Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 32 – Verräter und der große Harry Potter

Schon am nächsten Morgen ist der Prophet voller Artikel über den Massenausbruch aus Azkaban. Der Minister behauptet, dass die Dementoren den geflohenen Gefangenen nachjagen, was der Grund für ihr Verschwinden sei.

Ich versuche nicht zu schmunzeln, als ich den Propheten beiseite lege und Draco wirft mir einen vorsichtigen Blick zu. Ich schaue zum Lehrertisch hinüber. Dumbledore ist schon wieder nicht da. McGonagall, die sich im Laufe der Monate schon daran gewöhnt hat, dass sie ihn ersetzen muss, sitzt auf dem Stuhl neben seinem und liest den Propheten. Die Lehrer tuscheln miteinander und so sehr sie versuchen, nicht in Panik auszubrechen und nicht besorgt auszusehen, weiß ich, dass sie trotzdem zu Tode erschrocken sind. All diese Gefangenen, die Irren, die Mörder, die Schwarzmagier, sind wieder frei und die Dementoren sind verschwunden. Das kann nichts Gutes heißen.

Als ich über meinen 'Zustand' nachdenke, d.h. über meine magische Erschöpfung, landet eine Eule direkt vor mir und streckt ihr Bein aus. Ich schnappe mir den Brief von Black und stecke ihn in meine Tasche. Ich werde ihn später lesen.

„Nur keine Panik", sagte Minister Crouch für den Propheten. „Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wir sind nicht ganz sicher, wie die Gefangenen geflohen sind, aber die Abwesenheit der Dementoren deutet sicherlich darauf, dass sie damit beschäftigt sind, sie alle zu holen und zurück zu bringen. Was aber den Ausbruch selbst betrifft, bezweifele ich überhaupt nicht, dass Sirius Black etwas damit zu tun hatte. Schließlich ist er der erste, dem es je gelungen ist, aus Azkaban auszubrechen und offensichtlich hat er sein Geheimnis mit seinen Mitgefangenen geteilt."

„Es handelt sich um viele gefährliche Personen, die um jeden Preis gemieden werden müssen. Falls jemand einen von ihnen entdeckt, sollte er schnell das Ministerium benachrichtigen und auf gar keinem Fall versuchen, diese Person zu überwältigen. In der Aurorenabteilung gibt es ein spezielles Team für solche Fälle, das trainiert ist, mit solch gefährlichen Menschen umzugehen und sie zu fangen. Überlasst ihnen die Arbeit und haltet euch da raus."

Als ich mich zufrieden mit den Slytherins auf den Weg zu den Kerkern mache, kommen wir an Peeves und zwei Mädchen vorbei. Eine Gryffindor presst ein Taschentuch auf ihre blutige Nase und funkelt das andere an. Peeves wiederum zieht Kreise um sie und schreit McGonagalls Namen so laut wie er kann. Ich schmunzele. McGonagalls kleine Aktion scheint sehr erfolgreich und effektiv zu sein.

Gut, ich werde mich ausruhen. Und dann werde ich meinen Plan in die Tat umsetzen. Dumbledore muss so schnell wie möglich sterben. Das an sich ist kein Problem mehr, denn in der Zwischenzeit habe ich mir schon hunderte von guten Plänen ausgedacht, aber der Mann ist nie da. Wie fängt und tötet man jemanden, der nie da ist? Wo ist er überhaupt?

Der dunkle Lord ist der Meinung, dass ich ihn vielleicht an den verschiedenen Orten finden könnte, wo sich die Gegenstände, die Teile seiner Seele enthalten, befinden. Ich wiederum hatte eine Idee und ich habe ihn um Hilfe gebeten. Ich muss dazu fähig sein, Dumbledore aufzuspüren, ohne dass er weiß, dass ich hinter ihm her bin. Wenn wir alleine sind, wird alles anders aussehen. Versteht mich nicht falsch – ich bin ja kein selbstsicherer Idiot, der glaubt, er könne es mit Dumbledore aufnehmen und überleben. Nicht, dass Dumbledore mich wirklich töten würde. Denn das ist ja unter seinem Niveau. Aber ich wäre enttarnt und gefangen und das wäre das Ende von allem.

Nein, ich habe einen besseren Plan. Drei Tage später kommt eine kleine Schachtel vom dunklen Lord an. Darin gibt es einen Brief für mich und auch eine Phiole. Ich grinse breit, als ich die Phiole hochhalte und die grüne Flüssigkeit darin betrachte. Das ist mein Weg zum Erfolg. Und zur Freiheit.

Mir ist ja klar, dass ich von Aufpäppel-Tränken schon ganz schön süchtig bin und dass Snape es weiß. Ich habe auch ein paar dunkle Zauber in alten Büchern gefunden, die einem ermöglichen, ohne viel Schlaf und Erholung zu funktionieren, die aber zur Folge haben, dass man leicht reizbar und sprunghaft ist. Damit kann ich jedoch leben und ich benutze sie ziemlich oft.

Das unheimliche an allem ist, dass die Slytherinbande mich jetzt als ihren Anführer betrachtet und mir überall hin folgt. Denn auch wenn der Prophet nicht weiß, was in Azkaban geschehen ist, sie wissen es schon. Hermine ist ihr seltsames Benehmen nicht entgangen und ich weiß, dass sie insgeheim darüber nachdenkt und Schlüsse daraus zieht. Vielleicht denkt sie, dass es wegen der dunklen Magie ist, aber ich kenne sie. Sie wird keine Ruhe finden, bis sie den wahren Grund, der dahinter steckt, herausfindet.

Die Slytherins erlauben mir sie rumzukommandieren und ich habe auch Zabini und Theodore die Aufgabe gegeben, Dumbledore im Auge zu behalten, wenn er in der Schule ist. Zwar gibt es natürlich Slytherins, die keine Ahnung haben, was vorgeht, aber ihnen ist durchaus klar, dass etwas im Gang ist. Und sie schweigen. Ein paar Male ist schon einigen Menschen etwas passiert, was ihnen die Nachricht – halt die Klappe! – ziemlich deutlich übermittelt hat. Aber mir ist ja klar, dass ich vorsichtig und auf der Hut sein muss. Man weiß ja nie. Und schließlich habe ich es nicht selbst getan und so kann man mir nichts nachweisen. Anhänger sind eine wunderbare Sache! Ähm... habe ich das soeben gedacht? Ist Lord Voldemort schon wieder in meinem Kopf?

Als wir uns auf den Weg zu Kräuterkunde machen, höre ich ganz deutlich McGonagalls Stimme, die durch die Eingangshalle hallt. Wen schimpft sie jetzt aus? Gibt es schon wieder eine Prügelei?

Eine hässliche Hexe steht bei ihr, zusammen mit einem Mann, der eine Kamera in den Händen hält. Alles an dieser Hexe kommt mir übertrieben vor. Ihre kitschige Handtasche, ihr rotes Seidenhemd, das all ihre Argumente zur Schau stellt und ihre glänzend sauberen Schuhe; aber vor allem ihr unehrliches, süßes Lächeln, hinter dem Morgana weiß was steckt. Diese Frau fällt einem gleich ins Auge – aber in einem schlechten Sinne. Nun ja, diejenigen, die Interesse an ihrem Ausschnitt haben, können vielleicht doch etwas Interessantes an ihr finden. Sie versucht etwas zu sagen und öffnet den Mund, aber McGonagall ist schneller.

„Was fällt Ihnen nur ein, so in die Schule reinzuplatzen?", höre ich McGonagalls aufgebrachte Stimme.

Ich runzele die Stirn. Wer ist sie? Ist sie etwa eine Ministerialbeamtin? Sie öffnet den Mund, aber McGonagall unterbricht sie. Schon wieder.

„Sie sollten erst mit seinem Vormund reden, denn er ist ein Minderjähriger. Und ich werde so was bestimmt nicht in Hogwarts erlauben!"

„Aber Sie sind nicht die Schulleiterin", gelingt es der Hexe zu sagen. Sie lächelt süß. McGonagall verengt die Augen.

