Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 37 – Minister CrouchDa draußen scheint die Sonne und Hogwarts ist menschenleer. Denn alle sind draußen und möchten solch gutes Wetter nicht verpassen. Draco ist momentan bei Snape, aber er sollte schnell zurückkehren. Aber momentan stört es mich überhaupt nicht, alleine in unserem Zimmer zu sein.
Ich stehe auf und öffne meinen Schrank. Narzissa hat schon eine Ballrobe für mich bestellt und sie ist vor ein paar Tagen angekommen. Sie hat mich ja gefragt, welche Robe mir gefallen würde, aber wie immer bin ich total ahnungslos, wenn es um Klamotten geht. Draco hat die Augen verdreht, die Feder aus meiner Hand genommen und ein paar Sätze hingekritzelt.
„Wenn du schon mit mir gehst", hat er gesagt, „möchte ich nicht, dass du Fetzen trägst. Und natürlich darfst du nicht den Ruhm der Malfoyfamilie beschmutzen."
Denn Draco hat Ahnung von Klamotten. Sein Schrank in Malfoy Manor ist eigentlich ein zusätzliches Zimmer. Er ist schlimmer als ein Mädchen.
Zum dritten Mal gehe ich den Inhalt meines Schrankes durch, aber ich kann meine Jeans nirgendwo finden. Wo sind sie? Nun... Dann eben diese Hosen, die Narzissa für mich gekauft hat. Da ich ein Stück gewachsen bin, seit sie mich in die Familie aufgenommen hat, war sie dazu gezwungen, ein paar neue Sachen zu kaufen. Aber für Narzissa ist das Einkaufen überhaupt kein Problem. Wo ist mein blauer Pulli? Auch verschwunden... ich verenge die Augen und blicke über den Schrank. Keine Spuren von Magie.
Die Tür öffnet sich und Draco stolziert rein.
„Weißt du wo meine Jeans sind?", frage ich sofort.
„Nun, du bist solch eine ordentliche Person, dass sie eigentlich unter dem Bett stecken können", sagt er.
„Gute Idee", meine ich und bücke mich, um unter dem Bett nachzuschauen.
Draco schnaubt und durchquert das Zimmer.
„Eigentlich habe ich deinen Schrank ein wenig aufgeräumt", sagt er, sich an den Schreibtisch setzend.
Ich richte mich schnell auf.
„Was? Du hast was?", zische ich.
„Potter", sagt Draco geduldig, die Feder in die Hand nehmend. „Du bist ein hoffnungsloser Fall. Was Ordentlichkeit und was deinen Modegeschmack angeht. Du möchtest schäbige Jeans tragen? Echt? Und meine Mutter hat sich so bemüht, dir neue Kleidung machen zu lassen, die dir gefallen und die dir stehen würde."
„Mir ist einfach egal, was ich trage", erwidere ich wütend. „Diese Jeans waren sehr bequem, ich habe sie in der Winkelgasse gekauft. Du kannst nicht einfach so meine Sachen durchgehen! Was hast du mit den Jeans gemacht?"
„Ach was", schnaubt Draco. „Hast du was Verfluchtes oder Gefährliches in deinem Koffer? Das habe ich schon gesehen. Deine Jeans sind weg, Punkt."
Er dreht den Kopf zur Seite und blickt über meine nackte Brust. Er leckt sich über die Lippen und seine Augen glitzern. Ich wiederum bin in keiner Laune für so was.
„Ich hab dir die Tränke mitgebracht", sagt er, mein dunkles Mal mit dem Blick fixierend. Aber ich lasse mich mal nicht so leicht ablenken.
„Wir haben schon darüber gesprochen", sage ich zornig. Hier geht es nicht nur um meine Jeans – es geht ums Prinzip. „Du steckst deine Nase nicht in Sachen, die dich nichts angehen."
„Warum bist du so reizbar?", fragt er auf einmal. „Wir reden nicht mehr. Entweder greifst du mich an, weil du so scharf bist, dass du kaum noch Geduld hast, dich auszuziehen, oder brüllst mich an und verschwindest dann."
Ich schnaube und winke ab, mein T-Shirt anziehend und vorhabend, in den Raum der Wünsche zu gehen. Leider hat Draco Recht...
„Gehst du nicht nach Hogsmeade?", ruft er mir hinterher.
Ich halte inne und schließe die Augen. Ich möchte alleine sein. Alleine mit diesem erstickenden Gefühl in meinem Inneren, das mich auffrisst. Na wenigstens kann ich doch noch immer etwas empfinden... Aber der Gedanke, in einer Kneipe voller Menschen zu sitzen und angegafft zu werden, ist keinesfalls verlockend.
Hermine wird da sein. Sie kann mich mal, sagt eine zornige Stimme in meinem Kopf. Gehen wir! Nein... nein, ich muss mit Draco gehen. Ich möchte Hermines Bewunderer sehen. Mir geht es gut. Tief durchatmen. Niemand wird dich fragen, worüber du nachdenkst. Spiele deine Rolle und dann werden wir uns irgendwo verstecken und darüber nachdenken. Ich habe schon wieder Kopfschmerzen. Wo sind diese Tränke?
„Ich hab es vergessen", sage ich leise und wende mich um.
Die grauen Augen schauen mich besorgt an. Jetzt ist er nicht mehr wütend.
„Wir müssen ja nicht in die Kneipe gehen", meint Draco, als ich die Phiole, die mit 'Schmerzentrank' beschriftet ist, in einem Zug ausleere. „Wir können einfach spazieren gehen."
„Nein, Hermine wird da sein und sie trifft sich mit ihrem Bewunderer. Ich möchte ihn sehen", knurre ich.
Draco zieht die Augenbrauen in die Höhe.
„Echt?", fragt er. „Sie geht mit jemandem aus? Das muss ich sehen." Er springt auf die Füße.
„Ähm... Potter... da draußen sind fünfzehn Grad", sagt er, als ich einen Pulli anziehe und dazu meinen Umhang über die Schultern werfe.
„Mir ist kalt", antworte ich. Er presst die Lippen zusammen und schweigt.
Natürlich vermutet er, dass ich irgendein gefährliches Ritual durchgeführt habe, denn als ich damals zurückgekommen bin, bin ich gleich ins Bett gegangen und wollte nicht mit ihm reden. Er hat gesagt, dass ich Albträume hatte und dass ich die ganze Zeit etwas über rote Augen gemurmelt habe. Ich habe ihn dreimal geweckt. Aber später hat er mir nur davon erzählt und hat nicht nachgefragt. Vielleicht möchte er ja gar nicht wissen, was ich treibe.
„Und wann hörst du endlich damit auf, mich Potter zu nennen?", frage ich genervt. „Das ist schon ein wenig seltsam."
„Sollte ich dir einen Spitznamen geben?", fragt Draco belustigt und kommt auf mich zu. „Oder dich etwa 'Meister' nennen?"
„Das gefällt mir", sage ich sofort, ihn hämisch anlächelnd. „Sag es nochmal."
Ich lege meine Arme um seine Taille und ziehe ihn zu mir.
„Träum weiter, Potter", knurrt er. Wahrscheinlich hat er seine Worte schon bereut.
„Wenigstens kannst du mich so nennen, wenn wir zusammen im Bett sind", sage ich grinsend.
„Werde ich nicht!", schreit Draco. „Du spinnst!"
„'Mein Lord' geht auch", fahre ich belustigt fort.
„Fahr zur Hölle", erwidert Draco zornig, doch ich küsse ihn einfach.
Er stöhnt und ich ziehe ihn noch näher zu mir. Das ist keine so schlechte Idee, Draco... Mir gefällt es. Als wir uns trennen, funkelt er mich an.
