Du hast Recht, die Wahl ist echt beschissen", sage ich seufzend.

„Wie wäre es mit Frauen?", frage ich. Hermine hebt die Augenbrauen und mustert mich überrascht.

„Nur weil mir kein Kerl gefällt, heißt das nicht, dass ich auf Frauen stehe", erwidert sie.

„Hermine, in der Zauberwelt stehen die Sachen anders", sage ich gelassen. „Ich habe schon gestanden, dass ich schwul bin. Ich hatte natürlich keine Ahnung, aber ich habe gewusst, dass ich mir nie vorstellen könnte, mit einem Mädchen zusammen zu sein. Ich würde nicht wissen, was ich mit einem anfangen sollte. Ich bin total ahnungslos, wenn es um Frauen geht. Und du... du verstehst wie Jungen funktionieren und das sogar ein wenig zu gut."

Hermine schüttelt den Kopf.

„Ich habe darüber nicht nachgedacht", gesteht sie. Nun wenigstens versucht sie es nicht abzustreiten.

„Denke darüber also bitte nach", sage ich lächelnd.

Hermine prustet los und schaut mich amüsiert an.

„Du bist echt frech, Harry Potter", sagt sie neckend.

„Ich weiß", antworte ich grinsend.

„Wo ist die liebe Pansy?", flüstert sie mir ins Ohr.

Diese steht jetzt bei zwei Jungen, von denen einer Malcolm ist, und redet mit ihnen. Hermine nickt mir verschwörerisch zu und ich blicke weg. Alles läuft planmäßig. Draco wiederum sieht ein wenig verwirrt aus, weil die liebe Pansy ihn auf einmal stehen lassen hat, aber er wendet sich zufrieden Blaise Zabini zu und fällt in ein Gespräch mit ihm. Er ist sie endlich los, aus welchem Grund auch immer.

„Ich bin an der Reihe", sagt eine Stimme hinter uns.

Theodore steht da, geheimnisvoll lächelnd. Ihn habe ich mit keinem Compulsozauber belegt, also muss er wirklich scharf auf mich sein. Ein Teil von mir fragt sich, ob er auch so scharf auf mich wäre, wüsste er nicht, wer ich bin. Denn Beziehungen sind in alten Familien sehr wichtig.

„Es ist vollkommen in Ordnung, ich muss eh auf die Toilette", sagt Hermine und geht. Theodore mustert mich von oben bis unten und mir ist augenblicklich alles klar. Ok... Vorsichtig.

Draco durchbohrt meinen Rücken mit seinem Blick und ich finde es echt amüsant. Ich kann noch immer seinen Blick auf mir spüren, als Theodore seine Arme um meinen Hals schlingt und mir in die Augen schaut.

„Wirst du ihr je die Wahrheit erzählen?", fragt er leise.

Ich seufze. Ich weiß sehr wohl, worüber er redet. Für einen Augenblick habe ich sogar gedacht, Hermine könnte die Wahrheit ertragen. Aber ich bin mir nicht sicher. Denn alles hängt von ihrer Reaktion ab und ich bin noch nicht bereit, das Risiko einzugehen, dass sie jemandem davon erzählt. Ich weiß nicht, was ich in diesem Fall tun würde. Ihr Gedächtnis löschen? Fliehen? Nein, denn ich habe noch eine Menge Arbeit in Hogwarts. Mir ist klar geworden, dass ich nicht ewig in Hogwarts bleiben kann. Ich bin nicht nur jemand, der Interesse an dunkler Magie hat. Ich bin der Lehrling des dunklen Lords. Und falls man mich enttarnt...

Vielleicht war es leichtsinnig von mir, Hermine zum Fest einzuladen. Es ist ein Risiko, denn alle wissen Bescheid, außer ihr. Und jeder kann ihr etwas erzählen... Ein kleines Detail würde genügen. Hermine ist nicht dumm und wird aus den winzig kleinen Details ein vollkommenes Bild zusammenbauen.