„Der Schulleiter ist momentan abwesend", erwidert sie durch die Zähne. „Und in seiner Abwesenheit bin ich seine Vertreterin."

„Ach, Dumbledore ist nicht hier? Wie bedauerlich", höhnt die Hexe. „Wo ist er? Sollte ein Schulleiter nicht immer in seiner Schule sein?"

„Versuchen Sie bloß nicht, Lügen über den Schulleiter zu verbreiten!", zischt McGonagall gefährlich. „Dumbledores Gründe sind seine eigenen und ich mische mich nicht ein."

'Du jedoch siehst wie der Typ aus, der kein Problem damit hätte', sagt ihr Blick anstatt ihr.

Der Blick der Hexe fällt auf mich und ihr Ausdruck erhellt sich.

„Ach, da ist er!", ruft sie glücklich. „Harry, mein lieber Junge, hättest du Zeit für ein kurzes Gespräch?"

Ich halte inne und mustere sie von oben bis unten.

„Ich rede nicht mit Fremden", sage ich kühl. Ich weiß nicht, wer diese Hexe ist, aber sie gefällt mir nicht. Zudem hat mir Draco einen Schubs in den Rippen gegeben und das heißt etwas. Er denkt auch, dass die Hexe gemieden werden soll.

Für einen Moment lang sieht die Hexe so aus, als hätte ich ihr eine verpasst. Dann lächelt sie wieder. Dieses süße Lächeln kann Dumbledores Zwinkern Konkurrenz machen...

„Oh, tut mir leid, Harry, ich bin außer mir vor Freude, dass ich dich endlich getroffen habe", sagt sie mit einer zuckersüßen Stimme. „Ich bin Rita Kimmkorn und ich schreibe für den Propheten."

Das erklärt die Kamera. Eine Reporterin also? Na krass. Das brauche ich nicht. Nun... vielleicht... ich muss darüber nachdenken.

„Sie möchten mit mir reden? Warum denn?", frage ich argwöhnisch.

„Ich möchte natürlich ein Interview", sagt Rita Kimmkorn begeistert. „Der Junge der lebt hat auf einmal das Haus gewechselt und so wie ich es sehe, geht es ihm ganz gut in Slytherin... Die Zauberwelt möchte über dich lesen, Harry. Komm schon. Nur ein paar Worte."

McGonagall richtet sich empört auf, sagt jedoch nichts.

„Ich werde zuerst mit meinem Vormund darüber reden. Denn ich weiß nicht, ob ich es tun darf", sage ich diplomatisch. Ich habe ihr ja nicht gleich nein gesagt. „Und jetzt muss ich gehen. Ich habe Kräuterkunde."

„Oooh, ja, du bist sehr fleißig am Lernen, was?", sagt Rita Kimmkorn. Der Mann mit der Kamera hebt diese in die Luft, aber McGonagall zischt wütend.

„Ich verbiete es", sagt sie gefährlich. „Mr Potter hat euch jetzt gesagt, was er euch sagen wollte. Und jetzt geht. Wir haben alle zu tun, anstatt hier den ganzen Tag lang rumzustehen und zu plaudern!"

„Du solltest nicht mit ihr reden", meint Draco, als wir die Eingangshalle verlassen. „Sie ist gefährlich. Sie wird jedes deiner Worte im Mund verdrehen und vielleicht wird sie auch... etwas herausfinden. Mein Vater meint, dass sie einen Weg gefunden hat, um die Menschen zu belauschen, ohne dass sie es bemerken."

„Echt?", frage ich neugierig. „Das ist interessant. Aber sie kann nicht in Hogwarts reinkommen, oder? Die Zauber würden wissen, dass sie hier ungeladen ist und sie würden reagieren. Oder?"

„Theoretisch, ja", murmelt Draco. „Aber wie erklärst du den Artikel über Hagrid? Klar, der Mann ist groß und dumm genug, um mit den Riesen verwandt zu sein, aber da gab es keinen Beweis. Sie jedoch hat einen gefunden. Sie hat auch den Namen seiner Mutter und seines Vaters herausgefunden. Und du hast gesagt, dass du einmal mit ihm darüber gesprochen hast. Und ich denke, dass sie euch belauscht hat."

„Wie denn? Hermine und ich waren in seiner Hütte und wir haben niemanden gesehen", sage ich überrascht. Das ist mir nie eingefallen. Vielleicht bin ich mit meinem Training und mit dem dunklen Lord viel zu beschäftigt, um über solche Sachen nachzudenken.

„Hast du Schutzzauber verwendet?", fragt Draco.

„Nein", sage ich. „Ich habe einfach keinen Grund gesehen, so was zu tun." Ach so.

„Na da hast du es", stellt Draco fest.

Interessant. Ich werde einen Brief an Narzissa schreiben. Eine Reporterin ist eine ausgezeichnete Waffe, um der Welt eine Nachricht zu übermitteln. Natürlich nur wenn sie nur meine Nachricht übermittelt und nicht Schwachsinn schreibt. Vielleicht könnte ich sie doch für etwas benutzen?

Auf meinem Weg zu Kräuterkunde sehe ich eine Figur in einem purpurroten Umhang, die langsam und mühevoll den schmalen Pfad hochklettert, um zur Schule zu gelangen. Dumbledore. Ich habe ihn seit Wochen nicht gesehen. Und er sieht älter und schlimmer aus denn je. Der Fluch des dunklen Lords breitet sich langsam durch sein Blut aus und urplötzlich wird mir klar, wie wenig Zeit ich noch habe.

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Als wir die große Halle am Nachmittag betreten, stelle ich zu meiner großen Überraschung fest, dass Dumbledore auf seinem Stuhl sitzt. Er hat einen todernsten Ausdruck im Gesicht, wenn er denkt, dass niemand zuschaut. Aber jetzt plaudert er mit McGonagall und lächelt in die Runde als die anderen Lehrer ihn begrüßen. Als ich meinen Löffel in den Schockladenpudding stecke, steht er auf und die Schüler verstummen. Ich verenge die Augen. Was jetzt?

„Ich möchte euch alle um Verzeihung bitten, dass ich in letzter Zeit nicht oft genug in Hogwarts war, wie es von einem Schulleiter zu erwarten ist", sagt er laut. „Aber jetzt bin ich wieder da und ihr werdet mich nicht so leicht loswerden können."

Soll das ein Witz sein? Einige Gryffindors lachen sogar. Arschkriecher.

„Nun, ich stimme allem zu, was Professor McGonagall in meiner Abwesenheit getan hat", fährt er fort. Er hustet. Ihm geht es echt schlecht. Aber seine blauen Augen zwinkern fröhlich, als er seinen Blick über die Halle schweifen lässt.

„Und ich werde heute meinen eigenen Vorschlag machen. Ich denke, dass wir alle es verdienen, uns etwas zu entspannen, also schlage ich einen Ball vor. Einen Walpurgisnachtsball."

Er schaut sich um, auf eine Reaktion wartend, die auch nicht ausfällt. Die Schüler beginnen aufgeregt miteinander zu tuscheln und Dumbledore lächelt breit. Ja, er hat bezweckt, was er wollte. Sie haben ihm vergeben, weil er ja diesen lächerlichen Ball veranstalten wird. Und wozu ist das bitteschön gut? Nun ja, die Mädchen sehen sehr aufgeregt aus, denn sie hoffen, dass die Jungen, auf die sie ein Auge geworfen haben, sie zum Ball einladen werden. Schwachsinn.

„Also gefällt euch meine Idee?", fragt Dumbledore laut. McGonagall sieht noch immer ein wenig überrascht aus, aber sie nickt langsam. Die Schüler muss er gar nicht fragen, denn sie brechen in Jubel aus. Er hat sie mit so etwas wie einen Ball gekauft...

„Ausgezeichnet", sagt Dumbledore begeistert. „Ich werde alles vorbereiten."

Und jetzt hast du noch eine gute Ausrede, um nicht in der Schule zu sein. Ausgezeichnet. Eines muss man ihm lassen – er weiß, wie Teenager funktionieren und er weiß sehr wohl, womit man sie kaufen kann.