„Gehen wir", sage ich grinsend, meinen Basiliskenstab in den Stabhalter steckend. Dank Draco und seinen 'Vorschlägen' fühle ich mich viel besser.
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Hogsmeade wimmelt von Schülern. Sogar McGonagall ist ausgegangen und momentan sitzt sie mit Lupin und Flitwick in einem Eisladen. Das soll was heißen... Als wir in die Drei Besen reinkommen, wird mir schnell klar, dass es keinen freien Tisch gibt. Aber in einer Ecke sitzt Daphne Greengrass mit einem Slytherinjungen und ich dränge mich entschlossen durch die Menge, Draco mit mir ziehend.
Sie hebt den Blick und sieht keinesfalls erfreut aus, mich hier zu sehen. Aber sie macht ohne weiteres Platz für uns. Der Slytherinjunge – er ist ein wenig älter als wir – steht schnell auf.
„Ich gehe... noch eine Runde holen", murmelt er verlegen. „Möchtet ihr etwas?"
Sein Benehmen ist keinesfalls merkwürdig. In letzter Zeit bietet mir alle zwei Tage jemand Hilfe an. Es ist zweifelsohne sehr nützlich.
„Zwei Butterbiere", sage ich anstatt Draco. Man kann ja nichts anderes in einer Kneipe voller Schüler und Lehrer trinken.
Ich lege einen Arm um Dracos Schultern und Daphne Greengrass blickt weg. Sie ist der Typ, der sich in nichts einmischt und niemanden in Verruf bringen möchte. Und das ist sehr slytherin von ihr.
Nach einer halben Stunde kommt Hermine rein, dicht gefolgt von einem Jungen. Ich schaue auf und gebe Draco einen Schubs in die Rippen. Ich kenne diesen Typ. Er ist ein Ravenclaw, wenn ich mich nicht irre...
Hermine hat sich wie immer angezogen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir denselben Modegeschmack teilen. Das heißt, wir scheren uns nicht um das, was wir tragen, solange es tragbar und bequem ist. Nun ja, aus irgendeinem Grund scheinen mir enganliegende Klamotten zu gefallen... Vielleicht weil ich mein ganzes Leben mit Dudleys übergroßen Jeans und T-Shirts verbracht habe. Oder vielleicht weil ich möchte, dass Draco mich jede Sekunde unwiderstehlich findet...
Hermines Begleiter andererseits hat seine Kleidung sorgfältig gewählt. Und ich habe den Eindruck, dass er nervös ist. Na also. Er ist von Hermine angetan und möchte nichts Dummes anstellen.
„Na so was", meint Draco grinsend. „Ich kenne ihn. Sein Name ist Goldstein."
Daphne öffnet den Mund, um einen zweifelsohne bissigen Kommentar zu machen, aber sie schließt ihn, als ich ihr einen Blick zuwerfe.
Sie finden einen kleinen Tisch für zwei und setzen sich. Als der Junge wie gestochen aufspringt, um ihren Stuhl zurecht zu rücken, gluckse ich. Hermine wiederum ist ihr übliches Selbst. Augenblicklich fällt sie mit ihm ins Gespräch, das heißt, sie redet und er nickt alle zwei Minuten. Ich blicke weg.
„Das ist also ihr Bewunderer", murmele ich nachdenklich. Warum hat dieser Typ Interesse an ihr? Ich sage ja nicht, dass keiner Interesse an Hermine haben sollte, denn sie ist hübsch. Aber sie ist nicht die beliebteste Schülerin in der Schule, obwohl ihre Noten nie besser waren. Goldstein scheint genau das anzuziehen. Oder?
Wir sind nicht die einzigen, die bemerkt haben, dass Hermine Granger ein Date hat. Überall tuscheln die Menschen und deuten auf sie. Manche lachen; manche aber suchen mit ihren Blicken nach mir.
/Hermines Sicht
Warum ist er so nervös? Ist das normal? Sollte ich ihm ein Kompliment machen? Ich weiß nicht, weswegen... Ach was.
Ich rede weiter über Professor Flitwick und er lacht nervös, als ich ihm erzähle, wie Harry seine Notizen aufgerufen hat.
„Er geht zum Ball mit Malfoy?", fragt er. Ich nicke und zucke mit den Schultern. „Hermine... darf ich dich etwas fragen?"
„Aber natürlich", sage ich und nehme einen Schluck von meinem Eistee.
„Warum hast du mich zum Ball eingeladen?", fragt er, sich über die Lippen leckend. „Ich meine... ich bin begeistert... aber..."
„Was, Mädchen tun so was normalerweise nicht?" frage ich und lächele. Er nickt und seine Wangen laufen rosa an.
„Warum nicht?", frage ich achselzuckend. „Warum sollten nur die Jungen immer diejenigen sein, die ein Mädchen zum Kaffee oder so was einladen?"
Soll ich sagen, dass er mir gefällt? Vielleicht wäre es ein wenig übertrieben. Er sieht eh nervös aus. Aber ist das wirklich der Grund, warum du ihn per Eule zum Ball eingeladen hast? Sei doch ehrlich, Hermine. Das habe ich schon gehört. Das letzte Mal, als ich mit jemandem ehrlich war, hat Harry mir sein schreckliches Geheimnis enthüllt...
Warum habe ich ihn zum Ball eingeladen? Warum ausgerechnet ihn? Es ist nicht weil ich denke, dass er hübsch ist oder weil ich ihn küssen möchte. Der Gedanke gefällt mir überhaupt nicht. Nein. Ich erinnere mich daran, als ich damit angefangen habe, die anderen Menschen zu beobachten. Denn am Gryffindor Tisch gab es derzeit – und jetzt ist es noch schlimmer – nichts zu sehen. Überall gab es Mädchen, die Zettel ausgetauscht haben, die über Make-up und Klamotten geredet haben. Sie haben aufgeregt gewirkt und ich habe mich gefragt, warum. Ich konnte nicht verstehen, warum man so total verrückt werden konnte, nur weil es irgendeinen Ball gab. Vermutlich werden sie dann eine Chance haben, Kleider zu tragen und mit irgendeinem Jungen auszugehen, der ihnen gefällt. Aber geht das auch ohne den Ball?
/Rückblende
Ich erinnere mich an ein Muggelmärchen, das mir mein Vater oft vor dem Einschlafen vorgelesen hat. Eine Frau, die eigentlich wie eine Sklavin behandelt wird, geht zu einem Ball und sie gewinnt das Herz des Prinzen. Sie tanzen bis Mitternacht. Dann muss sie nach Hause gehen... Und er verliebt sich bis über beide Ohren in sie und möchte sie heiraten. Er sucht nach ihr; und als er sie findet, macht es ihm nichts aus, dass sie schäbige Klamotten trägt und nicht mehr wie eine Prinzessin aussieht.
Aus diesem Märchen ziehe ich den folgenden Schluss – man muss nicht wie eine Prinzessin aussehen, damit ein Prinz sich in dich verliebt. Andererseits ist es fraglich, ob er sich in sie überhaupt verliebt hätte, hätte sie nicht in jener Nacht wie eine Prinzessin ausgesehen. Wenn die Antwort ja ist, ist er dann ein Vollidiot und er verdient sie überhaupt nicht. Sollen wir uns alle schön machen, sodass wir einen Prinzen anlocken können? Welch ein Quatsch. Das werde ich nie und nimmer tun. Und wenn das heißt, dass ich den Rest meines Lebens alleine verbringe, schön. Dann sind alle Jungen Vollidioten und ich möchte gar nichts mit ihnen zu tun haben.
