Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 31 - AzkabanangriffEs ist Ende März und Draco und ich sitzen zusammen in den Drei Besen. Der Tag hat ziemlich mies angefangen. Mir war wegen Voldemorts 'Unterricht' schlecht und ich habe Snape besucht und ihn um ein paar Tränke gebeten. Jetzt fragt er überhaupt nicht mehr, sondern gibt mir was ich brauche und lässt mich gehen. So weit ich weiß, hat ihm der dunkle Lord einen Auftrag gegeben, weswegen er genauso schlecht schläft und müde aussieht, wie ich. Also gibt es jetzt zwei Slytherins, die ständig mit dunklen Ringen unter den Augen rumlaufen. Wie rührend.
Lucius hat die Verlobung zwischen mir und Draco vor einem Monat bekannt gemacht und seit dem redet Pansy nicht mit uns. Ich finde diese Veränderung erfrischend und gut, denn Pansy treibt sich mit Millicent herum und behandelt uns wie Luft. Theodore Nott hat sich mit dieser Nachricht ziemlich schlecht abgefunden und noch immer fällt es ihm schwer, bei mir zu sitzen, aber da er eingesehen hat, dass ich ihn trotzdem als einen Freund behalten möchte, hat er sich endlich mit dieser Situation versöhnt. Wenigstens kann er mein Freund sein, wenn auch sonst nichts.
Und als Draco und ich zusammen Butterbier trinken und hinter den Schutzzaubern plaudern, sitzt Hermine ein paar Tische weg von uns und belauscht Dumbledores Gespräch mit dem Fremden, von dem Fred und George gesprochen haben. Ja, ihr habt richtig gehört. Ich habe keine Ahnung, welcher Teufel sie ritt, aber ich mag diese neue Hermine. Endlich benutzt sie ihr Wissen für etwas Konkretes und das bietet ihr ein Gefühl von Zufriedenheit und Leistung. Und erst jetzt ist ihr klar geworden, wie viel sie eigentlich weiß. Momentan sieht es so aus, als lese sie ein Buch, aber in Wirklichkeit hat sie ein Ende der Langziehohren in ihrem Ohr und hört aufmerksam dem Gespräch zu. Zudem hat sie ihr Aussehen geändert und ich habe ihr dabei geholfen. Dumbledore kann sich unmöglich an alle Schüler erinnern und außerdem scheint er in das Gespräch vertieft zu sein. Ich schließe auch nicht aus, dass Dumbledore genau weiß, was wir da tun, aber nichts dazu sagen möchte. Wie dem auch sei... Ich möchte wissen, wer der Fremde ist und worüber sie reden.
Morgen ist es endlich soweit. Voldemorts Plan für den Azkabanangriff ist komplett und alles steht bereit. Ich werde morgen zu ihm gehen, sodass wir alles nochmal besprechen können, aber was mich angeht, werde ich nie dafür bereit sein. Hier geht es um einen Azkabanangriff um Morganas Willen, um etwas, was noch niemandem gelungen ist. Und ich soll ihn begleiten? Ich soll dabei sein?
Dracos Finger streicheln leicht über meine Hand, als ich einen Schluck aus der Flasche nehme und dem Blick der grauen Augen begegne. Er weiß ja, was ich im Kopf habe. Er weiß, wo ich morgen Abend hingehe, aber alles, was er tun kann, ist mir seine Unterstützung zu zeigen und zu versuchen mich zu beruhigen. Ich küsse ihn auf die Wange und wir beide schauen zur Tür. Der Rest der Slytherinbande kommt rein und sie seufzen vor Erleichterung, als sie die warme Kneipe betreten. Endlich weg von diesem Wind. Heute ist es besonders schlimm, man hat den Eindruck, dass man splitternackt rumläuft, was auch immer man anzieht.
„Hallo ihr zwei", sagt Blaise Zabini, der seinen Umhang auszieht. „Mann ist es kalt da draußen."
Er lässt sich bei Draco nieder und ich ziehe meinen Arm, der bisher um seine Schultern gelegt war, zurück.
„Wer ist der Alte, mit dem Dumbledore redet?", fragt Zabini. Draco legt schnell eine Hand auf seine und wirft ihm einen warnenden Blick zu.
„Das ist es genau, was wir versuchen herauszufinden, Zabini", sage ich kalt. „Also halt's Maul."
„Schön", sagt Zabini, der schluckt und blasser wird. Aber er sagt kein Wort mehr dazu.
Ich verkneife mir ein Lächeln. Sie alle haben gelernt, wo ihr Platz ist. Vor einer Woche hat der dunkle Lord Lucius und Narzissa besucht, und das hat er absichtlich gerade in dem Moment getan, als sie Gäste hatten. Und zufällig, ganz zufällig, war auch ich dabei.
/Rückblende
Ich sitze mit den anderen Slytherins im Gemeinschaftsraum und lese das dicke Buch, das man mir zu Jul geschenkt hat. Endlich kann ich schwarzmagische Bücher offen lesen und niemand wird etwas dazu sagen. Zwar habe ich das Buch in das Verwandlungsbuch verwandelt, weil ich ja nicht möchte, dass auch die Erstklässler mitbekommen, dass ich die dunkle Magie lerne, aber ich muss mir keine Sorgen darum machen, dass jemand sich das Buch schnappt und sieht, worüber es eigentlich handelt.
Plötzlich spüre ich teuflische Schmerzen in meinem Unterarm und lasse das Buch fallen. Blaise Zabini, der in meiner Nähe sitzt und sich mit Nott unterhält, hält im Gespräch inne und schaut entsetzt zu, als ich meinen Unterarm umklammere und wütend zische.
„Muss gehen", murmele ich durch die Zähne. Zabini, dem sofort klar ist, worum es geht, nickt nur, als ich mein Buch in die Tasche stopfe und davon eile. Ich muss schnell diesen Geheimgang erreichen, glücklicherweise ist es noch nicht so spät, also kann ich sorglos durch die Schule laufen. Was fällt ihm nur ein, solch einen Zauber zu erfinden, sodass man vor Schmerzen nicht geradeaus sehen kann? Er hat es nicht erwähnt, sicherlich absichtlich. Weil es ihm ja Spaß macht. Weil er denkt, dass es ein guter Witz sei. Verdammte dunkle Lords und ihre Vorstellungen von Spaß.
Ich erscheine in der Eingangshalle meines – oh nein, Entschuldigung, Voldemorts Hauses – und schaue mich wütend und zähneknirschend um.
Voldemort steht bei den Treppen und zieht gerade Handschuhe an. Geht er irgendwo hin? Warum hat er mich gerufen, wenn er irgendwo hingeht?
„Ist es wirklich notwendig, dass man sich vor Schmerzen übergibt, wenn Ihr einen zu Euch ruft?", zische ich aufgebracht.
Voldemort schaut mich unbeeindruckt an und presst die Lippen zusammen.
„Und Frechheit hat auch schmerzhafte Folgen", sagt er kühl. „Tut es weh? Was hast du dir gedacht, dass das dunkle Mal jucken würde, wenn ich dich rufe?"
Ich verkneife mir eine wütende und zweifelsohne freche Antwort und folge ihm mit dem Blick, als er die Eingangshalle anmutig durchquert.
„Komm", sagt er. „Wir besuchen Lucius."
„Was? Deswegen bin ich hergekommen?", frage ich ungläubig.
„Ja, Harry, deswegen", zischt Voldemort gefährlich und seine Hand zuckt in Richtung seines Ärmels. Ich senke den Kopf und schlucke kräftig. Da bewahrt er normalerweise seinen Stab auf und heute verspüre ich keinen Wunsch mehr Schmerzen zu haben, vielen Dank.