„Was für ein Scheiß", murmele ich, als ich mich wieder meinem Pudding widme.

Ich schaue wieder zum Lehrertisch und zu meiner großen Überraschung, Dumbledore starrt mich an. Dieses Mal gibt es kein väterliches Zwinkern in seinen Augen und kein Lächeln in seinem Gesicht. Er sieht todernst aus und mustert mich. Dann schüttelt er leicht den Kopf und blickt weg. Was sollte das bitteschön heißen? Was weiß er? Weiß er etwas?

Ok, keine Panik, Potter. Er hat keinen Beweis. Oder doch? Beweis für was?

„Harry", sagt Zabini leise, auf eine Eule deutend, die direkt vor mir gelandet ist und die mit einem ausgestreckten Bein dasteht.

„Ist das für mich?", frage ich schlechtgelaunt. Die Eule schüttelt das Bein anstatt mir eine Antwort zu geben. Denn natürlich kann sie nicht mit mir sprechen. Ich schüttele den Kopf und versuche mich zusammenzureißen.

„Lieber Harry,

Leider hatten wir keine Chance, zu reden. Ich schicke dir diesen Brief, um dich von etwas in Kenntnis zu setzen und das wirst zu zweifelsohne zu schätzen wissen.

Ich habe vor ein paar Tagen mit Ms Molly Weasley geredet und sie hat mir eine spannende Geschichte über dich erzählt. Sie hat mir gesagt, dass du ihrem Sohn gedroht hast und dass du aus diesem Grund das Haus gewechselt hast. Ist das wahr? Wie dem auch sei, Harry, siehst du sicherlich ein, dass ich auch ohne deine Hilfe eine sehr spannende Geschichte schreiben könnte. Ein Gryffindor, der bei einer dunklen Familie wohnen möchte, der seinen ehemaligen besten Freund angreift und danach dazu gezwungen ist, das Haus zu wechseln... Eine sehr spannende Geschichte. Der Junge der lebt, der zur dunklen Seite überlaufen ist. Das würde Schlagzeilen machen, denkst du nicht?

Ich hoffe, dass du dich doch dazu entscheidest mit mir zu reden. Wir können uns in Hogsmeade treffen.

Rita Kimmkorn."

„Diese verdammte..." platzt es aus mir. Draco schaut mich alarmiert an.

Warum können mich nicht einfach alle in Ruhe lassen? Warum muss man mich immer plagen? Warum muss ich Harry verdammter Potter sein? Nun, das ist eine gute Frage. O Harry, Harry, warum bist du Harry? Ich schnaube. Ich sollte mit Lucius reden. Aber ich habe mich schon entschieden, mich mit der Kuh zu treffen. Ich muss herausfinden, was genau sie weiß. Denn das, was Draco mir gesagt hat, ist sehr beunruhigend. Ich bin immer sehr vorsichtig, aber man weiß ja nie. Ich habe viel zu verbergen und wenn sie nur einen winzigen Teil davon wüsste, wäre ich erledigt. In den Händen einer Reporterin wäre so was eine gefährliche Waffe, die mein Untergang sein könnte.

Molly Weasley. Nachdem Hermine und ich entschieden haben, sie wegen Ronald doch nicht zu Weihnachten zu besuchen, denkend, es könnte schlecht enden, hat sie ihre eigenen Schlüsse daraus gezogen. Wir haben ihr zwar einen Brief geschickt und uns entschuldigt, aber na ja. Vielleicht war es ein Fehler. Jetzt denkt sie, ich sei gefährlich. Ich werde ihrem Ronnie etwas antun. In diesem Moment bedauere ich zutiefst die Tatsache, dass ich ihm doch nichts angetan habe. Das war der wahre Fehler. Ist das der Grund, warum Lupin mich in letzter Zeit meidet? Ich habe ihn ja nicht zum Tee eingeladen, aber er hätte auch selbst fragen können. Aber das hat er nicht. Er wirkt müde und distanziert. Besorgt. Ich sollte mit ihm reden. Vielleicht würde ich auf diese Weise etwas herausfinden können.

Angesichts dessen, was ich heute erlebt habe, nämlich diesen eiskalten Blick von Dumbledore, scheint nichts mehr so wichtig zu sein, wie das. Einmal habe ich mich gefragt, wie Dumbledore diese Prophezeiung oder was auch immer sie war, interpretieren würde, aber jetzt kommt sie mir wie eine Nebensache vor. Und natürlich kann ich nicht herausfinden, was er damit sagen wollte.

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Als ich mich später gedankenverloren auf den Weg zum Arithmantikunterricht mache, höre ich meinen Namen und halte inne. Ich befinde mich gerade hinter ein paar Säulen, die es für die Sprecher unmöglich machen, mich zu sehen. Aber ich kann sie hören... Und sie reden über mich. Neugierig, lehne ich mich gegen eine dicke Säule und höre zu.

„Ich sage euch, er ist gefährlich", sagt eine Stimme. „Ronald Weasley möchte nichts mit ihm zu tun haben und jedes Mal, wenn man Potter erwähnt, wechselt er das Thema. Er hat Angst vor ihm. Was hat er ihm angetan? Warum hat McGonagall auf einmal entschieden, ihn nach Slytherin zu stecken?"

„Dort gehört er ja hin, mit den anderen Schlangen", schnaubt jemand.

„Du hörst nicht zu", meldet sich wieder die erste Stimme zu Wort. „Wie kommt es, dass die Slytherins jemanden wie Potter herzlich willkommen heißen? Und das ist nicht alles – sie folgen ihm wie brave Hündchen. Was hat er getan oder gesagt, um sie für sich zu gewinnen? Versuch doch, mit einem Slytherin über Potter zu reden. Sie möchten über ihn nicht reden. Als hätte er ihnen verboten, ein Sterbenswort über das, was er tut, zu sagen."

„Denkst du, dass er das ganze Haus mit einem schwarzmagischen Fluch belegt hat?", fragt jemand.

„Er ist ein Schlangensprecher, er ist jetzt ein Malfoy und das ganze Haus Slytherin hat Schiss vor ihm", sagt die erste Stimme. „Und habt ihr Dumbledore gesehen? Er sieht krank aus. Wenn ihr mich fragt, hat Potter auch ihm etwas angetan."

Noch nicht. Aber bald, sehr bald...

„Warum unternimmt keiner etwas? Warum lässt man ihn frei rumlaufen?"

„Weil ihn anscheinend keiner bei etwas Verdächtigem ertappen kann", sagt die erste Stimme verbittert. „Aber wäre ich McGonagall, würde ich seine Sachen durchsuchen. Snape wird es wohl kaum tun. Jeder weiß, dass er bis über beide Ohren in Schwarzmagie verliebt ist. Er würde ihn schützen und ihm helfen – weswegen ihn noch keiner auf frischer Tat ertappt hat."

„Aber McGonagalls neuer Zauber – er kann niemandem etwas antun, oder? Der Zauber würde ihn daran hindern", sagt eine panische, weibliche Stimme.

„Ja, aber ich bin mir nicht sicher, dass dieser Zauber auch gegen Schwarzmagie wirksam ist."

„Denkst du wirklich, dass er ein Schwarzmagier ist?", flüstert eine besorgte Stimme. „Das kann wohl nicht sein. Er ist der Junge der lebt!"

„Ronald Weasley hat ihn gut gekannt und er glaubt, dass er ein Schwarzmagier ist. Er hat auch versucht, es zu beweisen, aber Potter hat ihn irgendwie zum Schweigen gebracht und jetzt möchte er nicht darüber reden. Wäre ich McGonagall, hätte ich Potter eingesperrt und würde nach einem Beweis in seinem Koffer suchen. Wer schützt seine Sachen? Nur diejenigen, die etwas zu verheimlichen haben."