Aber als ich darüber nachdenke und die Schüler beobachte, fällt mir etwas ein. Auf einmal verspüre ich den Wunsch, zu diesem Ball zu gehen und zu sehen, was der ganze Wirbel soll. Leider kann ich ohne ein Date nicht gehen. Und ich kann nicht von Harry erwarten, dass er mit mir geht. Er soll mit Draco gehen. Ich sollte also eine Person auswählen und sie zum Ball einladen, sodass ich einen Begleiter hätte.
Ich denke über Harrys Worte nach. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, zu welchem Geschlecht ich mich hingezogen fühle. Zu keinem. So was ist nichts für mich. Das ist reine Zeitverschwendung. Also... ein Mädchen einzuladen... Der Gedanke gefällt mir nicht. Ich würde nicht wissen, was ich sagen soll. Mit einem Jungen hätte ich keine Probleme. Das ist seltsam. Es gibt lesbische Paare in Hogwarts. Es ist nichts Ungewöhnliches. Aber doch... der Gedanke, mit einem Mädchen zu tanzen erfüllt mich mit Nervosität. Seltsam. Normalerweise mache ich wegen solchen Sachen kein Theater. Und normalerweise treibe ich mich mit Harry und Draco herum. Mit Jungen.
Vergiss es. Ich werde darüber nicht nachdenken. Ich werde einen Jungen auswählen, den ich zum Ball einladen werde. Mal sehen. Die Gryffindors kommen überhaupt nicht in Frage. Mein Blick landet auf Blaise Zabini, aber ich schüttele den Kopf. So was brauche ich nicht. Mit einem Slytherinjungen auszugehen, das würde mein Leben nur noch komplizierter machen. Also bleiben Hufflepuff und Ravenclaw übrig... Es ist so blöd! Ich sollte mein Date aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einem Haus auswählen? Und so was nennt man 'freie Gesellschaft'?
Tja... jeder ist so gut wie der andere. Einen Jungen, der ohne Punkt und Komma redet und der laut ist, könnte ich nicht erdulden. Nein, er muss ein zurückhaltender Junge sein. Jemand, der mir keine Probleme bereiten wird.
/Ende Rückblende
Und so habe ich Anthony ausgewählt und ihm einen Brief geschrieben. Er hat mir gleich geantwortet. Und so habe ich ein Date bekommen. Jetzt aber sieht es so aus, als wäre mein kleines Projekt gewachsen. Denn Anthony benimmt sich seltsam. Er wirkt nervös und mir kommt es so vor, als sei er wegen mir nervös. Als wir uns getroffen haben, habe ich gleich bemerkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Und allmählich ist mir klar geworden, dass er scharf auf mich ist. Denn anders kann ich mir sein Benehmen nicht erklären. Er hat auch einen Eistee bestellt, wie ich und in jenem Moment, als die Kellnerin uns gefragt hat, was wir trinken wollen, ist er mir vorgekommen, als hätte er keine Ahnung wo er ist. Jetzt starrt er mich an und bemerkt nicht einmal, dass er noch immer seinen Umhang an hat. Ihm muss fürchterlich heiß sein, aber er scheint es nicht zu bemerken.
„Ja", sagt er gerade. Er schüttelt den Kopf. „Ich meine, nein. Ich habe mich geschmeichelt gefühlt."
„Na dann", sage ich lächelnd. „Hätte ich dich nicht zum Ball eingeladen, wären wir heute nicht hier."
Er lächelt flüchtig und schüttelt den Kopf. Ich sehe schon, dass Anthony eine gute Wahl war. Hoffentlich wird er nicht von mir erwarten, dass ich ihn küsse oder so was...
Aber als wir uns zusammen auf den Weg nach Hogwarts machen und obwohl ich noch immer rede und er mir nur zuhört, denke ich wieder an Harry und mein Versprechen. Der Walpurgisnachtball rückt näher... und ich weiß, was er vorhat. Ich kann es in seinen Augen sehen. Und ich weiß, dass falls er Hogwarts verlässt, falls er dazu gezwungen wäre, zu fliehen, würde ich mitgehen. Denn ohne ihn möchte ich nicht in Hogwarts bleiben. Was auch immer er ist... ich komme mit. Denn er ist der einzige, dem ich vertrauen kann. Er wird mich nicht im Stich lassen.
Und was passiert dann? Auf ins Unbekannte? Es hört sich so romantisch an, aber in der Realität ist es schrecklich. Wie würde ich meinen Eltern bloß erklären, wohin und warum ich fliehen muss? Würde ich je wieder nach Hause kommen? Würde ich meine Eltern je wieder sehen? Wo würde ich wohnen? Ich weiß, dass Harry alles geplant hat. Dass ich ein Dach über dem Kopf und genug Essen haben würde. Darum mache ich mir keine Sorgen. Würde ich bei Todessern wohnen? Bei Ms Malfoy? Eigentlich wäre das nicht mal so schlecht, denn sie gefällt mir. Aber zweifelsohne würde man Harry in Malfoy Manor suchen. Dort ist er nicht sicher. Er kann nicht länger dort wohnen. Aber das bezieht sich auch auf Draco... Da gibt es so viel, was ich nicht weiß, aber momentan spielt es keine Rolle. Ich habe all das Leid satt. Ich habe die Geheimnisse und die Lügen satt. Ich möchte nur in Frieden leben und von Menschen umgeben sein, die mich nicht hassen.
Da ich zum Ball mit Anthony gehe, werde ich Harry im Auge behalten können. Ich habe keine Ahnung, wie er vorhat, Dumbledore umzubringen, aber ich möchte dabei sein. Und jetzt kann ich ja, denn ich habe Anthony gefunden. Ich lächele den Jungen an und entschuldige mich gedanklich für das, was ich ihm angetan habe. Er ist ein Mittel zum Zweck; und er tut mir leid. Er ist wirklich ein kluger und freundlicher Junge. Vielleicht ist das Harrys Einfluss; oder vielleicht versuche ich mich wie ein normales Mädchen zu benehmen, das mit Jungen ausgehen möchte. Aber ich weiß, dass es mir nie gelingt, mich 'normal' zu benehmen...
/Harrys Sicht
Endlich Ruhe. Endlich alleine. Ich starre das Buchregal an, ohne es wirklich zu sehen. Der dunkle Lord hatte Recht. Ich habe mich verändert. So viel hat sich verändert und es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich gerade fühle.
Diese Wutanfälle werden schlimmer... Der dunkle Lord ist der Meinung, dass es besser sein wird, so bald ich mich an meinen neuen 'Zustand' gewöhne. In der Zwischenzeit hat er mir Meditationsübungen vorgeschlagen, mit deren Hilfe ich wieder meine Gedanken ordnen und die Teile meiner Persönlichkeit zusammenbauen kann. Denn jetzt fühlt es sich an, als gäbe es Lücken. Manchmal sind mir alle egal... Alle gehen mir auf die Nerven und ich könnte aus der Haut fahren und einfach schreiend davon laufen... Weit weg... Von allem und allen.
Selbstkontrolle. Dein Wille kontrolliert alles. Das funktioniert nur, wenn man einen bestimmten Lebenssinn hat, ein Ziel, das man erreichen möchte. Das habe ich. Und obwohl ich manchmal nicht sicher bin, wer ich wirklich bin, denn ich kann Memphistos Stimme in meinem Inneren hören, versuche ich mein Leben aufs Neue aufzubauen. Zu retten, was es zu retten gibt. Und doch... so mächtig war ich noch nie. Diese Gabe, die ich bekommen habe, ist viel nützlicher, als ich vorher geglaubt habe. Die Magie sehen zu können, ist etwas Außergewöhnliches. Wo auch immer ich bin, muss ich mich nur darauf konzentrieren und ich kann, zum Beispiel, die Schutzzauber des Schlosses sehen. Sie sind wie ein Regenbogen; verschiedene Farben mischen sich miteinander und an manchen Stellen gibt es auch Runen, die gespenstisch glühen und immer in Bewegung sind. Ich habe mir auch den Wasserspeier, der vor dem Eingang zu Dumbledores Büro steht, angeschaut. Dumbledore selbst hat ein paar Schutzzauber zu den existierenden hinzugefügt. Denn die Zauber sind relativ frisch. Aber da gibt es auch ein paar uralte Zauber, die allem Anschein nach Dumbledores Vorgänger aufgestellt haben. Ich habe sie analysiert... und bin zu dem Schluss gekommen, dass ins Büro einzubrechen nicht in Frage kommt. Zu viel könnte schiefgehen und es ist nicht der Mühe wert.