„Apparieren wir", sagt Voldemort, der sich ohne weiteres um die eigene Achse dreht und geräuschlos verschwindet. Ich knirsche mit den Zähnen und fluche. Wie der Mann apparieren kann ohne ein einziges Geräusch zu machen, ist mir schleierhaft.
Als ich meine Augen öffne, schaue ich rechtzeitig auf, um zu sehen, wie Voldemort seine Kapuze hochzieht. Ich kann Stimmen aus dem Salon hören und ich frage mich, wer zu Besuch gekommen ist. Voldemort wiederum scheint die Tatsache überhaupt nicht zu stören, dass die Malfoys Gäste haben, und er geht zielstrebig in Richtung Salon, die Tür ohne weiteres öffnend, und bleibt im Türrahmen stehen. Ich bleibe hinter ihm stehen, aber ich wünsche mir, ich könnte ihre Gesichter sehen. Etwas klirrt zu Boden und sie alle verstummen. Dann höre ich Rascheln und schließlich die Stimme von Lucius.
„Willkommen, mein Lord", sagt er leise. Hinter ihm herrscht Stille. Schließlich hat der dunkle Lord solch einen theatralischen Auftritt hingelegt, dass alle sich gewiss in die Hosen gemacht haben. Nicht einmal der große Weißmagier Dumbledore kann sich, in Bezug auf Dramatik, mit dem dunklen Lord messen. „Entschuldigt, aber wir haben Euch nicht erwartet..."
„Das ist ganz in Ordnung, Lucius", höre ich Voldemorts Stimme.
Er geht rein und winkt mir zu. Ich schaue mich um. Ich kenne nicht all diese Hexen und Zauberer, aber ich sehe doch ein paar bekannte Gesichter, sowie Notts Vater und Goyles Mutter. Und sie alle starren den dunklen Lord mit weit aufgerissenen Augen an.
Klar, sie haben von Lucius gehört, dass er zurück ist. Sie haben Geschichten über ihn gehört. Aber keiner hat ihn gesehen. Und ich habe so eine Vermutung, warum. Voldemort wollte wieder einen Körper haben, bevor er sich ihnen zeigt. Und ich bezweifele, dass sie alle früher seine Anhänger waren. Notts Vater war einer, das weiß ich. Wurmschwanz ist nicht da. Ich weiß ja, dass Lucius ihm nicht erlaubt, das Haus zu betreten, aber ich frage mich vage, wo er steckt. Mit den anderen Ratten im Stall womöglich?
„Ja, ihr seht richtig", sagt Voldemorts Stimme mit einem Hauch von Sarkasmus. „Lord Voldemort ist auferstanden. Nicht einmal der Tod kann ihm in den Weg kommen."
„Ich habe gehofft und gewartet...", fährt er leise fort, mit seinen langen weißen Fingern über einen Sessel fahrend. „Sicherlich würde einer von meinen treuen Dienern kommen und mir helfen... Eurem Lord... Aber keiner ist gekommen. Wurmschwanz, so feige wie er ist, hat mich gefunden und mir geholfen... Und dann... Dann ist Harry Potter aufgetaucht und auch er hat mir geholfen."
Er schaut zu mir hinüber und ich senke den Blick, grinse aber.
„Und was habt ihr getrieben, während ich fort war? Ja, Theodore, was hast du getrieben?"
Der Mann reißt sich schnell zusammen und wirft sich auf die Knie. Ich kann es ihm nicht übel nehmen. Ich kenne diesen Ton und ich weiß, dass Voldemort kurz davor steht, jemanden zu foltern. Ich habe es schon an meinem eigenen Leib erfahren. Und ja, ich hatte Recht. Als ich aufschaue, hält Voldemort seinen Stab in der Hand und Notts Vater krümmt sich vor Schmerzen, schreit aber nicht. Eines muss man ihm lassen – er erträgt den Cruciatusfluch wie ein Mann. Die anderen wagen es nicht einmal, laut zu atmen.
„Ja... alle haben sie mich verlassen", fährt Voldemort fort, am zitternden Zauberer vorbeikommend und seinen Stab beinah liebevoll streichelnd. „Außer einer Ratte und einem Kind."
Wie bitte? Ratte, schön, aber ein Kind? Welches Kind? Ich sehe hier keine Kinder.
Keiner ist dumm genug, jetzt zu sprechen, als Voldemort herausfordernd den Blick über den Raum schweifen lässt. Denn natürlich wartet er nur darauf und auf eine neue Chance, um jemanden foltern zu können. Mann wir sind heute so stocksauer...
„Wir befinden uns am Beginn des Krieges, der die Zukunft der Zauberwelt bestimmen wird", sagt Voldemort laut. „Und ich, als der dunkle Lord, werde meinen Anhängern noch eine Chance geben, euch zu erlösen, euch mir zu bewähren. Denn meine Anhänger sind ein Teil des dunklen Stroms, der die Macht übernehmen wird. Und ihr werdet die Chance haben, nur noch eine Chance, um am Krieg teilzunehmen und an meiner Seite zu stehen. Aber ich vergesse nicht... und ich vergebe nicht."
„Ich werde gerne mein Leben dafür opfern", murmelt Notts Vater. „Mein Lord."
„Und dieses Mal erwarte ich Gehorsamkeit und harte Arbeit, Nott", sagt Voldemort, der sich ihm zuwendet.
„Alles, was Ihr braucht", murmelt er. Ihm gelingt es, den Saum von Voldemorts Umhang zu küssen, als er an ihm vorbeikommt. Lucius senkt den Blick und starrt seine Schuhe an.
„Lucius", sagt Voldemort mit seiner tiefen Stimme, wobei ich Gänsehaut bekomme. Wie schafft er es nur? Nur mit der Weise, wie er spricht, Menschen Angst einzujagen? „Du und Nott werdet all jene rufen, die mir einmal gedient haben und die kampfbereit sind. Morgen Abend werdet ihr hier auf mich warten."
„Ja, mein Lord", antwortet Lucius und verbeugt sich.
„Weihe sie ein", sagt der dunkle Lord, der sich zum Gehen wendet. „Harry, komm."
Blicke an meinem Rücken spürend, folge ich ihm schnell aus dem Salon heraus, im Vorbeikommen Narzissa und Lucius zuwinkend. Narzissa nickt mir zu, sieht aber erschüttert aus und als wäre ihr nichts lieber, als wenn ich im Manor bleiben würde.
„Gut", sagt Voldemort, als wir zurück zum Haus in Schottland apparieren. Er legt eine Hand auf meine Schulter und ich zucke zusammen. Seine Hand ist eiskalt. „Gehe jetzt zurück nach Hogwarts. Und Harry? Morgen erwarte ich das Beste von dir, sonst werde ich mir einen neuen Lehrling suchen müssen."
„Keine Sorge, Meister", antworte ich zähneknirschend. „Ich habe mich gut vorbereitet."
„Das ist es nicht, was ich gemeint habe", zischt Voldemort. „Ich erwarte ein bestimmtes Benehmen von jemandem, den ich meinen Lehrling nenne. Du wirst mir den gebührenden Respekt zeigen und mir gehorchen."
Ich verbeuge mich und er winkt in meiner Richtung ab. Das ist Voldemorts gewöhnlicher Weg mir zu sagen, dass ich gehen darf.
