Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

oooooooooooooooooo

Kapitel 35 - Opfer

Während der Regen gegen die Fenster prasselt, sitze ich im Raum der Wünsche und überwache die Arbeit der Slytherins, die einen Fluch, den ich ihnen beigebracht habe, jetzt üben. Das Wetter ist einfach zu mies, um nach draußen zu gehen und leider ist die ganze Schule im Schloss geblieben, was unser Hinkommen zu diesem Raum verkompliziert hat. Wir waren aber vorsichtig – manche sind eine Stunde früher angekommen und haben hier auf die anderen gewartet und manche sind pünktlich gekommen. Leider erfordert jedes unserer Treffen viel Planung, aber glücklicherweise haben sie jetzt einen sicheren Ort, wo sie üben können.

Der dunkle Lord hockt mit seiner Kugel, seinem neuen Spielzeug, in seinem Arbeitszimmer und macht Morgana weiß was damit. Er war überrascht, als ich alleine aufgetaucht bin, sichtbar genervt und außer mir, die Schachtel umklammernd, Amu um meine Schultern.

/Rückblende

„Das war aber schnell", meint er, mich abschätzend musternd. Ich plumpse ungeladenen auf einen Stuhl und nicke wortlos, ihm die Schachtel übergebend. „Wo sind Bellatrix und Rodolphus?"

„Keine Ahnung", sage ich genervt.

Ich erzähle ihm genau, wie das Ganze verlaufen ist und er hört mit einem maskenhaften Ausdruck zu.

„Und du hast sie einfach zurückgelassen?", fragt er leise.

Sein Ton gefällt mir nicht. Wird er mich dafür bestrafen? Wie kann ich bitteschön für sie verantwortlich sein? Sie sind erwachsene, angeblich erfahrene Todesser, die viel mehr wissen und können als ich. Oder? Ist es nur meine Einbildung, oder stellt sich heraus, dass ich doch schlauer bin als sie?

„Ja", sage ich achselzuckend. „Ich habe versucht, sie davon zu überzeugen, dass wir das gefunden haben, wonach wir gesucht haben, aber sie wollten mir nicht zuhören. Ich wiederum habe Eure Befehle gut verstanden und sie lauteten – sobald ich die Kugel gefunden habe, solle ich zurückkehren. Und genau das habe ich getan."

Der dunkle Lord macht etwas Überraschendes. Er fährt sich durchs schwarze Haar und setzt sich wieder an seinen Schreibtisch.

„Hättest du eine Truppe von Soldaten angeführt, die Gefahr lief, gefangen genommen zu werden, hättest du deine Truppe auch verlassen?"", fragt er.

„Hätten sie sich so wie die zwei wie Vollidioten benommen, dann ja", erwidere ich genervt. „Denn ich wollte Rodolphus wirklich helfen, aber er ist bei Bellatrix geblieben. Wie kann man jemandem helfen, der es nicht erlaubt?"

„Harry", sagt Voldemort, der sich die Schläfen reibt. „Beide Seiten sind schuld. Du, als ihr Anführer, hättest sie anführen sollen. Wenn du Soldaten anführst, bist du nicht direkt für ihre Dummheiten verantwortlich, aber du solltest sie alle unter Kontrolle haben. Das ist die Pflicht eines Anführers."

Ich öffne den Mund, um ihm zu sagen, dass ich Bellatrix nur mit etwas auf den Kopf schlagen und sie herschleifen hätte können, aber er fährt fort. Man unterbricht den dunklen Lord nicht – das habe ich schon früh genug gelernt.

„Auf der anderen Seite betrachten sie dich nicht als ihren Anführer und haben dir nicht gehorcht. Aus diesem Grund werden sie bestraft werden, unabhängig davon, ob sie noch etwas Interessantes gefunden haben oder nicht. Denn das zählt momentan nicht. Sie haben die Regel gebrochen, so wie du es getan hast."

„Wie hätte ich...", platzt es aus mir, aber Voldemort hebt seine Hand und ich verstumme. Seine Augen blitzen gefährlich auf und ich senke zähneknirschend den Blick. Was hätte ich tun sollen? Die darauffolgende Stille ist fast ohrenbetäubend.

„Es tut mir leid, mein Meister", sage ich leise.

„Ich hätte nicht Bellatrix und Rodolphus dorthin schicken sollen", sagt der dunkle Lord leise, nachdem er mich bedrohlich und abschätzend gemustert hat. „Sie erholen sich noch immer von ihrer Gefangenschaft und offensichtlich geht es ihnen noch immer nicht gut. Ich werde das in Zukunft in Betracht ziehen. Aber du wirst auch deine Lektion lernen. Weil sie dich als ein dummes Kind betrachten, werde ich ihnen zeigen, dass du ein dunkler Magier bist. Ich möchte, dass du dich mit Bellatrix duellierst. Und all meine Anhänger werden anwesend sein."

WAS? Ich soll mich mit der verrückten Schlampe duellieren?

„Ich bin mir bewusst, dass ich dadurch allen einen Gefallen tue, denn obwohl Bellatrix und Rodolphus damit bestraft sein werden, werde ich dadurch auch weitere Vorfälle vermeiden", fährt er fort. „Und du wirst ihnen dadurch beweisen, dass du würdig bist, dich mein Lehrling zu nennen."

„Das Vertrauen und die Zuversicht, die Ihr in meine Fähigkeiten setzt, sind zweifelsohne schmeichelhaft", erwidere ich vorsichtig.

Der dunkle Lord lacht.

„Ja, das sind sie, aber sie sind auch auf Realität und Fakten begründet", sagt er. „Ehe wir die Details besprechen, beantworte eine Frage. Wie hast du gewusst, wo die Kugel war?"

„Ich habe... dunkle Magie gerochen", antworte ich langsam. „Und ich habe so einen Ruf gespürt..."

Als ich versuche, es dem dunklen Lord zu erklären, wird mir klar, wie dumm sich das anhört.

„Warum, deiner Meinung nach, hast du auf diese Weise auf diesen Gegenstand reagiert?", fragt Voldemort.

„Weil... Grindelwald ihn gemacht hat", antworte ich. „Ich bin mit ihm verwandt, also ergibt es einen Sinn."

„Teilweise hast du Recht", sagt Voldemort. „Aber du hast es selbst gesagt, du hast die dunkle Magie gerochen. Das ist eine seltene Gabe. Nicht viele Magier sind dazu fähig. Dumbledore ist dazu fähig. Ich kann Magie auch spüren, aber auf meine eigene Weise. Du hast gesagt, du hast sie gerochen. Ich wiederum kann sie sehen, wenn ich möchte. Die Arten, auf die man die Magie spürt, unterscheiden sich. Du scheinst sie riechen zu können."

„Ja", sage ich eifrig. „Ist das der Grund, warum Malfoy Manor immer so angenehm riecht?"

„Natürlich", sagt Voldemort ungeduldig. „Hast du dir diese Frage nie gestellt, Harry? Warst du schon immer dazu fähig, die Magie zu riechen?"

„Nun, erst seit ich mit meinem Studium der dunklen Magie angefangen habe", sage ich nachdenklich. „Ich habe Magie auf Lucius gespürt, als er sich in der Kneipe, wo ich mit Narzissa geredet habe, versteckt hat. Aber ich habe gedacht, dass alle Magie spüren können. T... mein damaliger Mentor hat gemeint, es gebe ein Ritual, das mir dabei helfen kann, meine Sinne zu schärfen. Und... ich habe dieses Ritual ausgeführt. Damals war ich mit den anderen Sachen viel zu beschäftigt, um über die Wirkung des Rituals nachzugrübeln. Aber ich habe es Intuition genannt, die Weise, auf die ich Magie spüren kann."

„Du hast dieses Ritual ausgeführt?", fragt Voldemort neugierig. „Wann?"

„Vor... sechs Monaten", antworte ich. Wirklich! Wie sollte ich mich daran erinnern, wann ich das getan habe? Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was ich gestern gegessen habe.

„Diese Kugel, wie du sie nennst", sagt der dunkle Lord, „ist ein sehr interessanter und mächtiger dunkler Gegenstand. Und langsam erkenne ich, dass er so viel mehr ist, als ich am Anfang geglaubt habe. Gellert Grindelwald war ein genialer Zauberer und ein mächtiger dunkler Lord. Und dieser Gegenstand, sein Werk, ist der Beweis dafür."