„Ich weiß es nicht", sage ich ehrlich. „Eines Tages, ja."

„Du hast sie gerne", bemerkt er.

„Natürlich", sage ich. „Denn als alle mich verraten haben, ist sie mir treu geblieben. Sie ist eine gute Freundin."

„Eine Freundin oder deine Freundin?", fragt Theodore vorsichtig.

Ich lächele und mein Blick landet auf seinen Lippen.

„Meine beste Freundin", sage ich.

Theodore sieht erleichtert aus und ich fahre langsam über seine Wange. Er gibt einen seltsamen Laut von sich und schließt die Augen.

„Wenn du das tust, kann ich deine Magie spüren", flüstert er. „Sie ist so dicht wie Teer. Und so anziehend..."

Ist das, was mich zu Draco zieht? Seine Magie? Ich versuche mich daran zu erinnern... habe ich je wirklich darüber nachgedacht? Wie seine Magie 'schmeckt'? Sie ist... süß, köstlich, beruhigend... Beschreibe ich nicht gerade die helle Magie? Interessant. Ich weiß ja, dass Draco die dunkle Magie nicht mag, aber er ist ein Malfoy. Sein Vater hat ihm natürlich etwas dunkle Magie beigebracht. Aber im Unterschied zu den anderen, versucht er keinen sicheren Ort zu finden, wo er die dunkle Magie üben könnte. Er spürt keinen Drang, es zu tun. Also benutzt er nur die Hellmagie. Zieht mich seine Magie, die Hellmagie ist, an? Merkwürdig.

„Was spürst du?", frage ich neugierig. Ich tue es wieder.

„Gefahr... und Macht", flüstert er und öffnet die Augen, als ich meine Hand wieder auf seine Taille lege.

Wie sollte ich bloß seine Magie spüren? Ich habe es nie versucht, wie macht man das? Ich hebe eine Hand wieder und ihm stockt der Atem. Und da... Ich kann etwas spüren, wenn ich diese Barrieren und Mauern, die ich normalerweise um mich hochgehoben halte, loswerde und mich zu dem Raum vor mir öffne. Und seine Magie... ist das, was ich spüre, tatsächlich seine Magie? Sie riecht nach der Nacht und sie schwirrt um ihn, wie eine dunkle Wolke. Ich lächele breit und Theodore wirft mir einen überraschten Blick zu.

„Hast du es nie ausprobiert?", fragt er argwöhnisch.

„Nein", sage ich, noch immer lächelnd. „Ich bin immer in mir selbst verschlossen, denn, na ja... Dumbledore ist immer da und außerdem möchte ich nicht, dass jemand weiß, was in mir vorgeht oder was ich denke."

„Hat... ER dir beigebracht, wie man in die Gedanken eines anderen eindringt?", fragt Theodore leise. Ich nicke nur. Es scheint, als hätte er seine Erklärung bekommen, wofür auch immer.

„Ich verstehe jetzt", sagt er.

„Setzen wir uns wieder? Ich bin ein wenig müde", sage ich, aber eigentlich möchte ich darüber nachdenken.

Hermine ist wieder da. Sie sitzt alleine auf dem Sofa, das allem Anschein nach als 'Granger Sofa' abgestempelt wurde, also niemand möchte sich darauf setzen, und isst einen Salat.

Als wir uns durch die Menge drängen, nehme ich Theodores Hand und ziehe ihn mit mir. Den anderen ist diese kleine Geste nicht entgangen, also natürlich vermuten alle, dass etwas im Gang ist. Nun ja... Da draußen, in der Gartenlaube.

Ich grinse breit, als wir uns setzen und schaue über den Tisch, der mit Essen beladen ist, hinweg. Draco ist weg. Vermutlich hat er es sich nicht mehr anschauen können, aber ich hoffe, dass er bald zurückkommt, denn die Show wird jede Minute anfangen. Er braucht ein Alibi.