Ich habe den Preis für Macht bezahlt. Und ich bereue es auch nicht. Memphisto hat sich als sehr nützlich erwiesen. Zudem gibt er mir Ratschläge und erfüllt meine Aufgaben. Aber etwas ist für alle Ewigkeit verlorengegangen... Ein Teil von mir ist weg. Und der dunkle Lord hatte auch darin Recht. Der Tod war nie näher gewesen. Er ist immer da... Aber er jagt mir keine Angst mehr ein. Er ist nicht länger etwas Unbekanntes, weil ich mich für ein paar Momente tatsächlich tot gefühlt habe. Ich war so leer... Als hätte man meine ganze Seele aus meinem Körper herausgesaugt; und in jenem Moment habe ich begriffen, dass manche Sachen, über die ich normalerweise nachdenke, unwichtig sind. Die ganze Welt kommt mir wie eine dumme Bühne vor, auf der ich meine Rolle spiele und es gibt nur eins, das wichtig ist – dass ich mich weiter entwickele. Dass ich mächtiger werde. Dass ich der ganzen Welt zeige, wer ich bin. Und dass die Dunkelheit endlich die Kontrolle übernimmt.
So viel ist unwichtig geworden. Alles, was existiert, ist meine Welt und aus meiner Welt gestalte ich nach Belieben die äußere Welt, die meine innere Welt spiegelt. Meine eigenen Taten bestimmen, wie meine äußere Welt aussehen wird. Und in letzter Zeit kommt es mir so vor, als wisse Dumbledore, wann er stirbt. Ich habe ihn nur zweimal gesehen, seit er den Walpurgisnachtball angekündigt hat. Und etwas in seinen Augen sagt mir, dass er es weiß. Er erkennt die Absicht in meinen eigenen Augen und er weiß, was ich vorhabe. Aber er wird sich nicht dagegen wehren. Ich wiederum an seiner Stelle würde mit aller Kraft versuchen, das Schicksal auszutricksen, um weiter leben zu können. Sowie Voldemort versucht hat, die Ursache seines vorhersagten Untergangs (nämlich mich) zu töten. Das ist der dunkle Weg.
Mir fällt es schwer, diese Veränderung zu verbergen; und Draco hat natürlich bemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Er denkt aber, dass ich ein dunkles Ritual ausgeführt habe und er hat mich nichts gefragt. Ich werde öfter gedankenverloren, weil ich entweder etwas Fremdes in mir spüre und es erforschen möchte, oder weil ich wieder zum Schluss komme, dass etwas nicht stimmt. Bis mir einfällt, dass etwas fehlt und dass ich sehr gut weiß, was. Ich sollte mich daran gewöhnen. Ich sollte mich damit versöhnen und lernen, damit weiter zu leben.
Ich gieße mir etwas Kürbissaft ein und seufze. Ich mag die Stille. Der Lärm des Schlosses beunruhigt mich. Die hunderten von Stimmen und das Gelächter gehen mir auf die Nerven, weil ich dann den Eindruck habe, dass sie eine vorgespiegelte Normalität sind. Ein Versuch, um mich davon zu überzeugen, dass alles wieder beim Alten ist. Aber die Stille ist ehrlicher. In der Stille kann ich alles besser sehen und ich kann meinen Gedanken zuhören. Ich kann Memphisto spüren... Und die Stille spiegelt die Wahrheit, mit der ich jeden Tag ringe und versuche weiter zu machen, als wäre nichts passiert.
„Memphisto", sage ich leise, mir sein Zeichen, oder eher seinen wahren Namen, vorstellend.
Ein paar Momente vergehen, ehe der Dämon erscheint. Er trägt wie immer ein hämisches Lächeln im Gesicht und seine roten Augen glitzern.
„Bericht", sage ich müde.
Der Dämon grinst breit.
„Der Sterbliche hat sein Abendessen gegessen und jetzt hat er sich in seine Gemächer zurückgezogen. Ich bin auch dort erschienen, um nachzuschauen, was er da treibt. Er korrigiert Hausaufgaben. Seine Gedanken jedoch kreisen um dich. Er ist besorgt und verwirrt. Er ist sich sicher, dass es ihm nicht gut geht und er denkt darüber nach, sich von einem Heiler untersuchen zu lassen."
„Ach ja?", sage ich, mir die Augen reibend. „Das wäre schlimm."
„Aber er betrachtet dich als einen armen Jungen, der Hilfe braucht, und er macht sich Sorgen um jemanden, der Hermine heißt", sagt Memphisto.
Ich schnaube und schüttele den Kopf. Also ist Lupin noch immer verwirrt und er weiß nicht, was er tun soll. Schön. Der dunkle Lord hat seine Arbeit gut gemacht, aber ich muss mich von Zeit zu Zeit vergewissern, dass dem tatsächlich so ist. Schließlich hat Lupin Sachen gesehen und gehört, die er nie hätte sehen oder hören sollen.
Ich denke darüber nach, ob ich mich, nachdem ich Dumbledore getötet habe, wirklich zusammen mit Hermine aus dem Staub machen soll. Das würde einige Sachen für uns vereinfachen, aber es gibt auch andere Menschen, die meine Geheimnisse bewahren und die man verhören würde. Draco. Narzissa. Die Slytherins. Natürlich wäre es für mich viel einfacher, einfach alles aufzugeben und beim dunklen Lord zu leben, bei dem ich genau das sein kann was ich bin. Er kann mir das beibringen, was ich in der Schule lernen soll und zweifelsohne könnte ich schneller lernen. Nie wieder wäre ich dazu gezwungen, Rollen zu spielen. Aber so verlockend dieser Gedanke ist, weiß ich, dass es etwas, das man Pflicht nennt, gibt. Falls es doch etwas gibt, das ich in Hogwarts für die dunkle Seite erledigen kann, sollte ich hier bleiben.
„Der dunkle Erbe sollte sich um diesen Sterblichen keine Sorgen machen", behauptet Memphisto. „Er stellt keine Gefahr dar."
„Das weiß ich, Memphisto", sage ich leise.
Der Dämon schwebt zu mir hinüber und mustert mich.
„Ich muss morgen etwas erledigen", sage ich zu ihm. Die roten Augen mustern mich ohne zu blinzeln. „Also solltest du morgen nicht versuchen, mit mir zu sprechen, für den Fall dass jemand deine Anwesenheit spüren kann."
„Hat es mit den Hellmagiern zu tun?", fragt der Dämon neugierig.
„Ja, meine beste Freundin Hermine ist angegriffen worden und sie muss als Zeugin ins Ministerium gehen. Und ich werde sie dorthin begleiten", sage ich müde.
„Verstehe", sagt der Dämon, obwohl es nicht so aussieht, als verstehe er tatsächlich. „Warum setzt sich der dunkle Erbe für sie ein?"
Er ist lediglich neugierig. Seit ich ihm ein Teil von mir gegeben habe, zeigt er Interesse an allem. Aus diesem Grund weiß er schon ein paar Sachen über die materielle Welt. Und er kann sich besser in Zeit und Raum orientieren, was normalerweise für Dämonen ein Problem ist.