„Aber wir werden über die Ergebnisse meiner Experimente reden, wenn ich damit fertig bin", meint er. „Du solltest zur Schule zurückkehren. Ich wiederum werde dir sagen, wann du herkommen wirst, um dich mit Bellatrix zu duellieren."

„Falls sie noch immer am Leben ist", lache ich.

Der dunkle Lord wirft mir einen seltsamen Blick zu.

„Die Walpurgisnacht ist in ein paar Wochen", sagt er aufstehend.

Er geht gedankenverloren und mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt zum Kamin hinüber und starrt in die Flammen, ohne sie wirklich zu sehen. Der dunkle Lord wurde zu einem Lehrer und Berater, den ich nie hatte. Er ist streng und unnachgiebig; und er ist ein Sklaventreiber. Er verlangt nur das Beste von mir und er toleriert keine Faulheit oder jämmerliche Ausreden. Ich habe mich schon oft duelliert und jedes Mal bin ich verletzt in die Schule zurückgekehrt. Wenn wir uns duellieren, zeigt er keine Gnade und nutzt jede Gelegenheit aus, mir einen Fluch auf den Hals zu jagen. Als ich einmal die Hälfte des Zimmers in die Luft gejagt habe, weil ich ja einen Wutanfall hatte und weil ich meine rohe Magie benutzt habe – die natürlich denkt, ich möchte alles um mich herum zerstören und natürlich bereit ist, mir dabei zu helfen – ist er schnell disappariert, um der Welle zu entkommen, und hat mich danach gelobt. Und gerade als ich denke, ich habe ihn kennen gelernt und dass er mich dieses Mal bestimmt foltern würde, bis ich das Bewusstsein verliere, sagt er so was.

Vielleicht ist es dumm von mir, ihn als Tom zu betrachten, weil er einer erwachsenen Version von Tom ähnelt, aber Tom kann sich mit Voldemort nicht messen. Manchmal geht er mir auf die Nerven und manchmal wünsche ich mir, ich könnte ihn in die Hölle fluchen, aber ich kann nicht leugnen, dass er schon etwas aus mir gemacht hat. Voldemort ist einer von denen, die ein Buch aufschlagen, den kompliziertesten Fluch, unter dessen Namen 'gefährlich und nur für die Erfahrenen' steht, auswählen und mir ruhig sagen, ich solle ihn ausprobieren. 'Wenn du daran denkst, dass du nicht erfolgreich sein wirst, zerstörst du damit die Möglichkeit, erfolgreich zu sein', hat er mir gesagt. 'Und da der Wille des Magiers alles kontrolliert und alles bestimmt, ist es wichtig, dass du keine Zweifel hast und dass du entscheidest, erfolgreich zu sein.'

Er hat einen morbiden und seltsamen Sinn für Humor, den ich ohnehin lustig finde. Manchmal habe ich auch mit ihm gegessen, Tee getrunken oder einfach dagesessen und über allerlei Sachen geredet. Und ich habe gelernt, dass mit ihm alles möglich ist. Als ich darüber nachdenke, was auf mich wartet, wenn der Krieg ausbricht, spüre ich Nervosität und Aufregung zugleich.

„Alles steht bereit", sage ich, ihn anstarrend. Der dunkle Lord nickt nur. Die Flammen werfen seltsame Schatten über sein blasses Gesicht.

„Wie hast du vor, ihn zu töten?", fragt er nachdenklich.

Du hast keine Ahnung, wie oft ich darüber nachgedacht habe.

„Ich werde keine Magie dafür verwenden", sage ich lächelnd. Voldemort schaut verwundert in meine Richtung. „Ich möchte... dass es dauert."

„Ganz schön blutrünstig, oder?", sagt er leise und ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

„Du wirst eine wichtige Rolle im kommenden Krieg spielen", sagt er, mich musternd, als versuche er abzuschätzen, ob ich dieser Herausforderung gewachsen bin. „Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du meinen Anhängern zeigst, was du tun kannst. Die dunklen Magier und diejenigen, die dem dunklen Strom folgen, lassen sich nicht mit Worten zufrieden stellen. Sie respektieren Taten; Macht; und so wie es unter Wölfen der Fall ist, folgen sie dem stärksten."

„Das kann ich verstehen", sage ich leise. Aber trotzdem – mich mit dieser verrückten Hexe duellieren zu müssen? Wo ist sie überhaupt? Vielleicht hat ihr doch etwas den Kopf abgebissen...

„Und Bellatrix, egal was du von ihr hältst, ist eine mächtige und begabte dunkle Magierin. Ich kann natürlich nicht von ihr erwarten, dass sie nach solch einer langen Gefangenschaft wieder ihr altes Selbst ist, aber ich zum Beispiel habe mich ziemlich gut erholt."

Denn er hat Jahre als ein wandelnder Geist verbracht. Dank mir.

In jenem Moment hören wir ein Husten von unten und ich schnaube. Rodolphus ist angekommen. Der dunkle Lord zieht grimmig seinen Stab hervor und winkt mir zu.

Bellatrix ist auch da. Leider. Ich folge dem dunklen Lord nach unten und schaue zu, wie sich Rodolphus vor Husten krümmt. Sein Gesicht ist blutverschmiert – ist das sein Blut? Bellatrix wiederum wirkt blass und schockiert, als hätte sie einen Geist gesehen. Sie geht in die Knie, als der dunkle Lord auf sie zukommt, nach Luft schnappend, als sie mich erblickt.

„Bellatrix", sagt der dunkle Lord kalt. „Was ist passiert? Warum seid ihr nicht meinem Lehrling gefolgt?"

„Mein Lord", keucht sie. „Wir haben einen Bogen gefunden... und wir haben gedacht..."

„Was ist mit Rodolphus?", fragt Voldemort, der sie unbeeindruckt unterbricht.

„Er... wurde erwischt", murmelt Bellatrix.

Wahrscheinlich begreift auch sie jetzt, da ich ohne Kratzer hinter dem dunklen Lord stehe, dass es ziemlich dumm von ihrem Mann war, mit den Schachteln in der Mysteriumsabteilung zu spielen.

Rodolphus wischt sich das Blut von dem Mund und blickt auf. Der dunkle Lord deutet mit seinem Stab auf ihn und führt einen Diagnosezauber aus, der jedoch ergebnislos ist.

„Higgy", befiehlt er der Elfe, die mit einem Plopp erscheint. „Bring meinen Diener in den Salon. Ich werde ihn dort untersuchen."

Die Elfe benutzt wortlos ihre Magie, um den wieder hustenden Zauberer schweben zu lassen. Der dunkle Lord wendet sich Bellatrix zu. Oh liebe Morgana, das würde ich für nichts in der Welt verpassen wollen.

„Erkläre, Bellatrix, warum seid ihr nicht meinem Lehrling gefolgt?", fragt er wieder kalt und dabei läuft mir ein Schauder über den Rücken. Er kann ruhig mit mir sprechen, aber wenn er DIESEN Ton anschlägt, weiß man, dass man erledigt ist.

„Er wollte nicht nach dem dunklen Gegenstand suchen", platzt es aus einer aufgeregten Bellatrix. „Wir mussten es selbst erledigen."

„Harry hat ihn gefunden und hergebracht", sagt Voldemort kalt. „Und er hat ihn gefunden, weil er magiefühlend ist."

„Er ist... was?", fragt Bellatrix, deren Augen tellergroß sind und deren Haar wieder elektrisiert ist.

Voldemorts Hand zuckt; und ich halte den Atem an. Ich habe zu oft gesehen, wie er einen augenblicklich verfluchen kann, schneller als man 'Fluch' sagen kann, um davon überrascht zu sein. Er hat einzigartige Reflexe.

Ich schüttele den Kopf, als Bellatrix aufschreit und wieder auf die Knie fällt. Ihre Schreie werden zu Wimmern und als der dunkle Lord seinen Stab hebt, sind nur ihre tiefen Atemzüge hörbar.