Ich lege einen Arm um Theodores Schultern und Hermine scheint es nicht zu stören. Sie stellt ein paar Fragen an Theodore, der sie höflich beantwortet. Und als wir Lachssandwiches essen, denke ich über Draco nach und über das, was ich Lucius gesagt habe. Eine interessante Anziehungskraft scheint zwischen uns zu existieren. Zu Voldemort – beziehungsweise Tom – spüre ich auch eine gewisse Anziehungskraft, aber sie ist anders. Ich fühle mich zu seiner Macht und seiner dunklen Magie hingezogen, was nur verständlich ist, weil er ja der dunkle Lord ist und ich ein dunkler Magier bin. So fühlen sich auch Menschen zu Dumbledore hingezogen, deren magischer Kern hell ist. Aber das mit Draco – das ist wirklich seltsam. Sind mir die Folgen des Versprechens, das ich soeben Lucius gegeben habe, nicht klar? Er erwartet von mir, dass ich mit Draco eine Familie gründe und der Gedanke an sich ist erschreckend. Er erfüllt mich mit einem gewissen erstickenden Gefühl von Panik; ich möchte meine Freiheit nicht verlieren und ich möchte nicht mich selbst verlieren. Denn ich habe keine Ahnung, was man unter dem Begriff eines lebenslangen Partners versteht, aber es kann nichts Gutes sein. Ich wäre gezwungen, meine Geheimnisse mit Draco zu teilen und mich um ihn zu kümmern. Und mein größter Wunsch ist, von Voldemort zu lernen und mich magisch zu entwickeln. Wenn ich dabei jemanden finde, mit dem ich schlafen und ab und zu reden kann, schön. Aber ich bin für solche eine permanente Beziehung überhaupt nicht bereit. Andererseits hängt das vom Partner ab, wie er die Beziehung sieht und was er von seinem Partner erwartet. Und hier reden wir über Draco. Ich kann nicht wissen, was er von mir in der Zukunft erwarten wird.

Aber momentan passt es mir, mit ihm zusammen zu sein. Und vielleicht höre ich mich wie ein Kind an, aber ich werde darüber nachdenken, was ich tun soll, wenn es dazu kommt. Bis dann habe ich vor, mich zu entspannen und Dracos Gesellschaft zu genießen. Hoffentlich enthält es auch einen nackten Draco in meinem Bett.

Ich grinse teuflisch und wende mich Theodore zu, der mich aus der Nähe mustert. Mir gefällt der Kerl. Er stellt nicht viele Fragen, er macht kein Theater und er benimmt sich wie ein echter dunkler Magier. Und er ist hübsch. Ich lehne mich ohne darüber nachzudenken nach vorne und küsse ihn. Ich höre einen schockierten Ausruf, aber ich schere mich nicht darum. Hermine ist ganz still und isst weiter ihren Salat, als Theodore eine Hand auf meine Schulter legt. Es ist doch ziemlich klar, dass er es sich den ganzen Abend herbei gewünscht hat, denn ich kann seine Lust spüren, als meine Zunge seine findet. Ein leichtes Beben strömt durch ihn und er amtet tief ein, sich gegen mich pressend. Seine dunkle Magie mischt sich mit meiner und für ein paar Momente bin ich damit beschäftigt, seine Magie zu erforschen und ich konzentriere mich eher darauf, als auf den Kuss.

Er zieht sich als erster zurück, denn er hat Luftmangel und atmet schwer. Seine Augen glitzern aber und er lächelt. Das war ein interessantes Experiment... Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, ob ich die dunkle Magie anderer spüren kann, denn ich war viel zu beschäftigt, um auf so etwas zu achten. Aber ich kann nicht leugnen, dass es äußerst interessant ist. Ich werde den dunklen Lord danach fragen.

Draco ist wieder da, aber er steht bei dem Tisch mit dem Essen, mit Blaise Zabini redend, der in meine Richtung schaut und mich angrinst. Hermine schaut mich mit verengten Augen an, als wolle sie feststellen, was in meinem Kopf vorgeht. Die Flasche Feuerwhiskey wandert durch den Raum, aber ich möchte keinen Tropfen davon haben, denn ich weiß, dass Alkohol eine sonderliche Wirkung auf mich hat und ich muss einen klaren Kopf behalten. Warum ist noch nichts passiert? Ich habe ja Lucius gesagt, er solle in der Gartenlaube nachschauen, ob es dort etwas Interessantes gibt...

