Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 34 – Die MysteriumsabteilungAlle Kerzen brennen und werfen Schatten an die Wände. Der bekannte Geruch des Weihrauchs steigt mir in die Nase, als ich zum Altar schreite und meinen Basiliskenstab in die Hand nehme. Als ich rund um den magischen Kreis schreite, denke ich über die Anweisungen nach, die ich in Slytherins Buch gefunden habe.
„Bei Dämonenbeschwörungen ist es am nützlichsten, ein paar Runen oder einen Text um den Kreis zu schreiben, die darauf abzielen, den Dämon, den man beschwört, einzuladen und dem Magier zu helfen, ihn besser zu sehen und ihre Kommunikation zu erleichtern."
Und genau das habe ich getan. Ich benutze einen Schlangenkopf als meinen Ritualaltar und ich habe ein paar Sätze auf Latein verfasst, die meine Absicht ausdrücken, die ich mit roter Kreide auf den Kreisrand gezeichnet habe. Schon als ich mich auf das Ritual vorbereitet habe, habe ich Aufregung gespürt und ich hatte ein Gefühl von Déjà-vu. Das Auferstehungsritual hat dazu gedient, mir bewusst zu machen, wie schwierig und kompliziert solche Sachen sind, wenn man sie richtig tun möchte, aber mir auch eine gewisse Selbstsicherheit gegeben, dass mir die dunklen Ritualen liegen und dass ich die Grundlagen offensichtlich gut verstanden habe.
Die Präsenz des Dämons, als ich meine Beschwörung auf Latein laut rezitiere, wird allmählich stärker und stärker. Man sagt, dass eigentlich nur ein echter Schwarzmagier sie sehen kann – die Mehrheit kann sie nur spüren. Und als ich meine Augen öffne und die Hände sinken lasse, spüre ich diese Präsenz direkt bei mir, die mich mustert und ich spüre auch eine Berührung, als wäre der Dämon mir über die Wange gefahren.
„Was willst du von mir, Sterblicher?", höre ich leise Worte.
Die unheimliche Stimme kann nur ich hören, da bin ich mir sicher. Die Stimme hallt in meinem Bewusstsein und obwohl ich sie nicht mit meinen Ohren hören kann, höre ich sie trotzdem. Ich lasse den Ritualdolch sinken und wende mich dem Dämon zu.
Er ist klein und er ähnelt einem Tier, aber ich kann nicht gut ausmachen, welchem. Sein Blick ist auf mich fixiert und es kommt mir vor, als gäbe es nur seine Augen, die mitten in der Luft schweben. Seine Augen würden wahrscheinlich Eindruck auf jeden machen. Nur ein Blick in diese Augen würde jeden dazu bringen, so schnell davon zu laufen, wie möglich. Seine Gegenwart fühlt sich wie ein eiskalter Strudel an, der mich hineinziehen will, es aber nicht tun kann. Und seine Augen warten nur darauf, dass ich eine Spur vor Angst zeige, sodass er sich auf mich werfen kann.
„Sei gegrüßt, Azael", sage ich laut. Der Dämon entblößt wütend seine Zähne, weil ich seinen Namen benutzt habe. Und dadurch zeige ich auch meine Macht über ihn. „Ich bin der Erbe der Dunkelheit. Ein Krieg wird bald ausbrechen und mein Meister und ich werden für die Herrschaft der Dunkelheit über die Welt kämpfen."
Der Dämon hört aufmerksam zu und seine Einstellung scheint sich mit jedem meiner Worte zu ändern.
„Du bist also der Erbe der Dunkelheit", murmelt er. Jetzt mustert er mich beinahe nachdenklich. „Ja, wir wissen, dass der dunkle Lord auferstanden ist."
Also beschwört auch Voldemort Dämonen. Interessant. Wie sonst sollten sie es wissen? Oder können sie es einfach spüren?
„Und ich möchte wissen, ob es einen Dämon gibt, der mir in diesem Krieg dienen und mich begleiten würde", sage ich.
Der Dämon grinst mich an – und beim Anblick seiner faulen Zähne spüre ich einen Stich von Angst, die ich schnell zur Seite schiebe. Das brauch ich momentan nicht.
„Das wurde nur einmal versucht", sagt er, mich noch immer angrinsend. „Warum glaubst du, kleiner Sterblicher, dass so ein mächtiges Wesen, wie ein Dämon dir dienen würde?"
„Erstens, wenn die Dunkelheit die Kontrolle übernimmt, werdet auch ihr mehr Freiheit haben, das weißt du schon. Also falls ihr wirklich möchtet, dass die Dunkelheit die Kontrolle übernimmt, solltet ihr uns Sterblichen bei unserem Vorhaben helfen. Die Dementoren haben sich schon dafür entschieden. Man kann nicht von uns erwarten, dass ihr nichts macht und dann später etwas verlangt. Wir sind keine Hellmagier, die vergeben und vergessen, und ihr seid keine Engel, die alle lieben und nichts für ihre Hilfe verlangen."
Der Dämon zischt zornig und ich lächele flüchtig. Ach ja, sie verabscheuen die Engel, wie hätte ich so was vergessen können? Wie unhöflich von mir.
„Was wärst du bereit, dafür zu geben?", fragt der Dämon nach einer Pause.
„Was würdet ihr brauchen?", frage ich diplomatisch. „Findet mir einen, der mir wirklich beim Krieg helfen könnte und dann können wir die Sache weiter besprechen. Ich werde dich in einer Woche wieder rufen."
„Das ist nicht nötig", knurrt der Dämon. „Ich komme, wenn ich Neuigkeiten habe."
„Das geht nicht", sage ich. „Weil du nicht einfach auftauchen darfst. Ich befinde mich in einer Schule und bin von Hellmagiern umgeben."
„Was macht der Erbe der Dunkelheit an solch einem Ort?", höhnt der Dämon.
„Ich jage den Vertreter des Lichtes, weil ich ihn töten möchte", erwidere ich kühl. „Und dafür muss ich auf meine Chance warten."
Die gelben Augen des Dämons scheinen zu glitzern. Den Vertreter des Lichtes zu töten, das bedeutet natürlich viel für ihn.
„Ich möchte dabei sein", sagt er sofort.
„Du und wahrscheinlich eine ganze Armee von Dämonen", höhne ich. „Vielleicht werde ich es dir erlauben. Aber nur wenn du deine Aufgabe schnell und effizient erfüllst."
„Na schön", sagt der Dämon und richtet sich auf. „Sind wir fertig? Denn ich habe zu tun."
Ich hatte keine Ahnung, dass Dämonen sarkastisch sein können.
„Ich entlasse dich, Azael, geh in Frieden und komm zurück wenn ich dich rufe", sage ich laut und hebe den Ritualdolch.
Der Dämon verbeugt sich mit einem hämischen Lächeln und verschwindet. Als seine Präsenz allmählich nachlässt, lösche ich alle Kerzen aus, nehme meine Sachen und setze mich in die Ecke des Raumes, meine Ritualrobe ausziehend. Ich atme tief durch und schließe die Augen. Das ist gut verlaufen. Sehr gut sogar. Amu legt den Kopf in meinen Schoß und ich blicke auf ihn hinunter.
~Hat Meister von dem Wesen bekommen, was er wollte?~, fragt die Schlange.
Ich beginne seine Schuppen zu streicheln und Amu seufzt. Amu genießt meine körperliche Wärme, aber er mag es auch, wenn ich ihn streichele. So wie alle Tiere.
~Ja, hab ich~, sage ich nachdenklich. ~Ich bin aber sehr müde.~
~Viellicht hat Meister Hunger~, meint die Schlange. ~Denn wenn ich müde bin, heißt das, ich habe Hunger.~
Ich lache und kratze Amus Kopf. Und nach der Anzahl an Ratten und Mäusen im Schloss zu beurteilen, ist Amu oft müde.