„Meine Befehle lauteten – sobald ihr den Gegenstand gefunden habt, solltet ihr zurückkehren. Hast du sie nicht verstanden? Und stattdessen habt ihr alles riskiert, um euch diesen Bogen anzuschauen, über den ich schon Bescheid weiß."

Echt? Wie denn?

„Ihr habt riskiert, dass man euch schon wieder erwischt. Und denkst du wirklich, dass das Ministerium dieses Mal auf rohe Gewalt verzichtet hätte? Sie würden euch Veritaserum geben, bis ihr die Wahrheit und all meine Pläne wie Spatzen im Frühling singen würdet", zischt er, einen Schritt in ihre Richtung machend.

„Ich bin zwar ziemlich verständnisvoll und vernünftig, wenn man mir gehorcht und genau das macht, was ich verlange. Aber Ungehorsam und Rebellion kann ich nicht ertragen."

„Rebellion?", wiederholt Bellatrix, deren Nase ein paar Zentimeter vom Boden entfernt ist. Sie kriecht zu ihm hinüber und versucht, sich zusammen zu reißen. „Mein Lord, ich war und werde es immer sein... Eure... treuste Dienerin..."

„DANN BEWEISE ES!", brüllt der dunkle Lord auf einmal und ich zucke zusammen. „Beweise, dass du mir treu bist! Ich habe dich aus dem Gefängnis befreit! Und ich erwarte Dankbarkeit! TREUE!"

„Es... es tut mir leid", flüstert Bellatrix. Aber ich denke nicht, dass sie wirklich begreift, was der dunkle Lord versucht, ihr zu sagen. „Ich habe nur gedacht..."

„Ich weiß, was du dir dabei gedacht hast", zischt Voldemort und bückt sich, sie am Kragen packend. Für einen Zauberer ist er ganz schön stark, das habe ich schon am eigenen Leib gespürt.

„Du wolltest, dass ich dich für deine Initiative und deine genialen Entdeckungen belohne", zischt er weiter. „Du wolltest, dass ich dich schätze und dass du eines Tages mein Lehrling wirst. Deswegen hasst du Harry und du wirst alles tun, um ihn zu zerstören, weil er dir im Wege steht. Und auch wenn ich diese typisch schwarzmagische Einstellung verstehe und schätze, sag ich dir hier und jetzt – falls du je etwas derartiges versuchst, wird der Todgegen das, was ich mit dir tun werde, eine Gnade sein."

Und das ist ein Versprechen. Ich weiß ebenso gut, dass er mich umbringen würde, falls ich nicht magisch weiter wachse und ihm zeige, dass ich seiner Aufmerksamkeit würdig bin, dass ich es verdiene, mich seinen Lehrling zu nennen. Darüber mache ich mir keine Illusionen.

„Und weil ich verstehe, dass du dich noch immer nicht erholt hast und dass du nur mein Wort hast, dass Harry des Titels meines Erben würdig ist, werde ich dir erlauben, dich mit ihm zu duellieren", sagt er, sie loslassend.

Bellatrix schaut auf und schluckt. Ich bin mir ziemlich sicher, wäre er nicht da und hätte er nicht gleich gesagt, was er gesagt hat – und eine schlimmere Drohung gibt es wohl nicht, meiner Meinung nach – würde sie wie blöd grinsen.

„Was... meint Ihr, mein Lord?", fragt sie.

„Du wirst dich mit meinem Lehrling duellieren", sagt Voldemort mit einer Bestimmtheit, die keinen Raum für Argumente lässt. „Wann und wo werde ich entscheiden."

„Und jetzt geh zu Rodolphus. Ich komme in ein paar Minuten", sagt er knapp. Bellatrix rappelt sich auf und geht, so erschüttert und verwirrt, dass ihr überhaupt nicht eingefallen ist, mir einen ihrer üblichen, vernichtenden Blicke zuzuwerfen.

Voldemort zieht etwas aus seinem Umhang hervor. Es sieht wie eine Uhr aus.

„Das, Harry, ist ein Zeitumkehrer", sagt der dunkle Lord. „Er wird dir ermöglichen, sechs Stunden in die Vergangenheit zu reisen, sodass du rechtzeitig in die Schule zurückkehren kannst."

Ich habe davon gehört, aber ich weiß nicht genau, wie es funktioniert. Aber ich kann es später herausfinden. Jetzt muss ich mich beeilen. Der dunkle Lord zieht die Kette über meinen Kopf und schaut mich todernst an.

„Aber ehe du gehst", sagt er. „Gib mir deinen Stab."

„Meinen... Warum denn?", frage ich verwirrt.

„Deinen Stab, den du für die dunkle Magie benutzt", sagt der dunkle Lord, dessen Augen glitzern. Seine Mundwinkel kräuseln sich zu einem bösartigen Lächeln. „Was, hast du wirklich gedacht, dass ich deine Strafe vergessen habe? Keine dunkle Magie! Bis ich dir deinen Stab zurückgebe."

Er streckt seine Hand aus und ich ziehe knurrend meinen Basiliskenstab aus dem Stabhalter hervor und überreiche ihn ihm. Der dunkle Lord kennt sich in Straftechniken aus. Denn den Cruciatusfluch und sein Anbrüllen kann ich verkraften; aber mir meinen Stab wegzunehmen... Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie. Aber ich bin doch nicht lebensmüde und werde ihn, wenn er schon so sauer auf uns alle ist, weiter reizen. Er lässt meinen geliebten Stab in seinem Umhang verschwinden und mustert mich selbstgefällig.

„Sechs Stunden lang solltest du mich nicht rufen oder so was, denn falls du dein zukünftiges Selbst erblickst... ich erkläre es dir einmal", sagt er.

„Ich verstehe, Meister", sage ich schnell. Ich schaue zu, wie er den Zeitumkehrer sechsmal dreht und mir zunickt.

Die Welt um mich herum löst sich in die Luft auf – und gerade als ich mich frage, ob mir übel sein wird, was jedes Mal passiert, wenn ich einen Portschlüssel benutze – öffne ich meine Augen und finde mich alleine wieder in der Eingangshalle, die jetzt menschenleer ist. Leise lege ich den Zeitumkehrer in seine Schachtel und verlasse das Haus. Ich bin eh zu müde, um über die Folgen einer Zeitreise nachzugrübeln und ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.

/Ende Rückblende

Das war echt gemein. Ich kann natürlich stablos zaubern, aber kompliziertere Zauber kann ich nicht ohne meinen Stab ausführen. Morgen habe ich ein Treffen mit ihm, hoffentlich gibt er mir meinen Stab wieder zurück. Ich schaue auf die Uhr. Vier Tage, vierzehn Stunden und fünfzehn Minuten sind vergangen, seit er mir meinen Stab weggenommen hat. Aber ich rege mich überhaupt nicht auf. Nicht im Geringsten. Ich trommele mit den Fingern gegen die Armlehne, mir wünschend, ich könnte etwas in die Luft jagen.

Zabini schreit und reißt mich dadurch aus den Gedanken. Ich stehe langsam auf, zum Schluss kommend, dass ein verirrter Fluch ihn getroffen hat und stecke meine Hand in die Hosentasche, aber da finde ich nur meinen Phönixstab. Ich fluche und wende mich Draco zu.

„Hilf ihm", befehle ich ihm wütend.

So geht es nicht. Was wenn man mich angreift? Was wenn... 'Gib es doch zu, Potter, du kannst ohne deinen Stab nicht leben', sagt eine belustigte Stimme in meinem Kopf. Ist er wieder in meinem Kopf? 'Doch', erwidere ich zornig. 'Beweise es', erwidert Lord Voldemorts Stimme und lacht.

Ich balle die Hände zu Fäusten und Nott mustert mich besorgt.

„Wo ist dein Stab, Harry?", fragt er.

„Geht dich nichts an", knurre ich.

„Der dunkle Lord hat ihn beschlagnahmt", flüstert Draco.

„Ja, vielen Dank, Draco, dass du mich daran erinnert hast!", brülle ich von der anderen Seite des Raumes, wo ich gerade dabei bin, den Spruch und die Handbewegungen für zwei Slytherins zu wiederholen, die mich schweigend und erwartungsvoll anschauen.

