Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
oooooooooooooooooo
Kapitel 33 – Sei doch ehrlich, HarryJeden Tag bin ich auf der Hut. Jeden Tag muss ich darauf achten, was ich sage und wie ich mich benehme. Und jeden Tag muss ich Lupin im Auge behalten. Dumbledore ist schon wieder nie da. Man sagt, dass er mit den Vorbereitungen für den Ball beschäftigt ist, aber das glaube ich natürlich nicht. Er ist noch immer den verfluchten Gegenständen von Voldemort hinterher und er wird seine Suche nicht aufgeben. Der dunkle Lord wiederum hat mir gesagt, er habe alles unter Kontrolle, was auch immer das heißt. Ich solle mich lieber meinem Plan widmen und vorsichtig sein. Nun ja, es handelt sich nicht um die Teile MEINER Seele, also von mir aus... Mein Plan steht bereit und mit der Lösung, die ich vom dunklen Lord bekommen habe, habe ich das letzte Puzzleteil, das ich brauche. Ich bin schon jedes Detail meines Plans immer wieder durchgegangen und jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, spüre ich ein Kribbeln in meinem Magen. Fühlen sich alle Mörder so, wenn sie ihre üblen Taten im Voraus planen? Es macht so viel mehr Spaß, sie zu planen und darüber ständig nachzudenken...
Als ich das letzte Mal beim dunklen Lord war, waren auch Rodolphus und Bellatrix dort. Ich habe Draco schon von diesem Vorfall erzählt und er hat mir von Bellatrix erzählt, das heißt, das, was er von seinem Vater erfahren hat. Narzissa war die Kluge und Bellatrix war die Wilde. Aber Draco hat meine Vermutungen bestätigt, was die ungesunde Fixierung und Obsession von Bellatrix auf den dunklen Lord angeht. Lucius glaubt nicht, dass sie in ihn verliebt ist, aber sie ist eine dunkle Magierin. Und so wie wir alle, fühlt sie sich von seiner Macht angezogen. Ich wiederum verstehe, dass der dunkle Lord NICHT die dunkle Magie ist. Ich liebe die dunkle Magie und das Gefühl, welches die Verwendung von dunkler Magie mir bietet. Aber ich setze Voldemort nicht mit der dunklen Magie gleich. Klar, er ist der Vertreter der Dunkelheit und so was können die dunklen Magier natürlich spüren, genauso wie die Hellmagier sich von Dumbledore angezogen fühlen. In gewissem Sinne vergöttert Bellatrix Voldemort, weil er für sie die Macht der Dunkelheit darstellt, aber das ist eine hellmagische Einstellung. Echte dunkle Magier vergöttern niemanden und auch nicht die dunkle Magie, obwohl es manchmal so scheint. Denn wir betrachten ihre Macht als unsere eigene und verspüren keinen Drang, sie zu verehren. Aus diesem Grund gibt es eine sehr dünne Linie zwischen Selbstsicherheit und Einbildung.
Habe ich mich gerade als einen echten dunklen Magier bezeichnet? Tja, ich bin einer.
/Rückblende
Als ich das Arbeitszimmer des dunklen Lords betrete, bemerke ich zuerst, dass er anscheinend den ganzen Tag hier verbracht hat. Und außerdem sitzen zwei Menschen vor seinem Schreibtisch, die mich seltsam anschauen, als ich rein komme.
Bellatrix Lestrange... so sehr ich auch versuche, die Frau zu bemitleiden, ich schaffe es nicht. Ja, sie ist durch die Hölle gegangen; und ja, das Leben hat nicht mit ihr gespart. Aber das ist kein Grund, den Menschen gegenüber gemein zu sein. Azkaban hat sie ihrer Schönheit beraubt; aber die Überreste davon sind noch immer da. Ihr schwarzes Haar, das ihr blasses Gesicht umrahmt, ähnelt dem von Sirius. Und ihre wilden Augen passen gut zu diesem Bild von wilder Schönheit und Leidenschaft für die dunkle Magie. Das kann ich verstehen, denn auch ich teile diese Leidenschaft. Und sie ist mächtig. Ich kann es spüren. Sie besitzt enorme Machtreserven, die jedoch ungezähmt sind. Sie ist wie eine abgemagerte und verbitterte Schlange, die zu viel Zeit in Gefangenschaft verbracht hat; die manche Sachen mit ihrem ganzen Herzen liebt und manche mit ihrem ganzen Herzen hasst; die bereit ist, für ihre Liebe und für ihren Hass zu töten. Und in dieser Ansicht ähnelt sie Narzissa. Aber es gibt auch diese gewisse Dunkelheit in ihr, die in Narzissa nicht zu finden ist. Diese emotionale und geistige Instabilität, die sie von Innen auffrisst und die sie jederzeit über den Rand des Verstands stoßen und sie dadurch vernichten kann.
Rodolphus wiederum kommt mir wie ihr Gegenteil vor. Er scheint mir kein mächtiger Magier zu sein. Ich kann einen Schatten in seiner Seele spüren, ein Geheimnis, etwas, was ihn ständig plagt und worüber er nachdenkt. Er ist keine kongruente Person, sondern eine Mischung von schlechten Erlebnissen, mit denen er sich nie abgefunden hat und die er nie hinter sich gelassen hat, von Leid, Hass und Liebe; von Eifersucht und von Unsicherheit, die ihn daran hindert, dass er selbst etwas unternimmt und in etwas erfolgreich wird. Und wenn er die dunkle Magie benutzt, verleiht sie ihm das Gefühl von Unbesiegbarkeit. Ja, ich kann nachvollziehen, warum er zusammen mit seiner Frau die Eltern von Neville Longbottom in den Wahnsinn gefoltert hat. Denn die dunkle Magie gibt ihm etwas, was er nie hatte. Aber das ist natürlich keine gesunde Einstellung. Dieser Mann ist traurig und verbittert – und solche dunklen Magier können sehr gefährlich sein. Denn bei Bellatrix weiß man wenigstens, wo man steht. Bei Rodolphus jedoch nicht. Hinter seinen Augen lauern Mordlust und Demenz, die einen dazu bringen können, schreckliche Sachen zu tun. Was er ja schon bewiesen hat...
Laut Draco lieben sie sich nicht sonderlich. Sie haben geheiratet, weil ihre Eltern es gewollt haben. Im Laufe der Jahre haben sie gelernt, sich gegenseitig zu erdulden. Aber sie haben doch viel gemeinsam; und laut Draco sind sie eher Freunde und Partner, als ein Ehepaar. Lucius ist auch der Meinung, dass Bellatrix und Rodolphus Liebhaber hatten, was natürlich nichts Ungewöhnliches für solche Ehen ist. Aber Hermine hat Recht. Ich stimme mit der Mehrheit der uralten dunklen Traditionen überein; mit dieser jedoch nicht. Es ist reine Qual und eine Verletzung der Menschenrechte. Insbesondere weil wir hier über die dunklen Magier reden, deren Prinzipien sich auf Freiheit und persönliche Einstellung der dunklen Magie gegenüber gründen. Und diese Tradition kommt mir unlogisch vor.
„Komm rein, Harry", sagt Voldemort und deutet auf einen freien Stuhl.
Ich verbeuge mich leicht und gehe erhobenen Hauptes zu meinem Stuhl, von seinen Blicken begleitet.
„Du erinnerst dich an Bellatrix und Rodolphus", sagt Voldemort.
Die beiden starren mich wortlos an.
„Ach ja", sage ich gelassen und lächele hämisch. „Das letzte Mal habe ich eine Maske getragen."