Knall. Eine laute, weibliche Stimme dringt in den Raum, als Daphne Greengrass die Tür öffnet und leise hinter sich schließt.

„Da draußen ist die Hölle los", flüstert sie, als alle verstummen. „Ms Parkinson ist sehr wütend... Pansy geht es nicht gut."

Ich lehne mich zurück, als wir die laute Stimme von Lucius hören, die Pansys Namen erwähnt. Die Tür geht mit einem Knall auf und wir alle blicken dorthin.

„Ich will wissen, was hier passiert ist!", verlangt eine stämmige Hexe, die sich wütend und herausfordernd umschaut.

„Was ist passiert, Ms Parkinson?", fragt Draco.

„Ich bin mir sicher, dass jemand meiner Tochter etwas angetan hat!", brüllt die aufgeregte Hexe. „So was würde sie sicherlich nie tun!"

„Was ist passiert?", fragt eine blasse Daphne Greengrass.

„Sie ist vollkommen verwirrt und kann sich nicht daran erinnern, was sie getan hat!", brüllt die Hexe weiter.

Lucius erscheint hinter ihr, einen ernsten Ausdruck tragend.

„Wer hat sie verzaubert?", verlangt Ms Parkinson zu wissen.

„Wir hatten keine Ahnung, wo sie war", meldet sich Draco zu Wort. „Wir waren alle hier."

„Also hat jemand sie verzaubert, während sie noch hier war!", zischt die Hexe. „Draco! Vielleicht hast du gedacht, dass es lustig wäre?"

„Aber wir wissen nicht einmal, was passiert ist!", sagt Daphne verzweifelt.

„Sie hat mit diesem Jungen... wie heißt er... in der Gartenlaube geknutscht!", platzt es aus der wütenden Hexe.

Und es sieht so aus, als sei es ihr peinlich, zu gestehen, dass ihre Tochter so was Abscheuliches getan hat.

„Die da!", platzt es aus der Hexe, die auf Hermine deutet. „Die hat es getan!"

„Warum hätte ich einem Mädchen etwas antun wollen, das ich überhaupt nicht kenne?", fragt Hermine überrascht. Meine Mundwinkel zucken. Vielleicht wäre sie doch eine gute dunkle Magierin. „Und außerdem hat keiner den Zauberstab dabei. Wir dürfen während der Ferien nicht zaubern."

„Im Malfoy Manor doch, du dummes Mädchen!", zischt die Hexe empört.

„Ms Parkinson, beleidigen Sie nicht meinen Gast", sage ich aufstehend.

Ihre kleinen Augen blitzen auf, aber ihr Blick gleitet zu meinem Unterarm und sie schluckt kräftig.

„Wir...", fängt Daphne leise an. „Wir haben ein wenig getrunken. Vielleicht hat Pansy viel mehr getrunken, als gut für sie war."

„Ihr habt WAS?", brüllt Lucius Malfoy zur Abwechslung.

„Wir wollten nur... na ja... uns entspannen", sagt das Mädchen verlegen.

Natürlich weiß sie, dass sie deswegen in Schwierigkeiten gerät, aber Pansy ist ihre Freundin und sie möchte nicht, dass ihr etwas passiert. Eine Familienschande ist wohl etwas viel Schlimmeres, als eine Flasche Whiskey.

„Ich habe nur eine Flasche mitgebracht, für uns alle", gesteht das Mädchen leise. „Ich habe gedacht, es wäre nicht zu viel, aber dass wir doch Spaß haben könnten."

„SPAß?", brüllt Ms Parkinson. „SPAß?"