Normalerweise ist er nicht so reizbar und nicht so kompliziert. Wir haben lange Gespräche geführt und trotz dem, was man von ihm hält, ist er ein ausgezeichneter Lehrer, obwohl er viel von mir erwartet. Aber wenn er mir etwas erklärt, macht er es so gut, dass ich es schnell begreife. Ob ich imstande bin, den Zauber auszuführen, ist wohl eine ganz andere Sache. Da gibt es Tage, an denen er gerne mit mir spricht und auch mit mir Tee trinkt oder Kuchen isst. Aber da gibt es auch Tage wie diese... Alles ist schön und gut, wenn man ihm gehorcht und ihn mit Respekt anspricht. Und ich habe früh genug gelernt, dass Rebellion total nutzlos ist und dass das Ergebnis nur ein Cruciatusfluch sein kann. Falls ich etwas nicht begreife, sollte ich es ihm sagen und er wird, obwohl sichtbar gereizt, seine Anweisungen wiederholen. Falls ich müde bin, sollte ich es ihm sagen. Er erlaubt mir, eine Pause zu machen. Aber in den Bart zu fluchen oder frech ihm gegenüber zu sein, das ist ein sicherer Weg zu einer schmerzvollen Strafe. Ich habe ihn schon ziemlich gut kennen gelernt und ich weiß, wann ich meine Klappe halten soll und wann nicht.
/Ende Rückblende.
Zufällig war auch Zabinis Mutter an jenem Abend anwesend also hat sie ihrem Sohn davon erzählt. Und obwohl Zabini diese Geschichte schon gehört hat, kommt sie ihm jetzt realer vor. Jetzt hat seine Mutter selbst den dunklen Lord und mich zusammen gesehen und Zabini ist auf der Hut vor mir.
Als wir die Kneipe zusammen verlassen, Hermine zurücklassend, stelle ich erneut fest, dass es unerträglich kalt ist. Dieses miese Wetter hört nie auf. Deswegen bin ich überrascht eine Eule zu sehen, die mit aller Kraft versucht, gerade zu fliegen, aber der Wind ist zu stark. Ihr gelingt es endlich, mir nahe zu kommen und ich fange sie in der Luft.
Sie trägt ein Paket, in das Löcher gebohrt wurden. Ich grinse breit als ich Voldemorts Handschrift erkenne.
„Was ist denn das?" schreit mir Draco ins Ohr, denn der Wind heult zu laut, um ein normales Gespräch führen zu können.
„Etwas vom dunklen Lord", sage ich breit grinsend. Zabini wirft dem Paket einen panischen Blick zu, als erwarte er, dass das Paket explodiert und dass das dunkle Mal in der Luft erscheint. „Kommt, gehen wir so schnell wie möglich zurück. Da ist etwas Lebendiges drin."
Als mir die Wärme des Schlosses entgegen schlägt, höre ich ein leises Zischen aus den Tiefen des Pakets. Ich weiß ja, was das ist... Und ich kann es kaum abwarten, das Paket zu öffnen. Ich zerreiße das Papier, sobald wir im Gemeinschaftsraum sind und finde einen Zettel, der daran befestigt wurde.
„Nagini schickt dir eines ihrer Jungen. Kümmere dich gut um es. LV"
„Er hat dir etwas geschickt?", flüstert Zabini, der blass zuschaut, als ich die Nachricht durchlese. „Was denn?"
„Mein neues Haustier", murmele ich aufgeregt, als ich die Pappschachtel ungeduldig öffne. Als sie endlich offen ist, erscheint gleich ein Schlangenkopf, der sich umschaut. Zabini gibt einen seltsamen Laut von sich und springt hinter einen Sessel.
Ich gluckse als ich die Hand ausstrecke.
~Grüße, kleine Schlange~, sage ich lächelnd. ~Ich bin dein neuer Meister.~
Die Schlange ist eigentlich alles, außer klein. Ihre grauen Schuppen sind weich, denn sie ist ja noch immer ein Baby, aber sie ist schon jetzt einen Meter lang, obwohl sie ziemlich dünn ist. Die gelben Augen weiten sich etwas und sie fixiert ihren Blick auf mich.
~Mutter hat mir gesagt, ich werde einen Schlangensprecher treffen~, sagt die Schlange. Ihre Stimme hört sich etwas hoch an – weil die Schlange ein Weibchen ist oder weil sie ein Baby ist? Keine Ahnung. ~Also bist du derjenige. Sei gegrüßt, Schlangensprecher. Mutter hat auch gesagt, du wirst dich um mich kümmern. Und mir ist fürchterlich kalt.~
~Natürlich~, sage ich und stelle die Pappschachtel beiseite. ~Komm. Ich werde dich aufwärmen.~
Draco schaut entsetzt zu, als die Schlange auf meine dargebotene Hand klettert und sich um meinen Unterarm wickelt. Sie seufzt zufrieden. Ich wiederum trage sie zum Kamin hinüber und zwei Erstklässler laufen schreiend davon, als sie die Schlange, die sie neugierig beobachtet, erblicken.
~Das ist viel besser~, meint die kleine Schlange, die den Schwanz in Richtung Feuer ausstreckt.
~Komm besser nicht zu nahe, sonst wirst du dich verbrennen~, sage ich warnend.
~Was bedeutet das?~, fragt die Schlange.
~Dass es wehtun wird.~
~Verstehe~, sagt die Schlange.
Ich habe vergessen, dass die Schlange noch viel zu lernen hat.
~Bist du ein Weibchen oder ein Männchen?~, frage ich.
~Ich bin männlich~, antwortet die Schlange, die die Wärme des Feuers genießt.
~Gut. Also muss ich mir noch einen Namen für dich ausdenken~, sage ich zufrieden.
~Was ist ein Name?~, fragt die Schlange.
~Ich muss dich irgendwie nennen, sodass du kommen kannst, wenn ich dich rufe. Zum Beispiel mein Name ist Harry.~
~Mir wurde gesagt, dass ich dich Meister nennen soll~, sagt die Schlange verwirrt.
Ich stöhne und reibe mir die Schläfen. Das wird heiter.
„Der dunkle Lord hat dir eine Schlange geschickt?", fragt Draco, der sich zu mir setzt.
„Ja. Das, Draco, ist Naginis Sohn", sage ich breit grinsend. Draco gafft die Babyschlange an. „Sie hat mir einen Gefährten versprochen. Und da ist er."
„Unheimlich", meint Draco. Die Schlange dreht den Kopf in seine Richtung und er schluckt kräftig. Zwar hat er keine Angst vor Schlangen, aber er fühlt sich trotzdem ein wenig nervös in der Nähe von Naginis Nachkomme.
„Wie sollte ich dich nennen?", frage ich mich selbst laut.
Die Schlange dreht den Kopf in meine Richtung und streckt zufrieden ihre Zunge aus. Ich streichele ihr über den Kopf und lächele. Wie kommt es, dass ich nie darüber nachgedacht habe, dass Schlangen wunderschön sind? Diese Babyschlange ist trotz ihres Alters elegant und bewegt sich mit Anmut, wie ein König. Und als ihre Schuppen das Feuer spiegeln, denke ich mir einen Namen für sie aus.
„Amu", sage ich grinsend. „Ich werde dich Amu nennen."
In diesem Moment taucht der blutige Baron direkt vor mir auf und verengt die Augen, als er die Schlange erblickt. Jetzt gibt es eine echte Schlange unter den Schlangen? Wie seltsam.
„Dieses Mädchen möchte dich wieder sprechen", verkündet er, die Babyschlange noch immer vorsichtig anschauend.
„Danke", sage ich und nehme die Schlange in die Hand.
Die Babyschlange – Amu – wickelt sich um meinen Unterarm und züngelt zufrieden mit der Zunge. Anscheinend gefällt ihm die Wärme meines Körpers. Draco folgt mir eilig aus dem Gemeinschaftsraum heraus. Hat Dumbledore Nagini gesehen? Würde er ihren Nachkommen erkennen können? Ich weiß ja nicht, wer Amus Vater ist, aber allem Anschein nach hat er das Aussehen von seiner Mutter geerbt.