„Weil sie mir trotz allem treu geblieben ist", sage ich. „Ich schätze das. Und sie wird zu mir stehen."
„Jetzt verstehe ich", sagt der Dämon.
Ich gluckse und reibe mir die Schläfen. Ich bringe Memphisto Sachen über die materielle Welt bei und er erzählt mir von der Welt, aus der er kommt. Zweifelsohne ein nützlicher Informationsaustausch.
„Geh zu meinem Meister und sag ihm, er solle mich morgen nicht zu sich rufen oder so was. Weil ich mit Hermine ins Ministerium gehe. Er wird verstehen", sage ich aufstehend.
Memphisto grinst breit, nickt und verschwindet. Ich seufze und entscheide, noch für eine Weile hier zu bleiben und etwas zu lesen. Ich muss mich ablenken. Ich muss dieses Gefühl einfach vergessen. Ich nehme ein Buch aus dem Bücherschrank und setze mich hin. Ich gehe ins Ministerium als Hermines bester Freund, der sie unterstützt und ihr helfen möchte. Vielleicht wird auch der Minister dabei sein. Er wäre zweifelsohne nützlich. Wenn nicht... könnte ich einen Brief an ihn schreiben, ihm die Situation erklären, um sicher zu sein, dass er kommt. Genau. Sehr schlau, Potter.
Ich schnappe mir ein Stück Papier und verfasse einen langen Brief, der vor Panik trieft und in dem ich den Minister erkläre, wie besorgt ich um Hermine bin. Zufrieden stehe ich auf und habe vor, in die Eulerei zu gehen, um Hedwig zu finden. Sie wird meinen Brief schnell dem Minister übergeben. Als ich den Korridor entlang marschiere, höre ich Voldemorts Stimme in meinem Kopf und ich bin dazu gezwungen, mich hinzusetzen, um dieses Gespräch zu erledigen. Es wäre ein wenig schwierig, weiter zu laufen und mich dabei die ganze Zeit auf seine Stimme zu konzentrieren.
Er möchte wissen, welche Sicherheitsmaßnahmen ich in Bezug auf meinen Besuch beim Ministerium getroffen habe und was ich vorhabe, den Ministerialbeamten zu sagen, falls sie mich etwas fragen. Ich erkläre ihm alles und er scheint mit meinen Antworten zufrieden zu sein. Voldemort hat Interesse an allem, was ich tue und das nicht, weil er seine Nase in Sachen stecken will, die ihn nichts angehen. Er möchte alles wissen, weil ihm nur meine Leistungen während seines Unterrichts kein vollkommenes Bild bieten. Alles, was ich tue, was ich sage und wie ich mich benehme, gibt ihm Einblick in meinen Fortschritt. Und ab und zu kann ich deutlich seine Gegenwart in meinem Geist spüren. Er mischt sich nicht ein; er beobachtet und zieht sich, nachdem er genug gesehen und gehört hat, zurück. Aus diesem Grund habe ich ihn darum gebeten, mich morgen nicht zu rufen oder in meinem Geist herum zu wühlen, denn ich weiß nicht, ob es jemand spüren kann. Vielleicht bin ich paranoid; aber ich bin ja ein Schwarzmagier. Die Paranoia des dunklen Lords ist echt ansteckend.
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Ich habe befürchtet, dass Dumbledore mitkommen wollen würde, aber als Hermine und ich am nächsten Tag in die Eingangshalle kommen, erblicken wir McGonagall, die auf uns wartet. Sie trägt einen grünen Umhang und einen Hexenhut auf ihrem Kopf. Seit wir uns getroffen haben, ist Hermine bei mir eingehakt gelaufen und ich kann deutlich ihre Nervosität spüren. Das ist typisch Hermine. Wann auch immer wir Prüfungen haben, zittert sie wie ein Hase und versucht, alles in letzter Minute durchzulesen. Und diese Anhörung setzt sie offensichtlich mit einer Prüfung gleich.
„Seid ihr bereit?", fragt McGonagall, deren Ausdruck sanfter wird, als sie bemerkt, wie nervös Hermine ist. „Keine Sorge, Miss Granger. Ich begleite euch nicht nur; sondern gehe als das Oberhaupt von Gryffindor. Das war eigentlich meine Idee."
Sie lächelt Hermine an, die keinesfalls beruhigt wirkt. Ich weiß, was sie nervös macht und die Ministerialbeamten sind es sicherlich nicht. Sondern die Wahrheit.
Da ich beim letzten Mal durch den Tunnel ins Ministerium gekommen bin, muss ich meine Neugier nicht fälschen. Und im Übrigen bin ich nicht überrascht, dass der Prophet nicht von dem Einbruch ins Ministerium berichtet hat. Zweifelsohne weil es ja um die Mysteriumsabteilung und einen sehr gefährlichen Gegenstand geht.
McGonagall legt ihre Hände auf unsere Schultern und zieht uns mit sich. Offensichtlich nimmt sie ihre Aufgabe sehr ernst und möchte nicht zulassen, dass man uns belästigt oder uns peinliche Fragen stellt. Sie geht zielstrebig zu einem Tisch hinüber, an dem ein alter Zauberer sitzt und den Propheten liest. Sie räuspert sich, ihm einen Blick zuwerfend, der ihm deutlich klarmacht, dass sie sein Lesen und sein Faulenzen nicht billigt.
„Wir sind hier wegen einer Anhörung", sagt sie, ehe er den Mund öffnen kann. „Das hier sind meine Schüler. Bitte gebt dem Wächter eure Stäbe", weist sie uns an.
Der Wächter gafft meine gezeichnete Narbe an, aber da McGonagall ihm einen vernichtenden Blick zuwirft, eilt er, Hermines dargebotenen Stab zu nehmen.
„Wirklich", murmelt McGonagall, als sie uns weiter zieht. „Man sollte denken, dass er wichtigeres zu tun hat, als den Propheten zu lesen und Kaffee zu trinken. Er ist schließlich ein Wächter."
Ich lege einen Arm um Hermines Schultern und sie erschaudert. Noch immer hat sie Schiss vor mir; und sie kann es nur schlecht verbergen. Glücklicherweise denkt McGonagall, dass sie nur nervös wegen der Anhörung ist.
„Keine Sorge, Miss Granger", sagt sie sanft, uns in den Fahrstuhl bugsierend. „Alles wird in Ordnung sein."
„Danke, Professor", sagt Hermine leise. „Dass Sie mitgekommen sind."
McGonagall lächelt sie an und betritt eine Halle mit uns im Schlepptau.
„Ach Harry", höre ich eine bekannte Stimme.
Der Minister steht da und lächelt mich an. Ich habe es also geschafft. McGonagall schaut ihn verwundert an, sich offensichtlich fragend, was zum Teufel er hier macht.
„Ich musste kommen", sagt der Minister zu der Professorin und streckt seine Hand aus. McGonagall schüttelt sie anmutig. „Mr Potter war außer sich vor Sorge um Miss Granger. So was ist seit Jahren nicht passiert."
„Natürlich kann keiner wissen, was in den Köpfen der Menschen vorgeht", eilt er hinzu zu fügen, offensichtlich denkend, dass McGonagall es als Beleidigung auffassen könnte. „Keiner ist dafür verantwortlich. Setzt euch. Mr Weasley kommt gleich."
Ich habe eigentlich gehofft, dass man ihn auf diesen Stuhl mit Fesseln setzt, aber als der Wiesel mit seiner Mutter rein kommt, die schnell wegblickt, sobald ihr Blick auf uns fällt, setzen sie sich in die erste Reihe, so wie wir es getan haben. Was ist nur in Molly Weasley gefahren, dass sie Rita Kimmkorn angeboten hat, ihr von meinem Angriff zu erzählen? Bin ich nicht länger ein armer Junge, der Hilfe braucht? Hasst sie Slytherin so sehr, dass ihre Meinung von mir sich so schnell verändert hat? Oder weiß sie... etwas?
