Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 29 - Mein dunkles Schicksal

Als ich mit Hermine in einem Zugabteil im Hogwarts Express sitze, denke ich darüber nach, wie viel sich, seit ich zum letzten Mal hier gesessen habe, verändert hat. Das letzte Mal hatte ich Toms Tagebuch in meiner Tasche, heute aber gibt es kein Tagebuch mehr. Es gibt nur einen lebendigen Voldemort, der in meinem Haus hockt und Pläne schmiedet. Das Böse hat endlich einen Körper bekommen und ich bin dafür verantwortlich. Habe ich einen Fehler begangen, indem ich ihm geholfen habe? Ich bin mir sicher, dass ich das Richtige getan habe. Denn jetzt lerne ich die dunkle Magie und Magie im Allgemeinen so, wie ich sie nie in meinem Leben gelernt habe. Voldemort ist so voller Wissen, dass man es mit dem von Tom nicht vergleichen kann. Habe ich gerade ein kleines Taschenmesser durch ein Schwert ersetzt? Ist das wirklich das, was mich antreibt? Die Gier nach Macht und nach Wissen? Bin ich aus diesem Grund bereit, alles zu tun, um an mehr Macht und Wissen zu gelangen? Eben über Leichen zu gehen?

Voldemort ist durch die Welt gereist und hat Wissen gesammelt. Er hat ein paar Jahre bei einem Kampfkunstlehrer in Japan verbracht; er hat in Ägypten in den Pyramiden rumgeschnüffelt; und er hat in alten Tempeln in Griechenland etwas Zeit verbracht, das Wissen der alten Zauberer und Hexen sammelnd und die alten Monografien studierend. Er vertiefte auch sein Wissen über die Muggel mit einem Studium. Mit ihm kann man stundenlang reden und einem wird nie langweilig werden.

Jetzt aber gibt es keinen Tom mehr. Diese Tatsache weckt ein seltsames Gefühl in mir, an das ich mich gewöhnen muss. Ich weiß ja, dass er in Voldemort weiterlebt, aber trotzdem, auf eine seltsame Weise, vermisse ich ihn.

Ich schaue Hermine an, die in ein Buch vertieft ist. Im Laufe der letzten Monate habe ich sie besser kennen gelernt und diese neue Version von Hermine gefällt mir. Langsam bricht sie aus ihrem Gefängnis voller Vorurteile und Blindheit aus und beginnt in der Tat ihren Kopf zu benutzen. Sie beginnt über den Tellerrand zu schauen und ich freue mich darauf. In ihr habe ich eine echte Freundin gefunden, aber ich frage mich, wie weit sich diese Freundschaft erstreckt; wie weit sie bereit zu gehen wäre, um meine Freundin zu bleiben. Ich wünsche mir, sie könnte trotz allem meine Freundin bleiben, aber wenn man mir die Wahl lässt, zwischen ihr und Voldemort, weiß ich natürlich, wen ich wählen würde. Ich hoffe nur, ich finde doch einen Weg, um sie beide zu behalten.

Ich muss eine Strategie ausarbeiten, wie ich Voldemort besuchen kann. Eines hat er mir doch gesagt. Es soll eine geheime Kammer im dritten Stock geben, die der Raum der Wünsche genannt wird und wo man die dunkle Magie üben kann, ohne dass die Magie des Schlosses es bemerkt. Dieses Geheimnis wird sich zweifelsohne als nützlich erweisen. Zudem ist Voldemort der Meinung, dass es geheime Gänge in Hogwarts gibt, mit deren Hilfe man die Schule verlassen kann. Und er behauptet, einen davon gebe es im dritten Stock, aber das würde ich selbst herausfinden müssen. Nur wie?

Ich habe einen traurigen Sirius Black in Malfoy Manor zurücklassen, der mich darum gebeten hat, ihm zu schreiben. Er fühlt sich wahrscheinlich einsam, da er Lucius aus dem Weg gehen muss, aber er wird schon etwas finden, womit er sich beschäftigen kann.

Jetzt, da das Ritual ausgeführt und Voldemort auferstanden ist, kann ich mich wichtigen Dingen zuwenden. Nämlich, wie ich das Klappergestell um die Ecke bringen kann. Und nein, ich habe meine Meinung nicht geändert. Ich denke jeden Tag daran und die Aufregung wächst mit jedem neuen Gedanken, mit jedem neuen Detail meines Plans. Einmal habe ich Dumbledore mit etwas verglichen, das man ins Klo werfen muss und es scheint wahr zu sein. Es fühlt sich an, als warte auch meine Magie darauf, dass ich ihn loswerde, sodass sie weiter wachsen kann.

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Als wir mit dem Abendessen fertig sind, erscheint Professor McGonagall und räuspert sich. Hermine wirft mir einen 'was hast du schon wieder angestellt' Blick zu und ich schüttele den Kopf.

„Ich würde gerne mit Ihnen sprechen, Mr Potter", sagt sie knapp. „Ich warte in meinem Büro auf Sie."

Auch wenn dies eine gute Chance für Ron und Seamus wäre, einen bissigen Kommentar abzugeben, schweigen sie. Interessant.

„Ich hab nichts angestellt, ich schwöre es", sage ich, als Hermine mich zu McGonagalls Büro begleitet. Sie schaut mich argwöhnisch an und runzelt die Stirn.

„Nun, ich warte hier auf dich", sagt sie. „Geh rein."

„Setzen Sie sich", sagt McGonagall als ich reinkomme. „Ich habe einen Brief von Lucius und Narzissa Malfoy erhalten." WAS? „Ihr Vormund verlangt einen Hauswechsel." McGonagalls Unterlippe zittert, als sie ein Pergament in die Hand nimmt.

„Ihre Gründe sind die folgenden: weil Sie selbst den Wunsch ausgedrückt haben, irgendwo anders zu schlafen, wegen der Probleme, die Sie früher hatten, und zweitens, dass jeder Malfoy ein Slytherin war. Auch wenn Sie nicht mit ihr direkt verwandt sind, möchte Sie, dass Sie den Hut erneut aufsetzen und dass Sie eine zweite Chance bekommen. Ms Malfoy ist der Meinung, dass die bloße Tatsache, dass Sie in ihrer Obhut sind, Ihnen ernste Schwierigkeiten bereitet und dass Gryffindor kein sicherer Ort für Sie ist. Und sie, als ihr Vormund, ist natürlich um ihr Wohlergehen besorgt."

Sie schaut mich über den Rand ihrer Brille an und ich zucke mit den Schultern, mir ein Grinsen verkneifend. Warum hat mir Narzissa nichts davon gesagt?

„Mr Potter", sagt sie leise. Ihre Stimme zittert. „Mr Weasley hat seiner Mutter von etwas sehr Beunruhigendem berichtet und Ms Weasley hat mir geschrieben." Ach nein, echt? „Er sagt, Sie haben ihn angegriffen und ihm gedroht. Er sagt auch, dass er Angst vor Ihnen hat und nicht weiter in einem Raum mit Ihnen schlafen möchte."

Ich schnaube und verdrehe die Augen.

„Mr Potter, ich verlange eine Antwort", brüllt McGonagall.

„Ja, schon gut", murmele ich, mir die Schläfen reibend. „Ich bin spät in den Gemeinschaftsraum zurückgekehrt." Ich sollte Snape überhaupt nicht erwähnen. „Und Ron hat im Gemeinschaftsraum auf mich gewartet."

„Und wo um Merlins Willen waren Sie?", verlangt eine aufgebrachte McGonagall zu wissen.

„Ich hatte ein... Date", murmele ich und senke den Blick.

„Ein was?", zischt sie.

„Ein Date, verstehen Sie, ein Date! Rumknutschen und so!", platzt es aus mir.

McGonagall sieht zugleich verlegen und wütend aus. Schließlich räuspert sie sich.