Hermine wartet ungeduldig vor Slytherins Porträt, der sie mit rümpfender Nase betrachtet, sagt jedoch nichts dazu. Er hat Hermine schon unzählige Male hier gesehen.
„Na endlich", zischt sie und packt mich an meiner Krawatte. Sie zieht mich zielstrebig in die Richtung der Geheimkammer, wo wir uns schon oft genug getroffen haben, aber als sie Amu erblickt, lässt sie mich schnell los, als hätte sie sich die Finger verbrannt.
„Was ist denn das?", sie zischt.
„Das ist Amu", sage ich breit grinsend. „Meine Schlange." ~Amu, das ist eine gute Freundin von mir, Hermine.~
Als Amu fragt, was eine Freundin sein solle, wirft mir Hermine einen seltsamen Blick zu.
„Diese Schlangensprache hört sich ziemlich seltsam an", meint sie, als sie die Tür zur Geheimkammer öffnet, Amu einen vorsichtigen Blick zuwerfend. Aber im Vergleich zu manchen Slytherins scheint er sie nicht zu stören, oder ihr Angst einzujagen. „Hör mal, Harry, du wirst nicht glauben, wer dieser Fremde ist."
„Wer?", frage ich. Draco verschränkt die Hände vor der Brust und schaut Hermine erwartungsvoll an.
Seine Meinung von ihr hat sich drastisch geändert. Ob es daran liegt, dass sich herausgestellt hat, dass Hermine doch aus einer Zaubererfamilie stammt, oder an all dem, was sie im Laufe der vorigen Wochen getan und gesagt hat, weiß ich nicht. Aber ich freue mich, dass mein Liebhaber und meine beste Freundin endlich gut miteinander auskommen.
„Dumbledores Bruder", sagt Hermine, deren Augen funkeln.
„WAS?", zischt Draco. Hermine ist so aufgeregt, dass sie sich kaum zurückhalten kann.
„Ja, deswegen bin ich so spät, ich musste in die Bibliothek, um den Namen nachzuschlagen. Sein Name ist Aberforth und allem Anschein nach wohnt er in Hogsmeade."
„Sein BRUDER?", wiederholt Draco. „Wieso wissen wir nichts von einem Bruder?"
„Keine Ahnung", sagt Hermine. „Ich habe nur einen Artikel gefunden, der über ihn spricht. Laut dem Artikel ist sein Vater – Dumbledores Vater – im Gefängnis gestorben, weil er ein paar Muggel angegriffen hat. Seine Mutter und seine Schwester wurden ermordet."
„Dumbledore hatte auch eine Schwester?", frage ich leise. „Wer hat sie ermordet?"
„Keine Ahnung, ich konnte nichts darüber in der Bibliothek finden. Und Madame Pince war schon argwöhnisch, also musste ich gehen."
„Weiß Onkel Lucius etwas darüber?", frage ich Draco.
„Wenn ja, hat er mir nie davon erzählt", sagt Draco achselzuckend.
„Worüber haben sie geredet?", frage ich Hermine.
„Nun, so wie ich es verstanden habe, sucht Dumbledore nach etwas und sein Bruder hilft ihm dabei", sagt Hermine schnell. „Und wahrscheinlich hat er mitbekommen, dass jemand das Gespräch belauscht, also wollte er nichts Genaues sagen. Aber was auch immer sie treiben, es ist etwas Gefährliches, denn Dumbledore hat ihn gewarnt, ihn gebeten, vorsichtig zu sein. Weil jemand hinter ihm her ist oder weil es eine wirkliche Gefahr gibt, kann ich nur spekulieren. Aber falls jemand hinter ihm her ist, würde er wohl kaum in einer Kneipe mit ihm darüber sprechen. In diesem Fall würden sie so was im Geheimen besprechen. Also bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es um etwas Gefährliches geht. Anscheinend suchen sie nach irgendwelchen Gegenständen oder Menschen, die gefährlich sind. Aber da du gesagt hast, dass Dumbledore etwas Verfluchtes angefasst hat, muss es sich um Gegenstände handeln. Dumbledore sucht nach irgendwelchen schwarzmagischen Gegenständen, die verflucht sind. Warum würde er so was tun wollen?"
Weil sie dem dunklen Lord gehören. Oh mächtige Morgana, ich muss mit ihm sprechen. Wie viel Zeit hat Dumbledore noch? Wie lange wird er noch leben?
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Nachdem ich am Abend versucht habe, Voldemort mitzuteilen, dass Dumbledore hinter seinen verfluchten Sachen her ist, bin ich gleich mit Amu, der es sich auf einem Kissen bequem gemacht hat, eingeschlafen. Voldemort hat so gewirkt, als hätte er es erwartet. Und ich war überrascht, wie leicht es eigentlich war, mit ihm gedanklich zu sprechen. Ich konnte beinah den Tisch sehen, an dem er zu jener Zeit saß. Oder war es meine Einbildung?
Wie dem auch sei, hat er mir gesagt, ich solle morgen früher als verabredet vorbeikommen. Hoffentlich wird er mir erklären, worum es geht. Denn ich habe all das für ihn – und natürlich für mich auch – herausgefunden und ich bin auf eine Antwort gespannt.
„Was ich dir gleich sagen werde, muss zwischen uns bleiben", sagt Voldemort, der mich über den Tisch hinweg anschaut.
Ich begegne dem Blick meines Lehrers und ziehe meinen Basiliskenstab hervor. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt Voldemort zu respektieren, wegen des Wissens und der Macht, die er besitzt. Ich betrachte ihn als meinen Lehrer und mein Respekt ihm gegenüber kommt mir natürlich vor. Voldemort entspricht nicht dem Bild eines Schwarzmagiers, der es leicht hatte und der nur mit seinem kleinen Finger winken muss, sodass alles in seinen Schoß landet. Nein, Voldemort ist als Waise aufgewachsen, er wurde wegen seiner Herkunft verurteilt und er hatte es nicht leicht in Slytherin. Aber er hat für seine Rechte und für den Respekt seiner Mitschüler gekämpft. Und während sie gefaulenzt haben, saß Voldemort im Raum der Wünsche und übte die dunkle Magie. Tagein und tagaus hat er gelernt, seine eigenen Theorien entwickelt, die Barriere, die die Schwarzmagier einmal aufgebaut haben, auseinandernehmend. Er hat gewusst, was er wollte und er hat hart dafür gearbeitet. Er ist durch die Welt gereist und hat Wissen gesammelt. Er weiß eine Menge über viele Sachen. Aber ich habe auch gelernt, ihn zu fürchten. Denn die Macht, die er besitzt, ist angsteinflößend und atemberaubend zugleich. Es gibt so viel, was ich nicht über ihn weiß und wovon er mir natürlich nicht erzählen möchte. Ich verbringe ja viel Zeit mit ihm, aber noch immer ist er ein Rätsel für mich. Denn wir reden nur selten über ihn, weil es ja 'nicht wichtig für meine magische Entwicklung ist'.
„Ich, Harry James Potter, schwöre bei meiner Magie, dass ich das, worüber mein Lehrer gleich sprechen wird, niemandem verraten werde", sage ich, mit dem Stab in meine Handfläche deutend.
Voldemort nickt feierlich und presst die Finger aneinander.
„Meine Erinnerung hat dir einmal erklärt, was sie ist", sagt Voldemort langsam. Ich nicke. Ja, und ich habe sie zerstört. Ob sie oder ein Teil von ihr noch immer in dem dunklen Lord lebt, ist unmöglich zu sagen und außerdem haben wir nie darüber geredet.