~So einfach ist es nicht, Amu~, sage ich kopfschüttelnd. ~Aber ich denke, ich werde trotzdem was essen.~
~Wann werden Sie sich mit mir binden?~, fragt Amu leise.
~Wenn du groß genug bist~, antworte ich. ~Sonst klappt es nicht. Du musst ausgewachsen sein.~
~Das wird noch eine Weile dauern~, murmelt die Schlange enttäuscht.
~Ja, aber vielleicht ist es besser, dass du während ich hier bin, klein bleibst. Sonst wird man mir nicht erlauben, dich zum Unterricht mitzunehmen oder dich überhaupt hier zu haben.~
~Warum denn?~, fragt die Schlange überrascht. ~Ich möchte groß werden! Was ist falsch daran?~
~Ja, schon klar, aber die Menschen haben Angst vor dir. Wärst du dreimal so groß, wie du jetzt bist, würde keiner wieder zur Schule kommen wollen. Es ist nicht deine Schuld, Amu, und es ist auch nicht meine – es ist ihre Schuld. Leute haben Angst vor dir, aber nur weil sie denken, dass du sie angreifen wirst.~
~Aber Sie haben mir doch gesagt...~, fängt die Schlange genervt und verwirrt an.
~Ich weiß, Amu~, sage ich seufzend. ~Sie verstehen es nicht. Heute Abend gehe ich zum dunklen Lord und du kannst mitkommen, um deine Mutter zu besuchen.~
Die Schlange streckt zufrieden ihre Zunge aus und ich grinse breit. Ich jedoch muss auf alles gefasst sein, denn Bellatrix und Rodolphus kommen mit. Irgendwie kommt mir diese Mission zweiseitig vor – auf einer Seite, muss ich diesen Gegenstand erfolgreich dem dunklen Lord bringen; aber auf der anderen Seite muss ich Bellatrix Lestrange erdulden. Hoffen wir nur, dass es nicht zu einem Streit kommt und dass ich wirklich keine rohe Gewalt benutzen muss. Das könnte fies werden.
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Hermine wartet im Hof auf mich. Von den Blicken einiger Schüler begleitet, komme ich zusammen mit meiner Slytherinbande aus dem Schloss heraus. Es ist ziemlich warm geworden und wenigstens ist der Schnee weg. Jetzt ist es nur morgens kalt, aber tagsüber kann man ohne Mützen und Schals rumlaufen, etwas, wofür ich sehr dankbar bin. Tuschelt ruhig, denke ich, als ich an der Gruppe Hufflepuffs vorbei komme, von den anderen schweigend begleitet. Hermine sitzt auf der Bank und starrt todernst in die Ferne.
„Wir sehen uns später", sage ich, mich den anderen zuwendend.
Hermine dreht den Kopf und schaut zu, als ich Draco küsse und mich von den anderen verabschiede. Bodyguards brauche ich nicht und doch scheinen sie es in letzter Zeit für notwendig zu halten, mir überall hin zu folgen. Sie machen es sich in einer Ecke des Hofs bequem, von welcher sie mich gut sehen können, und ziehen Karten hervor. Ein guter Vorwand, um da zu bleiben und mich im Auge zu behalten.
„Hallo, Hermine", sage ich leise, mich bei ihr niederlassend.
Seit wir im Raum der Wünsche EHRLICH gesprochen haben, hat sich alles verändert. Hermine hat sich mehr denn je in sich zurückgezogen und sie redet mit niemandem. Die Mehrheit der Zeit verbringt sie in der Bibliothek, aber auch da gibt es manchmal diesen abwesenden Ausdruck in ihrem Gesicht und einen Schatten in ihren Augen. Aber als es mir endlich gelungen ist, sie zu finden, hat sie mich leise begrüßt und für mich Platz gemacht. Sie versucht sich nicht so anzustellen, als wäre nichts passiert. Ich kann in ihren Augen sehen, dass sie verängstigt, schockiert und entsetzt ist, dass sie sich aber nicht helfen kann, meine Gesellschaft nicht zu genießen und mit mir zu reden. Noch immer bin ich die einzige Person, der sie vertraut.
Seit damals sehe ich Angst in ihren Augen, wenn sie mich anschaut und sie wägt ihre Worte sorgfältig ab, wenn sie mit mir redet, aber sie ist da. Sie ist nicht davon gelaufen und sie hat keinem meine Geheimnisse preisgegeben. Ich bezweifele nicht, dass es sie von innen auffrisst, aber sie ist mir treu geblieben. Sie fragt nichts mehr; denn sie hat mehr bekommen, als sie erwartet hat. Sie wollte die Wahrheit und die hat sie bekommen. Die Wahrheit ist aber nicht angenehm und sie hat nicht geglaubt, dass ich so weit gegangen bin und dass die Sache so ernst ist. Ich kann es in ihren Augen sehen – die Fragen, was ich eigentlich tue; die Angst vor dem, was ich zu tun vorhabe; und Entsetzen vor dem, was ich getan habe. Man sagt, dass die Augen der Spiegel der Seele sind; und Hermines Seele ist in einem totalen Durcheinander und sie ist außer sich vor Angst. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist, weil sich auch herausgestellt hat, dass ihr bester Freund der Lehrling des dunklen Lords ist. Sie fühlt sich von der ganzen Welt verraten. Aber noch immer vertraut sie mir. Obwohl sie zögert und obwohl sie sich manchmal fragt, ob ich womöglich einen Grund finden könnte, um auch sie umzubringen, ist sie meine beste Freundin geblieben. Eines Tages wird ihre Treue sich lohnen. Hoffentlich weiß sie das.
Sie wundert sich nicht mehr, wenn ich über etwas mehr weiß als sie oder ihr über Arithmantik Vorlesungen gebe. Denn sie weiß jetzt, woher dieses Wissen kommt und sie fragt nichts. Mir ist aber klar, dass sie von den dunklen Künsten fasziniert ist, aber dass sie zur gleichen Zeit ihr Interesse daran verloren hat, weil das Ganze jetzt eine ganz andere Bedeutung hat. Früher war es nur ein Interesse, etwas, was sie fasziniert; geheimes Wissen, dass sie, sowie jedes Wissen und jedes Buch, verschlingt. Jetzt, da sie aber die Wahrheit weiß, hat dieses Wissen eine ganz andere Bedeutung bekommen. Es ist das verbotene Wissen und das lockt sie an; aber zur gleichen Zeit ist ihr jetzt klar, dass der Krieg bald ausbrechen wird und dass ich, ihr bester Freund, eine entscheidende Rolle darin spielen werde. Und das jagt ihr Angst ein.
Wir haben nicht darüber gesprochen. Wenn wir miteinander reden, reden wir über Hausaufgaben und unwichtige Sachen, aber ich weiß, dass sie ständig darüber nachdenkt. Was diese Hände, die ihren Aufsatz halten, getan haben; was in meinem Kopf vorgeht, ob ich den Mord an Dumbledore plane; und wann diese Füße zuletzt im selben Raum mit Lord Voldemort waren. Sie versucht, es sich vorzustellen, aber sie fragt nicht.
„Steht alles für den Ball bereit?", frage ich, als wir mit unseren Hausaufgaben fertig sind. Hermine zuckt zusammen und schaut mich nervös an. Sie war mit ihren Gedanken Meilen weit entfernt.
„Ball?", wiederholt sie nervös. „Ja. Oh ja, ich habe das Kleid bestellt und alles steht bereit."
Sie senkt den Blick. Ich habe mich an ihre Nervosität gewöhnt und meistens bin ich derjenige, der redet.
„Und dein Date?", frage ich lächelnd. Hermine schüttelt den Kopf.