Draco presst die Lippen zusammen und kehrt zu seinem Platz zurück. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich ein Grinsen verkniffen hat, aber ich werde ihn später anbrüllen. Oder ihn ins Bett schleifen. Egal.

„Jetzt werden wir einen sehr nützlichen Fluch ausprobieren", verkünde ich laut. „Der Fluch reißt die Nägel des Opfers heraus. Der Spruch heißt Extorque ungues ex manibus. Die Handbewegung sollte nur ein schneller und entschlossener Stoß sein. Versucht es."

In diesem Moment wird mir klar, dass alle die Tür anstarren. Ich schnaube und habe vor, sie zu fragen, was zum Teufel sie angaffen, bis ich mich umdrehe und Hermine erblicke.

Hermine steht mit ihrer Schultasche in der Hand da und schaut mich beinahe flehend an. Sie schaut nicht die Slytherins an, sondern mich. Ich richte mich auf und strecke eine Hand aus.

„Komm, Hermine", sage ich.

„Was macht sie denn hier?" fragt Zabini leise hinter meinem Rücken. Als ich in seine Richtung schaue, verstummt er und senkt den Blick.

„Fahrt fort", sage ich laut.

Ich führe Hermine zum Sofa, auf das ich mich niederlasse. Sie beißt sich auf die Lippen und ich deute mit meiner Hand auf das Sofa.

„So", sage ich leise, einen Blick in Richtung der Slytherins werfend, während sie sich langsam und etwas zögernd setzt. „Du bist gekommen. Ich bin überrascht."

Die braunen Augen werden ein wenig nass, aber sie schweigt.

„Ist dir jemand gefolgt?" frage ich weiter. Sie schüttelt wortlos den Kopf, ihre Hände anstarrend.

„Gut", sage ich, mich zurücklehnend. „Wir werden später reden."

Hermine hebt den Blick und lässt ihn wortlos über die Slytherins schweifen. Sie zuckt zusammen, als Theodore Nott einen lauten, triumphierenden Schrei von sich gibt.

„Da!", schreit er begeistert. „Ich habe es... ich habe es... geschafft..."

Aber der Rausch ist zu viel für ihn. Seine Augen glitzern wie verrückt und er kann nicht damit aufhören, blöd zu grinsen. Die Nägel seiner Puppe sind überall.

„Sehr gut. Mach doch eine Pause", sage ich zu ihm. Er sieht ein wenig enttäuscht aus, setzt sich aber und gießt sich etwas Kürbissaft ein, sein Werk begeistert begutachtend.

/Hermines Sicht

Ich weiß nicht, warum ich hergekommen bin. Ich weiß nur, dass die Stille der Bibliothek zu viel für mich war. Ich wollte eigentlich in den Gemeinschaftsraum gehen, aber ich habe im Korridor innegehalten... Dorthin kann ich nicht gehen. Ich möchte diese Menschen nicht sehen, ich möchte nicht mit ihnen reden! Denn alles was sie sagen, sind mehr Lügen... Beleidigungen und Lügen... Manchmal frage ich mich ja, ob sich je jemand um mich geschert hat. Das ist Unsinn. Meine Eltern lieben mich. Bis ich Magie erwähne. Dann geht alles kaputt und ich ziehe mich in mein Zimmer zurück und sperre mich ein. Ich möchte nicht darüber reden, nicht die Enttäuschung und Fragen in ihren Augen sehen... Ich hasse die Stille, die in der Küche herrscht, wenn wir zusammen essen. Sie wissen nicht, was sie sagen sollen. Sie möchten über meine Schule reden, wissen aber nicht, was sie fragen sollen. Und sie hassen es und ich hasse es. Wenn ich doch eine Frage beantworte, verstehen sie nicht, was ich gerade gesagt habe. Denn sie haben keine Ahnung was Arithmantik ist, obwohl ich versucht habe, es ihnen zu erklären; sie wissen nicht, wie schwer es ist, eine Maus in eine Schachtel zu verwandeln und können sich nicht für mich freuen, wenn ich es schaffe; und sie haben keine Ahnung, warum die Menschen mich hassen, weil ich ja 'ein gutes Mädchen bin'. 'Warum würde dich jemand hassen? Sei nicht albern, Hermine'.

Also bleibt Harry übrig... Harry, den ich liebe und den ich hasse; den ich fürchte und auf den ich sauer bin. Ich weiß nicht mehr, was ich ihm gegenüber fühle. Es fühlt sich an, als seien auch meine Gefühle verrückt geworden. Harry... wie viel Leid du mir verursacht hast! Wie viele Nächte habe ich wach verbracht, sein zornverzerrtes Gesicht vor meinem geistigen Auge sehend... Die Worte, die er gesprochen hat... Die mich wie ein Messer direkt ins Herz getroffen haben... Harry, was ist aus dir geworden? Wann bist du so tief in die Dunkelheit gesunken? Wann hast du entschieden, alles aufzugeben und dich ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf anzuschließen? Was habe ich verpasst? Wie hatte ich nur so blind sein können?

All diese Zeit... war er bei ihm. Ich weiß genau, wann er zu ihm geht, denn er kehrt jedes Mal hundemüde zurück und isst sein Frühstück mit dunklen Ringen unter den Augen... Er ist verletzt... Er hat Schmerzen... Was tut er ihm an? Foltert er ihn? Und doch hat er sich nie beklagt. Er ist sein übliches selbstsicheres und charmantes Selbst... Die einzige Veränderung ist, dass die Slytherins ihm jetzt überallhin folgen, so wie Bodyguards. Sie behandeln ihn wie ihren Anführer und wie einen... dunklen Lord.

Tausendmal wollte ich ihm etwas sagen, konnte es aber nicht über meine Lippen bringen. Tausendmal wollte ich ihn fragen, was er macht, ob er Schmerzen hat... Aber zur gleichen Zeit habe ich Angst vor diesen kalten, grünen Augen. Er lächelt, aber seine Augen lächeln nicht. Sie sind wie eine ewige Nacht, immer kalt, immer dunkel... ein tödlicher Sturm tobt in ihren Tiefen und es jagt mir Angst ein... Denn ich weiß nicht, zu was er fähig ist. Ich weiß nicht, was ihn antreibt. Die Gier nach Macht? Die hat er schon, ich kann es in seinen Augen sehen. Hat er sich in der Gier nach Macht verloren?

Die Lehrer lieben ihn. Er macht all seine Schularbeiten rechtzeitig und er ist so geschickt mit seinem Stab, dass Professor Flitwick außer sich vor Freude war, als Harry etwas für ihn demonstriert hat. Er macht es mit einem konzentrierten Ausdruck, aber seine Finger bewegen sich mit der Sicherheit und Automatik(„Automatisierung eines Magiers, der so was jeden Tag macht. Ihm dabei zuzuschauen, wenn/wie er zaubert, ist einfach unglaublich. Man fühlt sich dazu gezwungen, ihn anzustarren. Es sieht aus, als komme ihm die Magie so leicht, so natürlich vor; und doch habe ich den Eindruck, dass dem nur teilweise so ist. Ich sehe ihn vor meinem geistigen Auge, wie er mit ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf in einem Zimmer hockt, einen Zauber nach dem anderen ausführend. Er bestraft ihn... Und Harry möchte nicht bestraft werden. Er übt und übt... und sein Lehrer ist nur dann zufrieden, wenn Harry nicht länger aufrecht sitzen kann. Ich weiß, warum er es tut. Er bereitet sich auf den Krieg vor. Er möchte Harry benutzen. Er möchte, dass auch er kämpft und mir ist beim bloßen Gedanken übel. Zuerst wollte Dumbledore ihn in eine Art Puppe verwandeln, die ihn-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf umbringen soll... und jetzt macht auch der das gleiche.

Aber Harry scheint es nicht zu stören. Er lernt und wächst magisch... und er hat seine Slytherinbande, die ihm überallhin folgt. Er hat Draco, der ihn mit ganzem Herzen liebt. Aber manchmal frage ich mich, ob Harry irgendjemanden liebt... Ob er überhaupt dazu fähig ist, zu lieben. Denn eine Person, die einen Mord plant, die schon getötet hat, kann sicherlich nichts empfinden. Die dunkle Magie und die Gier nach Macht haben alles Gute in ihm zerstört...