„Sie hat dir aber nicht gesagt, dass sie nicht die einzige ist", fährt Voldemort fort.
Er hat... seine Seele nochmal zersplittert? Einmal wäre es gefährlich und zweifelsohne schmerzhaft – aber zweimal? Moment mal...
„Und es ist meine Vermutung, dass Dumbledore herausgefunden hat, was ich getan habe und jetzt versucht er, die anderen Teile meiner Seele zu finden und zu zerstören. Es sieht so aus, als würde doch ein Teil von mir für seinen Tod verantwortlich werden."
Er gibt ein freudloses, triumphierendes Lachen von sich und ich bekomme Gänsehaut. Die anderen? Wie viele gibt es?
„Aber heißt das nicht, dass ein Teil Euer Seele verloren ist?", frage ich. Voldemort nickt. Was? Er sitzt ruhig da und nickt mir zu. Ich werde ihn nie verstehen können.
„Wie viel Teile gibt es, Meister?", frage ich leise. Das ist nicht gut. Überhaupt nicht gut. Ich hätte Dumbledore schon vor Monaten töten sollen...
„Jetzt gibt es noch vier", sagt Voldemort ohne zu blinzeln. Für einen Moment lang habe ich gedacht, dass er es mir nicht sagen würde. Er vertraut mir. Nun, ich habe ja den Zaubererschwur abgelegt...
„Einen Teil hast du zerstört", sagt er ruhig.
„Ich?", frage ich. Panik breitet sich wie eine eiskalte Welle in mir aus.
„Ja, mein Tagebuch", fährt Voldemort fort. „Du hast mein jüngeres Selbst getötet. Aber dieser Teil meiner Seele hat sich mit dem letzten Teil teilweise wieder vereinigt. Denn ich habe seine Erinnerungen und sein Wissen bekommen. Also bleiben jetzt nur vier übrig. Vermutlich hat Dumbledore schon einen zerstört. Ich habe einen Teil in einem Ring gespeichert und ich denke, dass Dumbledore diesen Ring gefunden hat und dass der Fluch ihn getroffen hat. Zugegeben, es war ein verdammt guter Fluch."
Er lächelt selbstzufrieden. Ich blinzele. Voldemort flucht nie – wahrscheinlich ist das mein schlechter Einfluss.
„Wir müssen ihn stoppen", sage ich leise. „Dumbledore. Er ist immer unterwegs und jetzt weiß ich warum. Er sucht nach den Teilen Eurer Seele. Wir müssen ihn stoppen!"
Voldemort presst die Lippen zusammen und untersucht seine Nägel. Während ich am liebsten aufspringen und toben würde, sitzt er ruhig da und untersucht seine Nägel. Der Mann ist unheimlich.
„Nun, das ist deine Aufgabe, oder?", fragt er leise. „Du hast ja gesagt, dass du davon träumst, ihn töten zu können."
„Ja!", zische ich. „Ich wollte mich noch gegen ein paar Sachen absichern, aber jetzt gibt es keine Zeit mehr. Ich muss ihn so bald wie möglich töten."
„Falls man dich erwischt, wirst du fliehen müssen", sagt Voldemort leise.
„Ich weiß", murmele ich. „Ich möchte wegen dem Trottel nicht mein Leben in Azkaban verbringen."
„Bist du dafür bereit?", fragt Voldemort. „Dein ganzes Leben auf der Flucht zu sein?"
Ich schaue ihn ernst an und nicke.
„Ja", sage ich. „Ihr habt doch gesagt, dass Ihr vorhabt, den Krieg fortzusetzen. Ich möchte kämpfen. Und Dumbledore wird das erste Opfer des Kriegs sein – ein guter Anfang, meint Ihr nicht?"
Die dünnen Lippen kräuseln sich zu einem Lächeln.
„Wir werden es nochmal besprechen", sagt er zufrieden. „Aber falls es dazu kommt – falls man dich enttarnt, laufe. Du wirst hier bei mir leben."
Alleine mit dem dunklen Lord. Weg von Draco und weg von Hermine...
„Danke", sage ich ernst. „Meister."
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Die Sternen gucken auf mich hinunter und der Wind heult in den Baumkronen, als ich mich zusammen mit dem dunklen Lord auf den Weg nach draußen mache. Ich ziehe die Maske, die er mir vorher gegeben hat, aus meiner Tasche heraus und ziehe sie an. Sie passt sich meinem Gesicht an und ich fühle mich so frei, als trage ich nichts an meinem Gesicht. Perfekt. Der dunkle Lord lässt seinen Besen schweben und zieht seine Handschuhe nach oben. Lucius und die anderen – ich habe keine Ahnung, wer all diese Menschen sind, denn sie tragen Masken – tun es uns gleich.
Bald komme ich zu dem Schluss, dass es doch eine gute Idee war, meinen Umhang mit einem Wärmezauber zu belegen und dazu auch warme Handschuhe anzuziehen, denn wenn man fliegt ist der Wind kälter und schlimmer denn je. Was auch immer ich vom dunklen Lord erwartet habe, war sicherlich nicht, dass er ein so guter Flieger ist. Er schaut nicht über die Schulter, um zu sehen, ob man ihm folgt, sondern fliegt weiter und weiter durch die eiskalte Nacht und mit jeder Minute die verstreicht, fühle ich mich trotz des kalten Windes glücklicher und aufgeregter. Das Fliegen hat solch eine Wirkung auf mich.
Ich frage mich vage, was Hermine wohl denken würde, wenn sie mich jetzt sehen könnte. Würde sie geheimnisvoll lächeln und mir die Schulter drücken, sowie es in letzter Zeit der Fall war? Oder würde sie in Tränen ausbrechen und davon laufen? Mich für immer verlassen? Ist es überhaupt wichtig, was sie über mich denkt? Brauche ich sie überhaupt?
Ich habe so viel aufgegeben und so viele verraten... Warum sollte ich mich darum scheren? Ich habe all meine alten Prinzipien und all meinen Glauben verraten und aufgegeben und ich habe sozusagen die helle Seite verraten, indem ich mich Voldemort angeschlossen habe. Und ja, ich habe ein neues Leben aufgebaut und ich bin so glücklich und zufrieden wie noch nie. Ist mein egoistischer Wunsch, endlich glücklich sein zu können, die richtige Ausrede für all das, was ich getan habe? Versteht mich nicht falsch... die dunkle Magie ist verdammt schwer und da gibt es Zeiten, in denen ich meine Wahl verfluche. Da gibt es Zeiten, in denen das Ganze für mich einfach zu viel ist. Aber mein Leben ergibt endlich einen Sinn.
In Ordnung, konzentriere dich, Potter. Eine wichtige Aufgabe wartet auf mich und ich darf es nicht vermasseln. In Azkaban gibt es Dementoren... und der dunkle Lord hat mir Zauber beigebracht, die gegen sie wirksam sind. Denn im Gegensatz zu dem, was Lupin sagt, ist der Patronuszauber nicht der einzige Zauber, der gegen sie hilft. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Zauber überhaupt durchführen könnte. Ich habe es nicht ausprobiert. Stattdessen hat der dunkle Lord mir ein paar dunkle Zauber beigebracht. Eigentlich war das das einzige, was wir in letzter Zeit geübt haben.
Und jetzt weiß ich, was diese komischen Symbole in meiner Aura sind. Der dunkle Lord hatte eine sehr einfache Erklärung dafür. Diese Symbole heißen, dass ich sein Erbe bin. Punkt. Er hat mir aber nicht gesagt, ob sie nur Symbole sind oder ob es sich um eine Sprache handelt. Aber jetzt verstehe ich. Und hoffentlich wird Hermine solche Symbole in keinem Buch finden können und wird ihr nicht einfallen, jemanden zu fragen. Aber so schlau und kompetent wie sie ist, würde mich auch nicht wundern, wenn sie es trotzdem herausfindet.