„Ich weiß nicht, ob ich in der Laune für einen Ball bin", murmelt sie, der Frage ausweichend.
„Natürlich bist du", sage ich und lege einen Arm um ihre Schultern. Sie versteift sich, rührt sich aber nicht von der Stelle. Besser mir zu erlauben, sie zu umarmen, als verflucht zu werden. Oder was auch immer sie denkt, was ich ihr antun könnte, falls sie mich verärgert.
„Ich freue mich auf das Tanzen mit dir", sage ich. „Falls dein Date es erlaubt."
„Aber natürlich", sagt sie schnell.
Am Anfang war ihre Nervosität ziemlich lustig; jetzt aber geht sie mir auf die Nerven. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt gelächelt hat. Hermine lächelt nicht mehr. Sie weint auch nicht mehr. Sie scheint in ihrem Inneren einfach leer zu sein. Und jeder hat bemerkt, dass ihr Benehmen mir gegenüber sich verändert hat. Und alle vermuten selbstverständlich, dass ich ihr etwas angetan habe. Aber keiner möchte etwas darüber sagen. Jetzt versuchen auch die Gryffindors, Hermine etwas zu fragen, aber sie möchte nicht mit ihnen reden. Als es passiert ist, hat sie es mir sofort gesagt. Sie hat die ganze Zeit ihre Schuhe angestarrt, aber sie hat mir von allem erzählt.
/Rückblende
„Sie haben mich gefragt, ob ich in Ordnung sei", sagt sie leise.
Wir stehen in einem leeren Korridor, weil Hermine mich darum gebeten hat, alleine mit mir zu sprechen.
„Dass es in Ordnung sei, ihnen zu sagen falls etwas nicht stimme, weil sie bemerkt haben, dass ich Angst vor dir habe", flüstert sie. „Dass ich ihnen sagen könne...", sie schluckt. „wenn du mir etwas angetan hast."
„Was hast du ihnen gesagt?", frage ich kühl.
„Dass du mein bester Freund bist und dass du mir nie etwas antun würdest. Und dass sie zur Hölle fahren können", sagt sie, meinen Blick noch immer vermeidend.
Ich seufze und fahre mir durchs Haar. Auch wenn ich nicht dazu gezwungen wäre, Hogwarts nach Dumbledores Mord zu verlassen, werde ich trotzdem dazu gezwungen sein, weil ich einfach keine andere Wahl habe. Die Frage, die mich jedoch plagt ist – was tue ich mit Hermine? Ich kann sie unmöglich hier zurücklassen. Sie ist mir trotz allem treu geblieben.
„Du weißt doch, dass ich dir nie etwas antun könnte", sage ich, eine Hand auf ihre Schulter legend.
Sie zuckt zusammen und schaut mich wortlos, beinah flehend, an. Als hoffe sie, ich würde ihr sagen, dass alles ein Scherz war. Dass alles wieder beim Alten sein wird. Aber tief in ihrem Inneren weiß sie, dass nichts wieder das Gleiche sein wird.
„Alles, was ich von dir verlange, ist, dass du mir treu bleibst", fahre ich fort. „Und sei versichert, ich werde mich um dich kümmern. Niemand wird dir etwas anhaben können."
„Wie?", fragt sie mit einer heiseren Stimme.
„Ich werde zurück kommen, um dich abzuholen", sage ich ernst. „Das verspreche ich dir."
Sie möchte weinen, kann es aber nicht. Ihre Augen sind trocken. Und trotz der Tatsache, dass meine Stimme emotionslos ist, weiß sie, dass ich meine Worte ernst meine. Wortlos und zögernd, umarmt sie mich und legt ihren Kopf auf meine Schulter.
„Danke", flüstert sie in mein Haar.
/Ende Rückblende
Wir sind zu einem gegenseitigen Verständnis gekommen. Sie hat Angst davor, was ich bin und zu was ich werden werde; aber zugleich erkennt sie, dass es kein Zurück gibt. Sie weiß, dass sie zu tief versunken ist, um jetzt alles zurückzunehmen und wieder zu ihrem alten Leben zurückzukehren. Und ich weiß, dass sie zu mir stehen wird. Trotz der Tatsache, dass sie vor dem Ganzen Angst hat, wird sie zu mir stehen. Sie hat nichts zum Thema Dumbledore gesagt, aber ich weiß, was sie denkt. Man sagt, dass wenn man einmal ein Leben nimmt, dass man sich für immer verändert. Und es ist die Wahrheit. Jetzt ist es ganz egal, wie viele ich noch töten muss und werde, denn ich habe es schon einmal getan. Aber Hermine betrachtet diese Tat als das Schlimmste, was man tun kann. Schön, man lernt über die dunkle Magie; man strebt nach dem Wissen und man möchte lernen. Sie sieht nichts Falsches darin. Aber ein Leben zu nehmen... Das geht gegen alles, woran sie glaubt und ich weiß, dass sie sich einfach nicht vorstellen kann, dass ich, ihr bester Freund, zu so was fähig bin. Klar, sie weiß nicht, wie ich meine Verwandten getötet habe, und man kann es als einen Unfall betrachten. Ich habe sie nicht umbringen wollen. Es war ein Unfall. Aber einen Mord zu planen – das geht gegen jede Vorstellung eines Menschen, der mit ihr drei Jahre in der Schule verbracht hat.
Der Artikel, den Rita Kimmkorn über mich geschrieben hat, war ein Volltreffer. Der Prophet musste noch ein paar hundert Kopien drucken, weil alle verkauft waren. Narzissa war außer sich, als sie den Propheten geöffnet und mein Bild darin gesehen hat, weil ich ihr nicht gesagt habe, dass ich vorhabe, mit der Reporterin zu sprechen. Ich habe es einfach getan. Und jetzt bereite ich mich auf das zweite Interview vor. Denn die Leser lieben und hassen diesen Artikel, der seit Wochen das Gesprächsthema Nummer eins ist. Die Schüler haben es überall in der Schule gelesen und haben einander meine Worte zitiert.
/Rückblende
„Da gibt es schon viele Versionen von deiner Kindheit, Harry", sagt Rita höflich. „Wärst du so nett, dem Propheten ein paar Sachen darüber zu erzählen? Sodass die Leser für alle Zeiten wissen, was wirklich passiert ist."
„Natürlich, Rita", sage ich lächelnd. „Nun, ich bin bei meinen Muggelverwandten aufgewachsen. Meine Tante Petunia hat mich auf der Schwelle ihres Hauses gefunden, als ich ein Jahr alt war. Seit dem hat sie sich, zusammen mit ihrem Mann, Vernon, und ihrem Sohn, Dudley, um mich gekümmert. Nun, damals habe ich es so genannt, weil ich nicht wusste, dass es falsch war, mich so zu behandeln, wie sie es getan haben. Ich habe gedacht, dass sie Recht damit hatten."
„Dich zu misshandeln?", fragt Rita leise. Auch wenn sie eine Schlampe ist, die nur einen guten Artikel schreiben möchte, den alle lesen werden, und auch wenn ich sie mit einem Stück guter dunkler Magie belegt habe, ist ihre Abscheu echt. So was passiert in der Zauberwelt nicht.
„Ja", sage ich und senke den Blick, als fühle ich mich ein bisschen nervös. Rita wartet geduldig ab, bis ich wieder bereit bin, darüber zu sprechen.
„Früh genug habe ich Anzeichen von unabsichtlicher Magie gezeigt. Und jedes Mal, wenn es etwas Seltsames im Haus passiert ist, war ich schuld. Ich habe mich schon daran gewöhnt, nervös abzuwarten, dass etwas Seltsames passiert. Denn dann hat mein Onkel mich verprügelt und mich in den Schrank unter den Treppen, wo ich normalerweise geschlafen habe, ohne Essen und Wasser eingesperrt."