Sie schweigen.
„Sie wissen es nicht, Meister?", frage ich Voldemort. Der dunkle Lord zuckt mit den Achseln, aber mir ist vage klar, dass ihn diese Situation amüsiert.
„Ich habe ihnen von dir erzählt", sagt er ruhig. „Denn sie, als meine treuen Diener, möchten natürlich alles über meinen Lehrling wissen."
Bellatrix gafft mich noch immer an.
„Ich habe einen Auftrag für dich, Harry", sagt Voldemort, die beiden ignorierend. „Bellatrix und Rodolphus dürfen mitkommen, aber nur wenn sie mir versprechen, dass sie nichts... Unangemessenes... tun werden."
„Natürlich nicht, mein Lord!", sagt Bellatrix sofort. Ihr wildes Haar erinnert mich an das von Hermine, das elektrisiert ist, wenn sie außer sich ist. „Aber dieses... dieses..."
Ihre Augen blitzen auf, als sie versucht, sich ein Wort auszudenken, das mich beschreiben würde.
„Mein LEHRLING", sagt Voldemort, das Wort betonend, „hat mein volles Vertrauen."
Sie schließt sofort den Mund, aber das hindert sie nicht daran, mich anzufunkeln.
„Also, Harry, deine Aufgabe ist, etwas aus dem Ministerium zu holen", sagt der dunkle Lord, zu mir gewandt. Was? „Einer meiner Diener wird euch dabei helfen, ins Ministerium reinzukommen. Er kann aber an eurer Aktion nicht teilnehmen, denn er darf keinen Verdacht erregen. Also wenn ihr drin seid, seid ihr ganz alleine. Das, was ich benötige, befindet sich in der Mysteriumsabteilung."
„Ist das etwas, was uns im Krieg helfen wird?", frage ich. Bellatrix gibt einen seltsamen Laut von sich, der eine Mischung von Gelächter und Gurgeln ist. Ich ignoriere sie.
„Ja, Harry", sagt Voldemort lächelnd und lehnt sich zurück. Er presst die Finger gegeneinander etwas, was Tom oft getan hat.
„Es handelt sich um einen dunklen Gegenstand, den das Ministerium gefunden hat und dort aufbewahrt. Es ist deine Aufgabe, diesen Gegenstand zu finden und ihn zu mir zu bringen. Du musst aber darauf achten, dass er keinesfalls mit irgendeinem Zauber belegt wird – denn das könnte ihn beschädigen."
Als ich seiner Erklärung, was dieses Etwas eigentlich ist, zuhöre, wird mir allmählich klar, wie viel es für die dunkle Seite bedeuten wird, diesen Gegenstand zu haben. Aber ich frage mich, warum er ausgerechnet mich dorthin schickt. Jetzt hat er wieder seine Anhänger, die es problemlos erledigen könnten. Ich wiederum könnte in Schwierigkeiten geraten, falls jemand in der Schule herausfindet, dass ich nicht da bin. Jemand würde schon zwei und zwei zusammenzählen. Soll das noch ein Test sein? Möchte er sehen, ob ich es schaffe?
Zwei Stunden später entlässt der dunkle Lord uns und ich wundere mich darüber, dass er heute nicht mit mir trainieren möchte. Wahrscheinlich sehe ich mehr tot als lebendig aus und Voldemort, auch wenn er kein Erbarmen hat, sieht ein, dass ich in diesem Zustand nichts tun kann. Obwohl ich mich auf seinen Unterricht gefreut habe, ist mir klar, dass mein Körper Erholung braucht.
„Du sollst uns also anführen?", fragt Bellatrix leise, als wir die Treppen nach unten steigen. Dann prustet sie los – und sie lacht zusammen mit Rodolphus so leise sie kann, während ich mir überlege, ob jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Cruciatusfluch wäre. Ich habe ihn ja für eine lange Zeit nicht benutzt. Und man soll üben...
„Harry Potter", schnurrt sie und leckt sich über die Lippen. „Hast du Angst, Harry Potter? Vor der bösen Tante Bellatrix?"
Ich mustere sie und neige den Kopf zur Seite. Man sollte ihr wirklich ihren Platz zeigen.
„Hat die arme Tante Bellatrix vergessen, wann sie ihren Trank zu sich nehmen muss?", frage ich sie. „Denn ich kann schon die Anzeichen von Verrücktheit bemerken. Und der dunkle Lord würde sicherlich nicht wollen, dass sie in diesem Zustand ins Ministerium geht und etwas Dummes anstellt."
Bellatrix sieht aus, als hätte ich ihr eine verpasst. Ihre Hand zuckt – und ich strecke meine aus, eine Welle von roher Magie auf sie loslassend, gleichzeitig zur Seite springend, weil ich den Angriff von Rodolphus erwartet habe. Bellatrix fliegt in weitem Bogen durch die Luft und landet auf dem kalten Boden. Sie hat es offensichtlich nicht erwartet, weswegen ich meinen Stab nicht benutzt habe. Mir ist schwindelig... Oh Mann... Ich hätte das nicht tun sollen. Ich weiß, wie viel Kraft rohe Magie erfordert – und dazu auch noch stablos. Ich bin erschöpft genug und so was könnte mich viel kosten.
„Vertraut ihr meinem Wort nicht?", hallt eine tiefe Stimme. Ich wirbele herum.
Der dunkle Lord lehnt sich über das Geländer und hält seinen Stab in der Hand. Ich schaue zu Rodolphus, der erstarrt in der Luft schwebt. Ach so, deswegen hat er mich nicht angegriffen. Bellatrix rappelt sich mühevoll auf und zischt wütend. Ihr Haar ist zerzaust und sie sieht vollkommen verrückt aus. Aber beim Anblick einer gereizten und überraschten Bellatrix spüre ich ein Gefühl von Genugtuung.
„Er hat mich angegriffen, mein Lord!", schreit sie. „Er hat..."
„GENUG!", zischt der dunkle Lord und wir alle zucken zusammen. Da gibt es etwas in diesem Ton, was mich erschaudern lässt. Glücklicherweise bin ich dieses Mal nicht schuld. Oder?
„Wir haben einen Krieg zu gewinnen und es gibt nicht viele von uns", brüllt der dunkle Lord. „Und wir haben auch ohne eure kleinen Streitereien genug am Hals. Falls ich je wieder höre, dass du Harry oder irgendjemanden aus den dunklen Reihen angegriffen hast, werde ich dich zu Tode foltern, Bellatrix."
Und er meint es ernst. Bellatrix senkt den Kopf und ich frage mich vage, ob sie je mit ihren Feindseligkeiten aufhören wird. Denn sie ist offensichtlich eifersüchtig. Sie behauptet, sie solle der Lehrling des dunklen Lords sein und aus diesem Grund hasst sie mich. Ich weiß nicht, weswegen sie mich sonst hassen würde. Eifersucht ist eine sehr gefährliche Sache. Und ich soll mit ihr arbeiten? Ich denke, dass einer von uns nicht lebendig aus dem Ministerium heraus kommen wird. Und ich weiß, wer.
„Ich weiß nicht, was du getan hast, um seine Aufmerksamkeit und sein Vertrauen zu gewinnen", zischt Bellatrix, als der dunkle Lord verschwindet.
„Nun, ich habe das Ritual ausgeführt, das ihm einen neuen Körper beschafft hat", sage ich gelassen, obwohl ich noch immer meinen Stab in der Tasche umklammere.