Ich widerstehe dem beinahe unwiderstehlichen Drang, gerade in jenem Moment aufzutauchen und sie zu Tode zu erschrecken, aber ich schüttele den Kopf und gehe weiter. Ich habe genug gehört. Vielleicht habe ich darüber nicht nachgedacht, aber sicherlich gibt es solche und ähnliche Gerüchte, die in der Schule im Umlauf sind. Und obwohl ich weiß, dass es nur Gerüchte sind, sagt man nicht umsonst, wo Rauch sei, da gebe es auch Feuer. Bald wird man peinliche Fragen stellen und Rita Kimmkorn ist anscheinend die erste, die solche Fragen gestellt hat.

Vielleicht sollte ich den Slytherins sagen, sie sollen mich wie Dreck behandeln, aber das wäre noch verdächtiger. Denn nicht alle sind so gute Schauspieler. Als ich mich seufzend in einen Sessel im Slytheringemeinschaftsraum niederlasse, denke ich ernst darüber nach. Vielleicht übertreibe ich ja. Vielleicht bin ich leichtsinnig. Ich laufe durch die Schule mit dunklen Ringen unten den Augen, ich bin oft verletzt, dank Voldemorts 'Unterricht', und die Slytherins folgen mir und gehorchen mir und jeder sieht es. Aber was kann ich tun?

„Wir möchten unseren Bericht in Bezug auf Dumbledores Bewegungen abstatten", sagt eine ernste Stimme, die mich aus den Gedanken heraus reißt. Ich verdrehe innerlich die Augen. Sie sind so vorsichtig und so formal, wenn sie in meiner Nähe sind.

„Setzt euch", sage ich und deute auf das Sofa mir gegenüber, mir dabei wie Voldemort vorkommend. Ich verziehe das Gesicht, als Zabini und Nott sich hinsetzen und sich nach vorne lehnen.

„Heute ist ein Fremder vorbeigekommen", sagt Zabini flüsternd. „Und Flitwick hat ihn zum Büro des Schulleiters begleitet."

Ich spitze die Ohren.

„Wisst ihr, wer er ist?" frage ich.

„Wir denken, dass er ein Heiler ist", sagt Nott leise.

„Nur weil Dumbledore krank aussieht, heißt das nicht...", fange ich an.

„Nein, Flitwick hat ihn gefragt, ob es Dumbledore gut gehe, aber er wollte ihm keine direkte Antwort geben", Nott unterbricht mich.

„Und er war zwei Stunden lang drin", sagt Zabini triumphierend.

„Interessant", meine ich.

„Danach ist Dumbledore in seinem Büro geblieben", sagt Zabini, der mich erwartungsvoll anschaut.

Zuerst erwartet man von mir, dass ich Voldemort töte, denn ich bin ja der Junge der lebt. Jetzt bin ich der Junge, der der Lehrling des dunklen Lords ist und man erwartet schon wieder etwas von mir. Aber dieses Mal bin ich mir nicht sicher, was.

„Welche Laus ist dir über die Leber gelaufen?", fragt Draco leise, als die zwei selbstzufrieden aufstehen und gehen. Ich lege einen Arm um seine Schulter und seufze. Eine Erstklässlerin kommt an uns vorbei und lässt zufällig ein Buch fallen. Als sie mich erblickt, nimmt sie es wieder in die Hände und läuft so schnell wie möglich davon. Ich verdrehe die Augen.

„Das", sage ich, auf die Stelle deutend, wo sie vor ein paar Momenten gestanden hat. „Schon wieder bin ich das Gesprächsthema Nummer eins. Dieses Mal aber bin ich der Inbegriff des Bösen. Ein gefährlicher Schwarzmagier, der wahrscheinlich die Hälfte des Hauses verzaubert hat, sodass man ihm gehorcht und ihm überall folgt."

„Ach das", sagt Draco seufzend.

„Natürlich gibt es keinen Beweis für nichts", sage ich genervt. „Aber das hilft wohl kaum. Wenigstens gibt es Hermine. Aber auch sie ist momentan nicht die beliebteste Schülerin in der Schule."

„Was hast du vor?", fragt Draco leise.

„Hör mal", sage ich, mich ihm zuwendend und einen Schutzzauber sprechend. „Bald wird es soweit sein. Und falls man mich enttarnt, mich verdächtigt und ich wirklich nichts unternehmen kann... werde ich danach die Schule verlassen müssen."

Draco schaut auf seine Hände hinunter und schweigt. Er hat natürlich gewusst, was ich plane und er hat schon etwas Derartiges vermutet.

„Wirst du bei ihm wohnen?", fragt er. Ich nicke.

„Wenigstens wärst du dort sicher, mit seinen Schutzzaubern und allem", murmelt er. „Wir...", Er schaut sich um, aber keiner ist so dumm, sich in unserer Nähe hinzusetzen, wenn es offensichtlich ist, dass wir ein ernstes Gespräch führen. „Wir müssen Bellatrix und Rodolphus verstecken. Und es ist nicht leicht."

„Haben sie sich erholt?", frage ich.

„'Erholt' ist nicht das beste Wort, um ihren Zustand zu beschreiben", sagt Draco verbittert. „Tante Bellatrix geht es nicht gut. Körperlich ist sie gesund, ja, Mutter hat für sie beide Tränke besorgt und obwohl sie immer Gesundheitsprobleme haben wird, wegen der Unterernährung und der Tatsache, dass sie jahrelang eingesperrt war, also ihre Knochen und Muskel in einem erbärmlichen Zustand sind... geht es ihr nicht gut. Sie hat Wutanfälle. Manchmal weint sie stundenlang. Manchmal aber schreit sie und beleidigt jeden, der in der Nähe ist. Der einzige, der sie beruhigen kann und den sie respektiert, ist der dunkle Lord."

Ich schnaube und erinnere mich an die ganze Show des Umhangküssens. Es ist ganz offensichtlich, dass Bellatrix von Voldemort angetan ist. Vielleicht ist sie in ihn verliebt?

„Und wo sind die anderen?", frage ich.

„Keine Ahnung", murmelt Draco.

Im Laufe der Monate bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich Dracos Gesellschaft schätze. Ich kann nicht sagen, dass ich in ihn verliebt bin, aber ich genieße seine Gesellschaft und ich finde es schön, meine Freizeit mit ihm verbringen zu können. Wenn er aber mit mir alleine ist, benimmt er sich ganz anders. Er fühlt sich sicher bei mir, was die Tatsache beweist, dass er zweimal mit seinem Kopf in meinem Schoß eingeschlafen ist und dass er seine Gefühle nicht verbirgt. Er sagt mir gleich, wenn er genervt ist, wenn ihn etwas bedrückt oder wenn etwas ihn glücklich gemacht hat. Er fragt gerne um Ratschläge und er vertraut sich mir an. Er ist klug und er ist eine sehr komplexe Person, mit einer Menge Interessen, für die er aber einfach keine Zeit hat. Und manchmal sitzen wir nur da und plaudern.

Ich habe ihn gerne. Aber ich könnte auch ohne ihn leben. Hört sich das egoistisch an? Kalt? Vermutlich. Aber ich erlaube Draco einige meiner Gesichter zu sehen, was ich niemandem anderen erlauben würde. Ich kann mich auf ihn verlassen und ich weiß, dass er mich versteht. Dass er, was auch immer ich sage oder tue, nicht davon laufen wird. Und das spricht Bände. Wir verstehen uns ohne Worte benutzen zu müssen und ihn wundert nichts, was ich sage oder tue. Er akzeptiert mich so wie ich bin und versucht nicht, mich zu ändern. Und jetzt wäre so was eh vergeblich. Ich habe endlich mich selbst gefunden und möchte mich keinem anpassen. Ich möchte keine unnötigen Rollen spielen. Und mit Draco kann ich genau das sein, was ich wirklich bin. Oft kommen wir an Paaren vorbei, die sich gegenseitig anschreien und wegen Kleinigkeiten streiten; an Mädchen, die wegen irgendeinem Jungen weinen; oder an Jungen, die zu verbergen versuchen, dass sie ihre Partnerin oder ihren Partner furchtbar vermissen, aber nichts unternehmen möchten. Meine Beziehung mit Draco ist unkompliziert. Klar, er war am Anfang sehr eifersüchtig und auch jetzt bemerke ich, dass er Theodore vernichtende Blicke zuwirft, falls er mit mir redet oder mir zu nahe steht, aber jetzt möchte er nichts dazu sagen. Wir streiten uns fast nie; weil es einfach nichts gibt, was eines Streits wert ist. Wenn ich wirklich schlecht gelaunt bin und meinem Zorn Luft geben möchte, gehe ich zum Raum der Wünsche und kehre müde zurück. Denn ich weiß, dass falls ich Draco wegen irgendetwas anbrüllen würde, was gar nichts mit ihm zu tun hat, es unfair wäre. Er verdient es nicht.