Er scheint aber über sein Geheimnis nicht reden zu wollen. Und das ist mir nur recht, denn ich weiß nicht, was ich sagen sollte. Er lässt mich in Ruhe und er behandelt mich so wie immer. Aber ich weiß nicht, ob er eine Art Antwort erwartet. Schließlich hat er mir ein schreckliches Geheimnis enthüllt und jetzt möchte er natürlich, dass ich mich entscheide. Wie dumm ich war! Ich habe ja gesagt, ich wolle zu ihm stehen. Aber damals hatte ich nicht so was im Sinn. Wie hätte ich wissen sollen, dass mein bester Freund solch ein Geheimnis bewahrt? Wie hätte ich wissen sollen, dass ich mich mit dem Lehrling von ihm-dessen-Name-nicht-gesprochen-werden-darf rumtreibe? Eines muss ich ihm lassen. Nachdem er jahrelang Opfer gewesen ist, hat er ein vollkommen neues Leben aufgebaut, in dem er keinesfalls ein Opfer ist. Und er spielt seine Rolle sehr gut. Er hat sogar mich getäuscht. Dieser Artikel im Propheten ist der Beweis dafür. Er lügt ohne zu blinzeln und die Lehrer betrachten ihn als charmant, fleißig und klug. Er hat eine ein Gespinst von Lügen um sich gewebt und er hat alle getäuscht.

Einmal hat er gesagt, er und ein paar Slytherins üben im Raum der Wünsche und falls ich möchte, könne ich vorbeikommen. Er hat nicht gesagt, ich könne auch mitmachen oder was mein Kommen bedeuten würde. Seit wir damals im Raum der Wünsche gesprochen haben, konnten mich keine zehn Pferde dorthin kriegen. Jetzt aber habe ich den Wunsch verspürt, dorthin zu gehen. Harry zu sehen. Mit ihm Zeit zu verbringen. Und ich weiß nicht warum. Es spielt überhaupt keine Rolle. Ich versuche mich zu verstehen, aber mir ist überhaupt nichts auf der Welt mehr wichtig.

Als er mich erblickt hat, konnte ich Zufriedenheit in seinen kalten Augen sehen. Für eine Sekunde habe ich befürchtet, dass er Zabini anschreien würde oder Merlin behüte ihn für seine Frechheit bestrafen würde... Denn ich konnte seinen Wunsch, genau das zu tun, spüren. Auf der einen Seite verstehe ich ihn gut; ich kenne ihn, wie eine Schwester ihren Bruder kennt. Aber auf der anderen Seite gibt es so viel, was ich über ihn nicht gewusst habe. Manchmal frage ich mich, warum es mich überhaupt wundert, dass er sich ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf angeschlossen hat. Nach allm, was passiert ist, sollte es mich nicht wundern. Aber meiner Meinung nach geht das einfach zu weit... Es steht ihm gut, die Macht, und ihm kommt es natürlich vor, die anderen rumzukommandieren. Man gehorcht ihm. Und sogar ich, die praktisch keine Erfahrung in der dunklen Magie hat, kann seine Macht spüren und ich fühle mich auf eine seltsame Weise von ihr angezogen.

Die kalten grünen Augen schauen mich an und ich senke den Blick. Warum kann ich ihm nicht in die Augen schauen?

„Möchtest du daran teilnehmen?", fragt er. Ich schweige, denn ich verspüre überhaupt keinen Wunsch, zu zaubern. „Warum bist du hergekommen?"

Warum muss er so direkt sein? Er schneidet durch meine Zweifel, wie mit einem Messer. Meine Kehle ist trocken.

„Ich wollte dich sehen", höre ich meine Stimme.

„Ach so", sagt er. Aber es hört sich an, als wisse er etwas, was nicht einmal ich weiß.

Ohne Vorwarnung greift er nach meiner Hand und ich zucke zusammen.

„Du frierst", stellt er ruhig fest. „Geh zu Draco. Ihr könnt zusammen arbeiten. Ein bisschen dunkle Magie wird dir helfen, dich besser zu fühlen."

Ich will es nicht, geht mir durch den Kopf. Aber meine Beine tragen mich zu einem überraschten Draco hinüber, der sich jedoch schnell zusammenreißt und mich anlächelt. Draco. Ich habe mich so an seine Anwesenheit gewöhnt und bin erleichtert, dass er mich so freundlich anlächelt. Er gibt mir ein paar Anweisungen und deutet auf die Puppe. Ich habe schon vergessen, wie es sich anfühlt, mit diesen Puppen zu arbeiten. Es ist so lange her, seit ich zum letzten Mal hier war. Das letzte Mal hat Harry mich angebrüllt und ich bin zusammen gebrochen... Und dann hat er mir DAS gesagt...

Wie auf Autopilot zücke ich meinen Stab und führe den Fluch aus. Ich kann Harrys Blick auf meinem Rücken spüren... Er beobachtet mich, auf etwas wartend... Wartend, dass ich sage, ich wolle nicht mitmachen. Er hat mir sozusagen befohlen, mit Draco zu üben. Ich habe ja bemerkt, dass seine Vorschläge eigentlich Befehle sind, aber wahrscheinlich hat er sich daran schon gewöhnt - Befehle auszuteilen...

Ich atme tief durch, als die Wirkung des Fluchs mich durchströmt und obwohl er nicht erfolgreich war, kann ich es trotzdem spüren. Es ist... zu viel für mich. Die dunkle Magie... sie zieht mich ein, wie Treibsand... dieses süßes Gefühl erfüllt mich und die Leere ist weg. Ich kann nur Zufriedenheit und Kraft spüren und für einen Moment verwechsele ich die Wirkung des Fluches mit meinen wahren Gefühlen, denn wenn die Wirkung ein wenig nachlässt, schlagen mir die Leere und die Verzweiflung mit voller Wucht entgegen und meine Hände zittern.

Harry sitzt auf dem Sofa mit seiner Schlange im Schoß und seine grünen Augen durchbohren mich. Ich kann es nicht tun... Ich weiß, dass ich es nicht tun möchte... Denn diese Gefühle von Kraft und Vollkommenheit sind nicht echt. Sie sind nur noch eine weitere Lüge...

„Geht es dir gut?", fragt Draco, der mich vorsichtig anschaut. Ich schüttele den Kopf. Die dunkle Magie hat nur dazu beigetragen, das Gefühl von Leere noch zu intensivieren.

„Komm her, Hermine", hören wir eine gebieterische Stimme und wir beide wirbeln herum.

Harry schaut mich todernst an und winkt mich zu sich.

„Das ist alles, Leute", sagt er laut, zu den anderen gewandt. „Wir sehen uns in zwei Tagen. Theodore, geh als erster."

„Setz dich", sagt er leise, mich musternd. Er gießt mir etwas Tee ein und überreicht mir die Tasse. Ich ziehe es überhaupt nicht in Betracht, dass der Tee vergiftet sein könnte. Harry würde das nie tun. Warum vertraue ich ihm blind?

„Ich kann verstehen, wie du dich fühlst", sagt er. „Ich verstehe, dass du dich verraten, verwirrt, verängstigt und leer fühlst. Aber das muss nicht sein."

Ich hebe den Blick und schaue ihm in die Augen. Und ich frage mich zum hundertsen Mal, was diese kalten Hände getan haben?

„Ich habe dir mein Geheimnis enthüllt und ich habe damit alles aufs Spiel gesetzt", fährt er fort. „Du hast mich nicht verraten."

Lieber Merlin, er spricht wie ein junger dunkler Lord...

„Aber jetzt stehst du zwischen zwei Welten. Eine ist die alte Welt, die dir jedoch nichts mehr bieten kann. Du bist keine Weißmagierin; das wissen wir beide. Und du hast die Augen geöffnet und ihre Lügen und ihre Heuchelei durchschaut. Du weißt, dass du nicht zurück in diese Welt gehen kannst, denn das würde heißen, du müsstest dich wie eine von ihnen benehmen und das ist nicht mehr dein Niveau. Du bist so viel mehr. Aber gleichzeitig hast du Angst vor dieser neuen Welt, die du gesehen hast. Es jagt dir Angst ein, zu wissen, was passiert und was diese Welt vorhat. Aber ich bin ein Teil dieser Welt und biete dir, auch ein Teil dieser Welt zu werden."