„Das habe ich gehört, aber ich frage mich, wie ein Kind so was je tun könnte", erwidert Bellatrix, die mich jetzt mit verengten Augen anschaut, als versuche sie, in meine Gedanken einzudringen.
„Hör mal, Tante", sage ich genervt, mich ihr zuwendend. Mann bin ich müde. Ich kann kaum gerade stehen.
In der Zwischenzeit ist Rodolphus eingefallen, dass er sich zwischen uns stellen sollte, denn auch wenn er meine Anwesenheit nicht billigt, weiß er, dass er seine Frau beschützen muss. Natürlich nicht nur vor mir, denn es gibt einen wütenden dunklen Lord da oben, der nur auf einen Grund wartet, jemanden foltern zu können. Aber hoffentlich weiß Rodolphus auch, dass er Bellatrix vor sich selbst beschützen muss. Denn offensichtlich benutzt sie ihren Kopf nicht und handelt ehe sie ein zweites Mal darüber nachdenkt. Sie passen sehr gut zueinander...
„Ich bin hier und ich werde nirgendwo hingehen", fahre ich zischend fort. „Ich stehe zum dunklen Lord."
Ich ziehe schnell meinen Ärmel nach oben, um ihr das dunkle Mal zu zeigen. Ihre Augen weiten sich. Also hat sie das nicht gewusst. Moment mal... Macht es einen Unterschied, ob man das dunkle Mal trägt oder nicht? Ihrer Reaktion nach zu beurteilen, ja. Warum? Was tut das dunkle Mal überhaupt? Ich habe gedacht, dass es nur ein Mittel ist, womit der dunkle Lord seine Diener und mich zu sich rufen kann. Gibt es mehr?
„Und wir können uns weiter streiten und gegenseitig beleidigen, bis wir schwarz werden, aber es bringt nichts", sage ich, sie mit meinem Blick durchbohrend. „Er wird uns beide zu Tode foltern."
Ich deute mit meinem Kopf in Richtung Haus. Bellatrix lacht meckernd.
„Na das heißt, du würdest auch zusammen mit mir leiden", sagt sie triumphierend. „Das ist tröstlich."
Ich verdrehe die Augen und seufze. Die Frau ist unmöglich. Wann ist ihr Geburtstag? Ich werde ihr einen persönlichen Psychiater und eine Lobotomie schenken.
„Was auch immer", murmele ich. „Wir sehen uns."
Ich nicke Rodolphus zu, der mich mit einem unergründlichen Ausdruck mustert, drehe mich um meine eigene Achse und disappariere. Zur Hölle mit Bellatrix! Noch ein Problem brauch ich nicht.
/Ende Rückblende
Ich mustere mich im Spiegel und hebe den Bleistift, mit dessen Hilfe ich schon seit Wochen meine Narbe auf die Stirn zeichne. Narzissa hat ihn in London für mich bestellt und sie hat Morgana weiß wie viel dafür bezahlt. Sie hat dem Verkäufer gesagt, sie fühle sich von Narben angezogen... Und der Verkäufer hat nichts mehr gefragt, als sie ihren Geldbeutel auf die Theke gelegt hat. Fetische sind Fetische... Ich habe mich gewundert, wie es kommt, dass Narzissa so was eingefallen ist, bis sie mir lächelnd gesagt hat, dass Fetische wohl nichts Neues in der Zauberwelt sind. Ich möchte nicht wissen, was sie und Lucius in ihrem Schlafzimmer machen... Ich stelle mir Lucius in einem Batmananzug und Narzissa in einem Kaninchenanzug vor und das Bild an sich ist beunruhigend genug.
Aber na ja. Das ist reine Qual, jeden Tag die Narbe wieder auf die Stirn zeichnen zu müssen. Aber die Narbe ist schon seit langem verschwunden und jetzt da sie endlich weg ist, etwas, wovon ich als Kind geträumt habe, muss ich sie wieder auf meine Stirn zeichnen. Das Leben ist nicht fair...
Der dunkle Lord hat schon ein paar Theorien, warum meine Narbe verschwunden ist. Eine von denen, die für mich einen Sinn ergibt, ist, da ich die erste Prophezeiung dadurch zunichte gemacht habe, indem ich zur dunklen Seite übergelaufen bin, ist auch das sichtbare Zeichen davon verschwunden. Er ist auch der Meinung, dass die Tatsache, dass er mich zum Erben der Dunkelheit ernannt hat, zählt und dass die Narbe, als das Merkmal seines Feindes, dadurch zerstört wurde. Als Quirrel mich zu jener Zeit angefasst hat, haben mir seine Berührungen und seine bloße Gegenwart wehgetan. Damals hat sich meine Narbe so angefühlt, als gäbe es tausend Messer, die sich in sie bohren. Jetzt aber nicht mehr. Und meine Narbe hat mir auch nicht wehgetan, als ich früher mit Voldemort gedanklich gesprochen habe. Es sei denn, die erste Prophezeiung wurde zunichte gemacht und die Narbe ist aus diesem Grund verschwunden.
Lupin benimmt sich wieder normal, obwohl er manchmal ein wenig verwirrt ist. Ich vertraue ja dem dunklen Lord, dass er seine Arbeit gut gemacht hat, aber wir reden hier über meine Haut, also muss ich sicher sein. Glücklicherweise ist Dumbledore nur selten in Hogwarts und wenn er da ist, scheint er in keiner Laune zu sein, mit den Lehrern Tee zu trinken. Also hat er bisher nichts bemerkt, oder zumindest hoffe ich, das ist der Fall. Ich muss ihn im Auge behalten... Momentan scheint er manchmal verwirrt zu sein und manchmal ist er vergesslich. Aber das ist für Professoren nichts Ungewöhnliches.
McGonagall streift unermüdlich durch die Schule und ihr neues Überwachungssystem funktioniert bestens. Einmal haben drei Gryffindors etwas in den Bart gemurmelt, was sich verdächtig nach einer Beleidigung angehört hat, aber im gleichen Moment ist Peeves aufgetaucht und hat McGonagalls Namen so laut geschrien, dass alle Porträts hochgefahren und die Gryffindors davongelaufen sind. Ich wiederum habe Besseres zu tun, als über die Gryffindors nachzudenken und zu versuchen, ihnen Streiche zu spielen. Wer hat Zeit für so was? Na ja, Menschen, die nichts Wichtigeres und Besseres zu tun haben. So wie Ronald Weasley. In letzter Zeit sehe ich ihn fast nie. Und falls ich mit den anderen Slytherins auftauche, eilt er davon. Ein Teil von mir ist jedes Mal enttäuscht, wenn das passiert, aber der andere Teil von mir ist damit zufrieden. Denn mehr Probleme brauche ich momentan nicht und der Wurm verdient es nicht, dass ich ihm meine wertvolle Aufmerksamkeit schenke.
Aber es gibt große Neuigkeiten. Nachdem Nagini Ms Norris gefressen hat, war Filch wochenlang nicht zu trösten. Er hat jeden angebrüllt, der ihm in den Weg gekommen ist und schließlich waren es die Lehrer, die diese Verrücktheit gestoppt haben, indem sie ihm eine Babykatze gekauft haben. Am Anfang war Filch so von dieser Geste überrascht und verwirrt, denn höchstwahrscheinlich hat ihm noch nie jemand etwas in seinem Leben gekauft, aber als niemand sich um diese Katze kümmern wollte, hat er sie aufgenommen. Und allmählich ist ihm diese Katze ans Herz gewachsen und er hat ihr einen Namen gegeben. Ms Walker. Ich hoffe nur, dass sie mir nicht das Leben verkomplizieren wird, weil ich dann gezwungen wäre, Amu zu befehlen, auch sie aufzufressen. Obwohl Amu noch immer viel zu klein für so was ist, bin ich mir sicher, dass er seine Aufgabe problemlos erledigen würde.