Zu meiner großen Überraschung landet der dunkle Lord auf einer Klippe an der Küste, nach ich weiß nicht wie viele Stunden des Fliegens und steigt ab. Ich hatte viel zum Nachdenken und bin zu vielen Schlüssen gekommen, aber jetzt, da ich wieder auf festem Boden stehe, wird mir klar, dass ich trotz allem total erfroren bin. Hört dieser Wind nie auf? Er ist so nervig wie Ronald Weasley.
„Hier machen wir eine kurze Pause", sagt der dunkle Lord laut genug, sodass ihn alle hören können. Die Todesser – gibt es auch Freiwillige? Keine Ahnung – zittern und ziehen ihre Stäbe hervor, um sich aufzuwärmen, schauen ihn aber wortlos an.
„Der Plan lautet – wir fliegen zur Insel und wir landen an der östlichen Küste. Ich werde mich um die Schutzzauber kümmern und für einen Weg hinein sorgen. Ihr werdet die Dementoren, denen ihr begegnen werdet, bekämpfen und außer Gefecht setzen. Ich schätze, dass meine Anhänger wissen, wie man gegen einen Dementor kämpft."
Aber die Anwesende wirken davon mal nicht so überzeugt. Der dunkle Lord lächelt hämisch unter der Kapuze – warum zeigt er ihnen nicht sein Gesicht? – und schaut in meine Richtung.
„Der Flügel, in den wir eindringen werden, ist der Flügel, wo sich meine Anhänger befinden. Da gibt es normalerweise keine Dementoren, aber sie werden schon mitbekommen, dass jemand durch die Mauern und die Zauber durchgekommen ist, also werden sie nachschauen gehen. Eure Aufgabe ist, meine Anhänger zu befreien und wieder raus zu kommen. Mein Lehrling wird euch anführen."
Ich schlucke und nicke in die Runde.
„Und in der Zwischenzeit werde ich mich einer wichtigen Aufgabe widmen – mit den Dementoren zu reden und sie davon zu überzeugen, im Krieg zu mir zu stehen. Dadurch werde ich nicht nur die weiteren Angriffe abhalten, sondern auch wichtige Verbündete im kommenden Krieg gewinnen. Der schwierigste Teil wird sein, durch die Zauber hindurch zu kommen und dann überlasse ich es euch, meine Anhänger zu holen und euch mit ihnen aus dem Staub zu machen."
Er hat es mir schon einmal erklärt, aber jetzt wird mir klar, dass ich die Todesser wieder ins Freie führen soll und dass Voldemort noch bleibt.
„Meister", sage ich leise. Meine Stimme wurde magisch geändert, aber da die Mehrheit der Anwesende eh weiß, wer ich bin, spielt es keine Rolle. „Sollte ich, nachdem unsere Aufgabe erfüllt ist, Euch suchen? Oder sollen wir alle auf dieser Klippe auf Euch warten?"
Die dünnen Lippen strecken sich zu einem Lächeln.
„Ihr werdet alle hier auf mich warten", sagt er laut. „Alle, außer dir. Du sollst mich suchen."
„Ich verstehe, Meister", sage ich zufrieden. Ich platze vor Neugier herauszufinden, wie diese Verhandlung aussehen wird. Kann man eigentlich die Worte 'der dunkle Lord' und 'Verhandlung' in einem Satz benutzen? Klingt komisch... Er verhandelt nicht... Nun ja, auch ich bin der Meinung, dass manchmal rohe Gewalt die schnellste und wirksamste Methode ist.
Eine halbe Stunde später erhebt Voldemort sich und nimmt wieder seinen Besen in Hand. Natürlich hält er es nicht für notwendig, zu sagen, dass wir aufbrechen, weil jeder ihn aus dem Augenwinkel beobachtet. Als die Insel, die dunklen Türme und die von Moos überwachsenen Mauern näher und näher rücken, spüre ich etwas Seltsames. Ich habe von diesen Dementoren gelesen und Black hat mir viel über sie erzählt. Ich musste mich ja auf den Angriff vorbereiten, also habe ich ihn danach gefragt. Wenn auch widerwillig, hat Black mir viel gesagt und es waren seine Karte und seine Beobachtungen, die eigentlich zu diesem Plan geführt haben. Denn er hat auch entdeckt, dass die Zauber an einer Stelle im Flügel, wo er eingesperrt war, nicht mal so stark sind und er hat sie auf der Karte mit einem Kreuz gekennzeichnet. So werden wir nicht das ganze Gefängnis durchsuchen müssen, sondern können stattdessen gleich in den Flügel platzen, wo die Anhänger des dunklen Lords sind. Der dunkle Lord hat natürlich Blacks Karte und seine Anmerkungen mit Reserviertheit genommen und hat alles überprüft. Er hat aber nicht gesagt, er wolle ihn sprechen oder sonst was. Momentan wird er ihn in Ruhe lassen, denn er hat wichtigere Sachen im Kopf. Aber ich bezweifele nicht, dass er eines Tages die Frage stellen wird, auf welcher Seite Black steht und dass alles von seiner Antwort abhängt. Meiner Meinung nach wäre Black ein fanatischer und dummer Tagträumer, wenn er nein sagen würde.
Jetzt aber habe ich die Chance, den großen dunklen Lord bei der Arbeit zu sehen. Mir ist klar, dass er gerade Schutzzauber auseinandernimmt, indem er verschiedene Kombinationen versucht und schließlich einen Talisman auf den Boden stellt, der leicht zu vibrieren beginnt. Für einen kurzen Moment war ich mir sicher, dass ich verschiedene Symbole in der Luft schweben gesehen habe, ehe der Talisman aufhört, zu vibrieren und zu glühen. Voldemort nimmt den Talisman in die Hand und lässt ihn in seinem Umhang verschwinden. Er hebt seine Hände, in der einen hält er seinen Stab, und flüstert einen ganzen Satz auf Latein, den ich nicht gut gehört habe. Dieser verdammte Wind!
Aber auch wenn ich nicht ganz verstehe, was er da treibt, kann ich doch zuschauen und seine Magie spüren. Voldemorts Magie hat eine einzigartige Wirkung auf mich. Sie ist wie ein Sturm, der aus dem Nichts erscheint und sich wie eine Welle der Macht über mich ergießt... Er hat perfekte Kontrolle über seine Magie, die ihm blitzschnell gehorcht, und die sich auf sein Kommando in seinen Fingerkuppen sammelt und explodiert... Warum kann sich die Hellmagie nicht so anfühlen? So verdammt gut?
Ich zucke unwillkürlich zusammen als ein ohrenbetäubender Knall ertönt und sogar der Boden unter unseren Füßen zittert. Voldemort springt über die Überreste der Wand und verschwindet in dem Loch. Ich schaue mir kurz über die Schulter und winke den Todessern zu, danach hinein springend, meinen Stab parat haltend. Ich schaue mich schnell um und eile den dreckigen Korridor entlang. Black hat mir schon oft seinen Flügel gezeichnet und alles erklärt, also weiß ich sehr wohl, wo sich die Menschen, die der dunkle Lord braucht, befinden.
Ich wedele im Vorbeigehen mit meinem Stab, ihn auf eine Zelle richtend. Das Schloss schmilzt und die Tür fällt mit einem lauten Knall zu Boden.
„Den da", sage ich laut, auf die Zelle deutend und weiter gehend, ohne über die Schulter zu schauen.