„Jugendliche...", murmelt sie und nimmt die Brille ab, um sie zu putzen. „Fahren Sie fort."

„Nun, Ronald und Seamus haben auf mich gewartet. Ronald hat mir den Stab ins Gesicht gestreckt und er wollte wissen, wo ich war. Natürlich habe ich es ihm nicht gesagt. Warum auch? Dann hat Seamus mich angegriffen und ich habe mich verteidigt. Ronald hat sich zu ihm gesellt und ich habe mich hinter einem Sessel versteckt. Nach einem kurzen Kampf habe ich Seamus eingefroren und Ron gegen die Wand gepresst. Auch dann hat er darauf bestanden, dass ich ein Schwarzmagier sei. Und... ich war so wütend... Und das stimmt, ich habe ihm gedroht weil ich es einfach nicht mehr aushalten konnte. Jeden Tag muss ich ins Bett gehen, mich fragend, ob er mir etwas im Schlaf antut oder was auch immer mich erwartet, wenn ich meine Augen aufmache."

„Und Sie haben ihm nichts angetan?", fragt McGonagall kalt, die ihre Sorge und ihre Überraschung unter einer nicht mal so guten Maske von Strenge zu verbergen versucht.

„Nun... ich war wütend", sage ich. In diesem Punkt ergibt es keinen Sinn, sie anzulügen, denn Seamus hat alles gesehen. Habe ich das Wiesel verletzt? Vielleicht habe ich Spuren auf seinem Hals hinterlassen... Gut gemacht, Potter. „Ich weiß es nicht."

„Mr Potter, haben Sie oft diese Wutanfälle?", fragt McGonagall.

„Wenn man mich ständig angreift und jede Chance ausnutzt, um mir Schaden zuzufügen, dann ja!", belle ich auf einmal. Dieser verfluchte Ron! Ich sollte ihm das nächste Mal den Hals umdrehen, sodass er mein Leben nicht länger ruinieren kann.

McGonagall schreibt etwas auf und räuspert sich.

„Ich werde Professor Dumbledore sagen, dass Sie Wutprobleme haben und dass Sie Hilfe benötigen", sagt sie. Ich schnaube. „Es hätte genügt, einen Lehrer zu rufen."

„Dafür war keine Zeit! Sie haben mich angegriffen! Hören Sie überhaupt zu?", belle ich. Ach, ja jetzt kann sie einen von diesen Wutanfälle in seinem besten Licht sehen.

„Benutzen Sie nicht diesen Ton in meinem Büro, sonst werde ich Ihnen eine Strafarbeit geben", zischt McGonagall zornig. „Sie sind ja spät im Schloss rumgelaufen und dieses Mal, unter den Umständen, werde ich es vergessen, aber es sollte sich nicht wiederholen."

Ich verschränke die Hände vor der Brust und schüttele den Kopf.

„Professor Dumbledore wird entscheiden, wie es weiter geht. Was Ronald Weasley und Seamus Finnigan angeht, sie bekommen einen Verweis und ihnen wird verboten, mit Ihnen zu reden, geschweige denn, nahe zu kommen. Ich habe eure Auseinandersetzungen wirklich satt."

„Ich auch", murmele ich in meinen Bart.

„Aber ich denke, dass unter diesen Umständen ein Hauswechsel in Ordnung wäre", sagt sie und steht auf.

Ich schaue auf, als sie einen Schrank öffnet und den sprechenden Hut hervorzieht. Ach so.

„Bitte", sagt sie knapp, mir den Hut übergebend. Ich seufze und setze den Hut auf den Kopf. Schlimmer kann es wohl nicht werden...

„Ohoho wen haben wir da? Den Jungen, der zu der dunklen Seite überlaufen ist", murmelt eine aufgeregte Stimme in mein Ohr.

Ich verdrehe die Augen gerade in dem Moment, in dem McGonagall sich hinter ihren Schreibtisch gesetzt hat. Sie zieht die Augenbrauen in die Höhe.

„Mach schnell", knurre ich.

„Nun, da du dich der Magie zugewendet hast, die dir liegt, bist du endlich im Einklang mit deiner Magie. Der Schulstoff kommt dir leicht vor... Hm, hm. Du langweilst dich im Unterricht..."

„Schnell", wiederhole ich.

„Komm schon, Spaßverderber", lacht die Stimme. „Meine einzige Aufgabe ist es, die Schüler in die richtigen Häuser zu schicken. Und mittlerweile langweile ich mich zu Tode im Büro des Schulleiters."

„In Ordnung", murmele ich schlechtgelaunt. „Fahr fort."

„Wo bin ich stehengeblieben? Ach ja, Ravenclaw wäre eine gute Wahl für dich. Aber da du dich schon für die dunkle Magie entschieden hast, brauchst du Ravenclaw nicht. Das stimmt... Die Hellmagie stellt keine Herausforderung für dich dar... Nun... du hast schon einen Lehrer in den dunklen Künsten... Wohin soll ich dich schicken?"

„Nur nicht nach Gryffindor, sonst ermordet man mich im Schlaf", sage ich laut. McGonagall zuckt zusammen und schaut mich verwundert an. Natürlich kann sie nur meine Stimme hören und nicht die des sprechenden Hutes. Oder zumindest hoffe ich, dass das der Fall ist.

„Schön, Lehrling des dunklen Lords", sagt der Hut. „Du trittst in seine Fußstapfen und du wirst großartige Sachen bewirken. Wie er... schreckliche... aber großartige... Passe auf dich auf, Erbe der Dunkelheit..."

„Slytherin!", ruft der Hut laut.

McGonagall sieht aus, als hätte sie es erwartet.

„Also gut", sagt sie und nimmt den Hut aus meinen Händen. Was hat er soeben gesagt? Ich habe diese rätselhaften Aussagen echt satt... Ich habe keine Zeit und keine Lust, sie zu entwirren. Wenn jeder mir genau sagen würde, was er sagen will, wäre mein Leben viel einfacher.

„Eines muss ich Sie noch fragen, Mr Potter", sagt sie. „Sind Sie sich sicher, dass Sie bei Mr Malfoy besser dran sind?"

„Natürlich", sagt ich. „Draco ist mein Freund. Und auch wenn mir seine Bande manchmal auf die Nerven geht, gehorcht sie ihm und wird mir nichts antun."

„Hoffe ich auch", murmelt McGonagall müde. „Also gut. Ich sage den Elfen, sie sollen ihre Sachen in Mr Malfoys Zimmer stellen. Bis Sie dort ankommen, sollte schon alles bereit stehen."

„Danke, Professor", sage ich und erhebe mich. „Ich bin hundemüde. Darf ich gehen?"

„Ich werde Sie benachrichtigen, wenn Professor Dumbledore eine Entscheidung in Bezug auf ihr... Problem... trifft. Gute Nacht, Mr Potter."

Hermine steht aufgeregt auf und ihre Augen blitzen auf, als ich ihr von den Geschehnissen erzähle. Sie senkt den Blick und nickt. Für ein paar Momente ist mir nicht klar, warum sie so bedrückt aussieht, weil ich ja mein Problem mit Ronald verdammten Weasley so leicht gelöst habe, bis mir einfällt, dass sie jetzt alleine im Gryffindorturm sein wird.

„Keine Sorge", sage ich und lege einen Arm um ihre Schulter. Das ist das beste Julgeschenk, das ich bekommen könnte (aber dieses Buch, das ich bekommen habe, war auch ziemlich interessant). Snape ist Voldemorts Diener – oder zumindest scheint es so – und Draco und die anderen werden mich in Ruhe lassen, wenn nicht meine Arbeit vereinfachen."

„Wir treffen uns in der Bibliothek und werden zusammen Hausaufgaben machen und nach Hogsmeade gehen", sage ich.

„Ich freue mich, dass du ihn endlich los bist", murmelt Hermine. „Und... Slytherin passt zu dir."