„Entschuldigung", sagt Rita, sich nach vorne lehnend. „Hast du soeben gesagt, dass du in einem SCHRANK geschlafen hast?"
„Ja", sage ich leise. „Mein Onkel war der Meinung, dass ein Freak wie ich kein richtiges Zimmer verdient."
„Wo bin ich stehengeblieben...", sage ich gedankenverloren. Rita gießt mir mehr Kürbissaft ein. „Ja. Einmal hat er meinen Arm gebrochen, weil er mich von sich weg gestoßen hat – es ist mir nie eingefallen, dass ich mich vielleicht wehren könnte – und ich bin gegen die Wand geprallt. Mein Arm hat höllisch wehgetan, aber er wollte kein Geld für mich ausgeben. Meine Tante hat meinen Arm verbunden und er ist von alleine geheilt. Deswegen ist er falsch geheilt."
„Nun, vielleicht war meine Tante auch mein Helfer, denn sie hat ja meinen Arm verbunden", füge ich hinzu. „Und sie hat mich nie wirklich ins Gesicht geschlagen, hat mich stattdessen mit einer Pfanne auf den Kopf geschlagen. Manchmal auch mit einem Schöpflöffel."
Ich verziehe das Gesicht und kratze mich nachdenklich am Kopf. Rita starrt mich an, während ihre Feder alles aufschreibt.
„Aber ich möchte nicht mehr darüber sprechen. Ich möchte alles hinter mir lassen und es einfach vergessen. Ich habe Tränke bekommen, die mir ermöglicht haben, ein Stück zu wachsen und die meinem Körper geholfen haben, sich zu erholen. Und endlich hat sich mein größter Wunsch erfüllt– ich habe eine Familie, die sich um mich kümmert und mich liebt."
„Ich kann natürlich nachvollziehen, dass du darüber nicht sprechen willst", sagt Rita. „Also sprechen wir über deinen Vormund. Hast du gewusst, dass es Zauberer und Hexen gegeben hat, die dir angeboten haben, dein Vormund zu sein?"
„Das habe ich gehört", sage ich leise. „Und ich werde dir nur eines sagen, Rita. Keiner wollte mich. Keiner wollte sich um mich kümmern. Professor Dumbledore war mein Vormund, hat es mir aber nie gesagt. Er hatte seine Gründe, da bin ich mir sicher. Aber keiner hat in meiner Haut gesteckt. Als ich am meisten Hilfe gebraucht habe, war niemand für mich da, außer Narzissa. Sie hat mich aufgenommen, als ich in Gringotts das Bewusstsein verloren habe. Sie hat gewusst, wer ich bin und sie hat auch gewusst, dass ihre Familie meinetwegen in Schwierigkeiten geraten könnte. Aber trotz allem hat sie mich aufgenommen, den besten Heiler, den sie kannte, bezahlt, um sich um mich zu kümmern. Ich habe zwei Jahre in Hogwarts verbracht und niemand hat bemerkt, dass ich Probleme zu Hause hatte. Dass ich nicht zurückgehen wollte. Dass man mich dort geschlagen und misshandelt hat. Zu jener Zeit habe ich geglaubt, dass ich es verdiene. Aber Narzissa hat mir gezeigt, dass keiner es verdient. Sie hat mir geholfen, mich zu erholen und sie hat mir meinen Wert gezeigt. Zwar gibt es gewisse Narben, die nie heilen werden, aber ich bin ihr sehr dankbar und ich werde nicht zulassen, dass man sie beleidigt. Sie war für mich da, als keiner mir helfen wollte – und ich schere mich nicht darum, wie sie heißt und ob sie aus einer dunklen Familie stammt. Ich weiß nur, dass diese Frau mein Leben zum besseren verändert hat und deshalb werde ich ihr immer für alles dankbar sein."
„Kannst du den Lesern etwas über deine Verlobung mit dem Erben der Malfoyfamilie sagen?", fragt Rita nach einer Pause.
„Klar", sage ich achselzuckend. „Onkel Lucius hat eingesehen, dass Draco und ich gut miteinander auskommen. Ich habe früher nie darüber nachgedacht – wir sind zu guten Freunden geworden und ich habe seine Gesellschaft genossen. Aber ich habe eingesehen, dass ich ihn gerne habe und dass ich es möchte. Ich bin ja jung; aber eine feste Freundschaft ist die Grundlage für eine gute Beziehung, oder?"
„Freundschaft ist sehr wichtig, ja", sagt Rita. „Aber hast du gewusst, dass du schwul bist? Bist du schwul, Harry?"
„Ich hatte keine Ahnung", sage ich lächelnd. „Ich habe nur gewusst, dass ich ahnungslos, was Mädchen angeht, bin. Aber als ich zum ersten Mal einen Kerl geküsst habe, ist mir klar geworden, dass ich auf Kerle stehe. So was weiß man einfach."
„Also war diese Person nicht Draco Malfoy?", fragt Rita neugierig.
„Nein", sage ich grinsend. „Aber damals waren wir nicht zusammen."
„Schön, deine Geheimnisse bleiben deine Geheimnisse", sagt Rita glucksend. „Zurück zum Thema. Kannst du uns sagen, warum du das Haus gewechselt hat? Denn so was passiert normalerweise nicht."
„Ja", sage ich leise. „Seit ich einen neuen Vormund gefunden habe, hat man damit angefangen, mich seltsam anzuschauen und mich zu beleidigen. Als würde diese Tatsache etwas bestimmen und etwas heißen. Und es hat zu einem Streit zwischen mir und Ronald Weasley geführt. Mein Leben im Gryffindorturm war unerträglich, aber ich wollte Narzissa nichts darüber sagen. Sie hat es aber doch erfahren und hat einen Brief an Professor McGonagall geschrieben, in dem sie sie darum gebeten hat, mir zu erlauben, das Haus zu wechseln. Denn sie wolle nicht, dass ich weiter leide. Und Professor McGonagall hat es erlaubt."
„Aber warum Slytherin?", fragt Rita.
„Ich habe den sprechenden Hut auf den Kopf gesetzt", sage ich achselzuckend. „Und ich habe ihn darum gebeten. Weil Draco in Slytherin ist."
„Warum nicht Ravenclaw? Ich höre, dass deine Noten sich sehr verbessert haben", sagt Rita.
„Weil der sprechende Hut mir im ersten Jahr die Wahl zwischen Gryffindor und Slytherin gegeben hat", sage ich. Anders kann man es nicht erklären und falls ich etwas verschweige, wird man schnell zwei und zwei zusammenzählen. „Ich wollte nach Gryffindor, weil ich Ronald Weasley im Zug getroffen habe und er hat mir gesagt, alle Slytherins seien böse und keiner möge sie. Ich hatte nie einen Freund gehabt und ich wollte diesen einen behalten. Aus diesem Grund habe ich dem Hut gesagt, als er mir die Wahl gegeben hat, ich wolle nach Gryffindor. Denn ich wollte endlich ein normaler Junge sein, der Freunde hat."
„Slytherin ist jedoch ein Haus wie jedes anderes", fahre ich fort, ehe sie mich unterbrechen kann. „Zum Beispiel meine beste Freundin Hermine Granger hat eine Menge Schwierigkeiten in Gryffindor, weil sie mit mir befreundet ist. Man verurteilt sie aufgrund ihrer Wahl von Freunden und das ist sicherlich keine Tugend von Godric Gryffindor, der über Gleichheit und über Freundschaft gesprochen hat. Ich versuche ihr zu helfen, aber es gibt nicht viel, was ich tun kann. Man hasst und schikaniert sie, nur weil ich ihr bester Freund bin. Professor McGonagall war dazu gezwungen, ein paar Sicherheitsmaßnahmen einzuführen, die es ihr ermöglichen zu wissen, wenn es Schwierigkeiten gibt."