Die Lehrer haben sich schon daran gewöhnt, dass ich mit Amu im Unterricht sitze und obwohl es am Anfang ein wenig seltsam war, weil es natürlich für keinen Lehrer angenehm ist, im selben Raum mit einer, allem Anschein nach giftigen und gefährlichen, Schlange Zeit zu verbringen, haben sie sich daran gewöhnt. Amu lernt schnell und wächst genauso schnell und ich habe ihn wirklich gerne. Ich werde nie vergessen, wie Lavender Brown beinah einen Infarkt bekommen hat, als Amu während des Tränkeunterrichts zum Regal geschlängelt ist, um mir eine Zutat zu bringen. Dabei ist er an ihr vorbeigekommen und Lavender hat zufällig zu Boden geblickt und da hat sie eine zwei Meter lange Schlange gesehen, die sie neugierig angeschaut und eine Wurzel in den Giftzähnen getragen hat. Sogar Snape hat gelacht, hat mir aber gesagt, ich solle meine Schlange nicht rumschlängeln lassen, weil 'nicht alle eine Vorliebe für große und gefährliche Tiere haben'. Es hat sich aber gelohnt. Die Slytherins haben sich vor Lachen gekringelt und Amu wurde zu einem Slytherinheld. Am Anfang haben die Menschen einfach geschrien und sind davongelaufen, als sie Amu auf einem Sessel zusammengerollt gefunden haben, jetzt aber nicht mehr. Man ruft mich einfach oder sucht sich einen anderen Sessel. Und obwohl es mir wirklich egal ist, ob jemand beim Anblick von Amu aus der Haut fährt, weiß ich, dass jemand trotz allem zu Snape gehen und sich beklagen könnte. Und ich möchte Amu nicht verlieren, also muss er sich gut benehmen. Es genügt zu sagen, dass Amu schon eine ganze Generation von Ratten und Mäusen gefressen hat, also ist nicht viel Futter für Ms Walker und die anderen Katzen im Schloss übriggeblieben.
Ich habe Theodore und den anderen, aus meinem Kreis von guten Freunden (Freunden oder Anhängern?), den Raum der Wünsche gezeigt. Und ich habe sie natürlich gewarnt, vorsichtig zu sein, sagend, das der Raum unser Geheimnis bleiben müsse. Theodore war davon begeistert. Es hat aber nicht lange gedauert, bis sie mich gefragt haben, ob ich mitkommen und ihnen ein paar dunkle Zauber zeigen wolle. Auch wenn ich keinen Wunsch verspürt habe, irgendjemandem etwas zu zeigen oder beizubringen, hat auch Draco darauf bestanden und seinen grauen Augen kann ich nicht nein sagen. Und als ich in einem Sessel zurück gelehnt und mit Amus Kopf in meinem Schoß da saß, ihnen Anweisungen gebend, bin ich mir wie der dunkle Lord vorgekommen. Trotz dem, was ich gedacht habe, fühle ich mich gut in dieser Lehrerrolle und ich genieße es, zuzuschauen, wenn ihnen etwas gelingt und wenn sie etwas beherrschen. Aber über alles genieße ich das Gefühl von Macht über sie und den Respekt, den sie mir zeigen. Wenn wir uns treffen und ich ihnen etwas beibringe, kann ich auch sehen, wie viel ich gelernt habe, aber auch was ich noch nicht beherrscht habe. Die Slytherins sind wie ein Spiegel, in dem ich mich manchmal mit den Augen der anderen sehen kann. Er zeigt mir meine Stärken, aber auch meine Schwächen. Und ein dunkler Magier, der einem schmalen Pfad zwischen Einbildung und Selbstsicherheit folgt, sollte seine Stärken und seine Schwächen gut kennen.
Der dunkle Lord hat nichts dazu gesagt, als ich ihm mitgeteilt habe, was wir im Raum der Wünsche machen. Ich habe ihm ja gesagt, ich wolle niemandem etwas beibringen, aber er hat mit dem Kopf geschüttelt. Er ist der Meinung, es sei eine gute Sache, dass die dunklen Magier einen Ort haben, wo sie ungestört die Magie üben können, für die sie die Neigung zeigen. Und während die Hellmagier ihre Magie überall benutzen dürfen, stecken wir wie Ratten in einem Raum und üben die dunkle Magie im Geheimen. Früher hat mich diese Tatsache nicht gestört, denn ich mochte das Gefühl, das mir all das Herumschleichen und die Geheimnistuerei geboten hat. Jetzt aber nicht mehr. Es geht mir auf die Nerven, nicht offen das sein zu können, was ich bin und ich verstehe jetzt die Bitterkeit der dunklen Magier, die alles, was in Zusammenhang mit Hellmagie steht, hassen. Man sollte jedoch nicht die Hellmagier und die Hellmagie hassen, sondern die Regeln und Gesetze, die die bloße Benutzung von dunkler Magie verurteilen. Aber ich habe vor, das zu ändern.
Ich habe schon oft darüber nachgedacht, was passiert, wenn ich erfolgreich bin. Schön, mir gelingt es, Dumbledore zu töten. Der dunkle Lord wird zuschauen. Und was dann? Kann ich zur Schule zurückkehren? Wird jemand wissen können, was ich getan habe? Falls ich vorsichtig bin und falls ich einen Doppelgänger habe, sehe ich einfach nicht ein, wie das möglich wäre. Ich soll also danach zurück zur Schule gehen und mit Draco tanzen, sodass alle mich sehen. Aber diese Frage, die mich plagt – was, wenn jemand mich dabei ertappt? Man muss mich nicht unbedingt auf frischer Tat ertappen. Man kann nach Dumbledore suchen, man würde ihn nicht finden können und man könnte mich zu einer Anhörung rufen. Sogar dann bin ich überzeugt, dass man nichts aus mir herauskitzeln könnte. Aber aus meinen Freunden? Was wenn man Draco etwas fragt? Oder die anderen Slytherins? Die Hälfte der Schule wartet nur darauf, dass ich verdächtigt werde, sodass sie mit dem Finger auf mich deuten können. Ich mache mir keine Sorgen darum, was das Ministerium ihnen antun kann, denn da gibt es nichts, was sie tun können. Sie sind alle dreizehn, also Minderjährige. Aber was, wenn einer von ihnen doch etwas sagt? Natürlich sind sie alle dem dunklen Lord und mir treu, aber es besteht doch die Möglichkeit, dass sie trotzdem ein Geheimnis preisgeben.