„Da alle anwesend sind, können wir ruhig anfangen", verkündet der Minister. Mein Arm liegt noch immer um Hermines Schultern und trotz allem scheint sie dafür dankbar zu sein.
„Wir werden mit dem Angeklagten anfangen", sagt der Minister, seine Brille aufsetzend und einen Blick auf die Pergamentrolle vor sich werfend. „Ronald Weasley. Bitte setzten Sie sich dort und erzählen Sie uns, was passiert ist."
„Ich würde gerne anstatt meines Sohnes sprechen", meldet sich Molly Weasley. Die anwesenden Zauberer und Hexen – dieses Mal gibt es keine Zuschauer, nur die Ministerialbeamten – brechen in Gemurmel aus. Der Minister wirft ihr einen prüfenden Blick zu.
„Schön", sagt der Minister knapp. „Aber wir müssen auch seine Aussage hören."
„Ronald tut es leid, was er getan hat", sagt Molly Weasley mit einer zittrigen Stimme. Jetzt sieht sie dünner denn je aus und sie hat dunkle Ringe unter ihren Augen. Ich lehne mich nach vorne. Ich bin wirklich gespannt zu hören, was diese Frau zu sagen hat.
„Er weiß, dass er zu weit gegangen ist", sagt sie. „Und ich als seine Mutter unterstütze seine Verweisung aus der Schule, denn er hat jemanden angegriffen. Dafür gibt es keine Entschuldigung."
Manche nicken; aber der Minister mustert sie argwöhnisch. Ich auch. Worauf möchte sie damit hinaus? Und hat sie eigentlich gehofft, dass der Minister nicht darauf bestehen würde, dass der Wiesel auch seine Aussage macht?
„Aber Ronald hat es nicht leicht. Seine Schwester ist vor einem Jahr gestorben. Sein bester Freund hat ihn verlassen. Und da gibt es niemanden in der Schule, dem er vertrauen kann."
Das soll seine Verteidigung sein? Der Minister scheint meine Meinung zu teilen.
„Ms Weasley", sagt er kalt. „Es tut mir wegen Ihrer Tochter leid. Das war ein schrecklicher Vorfall. Aber das ist keine Ausrede für das Benehmen ihres Sohns. Wenn jeder Menschen angreifen würde, wenn man eine Person die man liebt, verloren hat, würde die Welt ein schrecklicher Ort sein."
Molly Weasley schluckt und schnieft.
„Und jetzt würden wir gerne Ronalds Aussage hören", besteht der Minister.
Molly Weasley schaut sich verzweifelt um, aber die Gesichter, die sie umgeben, schauen sie missbilligend an. Arthur Weasley sitzt in der letzten Reihe und schaut mit einem unergründlichen Ausdruck zu, als sie sich wieder setzt und sein Sohn aufsteht.
Da gibt es kein dummes Lächeln im Gesicht von Ronald Weasley. Er schaut die Menschen nicht mit Verachtung an, sondern geht auf wackeligen Beinen zum Stuhl hinüber, den Boden anstarrend. Er versucht nicht einmal, in unsere Richtung zu schauen. Zu meiner großen Überraschung bemerke ich, dass er weint. Möchte er Mitleid erregen?
„Mr Weasley, bitte erzählen Sie uns, was in jener Nacht passiert ist", fordert ihn der Minister auf, denn Ronald schweigt noch immer.
„Ich...", fängt er an und räuspert sich. „Ich habe Hermine... Miss Granger... alleine beim Kamin gefunden. Sie hat gesagt, sie könne nicht schlafen."
„Wie spät war es?", fragt der Minister, der etwas aufschreibt.
„Es war... keine Ahnung... drei... vier Uhr", antwortet Ronald verwirrt.
„Und warum waren Sie zu jener Zeit wach?", fragt der Minister kühl. „Konnten Sie nicht schlafen?"
„Ich wollte mit ihr reden", sagt Weasley. Ich verdrehe die Augen und drücke Hermine fester an mich.
„Worüber?", fragt der Minister. Ich habe ihm natürlich in meinem Brief davon erzählt, was passiert ist.
„Über... über...", stottert er.
„Ja?", sagt der Minister scharf. „Worüber?"
„Über... Harry...", sagt Ronald leise.
„Harry Potter, meinen Sie?", fragt der Minister. Ronald nickt.
„Sie wollten über Harry Potter mit Miss Granger um vier Uhr reden", fasst es der Minister in einem Satz zusammen und lehnt sich zurück, mit der Feder spielend. „So seltsam sich das anhört... Na dann. Was ist dann passiert?"
„Hermine... Miss Granger... hat mir gesagt... sie denke auch über ihn nach. Ihr Benehmen hat sich in letzter Zeit sehr geändert. Und ich wollte ihr helfen. Ich habe gedacht, dass es etwas mit Potter zu tun hat."
„Und warum würden Sie so was denken?", fragt der Minister.
„Weil... weil sie offensichtlich vor ihm Angst hat", antwortet Ronald.
Der Minister wirft mir einen Blick zu und neigt den Kopf zur Seite.
„Nun, Miss Granger und Mr Potter kommen mir wie sehr gute Freunde vor", bemerkt er kühl. „Er hat sie ins Ministerium begleitet, weil er ihr seine Unterstützung zeigen wollte. Können Sie uns bitte erklären, warum Sie denken, dass sie vor ihm Angst haben soll?"
Ronald öffnet den Mund, aber kein Laut kommt heraus.
„Bitte?", fordert ihn der Minister auf, als hätte er nicht gut gehört. Mann er ist gut!
„Weil er... weil... er ein Schwarzmagier ist", flüstert Ronald.
Arthur Weasley vergräbt den Kopf in seinen Händen und Molly Weasley presst die Lippen zusammen. Offensichtlich wollte keiner, dass Ronald dazu gezwungen wäre, seine wahren Gründe laut zu sagen. Und offensichtlich ist er noch dümmer, als ich gedacht habe. Tja alles ist möglich... Zum Beispiel dass dumme Menschen noch dümmere Sachen laut sagen.
Der Minister schaut ihn durchdringend an und richtet sich auf. Jeder weiß, wie sehr er Schwarzmagier hasst. Seine Augen blitzen auf.
„Mr Weasley", sagt er trocken. „Das ist eine ernste Beschuldigung. Ich kann mir nicht vorstellen, warum sie so was denken würden. Und sie sagen, Sie waren der Meinung, dass Ms Granger aus diesem Grund Angst vor Mr Potter hatte?"
Weasley nickt und schaut zu Boden. Der Minister kritzelt ein paar Worte hin.
„In Ordnung, Sie haben Miss Granger gefragt, ob sie Angst vor Mr Potter habe und dann was? Was hat sie dazu gesagt?", fragt er weiter.
„Dass sie... zu Professor McGonagall gehe", murmelt Ronald.
Hermine zittert noch immer unter meinen Fingern und ich streichele ihr über das Haar.
„Dann hat sie mich beleidigt", sagt Ronald leise. „Und sie hat nicht damit aufgehört. Auf einmal konnte ich es mir nicht länger anhören und... ich... ich wollte sie nur zum Schweigen bringen. Aber mein Zauber ist fehlgeschlagen."
„Zum Schweigen bringen, wie?", fragt der Minister.
„Mit einem Silencio", antwortet Ronald.
„Verstehe", sagt der Minister, der schon wieder etwas hinkritzelt. „Ist das alles?"
„Ja", sagt Ronald.