Vielleicht gibt es doch einen Weg, auf dem ich meine momentane Situation lösen kann. Jeder liest den Propheten und es wäre ein taktischer Zug, dieser Reporterin zu sagen, was ich möchte, sodass die ganze Welt es weiß. Langsam kräuseln sich meine Lippen zu einem bösartigen Lächeln und Draco verengt die Augen.

„Was heckst du aus? Ich weiß, dass du etwas ausgeheckt hast, dir steht es auf der Stirn geschrieben", sagt er.

Er kennt mich zu gut.

„Weißt du", sage ich, „Ich denke, dass ich doch mit dieser Reporterin reden werde."

„Das ist nicht dein Ernst!", platzt es schockiert aus Draco.

„Oh ja", sage ich zufrieden. „Sie möchte eine Story – ich werde ihr eine geben. Aber meine eigene Version davon."

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Ich schicke ihr einen Brief und mache mich zufrieden aus der Eulerei mit Amu um meine Schultern gewickelt auf den Weg zu den Kerkern. Als ich um die Ecke biege, pralle ich beinah gegen Lupin, der einen Stapel Papiere trägt. Sind das etwa Hausaufgaben?

„Oh, Harry, hallo", sagt er verlegen. Er richtet sich auf und legt schnell eine Hand auf den Stapel, sodass er nicht auseinanderfällt. Sein Blick fällt auf Amu, der mich neugierig beobachtet.

Jeder hat ihn schon gesehen. Vielleicht ist das noch eine Sache auf der Liste, was Harry Potter böse macht. Warum schere ich mich überhaupt darum, was die Menschen denken? Amu ist mein Haustier – wäre es NORMALER, ein gewöhnliches Haustier zu haben, sowie eine Katze? Ich werde nie ein durchschnittlicher Junge sein und jetzt möchte ich das auch nicht. Vielleicht machen mir die verängstigte Blicke und das nervöse Tuscheln Spaß. Vielleicht mag ich es ja, den Menschen Angst einzujagen. Jahrelang hat man mich ausgelacht und jahrelang hat man mich als Freak bezeichnet. Wahrscheinlich hört es sich ziemlich jämmerlich an, aber als ich klein war, habe ich manchmal davon geträumt, dass ich in die Schule komme und dass alle Angst vor mir haben. Na dann... ich bin ja der Erbe der Dunkelheit. Eines Tages wird man wirklich Angst vor mir haben. Ich habe mich mit dieser Tatsache ziemlich gut abgefunden, oder?

„Professor", sage ich, ihn höflich anlächelnd. Amu streckt seine Zunge aus und Lupin zuckt zusammen. „Wie geht es Ihnen? Wir hatten keine Chance, um miteinander zu reden."

„Ich bin nur ein wenig müde", erwidert Lupin, der offensichtlich mit sich selbst ringt. In der Zwischenzeit bin ich ziemlich geschickt mit meiner Legilimentik geworden, also kann ich ab und zu die Gedanken von Menschen sozusagen 'fangen'. Der dunkle Lord ist der Meinung, dass ich meine eigene Methode erfunden habe. Und in diesem Moment wird mir klar, dass Lupin verzweifelt ist und dass er mit mir reden möchte, aber zur gleichen Zeit möchte er es auch nicht.

„Hätten Sie Zeit für Tee?", frage ich freundlich. „Ich hätte da ein Problem... und ich würde gerne mit Ihnen darüber reden."

Ein Harry Potter, der ein Problem hat und darüber reden möchte, das kann er nicht ignorieren. Er räuspert sich und nickt dem Stapel zu.

„Wie du siehst, habe ich eine Menge Arbeit", sagt er. „Aber na ja... man muss sich auch die Zeit nehmen, um Tee zu trinken."

„Ausgezeichnet", sage ich begeistert und folge ihm zu seinem Büro.

Lupin plaudert nervös über den Ball und ich beschreibe ihm die Atmosphäre, die in Slytherin herrscht. Die Mädchen sind total verrückt geworden. Nur gut, dass jeder weiß, dass ich mit Draco verlobt bin also versuchen sie gar nicht, zu fragen. Die Tatsache, dass man schwul ist, scheint ihnen auch nichts zu bedeuten, denn sie haben auch Theodore Nott geplagt.

„Ich halte nicht viel von diesen Festivitäten", sage ich, als wir weiter gehen. „So was ist für die Mädchen."

Lupin kichert und nickt.

„Aber ich mache mir Sorgen um Hermine, denn ich weiß ja nicht, ob sie gehen will oder nicht. Bei ihr weiß man ja nie. Sie benimmt sich nicht wie ein Mädchen", sage ich ernst.

„Gibt es jemanden, mit dem sie ausgehen möchte?", fragt Lupin überrascht.

„Nicht, dass ich wüsste", sage ich nachdenklich. „Wissen Sie, ich betrachte Hermine als meine beste Freundin. Aber zur gleichen Zeit ist mir klar geworden, dass sie ja ein Mädchen ist." Lupin lächelt. „Und dass sie vielleicht mit jemandem zum Ball gehen will. Sie möchte mit mir darüber nicht reden und ich weiß nicht einmal, zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlt."

Lupin schaut mich verwundert an.

„Denkst du... dass sie vielleicht auf Frauen steht?", fragt er vorsichtig.

„Ist doch möglich, oder? Ich hatte auch keine Ahnung, dass ich auf Kerle stehe, bis ich einen geküsst habe", sage ich achselzuckend.

Aus irgendeinem Grund findet Lupin dieses Thema ziemlich peinlich und er räuspert sich verlegen. Er sieht aber ein, dass er seine Pflicht als mein Freund und Berater erfüllen sollte.

„Du solltest sie zu nichts zwingen", meint er. „Du solltest sie, meiner Meinung nach, nur fragen, ob sie deine Hilfe benötigt. Aber so wie ich Ms Granger kenne, kann sie sich um sich selbst ziemlich gut kümmern."

„Das stimmt", sage ich gedankenverloren.

„Aber ich finde es schön, dass du ihr helfen möchtest", fügt Lupin hinzu.

Denn das macht mich zu einer guten Person. Harry Potter bekommt Punkte für gute Taten.

„Ich wollte über Rita Kimmkorn reden", sage ich, als wir es uns in seinem Büro bequem machen. Lupin gafft mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Die Reporterin. Ms Weasley hat ihr davon erzählt, dass ich Ronald bedroht habe und jetzt glaubt diese Reporterin, dass es eine sehr gute Geschichte wäre. Natürlich kommt auch die Tatsache, dass ich jetzt ein Slytherin und ein Malfoy bin dazu, und das alles, würde ihrer Meinung nach, eine spannende Geschichte über mich ergeben. Sie hat mir aber einen Brief geschickt, mir anbietend, dass ich mich mit ihr treffe und ihr die Wahrheit erzähle. Sie ist natürlich nicht hinter der Wahrheit her; sie möchte nur einen Artikel über mich schreiben, den man lesen wird. Was auch immer im Artikel stehen würde."

„Das ist schlimm", meint Lupin schockiert. „Das ist schlimm, Harry. Du solltest ihr nichts sagen, denn sie wird deine Worte verdrehen und zu ihren eigenen Schlüssen kommen. Sie ist dafür berüchtigt."