Da gibt es etwas, was mir meine Arbeit erleichtern kann und zwar diese Reporterin. Ich muss meine Worte gut abwägen und mich wieder für einen verwirrten und misshandelten Jungen ausgeben. Ich muss wieder ein Opfer spielen und mir ist übel, wenn ich daran denke, aber na ja. Das könnte mir viel helfen. Die Zauberwelt betrachtet mich noch immer als den Jungen der lebt; also auch, wenn man mich wegen etwas verdächtigt oder falls man versucht, mich zu beschuldigen, werden die Zauberer und Hexen protestieren. Die Meinung der Öffentlichkeit ist eine sehr wichtige Sache, die der Untergang oder die Rettung von einem sein kann. Und vielleicht war genau das der Fehler, den Voldemort einmal begangen hat. Er hatte eine zu aggressive Einstellung. Der Totenkopf und die Schlange, bitte! Auch wenn er zu jener Zeit eine Menge Anhänger hatte, war er in der Unterzahl. Deswegen ist die Meinung der Öffentlichkeit wichtig. Er braucht mehr Anhänger und mehr Soldaten für den kommenden Krieg. Und welche Propaganda hat er? 'Diene mir und küsse meine Füße, sonst werde ich dir einen Cruciatusfluch auf den Hals hetzen, oder deine gesamte Familie ermorden'. Klar, die dunklen Magier fühlen sich von ihm eh angezogen, aber er braucht nicht nur die dunklen Magier, von denen es auch nicht genug in Großbritannien gibt. Er braucht Politiker und Heiler und im Allgemeinen Menschen, die an hohen Arbeitsstellen im Ministerium arbeiten und sie müssen nicht echte dunkle Magier sein. Und sie wird er mit seiner Einstellung und Philosophie wohl kaum anlocken.
Ich habe versucht, mit ihm darüber zu reden, und überraschenderweise hat er mir zugehört. Er hat zugegeben, dass dieser Krieg anders sein wird und hat mir ein paar Ratschläge, was Rita Kimmkorn angeht, gegeben. Was die Atmosphäre in der Schule angeht, hat er gesagt, ich könne nichts dagegen unternehmen. Hauptsache sei, ich lasse mich bei nichts Verdächtigem ertappen und das sei alles, was ich momentan tun könne. Als ich ihm über Hermine und über ihre Weise, den Krieg im Gryffindorturm zu führen, erzählt habe, ist er mir neugierig vorgekommen. Er hat gefragt, wer sie sei und ich habe ihm von ihr erzählt. Ich habe ihm auch von ihrem magischen Kern erzählt und der dunkle Lord war der Meinung, dass ich ihr zu viel vertraue. Sie wisse schon zu viel über mich und könne meine Geheimnisse ausplappern. So paranoid wie er ist, habe ich versucht ihm zu erklären, dass Hermine vertrauenswürdig ist. Der dunkle Lord hat mich einen Idealisten genannt und gelacht, hat aber gesagt, ihm gefalle ihre Einstellung. Jetzt da sich herausgestellt hat, dass Hermine doch keine echte Muggelgeborene ist, war es in Ordnung, mit ihm über sie zu reden. Denn so blöd wie dieser 'Schlammblutkrieg' ist (das fasse ich einfach nicht, aber in Ordnung) ist Hermine jetzt eine von uns. Lächerlich. Man ist entweder ein Zauberer oder eine Hexe, oder nicht. Welchen Unterschied macht es, ob die Eltern Muggel sind, wenn man Magie in seinem Blut trägt?
ooooooooooooooooooo
Am Donnerstag habe ich nur eine halbe Stunde im Gemeinschaftsraum verbracht und es war genug für mich.
„Rot oder rosa?", höre ich eine aufgeregte Stimme hinter mir.
„Was? Blau würde dir gut stehen. Bloß nicht rosa", antwortet eine andere.
„Hey, habt ihr diesen Artikel in der Hexenwoche gesehen?", schreit jemand. Ich verdrehe die Augen und versuche mich auf mein Buch zu konzentrieren. Umsonst. Es fühlt sich an, als wäre ich zufällig in einem Hühnerstall gelandet.
„Da gibt es Vorschläge für verschiedene Frisuren, die zu einem gewissen Gesichtstyp passen. Ich denke, diese da würde dir echt gut stehen", verkündet die aufgeregte Stimme.
„Oh ja, die gefällt mir. Toll! Oh lieber Merlin, ich muss zum Friseur", wimmert eine Hexe. „Gibt es einen in Hogsmeade?"
„Nur einen, aber ich würde dir nicht raten, deine Frisur bei ihm machen zu lassen. Denn ich habe gehört, dass Rachel bei ihm war und dass er die falsche Lösung benutzt hat. Klar, sie hat es irgendwie wieder gutgemacht, aber der Ball ist einfach zu wichtig, um solch ein Risiko einzugehen."
„Aber ich habe keine Zeit mehr!", beklagt sich die andere Hexe. „Und in die Winkelgasse kann ich nicht gehen."
Als die anderen sich mit Vorschlägen melden, springe ich wie gestochen auf, schnappe mir meine Bücher und meine Schultasche und marschiere an ihnen vorbei, die gleich verstummen, als sie mich erblicken.
„Was ist denn los?", fragt eine männliche Stimme hinter mir, als ich den Gemeinschaftsraum mit ein paar langen Schritten durchquere. Wahrscheinlich ist mein zorniger Ausdruck genug, um jeden davon zu überzeugen, auf Kommentare oder Annäherungsversuche zu verzichten.
„Mädels und der Ball", murmelt Zabini.
Ich verlasse fluchend den Kerker und mache mich auf den Weg in die Bibliothek. Wenigstens dort kann ich meine Ruhe haben. Dort gibt es keine Mädchen, die über Frisuren oder Klamotten plaudern. Dort gibt es... oh nein.
Denn eine kleine Gruppe von Mädchen sitzt an einem Tisch und sie tuscheln aufgeregt miteinander, als sie sich die neusten Kleidermodelle anschauen. Ich fluche laut und wende mich um. So geht es nicht. Wo kann ich ungestört lesen? Im Raum der Wünsche.
Als ich da ankomme, merke ich, dass schon jemand drin ist. Hermine.
Hermine steht mit hochgekrempelten Ärmeln in der Mitte des Raumes und schießt wie verrückt Flüche auf die drei Puppen ab, die wir zu diesem Zweck verzaubert haben. Ich lasse meine Tasche fallen und starre sie an. Sie ist besser geworden. Und nicht nur das. Sie ist... dünner geworden. Oder war sie immer dünn? Keine Ahnung, ich habe solchen Sachen nie Aufmerksamkeit geschenkt. Nun ja, eigentlich habe ich sie doch einmal in etwas Enganliegendem gesehen, aber ich habe nie wirklich über ihre Figur nachgedacht, bis Zabini eine Bemerkung darüber gemacht hat. Denn Hermine trägt immer weite T-Shirts und Pullis und schert sich nicht um ihre Kleidung.
Als sie ihre Hand sinken lässt und tief durchatmet, wird ihr klar, dass sie nicht alleine im Raum ist. Ihre Augen glitzern und sie grinst mich breit an.
„Hallo, du", sagt sie gutgelaunt.
Sie streicht sich das Haar aus dem Gesicht und strahlt mich an. Sie wirkt anders; etwas an ihr ist anders. Was denn?
„Bist du hier, um dich abzureagieren?", frage ich lächelnd. Oh, ich kenne das Gefühl.
„Eigentlich, ja", sagt sie und nimmt einen Schluck Wasser. „Und außerdem möchte ich in Form bleiben."
Ich setze mich auf das Sofa und neige den Kopf zur Seite.
„Ich bin davongelaufen", sage ich. Sie zieht die Augenbrauen in die Höhe. „Mädchen. Sie werden mich in den Wahnsinn treiben. Alles, worüber sie reden können, sind Klamotten und Frisuren. Morgana sei Dank, dass du solche Sachen nicht im Kopf hast."
Hermine schnaubt.
„Oh bitte", sagt sie verächtlich. „Jeder kann sich schön machen. Das ist überhaupt nicht schwer. Das Lernen und das Zaubern sind schwer. Ich kann mich schön machen, wenn ich will – aber es jeden Tag zu tun... Welch eine Zeitverschwendung. Und wozu auch?"