„Sie dürfen zu Ihrem Platz zurückkehren", sagt der Minister trocken, ihn keines Blickes würdigend.
„Miss Granger", sagt der Minister zu ihr gewandt, mit einer hörbar sanfteren Stimme. „Wenn Sie ihre Aussage nicht machen wollen, werde ich es verstehen."
„Nein", wimmert Hermine, die sich aufrichtet und meinen Arm weg stößt. „Nein, ich mache Ihnen meine Aussage."
Ich drücke ihre Schulter, als sie schnell aufsteht und, sich das Gesicht wischend, zum Stuhl hinüber geht. Ich kenne diesen Ausdruck. Er heißt, dass Hermine Granger eine Entscheidung getroffen hat. Sie streicht sich das Haar aus dem Gesicht und schaut dem Minister in die Augen.
„Ronald erzählt die Wahrheit", sagt sie entschlossen. „Außer einem kleinen Detail. Ich habe ihm gesagt, er benehme sich wie ein Schwarzmagier. Und das habe ich gesagt, weil er selbst gesagt hat, er würde nie damit aufhören, Harry zu verfolgen."
Sie beißt sich auf die Lippen und streckt eine Hand aus.
„Ich, Hermine Jane Granger, schwöre auf meine Magie, dass alles was ich sage, die Wahrheit ist", sagt sie.
Die Augen des Ministers weiten sich.
„Das war nicht notwendig, Miss Granger", sagt er überrascht. „Wir gehen sowieso davon aus, dass jeder, der eine Aussage macht, die Wahrheit erzählt. Denn das Ministerium anzulügen, ist natürlich ein Verbrechen."
„Oh doch", sagt Hermine schnell. „Ich möchte, dass alle es wissen: ich erzähle die Wahrheit. Und ich werde euch auch erzählen, wie es zu diesem Angriff gekommen ist."
„Seit Harry einen neuen Vormund gefunden hat, haben Ronald Weasley und komplett Gryffindor gedacht, er sei ein Schwarzmagier geworden", spricht sie schnell und entschlossen. „Einmal hat Ronald versucht, seinen Koffer zu durch wühlen, denkend, er würde einen Beweis dafür dort finden. Harry hat seinen Koffer mit einem Schutzzauber belegt. Jeder Tag war reine Qual für uns. Wohin auch immer wir gingen, hat man uns beleidigt und uns gedroht. Einmal hat Ronald auf Harry im Gemeinschaftsraum gewartet und ihn angegriffen, zusammen mit einem anderen Schüler namens Seamus Finnigan. Und falls sie fragen, Harry ist spät in den Gemeinschaftsraum gekommen, weil er bei Draco Malfoy war."
Das war nicht notwendig, Hermine. Aber in Ordnung. Hoffentlich wird der Minister keine Fragen dazu stellen.
„Wie gesagt, haben die zwei ihn angegriffen. Ein kurzer Kampf ist daraufhin gefolgt und Harry hat sich verteidigt. Schließlich ist es ihm gelungen, die beiden außer Gefecht zu setzen. Er hat Ronald erklärt, dass er glücklich mit seiner neuen Familie ist und hat ihn darum gebeten, ihn endlich in Ruhe zu lassen. Eben dann hat Ronald ihm gesagt, er sei also doch ein Schwarzmagier."
Hermine presst die Lippen zusammen und schaut in die Runde.
„Und ich frage euch alle, womit Harry so was verdient hat? Weil er endlich eine Familie gefunden hat? Weil Narzissa Malfoy sich gut um ihn kümmert, etwas, was keiner bisher tun wollte? Nur weil ihr Name Malfoy ist und weil ihre Vorfahren dunkle Magier waren, soll Harry auch einer sein? Ich bin zwar erst dreizehn, aber auch ich bin der Meinung, dass eine solche Denkweise kindisch ist. Ich bin dazu eine Muggelgeborene – soll man mich aufgrund meiner Herkunft schikanieren und beleidigen? Sind wir nicht alle gleich und haben wir nicht alle die gleichen Rechte?"
„Nun, danach hat Ms Malfoy eingesehen, dass Harry in Gryffindor nicht sicher ist. Sie hat Professor McGonagall darum gebeten, einen Hauswechsel zu ermöglichen, sodass Harry sicher wäre. Und Harry geht es gut in Slytherin, wo er Draco hat. Ich wiederum bin in Gryffindor geblieben, wo man mich jeden Tag beleidigt und hasst. Ich bin jeden Tag eingeschlafen mit der Frage im Kopf, ob man mir im Schlaf etwas antut. Ich habe die hasserfüllten Blicke und die Beleidigungen erduldet. Und dann hat Professor McGonagall ein paar Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, die mein Leben erleichtert haben."
Sie wirft der Professorin einen dankbaren Blick zu, der keinem entgeht.
„Aber sogar das hat nicht geholfen. Ich konnte nicht schlafen, weil ich Angst hatte. Vor den Mädchen in meinem Schlafraum. Und deswegen stand ich in jener Nacht auf und ging runter in den Gemeinschaftsraum. Ronald ist gekommen und alles ist so verlaufen, wie er es Ihnen erzählt hat. Ich habe ihm aber nicht gesagt, er sei das und das. Ich habe nur gesagt, er benehme sich wie ein Schwarzmagier, weil er es nicht ertragen kann, dass Harry endlich glücklich ist und weil er nicht begreifen kann, dass Harry nicht länger mit ihm befreundet sein möchte. Und das weil er sein wahres Gesicht gesehen hat. Weil er ihn verlassen hat, sobald er erfahren hat, dass Narzissa Malfoy sein neuer Vormund ist. Und Harry wollte mit solch einer Person nichts mehr zu tun haben."
„Ich bin zwar ein Gryffindor, aber ich denke, dass ich der einzige wahre Gryffindor dort bin", sagt sie laut. „Denn jeder ist so voller Vorurteile und Bitterkeit, dass sie den wahren Gryffindors nicht ähneln. Freundschaft ist eine der Tugenden von Godric Gryffindor und ich bin Harrys gute Freundin geblieben, als alle ihn verraten haben. Meine Eltern sind zwar Muggel, aber sie haben mir beigebracht, nie jemanden aufgrund seines Äußeren zu verurteilen. Aufgrund der Tatsache, dass man aus einer armen Familie stammt, oder dass man einfach anders ist. Sogar die Muggel wissen das. Wenn ich das letzte Opfer von Vorurteil und Feindseligkeit zwischen den Häusern bin, dann schön. Ich opfere mich für so was gerne."
Ihre Stimme zittert und ihre Augen blitzen auf. Während sie gesprochen hat, haben ihr alle schweigend und wie gebannt zugehört und Professor McGonagall zieht jetzt ein Taschentuch hervor und wischt sich die Augen.
„Minister Crouch, das ist alles, was ich sagen wollte", sagt Hermine und steht auf.
Der Minister mustert sie vollkommen sprachlos. So was hat er nicht erwartet. Und um ganz ehrlich zu sein, ich auch nicht.
„Danke, Miss Granger", sagt er leise. „Ähm... Professor McGonagall?"
Denn McGonagalls Hand ist in der Luft.
„Ich möchte auch etwas sagen, Minister, wenn ich darf", sagt sie. Er deutet mit der Hand auf den Stuhl und die Professorin steht auf.
„Ich komme nicht nur als ein Begleiter ins Ministerium, sondern auch als das Oberhaupt von Gryffindor", sagt sie.
Hermine setzt sich zu mir und ich lege einen Arm um ihre Schultern. Sie zittert. Hermine, das hast du sehr gut gemacht.