Ich zähle die Zellen, deren Bewohner jetzt schreien und die Hände durch die Gitter strecken, und halte vor der dritten inne, den Stab auf das Schloss richtend. Eine schwarzhaarige Hexe, deren Augen wie zwei Onyxe im Dunkeln glühen, starrt mich aus den Tiefen der Zelle ohne zu blinzeln an. Sie zuckt nicht einmal zusammen, als die Tür in die Zelle umfällt, sondern steht schnell auf und klettert über die Überreste der Zellentür. Das sollte Narzissas Schwester sein. Sie wirft mir einen kurzen neugierigen Blick zu, aber ich habe keine Zeit für sie. Ich habe gerade etwas Seltsames gespürt und wirbele herum.
„Dementoren", flüstert Bellatrix, deren Stimme heiser wegen des Nichtsprechens ist.
Der Korridor vor mir wird auf einmal dunkler und dunkler und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit erfüllt mich. Es fühlt sich so an, als ergebe diese Mission überhaupt keinen Sinn... Wir werden gefangen genommen... Und alles ist sinnlos... Es ist sinnlos, gegen sie zu kämpfen. Meine Magie aber vibriert in meinem Inneren, mich zur Arbeit antreibend, mich daran erinnernd, dass ich hier eine Aufgabe zu erfüllen habe und ich reiße mich zusammen. Die Macht alleine genügt, denke ich, als ich meine beiden Hände in die Luft hebe, dieses Gefühl von Leere mit meinem Zorn ersetzend. Ich deute schnell mit dem Stab auf den Schatten, der sich mir nähert und belege ihn mit einer Illusion, die ich im Voraus vorbereitet habe, und mit der anderen Hand schicke ich eine zornige Welle roher Magie, die den Schatten gerade in dem Moment in die Brust trifft, als er sich der Illusion zugewendet hat.
Schweratmend renne ich an der Gestalt mit der Kapuze vorbei, den nächsten Gefangenen suchend. Die Todesser, die gezögert haben, als sie den Dementor gesehen haben, rennen mir jetzt hinterher, offensichtlich von meinem Erfolg ermuntert. Mein Kopf klärt sich schnell auf und als ich noch ein Schloss schmelze, wird mir schnell klar, was für einen starken und unglaublichen Einfluss diese Dementoren auf die Menschen haben. Für eine Sekunde lang habe ich wirklich daran gedacht, dass das Ganze keinen Sinn ergibt und dass ich überhaupt nicht versuchen sollte, gegen die Dementoren zu kämpfen. Aber vielleicht können die Dementoren nicht viel in meinem Kopf zum Fressen finden. Denn ich habe nicht viele glückliche Erinnerungen.
Vier Zauberer folgen mir dicht auf den Fersen, als eine eiskalte Welle zusammen mit einem Schatten durch den Eingang hindurch kommt. Nun, sie gehen nicht wirklich, sondern schweben oder gleiten. Einen klaren Kopf behalten und Zorn benutzen, Potter. Ich stelle mir Dumbledore vor, der anstatt eines Dementors auf mich zu schwebt und ich hebe wieder beiden Hände. Als die Magie aus meinen Fingern platzt und der resultierende Blitz die Wände rot färbt, höre ich Stimmen hinter mir. Eine Salve von Flüchen wird auf die Dementoren abgeschossen, als ich nochmal die Illusion wiederhole, um sicher zu sein, und an ihnen vorbei sause. Meine Magie fühlt sich überhaupt nicht müde an, denn als ich meinen Stab hebe, um das nächste Schloss zu schmelzen, platzen silberne Funken aus meinen Fingerkuppen.
Ich habe noch nie die Chance gehabt, außer während der dunkle Lord und ich uns duelliert haben, meine Magie freizulassen. Denn das ist genau das, was ich jetzt tue. Ich gebe meinem Zorn Luft; und jeder wütende Gedanke, die Frustration, die Bitterkeit, all das platzt aus mir und gibt meiner Magie Auftrieb. Und obwohl ich am Anfang verdammt nervös war, fühle ich mich jetzt vollkommen frei. Dieses Tier in mir möchte zerstören und töten und heute lasse ich ihm freie Hand, um genau das zu tun. Und es scheint nicht genug bekommen zu können.
„Mein Lord...", flüstert eine heisere Stimme. Die Magie pulsiert in meinem Inneren. Sie fühlt sich an wie ein lebendiges Herz, das in meinem Solarplexus schlägt... und ich wünsche mir mehr Dementoren herbei, sodass ich wieder spüren kann, wie meine Magie wie ein Feuerwerk explodiert und sich auf meine Feinde wirft. Jemand zieht an meinem Umhang und ich wirbele herum, meinen Stab parat haltend. Es ist ein Gefangener, der gerade aus einer Zelle heraus gekrochen ist. In Ordnung... ich bin im Rausch. Ich bin mir meiner Umgebung überhaupt nicht bewusst. Ich hätte ihn töten können, wenn auch unabsichtlich...
„Ich habe gewusst, dass Ihr uns befreien würdet", murmelt der Zauberer.
Ach ja, das war zweifelsohne Augustus Rookwood. Black hat mir von ihm erzählt. Warum gibt es keine Dementoren mehr? Gerade als ich mich umschaue, spüre ich den gedanklichen Ruf des dunklen Lords. Ich entreiße mich dem Griff des Zauberers, der offensichtlich denkt, dass ich Voldemort bin – ist er etwa blind? Vielleicht trage ich ja eine Maske, aber trotzdem kann man erkennen, dass ich ein Junge bin – und hebe die Hand.
„GEHT!", schreie ich.
Bellatrix Lestrange hat sich gerade gebückt, um einen Gefangenen aus der Zelle zu befreien, der offensichtlich verletzt ist. Habe ich das getan? Hoffentlich nicht, denn der dunkle Lord wäre nicht davon begeistert. Sie schaut in meine Richtung und ihre wilden Augen blitzen auf.
„LOS, GEHT!", schreie ich weiter, als ich mich umwende und in Richtung Eingang zum Flügel renne. „LUCIUS!"
Das letzte, das ich gehört habe, ist die Stimme von Lucius, die sie alle weiter treibt. Klar, sie sind alle verwirrt und verletzt und es gibt zweifelsohne welche, die keine Ahnung haben, wo und wer sie sind, aber jetzt ist keine Zeit für so was. Auf Lucius kann ich mich verlassen. Er wird sie alle ins Freie führen.
Vorsichtig gucke ich durch den Eingang. Keine Dementoren. Die quadratische Halle, in welcher verschiedene Korridore in alle Richtungen führen, ist unheimlich still. Hat der dunkle Lord schon etwas geschafft? Redet er mit ihnen? Wie redet man mit einem Dementor überhaupt?
Ich folge meinen Sinnen und steige die Treppen eines stillen (und dreckigen, denn allem Anschein nach scheren sich die Dementoren nicht um Sauberkeit) Turms hoch und platze in ein Büro, wo der dunkle Lord auf einem Stuhl sitzt, von vier Dementoren umgeben. Es liegt eine Leiche auf dem Boden. Wer war das? Ich hatte keine Ahnung, dass es hier noch andere, außer den Dementoren, gibt.
„Komm herein", befiehlt der dunkle Lord.
Die Kapuzen der Dementoren sind auf mich gerichtet, aber sie rühren sich nicht von der Stelle. Also war er anscheinend erfolgreich.