Ich schaue sie verwundert an und sie zuckt mit den Schultern, als denke sie, dass sie es nicht erklären muss.

„Aber ich denke, dass ich die einzige echte Gryffindor da bin", fährt sie verbittert fort. „Sie sind so voller Vorurteile, dass sie viele Tugenden von Godric Gryffindor vergessen haben. Die anderen zu akzeptieren, so wie sie sind und sie nicht aufgrund ihrer Magie oder Zugehörigkeit zu einem anderen Haus zu verurteilen. Jemandem ins Gesicht sagen, was man sagen will, anstatt hinter dessen Rücken zu tuscheln und zu tratschen. Ich denke, dass Godric Gryffindor sich seines Hauses schämen würde, würde er es heute sehen können."

„Wir werden nicht ewig in der Schule sein", sage ich gutgelaunt. „Und du wirst dich kaum daran erinnern können."

Hermine lächelt mich an und nickt. Sie wird, allem Anschein nach, im Ministerium arbeiten. Und wehe demjenigen, der es wagt, sie aufgrund ihrer Herkunft zu verurteilen. Hermine hat endlich gelernt, dass sie Beleidigungen und Vorurteile nicht schweigend erdulden muss. Wahrscheinlich ist das meine Schuld.

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Nachdem ich Hermine eine gute Nacht gewünscht und ihr gesagt habe, sie solle mir sagen, wenn Ronald oder irgendjemand sonst sie belästigt, mache ich mich auf den Weg in die Kerker. Und gerade als ich mich frage, woher zum Teufel ich das Passwort zum Gemeinschaftsraum wissen sollte, taucht Snape auf und funkelt mich an. Die übergroße Fledermaus war mir nie lieb gewesen, jetzt aber bin ich froh, dass er mein Hauslehrer ist.

„Professor McGonagall hat mir von den Geschehnissen berichtet", sagt er leise. Ich zucke mit den Schultern. „Kommen Sie in mein Büro, um ihren Stundenplan abzuholen, Mr Potter."

Hoffentlich möchte er mir nur den Stundenplan übergeben, nichts sonst. Gähnend folge ich Snape in sein Büro und denke mit Freude an mein Bett und an Draco. Habe ich gerade 'Draco' und 'Bett' in einem Satz benutzt? Schmutzige Phantasie, Potter...

Die dunklen Augen mustern mich, als ich das Stück Papier durchlese.

„In Slytherin achten wir auf Ordentlichkeit und falls die Schüler ein Problem haben, kommen sie zu mir", sagt Snape gerade. „Aber ich denke, dass Sie sich schnell den Regeln in Slytherin anpassen werden, Mr Potter."

Ich grinse breit und stopfe den Stundenplan in meine Tasche.

„Zudem wollte ich Ihnen noch etwas geben", fährt er fort. „Der dunkle Lord... möchte, dass Sie ihn regelmäßig besuchen. Aus diesem Grund gebe ich Ihnen das Folgende – eine Karte von Hogwarts, welche die geheimen Gänge zeigt und die dem Leser auch zeigen kann, wo jeder Bewohner des Schlosses sich momentan befindet."

Ich ziehe die Augenbraue in die Höhe, als Snape mir ein Stück Papier überreicht. Es ist leer. Ist das etwa ein Witz oder was?

„Klopfen Sie mit ihrem Stab auf die Karte, Potter", sagt Snape, der die Nase rümpft. „Und sagen sie: 'Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin.'"

Ich pruste los. Snape funkelt mich zornig an, als ich lache. Ich kann aber seinen angewiderten Ausdruck nicht aus meinem Kopf vertreiben, den er im Gesicht hatte, als er diesen Satz gesagt hat. Zum Totlachen. Wer hat diese Karte gemacht? Snape sicherlich nicht.

„Ich scherze nicht", sagt er knapp. „Tun Sie nur, was ich Ihnen gesagt habe."

Noch immer glucksend, wiederhole ich den Satz und klopfe mit meinem Phönixstab auf das Papier. In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass es für mich schwieriger und schwieriger ist, mit dem Phönixstab zu zaubern, also versuche ich die Zauber stablos zu machen, sodass es nur so scheint, als würde ich den Stab benutzen. Denn man würde sich sicherlich fragen, warum der große Harry Potter auf einmal nicht mehr zaubern kann.

Da erscheint tatsächlich eine Karte vor mir und ich blinzele. Snape schweigt, als ich die Karte untersuche und einen kleinen roten Punkt, der als 'Harry Potter' beschriftet ist, in einem Raum zusammen mit dem Punkt 'Severus Snape' finde. Das ist...

„TOLL!", rufe ich begeistert. „Hier gibt es einen geheimen Gang... Der dunkle Lord hat mir davon erzählt... Jetzt weiß ich, wo er ist..."

Ich schaue schnell auf und begegne dem Blick der ernsten dunklen Augen.

„Woher haben Sie das? Das ist kein schwarzmagischer Gegenstand", sage ich argwöhnisch. Denn natürlich hätte ich es gewusst. Ich kann die dunkle Magie an manchen Gegenständen riechen, als strömen sie einen gewissen Geruch oder so was aus. Manchmal spüre ich einen Ruf oder meine eigene Magie reagiert auf ihre bloße Gegenwart.

„Das muss mein Geheimnis bleiben", sagt Snape durch die Zähne. „Hauptsache ist, hier haben sie ein Mittel, womit Sie ihre Arbeit in der Schule erledigen können. Wenn Sie fertig sind, klopfen Sie mit dem Stab auf die Karte und sagen Sie: 'Unheil angerichtet'."

„Vielen Dank, Professor", sage ich breit grinsend und die Karte zusammenfaltend. „Ich bin sehr froh, ein Mitglied Ihres Hauses sein zu können und ich hoffe, dass wir weiter so gut zusammen arbeiten werden."

Ich strecke meine Hand aus und Snape nimmt sie, wenn auch zögerlich, und schüttelt sie.

„Gute Nacht, Potter", sagt er leise, als ich die Tür öffne. „Das Passwort zum Gemeinschaftsraum ist 'Sieg'."

Dieser Tag war mehr als nur fruchtbar und ich betrete mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Gemeinschaftsraum. Draco sitzt in einer Ecke zusammen mit Blaise Zabini und er schaut, Zabini einen Schubs in die Rippen gebend, auf. Alle verstummen, als ich reinkomme und in die Runde blicke. Manche sind schon im Bett, aber manche sind noch immer wach. Manche, die wahrscheinlich mitbekommen haben, dass meine Sachen in Dracos Zimmer sind.

„Was ist passiert?", fragt Draco, der auf die Füße springt.

„Oh, eine lange Geschichte", sage ich schleppend. „Es genügt zu sagen, dass sich Ronald Weasley nicht sicher im selben Raum mit mir fühlt."

Pansy Parkinson blinzelt und manche wechseln Blicke.

„Du solltest uns besser keine Punkte kosten", zischt sie schließlich. „Sonst..."

„Halt die Klappe, Pansy", zischt Draco gefährlich, dessen Augen aufblitzen. Da sie nicht länger verlobt sind, muss Draco nicht länger auf sein Benehmen aufpassen. Was sich sicherlich gut anfühlt.

Pansy schluckt, wimmert und verschwindet. Die Arme hat es nicht leicht. Ich frage mich, was ihre Eltern wohl zu diesem kleinen Vorfall mit Malcolm gesagt haben. Ich werde es bald erfahren.

„Potter", sagt Draco, auf mich zukommend. Die anderen Slytherins schweigen, schauen aber aufmerksam zu. „Ich weiß nicht, was du Weasley angetan hast, aber gut gemacht."

Einige schmunzeln.

„Aber du sollst wissen, dass wir hier solche Sachen auf andere Weisen lösen", fährt er fort. Die silbernen Augen, die kalt wirken, verraten mir doch etwas. Er ist außer sich vor Freude.