„Was ich dir damit sagen wollte, ist, dass ich es satt habe, ständig wegen etwas verurteilt zu werden. Die Menschen denken in Absoluten, das heißt, entweder ist man gut oder man ist böse. Solch eine kindische Denkweise ist veraltet und wird nur zu einem größeren Spalt zwischen den Zauberern und Hexen führen. Ich wurde mein ganzes Leben lang aufgrund meines Aussehens verurteilt, denn meine Verwandten wollten mir keine neue Kleidung kaufen, haben mir stattdessen die alte Kleidung von meinem Cousin gegeben. Also wenn Harry Potter in schäbigen Jeans und einem übergroßen T-Shirt auftaucht, wird er automatisch als ein Bengel abgestempelt, der nur Probleme verursachen wird. Ich konnte nichts dafür. Aber ich kann jetzt für die Rechte von jenen, die solche und ähnliche Probleme haben, kämpfen. Ich kann die Zauberer und Hexen daran erinnern, dass wir alle gleich sind und dass wir zusammenhalten sollten. Wir sollten nicht mit dem Finger auf Menschen deuten, nur weil uns etwas an ihnen nicht gefällt. Wir sollten zusammen arbeiten und uns bemühen, die anderen kennenzulernen. Wir sollten auch lernen, denjenigen, die uns verletzt haben, zu verzeihen. Ich habe meinen Verwandten für alles, was sie mir angetan haben, verziehen. Und ich hoffe, dass sie ihre Ruhe gefunden haben. Ich habe auch Professor Dumbledore verziehen, der mich auf der Schwelle von Tante Petunia zurück gelassen hat und der mir nie gesagt hat, er sei mein Vormund."
„Professor Dumbledore hat das getan?", fragt Rita. „Aber warum?"
„Er wollte, dass ich weg von dem Ruhm und der Zauberwelt aufwachse. Er hat aber nicht gewusst, wie es mir bei meinen Verwandten geht. Aber es ist in Ordnung. Alles, was ich möchte, ist alles hinter mir zu lassen und zu vergessen. Und ich habe Professor Dumbledore vergeben und ich hoffe, dass er Zeit für mich findet, mit mir zu reden, weil ich unsere Gespräche vermisst habe."
„Nur noch eine Frage, Harry", sagt Rita süß. „Was denkst du über den Ausbruch aus Azkaban?"
Das war Absicht, sicherlich sieht sie ein, dass ich gewollt habe, dass sie mir gerade diese Frage stellt.
„Nun...", fange ich unsicher an. „Erstens hatte ich keine Ahnung, was Azkaban ist, bis ich darüber im Propheten gelesen habe. Ich hatte keine Ahnung, was die Dementoren sind. Und ich habe ein wenig über sie gelesen. Vielleicht bin ich jung und vielleicht habe ich keine Erfahrung, aber mir kommt es herzlos vor, jemanden, was auch immer er getan hat, den Rest seines Lebens an solch einem Ort verbringen zu lassen. Lebenslang eingesperrt, jeden Tag von den Dementoren gequält. Ist es wahr, dass die Menschen dort Essen ablehnen, sodass sie sterben werden? Das wundert mich auch nicht, wenn alles wahr ist, was die Bücher über die Dementoren sagen. Dass sie alle positiven Gefühle aus einem aussaugen und dass man langsam zu einer leeren Hülse wird, die sich eigentlich auf den Tod freut und ihn sich herbeiwünscht. Denn der Tod wäre eine Erlösung im Vergleich zu dem, was sie jeden Tag erdulden müssen. Manchmal habe ich mich auch so gefühlt, wenn ich tagelang im Schrank unter den Treppen eingesperrt war. Vielleicht kann man es mit dem, was die Gefangenen durchmachen, nicht vergleichen, aber es ist zweifelsohne unmenschlich. Keiner, was auch immer er getan hat, verdient so was."
„Was den Azkabanausbruch selbst angeht, bin ich fassungslos. Man sagt, keinem ist es gelungen, aus dem Gefängnis zu fliehen. Außer Sirius Black, natürlich."
„Er war dein Pate, oder?", fragt Rita.
„Das stimmt", sage ich seufzend. „Das habe ich von den Kobolden in Gringotts erfahren. Wenn sie es mir nicht gesagt hätten, hätte ich es nie erfahren. Ich kann auch nicht verstehen, warum er ohne Verhandlung ins Gefängnis geschleppt wurde. Vielleicht bin ich ein naiver Junge, der aus der Muggelwelt kommt und nicht genug über die Zauberwelt weiß. Aber so weit ich weiß, bekommen in der Muggelwelt auch die Serienmörder und die Vergewaltiger eine Verhandlung, eine Chance, um sich zu verteidigen und die Wahrheit zu sagen und so ist es gerecht. Nachdem ich über Azkaban gelesen habe, möchte ich mehr über solche Sachen lernen. Vielleicht bin ich ja zu viel mit dem Lernen für die Schule beschäftigt, um mich über solche Sachen zu informieren, aber jetzt möchte ich das."
„Denkst du vielleicht über eine Laufbahn in der Politik nach?", fragt Rita.
„Nun, ich würde viel lernen müssen, aber mich interessiert die Politik, ja", sage ich lächelnd.
„Also die letzte Frage", sagt Rita. „Hast du eine Botschaft für unsere Leser?"
„Ja, hab ich", sage ich nachdenklich. „Lasst nie zu, dass man euch von etwas überzeugt, woran ihr nicht glauben wollt. Verurteilt keinen nach dem Äußeren, denn vielleicht steckt ein Harry Potter unter der schäbigen Kleidung. Hasst mich nicht, weil ich endlich eine Familie und ein neues Leben habe. Jetzt weiß ich, dass ich es verdient habe und dafür kann ich mich bei meinen Freunden und meiner neuen Familie bedanken."
/Ende Rückblende
Seit mein Interview mit Rita rausgekommen ist, habe ich dutzende von Briefen bekommen. Einige Leser behaupten, dass es mir noch immer nicht gut gehe und dass ich aus diesem Grund Narzissa Malfoy als meine Retterin betrachte und ich solle mich schnell melden, sodass ich ein richtiges Heim bekommen könne. Einige sind der Meinung, dass ich für den Posten des Ministers kandidieren solle. Einige sagen, sie seien schockiert, dass irgendjemand mit einem Zauberer so umgehen könne und verlangen, dass Dumbledore erklärt, warum er mich den Dursleys übergeben habe und sagen, er sei direkt für meine Kindheit und meine Misshandlung verantwortlich, denn er hätte sich erkundigen sollen, wie es mir gehe. Und einige haben auch Azkaban erwähnt, sagend, dass es vielleicht das Beste sei, dass diese Menschen an diesem Ort bleiben, sodass die Zauberwelt sicher sein könne.
Wie dem auch sei, ist mein Interview Gesprächsthema Nummer eins und Rita Kimmkorn hat mir auch einen Brief geschrieben, sich bei mir für das Interview bedankend und mich fragend, ob ich für noch ein Interview bereit wäre. Aber das interessanteste von allem war der Brief von Crouch selbst, der mich in sein Büro eingeladen hat, sagend, er würde sich gerne mit mir unterhalten und mir dabei helfen, ein paar Sachen über die Zauberwelt und über die Weise, auf die das Ministerium seine Arbeit erledigt, zu lernen. Als ich darüber mit dem dunklen Lord gesprochen habe, hat er verlangt, diesen Brief selbst zu lesen. Dann hat er gelacht und mir gesagt, ich solle gehen und dass er mir ein paar Anweisungen geben werde. Er denkt, Crouch sei leicht zu beeinflussen, insbesondere da ich der Junge der lebt bin und da ich sozusagen eine Ikone in der Zauberwelt bin. Meine Meinung zähle; und ich solle versuchen, an den Minister ranzukommen. Es könne später nützlich sein.