Du sprichst wie ein Dämon, der mich anzulocken versucht, sodass er meine Seele stehlen kann. Aber meine Seele ist eh leer...

„Alles kann so bleiben, wie es ist", fährt er ruhig fort. „Mich stört es nicht, denn ich weiß, dass du meine Geheimnisse nicht preisgeben wirst. Aber du hältst es nicht mehr aus. Du musst eine Entscheidung treffen. Es frisst dich von Innen langsam auf und du musst bald entscheiden, was du mit deinem Leben machen wirst. Ob du alles aufgeben wirst, dein Potenzial und deine Klugheit, indem du eine von ihnen bleibst. Aber auch so würdest du keine Ruhe finden können. Oder du kannst dich für mich entscheiden und weiter magisch wachsen und diese neue Welt erkunden. Einmal habe auch ich vor solch einer Wahl gestanden – und ich habe eine Entscheidung getroffen. Es war nicht leicht. Aber das Leben ist nur für Idioten einfach. Für diejenigen, die den Samen der Größe in sich tragen, ist nichts einfach."

„Am Walpurgisnachtsball werde ich dich nochmal fragen und dich vor die Wahl stellen", sagt er aufstehend. „Und dann wirst du eine Entscheidung treffen müssen. Bis dahin bleibe ich dein bester Freund und nichts wird sich zwischen uns verändern."

Und an jenem Tag wirst du Dumbledore töten, geht mir durch den Kopf. Und du wirst mich mitnehmen. Weg von dem Leid, weg von den Blicken und von dem Tuscheln... Auf ins Unbekannte... ein neues Leben... Die Hellmagier hassen die dunkle Magie, weil sie etwas Unbekanntes für sie darstellt... Deswegen haben sie Angst davor. Die alte Hermine würde sich nicht wünschen, sich je vor etwas zu fürchten. Aber die alte Hermine hat nicht gewusst, was diese Hermine weiß.

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Und alles ist wieder beim Alten. Ich kann nicht schlafen, ich habe Albträume... Vor ein paar Nächten bin ich schreiend aufgewacht und ich habe Lavender Brown geweckt. Sie wollte ja nichts sagen, denn McGonagall würde es wissen... Aber ich konnte Hass und Abscheu in ihren Augen sehen, als sie mich mit ihrem Blick durchbohrt hat. Und ich habe den Schlafsaal verlassen. Ich habe kein Buch mitgenommen und habe einfach am Feuer gesessen, in die Flammen starrend und über Harry nachdenkend. Der zweifelsohne ruhig mit Draco in ihrem Bett in den Kerkern schläft und keine Ahnung hat, was ich durchmache. Natürlich hat er erraten, was in meinem Kopf vorgeht. Aber er sah nicht so aus, als tue ich ihm leid. Er sagt, er sei mein bester Freund; aber ich denke, dass die dunkle Magie ihn seiner Gefühle beraubt hat und er jetzt nichts mehr empfinden kann...

Was sollte ich tun? Da gibt es kein altes Leben, in das ich zurückkehren kann. Alle hassen mich und ich habe keine Freunde mehr, außer ihm. Nun... da gibt es immer noch mein Date... Aber nein. Ich weiß selbst, dass ich nicht länger als eine von ihnen leben kann. Die dunkle Magie ist ein Fluch! Ich kann dieses Gefühl nicht aus meinem Kopf vertreiben, als ich diesen Fluch im Raum der Wünsche ausgeführt habe... Ich kann sehr gut verstehen, dass man danach süchtig werden kann. Und jetzt kann ich es endlich nachvollziehen. Das sind keine Gerüchte und keine Kindergeschichten. Man fühlt sich tatsächlich davon angezogen, von diesem Gefühl der Macht, und man verspürt den Wunsch, es wieder zu tun. Wieder und wieder. Irgendein Hormon muss es geben, oder die dunkle Magie muss ein Zentrum im Gehirn stimulieren, sodass man sich davon angezogen fühlt. Früher habe ich gelacht, als ich darüber gelesen habe, was Menschen dafür bereit waren, zu tun. Jetzt aber nicht mehr. Ich habe es am eigenen Leib gespürt.

Aber seien wir ehrlich. Was mich auch anzieht, ist die bloße dunkle Magie. Wie sie funktioniert; die Theorie, die dahinter steckt. Es scheint etwas ganz anderes zu sein, als das, was wir in der Schule gelernt haben. So was lernen wir hier nicht. Und ich frage mich wieder – warum? Wegen der Sucht? Ist es das, was Dumbledore dadurch vermeiden will? Wenn ja, ist das ziemlich blöd. Wenn jemand die dunkle Magie üben will, wird man schon einen Weg finden, um es zu tun. So wie Harry. Früher habe ich gedacht, dass die dunkle Magie nur faszinierend ist und ich habe daran geglaubt, dass man sie ohne Folgen ausüben kann. Das kann man nicht. Ich kann einfach nicht vergessen, wie sie sich anfühlt und ich weiß, dass ich nicht damit aufhören kann. Aber ich bin zu noch einem Schluss gekommen – die dunklen Magier, die einen echten dunklen Kern haben, werden früher oder später töten. Vielleicht weil es ihnen Spaß macht – vielleicht hat auch der Todesfluch eine sonderliche Wirkung auf einen? – oder vielleicht weil sie dazu gezwungen sind, um ihre Geheimnisse zu schützen. Ich habe nie den Mut aufgebracht, Harry zu fragen, wie es dazu gekommen ist. Aber er scheint es nicht zu bereuen. Und was noch schlimmer ist, er plant auch Dumbledore umzubringen. Ich kann das zwar nachvollziehen – nein, wirklich! Das kann ich! – aber ich persönlich, so sehr ich ihn dafür hasse, was er ihm angetan hat, würde es nie tun können. Ein Leben zu nehmen, bewusst oder unbewusst... ist einfach ein Verbrechen. Etwas Schreckliches. Das Schlimmste, was man tun kann.

Und ich sollte zu einer solchen Person stehen? Was sollte ich tun? Wie würde mein Leben aussehen, falls ich mich für ihn entscheide? Er würde mich mitnehmen und was dann? Wäre ich dazu gezwungen, den Todessern zu helfen? Wie könnte ich bitteschön helfen? Welche Alternative gibt es? Manchmal fühle ich mich des Lebens so müde... All das Nachdenken wird mich umbringen, wenn es nicht jemand anderes tut. Ich kann nicht mehr darüber nachdenken und doch erlauben mir meine eigenen Gedanken nicht, einzuschlafen. Sie plagen mich und auch wenn es mir gelingt, endlich einzuschlafen, habe ich schreckliche Albträume...

„Du bist noch immer wach", sagt eine Stimme hinter mir.

Ich fahre hoch und drehe mich um. Es ist Ronald. Was will er von mir?

„Lass mich in Ruhe", murmele ich.

Er setzt sich aber und mustert mich.

„Ich weiß, worüber du nachdenkst", sagt er leise.

„Ich denke nicht", sage ich bissig. „Denn wüsstest du woran ich denke, würdest du wissen, dass ich nicht mit dir reden möchte. Geh! Lass mich in Ruhe."

„Ich weiß, was er ist", murmelt er.

Mein Herz beginnt zu rasen und ich schlucke kräftig. Was hat er soeben gesagt?

„Er kann ruhig Lügen im Propheten schreiben lassen, aber ich weiß, was er ist", fährt er fort.

„Ich habe keinen blassen Schimmer, worüber du sprichst", sage ich genervt, obwohl ich mich unwohler und unwohler fühle.

„Er hat dir etwas angetan", sagt er. „Das weiß ich. Und er hat nicht damit aufgehört. Schlägt er dich?"

„Ronald Weasley", sage ich mit einer zittrigen Stimme, langsam aufstehend. „Harry ist mein bester Freund und ich werde nicht zulassen, dass du ihn beleidigst! Und wenn du nicht damit aufhörst, gehe ich zu McGonagall."

„Und doch weißt du, über wen ich spreche", sagt er triumphierend. Seine Augen glitzern.