„Oh keine Sorge, Draco", sage ich hämisch lächelnd. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass keiner hier so dumm wie Weasley ist."

Draco schmunzelt und legt mir eine Hand auf die Schulter.

„Willkommen", sagt er. „In Slytherin."

„Ich habe gedacht, dass ein Hauswechsel unmöglich ist", sagt Zabini, der mir die Hand schüttelt.

„Ja, aber ich bin Harry Potter", sage ich grinsend. „ Für mich ist alles möglich."

Draco verdreht die Augen.

„Bist du dir sicher, dass du kein echter Malfoy bist?", fragt Theodore lächelnd. „Denn du klingst wie einer."

Draco wirft ihm einen vernichtenden Blick zu, aber er hat andere Sachen im Kopf.

„Hast du gesagt, zu welchem Haus du gehören möchtest, oder...?", fragt er.

„Nein, McGonagall hat mir den sprechenden Hut gegeben und er hat mich nach Slytherin gesteckt", sage ich. Draco nickt langsam, offensichtlich darüber nachdenkend. „Aber Narzissa hat anscheinend einen Brief an McGonagall geschrieben, in dem sie einen Hauswechsel verlangt hat. Weißt du etwas darüber?"

Draco schüttelt den Kopf.

„Es wundert mich aber auch nicht", murmelt er. „Dass sie es getan hat, meine ich. Wahrscheinlich hat sie viel darüber nachgedacht und in letzter Minute den Brief geschrieben. Aber es hat geklappt."

„Was HAST du eigentlich dem Wiesel getan?", fragt Theodore, der vor Neugier platzt. Er kann auch seine Freude nicht verbergen, dass ich hier bin.

Ich erzähle ihnen von jener Nacht, als Weasley mich angegriffen hat und keiner scheint mein spätes Ankommen im Gemeinschaftsraum in Frage zu stellen. Denn sie denken natürlich, dass es etwas mit dem dunklen Lord zu tun hat. Und dieses Mal stimmte das ja.

„Und jetzt denkt McGonagall, dass ich Probleme mit Wutanfällen habe und dass ich Hilfe brauche", stöhne ich und vergrabe das Gesicht in den Händen. „Dass ich mit jemandem über meine Wutanfälle reden muss."

„Was?", fragt Blaise Zabini überrascht. „Dafür gibt es Heiler! Und man muss nicht darüber reden, man bekommt Tränke. Das aber, klingt wie eine... na ja, Muggelsache."

„Anscheinend nicht", murmele ich bedrückt.

Ich habe schon irgendwo davon gelesen. Man muss sich auf eine Couch setzen und dem Arzt etwas über sein Leben erzählen und der Arzt fragt allerlei komische und private Sachen. Das gefällt mir ganz und gar nicht. Hätte mich McGonagall nicht einfach zu Pomfrey schicken können, sodass sie mir einen Trank gibt? So könnte ich sagen, ich habe ihn geschluckt und das Problem wäre gelöst. Aber nein. Hoffentlich werde ich nicht mit McGonagall über mein Leben und meine Probleme reden müssen. Denn das wäre eine gute Möglichkeit, einen echten Wutanfall zu bekommen.

„Hast du mit du weißt schon wem darüber geredet?", fragt Draco leise. Denn er ist ganz der Meinung, dass ich tatsächlich ein Problem habe.

„Jaaah", stöhne ich. „Ich muss wieder diese Übungen machen. Und das werde ich, natürlich. Aber ist nicht die Tatsache, dass ich mich rechtzeitig zurückgezogenen habe, der Beweis, dass ich meine Wut doch ziemlich gut kontrolliere? Denn so wütend wie ich war, war ich bereit, Weasley den Kopf abzureißen."

Draco wechselt einen besorgten Blick mit Zabini, sagt jedoch nichts dazu.

„Komm", sagt er aufstehend. „Wir sollten schlafen gehen. Wir können morgen darüber reden."

Theodore sieht ein wenig enttäuscht aus, dass ich ihm keinen Gutenachtkuss gegeben habe, aber er sieht trotzdem sehr zufrieden aus.

Slytherin hat Doppelzimmer. Warum überrascht mich diese Tatsache nicht? Hier scheint alles besser zu sein, obwohl wir uns in den Kerkern befinden. Klar, hier gibt es keine Fenster, aber der Gemeinschaftsraum ist viel größer und außerdem muss ich nicht das Bad mit mehreren Menschen teilen, sondern nur mit Draco. Was eigentlich kein Problem ist...

„Wie hast du es geschafft?", fragt er, als wir die Zimmertür hinter uns schließen.

„Wie hab ich was geschafft?", frage ich, seinen Hintern lüstern anschauend. Diese Hosen stehen ihm gut...

„Das Haus zu wechseln", sagt Draco, der sich an den Rand seines Bettes setzt.

Es stehen auch zwei Schreibtische im Raum. Warum bin ich nicht überrascht? Die Elfen haben meinen Koffer bei dem leeren Schrank abgestellt und ich muss noch meine Sachen auspacken, ehe wir schlafen gehen. Wer hat früher bei Draco geschlafen? Blaise Zabini. Aber es scheint ihn nicht zu stören, dass ich seinen Platz eingenommen habe, weil er jetzt ein Einzelzimmer hat.

„Dumbledore hatte zweifelsohne seine Finger darin", sage ich finster. „Jetzt da ihm klar ist, dass ich nicht zu retten bin, möchte er mich auf diese Weise von den armen und unschuldigen Gryffindors fern halten, aber mir zur gleichen Zeit die Chance geben, mehr dunkle Magie zu lernen. Mit dem Strom zu schwimmen und mit der Zeit auch dem dunklen Lord zu begegnen. Aber warum er eigentlich denkt, ich würde ihn töten wollen, ist mir vollkommen schleierhaft."

„Vielleicht hofft er, dass er dich tötet", sagt Draco leise.

Ich lache freudlos und schüttele den Kopf. Die grauen Augen mustern mich aus der Nähe.

„Da liegt er falsch", sage ich grinsend. „Vielleicht denkt er, dass der dunkle Lord ein blutrünstiges Monster ist, das nur töten kann. Aber er ist ein weiser Mann, der dunkle Lord. Zudem tut er nichts ehe er alles bedacht und jeden Teil durchgeplant hat. Vielleicht hat er einmal spontan gehandelt, als er meinen Eltern und mir nachgejagt ist. Vielleicht hat er erlaubt, dass seine Paranoia die Kontrolle übernimmt. Aber er hatte eine lange Zeit, um über sein Leben und seine Handlungen nachzudenken. Er möchte seinen Feind studieren und besser kennen lernen, sodass er dessen Schwächen kennenlernt; Dumbledore wiederum nicht. Er hat sich eigentlich nie bemüht, mehr über ihn zu lernen, sodass er ihn vernichten kann. Er handelt aufgrund eines Bildes des dunklen Lords, das er sich selbst gezeichnet hat und das nicht der Wahrheit entspricht. Vielleicht aus demselben Grund, warum er sich nie in der dunklen Magie versucht hat. Man muss erst verstehen, was man vernichten möchte."

„Aber was auch immer mich hergebracht hat, ich bin froh, dass ich jetzt hier bin", sage ich breit grinsend. „Ihr alle werdet meine Arbeit erleichtern und hier werde ich mich wie zu Hause fühlen."

„Du hättest gleich nach Slytherin kommen sollen", meint Draco. Unsere Lippen sind nur ein paar Zentimeter entfernt.

Ich erinnere mich an das, was der Hut zuletzt gesagt hat und runzele die Stirn. Was wollte er nur damit sagen? Wenn ich nur eine Chance hätte, nochmal mit ihm zu reden.

„Was ist?", fragt Draco, der eine Hand auf meinen Schenkel legt. Das fühlt sich gut an...