„Also möchtet ihr einen Beweis", sagt der dunkle Lord, der meiner Verbeugung zugenickt hat und sich wieder den wartenden Dementoren zugewandt hat. „Also schön. Der Beweis steht direkt vor euch. Ich bin aus dem Grab auferstanden und habe mir einen jungen Körper für meine Seele beschafft. Ich bin auch in euer Gefängnis eingedrungen und habe meine Anhänger geholt. Und ich habe einen Erben."
Er deutet auf mich und die Dementoren schauen wieder in meine Richtung.
„Sicherlich kennt ihr den Jungen der lebt", sagt er mit einem hämischen Lächeln. „Nun, er ist freiwillig hier. Er ist zur dunklen Seite überlaufen und ich halte ihn für würdig, mein Erbe zu sein. Der Vertreter des Lichtes ist krank und er wird bald sterben. Und wenn das passiert, wird die Zauberwelt ein Durcheinander sein. Da wird es niemanden geben, der euch dazu zwingen könnte, den Zauberern und Hexen weiter zu dienen. Und ihr solltet die Freiheit haben, eure Leben so zu führen wie ihr wollt. Zusammen mit den anderen dunklen Wesen, die von Natur aus zu der dunklen Seite gehören."
Er macht eine theatralische Pause.
„Kämpft mit mir für die Herrschaft der Dunkelheit über die Welt – und ihr werdet endlich, nach Jahrhunderten der Knechtschaft des Ministeriums, frei sein."
Die Dementoren wechseln Blicke und zum ersten Mal höre ich Gurgeln – reden sie miteinander? Wie kann Voldemort sie nur verstehen?
Einer von ihnen schaut in Voldemorts Richtung und gurgelt einen schnellen Satz. War das ein Satz? Keine Ahnung.
„Ja", sagt der dunkle Lord, feierlich nickend. „Die Insel wird wieder euch gehören."
Sie gurgeln weiter miteinander und ich seufze. Ich habe keinen blassen Schimmer, worüber sie labern. Vielleicht könnte ich diesen nützlichen Übersetzungszauber benutzen?
Schließlich schwebt ein Dementor zu Voldemort hinüber – ich halte meinen Stab parat – und Voldemort steht auf. Als sie Hände schütteln, verziehe ich das Gesicht. Die Hand des Dementors besteht nicht nur aus Knochen, wie bei einem Skelett, sondern es gibt auch Fleischstücke, die Morgana weiß wie alt sind. Voldemort wiederum scheint es nicht zu stören. Er schüttelt seine Hand und nickt ihm zu.
„Gut", sagt er zufrieden. „Lasst die restlichen Gefangenen frei und geht."
Die Kapuze des Dementors nickt.
Voldemort zieht etwas aus seiner Tasche hervor und überreicht es dem Dementor. Es ist ein kleiner Totenkopf, der aus Stein (oder Knochen? Ihm würde ich es schon zutrauen) gefertigt ist.
„Wenn ich euch rufe, wird er rot glühen", sagt der dunkle Lord, der sich anmutig zum Gehen wendet.
Der Dementor gurgelt ein paar Worte und der dunkle Lord lächelt flüchtig.
„Oh, das wird er", sagt er finster. „Und ihr könnt meinen Ruf in ein paar Monaten erwarten."
Ich folge ihm durch die Tür heraus und steige die dunklen Treppen des Turms nach unten. Der schwarze Umhang des dunklen Lords flattert im Wind, der durch die Löcher, die eigentlich Fenster sind, in den Turm eindringt. Wenigstens ist so der Gestank nicht so unerträglich.
„Also ist es gut verlaufen", sagt er als wir zusammen die quadratische Halle durchqueren. Wir müssen die gleiche Route nehmen, denn unsere Besen sind noch immer da draußen. Hoffentlich.
„Ziemlich gut", sage ich selbstzufrieden. Ich würde alles geben, um herausfinden zu können, worüber sie gerade gesprochen haben.
„Oh es ist ganz einfach", sagt der dunkle Lord, der sich endlich erlaubt hat, selbstgefällig zu klingen. „Ich werde es dir später erklären. Aber du hast zweifelsohne das wesentliche schon begriffen. Sie werden zu mir stehen. Und das, mein Lehrling, ist ein großer Sieg für die dunkle Seite."
Das kann ich mir vorstellen.
Als wir zurück zur Klippe fliegen, fühle ich mich auf einmal hundemüde. Was ist nur los mit mir? Ich fühle mich wie gerädert.
„Mein Lord!", schreit eine Stimme und ich schaue mich um.
Narzissas Schwester wirft sich direkt vor Voldemort auf den Boden und greift nach seinem Umhang, ihn fanatisch küssend. In Ordnung... Ja, Azkaban ähnelt mehr einer Irrenanstalt als einem Gefängnis, dank der Dementoren. Und das hat das Ministerium gewollt? Dass all diese Menschen tagein und tagaus gefoltert werden? Klar, ihnen fehlt nichts, körperlich, aber das Ministerium weiß sehr wohl, dass die Dementoren sie doch quälen und dass viele von ihnen sich wünschen, sie wären tot. Ist das das Werk eines Weißmagiers, der vergibt und der vergisst? Der Empathie denjenigen gegenüber spürt, die etwas Falsches getan haben? Ist das der Inbegriff eines gutherzigen Weißmagiers, der an das Gute glaubt und der hilfsbereit ist? Sie stecken all diese Menschen nach Azkaban ohne einmal darüber nachzudenken. Natürlich werden sie sie nie wieder sehen und das ist es genau, was sie wollen. Für sie sind sie Verbrecher und eine Schande der Gesellschaft. Aus diesem Grund sperren sie sie an dem Ort ein, wo niemand sie wieder sehen wird und wo sie bald sterben werden. Weiß die Gesellschaft, wie Azkaban wirklich aussieht? Was da passiert?
Gedankenversunken höre ich mit halbem Ohr zu, wie Voldemort seinen befreiten Anhängern erklärt, was gerade passiert ist und ihnen Befehle gibt. Ich schaue auf, als Bellatrix auf mich deutet und fragt, wer ich sein solle.
„Mein Lehrling", antwortet Voldemort kühl.
„Euer... Lehrling?", fragt die Hexe, die nach Luft schnappt. Sie starrt mich mit offenem Mund an. „Aber... aber Ihr habt niemanden gelehrt! Nicht einmal mich!"
Eifersüchtig, Ms Lestrange?
„Dieses Thema ist abgeschlossen, Bellatrix", sagt der dunkle Lord mit Bestimmtheit. „Geh mit Lucius und lass dir helfen. Ich möchte, dass ihr euch so schnell wie möglich wieder erholt. Ihr dürft gehen."
Und wenn der dunkle Lord das sagt, gibt es wirklich keinen Raum mehr für Diskussionen. Er schaut zu mir, als die Zauberer und Hexen wieder, verwirrt und verloren, auf ihre Besen klettern.
Voldemort zückt seinen Stab und deutet damit auf mich. Ich blinzele.
„Hätte ich mir denken können", stellt er trocken fest. „Du hast dich magisch erschöpft. So entzückt von deinem Auftritt wie ich bin, muss ich dich erneut daran erinnern, dass du dreizehn bist und dass deine magischen Reserven sich noch immer nicht zu ihrem vollen Potenzial entwickelt haben. Das passiert wenn du volljährig bist."
Hat er mich gerade gelobt?
„Ich schlage vor, dass du den Unterricht besuchst, aber dass du versuchst, so wenig zu zaubern wie möglich", sagt er.
„In Ordnung", murmele ich und gähne so breit, dass mein Unterkiefer wehtut. Voldemort wirft mir einen genervten Blick zu.
„Kannst du fliegen?", fragt er scharf.
„Natürlich", antworte ich und richte mich auf. Was denkt er, wer ich bin?
„Schön", sagt er. „Gehen wir."