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„Hier", sagt der dunkle Lord, mir einen Anhänger übergebend. „Ich habe einen Portschlüssel für euch gemacht. Mein Diener wird auf euch warten und euch dabei helfen, ins Ministerium zu kommen. Dann seid ihr euch selbst überlassen."
„Falls ihr auf jemanden stoßt, solltet ihr einen direkten Konflikt vermeiden, denn ich möchte nicht, dass rauskommt, dass ich zurück bin. Noch nicht. Natürlich wird die resultierende Panik sehr nützlich sein, aber momentan möchte ich, dass ihr im Geheimen arbeitet. Gibt es Fragen?"
Wir alle schütteln die Köpfe und ich setze meine Maske auf, meinen schwarzen Umhang zuknöpfend. Bellatrix zieht ihre Maske anmutig über den Kopf und grinst Rodolphus an.
„Du solltest dein Haar irgendwie verschwinden lassen", ist Voldemorts Meinung. „Denn es fällt auf."
„Überlass das mir", sage ich, meinen Stab hervorziehend.
Ich kann zwar ihren Ausdruck nicht sehen, aber ich kann mir vorstellen, dass sie wütend ist. Aber da der dunkle Lord im selben Raum ist und neugierig zuschaut, als ich mit meinem Stab über ihren Kopf wedele, wagt sie nicht, etwas dazu zu sagen. Ihr Haar wird kürzer und heller und ich gehe einen Schritt zurück, um mein Werk zu begutachten.
„Sehr schön", meint der dunkle Lord, der sich glucksend von uns abwendet. „Und jetzt geht. Was dein spätes Ankommen in die Schule angeht, werden wir uns damit beschäftigen, wenn du zurück bist, Harry."
Jetzt würde ich am liebsten eine sarkastische Bemerkung zu der Frisur der genervten Bellatrix machen, aber ich verzichte darauf. Ich habe entschieden, nicht mit ihr sprechen, wenn es nicht absolut notwendig ist. Also kann man mir später keine Vorwürfe machen, dass ich sie provoziert habe.
Als ich meine Augen öffne – Mann wie ich diese Portschlüssel hasse! – höre ich ein leises Geräusch und bald erscheint ein Zauberer mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, der schnell auf uns zukommt. Er zieht seinen Ärmel nach oben und zeigt uns sein dunkles Mal. Wirklich – das hätte auch gefälscht sein können, aber meine Gefährten scheinen nichts dergleichen zu denken. Sein Blick fällt auf mich, dessen Maske sich von denen von Bellatrix und Rodolphus unterscheidet und ich ziehe meinen Ärmel nach oben. Er mustert mich von oben bis unten und winkt mir dann zu. Kenne ich ihn? Keine Ahnung. Aber anscheinend hat ihm der dunkle Lord gesagt, wen er schickt.
Er führt uns durch die Finsternis zu einem Hügel. Als er mit seinem Stab wedelt, bemerke ich, dass es doch kein Hügel ist. Der Hügel wurde mit einem Zauber belegt, sodass er allen, Muggeln oder Magiern, wie ein Hügel vorkommt. Aber vor mir erscheint jetzt ein Tunnel, der groß genug für einen Laster ist, der jedoch Sitzplätze hat. Wir klettern hinein und der Laster beginnt sich schnell zu bewegen. Als wir durch die Finsternis sausen, kann ich den Blick des Zauberers auf mir spüren, aber ich starre entschlossen in die Ferne. Der Laster bewegt sich beinahe so schnell wie die Laster in Gringotts und mir ist vage klar, dass wir tiefer und tiefer hinunterfahren. Ich weiß, dass sich die Mysteriumsabteilung im Stock neun befindet, aber laut dem dunklen Lord kommt man normalerweise durch eine Telefonzelle ins Ministerium rein. Also woher kommt der Laster? Benutzen ihn die Ministerialbeamten? Ich weiß, dass dieser Zauberer einer von ihnen ist, also hat er sicherlich Zugang dazu. Und wie sind wir reingekommen? Er hat uns einfach mitgenommen. Die Sicherheitsmaßnahmen im Ministerium sind mal nicht so beeindruckend, wenn man bedenkt, dass jeder Angestellte einen Freund mitnehmen kann. Oder eher einen Todesserfreund...
„Viel Glück", sagt der Zauberer, als der Laster endlich vor einer Plattform abbremst. An der Wand hängt ein Schild, auf dem „neunter Stock, Mysteriumsabteilung" steht.
„Danke", sage ich und klettere aus dem Laster heraus. Da gibt es nur eine Tür, die nach drinnen führt, und sie lässt sich leicht öffnen, als ich sie drücke. Ich fluche, als Bellatrix reinkommt und mir auf den Fuß tritt. Es ist stockdunkel.
Ich beschwöre mein blaues Licht und schaue mich um. Wir stehen mitten in einem runden Raum und überall gibt es Türen, auf denen es jedoch keine Türklinken gibt. Wie soll man sie öffnen? Aber so bald die Tür hinter Rodolphus zugeht, fahre ich hoch. Die Wand beginnt sich zu bewegen; und mir wird sofort klar, warum. Es gibt so viele Türen, die gleich sind, sodass man nicht sagen kann, durch welche man gekommen ist. Na krass.
„Und was machen wir jetzt, unser Anführer?", höhnt Bellatrix.
Ich seufze. Bisher war sie dazu gezwungen, still zu sein, jetzt ist sie wieder ihr verbittertes und verrücktes Selbst. Ich bin entzückt.
„Wir wählen eine Tür aus, kennzeichnen sie, sodass wir wissen werden, welche Tür wir schon ausprobiert haben und erforschen den Raum dahinter", sage ich nach einer Pause.
Bellatrix sagt nichts und ich hebe schnell meinen Stab und zaubere eine Tür, die ich aufs Geratewohl ausgewählt habe, rot. Da gibt es keine Türklinke. Wie öffnet man diese Tür? Ich beginne nach einer geheimen Klinke zu tasten und Bellatrix gluckst.
„Geh zur Seite, kleiner Junge", sagt sie. „Ich werde dir helfen."
„Ach ja? Wie denn? Du wirst die Tür in tausend Stücke sprengen?" erwidere ich genervt. „Das kann ich selbst tun, vielen Dank. Welchen Teil des Satzes 'wir müssen im Geheimen arbeiten' verstehst du nicht?"
Ich ziehe Amu aus meinem Umhang hervor und Bellatrix schaut die Schlange neugierig an.
~Ich werde dich verkleinern~, sage ich zu der Schlange. ~Und ich möchte, dass du an der anderen Seite nachschaust, ob du die Tür öffnen kannst.~
~Ich verstehe, Meister~, sagt die aufgeregte Schlange.
Amu war außer sich, als ich ihm mitgeteilt habe, dass ich ihn mitnehme. Er ist so erpicht darauf, sich zu bewähren, dass er es kaum abwarten konnte, bis wir endlich gehen.
Bellatrix und Rodolphus wechseln Kommentare, als ich Amu verkleinere und er verschwindet unter dem Spalt. Bellatrix mustert mich abschätzend, als die Tür von der anderen Seite zittert und sich schließlich öffnet.
„Am besten geht jeder seinen eigenen Weg", sagt Rodolphus. „Ich werde mir noch eine Tür anschauen."
„Nein", sage ich entschlossen. „Wir werden zusammen bleiben."
„Und warum? Hat kleiner Junge Angst?", sagt Bellatrix, die jetzt den schmalen Korridor entlang marschiert.