„Der Hut hat ein paar interessante Sachen gesagt", sage ich langsam, darüber nachdenkend, was davon ich Draco sagen sollte und was nicht. „Er weiß, wer ich bin. Ich hoffe nur, dass er niemandem davon erzählt. Und keinesfalls Dumbledore."

„Er darf mit niemandem darüber sprechen, außer mit der Person, um die es geht", sagt Draco. „Aber vielleicht..."

Ich springe auf die Füße. Ich weiß, dass ich paranoid bin und ich weiß, dass ich Dumbledores Finger überall sehe, aber...

„Vielleicht ist das der Grund, warum er den Hauswechsel gebilligt hat", sage ich leise, auf und ab schreitend. „Vielleicht wollte er hören, was der Hut in meinem Kopf finden kann, wenn es ihm schon nicht gelungen ist."

„Das wäre im Widerspruch zu jedem hellmagischen Gesetz", murmelt Draco, mir mit seinem Blick folgend.

„Als ob er sich um die Gesetze und Prinzipien schert", zische ich wütend. „Er möchte nur, dass die Prophezeiung wahr wird und dass der dunkle Lord und ich uns gegenseitig ermorden, sodass er der Welt sagen kann, dass er es getan hat und sodass man ihn vergöttert und verehrt."

„Ich denke, dass du übertreibst", behauptet Draco.

„Gehen wir duschen", sagt er, mich von oben bis unten musternd. „Wir müssen uns entspannen."

Hoffentlich halten die Stillezauber und man hört nicht das Stöhnen aus dem Bad...

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Neuigkeiten breiten sich in Hogwarts wie ein Lauffeuer aus, zu diesem Schluss bin ich schon oft gekommen. Schon am nächsten Tag weiß die gesamte Schule, dass Harry Potter jetzt ein Slytherin ist. Ron und seine Bande wiederum, scheinen nichts dazu sagen zu wollen, denn ihre Vermutungen sind allem Anschein nach bestätigt, aber da Professor McGonagall mit dem Hauswechsel einverstanden ist und da keiner Professor Snape wütend machen will, schweigen alle, als ich zusammen mit Draco das Verwandlungsklassenzimmer betrete und mich bei ihm niederlasse.

Wir haben darüber gesprochen. Draco gefällt es nicht, dass ich im Unterricht bei Hermine sitzen möchte, weil das Slytherin in Verruf bringen kann, aber er hat keine Wahl. Verwandlung haben wir mit den Ravenclaws und obwohl sie erschrocken zuschauen, als ich meine Sachen aus der Tasche hervorziehe, sagen sie nichts dazu. Das Slytherinwappen auf meinem Schulumhang sagt ihnen alles, was sie wissen möchten. Professor McGonagall ist so direkt und so unkompliziert wie immer. Sie erwähnt beiläufig meinen Hauswechsel und beginnt ohne weiteres mit der Vorlesung.

„Mr Potter, warten Sie", sagt sie, als es klingelt.

Ich wende mich um. Sie packt ihre Sachen und setzt ihren Hut auf den Kopf.

„Der Schulleiter hat vorgeschlagen, dass Sie mit Professor Snape über ihr... Problem sprechen", sagt sie, mich mit verengten Augen musternd. „Da er jetzt Ihr Hauslehrer ist, billige ich diese Entscheidung nicht. Mir wäre es lieber, wenn sie mit Professor Dumbledore darüber reden könnten, aber er scheint der Meinung zu sein, dass jemand... jüngeres... besser für diese Aufgabe geeignet wäre. Was auch immer er damit gemeint hat."

Jetzt ist mir vollkommen klar, dass Dumbledore sich die Hände waschen will. Zudem übergibt er mich in die Hände eines Schwarzmagiers. Hätte ich mir denken sollen. Na ja. Jetzt gibt es nichts mehr, um was ich mir Sorgen machen sollte. Denn Snape würde kaum über mein Leben reden wollen, oder? Diese Treffen würden reine Formalität sein, oder? Zumindest hoffe ich das. Bei Snape weiß man ja nie. Er hat mir diese Karte gegeben und so was habe ich nicht von ihm erwartet.

Die Karte, klar, habe ich vergessen. Ich werde schon während der nächsten Pause diesen Geheimgang suchen.

Ich warte auf Hermine in der Bibliothek, aber sie ist noch immer nicht da. Zwanzig Minuten später erscheint sie. Sie sieht aufgebracht aus und ihr Haar ist noch wilder, als normal. Sie reibt sich die Nase und schnieft, als sie sich mir gegenüber niederlässt.

„Ist was?", frage ich argwöhnisch.

„Schön dich zu sehen, Harry", sagt sie geistesabwesend.

„Hermine..."

„WAS?", brüllt sie auf einmal.

Madame Pince sieht schockiert aus, da ihre Lieblingsschülerin in der Bibliothek schreit und wirkt hin und her gerissen, ob sie Hermine ausschimpfen oder sie fragen sollte, ob alles in Ordnung sei.

Hermine seufzt und reibt sich wieder die Nase.

„Diese blöde Kuh", zischt sie wütend. „Diese... Lavender Brown. Sie hat mich gefragt, ob es wahr sei, dass ich dich in Malfoy Manor besuche und an dunklen Ritualen teilnehme. Und sie hat gesagt, sie sei froh, dass Gryffindor dich endlich los ist. Ich werde dir nicht sagen, was sie noch über dich gesagt hat, aber ich habe ihr eine verpasst."

Ihre Augen blitzen auf und ich starre sie sprachlos an.

„Ihr Freund hat versucht, mich anzugreifen, aber ich habe auch ihm eine verpasst. Und dann bin ich von einem Fluch getroffen worden, der aus dem Nichts aufgetaucht ist. Wenigstens ist Professor McGonagall gekommen und hat ihnen Strafarbeit gegeben. Mir auch."

„Hermine", sage ich langsam. Gerade wenn ich denke, dass mich nichts mehr überraschen kann, kommt Hermine und macht so was. „Du brauchst mich nicht zu verteidigen. Ich weiß, was sie über mich denken. Jetzt ist es umso schlimmer. Für dich, meine ich. Ich bin sie alle los."

„Kümmere dich nicht um mich", sagt Hermine grimmig. „Hier geht es nicht mehr nur um mich und dich. Hier geht es um Dummheit und die Tugenden von Gryffindor, die es in seinem eigenen Haus nicht gibt. Ich werde kämpfen und ich werde ihnen zeigen, dass man mich nicht einschüchtern kann. Sie möchten einen Krieg? Den werden sie haben."

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vielleicht sollte ich Hermine etwas dunkle Magie beibringen? Auch wenn sie in Not sehr nützlich wäre, wäre es keine gute Idee. Hermine kämpft auf ihre eigene Weise. Aber ich kann mir nicht helfen, breit zu grinsen und stolz auf sie zu sein.

„Ich bin stolz auf dich", sage ich und küsse sie auf die Wange. „Und ich denke, wir sollten Duellieren üben. Ich kenne einen Ort, wo wir ungestört üben können."

Ihre Augen funkeln fanatisch.

„Echt?", fragt sie glücklich. „Wo?"

„Nun, zuerst muss ich überprüfen, worum es geht, denn ich hatte noch keine Zeit, um ihn zu checken", sage ich lächelnd.

„Woher weißt du, dass es so was überhaupt gibt?", fragt Hermine.

„Ähm...", murmele ich. „Lucius hat mir davon erzählt."

Hermine mustert mich und ich kann beinahe sehen, wie sich die Räder in ihrem Kopf mit halsbrecherischer Geschwindigkeit drehen.

„Hat er dir womöglich davon erzählt, weil du einen Ort suchst, an dem du mit dunkler Magie rumexperimentieren kannst?", fragt Hermine leise, sich nach vorne lehnend.

Vielleicht kann ich die ganze Schule, samt McGonagall und Lupin täuschen, Hermine jedoch nicht. Ihr Verstand ist scharf wie ein Messer. Na dann. Ich nicke langsam.