Ich lache und gieße mir etwas Kürbissaft ein.
„Harry, seit wann hast du Merlins Namen mit Morganas ersetzt?", fragt sie auf einmal.
„Was?", frage ich verwirrt.
„Nun, normalerweise sagt man 'um Merlins Willen' oder 'bei Merlin' oder 'bei Merlins Bart' aber du hast 'Morgana sei Dank' gesagt. Ist das normal unter den Schwarzmagiern?"
Sie ist klüger, als gut für sie ist. Es ist mir einfach entgangen. Habe ich so was schon in der Öffentlichkeit gesagt? Potter, manchmal kannst du echt leichtsinnig sein.
„Ja", sage ich seufzend. „Ich habe es total vergessen."
„Nun, du solltest lieber darauf achten", meint sie und wischt sich das Gesicht mit einem Handtuch ab.
„Hermine, gehst du zum Ball?", frage ich auf einmal. Ich möchte das Thema wechseln und außerdem kann ich ihr diese Frage gleich stellen.
„Zum Ball?", wiederholt sie. „Ja, eigentlich werde ich gehen. Ich habe entschieden, dass ich doch sehen möchte, wie man die große Halle dekorieren wird. Und außerdem habe ich gehört, dass Dumbledore eine Band bezahlt hat, Musik zu spielen. Ich bin neugierig. Ich habe noch nie eine Zaubererband spielen gehört."
„Gehst du mit jemandem?", frage ich überrascht.
„Ja", sagt sie und zuckt mit den Achseln. „Du gehst mit Draco?"
„Ja", sage ich schnell und lehne mich nach vorne. „Hermine, mit wem gehst du?"
„Du wirst sehen", sagt sie mit einem geheimnisvollen Lächeln. „Und außerdem, spielt es eine Rolle?"
„Oh doch", sage ich grinsend. Hermine hat ein Date? Mit wem? „Denn ich möchte nicht, dass dir jemand etwas antut oder dich verletzt."
Hermine lacht und schüttelt den Kopf.
„Harry, ich habe mir immer einen Bruder herbei gewünscht", sagt sie und strahlt mich an. „Und du passt zu dieser Beschreibung nur allzu gut. Aber du musst dir um mich keine Sorgen machen. Falls diese Person etwas versucht, werde ich ihr zeigen, was Hermine Granger im Laufe dieses Jahres gelernt hat."
Sie küsst mich auf die Stirn und geht ein Buch holen. Sie setzt sich zu mir, schlägt ihr Buch auf und wir verfallen in Stille. Endlich Ruhe...
„Zeig mir dein Bein", sagt sie nach zehn Minuten, die wir in Stille verbracht haben.
Ich schaue überrascht auf. Hermine verdreht die Augen.
„Komm schon, du hast Schmerzen", sagt sie, ihren Stab hervorziehend. „Ich weiß, dass du dich beim Üben der Schwarzmagie verletzt hast, also brauchst du dir keine Ausreden auszudenken. Und ich werde dich nichts fragen. Komm schon."
Ich seufze und ziehe mein Hosenbein nach oben. Hermine verzieht das Gesicht. Ja, ich weiß, ich bin gefallen und mein Bein ist geschwollen. Aber obwohl ich Schmerzen habe und Schwierigkeiten zu laufen, denke ich nicht, dass etwas gebrochen ist.
„Bis du gefallen?", fragt sie, als sie einen Diagnosezauber durchführt. Ich weiß nicht, wann sie eigentlich die Heilmagie übt, aber sie ist ziemlich gut geworden. Ich nicke.
„Nun, ich denke, dass deine Sehne dir Probleme bereitet", sagt sie, einen Zauber aussprechend. Ich zische und zucke zusammen. Mein Bein fühlt sich an, als brenne es. Bald aber hört es auf und ich atme erleichtert auf.
„Das sollte bei der Entzündung helfen", sagt Hermine nachdenklich. „Wir können es wiederholen. Aber falls etwas mit deiner Sehne nicht stimmt..."
„Es ist nichts ernstes, sonst hätte ich nicht laufen können", unterbreche ich sie. Hermine nickt.
„In letzter Zeit übertreibst du", sagt sie leise. „Bereitest du dich auf etwas vor? Hat jemand dir gedroht?"
Ich lache und Hermine schaut mich besorgt an. Sie hat sich schon an meine Ausbrüche gewöhnt, und es wundert sie nicht, wenn ich auf einmal etwas Verrücktes sage oder tue.
„Noch nicht", sage ich. „Aber in einer Welt, in der jeder etwas von mir erwartet, aber ich allen den Stinkefinger zeige und in eine total andere Richtung gehe, muss ich auf alles gefasst sein."
„Wirst du gegen Dumbledore kämpfen?", fragt sie, als sie ihr Buch wieder in die Hand nimmt.
Sie ist es gewohnt, solche und ähnliche peinlichen Fragen so beiläufig zu stellen, sodass man das Gefühl hat, sie seien unwichtig. Aber das sind sie natürlich nicht.
„Was meinst du?", frage ich genauso gelassen.
„Der Opposition helfen?", hakt sie nach.
„Würde mich das zu einer schlechten Person machen?", frage ich. „Ich bin ein dunkler Magier und für mich ergeben ihre Prinzipien einen Sinn. Aber sie ergeben auch deswegen einen Sinn, weil die dunklen Magier sie nie aufgegeben haben, sowie Dumbledore und das Licht. Ja, die dunklen Magier haben getötet und Menschen gefoltert, aber wenigstens versuchen sie sich nicht für etwas auszugeben, was sie nicht sind."
„Obwohl es mir nicht gefällt, was du da sagst, kann ich keine Fehler in deiner Logik finden", meint Hermine. Ich gluckse. Hermine und ihre Logik. „Also stehst du in Kontakt mit den anderen?"
Wollte sie mit dieser Phrase die Todesser bezeichnen?
„Hermine...", fange ich genervt an.
„Was möchte die Opposition erreichen? Was sind ihre Ziele?", fragt sie weiter.
Ich seufze und reibe mir die Schläfen.
„Ich möchte darüber nicht reden", sage ich schlechtgelaunt. „Ich möchte nur lesen."
„In Ordnung", sagt sie und schlägt ihr Buch wieder auf. „Aber ich würde gerne etwas darüber wissen. Denn vielleicht bin ich keine Schwarzmagierin; aber ich stimme nicht dem zu, was Dumbledore und das Ministerium machen. Und wenn die Opposition etwas Besseres anbieten kann, werde ich daran teilnehmen."
Sie vertieft sich in ihr Buch und bemerkt nicht den überraschten und schockierten Blick, den ich ihr zuwerfe. Was? Hat sie gerade gesagt, was ich denke? Als ich weiter lese, kann ich ihre Worte und den Ton, in dem sie gesprochen hat, nicht aus meinem Kopf vertreiben.
„Nur eine Frage", sage ich nach einer Pause. Hermine murmelt etwas Unverständliches. „Was denkst du, was die Opposition eigentlich ist?"
„Die dunklen Magier, die aufgrund ihrer Magie verurteilt und ins Gefängnis geschickt werden", sagt sie sofort, weiter ihr Buch anstarrend. „Dumme Menschen, wirklich dumme Menschen, sowie Ronald, denken natürlich, dass jeder Schwarzmagier ein Mörder ist."
Sie schnaubt. Nun... eigentlich...