Wie hatte ich nur so DUMM sein können? Was ist nur los mit mir?

„Nur weil ich weiß, dass du nicht damit aufhören kannst, ihn zu nerven und über ihn nachzudenken", sage ich wütend. „Du gibst nie auf, oder? Hat Harry nicht genug gelitten?"

„Nein", sagt er und steht ebenfalls auf.

„Na, wenn du so denkst", zische ich, „bist du noch schlimmer, als ein Schwarzmagier. Denn man sollte dazu fähig sein, zu vergeben und zu vergessen; und du gibst nie auf und wirst ihn trotz allem immer verfolgen! Solche Menschen, die so verbittert und kalt sind, kann man nur Schwarzmagier nennen. Und du bist einer."

„Wie kannst du es wagen?", flüstert er. Seine Hand zuckt.

„Möchtest du mich verfluchen?", höhne ich. Wahrscheinlich hat er nie eine solche Version von Hermine gesehen und er gafft mich schockiert an. Ich wiederum habe ALLES satt. „Na, von mir aus. Tu es."

Er rührt sich nicht von der Stelle.

„Was, zu feige?", provoziere ich weiter. „Hätte ich mir denken können. Du kannst nur laut reden und Menschen beleidigen, aber wenn es dazu kommt, dass du etwas tun musst, fehlt dir der Schneid dafür."

Ich mache einen Schritt in seine Richtung und mustere ihn mit Abscheu.

„Hast du dich mit ihm befreundet, nur weil er Harry Potter ist? Gib es doch zu! Du wolltest Ruhm; du wolltest mit dem Jungen der lebt befreundet sein! Aber weißt du was? Niemand möchte dich als Freund haben, denn du bist ein Lügner und ein Verräter. Und keiner möchte mit einer solchen Person befreundet sein. Du bist so kindisch und so neidisch, dass mir übel ist."

Als er seinen Stab zückt, versuche ich nicht einmal mich zu wehren. Der Raum beginnt sich um mich zu drehen und ich sinke mit Erleichterung in die Schwärze.

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/Harrys Sicht

Mitten in der Nacht wache ich auf. Was hat mich geweckt? Wenn es schon wieder Nagini ist, werde ich...

Nein, Nagini ist mit Voldemort in Schottland. Und Amu liegt zusammengerollt in seinem Korb beim Fenster, obwohl auch er wach ist. Seine gelben Augen glühen.

Aber als ich das Geräusch, das mich geweckt hat, wieder höre, hebt Amu den Kopf und verlässt den Korb, die Luft beschnüffelnd. Er ist bereit, die Person die es gewagt hat, mich zu wecken, zu Tode zu beißen, aber ich hebe eine Hand in die Luft und er hält gehorsam inne.

„Potter", höre ich eine bekannte Stimme. Ich mache schnell die Tür auf.

Professor Snape steht in seinem Morgenmantel vor der Tür und ich weiß sofort, dass etwas passiert ist.

„Es ist Ms Granger", flüstert er.

Ich fluche laut und Draco hebt den Kopf. Snape sieht nicht einmal überrascht aus, als er sieht, dass wir im selben Bett schlafen. Schließlich sind wir verlobt.

„Was ist mit ihr?", frage ich, als ich meine Kleidung suche und mir im Vorbeikommen meinen Phönixstab schnappe. Draco springt aus dem Bett und schaut Snape erwartungsvoll an.

„Sie ist momentan in Ordnung. Sie wurde angegriffen", sagt Snape vorsichtig. Er blickt auf meine nackte Brust und meine Narben, als ich meine Hosen schnell anziehe und Draco seine Kleidung zuwerfe, die er mitten aus der Luft fängt und ebenfalls beginnt sich anzuziehen.

„Wer hat sie angegriffen?", frage ich leise.

„Der Fluch ist fehlgeschlagen, ob es an den Sicherheitsmaßnahmen liegt, die Professor McGonagall eingeführt hat, oder an dem Täter selbst...", fährt er fort.

„WER?", brülle ich und packe Snape am Umhang.

Ich weiß, wer es war. Und ich werde ihm den Hals umdrehen. Nein, eigentlich wäre das einfach viel zu schnell. Ich werde ihm die Augen ausstechen und ihm die Eier mit einem verrosteten Messer abschneiden...

Professor Snape, obwohl er mich am liebsten ausschimpfen würde, wird klar, dass ich mordlustig bin und er weiß, worüber ich nachdenke. Er greift nach meiner Hand und drückt sie.

„Tu nichts voreiliges, Potter", flüstert er. Ich kann Spuren von Panik in seinem Ton hören und seine dunklen Augen bohren sich in meine. „Denk darüber nach!", brüllt er mir hinterher als ich mich ihm entreiße und schnaubend mein Hemd über den Kopf ziehe. Es ist umsonst, alte Fledermaus.

„Dumbledore ist auch bei ihr", sagt er.

Ich erstarre und drehe mich um. Snapes Blick bleibt auf mein dunkles Mal fixiert und er zückt seinen Stab. Wortlos zaubert er es unsichtbar, denselben Zauber benutzend, den mir der dunkle Lord beigebracht hat.

„Er hat schon seine Strafe bekommen", sagt Snape. „Professor McGonagall hat ihn der Schule verwiesen und das Ministerium benachrichtigt. Er steht unter Anklage."

„Das ist nicht genug", zische ich mit einer vor Wut zitternden Stimme, ziehe aber meinen Umhang an.

„Natürlich ist es das nicht", sagt Snape.

Im Laufe der Monate, die ich in Slytherin verbracht habe, hat dieser Mann schon viel gesehen und über alles geschwiegen. Er hat alles vertuscht. Er hat mir ohne ein einziges Wort Aufpäppel-Tränke gegeben und mir geholfen, als sich ein Vertrauensschüler gerade im Korridor, wo sich der Eingang zum Geheimhang befindet, aufhielt. Er hat gewusst, wohin ich gehen wollte und hat ihn weggeschickt. Seit der dunkle Lord wieder auferstanden ist, hat sich Severus Snape sehr verändert. Man sieht Hoffnung in seinen dunklen Augen und ich weiß, dass er sich auf alles freut. Dass es ihn freut, dass der dunkle Lord wieder da ist. Weil das heißt, er wird eines Tages endlich diese Schule und seine Gefangenschaft hinter sich lassen können. Aber auch weil das heißt, er wird endlich das sein können, was er wirklich ist. Ein dunkler Magier.

„Eines Tages... Aber noch nicht jetzt", fügt er hinzu.

„Er hat Recht", sagt Draco, der völlig angekleidet auftaucht. „Zweifelsohne wird ihn Dumbledore verteidigen und befreien; und da sein Vater im Ministerium arbeitet, wird der bestimmt auch was drehen. Das wissen wir alle. Aber ruiniere nicht alles."

Ich fahre mir durchs Haar – mir gefällt, wie lang es ist, denn jetzt habe ich endlich keine Probleme damit – und trete wütend gegen den Schreibtisch. Draco presst die Lippen zusammen.

„Gehen wir", knurre ich und marschiere durch die Tür heraus.

Hermine liegt im Bett im Krankenflügel, aber sie ist schon wach. Madame Pomfrey ist gerade dabei, ihr einen Trank zu geben. Ich stoße sie ungeduldig beiseite, mich nicht darum scherend, dass Dumbledore, McGonagall und Flitwick da sind. Ich greife eilig nach ihrer Hand und lege eine Hand auf ihre Stirn. Die braunen Augen schauen mich traurig an.

„Wie geht es dir?", frage ich leise.

Obwohl mein Ankommen ziemlich dramatisch war und obwohl ich gegenüber Madame Pomfrey frech war, sagt keiner etwas dazu. McGonagall schaut mit nassen Augen zu, wie ich mich bei meiner Freundin niederlasse und sie mit Sorge auf meiner Stirn geschrieben betrachte. Hermine ist mir wichtig; sie war immer meine treuste Freundin und ich wäre ein Vollidiot, das zu ignorieren. Ich werde sie retten; und ich werde Ronald Weasley büßen lassen. Sein Sterben wird eine süße Weile dauern... Und am Ende wird er mich anflehen, ihn zu töten. Ein äußerst verlockender Gedanke...