„Weil wir nicht wissen, wo dieses Etwas überhaupt steckt und mit welchen Zaubern es geschützt ist", zische ich ungeduldig. „Wir müssen zusammen arbeiten. Aber wenn du gehen möchtest, von mir aus. Geh."
Bellatrix schaut mich mit verengten Augen an, sagt jedoch nichts. Wenn sie mich jetzt mit Rodolphus verlässt, würde der dunkle Lord davon erfahren und es waren ja seine Befehle, mir zu folgen.
„Na schön, du könntest unsere Hilfe gebrauchen", sagt sie hochnäsig.
„Was auch immer", murmele ich und vergrößere meine Schlange. Anscheinend kann man diese Tür nur von dieser Seite öffnen. Interessant. Von dieser Seite muss man sie einfach drücken und sie lässt sich problemlos öffnen.
Könnte es sein, dass meine Instinkte mich zu einem guten Ort geführt haben? Ich kann Spuren von dunkler Magie im schmalen Korridor riechen und ich folge dem Korridor mit meinem Stab in der Hand.
'Untersuchungsraum eins', steht auf einer Tür. Was macht man da drin?
Die Tür lässt sich nicht öffnen. Na krass. Bellatrix stößt gegen die zweite Tür, zückt ihren Stab und versucht mit ein paar Zaubern sie zu öffnen, aber auch diese Tür bleibt unnachgiebig. Wahrscheinlich gibt es Passwörter oder so was. Aber ich habe keine Zeit für Ratespiele. Ich deute mit dem Stab auf die Tür und versuche sie mit roher Magie in Bewegung zu bringen. Sie zittert; und endlich gibt sie nach. Na endlich. Wenn wir auf diese Weise jede Tür öffnen müssen, wird es eine Weile dauern.
Überall gibt es Schränke mit Glastüren, in denen beschriftete Kästchen stehen. Wie soll ich denn wissen, welches der dunkle Lord braucht? Als Bellatrix den ersten Schrank öffnet – glücklicherweise ist sie jetzt viel zu beschäftigt, um mich zu plagen – entscheide ich, mich auf meine Sinne zu verlassen. Ich habe ja ein Ritual durchgeführt, das den Zweck hat, die magischen Sinne zu schärfen, also sollte ich imstande sein, so etwas Dunkles und Mächtiges einfach aufspüren zu können. Zwar kann ich etwas Dunkles riechen, aber die Gerüche kommen von allen Seiten. Sie entsprechen aber nicht dem Gegenstand, den der dunkle Lord mir beschrieben hat. Der Geruch ist einfach viel zu schwach. Ich könnte schwören, dass er im Korridor stärker war.
Ohne ein einziges Wort zu meinen Begleitern, wende ich mich um und verlasse den Untersuchungsraum. Bellatrix lacht, aber ich schenke ihr keine Aufmerksamkeit. Meinen Sinnen folgend... Woher kommt dieser Geruch? Ich schließe die Augen, dicht von Amu gefolgt.
Ich halte vor einer Tür inne und spüre eine Antwort aus dem Raum dahinter, als ich vorsichtig mit meiner eigenen Magie nach dem Raum lange. Ich sollte diese Tür versuchen. Ich lege eine Hand auf die Tür und ehe ich weiß, was da vorgeht, öffnet sie sich geräuschlos. Ist es möglich, dass es eine Falle ist, geht mir durch den Kopf, als ich mit dem blauen Licht auf der Stabspitze langsam reinkomme? Oder... kann es sein... dass die Tür auf dunkle Magie reagiert? Gibt es dunkle Magier im Ministerium? Wer auch immer mit dieser Kugel, die der dunkle Lord braucht, rumexperimentiert und arbeitet, sollte etwas über die dunkle Magie wissen. Aber kann es sein, dass das Ministerium tatsächlich einen dunklen Magier, über den sie sich sicher sind, dass er einer ist, mit dieser Aufgabe beauftragt hat? Das wäre heuchlerisch, oder? Auf der einen Seite verurteilt das Ministerium die Benutzung dunkler Magie und auf der anderen bezahlt man einen dunklen Magier, etwas für sie zu erledigen.
Ich spüre wieder diesen Ruf und meine Finger langen automatisch nach einem Regal und tasten herum, bis sie über eine Schachtel fahren. Meine eigene Magie reagiert auf diesen Gegenstand, der da drin ist, und ich bringe meinen leuchtenden Stab näher. Mein Herz macht einen Hüpfer. Da steht Grindelwalds Namen auf der Schachtel und ich nehme sie vorsichtig in die Hände. Die Magie, die sie ausstrahlt, ist definitiv dunkel, aber ich kann einfach spüren, dass der Gegenstand da drin mit allerlei Zaubern belegt ist. Nicht Flüchen, sondern Zaubern. Dunklen Zaubern. Ich lege sie auf den Tisch, der in der Mitte des Raumes steht und begutachte sie. Das sollte genau das sein, wovon der dunkle Lord gesprochen hat. Aber sollte ich sie nicht öffnen? Um mich zu vergewissern, dass das die richtige Schachtel ist?
Als ich darüber nachdenke, fahre ich mit den Fingern über die Schachtel, die sich geräuschlos öffnet. Ich blinzele. In Ordnung... Vorsichtig... Ein dunkler Magier zu sein, scheint hier das einzige Passwort zu sein, das man braucht. Ich bringe die Stabsspitze näher und schlucke. Da drin liegt etwas Rundes, das in Seide eingewickelt ist. Ich sollte es nicht anfassen. Das hat mir der dunkle Lord gesagt. Unter keinen Umständen sollte ich diese Kugel anfassen. Aber ich bin mir sicher, dass es eine Kugel ist.
Ich entscheide auf der Stelle, diese Schachtel mitzunehmen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die richtige ist. Ich schließe sie wieder und nehme sie in die Hand. Sie pulsiert leicht, als wolle sie, dass ich sie mitnehme. Bellatrix und Rodolphus sind mittlerweile in ein anderes Zimmer gegangen und jetzt stöbern sie die Regale da drin durch.
„Ich habe es", verkünde ich kurz. Bellatrix schaut auf. „Gehen wir."
„Wo hast du es gefunden?", fragt sie, als sie die Schachtel in meiner Hand argwöhnisch betrachtet.
„Im Zimmer am Ende des Korridors", sage ich knapp. Wirklich – spielt es eine Rolle, wo ich es gefunden habe? „Los, gehen wir, wir sollten hier nicht zu lange bleiben."
„Bist du dir sicher...", fängt sie an, aber ich unterbreche sie.
„JA!", zische ich. „Gehen wir endlich! Lasst das!"
Ich deute auf Rodolphus, der eine Schachtel aus dem Regal herauszieht. Als Bellatrix sich umdreht, zittert die Schachtel und öffnet sich von sich selbst. Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifen und einem Zischen quillt eine Rauchwolke hervor und beginnt schnell den Raum zu füllen. Ich beschwöre schnell einen Schild und presse den Umhang gegen meine Nase, als Rodolphus aufkeucht und zurückweicht. Bellatrix deutet mit ihrem Stab auf die Schachtel und mit größter Mühe gelingt es ihr, den Deckel zu schließen.
Ich verlasse eilig den Raum und stelle fest, dass der Rauch auf mich keine Wirkung hatte. Als Rodolphus auftaucht, wird mir schnell klar, dass der Rauch, was auch immer er ist, ihn erwischt hat. Er hustet und kann nicht damit aufhören, zu weinen. Die Tränen scheinen jedoch eine körperliche Reaktion auf den Rauch zu sein.
„Gehen wir", sage ich, als Bellatrix die Tür schließt. „Geht es ihm gut?"
„Ist dir sowieso egal", murmelt sie, während Rodolphus weiter hustet.
„Mir geht es gut", gelingt es ihm zu sagen. „Gehen wir."