„Aber es gibt sicherlich auch Mörder, die keine Schwarzmagier sind", sagt sie. „Denn jeder kann jemanden umbringen. Man soll die Magie nicht dafür beschuldigen. Und jeder kann Schaden anrichten. Sieh dir mal Dumbledore an."
„Ja, in Ordnung, aber..."
„Aber unter ihnen gibt es natürlich die Anhänger von du weißt schon wem", fährt sie fort. „Sowie Lucius."
„Und ich habe ihn getroffen. Und Narzissa auch. Und weißt du was? Sie gefallen mir."
Sie wirft mir einen wütenden Blick zu und ich frage mich, was hinter diesen Locken steckt. Man weiß ja nie, worüber Hermine Granger gerade nachdenkt. Obwohl ich manchmal versucht habe, ihre Gedanken zu belauschen, war es keinesfalls angenehm. Hermine denkt über so viele Sachen gleichzeitig und so schnell nach, dass mir schwindelig wird.
„Narzissa ist eine freundliche, aristokratische Hexe", sagt Hermine. „Sie liebt Draco und möchte das Beste für ihn. Und Lucius ist streng und vielleicht ein wenig gemein, aber er respektiert seine Frau und er folgt den alten Traditionen. Und er hat dich in seine Familie aufgenommen. Ich bin an so was nicht gewöhnt, weil meine Eltern ja Muggel sind, aber ich denke nicht, dass sie schlechte Menschen sind. Ganz im Gegenteil. Das, was sie für dich tun und wie sie dich behandeln, trotz der Tatsache, dass du ja Harry Potter bist, ist ein Beweis für mich. Sie verheimlichen dir gar nichts und ihr redet über allerlei Sachen. Zudem möchte Narzissa, dass du dich in Malfoy Manor wie zu Hause fühlst. Und auch wenn sie besorgt ist, wird sie dich nicht mit ihrer Sorge ersticken, wird dir aber helfen, wo sie kann. Narzissa ist eine einzigartige Frau und eine gute Mutter."
„Ich habe gesehen, wie man dich anschaut", sagt sie seufzend. „Versuche nicht, es abzustreiten. Man respektiert dich. Und man hat Angst vor dir. Das habe ich schon beim Julfest bemerkt. Also bin ich zu dem Schluss gekommen, dass du mit ihnen – mit den dunklen Magiern – in Kontakt stehst. Und deine schnelle magische Entwicklung – versuche nicht, mich anzulügen, Harry Potter!"
Ich schließe den Mund und schaue sie amüsiert an. Hermine fährt schnell fort.
„Und deine schnelle magische Entwicklung hat sie davon überzeugt, dass du ihnen irgendwie helfen kannst. Deswegen folgen dir die Slytherins wie Schafe. Du bist in den dunklen Kreisen respektiert und man folgt dir. Was ich aber wissen möchte ist – was möchtest du erreichen? Was hast du vor?"
„Ich weiß es nicht", sage ich ausweichend.
„Oh doch", erwidert Hermine grinsend. „Und ich denke, dass ich es auch weiß. Aber in Ordnung, du musst mir nichts sagen. Ich wiederum werde dir wieder versprechen, dass ich keinem davon erzählen werde, worüber wir alleine sprechen. Du musst mir nicht das Gedächtnis löschen."
Sie zwinkert mir zu und ich zucke zusammen.
„Ja, ja, Professor Lupin benimmt sich ein wenig seltsam in letzter Zeit", fährt sie belustigt fort, denn für den Bruchteil einer Sekunde konnte man einen Ausdruck von purer Panik in meinem Gesicht sehen. Da bin ich sicher. Verdammt, Potter! Wo ist deine Selbstkontrolle? „Und das nachdem er mit dir Tee getrunken hatte. Wie seltsam. Du hast mir nicht gesagt, dass du diesen Zauber beherrschst. Aber es wundert mich auch nicht, dass du ihn beherrschst und dass du mir nichts davon gesagt hast."
Ich höre ihrem Monolog zu und mit jedem Wort bin ich wütender.
„Wenn du irgendjemandem davon erzählst..." platzt es zornig aus mir, die Hände zu Fäusten ballend.
Hermine schluckt und hebt das Kinn, versuchend, nicht eingeschüchtert zu wirken, aber sie schaut mich trotzdem vorsichtig an.
„Und ich kann gut sehen, warum die Slytherins Schiss vor dir haben", flüstert sie, von mir wegblickend. Wahrscheinlich kann sie die giftigen Wellen von Zorn spüren, die ich in diesem Moment ausstrahle. Hermine ist mir zwar sehr lieb, aber in diesem Moment wünsche ich mir, ich könnte sie einfach in die Hölle fluchen. Zum Teufel mit ihrer Neugier und mit ihrer Schlussfolgerung!
„Ich erzähle niemandem davon", flüstert sie.
Ihre zittrige Hand findet meine. Ich mache Anstalten, sie ihr zu entreißen, aber sie drückt meine Hand und schaut mich flehend an.
„Sei vorsichtig, Harry", flüstert sie. Die braunen Augen schauen mich ehrlich und flehend an. „Bitte. Ich möchte dich nicht verlieren."
„Dann hör damit auf, deine Nase in Sachen zu stecken, die dich gar nichts angehen!", brülle ich aufspringend.
Sie zuckt zusammen und gafft mich an.
„Höre mit deinen Andeutungen und geheimnisvollem Gerede auf, du treibst mich in den Wahnsinn! Du wirst zu mir stehen, mir helfen... Was WILLST du überhaupt? WAS?"
„Ich...", flüstert sie mit weit aufgerissenen Augen. Wahrscheinlich hat sie mich noch nie so zornig gesehen. „Ich möchte sagen, dass ich dir folgen werde. Ich bin ja keine echte Schwarzmagierin, aber ich habe schon Erfahrung damit."
Ich lache schallend und Hermine schaut mich verängstigt an, als ich anfange, auf und ab zu schreiten.
„Womit hast du Erfahrung? Mit der dunklen Magie? Mach dich nicht lächerlich! Du hast ein wenig rumexperimentiert, aber das ist alles. Du weißt nicht, was die dunkle Magie bewirken kann. Und du kennst mich nicht. Du kannst nicht wissen, ob der Ort, wohin ich gehe, dir gefallen wird. Du weißt nichts! Du kennst mich überhaupt nicht!"
Die braunen Augen werden nass und Hermine schnieft und beißt sich auf die Lippen.
„Dann hilf mir, dich kennen zu lernen", flüstert sie. „Bitte, Harry."
Ich schließe die Augen im Versuch, meine Magie unter Kontrolle zu behalten. Denn ich kann das bekannte Jucken in meinen Fingern spüren und Hermine schnappt nach Luft, als ein paar silberne Funken aus meinen Finger hervorschießen. In Ordnung... bloß nicht die Kontrolle verlieren... bloß sie nicht erwürgen...
„Du bist mein einziger echter Freund und die einzige Person, der ich vertraue", sagt sie leise. Wann habe ich das zuletzt gehört? „Ich habe an eine Menge Sachen geglaubt, als ich hergekommen bin, aber alles, was im Laufe dieses Jahres passiert ist, hat meinen Glauben und mein Vertrauen zerstört. Ich weiß nicht, woran ich glauben soll. Mir ist klar geworden, dass man sich auf sich selbst verlassen muss und dass man keinem vertrauen darf. Und dass Wissen die wertvollste Sache auf der Welt ist. Und jene, die Wissen als etwas sehr Wertvolles bezeichnen, lassen uns nichts über die dunkle Magie lernen. Du hast mir die Augen geöffnet, Harry."