Hermine lächelt und legt ihre Hand auf meine.

„Endlich hast du dich mir anvertraut", sagt sie zufrieden. „Siehst du? Ich habe nichts dazu gesagt. Ich bin nicht schreiend zu Dumbledore gegangen und ich verspreche dir feierlich, dass ich niemandem davon erzählen werde."

Ich blinzele. Wer ist sie, stelle ich mir jetzt die gleiche Frage, die Draco mir schon einmal gestellt hat.

„Ach komm schon, sei doch nicht so überrascht", sagt sie. „Vielleicht war ich einmal die naive Hermine, die alles geglaubt hat, was man ihr gesagt hat. Aber zuerst habe ich Rons wahres Gesicht gesehen und dann Dumbledores. Ich glaube nicht mehr an eine perfekte Welt. Ich glaube an das Wissen – und ich denke, dass es einfach falsch ist, einen davon fern zu halten. Es ist nicht die dunkle Magie, die böse ist. Es sind die Menschen, die sie für solche Zwecke benutzen."

Ich blinzele wieder.

„Und du bist nicht der einzige, der in der Nokturngasse einkauft", fährt sie zufrieden fort. „Seit ich gehört habe, dass es dort auch eine Bücherei gibt, habe ich sie natürlich besucht. Ich wollte wissen, welche Bücher es dort gibt, die man nicht lesen sollte."

„Hermine...", platzt es aus mir. Meine linke Hand zuckt, als reagiere das dunkle Mal auf diese Situation und auf Hermines Worte.

„Sag bloß nichts", sagt sie entschlossen, ihr Arithmantikbuch hervorziehend. „Zeig mir diesen Ort, wenn du willst. Ich werde dich nicht dazu zwingen. Aber wenigstens hoffe ich jetzt, dass du weißt, du kannst dich auf mich verlassen."

Und sie lässt das Thema fallen, wofür ich sehr dankbar bin. Hat sie mich in der Nokturngasse gesehen? Welche Bücher hat sie gekauft? Und wo bewahrt sie sie auf? Hoffentlich nicht in ihrem Koffer.

ooooooooooooooooo

Mit dem Kopf voller Gedanken, die wie zornige Bienen herumschwirren, mache ich mich auf den Weg zum dritten Stock.

'Ich brauche einen Ort, wo ich die dunkle Magie üben kann', denke ich, versuchend, mich mit aller Kraft zu konzentrieren. Hermine hat mich total aus der Bahn geworfen. Eine Tür erscheint aus dem Nichts und ich schlüpfe schnell hinein. Mein Unterkiefer klappt Richtung Boden.

Wohin auch immer ich schaue, gibt es Bücher. Alte, wunderschöne Bücher, die so herrlich nach dunkler Magie riechen. Die mir zu rufen. Es ist ein Ruf, nach Hause zu gehen. Überall gibt es Kerzenhalter, die eigentlich Totenköpfe sind. Das Sofa sieht sehr einladend aus und es steht sogar ein Schreibtisch in der Ecke. Aber es gibt genug freien Platz fürs Üben und das an sich soll das wichtigste sein. Perfekt...

Nun, der dunkle Lord selbst hat diese Kammer benutzt, um die dunkle Magie zu lernen und allem Anschein nach hat er hier ein paar Bücher hinterlassen (ein paar!). Das ist ja phantastisch... Ich befinde mich im selben Raum, in dem der dunkle Lord selbst die dunkle Magie gelernt und geübt hat. Vielleicht hat er auch ein paar Tipps für mich hinterlassen. Aber kann ich Hermine diese Kammer zeigen? Ich frage mich wohl, worüber sie gelesen hat. Ich stelle sie mir vor, wie sie über einem Buch hockt, das von Blutmagie spricht und wie sie sich Notizen macht. Vielleicht versteht sie das Ganze nicht; aber Hermine ist Hermine und sie wird schon etwas aus ihrem Wissen machen. Sieht sie Schönheit in der dunklen Magie, wie ich? Hört sie ihren Ruf? Spürt sie beim bloßen Gedanken, einen dunklen Zauber zu benutzen, Aufregung in jeder Zelle ihres Körpers? Wahrscheinlich nicht.

Ich grinse breit, als ich meinen Blick durch den Raum schweifen lasse. Das ist ein Stück von Zuhause, das mir in Hogwarts fehlte. Und jetzt habe ich es. Als ich meinen anderen Stab hervorziehe und beginne einen Fluch nach dem anderen abzuschießen, fühle ich mich unglaublich frei. Jetzt gibt es keinen Tom, der in der Ecke sitzt und bissige Kommentare macht, der mir Anweisungen gibt und mich beruhigt, wenn ich zornig bin, aber ich bin kein Anfänger mehr. Jetzt fühle ich mich in Bezug auf die dunkle Magie zuversichtlich und außerdem habe ich doch Tom... Der in einem spärlich beleuchteten Arbeitszimmer in meinem Haus sitzt und Pläne schmiedet. Und er ist mein Lehrer. Was kann sich ein dunkler Magier mehr wünschen?

Als ich mich erschöpft in einen Sessel fallen lasse, fällt mein Blick auf ein bekanntes Buch. Hat Voldemort es kopiert? Denn dieses Buch gibt es eigentlich nur in der Kammer des Schreckens. Neugierig stehe ich auf und ziehe das Buch hervor. 'Der Aufstieg und Niedergang der dunklen Lords und Ladys' lautet der Titel. Ich schlage das Buch auf und beginne zu lesen. Ich wünsche mir, ich hätte was zum Trinken. Das war blöd von mir. Ich habe ja geplant, hier für eine Weile zu bleiben und doch habe ich nichts zum Trinken und Essen mitgebracht.

Urplötzlich erscheint ein Tablett mit Kürbissaft und Lachssandwiches auf dem Tisch bei mir. Ich lächele. Das hier ist der Raum der Wünsche. Und ich wünsche mir... ich könnte leiser Klaviermusik zuhören. In einer Ecke des Raumes erscheint ein Grammofon und die Musik beginnt zu spielen. Ich grinse breit, gieße mir etwas Kürbissaft ein und beginne zu lesen.

„Der Begriff des dunklen Lords oder Lady stammt aus den Zeiten von Merlin und Morgana. Früher waren auch solche Personen bekannt, die als Vertreter bestimmter Arten von Magie anerkannt waren, aber der Titel an sich stammt von Merlin.

Man sagt, dass die Magie schon früh genug zwei Seiten hatte – die dunkle und die helle. Unsere Welt besteht aus Gegensätzen – so gibt es Tag und Nacht, die zwei Geschlechter, die Dunkelheit und das Licht. Früher wurden die zwei Arten von Magie nicht als böse oder gut bezeichnet. Dieser Brauch hat in Merlins Zeiten angefangen, als Menschen, die keine dunkle Magie in ihrem Blut hatten, versucht haben, sie zu benutzen. Sie waren leichtsinnig und hatten keine Ahnung von dunkler Magie. Manche ihrer Experimente sind fehlgeschlagen und sie haben die dunkle Magie verflucht und gehasst, weil sie ihr Leben zerstört hat. Unsere Wurzeln bleiben unter mehr als einem Jahrhundert altem Staub vergraben und seit dem Anfang der Ära des Lichtes waren die dunklen Magier dazu gezwungen, die edlen Künste im Geheimen zu üben. Die Geheimnisse wurden von Mund zu Ohr weitergegeben und die dunklen Magier haben Jahrhunderte dafür gekämpft, das uralte Wissen und die Weisheit lebendig zu behalten.