Ich atme tief durch, um mich zu beruhigen und Hermine drückt meine Hand.

„Jetzt geht es mir gut", flüstert sie und lächelt mich an. Ich bin mir sicher, dass ich sie mit meinem Benehmen und meiner Sorge überrascht habe. Und jetzt scheint sie ehrlich glücklich zu sein. Sie hat geglaubt, ich sei ein kaltblütiges Monster, aber jetzt denkt sie, dass mein Herz nicht ganz so schwarz ist. Die Wahrheit ist, dass ich Treue und Ehrlichkeit schätzen kann und Hermine nicht im Stich lassen werde.

„Was ist passiert?", frage ich leise, die anderen noch immer ignorierend.

„Ich... ich konnte nicht schlafen", sagt Hermine. „Ich hatte Albträume."

Und ich bin mir sicher, dass sie von mir geträumt hat. Ich weiß, dass mein Geheimnis sie von Innen auffrisst.

„Ich habe mich ans Feuer gesetzt und versucht einzuschlafen", fährt sie fort. Sie spricht die Wahrheit, obwohl so viele Menschen hier anwesend sind. „Dann ist Ronald gekommen."

Sie drückt wortlos meine Hand, als meine Augen aufblitzen. Sie warnt mich, vorsichtig zu sein; ruhig zu bleiben; und sie nicht in Stich zu lassen.

„Er hat Unsinn geredet", flüstert sie, auf ihre Hände hinunter blickend. „Er hat wieder über dich geredet. Ich habe... ich habe ihm gesagt, er solle mich und dich in Ruhe lassen. Dass er so kindisch und neidisch ist, dass mir übel ist."

Sie presst die Lippen zusammen und ich seufze. Schon wieder das. Es ist also wahr. Den Dummen kann man nichts erklären und sie von nichts überzeugen – man kann sie nur umbringen.

„Und dann... dann hat er mich verflucht...", fährt sie fort, während ihr Tränen über die Wangen gleiten. „Ich hatte keinen Stab dabei; ich wollte nur nachdenken. Und er..."

Sie schluchzt und ich nehme sie in die Arme. Draco schaut schweigend und mit einem ernsten Ausdruck zu, wie ich sie umarme und ihr übers Haar fahre.

„Es ist in Ordnung", flüstere ich. „Jetzt bin ich da. Niemand wird dir etwas antun können."

Ob die anderen meine Worte gehört haben oder nicht, ist mir scheißegal. Hermine presst sich hart gegen mich und weint. Es ist so lange her, seit sie zum letzten Mal geweint hat.

„Wo ist er?", fragt die kalte Stimme von Severus Snape hinter meinem Rücken.

„Mr Weasley befindet sich momentan in meinem Büro", sagt Professor McGonagall mit einer heiseren Stimme. Sie kann nicht verbergen, wie erschüttert sie ist. „Morgen früh kommt jemand aus dem Ministerium, um ihn abzuholen."

„Und wie kommt es, dass er doch Ms Granger angreifen konnte?", fragt Snape.

„Weil...", fängt McGonagall an. Offensichtlich ist dieses Thema für sie peinlich. „Weil der Fluch, den er benutzt hat, nicht als ein gefährlicher Fluch kategorisiert ist und meine Sicherheitszauber haben ihn nicht erkannt. Er ist jedoch fehlgeschlagen."

Und das soll ein perfektes Sicherheitssystem sein?

„Beruhige dich, Minerva", ertönt Dumbledores Stimme. Ich verenge meine Augen, als Hermine weiter in meinen Armen weint. Als sie Dumbledores Stimme hört, umklammert sie mich noch fester. Sie weiß, was mir im Kopf herumgeht.

„Hogwarts ist kein Gefängnis, sodass man strenge Sicherheitsmaßnahmen einführen müsste", sagt er ruhig.

Schon als ich seine Stimme höre, spüre ich den Wunsch, meine Hände um seinen Hals zu legen und zuzudrücken... Bis er blau im Gesicht ist. Und das werde ich... Du bist leichtsinnig, Potter. Was ist mit deinen mentalen Schilden? Was wenn der Alte deine Gedanken belauscht?

„Das, was du schon getan hast, war mehr als genug", fährt Dumbledore fort. „Und ziemlich genial, wenn ich mich so ausdrücken darf."

Sollen wir jetzt alle in die Hände klatschen? Oder eher deinen Kopf untersuchen lassen?

„Und niemand hätte wissen können, dass Mr Weasley so weit gehen würde. Was auch immer passiert ist, Gewalt ist keine Antwort. Ich weiß einfach nicht, was in den Jungen gefahren ist, aber ich werde es untersuchen."

'Was auch immer passiert ist'? Was soll das bitteschön heißen? Dass Hermine schuld ist? So wie ich Hermine kenne, würde mich auch nicht wundern, wenn sie ihn provoziert hat. Aber wir befinden uns nicht im Haus von Lord Voldemort, wo eine Person, wenn man sie beleidigt oder ihr wehtut, sich einfach revanchieren oder zurückschlagen kann. Nein, wir befinden uns in der Welt der Hellmagier, wo Gewalt NIE eine Antwort ist. Ich könnte eine lange Liste der Situationen verfassen, in denen rohe Gewalt höchst effektiv und nützlich wäre.

„Bis alles aufgeklärt ist, sollte Ms Granger hier bleiben", sagt Madame Pomfrey streng. „Denn das hier geht einfach zu weit. Ich möchte nicht, dass sie in den Turm geht."

Anscheinend hat Hermine ihr doch etwas gesagt. Dass sie Angst hat, dorthin zurückzukehren? Dass man sie dort hasst? Dass sie um ihr Leben fürchtet?

„Ich habe eine bessere Idee", meldet sich McGonagall zu Wort. „Ms Granger kann in meinen Gemächern schlafen. Dort ist sie vollkommen sicher."

Höre ich mich paranoid an, wenn ich mir die Frage stelle – warum nimmst du sie auf? Was hast du davon? Vielleicht gibt es ja Menschen, die jemandem helfen möchten, ohne etwas dafür zu bekommen... Oder ist das nur ein Märchen?

„Eine ausgezeichnete Idee, Minerva", meint Dumbledore. Für eine Sekunde habe ich gedacht, er würde sagen, Hermine solle doch in den Turm zurückkehren. Denn sie sei ein Gryffindor und all diesen Quatsch.

„Schön, also geht jetzt", sagt Madame Pomfrey laut. „Ich möchte Ms Granger nochmal untersuchen. Mr Potter kann jedoch bleiben."

Oh vielen Dank, gute Heilerin. Hast du was aus deinen Fehlern gelernt? Ist es möglich? Möchtest du jetzt alle Schüler untersuchen, weil du an meinem Beispiel gelernt hast, dass man misshandelt sein kann?

„Harry", flüstert Hermine, als Madame Pomfrey in ihr Büro eilt, um etwas zu holen.

„Er hat... schreckliche Sachen über dich gesagt..."

Sie drückt meine Hand und schaut mich flehend an.

„Und... ich wollte ihn loswerden... Deswegen habe ich nur dagestanden... ich habe zu ihm gesagt..."

„Ich verstehe, Hermine", unterbreche ich sie.

Sie hat sich geopfert. Glücklicherweise fehlt ihr nichts. Sie hat sich geopfert, weil sie weiß, dass er etwas über mich weiß. Sie wollte mich beschützen. Ob sie es gut gemacht hat oder nicht, ist fraglich. Denn jetzt wird man Ronald allerlei Fragen stellen. Und obwohl er schon bewiesen hat, dass er gewalttätig und vollkommen durchgeknallt ist und dazu noch einen Fimmel mit Harry Potter hat, wird man ihm vielleicht zuhören. Dumbledore wird ihm zuhören. Andererseits hat er keine Beweise. Alles, was er hat, ist ein großes Maul.

„Und ich...", schluchzt sie. „Ich gehe mit dir. Vergiss mich nicht..."

Ich lächele und lege wieder meine Arme um sie.

„Das werde ich nicht", flüstere ich ihr ins Haar. „Ist das deine Antwort auf die Frage, die ich dir heute gestellt habe?"

„Ja", schluchzt sie und drückt mich noch fester an sich.