„Kommen Sie", sagt Lucius auf einmal, die Frau am Arm packend. „Wir sollten darüber reden. Draco, Harry – Hausarrest bis zum Ende der Ferien. Und wir werden später darüber reden."

Sie sind weg. Als die Tür hinter ihnen zuknallt, können wir noch für eine Weile ihre Stimmen hören, die im Korridor hallen.

„Na so was", murmelt Daphne, auf einen Sessel plumpsend. „Ich hätte nie gedacht, dass Pansy so was tun würde. Welch ein Pech, dass sie dabei ertappt wurde."

„Moment mal", meldet sich Draco zu Wort. „Willst du damit sagen, dass es in Ordnung wäre, mich zu betrügen, wenn es keiner weiß?"

Daphne zuckt mit den Schultern und sagt nichts dazu, obwohl es ziemlich klar ist, was sie darüber denkt.

„Vielleicht wollte sie dich eifersüchtig machen", meint Blaise leise. „Aber wenn dem so ist, war das ein wirklich blöder Plan."

Da jetzt keiner mehr Lust hat, zu tanzen oder miteinander zu reden (oder Merlin behüte, weiter zu trinken), gehen alle langsam nach Hause. Hermine bleibt noch.

„So", sagt sie hochnäsig und mustert mich. Ich grinse breit.

„Danke", sage ich und sie umarmt mich.

„Gerne", erwidert sie zufrieden. „Nun, das hat Spaß gemacht."

Draco wirft ihr einen argwöhnischen Blick zu.

„Draco Malfoy, es war mir eine Ehre, an dem Julfest deiner Familie teilnehmen zu können", sagt sie, ihre Hand ausstreckend. Er blinzelt. „Pass auf Harry auf. Bedanke dich für mich bei deinen Eltern, insbesondere bei Ms Malfoy. Sie hat mir viel geholfen und sie ist eine sehr nette Frau."

Sie verschwindet. Draco blinzelt wieder.

„Wer ist sie?", fragt er leise. „Ist sie etwa Grangers Doppelgängerin?"

Ich lache laut und lege eine Hand auf seine Schulter.

„Vielleicht weiß Hermine nicht, welche Folgen dieses Abenteuer haben wird, aber eines muss ich ihr lassen", sage ich grinsend. „Sie ist cool."

„Könnten sie euch aber nicht etwas nachweisen?", fragt er leise.

„Nein", sage ich glücklich. „Das ist ja das gute an dem Zauber. Man hätte etwas nachweisen können, hätte man uns dabei ertappt oder unsere Stäbe untersucht, aber jetzt ist es wohl zu spät dafür."

„Du bist unmöglich", meint Draco. Er beißt sich auf die Lippen und neigt den Kopf zur Seite. „Danke."

„Oh, gerne", antworte ich, ihn anstrahlend.

„Woher hast du nur gewusst, dass Daphne Feuerwhiskey mitbringen würde?"

„Das, mein lieber Drache, war ein Stück ernste dunkle Magie", sage ich breit grinsend. „Mit dem ich sie schon das letzte Mal belegt habe, als sie hier war."

Draco öffnet den Mund, um etwas zu sagen, aber er schließt ihn wieder.

„Nun", sagt er schließlich. „Du hast wirklich an alles gedacht."

„Jetzt lassen wir die Sache für eine Weile ruhen. Dann können wir allen die Wahrheit sagen", sage ich zufrieden.

„Niemand wird uns das abkaufen", sagt er kopfschüttelnd. „Dass Vater uns verlobt hat, ja. Aber dass wir wirklich zusammen sind, nein."

„Aber wenigstens werden sie verstehen, warum wir zusammen verschwinden", sage ich ruhig. „Denn wir müssen eine Menge besprechen, oder? Zudem gibt es auch den dunklen Lord und über ihn müssen wir ja alleine sprechen."

„Das stimmt", murmelt Draco.

„Gehen wir schlafen, morgen muss ich ihn besuchen", sage ich, Draco mit mir ziehend. „Es gibt noch so viel zu tun, ehe wir zurück nach Hogwarts gehen."