Die Magie an sich – als kollektive Energie der Zauberern und Hexen – strebt danach, einen Vertreter zu haben. Dieser Vertreter kennt den Willen seiner Seite der Magie und arbeitet daran, ihn zu verwirklichen. Er vertritt seine Art von Magie und führt die Menschen an. Er gibt ihnen das Wissen und die Magier, die eine tiefe Neigung zu dieser bestimmten Magie spüren, fühlen sich von ihm wie Motten vom Licht angezogen. Denn durch ihre Dienste und durch ihre Zugehörigkeit zum dunklen Strom wachsen sie magisch und können ihr volles Potenzial entwickeln. Durch ihre Dienste leben sie ihre Art der Magie und stehen im Einklang mit ihr.

Die Ziele des Vertreters der Dunkelheit, beziehungsweise des dunklen Lords oder der dunklen Lady – unterscheiden sich. Je nach der Ära, in der er lebt – und dies ist die Ära des Lichtes – handelt der Vertreter der Dunkelheit und kämpft für die Freiheit der dunklen Zauberer und Hexen. Eine Ära fängt mit einfachen Versammlungen an. Die dunklen Magier versammeln sich und suchen zusammen nach dem geheimen Wissen. Im Laufe dieser Suche, stoßen sie irgendwann auf den Vertreter der Dunkelheit. Er lehrt sie; und sie bleiben bei ihm. Das Licht herrscht über die Welt, aber sie haben einen geheimen Ort gefunden, wo sie die dunkle Magie üben und als Magier wachsen können. Die nächste Etappe stellt die Ausbreitung der Gerüchte über die Menschen dar, welche die dunkle Magie im Geheimen üben. Menschen erfinden Legenden und Geschichten über sie, denn sie wissen ja nicht genug darüber. Sie beginnen sie zu fürchten, denn sie wissen nicht, was genau die dunkle Magie bewirken kann und sie haben Angst davor. In dieser Etappe beginnt die Verfolgung der dunklen Magier und man fürchtet um sein Leben, falls man die dunkle Magie übt. Sie fliehen; und sie verstreuen sich über die Welt. Manche bleiben bei dem Vertreter der Dunkelheit; aber manche sind dazu gezwungen, zu fliehen und zu versuchen, sich als Hellmagier auszugeben. Sie sind dazu gezwungen, ein Leben von Lügen und Leid zu führen, weil die Welt vom Licht beherrscht ist und weil sie schuld daran sind, dass sie die dunkle Magie in ihren Adern tragen.

Die Etappe, die nun folgt, ist der Aufstieg des dunklen Stroms. Jetzt gibt es eine größere Anzahl von dunklen Magiern und sie versammeln sich wieder. Sie spüren einen natürlichen Drang, für ihre Seite der Magie zu kämpfen und darin finden sie ihren Lebenssinn. Die Augen des Vertreters der Dunkelheit werden zum ersten Mal auf die Welt fixiert. Er spürt ein Jucken in seiner Magie, der Welt die Macht der Dunkelheit zu zeigen; endlich frei zu sein; endlich frei als dunkler Magier durch die Straßen wandeln zu können – und er handelt. Er beginnt einen Krieg, den er normalerweise in einem Leben nicht beenden kann. Der Krieg kommt zum Stillstand, wenn der Vertreter stirbt und fängt wieder an, wenn sein Nachfolger erscheint. Die Zauberwelt wird von innen aufgefressen, bis der Vertreter der Dunkelheit endlich sein Ziel erreicht. Die Welt ist geschwächt und das Licht erlischt, bleibt jedoch in Einsamkeit der hellmagischen Häusern brennen und die Dunkelheit herrscht über die Welt. Dieser historische Moment ist der Anfang der Ära der Dunkelheit.

Ein weiteres Zeichen, dass die letzte Etappe im Gange ist, ist die Anzahl von Prophezeiungen, die den Aufstieg der Dunkelheit vorhersehen. Da die einzigen Seher, die davon berichten, Hellmagier sind – denn die dunklen Seher werden natürlich ihre Kenntnisse nicht an die große Glocke hängen – sehen sie diese Nachrichten aus der Zukunft als Ankündigungen vom Weltuntergang oder einer großen Gefahr, die der Zauberwelt – oder der Welt im Allgemeinen – droht. Ein weiser dunkler Magier aber, wird sich freuen, wenn er von so etwas hört, denn er weiß, dass die Dunkelheit an Kraft gewinnt und er eilt, seine Aufgabe zu erfüllen und an dem Krieg teilzunehmen.

Der Vertreter der Dunkelheit versteht den Willen der Dunkelheit auf eine abstrakte, vollkommen persönliche Weise. Er redet nicht mit den Dämonen und kein mysteriöses Wesen erscheint, um ihm mitzuteilen, wie er weiter handeln soll. Er weiß es einfach, weil die Dunkelheit ihn als ihre Stimme auf der Erde anerkannt hat und dadurch vertraut sie ihm diese große Verantwortung an, die dunklen Magier anzuführen und für ein größeres Ziel zu arbeiten. Die Vertreter der Dunkelheit haben immer einen Erben – ob er sein oder ihr Lehrling ist, oder ob er noch nicht geboren ist, spielt keine Rolle. Einer kommt, um den Platz des Vertreters der Dunkelheit einzunehmen und vom dunklen Thron den dunklen Strom anzuführen und für die Dunkelheit zu sprechen. Und je mehr Zeit seit dem Beginn der Ära des Lichtes vergeht, desto geringer sind die Abstände zwischen dem Ableben des alten und dem Auftauchen des neuen Vertreters der Dunkelheit. Am Anfang erscheint ein Erbe, zum Beispiel, achtzig Jahre nach dem Tod seines Vorgängers. Aber je mehr Zeit vergeht und je größer die Anzahl von dunklen Magiern auf der Erde ist, desto früher sind die Vertreter der Dunkelheit geboren. Aber es kann immer nur einen der Vertreter der Dunkelheit zur gleichen Zeit geben. Falls sein Erbe sein Lehrling ist, bleibt er in den Schatten. Er lernt von ihm, um eines Tages seinen Platz einnehmen zu können. Nur einer kann sich „der dunkle Lord" nennen.

Obwohl dies eine Darstellung der Vertreter der Dunkelheit ist, bin ich gezwungen zu erwähnen, dass das gleiche für die Vertreter des Lichtes gilt. Es gibt ein paar universale Gesetze, die für beide Arten von Magie gelten. Es kann nur einen Vertreter des Lichtes geben; und obwohl bei ihnen nicht die gleiche Tradition gepflegt wird , einen lebenslangen Lehrling zu haben, weil sie dazu neigen, mehrere Menschen auf einmal zu unterrichten, und nicht nur einen auszuwählen, um ihm seine wertvolle Zeit und Energie zu widmen, ist es schon vorgekommen, dass sie doch nur einen Schüler haben. Und wenn die Zeit seit dem Anfang der Ära vergeht, verspüren sie in einem Moment den Wunsch, einen Lehrling zu haben und ihr Wissen an ihn weiterzugeben, sodass er gegen die Dunkelheit kämpfen kann. In der dritten Etappe ist das insbesondere bemerkbar, denn auch die Vertreter des Lichtes spüren, dass der Moment näher rückt, in dem die Dunkelheit über die Welt herrschen wird und sie wissen, dass sie kämpfen müssen. Sie verstehen ja nicht, dass ihr Kampf umsonst ist, denn auch wenn sie es verstehen würden, sind sie von ihrer Art der Magie dazu angetrieben.

Ich weiß, dass ich nicht so lange leben werde, um den Anfang der Ära der Dunkelheit sehen zu können, aber ich wünsche meinem Erben viel Glück. Nox aeternum! (Ewige Nacht!)

Salazaar Slytherin, der dunkle Lord."

Ich lasse das Buch fallen und starre den grünen Teppich an. Wie kommt es, dass ich dieses Buch nie gründlich gelesen habe? Und heute habe ich es gerade auf dieser Seite aufgeschlagen... Seltsam. Ich habe schon gewusst, dass der Titel 'dunkler Lord' nicht nur ein Titel ist, aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht. Aber das hier, was Slytherin geschrieben hat, hat einige Implikationen, die sich sogar auf mich beziehen. Was hat der sprechende Hut gesagt? 'Dunkler Erbe'. Ich bin Voldemorts Lehrling. Und dadurch auch sein Erbe.