„Sie kommt eh zu ihren eigenen Schlüssen", sage ich, ihn musternd. „Sie möchte mich als eine verrückt gewordene Person darstellen, die zur dunklen Seite überlaufen ist. Sie wird eh schreiben, was auch immer sie will."

„Ein Erwachsener sollte mit ihr reden", ist Lupins Meinung. „Vielleicht Ms Malfoy?"

Denkst du wirklich, dass es dieser Schlampe gelingt, mich zu manipulieren? Mich, Harry Potter? In Ordnung, jetzt klinge ich genau wie Voldemort. Bitte bösartiges Gelächter und einen wahnsinnigen Ausdruck hinzufügen und da habt ihr es.

„Ich werde darüber schon mit Narzissa reden, keine Sorge", sage ich schnell. „Aber ich wollte eigentlich fragen, ob Sie dabei sein möchten? Mir ist ja klar, dass ich mit Kimmkorn früher oder später reden muss, aber ich wollte einen Freund dabei haben. Einen erwachsenen Freund."

Und da treffe ich einen Nerv. Seine Augen werden nass und er nickt langsam. Ich habe ihn als meinen Freund bezeichnet – wird er weinen?

„Natürlich, Harry", flüstert er. „Ich werde nicht zulassen, dass sie einen schrecklichen Artikel über dich schreibt, der dir das Leben zerstören könnte."

„Die Gerüchte sind genug", knurre ich absichtlich.

Lupin wirft mir einen seltsamen Blick zu.

„Und du unternimmst nichts dagegen, wenn ich das sagen darf", sagt er leise. Ehe ich etwas sagen kann, fährt er fort. „Weißt du, Harry, du bist mir sehr lieb. Und ich stehe auf deiner Seite, ob du es akzeptieren möchtest oder nicht. Ich möchte nur das Beste für dich und ich möchte für dich da sein, wenn du mich brauchst."

„Aber Harry, ich bin ja nicht dumm", murmelt er, mir nicht in die Augen schauend. „Ich weiß, dass du die dunkle Magie übst. Und ich weiß, dass es nicht nur eine Freizeitbeschäftigung ist. Ich habe ein paar kleine Tests gemacht. Sicherlich wirst du mir verzeihen, wenn dir klar wird, dass ich niemandem von den Ergebnissen erzählt habe."

„Wirklich?", frage ich mit einem hämischen Lächeln. Ich fixiere ihn mit einem herausfordernden Blick und lehne mich zurück.

„Ja, wirklich, Harry", sagt Lupin ernst. „Da gibt es so etwas, was Dunkeldetektor heißt. Erinnerst du dich daran, als etwas im Klassenraum explodiert hat? Das ganze Klassenzimmer war voller Rauch."

Ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe. Dunkeldetektoren? Wie kommt es, dass Voldemort mich nicht davor gewarnt hat? Was ist das überhaupt? Ich habe davon nie gehört.

„Siehst du, ein Dunkeldetektor ist so eine kleine Kugel, die so verzaubert ist, dass sie auf die dunkle Magie reagiert. An Menschen oder an Gegenständen. Sie findet die Quelle und dann ändert sie die Farbe. Sie hätte nur die Farbe ändern sollen, aber sie ist explodiert. Aber nicht ehe sie ganz schön rot wurde."

„Ich habe natürlich gedacht, dass der Detektor fehlerhaft ist und ich habe noch zwei fertiggestellt und sie benutzt. Einmal im Korridor und einmal vor dem Slytheringemeinschaftsraum."

Und ich habe gedacht, dass jemand eine Vorliebe für Stinkbomben hatte und versucht hat, mich umzubringen oder schwer zu verletzen. Na ja, der erste Gedanke des großen Harry Potters wäre natürlich, dass jemand versucht, ihn zu ermorden. Aber eigentlich wäre ich erleichtert, wenn das der Fall wäre.

„Das war echt leichtsinnig von Ihnen, Professor, und ich kann nicht glauben, dass von allen Menschen Sie so was getan haben", platzt es aus mir.

Lupin gluckst und schaut mich traurig an.

„Wie gesagt, ich wollte die Wahrheit wissen, aber ich habe niemandem davon erzählt. Und keine Sorge, die Detektoren können niemanden verletzen, ihr einziger Zweck ist es, auf die dunkle Magie zu reagieren", sagt er. „Also? Bist du ein Schwarzmagier?"

Ich seufze und schüttele meine Hand, sodass mein Basiliskenstab in meine Hand fällt, ohne dass Lupin es bemerkt.

„Ja", sage ich leise.

„Warum?", fragt Lupin einfach.

„Weil ich einen dunklen Kern habe, ganz einfach", knurre ich. „Die dunkle Magie ist in meinem Blut."

„Verstehe", sagt Lupin leise. Wir beide schlucken, den Zug des anderen erwartend.

„Du kannst den Stab wegstecken", sagt er leise, die Stille brechend. „Harry." Er schaut mir direkt in die Augen. „Ich stehe auf deiner Seite. Ich möchte dir helfen. Ich billige zwar nicht, was du da tust, aber ich werde dich nicht verurteilen."

„Ach, nein, echt?", zische ich wütend und springe auf, mit dem Stab auf ihn deutend.

Lupin schluckt wieder, den Stab musternd.

„Und wie kann ich bitteschön sicher sein? Können Sie es beweisen? Jeder könnte das sagen und dann schnell zu Dumbledore rennen, um meine Geheimnisse auszuplappern. Wenn Sie wirklich auf meiner Seite sind, beweisen Sie es", zische ich gefährlich.

Lupin sitzt wie angewurzelt da und starrt mich an. Wahrscheinlich hat er dieses Gesicht von mir nie gesehen und er weiß einfach nicht, was er tun sollte.

„Belegen Sie es mit einem unbrechbaren Schwur", zische ich, auf ihn zukommend und ihn genau beobachtend. Ich bin bereit, ihn in die Hölle zu fluchen, falls er nach seinem Stab greift. Sein Stab jedoch bleibt auf dem Tisch liegen.

„Vertraust du mir so wenig?", fragt Lupin leise. Er zögert... Warum zögert er?

„Hier reden wir über mein Leben", sage ich leise. „Falls jemand davon Wind bekommt, wird man mich in Azkaban einsperren. Also falls ich Ihnen wirklich so lieb bin, hätten sie keine Probleme damit haben sollen, den Schwur abzulegen."

„Du hast Recht", murmelt Lupin. Er hebt beiden Hände in die Luft und steht auf. Meine Hand, die den Stab hält, umklammert ihn noch fester, als ich so unauffällig wie möglich versuche, in seine Gedanken einzudringen. Das ist nicht gut. Er denkt an Dumbledore. Ich ziehe mich schnell zurück. In Ordnung, Potter, ruhig bleiben. Alles hängt davon ab, was du sagst und wie du dich benimmst.

„Du wirst aber eine dritte Person für den Schwur brauchen."

„Ich weiß", sage ich breit grinsend. „Blutiger Baron!", rufe ich. Lupin schaut mich verwundert an, als der Geist vor mir erscheint. „Sagen Sie Draco, er solle bei Professor Lupins Büro vorbeikommen."

Der Geist schaut sich kurz um und verschwindet durch den Spalt unter der Tür.

„Du hast den blutigen Baron unter deiner Kontrolle?", fragt Lupin leise. „Wie hast du das nur geschafft?"

„Charisma", sage ich breit grinsend.

„Und ein bisschen dunkle Magie?", fragt Lupin vorsichtig. Er erkennt jedoch, dass ich keiner Laune bin, verarscht zu werden und verzichtet deswegen auf weitere Kommentare.

„Das auch", erwidere ich.

„Denkst du wirklich, dass die Tatsache, dass du einen dunklen Kern hast, die Ausrede für das Üben der dunklen Magie sein sollte?", fragt Lupin.

Mann gibt es dumme Menschen auf dieser Welt. Etwas an ihm gefällt mir jedoch nicht. Jetzt benimmt er sich mir gegenüber nicht länger freundlich – er ist ein schlimmer Schauspieler. Wäre er wirklich darauf erpicht, zu mir zu stehen und mir zu helfen, würde er jetzt nicht die Zeit ausnutzen, um mir weitere Fragen zu stellen. Er wird mich angreifen, das weiß ich... Aber ich bin bereit.