„Nun, Miss Granger hat Recht", sagt Professor McGonagall. „Ich habe die Unruhe in Gryffindor bemerkt, als Mr Potter dieses Jahr in Hogwarts angekommen ist. Jeder hat natürlich über seinen neuen Vormund geredet, aber keiner hat über seine Misshandlung geredet. Vielleicht für eine Weile hat man ihn mit Mitleid angeschaut, aber dieses Mitleid ist schnell verschwunden. In so vielen Jahren, die ich als Lehrerin in Hogwarts verbracht habe, habe ich nie so etwas gesehen. Vielleicht hat es Mr Weasley zu weit getrieben; aber auch Mr Finnigan war dabei gewesen, als sie Mr Potter im Gemeinschaftsraum überfallen haben. Und auch Miss Brown, die Miss Granger jeden Tag fürchterliche Sachen sagt. So viel Hass habe ich noch nie gesehen und ich frage mich, was dahinter steckt."
„Nun, Ihre Sicherheitsmaßnahmen waren ziemlich effektiv", meint Crouch nachdenklich. „Aber vielleicht sollten Sie dieses Thema mit dem Schulleiter besprechen. Zwar handelt es sich um Kinder – aber wie wir gesehen haben, können auch Kinder Schaden anrichten."
Kinder? Schaden? Du hast keine Ahnung, guter Minister...
„Vielleicht haben die Eltern keine Ahnung davon", sagt er verbittert. „Aber wenn sie es wüssten, würden sie wahrscheinlich einige Disziplinarmaßnahmen durchführen."
„Eine hervorragende Idee, Minister", sagt McGonagall begeistert. „Ich werde Professor Dumbledore vorschlagen, mit den Eltern zu reden."
Crouch wirkt zufrieden mit sich selbst und McGonagall kehrt zu ihrem Platz zurück.
„So wie ich die Sache sehe", sagt er, einen Blick auf seine Pergamentrolle werfend, „ist die Verweisung aus der Schule gerecht. Normalerweise sind die Eltern eines Minderjährigen für sein Benehmen, beziehungsweise Verbrechen verantwortlich."
„Ich schlage vor, dass Mr Weasleys Stab zerbrochen wird", sagt er nach einer Pause und schaut sich um.
Das ist... nun ja... genial! Ein wenig streng, aber da es um den Wiesel geht, hervorragend!
„Aber Herr Minister", protestiert eine Hexe, „Mr Weasley hat keinen Fluch benutzt. Er wollte ihr nichts antun."
„Und haben wir einen Beweis dafür?", fragt der Minister scharf.
„Eigentlich ja", meldet sich McGonagall zu Wort. „Meine Sicherheitsmaßnahmen würden einen Fluch detektieren. Aber das haben sie nicht, also war es kein Fluch."
Crouch wirkt ehrlich überrascht und ein wenig enttäuscht.
„Aus diesem Grund hat es niemand bemerkt", fährt sie leise fort. „Mr Weasley hat mich selbst gerufen."
„Und Sie sind sich hundertprozentig sicher, dass es kein Fluch war?", fragt der Minister argwöhnisch.
„Ja", antwortet McGonagall.
„Nun... nun...", murmelt der Minister ein wenig verwirrt.
„Ich schlage vor, dass wir die Sache so lassen so wie sie ist", schlägt ein Zauberer vor.
„Unmöglich", zischt der Minister. Warum ist er so darauf erpicht, den Wiesel zu bestrafen? Das ist interessant...
„Seine Eltern werden also die Verantwortung für sein skandalöses Benehmen tragen", sagt er, Molly Weasley einen Blick zuwerfend. „Ich schlage sechs Monate in Azkaban vor."
Die Halle bricht in Gemurmel aus.
„Wir sollten wählen", meldet sich die Hexe wieder zu Wort. „Herr Minister."
„Wählen?", wiederholt der Minister, der sie anschaut, als denke er, sie sei verrückt geworden. Dann erinnert er sich an die Tatsache, dass er nicht alleine entscheiden darf. „Ja, ja, in Ordnung."
„Also zuerst wählen wir, ob wir darin übereinstimmen, dass Mr und Miss Weasley nach Azkaban gehen sollen."
Nur zwei Hände werden in die Luft gehoben. Der Minister zischt und dreht sich um.
„Nun so geht es nicht", sagt er genervt. „Wir müssen eine Entscheidung treffen!"
„Bei allem Respekt, Herr Minister", meldet sich ein alter Zauberer zu Wort. „Ich denke, dass keiner ins Gefängnis gehen soll."
„Ach nein?", fragt der Minister scharf. „Und was, wenn Ihre Tochter angegriffen worden wäre? Das wird eine wichtige Lektion für alle Eltern und Kinder sein. Die Schuldigen müssen bestraft werden!"
Eine seltsame Wortwahl...
„Nun, ich bezweifele, dass eine Geldstrafe gerecht wäre, denn die Weasleys haben viele Kinder und sie brauchen Geld", sagt die Hexe wieder, Molly Weasley einen Blick zuwerfend.
Der Minister ist außer sich vor Wut.
„Wenn wir alle Urteile nach dem Konto des Angeklagten bestimmen würden, würden wir nie und nimmer etwas erreichen können!", bellt er aufgebracht. „Das hier ist ein Ministerium und ich bin der Minister! Ich werde für keinen eine Witzfigur spielen!"
„Vielleicht wäre es ratsam", meldet sich wieder der alte Zauberer zu Wort, „dass wir uns ein anderes Mal treffen und dann eine Entscheidung treffen. Schließlich haben wir die Aussagen aller Zeugen und des Angeklagten gehört und können jetzt eine Entscheidung auch ohne sie treffen. Sie können zurück in die Schule gehen."
Der Minister wischt sich das Gesicht mit einem Taschentuch und seufzt. Die Zauberer und Hexen nicken und alle scheinen damit einverstanden zu sein.
„Na schön", spuckt der Minister wütend. „Wir werden Mr Weasley und Miss Granger über unsere Entscheidung benachrichtigen. Die Anhörung ist beendet."
„Mr Potter", sagt der Minister, als ich zusammen mit Hermine aufstehe. „Ich habe Ihr Interview gelesen. Und manche Sachen, die Sie gesagt haben, gefallen mir. Ihre Denkweise ist äußerst reif für einen Jungen Ihres Alters. Und mein Angebot steht noch immer."
„Vielen Dank, Minister", sage ich höflich. „Ich freue mich schon darauf."
„Ja", sagt der Minister ein wenig geistesabwesend. Offensichtlich hat ihn der Protest seiner Kollegen und Kolleginnen total aus der Bahn geworfen. „Ja. Nun, wir sehen uns also, wenn die Schule endet. Viel Glück, Mr Potter. Miss Granger."
Er kommt an uns vorbei und verlässt, die Nase rümpfend, die Halle.
„Du warst genial", flüstere ich Hermine ins Ohr. „Alle Achtung."
„Danke, Harry", erwidert sie leise. Sie zittert noch immer.
„Sie haben alles wie eine Erwachsene ertragen", meint McGonagall, als wir uns zusammen auf den Weg zum Fahrstuhl machen. Weasley ist schon mit seiner Familie verschwunden. Gut so. „Und wie eine wahre Gryffindor. Ich bin stolz auf Sie, Miss Granger."
Hermine lächelt schwach, aber als sie mich im Fahrstuhl anschaut, weiß ich, worüber sie nachdenkt. Sie hat alle angelogen; und sie weiß, dass der wahre Verbrecher im Fahrstuhl zusammen mit ihr steht. Sie hat es meinetwegen getan. Und das ist ein Beweis ihrer Treue. Hermine, die sich dessen rühmt, immer die Wahrheit zu erzählen und den Menschen gegenüber ehrlich zu sein, hat die Halle voller Menschen samt dem Minister für Magie schamlos angelogen. Meinetwegen.