Ich stehe schnell auf und beginne auf und ab zu schreiten. Das ist einfach zu viel. Ich, sein Erbe? Ich, der Erbe des dunklen Throns? Ich, der nächste dunkle Lord? Mächtige Morgana, wie ist es dazu gekommen? Voldemort weiß natürlich, welche Folgen unsere Verbindung hat. Er hat mich als seinen Lehrling akzeptiert. Er weiß, dass er mich dadurch auch als seinen Erben ausgewählt hat. Und ich kann mir nicht vorstellen, was ihn dazu angetrieben hat. Gut und schön, einen zu lehren. Aber ich habe nicht mit den alten Traditionen gerechnet. Es ist so verdammt kompliziert... Wäre er irgendein dunkler Magier, wäre es schon in Ordnung. Aber er ist der dunkle Lord, verdammt noch mal. Und ich habe ihm ja mehr Zeit gegeben, um sein Lebenswerk zu vollenden, indem ich ihm einen jungen Körper gegeben habe. Jetzt hat er viel mehr Zeit. Er ist jetzt... was, sechzig? Ich meine, so lange ist seine Seele schon auf der Erde. Also hat er wenigstens noch fünfzig Jahren, wenn nicht mehr, um sein Werk zu vollenden. Aber er hat mich, Harry verdammten Potter, den Goldjungen und die Hoffnung der Zauberwelt als seinen Erben ausgewählt... Warum?

Jetzt ergibt diese zweite Prophezeiung, falls das wirklich eine Prophezeiung war, einen Sinn. Wie geht es wieder? 'Die Hoffnung der Zauberwelt wird erlöschen... die Peitsche der Dunkelheit, die töten und zerstören wird...' Bin ich das? Bin ich derjenige, von dem die Prophezeiung spricht? Bin ich der dunkle Erbe?

„Das ist eindeutig zu viel zu verdauen", murmele ich zu mir.

Eine Flasche Feuerwhiskey erscheint mit einem Plopp auf dem Tisch und ich wirbele herum.

„Verschwinde!", belle ich wütend. „So was brauche ich momentan nicht!"

Die Flasche verschwindet geräuschlos. Ich runzele die Stirn. Ich muss keinen fragen, ob ich jetzt als sein Erbe betrachtet werde, denn so muss es sein. Einen Lehrling zu haben ist etwas Lebenslanges. Mann kann das Versprechen nicht brechen. Nur falls einer von beiden stirbt. Das ist es also. Ich habe die erste Prophezeiung zunichte gemacht, weil irgendwelche dunklen Kräfte mich dazu angetrieben haben, Toms Tagebuch zu nehmen. So hat alles angefangen. Ich habe die Dunkelheit in mir entdeckt und in jenem Moment, in dem ich sie akzeptiert habe, in dem ich damit aufgehört habe, dagegen zu kämpfen, wurde mein Schicksal entschieden. Daher die zweite Prophezeiung. Natürlich sehen die Hellmagier, wie Professor Trelawney, den Wechsel der Ära als etwas Schreckliches und man sollte ihre Worte nicht ernst nehmen. Andererseits... Tod und Zerstörung... ich habe ja schon früh genug damit angefangen.

Ich setze mich hin und stöhne. Warum kann mein Leben nicht einmal einfach sein? Auch wenn ich kein Goldjunge, kein Auserwählter bin, bin ich doch für etwas anderes ausgewählt. Schon wieder gibt man mir eine Last, die ich tragen muss. 'Wäre es so schlecht, der Erbe der Dunkelheit zu sein?', fragt mich eine Stimme. Es ist eine Verantwortung. Ich bin erst dreizehn und auch wenn ich schon viel weiß, heißt das nicht, dass ich für diese Aufgabe bereit bin. 'Das musst du auch nicht', antwortet die Stimme. 'Denn der dunkle Lord wird mindestens noch fünfzig Jahre leben. Nur wenn er stirbt, kannst du seinen Platz einnehmen.' Was ist, wenn es früher passiert?

Hasse ich Verantwortungen so sehr, dass mir die bloße Tatsache, dass ich der Erbe bin, Angst einjagt? Wie ist es dazu gekommen? Ich genieße meinen Lebensstil. Ich lerne fleißig, ja, und ich schlafe sehr wenig, weil es noch viel zu lernen gibt und ich kann damit nicht aufhören. Die dunkle Magie fasziniert mich und zieht mich an. Aber ich habe ein schönes, komfortables Heim und eine schwarzmagische Familie, die sich um mich kümmert. Ich habe Draco. Und ich habe Hermine. Da gibt es nichts, was ich mir mehr wünschen sollte und doch... stört mich die Tatsache, dass ich schon wieder für etwas verantwortlich bin. Ich möchte für nichts verantwortlich sein. Die dunklen Rituale sind genug, denn wenn man die Ritualkammer betritt, muss man selbstischer und stark sein. Daran darf es keinen Zweifel geben, denn manche Rituale sind so gefährlich, dass etwas schiefgehen kann, falls der Magier nicht die klare Absicht hat, was er mit dem Ritual bewirken will. Vielleicht wird es mit der Zeit ein Teil meiner Persönlichkeit werden. Sowie Voldemorts. Ein dunkler Magier gibt nie zu, dass er unsicher ist. Aber Voldemort weiß genau, was er will und ich hatte nie den Eindruck, dass er es sich überlegt. Zum Beispiel als er mich endlich, nach all dem Gezänk, als seinen Lehrling akzeptiert hat. Als er es gesagt hat, als er die Entscheidung getroffen hat, hat er es gemeint und er wird seine Meinung nicht ändern.

Ich, der nächste dunkle Lord. Ich lache und schüttele den Kopf. Hätte ich mir denken können. Wann werde ich mich endlich damit abfinden, dass mein Leben nie und nimmer das Leben eines gewöhnlichen, durchschnittlichen Jungen sein wird? Ich werde nie Spiele spielen oder faulenzen. Einmal habe ich solch ein Leben gewollt. Jetzt aber nicht mehr. Seien wir ehrlich, ich brauche diese Zeitverschwendungen nicht. Ich brauche nur die dunkle Magie – und jetzt weiß ich, was ich eines Tages werden werde. 'Wo möchtest du arbeiten?' 'Nun... ich habe es mir überlegt... Ich möchte ein dunkler Lord werden. Und du?' Ich lache herzlich, als ich mir dieses Gespräch zwischen mir und Hermine vorstelle. Unsinn.

Denkt Voldemort, dass ich darüber schon Bescheid weiß? Warum haben wir nie darüber gesprochen? Jetzt weiß ich, warum er so geduldig mit mir ist, warum er sich bemüht, mir etwas beizubringen. Weil ich ja sein Erbe bin. Und der Erbe von Lord Voldemort darf keinesfalls ein Schwächling oder ein Dummkopf sein. Er möchte, dass ich weiter magisch wachse, sodass ich eines Tages seinen Platz einnehmen kann. Auch wenn diese Tatsache genauso bedeutet, dass mein größter Wunsch sich verwirklicht hat und dass er mir wunderschöne Sachen beibringen wird, ist sie kein Trost. Wie werde ich das nur Hermine erklären?

Mein Magen verkrampft sich und ich schließe die Augen. Mir ist schwindelig. Mir geht es nicht gut. Es ist einfach zu viel zu verdauen. Ich muss mit Voldemort reden, sobald ich die Chance habe, ihn zu besuchen. Warum passieren immer mir solche Sachen? Warum muss immer ich derjenige sein, der eine Last trägt und von dem man etwas erwartet? Warum kann ich nicht einen Tag lang ein gewöhnlicher Junge sein, der keinen Kummer hat?

'Weil du der einzige bist, der stark genug ist...'