„Ich möchte darüber nicht reden", sage ich schnell.

„Ich wollte zwar nicht an die Gerüchte glauben, Harry", sagt er. Höre ich Verzweiflung in seiner Stimme? „Aber leider sind sie wahr."

Seine Hand zuckt; aber glücklicherweise bin ich schneller.

„Petrificus totalus!", zische ich.

Lupin kippt um. Ich atme tief durch, gehe auf ihn zu und mustere ihn.

„Warum hast du es getan?", stöhnt er.

„Denkst du wirklich, dass du mich täuschen kannst? Mich?", zische ich. „Du hattest vor, mich Dumbledore zu übergeben!"

Für eine Sekunde lang spiegeln seine Augen Überraschung und Entsetzen, als er darüber nachdenkt, wie ich es wissen kann. Ob er es erraten hat oder nicht, ist mir in diesem Moment egal.

„Für dein eigenes Wohl, Harry, dir geht es nicht gut", sagt er leise.

Oh, jetzt hat er Angst, wie spannend. Das Gefühl von Macht strömt durch mich und ich grinse breit. Bis mir klar wird, was ich gerade getan habe. Ich habe einen Lehrer am hellen Tage angegriffen. In seinem eigenen Büro. Toll! Schlimmer kann es nicht sein...

Draco platzt herein und schließt schnell die Tür hinter sich, als ihm klar wird, was hier passiert ist. Er schluckt und wird blass.

„Ja, ich weiß", murmele ich.

Was sollte ich tun? Ich muss Lupin irgendwie zu Voldemort bringen, denn alleine kann ich sein Gedächtnis nicht löschen. Der dunkle Lord hat mir zwar beigebracht, wie man es macht, aber es ist echt kompliziert und ich möchte es nicht vermasseln. Danach sollte ich Lupin wieder herbringen, aber ich weiß nicht, ob sein Gedächtnis zu löschen eine permanente Lösung ist. Denn wenn er schon einmal darauf gekommen ist, dass ich mich mit der dunklen Magie beschäftige, kann er es wieder tun.

„Das ist schlimm", murmelt Draco, der Lupin mit weit aufgerissenen Augen anschaut.

„Ziemlich", sage ich geistesabwesend. „Ich brauche deine Hilfe, Draco."

„Natürlich", erwidert er schnell.

Ich krempele meinen Ärmel hoch und lege zwei Finger auf mein dunkles Mal. Wie aus der Ferne höre ich, dass Lupin nach Luft schnappt und etwas Unverständliches murmelt.

'Ich habe ein Problem, und es ist dringend', denke ich, sobald ich Voldemorts Gegenwart spüren kann.

Bis dahin hat er sich ein wenig genervt angehört, als unterbreche ich ihn bei etwas sehr Wichtigem. Er hält aber inne, als er die Panik in meinen Gedanken spürt.

'Ein Lehrer hat etwas über mich herausgefunden und er wollte mich Dumbledore übergeben. Es ist notwendig, sein Gedächtnis so bald wie möglich zu löschen', fahre ich fort.

'Hast du ihn verletzt?', fragt Voldemort.

'Nein, ihm geht es gut.'

'Bringe ihn so schnell wie möglich zu mir', denkt Voldemort.

Er hat bisher an etwas gearbeitet, jetzt aber steht er schnell auf und zückt seinen Stab.

'Nimm die Überreste des Vielsafttranks und gib sie Draco. Er soll für eine Weile als dieser Lehrer rumlaufen, sodass man ihn sieht. Ihr seid in seinem Büro?'

Ich nicke gedanklich.

'Gut, also er sollte das Büro als dieser Lehrer verlassen, mit ein paar Menschen ein paar Worte wechseln und dann zurück kommen und sich ins Büro einsperren, sagend, er habe viel zu tun. Draco sollte dort auf dich warten. Verstehst du? Und jetzt geh.'

„Den Tarnumhang habe ich dabei", sage ich laut, als ich das dunkle Mal loslasse. „Aber ich habe keinen Vielsafttrank."

„Ich habe ihn mitgebracht", sagt Draco sofort.

Ich schaue ihn verwundert an.

„Ja, der blutige Baron hat mir gesagt, du stehst gerade mit Professor Lupin in seinem Büro und dass es so aussieht, als bedroht er dich. Mir ist klargeworden, dass du in Schwierigkeiten steckst, also habe ich eine Menge Sachen mitgebracht. Unterdessen deine Tränke, einen Dolch und..."

Ich küsse ihn schnell auf die Lippen und Draco grinst verlegen.

„Du bist ein echter Schatz", sage ich grinsend. „Ich muss gehen. Der dunkle Lord hat gesagt, du sollst den Vielsafttrank nehmen und für eine Weile als Lupin rumlaufen. Danach sollst du dich in sein Büro einsperren und hier auf mich warten. Ist dir alles klar?"

„Ja", sagt Draco, dessen Augen glitzern. „Keine Sorge."

Er bückt sich über Lupin, um ein paar Haare für den Trank zu besorgen. Denn er weiß ja nicht, wie lange ich fort sein werde. Ich grinse breit. Obwohl Draco sich nicht von der dunklen Magie angezogen fühlt, denkt er zweifelsohne wie ein Schwarzmagier.

„Also hast du dich ihm angeschlossen", murmelt Lupin, der mich mit weit aufgerissenen Augen anstarrt, als ich mit meinem Stab auf ihn deute.

„Klappe", knurre ich schlechtgelaunt. „Sonst wirst du erfahren, was ich bei dem dunklen Lord gelernt habe."

Ich zaubere ihn federleicht, belege ihn mit einem Stillezauber und werfe ihn über meine Schulter. Draco wirft den Tarnumhang über uns und küsst mich kurz ehe ich unter dem Tarnumhang verschwinde.

„Viel Glück", sagt er mir hinterher.

„Dir auch", erwidere ich, als ich die Tür öffne und nach rechts und links blicke. Der Korridor vor mir ist menschenleer. Gut.

Trabend mache ich mich auf den Weg zum Eingang des Geheimgangs. Als ich zum dritten Stock gelange und um die Ecke biege, fallen mir Ron Weasley und Lavender Brown ins Auge, die sich leidenschaftlich küssen. Na so was. Sie zuckt zusammen und schaut sich um.

„Was war das?", fragt sie leise, sich umschauend. Langsam schleiche ich mich weiter, hoffend, dass sie nicht ein Bein oder eine Hand gesehen hat. Dieser Korridor war immer spärlich beleuchtet, weswegen sie ihn als ihren Treffpunkt ausgewählt haben. Gut zu wissen, dass ich hier auf Weasley und die Schlampe stoßen kann.

„Nichts", sagt Weasley, der sie zu sich zieht. „Wahrscheinlich eine Ratte."

Lavender lässt sich nicht lange überreden und umarmt ihn. Ich atme erleichtert aus, als ich mich meinem Ziel nähere und in die Schatten hinter der Statue schlüpfe. Hoffentlich wird er nicht hören, wenn die Statue zur Seite gleitet. Und auch wenn... er hat keine Ahnung, was hinter der Statue steckt. Geschafft. Sobald ich im Geheimgang bin, beginne ich wieder zu laufen, so schnell wie der Gang es mir erlaubt. Ab und zu stolpere ich über eine Wurzel oder einen Stein, fluche und laufe weiter. Dieser Mistkerl... Warum musste er mein Leben verkomplizieren? Hätte er nicht einfach den Schwur ablegen können? Er denkt, er kümmert sich um mich, aber so würde ich nicht die Sorge um jemanden bezeichnen. Er wollte mich Dumbledore geben. Und dann was? Dann würde Dumbledore mich einer Gehirnwäsche unterziehen, sodass er mich gegen Voldemort aufhetzen kann. Oder er würde mich einfach nach Azkaban stecken und allen sagen, ich sei gefährlich und von Voldemort besessen. Und so was nennt man gute Absichten?