„Na schön, beeilen wir uns, wir werden dich später untersuchen lassen", sage ich knapp.
Ich drehe mich um, ohne dass ich mich vergewissert habe, ob sie mir folgen und öffne die Tür, die hinaus führt. Das reicht! Sie können von mir aus hier bleiben und die ganze Nacht lang nach etwas suchen, was ich schon gefunden habe. Sind sie etwa so stolz, dass sie nicht zugeben können, dass ich es als erster gefunden habe? Klar, hier gibt es zweifelsohne interessante Sachen, aber ich möchte nur hier raus. Morgana weiß, welche gefährlichen Sachen es in diesen Regalen gibt, wenn sie schon so etwas wie diese Kugel hier aufbewahren.
Als wir den dunklen runden Raum betreten, knurre ich und Bellatrix flucht. Die Tür, die ich rot gezaubert habe, ist wieder schwarz. Und da sich die Wand wieder schnell um uns herum dreht, können wir nicht einmal wissen, durch welche Tür wir gerade durchgekommen sind. Als ich versuche, die Tür im Auge zu behalten, wird mir schwindelig und ich gebe es auf. Rodolphus hustet unablässig, als ich eine Tür wieder aufs Geratewohl wähle und sie zu öffnen versuche. Zu meiner großen Überraschung, lässt sie sich problemlos öffnen. Das kann nichts Gutes heißen, oder? Oder bin ich einfach zu paranoid geworden?
Der Raum, der sich vor mir erstreckt, ähnelt einer Arena. Unsere Schritte hallen, als ich den Blick über den Raum schweifen lasse. In der Mitte des Raumes gibt es einen Bogen, aber sonst nichts. Ich wende mich um, vorhabend, rauszugehen, aber ich höre eine leise Stimme.
„Was hast du gesagt?", frage ich Bellatrix. Die Hexe zuckt mit den Schultern und ihre Lippen unter der Maske strecken sich zu einem bösartigen Lächeln.
„Hörst du Stimmen? Das ist das erste Anzeichen von mentaler Instabilität", höhnt sie, während Rodolphus wieder hustet. Sein Husten wird schlimmer und schlimmer und was auch immer dieser Rauch war, er war nicht gut für ihn.
„Und du würdest zweifelsohne alles darüber wissen", erwidere ich bissig und schaue mich um.
Da – schon wieder habe ich Geflüster gehört. Bellatrix steigt die Treppen hinab, die zum Bogen führen, während Rodolphus ein Handtuch auf den Mund presst. Er schaut auf und zischt. Das Handtuch ist rot vor Blut. Ihm geht es nicht gut. Was treibt diese verrückte Hexe? Sie untersucht den Bogen.
„Was treibst du da? Gehen wir", sage ich ungeduldig, obwohl ich mir wünsche, ich könnte hier bleiben. Der Bogen ist einfach wunderschön. Und eigentlich hat er etwas Dunkles an sich, aber ich weiß, dass ich hier raus muss. Hin und her gerissen, schaue ich zu, wie Bellatrix sich nach vorne lehnt, um den Bogen zu untersuchen.
„Das ist etwas Besonderes", meint sie. „Er trieft vor nekromantischer Magie."
„Ja, schön, aber wir sollten gehen", sage ich knapp, obwohl ich einen unwiderstehlichen Drang spüre, auch die Treppen hinab zu steigen, um mir den Bogen genauer anzuschauen. Ein Schleier hängt von dem Bogen hinab und scheint sich beinah hypnotisch zu bewegen... Ich schüttele den Kopf.
„Wir sollten den Bogen untersuchen", meint Bellatrix laut. „Denn was ist, wenn er etwas wäre, was IHN interessieren würde? Er würde uns für unsere Arbeit belohnen!"
Ich öffne den Mund, um sie anzubrüllen, aber ich winke ab und wende mich zum Gehen.
„Ich gehe", verkündige ich laut und demonstrativ. Rodolphus krümmt sich vor Husten. Ihm kann ich nicht helfen und möchte es auch nicht. Wenn er will, dass man ihm hilft, wird er mitkommen. Aber nein, sie müssen in alles ihre Nasen stecken. Ich bin so wütend, dass ich den Bogen augenblicklich vergesse und damit auch den Drang, den ich gespürt habe, ihn mir anzuschauen und ich verschwinde durch die Tür, die beiden in der Arena zurücklassend.
Zum Teufel mit Bellatrix! Sie können sich hier ruhig umschauen, ich aber habe zu tun. Glücklicherweise ist der runde Raum noch immer menschenleer und ganz still. Ich schaue mich genervt um. Wie soll ich bitteschön wissen, welche Tür ich brauche? Mehr Abenteuer brauche ich nicht... ich möchte nur raus, bevor jemand kommt oder mir etwas den Kopf abbeißt. Und nachdem was ich gesehen habe, würde es mich auch nicht wundern, wenn es hier so was gäbe.
Ich erinnere mich vage an den Zauber, den Voldemort mir einmal beigebracht hat, das heißt, er hat darüber geredet und mir gezeigt, wie man ihn ausführt, aber ich bin mir nicht sicher, dass ich ihn richtig verstanden habe. Der Zauber dient dazu, die Spuren von Magie auf einem Gegenstand aufzuspüren und der Gegenstand glüht rot auf, je nach dem wie viel Zeit vergangen ist, seit der Gegenstand zum letzten Mal in Kontakt mit Magie war. Einen Versuch ist es wohl wert...
Ich probiere es mit der Tür direkt vor mir. Bellatrix und Rodolphus sind noch immer in der Arena und in diesem Moment schere ich mich keinen Dreck um sie. Ich möchte raus, jetzt! Nichts passiert. Verdammt. Was habe ich falsch gemacht? Absicht. Das hier ist keine dunkle Magie, aber ein wenig Entschlossenheit kann nicht schaden. Als die nächste Tür grün aufglüht, macht mein Herz einen Hüpfer. Es funktioniert. Weiter! Hier gibt es ein bisschen rot... Aber nicht genug. Wie lange waren wir im Korridor mit den Untersuchungskammern? Keine Ahnung. Fünfzehn Minuten, eine Stunde? Zwei Stunden? Die Tür direkt vor mir glüht rot auf und ich renne erleichtert auf sie zu und drücke sie. So bald das bekannte Bild der Plattform und der Eisenbahn vor mir erscheint, grinse ich breit. Wie rufe ich diesen verdammten Laster? Keine Ahnung...
„Hallo?", flüstere ich. Nichts passiert und die ohrenbetäubende Stille ist meine einzige Antwort.
„Na krass!", zische ich abwinkend. „Ich entkomme diesem verdammten rotierenden Zirkus und jetzt..."
Ich springe in die Schatten, denn ich kann ein leises Geräusch wahrnehmen. Etwas ist in Bewegung. Oder jemand? Als das Klappern endlich aufhört, gucke ich aus meinem Versteck heraus und grinse. Der Laster ist da. Anscheinend muss man die Hand in die Luft heben, um ihn zu rufen. Ich springe hinein und schaue mich verzweifelt um. Wie soll ich dem Laster sagen, wohin ich möchte? Ich lehne mich nach vorne.
„Ähm... Ausgang", sage ich unsicher.
Schon die nächste Sekunde beginnt sich der Laster zu bewegen und ich greife schnell nach der Bank, um ja nicht umzufallen. Aber na ja. Ich habe das bekommen, was ich wollte und jetzt sollte ich mich nicht beklagen. Bellatrix und Rodolphus können zur Hölle fahren. Sie haben mir überhaupt nicht geholfen und alles, was sie für mich getan haben, ist mir höllische Kopfschmerzen zu bereiten. Ohne sie kann ich leben, vielen Dank. Ungeduldig springe ich aus dem Laster heraus und disappariere auf der Stelle.