Sie senkt den Blick und beginnt lautlos zu weinen. Und in diesem Moment habe ich absolut nicht vor, zu versuchen, sie zu trösten. Denn ich würde sie am liebsten erwürgen, obwohl sie mir lieb ist.
„Meine Eltern verstehen mich nicht", fährt sie fort. „Sie versuchen zu akzeptieren, dass ich eine Hexe bin, aber es geht nicht. Mein Vater hasst sich und mich, weil er nicht verstehen kann, was ich bin. Und teilweise weil er denkt, dass er mir unterlegen ist, weil ich eine Hexe bin. Wir streiten uns... Und er hat mir schon oft gesagt, dass ich den Regeln folgen soll, die in seinem Haus gültig sind, und nicht den Regeln dieser Hexenwelt, aus der ich gekommen bin. Meine Mutter versucht zu helfen, aber umsonst. In letzter Zeit schreibe ich in meinen Briefen an meine Eltern überhaupt nicht über Magie und über das, was ich in Hogwarts lerne. Und ich fühle mich so einsam... Im Gryffindorturm... Man hasst mich... Weil ich es gewagt habe, anders zu sein. Und weil ich laut gesagt habe, was ich über etwas denke. Man behandelt mich wie Dreck und ich muss ständig auf der Hut sein... Ich lebe jeden Tag unter Feinden und der Druck wird mich umbringen. Ich gehe jeden Tag schlafen mit Mädchen, die mich hassen."
„Und Dumbledore... ich hab ihm wirklich vertraut. Aber als sich herausgestellt hat, dass er nur ein alter Schwindler ist, ist meine Welt auseinandergefallen. Alles, worüber er Predigten hält, die Gleichheit zwischen den Häusern und den Magiern... Der Respekt jedem gegenüber und Freundschaft... Er hat Vorurteile und er hasst die Slytherins, nur weil ihr Slytherins seid. Er sagt, er will jedem Gutes, aber das will er nicht. Es ist Schwachsinn. Er redet darüber und zur gleichen Zeit schickt er dich zu den Dursleys, die Magie hassen und dich wie Dreck behandeln... er stellt sich so dar, als kümmere er sich um dich, aber das macht er in Wirklichkeit nicht. Er ist so voller Lügen und Scheiß, dass mir schlecht ist."
Ihre Stimme bricht und sie wischt sich das Gesicht mit ihrem Ärmel ab. Ich habe Hermine noch nie so verzweifelt und so gebrochen gesehen. Und auch wenn ich vor Zorn rauche – schon wieder! – hat mich dieses Bild von einer weinenden und verzweifelten Hermine aus der Bahn geworfen. Ich bin daran gewöhnt, dass sie sich nie beklagt und dass es ihr immer gut geht – aber Hermine scheint doch menschlich zu sein... Im Vergleich zu mir, der in seinem Inneren eiskalt ist. Denn die einzige Emotion, die ich wirklich spüren kann, ist Zorn.
„Mir ist klar geworden, dass ich mich auf niemanden verlassen kann... außer auf dich."
Sie hebt den Blick und schaut mich verzweifelt an.
„Stoß mich nicht weg, Harry", flüstert sie. „Du bist die einzige Person, der ich vertraue. Lass mich in deine Welt rein; ich werde dich nicht verraten. Ich schwöre es auf meine Magie."
Und damit hat sie einen magischen Eid abgelegt. Ich stehe noch immer da und schaue sie todernst und wütend an.
„Du sagst, ich kenne dich überhaupt nicht", sagt sie mit einer zittrigen Stimme. „Lass mich dich kennen lernen, Harry. Erzähl mir davon, was dich glücklich macht, was du gerne tust und worüber du nachdenkst. Und du kannst mit mir ehrlich sein, Harry. Es ist überhaupt nicht nötig, mich weiter anzulügen. Wirklich."
„Sei also ehrlich", sage ich leise, sie bedrohlich anschauend. „Ich wiederum habe genug von Verrätern, mit Lupin beginnend. Was willst du? Was weißt du?"
Sie nickt und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Ich... ich habe einen grauen magischen Kern", sagt sie. „Und ich fühle mich von manchen dunklen Zaubern und manchen Zweigen der Schwarzmagie angezogen. Ich habe eine Menge Bücher zu dem Thema in der Nokturngasse gekauft... Und das Lesen über die dunkle Magie ist auch ein Trost, sowie eine Obsession von mir... Niemand versteht mich, außer dir und nur dir kann ich vertrauen. Seit ich die Wahrheit über dich und Dumbledore erfahren habe, bin ich zusammengebrochen und wieder aufgestanden. Ich habe mein Leben aufs Neue aufgebaut, aber trotzdem gibt es manche Narben, die nie heilen werden. Mein Vertrauen den Menschen gegenüber wurde zerstört und ich weiß nicht, ob ich je wieder jemandem wirklich vertrauen werde. Aber ich vertraue dir; mit dir fühle ich mich sicher und ich möchte ein Teil deiner Welt sein. Ich möchte daran teilnehmen, was du tust. Und ich liebe dich wie einen Bruder."
Sie verstummt und schluchzt. Eine Pause tritt ein und ich starre die weinende Hermine an, über die Worte des dunklen Lords nachdenkend und mir ihre Gedanken anhörend. Sie ist wirklich... zusammengebrochen. Aber sie erzählt die Wahrheit.
„Du möchtest etwas über mich wissen? Du möchtest mich kennenlernen?", frage ich leise, auf sie zukommend. Sie nickt und hebt den Blick. „Wirst du die Wahrheit ertragen können? Wie weit bist du bereit, zu gehen? Was bist du bereit, zu tun?"
„Alles", flüstert sie mit einer schwachen Stimme. „Denn ich weiß nicht mehr, wer ich bin."
Ich hatte keine Ahnung, was in Hermine vorgegangen ist. All diese Zeit hat sie ihr Leid so gut verborgen, so gut versteckt, dass nicht einmal ich es sehen konnte. Trotz der Tatsache, dass ich in diesem Moment echt sauer auf sie bin und dass die dunkle Magie mich anfleht, sie freizulassen, wird mir klar, dass dieses Mädchen eine einzigartige und starke Person ist. Sie hat alleine gelitten und hat sich niemandem anvertraut. Sie hat den Mut aufgebracht, danach ein neues Leben aufzubauen und sie hat für ihre eigenen Rechte gekämpft. Und noch immer lebt sie und schläft sie bei diesen Menschen, die sie so sehr hassen. Es wagen, anders zu sein, ist eine Tugend von dunkler Magie; aber in den Augen der Hellmagier ist sie ein Mangel, der verurteilt und als unakzeptabel betrachtet wird.
„Schön", sage ich leise. Hermine hebt den Blick. „Du möchtest mich kennen lernen? Ich habe einen echten dunklen Kern. Und ich liebe die dunkle Magie und werde sie nie aufgeben."
„Letzten Sommer habe ich meine Verwandten getötet und das Haus niedergebrannt. Und ich habe vor, auch Dumbledore umzubringen", sage ich, auf sie zukommend und sie mit meinem Blick fixierend. Sieh hält den Atem an und starrt mich mit offenem Mund an.
„Vor ein paar Monaten habe ich ein dunkles Ritual ausgeführt, das es der Seele des dunklen Lords ermöglicht hat, einen neuen Körper zu haben. Ich bin Harry Potter, der Lehrling des dunklen Lords, der Erbe der Dunkelheit und der nächste dunkle Lord."