Für eine Weile habe ich sogar geglaubt, dass er mir helfen möchte. Er hatte Gewissensbisse und ich weiß, dass ich ihm leid getan habe. Aber das ist leider nur für den alten Harry Potter gültig. Für einen armen Jungen, der nichts alleine tun kann und der Angst hat. Der Hilfe benötigt. Hätte ich dieses jämmerliche Wesen mein ganzes Leben lang bleiben sollen? Wenn man die Initiative zeigt und die Sachen in seine eigenen Hände nimmt, muss was mit einem nicht stimmen. Man ist böse, weil man niemandem vertraut und weil man sich nur auf sich selbst verlässt. Wenn dem so ist, können alle zur Hölle fahren, denn ich werde nie wieder dieses hilflose, jämmerliche und verängstigte Wesen sein, das ich einmal war. Nie und nimmer.

Voldemort wartet in der Eingangshalle auf mich und zieht mit einer ungeduldigen Bewegung den Tarnumhang von meinem Kopf ab.

„Was hast du getan?", fragt er scharf, den Stab zückend und Lupin schwebend lassend.

Ich beginne ihm eilig von den Geschehnissen zu erzählen, als ich ihn in sein Arbeitszimmer begleite. Wir ignorieren Lupins schockierten Ausdruck, als wir zusammen die Treppen nach oben steigen.

Voldemort setzt sich hinter seinen Schreibtisch und mustert den Lehrer, den er unsanft auf dem Boden abgelegt hat.

„Er ist ein Werwolf, oder?", fragt Voldemort unnötigerweise, mit seinem Stab spielend. „Ich werde sein Gedächtnis löschen und die Lücke mit etwas Unwichtigem erfüllen. Im Laufe dieser Woche wirst du ihn beobachten, aber ich denke nicht, dass er selbst den Zauber brechen kann. Dumbledore wiederum könnte ihm dabei helfen, wenn etwas oder jemand seinen Verdacht erregt."

„Also denkt Ihr nicht, dass ich ihn nach einer Weile in den verbotenen Wald schleifen und ihn da töten soll?", frage ich.

Voldemort wirft mir einen seltsamen Blick zu. Ich weiß nicht, ob er überrascht oder wütend ist. Bei Voldemort weiß man ja nie.

„Wie gesagt, es wäre fast unmöglich, meinen Zauber zu brechen", meint er kalt.

Oh Verzeihung, an sein Ego habe ich nicht gedacht. Ich bin nur um meine eigene Haut besorgt. Denn ich bin derjenige, der tief in der Tinte steckt!

„Aber Dumbledore könnte es tun. Du hast eh gesagt, du wirst bald deinen Plan in die Tat umsetzen."

Ich nicke schnell.

„Wann?", fragt Voldemort.

„Walpurgisnacht", sage ich sofort. „Anders geht es nicht, denn der Mann ist nie da. Und auch wenn er da ist, ist er in seinem Büro eingesperrt. Ich werde natürlich auf der Hut sein, ich werde dafür bereit sein, es jederzeit tun zu können, aber da gibt es einen Walpurgisnachtsball und er wird da sein. Es wird eine Menge Menschen in der großen Halle geben und ich werde schon meine Chance bekommen."

„Jemand sollte sich jedoch für dich ausgeben", meint Voldemort.

„Natürlich, das wird Theodore erledigen", sage ich sofort.

Voldemort lehnt sich zurück und lächelt hämisch.

„Gut", sagt er zufrieden. „Du hast an alles gedacht. Ich aber habe eine Forderung."

Natürlich hat er eine.

„Ich möchte dabei sein. Wenn es dazu kommt, rufe mich", sagt er grinsend.

Wenn Voldemort grinst, sieht er keinesfalls glücklich oder freundlich aus. Er sieht angsteinflößend aus. Ist er sich dessen bewusst?

„Ich möchte zuschauen, wenn du ihn tötest", sagt er.

„Natürlich", sage ich und grinse ebenso. Der Gedanke an sich ist so verlockend... Ihn endlich töten zu können... Ich werde frei sein...

„Schön", sagt Voldemort und steht auf, mich damit aus meinen Gedanken reißend. „Ich werde vielleicht einen Auftrag für dich haben, aber wir können bei unserem nächsten Treffen darüber reden. Jetzt sitze ganz still und lass mich arbeiten."

Ich schaue zu, wie der dunkle Lord aufsteht und auf Lupin zugeht, dessen Augen tellergroß sind.

Der dunkle Lord schließt die Augen und atmet tief ein. Er scheint über etwas nachzudenken, oder sich für seine Aufgabe vorzubereiten. Nein, eigentlich denkt er sich eine Erinnerung aus, die er in Lupins Kopf einpflanzen wird. Ja, das muss es sein. Er deutet mit seinem Stab auf Lupin, der seine Augen schließt und ein silberner Strahl gleitet anmutig aus seinem Stab hervor und kriecht unter Lupins Haare. Lupin zittert am ganzen Leib, als Voldemort, leicht vor sich hin murmelnd, die Erinnerung an meinen Angriff in den Hintergrund fallen lässt und sie mit seiner Magie hinter einer Barriere einsperrt. Als Voldemort weiter arbeitet – jetzt scheint er auch nach ähnlichen Erinnerungen zu suchen, sowie was Lupins Verdacht erregt hat – sitze ich tief atmend und genieße das Gefühl, das mir seine Magie bietet. So köstlich...

„Ich bin fertig", sagt der dunkle Lord, der sich von Lupin abwendet. „Jetzt ist er bewusstlos und er wird es für ungefähr zwei Stunden bleiben, also beeile dich."

„Vielen Dank, Meister", sage ich, Lupin federleicht zaubernd.

„Ja, ja", winkt er ab. „Wir reden später. Geh schon."

oooooooooooooooooo

Wenn so etwas wie Glück existiert, hatte ich heute eine Menge davon. Denn als Draco und ich uns später in unser Bett legen – wer braucht zwei Betten, wenn man das Zimmer mit seinem Liebhaber teilt? – bin ich gezwungen zu sagen, dass alles reibungslos verlaufen ist. Draco erzählt mir leise, wie er auf Professor Flitwick gestoßen ist und mit ihm geredet hat. Professor Flitwick hat ihm gesagt, er solle das Lehrkörpertreffen nicht vergessen, denn sie werden über den näher kommenden Ball sprechen. Draco hat einen vergesslichen Professor gespielt und Professor Flitwick hat ihn netterweise an den exakten Termin erinnert. Lupin ist auf einmal etwas eingefallen, also musste er schnell zurück in sein Büro und Professor Flitwick hat ihm gesagt, er solle sich öfter ein wenig ausruhen, denn der Stress sei anscheinend nicht gut für ihn.

Ich bin für Draco Malfoy sehr dankbar. Und vielleicht bin ich die Mehrheit der Zeit sehr egoistisch und denke nur an meine Arbeit. Aber ich liebe ihn auf meine eigene Weise. Ich respektiere ihn und schätze ihn als meinen Partner. Und nach dem zu urteilen, was ich schon über die Beziehungen von den anderen erfahren und gesehen habe, denke ich, dass diese Einstellung vielleicht wertvoller ist als Liebe, so wie andere Menschen sie betrachten. Denn wir verstehen uns und wir respektieren uns gegenseitig; er wird mich nicht verraten und auch ich werde ihn nicht verraten. Ich verspüre überhaupt keinen Wunsch, den andern Jungen hinterher zu schauen und warum auch? Draco ist verdammt hübsch und beim Anblick von seinem perfekten Hintern fällt mir das Herz in die Hosen hinunter. Da existiert eine tierische Anziehungskraft zwischen uns und wir sind schon viele oft ins Männerklo verschwunden, um rumzuknutschen. Ich versuche, nicht an das Versprechen, das ich Lucius in Bezug auf Draco gegeben habe, zu denken, aber da gibt es Momente, in denen ich wirklich nichts dagegen hätte, Draco immer dabei zu haben.